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Ich kann es ja einfach nicht leugnen. Mein Motorradherz schlägt tief in seinem Innersten immer noch für die roten Göttinnen aus dem Werk von Borgo Panigale in Bologna. Aber wo geht die Reise jetzt hin bei den Italienern?

Was hatte ich Ende der 80er Anfang der 90er in der Superbike-WM ein Grinsen im Gesicht, wenn die roten Renner ein um das andere Mal der Phalanx der japanischen Vierzylinder ein Schnippchen schlugen.

„Ciao ragazzi. Dove siamo è davanti!“

Und im Jahr 2003 war es dann in der neu geschaffenen Königsklasse der Moto GP so weit. Der Werkseinstieg von Ducati, dazu noch mit Sympathieträgern wie Loris „Capirex“ Capiriossi und Troy Bayliss als Fahrerpaarung. Wie ein (im wahrsten Sinne des Wortes) roter Faden zieht es sich seitdem durch die Historie der Moto-GP-Renner von Ducati → auf der Geraden gingen die Maschinen wie die Hölle.

Und so war es auch nicht verwunderlich, dass ausgerechnet auf dem, mit einer langen Geraden gesegneten, GP-Kurs in Barcelona der erste Sieg für Loris Capirossi und die Desmosedici 2003 heraussprang.

Die beiden Folgejahre 2004 und 2005 waren recht schwierig für das Bologneser Werk. Das Einstiegsjahr 2003 hatte die Erwartungen wohl etwas zu sehr in die Höhe getrieben und am Ende waren die Herrn aus Borgo Panigale nicht so ganz zufrieden.

Was macht man im Fußball, wenn man mit dem Team nicht so ganz zufrieden ist? Man wechselt den Trainer oder kauft sich von einem anderen Verein einen starken Spieler. Dies in der Hoffnung, dass der es jetzt richten möge.

Aus meiner Sicht kam es damals zu der ersten in einer Reihe von folgenden personellen Fehlentscheidungen in der Führungsetage der kleinen italienischen Manufaktur.

Der Spanier Sete Gibernau wurde Teamkollege von Loris Capirossi und Troy Bayliss führte das Ducati-Superbike in der WM wieder von Sieg zu Sieg und abschließend zum Titel.

Noch heute bin ich der festen Überzeugung, dass Loris Capirossi 2006 Moto-GP-Weltmeister geworden wäre – ja wäre – wenn da nicht sein eigener Teamkollege, Sete Gibernau, ihn in Barcelona direkt beim Start brachial von seiner Ducati gefahren hätte. Ein komplett unsinniges Manöver und damit ein komplett unnötiger Sturz. Null Punkte und in den anschließenden Wochen kämpfte Capirex mit seiner sturzbedingt eingeschränkten Fitness. Zu Saisonende 2006 war es dann Platz 3 im Gesamtklassement. Ach ja, Saisonende. Da durfte dann als „Dankeschön“ für den SBK-WM-Titel auch Troy Bayliss noch mal ran in der Moto GP. Der bedankte sich mit einem Start-/Zielsieg und mehr Führungsrunden in diesem Rennen, als der Weltmeister 2006 Nicky Hayden für sich in der gesamten Saison verbuchen konnte. Den Doppelsieg machte Loris Capirossi für Ducati klar.

Hatte ich eben von einer Reihe personeller Fehlentscheidungen gesprochen? Für die Saison 2007 trafen die Verantwortlichen in Borgo Panigale eine Entscheidung, die sich als absoluter Glücksgriff herausstellen sollte. Für den glücklosen Sete Gibernau  kam der junge Australier Casey Stoner in das Werksteam.  

Neu war auch in der Moto GP die Reduzierung der Motoren auf 800 cm3. Und dieses Gesamtpaket, neue Maschine und neuer Fahrer Casey Stoner, führte zu einer unvergleichbaren Saison für Ducati. Bereits vier Rennen vor Saisonende stand der Australier als Weltmeister fest.

Ich werde nie den Grand Prix in der Türkei vergessen, als Stoner sich einen sehenswerten Zweikampf mit dem Doctor Valentino Rossi lieferte. Rossi zog im kurvigen Infield der Strecke immer wieder an Stoner vorbei. Der konterte in Seelenruhe immer wieder auf der Zielgeraden der Strecke und ging seinerseits mit wahnsinnigem Tempoüberschuss an Rossi vorbei. Irgendwann resignierte der abgekämpfte Rossi dann und kapitulierte vor der Paarung Ducati-Power und Fahrtalent Stoner.

Fahrtalent Stoner? JA – weil NIEMAND auch nur annähernd in der Zukunft an die Performance von Stoner mit der Ducati herankam. Und genau dies hatten die Herrn in Bologna nicht oder zumindest nicht komplett richtig erkannt. Denn nur der Australier war fähig auf allen Strecken des WM-Kalenders um das Podest mitzufahren. Von wegen „Rolling Stoner“ – dieser dümmliche Spitzname wird dem Fahrer Casey Stoner de facto nicht gerecht. Wenn er mit der Ducati das Kiesbett aufsuchte, hätten andere Fahrer schon lange nicht mehr auf der Maschine gesessen.

Zukünftig sollten sich dann so schillernde Namen wie Marco Melandri, Nicky Hayden, Cal Crutchlow und Valentino Rossi die Zähne an dem unzähmbaren roten Biest ausbeißen.

2007 also Weltmeister – Ducati mit Casey Stoner! In der Folge dann oftmals wieder nahe dran aber doch immer einen kleinen Hauch vom großen Wurf entfernt.

Was noch – 2008 Marco Melandri als Teamkollegen zur Verzweiflung getrieben, weil der noch nicht einmal zu Achtungserfolgen auf der Duc fähig war.

Und ab 2009 durfte dann Nicky Hayden an den Auspuffenden von Casey Stoner schnüffeln.

Nach 2010 war dann die Ära Stoner bei Ducati beendet, nachdem man 3 x in Folge Yamaha den Vortritt lassen musste (2 x Valentino Rossi und 1 x Jorge Lorenzo)

Stattdessen kam es jetzt zur Traumehe! Ducati und der Doctor Valentino Rossi. Was hatte ich für wunderbare Vorstellungen gehabt. Valentino würde, wie bei seinem Wechsel von Honda zu Yamaha, mit der bärenstarken Ducati alles in Grund und Boden fahren. Schließlich war die Duc unter Stoner 2010 (trotz krankheitsbedingten Ausfällen) noch für 3 Siege gut und Valentino sicher der größte Motorradfahrer der Neuzeit!

Die Realität sah allerdings für meine Roten gänzlich anders aus!

Casey Stoner düpierte auf der Honda den Rest des Feldes und fuhr den Titel 2011 für Honda ein und der Doctor?

Ein einziger Platz auf dem Podium war die Ausbeute für Valentino im Jahr 2011. Das Kohlefaserchassis und der Doctor wollten einfach nicht harmonieren.

Also 2012 ein konventionelles Fahrwerk verbaut. Endresultat waren zwei Podestplätze und die komplette Ernüchterung bei Ducati und bei Valentino Rossi. Nach lediglich zwei Jahren war die Traumehe Geschichte und selbst die letzten Skeptiker, die die Auffassung hatten Casey Stoner sei lediglich wegen der überragenden Motorleistung der Ducati 2007 Weltmeister geworden, mussten sich eingestehen, dass die Wahrheit woanders lag.

Meine Auffassung dazu folgt am Ende des Berichtes.

Ein Italiener durfte aber in der Folge weiter Geschichte auf der italienischen Göttin schreiben. Andrea Dovizioso, ebenfalls ein maßlos unterschätzter Fahrer, durfte auf der Ducati Platz nehmen.

Sein Teampartner Nicky Hayden hatte dann im folgenden Jahr ausgedient und wurde durch den kampfstarken Briten Cal Crutchlow ersetzt.

Das rote Biest zog aber dem Engländer binnen kurzer Zeit so ziemlich jeden Zahn und so rannte Cal Crutchlow nach nur einem Jahr mit fliegenden Fahnen (als Bradl-Ersatz) zum LCR Team und Honda.

Dann hatten die Verantwortlichen im Werk in Bologna aber doch noch einen Geistesblitz. 2014 übernahm Luigi „Gigi“ Dall`Igna, von Aprilia kommend, die Teamleitung und zeigte sofort wie hilfreich es ist, wenn man Ausschreibungen und Reglements lesen kann. Das Schlitzohr (durchaus liebenswürdig gemeint) Dall`Igna meldete das Ducati-Team einfach als Open-Team, mit allen damit verbundenen Vorteilen, an. Nachdem alle beteiligten Verbände diese Lücke im Regelwerk dann erkannt hatten wurde das Ducati-Team zwar als sogenanntes Factory 2 Team eingestuft, gewisse Vorteile gegenüber der japanischen Konkurrenz genossen die Bologneser aber weiterhin.

Endlich war Licht am Ende des Tunnels erkennbar und Andrea Dovizioso erkämpfte immerhin 2 Podestplätze und eine Pole-Position in der Saison 2014.

Die Saison 2015, mit zwischenzeitlich komplett neu entwickelten Desmosedici lief dann noch besser für die beiden Andrea.
Dovizioso und Iannone erkämpften gemeinsam 8 Podestplätze, nur ein Sieg blieb beiden noch verwehrt.

Das bekamen die beiden aber dann in der Folgesaison 2016 in den Griff. Auf dem ultraschnellen Kurs in Spielberg (Österreich), der für die bärenstarken Ducatis wie gemacht ist, feierten die beiden Italiener einen Doppelsieg. Erster Platz für Iannone und zweiter Platz für Andrea Dovizioso.

Der revanchierte sich dann noch gegen Ende der Saison und gewann das Regenrennen in Malaysia. Also ein durchaus erfolgreiches Jahr für die roten Renner aus Bologna.

2017 sollte jetzt für Ducati alles NOCH besser werden und da hat man keine Kosten gescheut. Bereits während der 16er Saison wurde der Zweijahresvertrag mit Jorge Lorenzo publiziert und den Ex-Weltmeister hat man natürlich nur aus einem Grunde teuer eingekauft:

Ducati will nach 2007 endlich wieder die Krone der Moto GP nach Bologna holen!

Ein großes Ziel und hohe Erwartungen an Jorge Lorenzo. An einen Mann, der zweifellos zu den Besten der Zunft zu zählen ist. ABER ein Pilot, der einen feinen, runden Fahrstil liebt. So ist er in der 250er Klasse erfolgreich gewesen und so hat er auch in überragender Manier seine Moto GP Titel auf seiner Yamaha gewonnen. 

ABER so gewinnt man nicht mit der bärenstarken Ducati. So gewinnt man mit ihr keine Rennen und erst recht keine Titel.

Wer das mittlerweile komplett verinnerlicht hat ist Andrea Dovizioso. Bereits drei Rennen hat er 2017 auf der Desmosedici auf Platz 1 beendet, sowie ein weiterer Platz 2 auf dem Podest. Dovi zeigte bislang eine Spitzenleistung und ist damit auf dem Niveau wie Casey Stoner in der Saison 2010. Während Jorge Lorenzo in ähnlicher Weise untergeht wie weiland Valentino Rossi. 

Könnt Ihr euch noch an den siegreichen Casey Stoner erinnern? Wie er die 180 Grad Links eingangs der Zielgeraden auf Phillip Island im kompletten Drift umfuhr? Ein Ritt auf der Rasierklinge! Das ist der Stil mit dem man auf einer Ducati Rennen und Titel gewinnt.

Und jetzt kommt meine Wertung in Richtung Bologna. Wenn Ihr den Moto GP Titel tatsächlich haben wollt, dann müsst Ihr einen ähnlichen Piloten wie Casey Stoner auf die Desmosedici setzen UND von der Sorte ist aktuell nur EINER im Fahrerfeld. Dieses Eingeständnis schmerzt mich aus tiefster Seele, weil ich eigentlich kein Freund von Ihm bin, aber seine Leistung muss man als fairer Beobachter einfach akzeptieren (und vielleicht sogar bewundern).

Wenn Ihr in Borgo Panigale wieder sagen wollt:

„Ciao ragazzi. Dove siamo è davanti!“

Dann müsst ihr Marc Marquez von Honda loseisen, koste es was es wolle. Und dann muss man als Ducatisti auch nicht mehr fragen: Wo wollt ihr hin?

Denn dann führt euch euer Weg zum nächsten Titel in der Moto GP.

 

IMPRESSIONEN: 

Für IMMER die Nr. 1 bei Ducati – Casey Stoner

 

Der Doctor im Kampf mit der roten Göttin!
Keine Liebe für`s Leben und die Ewigkeit.

 

Jorge Lorenzo – Schräglage Top – Ergebnis Flop!

 

Andrea Dovizioso – die aktuelle Speerspitze der Roten!

 UND auch die PRIVATEN sind schnell auf den Ducatis

 
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