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Ich kann sie hören, die Rufe: „Nicht schon wieder die Eifel!“ Aber die Eifel gibt dem tourenbegeisterten Fahrer eine Vielzahl von alternativen Routen, die das breite Spektrum von Schwarzwald oder Bayern nicht scheuen muss. Die Eifel ist nicht nur Nürburgring.

Legen wir also los mit unserer heutigen Tour mit dem etwas merkwürdigen Titel. Was hat die Eifel mit der italienischen Hauptstadt zu tun? Momentan noch nichts, unser Tourstart beginnt aber zumindest schon einmal in einer Stadt, die sich rühmt älter als Rom zu sein, in Trier.

Wir rollen uns langsam auf der linksseitigen Moselseite ein und folgen einfach stadtauswärts der B 53 in Fluss-richtung. Aber bald drehen wir bereits der Mosel den Rücken und folgen der Beschilderung in Richtung Bitburg. Die L 46 ist eine beliebte Motorradstrecke in der Region und leider fordert sie alljährlich auch das ein oder andere Opfer. Zum Glück reagiert man bislang im Großraum Trier noch nicht mit den ansonsten üblichen Strecken-sperrungen. Wir folgen dem Kurvenverlauf der L 46 und kommen alsbald an Herforst vorbei nach Spangdahlem und dem dortigen Militärflugplatz. In der struktur-schwachen Region ist die US-Airbase größter Arbeitgeber, nach der bekannten Brauerei in Bitburg. Die Amerikaner sprechen gerne vom „sweet sound of freedom“. Für die Anwohner ist es einfach nur Fluglärm. Aber als Motorradfahrer weiß man wie unterschiedlich gewisse Geräusche ausgelegt werden können.

Als Orientierung dient uns nach dem Flugplatz die Wegweisung in Richtung Kyllburg. Ein Eifelörtchen welches wir aber auf unserer Tour nicht erreichen werden. Hinter Oberkail geht es dann zunächst für eine Weile auf die B 258 in Richtung Daun. Eine Bundesstraße der interessanteren Art, aber nur eine kurze Episode unserer heutigen Tour. Es riecht nach „Ring“, aber an den Nürburgring kommen wir heute nicht.

Wir biegen bald links ab und folgen der Wegweisung nach Salm und Gerolstein. Vielleicht entdeckt der aufmerksame Tourer jetzt schon einen merkwürdigen Hinweis. Verkehrsarm und kurvenreich geht es in Richtung Gerolstein. Die Ortseinfahrt gibt dabei einen schönen Blick auf das Eifelörtchen frei.

Wer Lust hat kann jetzt hinauf zur Kasselburg. Die Burgruine aus dem 12. Jahrhundert, oder besser das 10 ha große Areal drumherum, gibt dem größten Wolfsrudel Westeuropas, sowie einer stattlichen Zahl von Greif-vögeln, ein Zuhause.

Es sprudelt in der Eifel und auf unserer Tour. Im Eifeler Mittelzentrum Gerolstein ist die gleichnamige Sprudel-
marke zu Hause. Und sprudelnd geht unsere Fahrt weiter über Rockeskyll in Richtung Hillesheim, dem deutschen Krimizentrum. Vorher werden wir aber noch eine kleine Schleife drehen. Nicht nur der wunderschönen Streckenführung wegen, sondern auch weil die Fahrzeugbesatzung langsam eine Pause und eine Mahlzeit verdient hat.

Wir biegen nach Kerpen ab. Nein, nicht die Heimat eines bekannten Autorennfahrers. Die Abzweigung ist nicht zu verpassen, denn die auf einem Dolomitsporn 500 m über NN errichtete Burg Kerpen weist uns weithin sichtbar den Weg. Ein wunderschönes kleines Eifelörtchen mit einer, im wahrsten Sinne des Wortes, romantischen Pausenstation. Das „kleine Landcafe“ in Kerpen lädt zum Verweilen ein. Bei schönen Wetter gerne auf der Terrasse und bei kühlem oder regnerischen Wetter, was in der Eifel schon einmal vorkommen kann, gerne im gemütlichen Gastraum.
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Wem nicht nach Cafe ist, der folgt der Beschilderung nach Loogh und kann dort in der „Käserei Grünerhof“ eine Rast einlegen. Hier kann man auch direkt beim Erzeuger leckeren Käse erwerben, falls unterwegs noch eine Brotzeit fällig werden sollte. Wenn auch das nicht Gefallen findet, fahren wir einfach ein paar Kilometer zum nächsten Ort weiter und pausieren im „Landgasthof Schröder“ in Üxheim-Niederehe. Der Chef des Hauses treibt selbst eine „GS“ durch die Eifel und bietet auch spezielle Arrangements für Motorradfahrer an. Wir sind also hier gut aufgehoben und das auf jede Arte und Weise, denn die Verpflegung ist ebenfalls vorzüglich. Wer also unsere Tour nicht von Trier aus starten möchte, kann sich auch hier im Landgasthof Schröder seine „Basisstaion“ einrichten und im Anschluss die Eifel „unsicher“ machen. Eine entsprechende Anderstourenempfehlung folgt in Kürze.

Irgendwo gestärkt fahren wir von Kerpen in Richtung Berndorf. War da nicht noch was? Richtig – dieser Eifelort hat dem Krimiautor Jacques Berndorf den Namen gegeben. Michael Preute alias Jacques Berndorf ließ sich hier im Jahr 1984 nieder. 1989 erschien dann sein erster Eifelkrimi. Da Michael Preute aber bereits vorher ein erfolgreicher Journalist und Schriftsteller war und sich nun erstmals ins Genre Kriminalromane wagte, riet ihm sein Verleger zu einem Pseudonym. Hintergrund war, seine Autorentätigkeit bei Sachbücher von den Kriminalromanen zu trennen.
Es verwundert jetzt auch nicht, dass wir im weiteren Streckenverlauf in der deutschen Krimihauptstadt Hillesheim landen. Alles im Ort ist auf Krimi ausgerichtet. Hier können auch Krimiwochenenden gebucht werden und man betätigt sich als Ermittler auf Tätersuche. Krimihotel, Kriminalhaus und Eifelkrimi-Wanderweg. Hier kann jeder der das Genre liebt glücklich werden.

Wir sind auf Kurvensuche und folgen nicht Täterspuren oder Fingerabdrücken, sondern der Beschilderung nach Gerolstein. Hier landen wir unweit der Kreuzung wo wir bereits das erste Mal in der Ort eingefahren sind und wenden uns in Richtung Bitburg, Prüm, um alsbald in Richtung Birresborn ins Kylltal einzufahren. Wie bereits gesagt es sprudelt in der Eifel und so verwundert es niemanden, dass es auch in Birresborn eine Sprudelquelle gibt oder besser gab. 2003 wurde sie geschlossen, als man Keime im Mineralwasser entdeckte.

Jetzt in der Ortslage Birresborn ist Showdown. Die Abzweigung nach links in Richtung Salm weist auch unser Rom aus. Also nichts wie hin und die kurvige Strecke nach Rom genießen. Der ein oder andere Supersportler wird den Begriff Genuss, wegen der mitgenommenen Teerdecke, sicher anders auslegen, aber die Gegend macht das wett.

Jetzt aber nicht all zu sehr auf das Tempo drücken, denn sonst verpassen wir noch unser Rom. Das wäre bei der geringen Anzahl an Häusern schnell passiert. Lediglich ein kleines grünes Hinweisschild weist auf die City hin. Wahrscheinlich war das antike Rom bereits im Gründungsjahr 753 vor Christus eine größere Siedlung. Aber immerhin können wir heute Abend ohne der Lüge bezichtigt zu werden behaupten: Wir waren heute in Rom!

In Salm geht es ab nach rechts in Richtung Mürlenbach und damit zurück ins Kylltal. Wir merken heute: Wenn es nicht gerade sprudelt hat irgendein Lehnsherr eine Burg im Ort gebaut. Über einen Höhenzug erreichen wir den Ort an der Kyll und haben einen wunderbaren Blick auf das Kylltal und die Bertradaburg. Angeblich war diese Burg Geburtsort von Karl dem Großen. Historisch belegt ist dies jedoch nicht. Erste urkundliche Nachweise der Bertradaburg finden sich im 13. Jahrhundert. Archäologische Befunde in der Bausubstanz sprechen aber für Vorgängerbauten früheren Ursprungs. Wer es also glauben mag kann im Geiste den „kleinen Karl“ auf dem Burgfried spielen sehen.

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Wer eine Pause braucht kann sich unterhalb der Burg im Gasthaus bei sonnigem Wetter auf der Terrasse eine Tasse Kaffee gönnen. Wir fahren in Richtung Schönecken weiter und folgen wieder unseren Kurven bergauf in das nächste Waldstück. Ein Links- Rechtswechsel nach dem Anderen und der eilige Reiter nimmt auf der Höhe fast nicht das kleine Ortsschild Weißenseifen wahr. Kunstinteressierte können hier Halt machen, denn Weißenseifen ist seit den 50er Jahren bekannt als Künstlersiedlung. Überwiegend haben sich Maler und Bildhauer Weißenseifen als Wohn- und Arbeitsstätte gewählt.

Auf geht’s in Richtung Schönecken und wer hätte es gedacht? Richtig, die nächste Burg oder besser das, was davon übrig ist. Wir sehen die Überreste einer Höhenburg die sogar auf zwei Namen „hört“. Bella Costa oder Clara Costa wird sie genannt und eine Burg mit einem derart klangvollen Namen vermutet man eher in bella Italia, als in der Eifel. Oder waren wir eben doch in dem richtigen Rom?

Egal, schlagen wir erst einmal den Weg in Richtung Bitburg ein und das heißt eine kurze Wegstrecke durch das Nimstal. Bei Nimshuscheid weist uns ein Autobahnschild nach rechts. Dem Hinweis fahren wir nach ohne natürlich auf die Autobahn zu wechseln. Es geht in Richtung Kyllburg, nur fahren wir nicht in den Ort, sondern biegen in einer Spitzkehre nach links ab in Richtung Mauel. Der Ort schreibt sich so und hat nichts mit unserer bekannten Körperöffnung zu tun. Dafür zeigt aber der eingeschlagene Weg warum die Eifel so beliebt bei Motorradfahrern geworden ist. Kurven, wenig befahrene Straßen und die Qualität der Fahrbahndecke hält sich auch im akzeptablem Rahmen. Man ist ja zwischenzeitlich in Sachen Asphaltdecke bedürfnislos in Deutschland geworden und findet schon Dinge in Ordnung, welche vor nicht allzu langer Zeit zu einem Aufschrei geführt hätten.

Jetzt gibt es zwei Alternativen für die weitere Route. Die „Mutigen“ biegen nach ca. 3 km nach links in Richtung der „Maueler Mühle“ ab und fahren über eine kurvige und enge Wegstrecke an Atzseifen vorbei um etwa in Höhe vom Geweberhof nach rechts auf die L 12 in Richtung Rittersorf abzubiegen.
Variante 2 läuft über
Mauel und Philippsweiler, Altscheid und Koosbüsch weiter nach Hermesdorf. Von hier können wir dann beinahe auf die Anlaufstelle für Biergeniesser schauen, unsere nächste Zwischenstation Bitburg. Falls ihr in einer Gruppe unterwegs seid und eine Brauereibesichtigung ins Auge fasst (es gibt auch „Alkoholfrei“) kann man sich unter der folgenden E-Mail-Adresse marken-erlebniswelt@bitburger.de oder unter der Tel.-Nr. 06561/142497 vorab anmelden.

Wir wechseln kurz, um Strecke zu machen, auf die B 51. Aber nicht lange wird das Mittelprofil unserer Reifen strapaziert. Halt, fast vergessen. Da könnte der ein oder andere zwischenzeitlich wieder Appetit auf eine gute Mahlzeit bekommen haben. Bevor also jemand vor unserer Rückkehr in die Römerstadt Trier unterzuckert von der Maschine fällt, sollte derjenige in Höhe Meilbrück von der Bundesstraße in Richtung Meckel abbiegen. Alternative Route mit „minimalem Bundestraßenanteil“ ist bei der Abzweigung in Richtung „Echternach“ nach rechts die B 51 verlassen und dann über Masholder, Oberstedem und Eßlingen nach Meckel. Die paar Kilometer Umweg lohnen sich, denn das „Landgasthaus Herrig“ in Meckel ist die Pause wert. Günstiger als in der touristenorientierten Innenstadtgastronomie von Trier bekommt der hungrige Gast hier leckere Menues und Speisen. Das einzige Problem ist, unser Bierchen muß noch warten, weil wir ja noch nicht am Ziel sind.

Alles aufgegessen oder gar keine Pause gemacht? Dann fahren wir über Gilzem in Richtung Welschbillig oder alternativ den alten Weg zurück zur B 51 und dann bei Helenenberg in Richtung Welschbillig. Wir hatten lange keine Burg mehr auf der Strecke? Hier im Ort finden wir die baulichen Fragmente einer Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert. Der Bauplatz war scheinbar bereits zur Römerzeit beliebt, denn hier befand sich bereits im 2. Jahrhundert die römische Villa rustica.

Jetzt haben wir wieder Gelegenheit die Kanten der Reifen anzuwärmen und rollen in einem wunderbaren Kurven-verlauf nach Kordel.

Wer tatsächlich bis zu diesem Ort noch nicht ausreichend Burgen von Nahem gesehen hat, kann in der Ortslage zur Burg Ramstein abbiegen. Zu Beginn des 14. Jahrhundert entstand die vormals kurtrierische Landesburg. 1689 wurden die Ecken des 25m hohen, rechteckigen Wohn-
turms von den Heeren des Sonnenkönigs Ludwig XIV. gesprengt. Irgendwie hinterlässt die Anlage den An-schein, dass sich seitdem baulich nicht mehr viel getan hat.
Wer nur auf ein Erinnerungsphoto aus ist kann, im Streckenverlauf nach Ehrang, den Straßenrand zum Fotohalt nutzen und ein letztes Burgenfoto für den heutigen Tag schießen.

Falsch machen können wir jetzt streckentechnisch nichts mehr, zumindest was das Verfahren angeht. Jetzt führen nicht mehr alle Wege nach Rom, sondern nach Trier. Und die alte Römerstadt ist nicht nur den Abend zum Ausklang der Tour wert. Bis man alle römischen Highlights besichtigt hat geht locker ein Tag ins Land und dann hat man noch nicht das Geburtshaus des berühmtesten Sohnes der Stadt besichtigt. Das Karl-Marx-Haus lockt alljährlich eine Vielzahl von, vor allem asiatischen, Besuchern an und steht typisch für Trier nicht in der Karl-Marx-Straße, sondern in der Brückenstraße.

Die spinnen die Römer.

Falls man versorgungstechnisch nicht in Meckel das Gasthaus Herrig aufgesucht hat, so ist jetzt in Trier, in einer Stadtrandlage, das Restaurant „Externes“ zu empfehlen. Die tiefenentspannten und herzlichen Wirtsleute fahren selbst Motorrad und der Chef des Hauses zaubert wirklich Feines auf den Teller oder in die Auflaufform. Hier isst man garantiert touristenfrei und sitzt „gemeinsam mit dem breiten Spektrum an Eingeborenen“ am Tisch. Sicherheitshalber sollte man vorbestellen, da sich die gute Lokalität herumgesprochen hat und allseits großer Beliebtheit erfreut (0651/23179).

Also auf geht`s in die Eifel nach Rom, zu den Burgen, dem Sprudel und nach Trier.

Die „Anlaufadressen“ für Speis & Trank sind nochmals separat mit Telefon und Internet auf der Seite Tipps zum Rasten & Übernachten aufgeführt.

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