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Irgendwie ist es nach jeder WM-Saison für mich das gleiche Gefühl. Zu Beginn der Gedanke – es kann nicht noch spannender oder dramatischer werden, als im Vorjahr und DANN? Dann kommt es wieder einmal anders als gedacht. Neue Protagonisten spielen sich in der Vordergrund. Namen, die man zuvor nicht auf der Rechnung hatte sind urplötzlich ganz vorne mit von der Partie. Kein Regisseur dieser Welt könnte sich derartige Wechsel in der Dramaturgie einfallen lassen.

Also beginnen wir erst einmal mit der Moto 3, der üblichen Wundertüte im Gesamtkonzept Motorrad-WM.

Was ist gleich geblieben im Vergleich zu den Vorjahren? Die Zweikämpfe Rad an Rad in den Rennen, der Kampf um jeden Millimeter auf der Strecke.

Und was entwickelt sich gerade in der Moto 3 so langsam zu einer Seuche? Keiner oder kaum Einer traut sich eine schnelle Solorunde im Training zu und so sehen die Zuschauer an den Trainingstagen ein um das andere Mal den Bummelzug, mit nach hinten gerichtetem Blick, verbunden mit der Suche nach einem schnellen Windschatten.

Zu Beginn der Moto 3 Saison kristallisierte es sich bereits heraus. Wer 2017 den WM-Titel haben möchte, muss den Spanier Joan Mir aus dem Leopard Team schlagen. Direkt mit -2- Siegen den passenden Start in die Saison, kurzer Durchhänger in den Staaten und weitergemacht mit Platz 3 auf dem Podium in Spanien und Sieg Nr. 3 in Frankreich. Da war der Zahn beim Gros der Konkurrenz bereits gezogen.

Zwei Konkurrenten nahmen noch den Kampf auf. Romano Fenati und Aaron Canet gaben ihr Bestes und lieferten sich den ein oder anderen schönen Zweikampf mit Joan Mir.
Der wurde aber abschließend mit 10 Saisonsiegen würdiger und verdienter Weltmeister der Moto 3. Nach Danny Kent der Zweite in Leopardfarben.

Romani Fenati, nach seinem Rauswurf bei VR 46 wieder gut bei Marinelli untergekommen, macht für sich den Vizetitel klar. 3 Saisonsiege und 8 Podestplätze sind ein Wort. Beide werten in der kommenden Saison die Moto 2 auf und machen Platz für neue Titeljäger in der Moto 3.

Aaron Canet stand auch 5 x auf dem Podium, davon 3 x zuoberst auf Platz 1. Das war abschließend allemal für einen 3. Gesamtrang im Klassement gut.

Auch der Spanier Jorge Martin, im Gesamtklassement auf Platz 4, hat eine gute Saison abgeliefert. Insbesondere in den Trainings war der pfeilschnelle Spanier immer für eine vordere Platzierung gut. Martin hatte am Ende 9  Podestplatzierungen auf seinem Konto und nach 9 x auf der Pole setzte er im letzten Rennen in Valencia diese Position mit seinem ersten Sieg auch optimal um. Martin ist für mich, gemeinsam mit seinem Teamkollegen Canet, der Anwärter auf den Moto 3-Titel 2018.

Zumindest zu Saisonbeginn sah es noch danach aus, als ob der schnelle Schotte John McPhee eine Rolle um die Vergabe des Titels mitsprechen kann, aber spätestens nach dem dritten Rang bei der Dutch TT in Assen war das Strohfeuer abgebrannt. Am Ende sprang zwar immer noch ein respektabler Gesamtrang 7 heraus, was aber den Ansprüchen zu Saisonbeginn nicht gerecht wurde.

Unmittelbar hinter McPhee reihte sich der Spanier Ramirez nach einem tollen abschließenden dritten Platz in Valencia auf Gesamtrang 8 der WM ein.

Wie sieht es in der Moto 3 aus der rein deutschen Brille betrachtet aus? Da haben wir Philipp Öttl auf Platz 10 im Gesamtklassement und nach langer Durststrecke wieder ein Podestplatz mit Rang 2 auf dem schnellen A1-Ring in Österreich. Insgesamt waren es 4 x Platzierungen unter den ersten fünf und der wiederkehrenden Erkenntnis, dass Philipp durchaus das Tempo der Spitze mitgehen kann. Nur leider meistens erst, wenn er bereits mit 4 oder 5 Sekunden Rückstand hinter der Spitzengruppe herfährt. Für ganz nach vorne reicht das nicht. Meine Auffassung dahingehend bleibt bestehen: Hier muss dringend die Hilfe eines Mentaltrainers her, der Philipp den letzten Biss für die ersten Runden im Rennen und die Chaosrunde im Training vermittelt. Dann kann alles und damit meine ich ALLES drin sein.

Dieser rote Faden zieht sich leider auch in die Moto 2. Sowohl Marcel Schrötter, als auch Sandro Cortese waren das Jahr über zu durchaus ambitionierten Vorstellungen im Stande. Aber nur sporadisch und meistens in den Trainings.

 

An den Rennsonntagen spielten andere im Moto 2-Konzert die erste Geige. Wie ich bereits bei dem Rückblick 2016 vermutet habe ging der Titel in diesem Jahr nur über Franco „Morbido“ Morbidelli.

Immer wenn kurze Zweifel aufkamen: Kann vielleicht doch noch Alex Marquez oder Tom Lüthi den Spielverderber geben, legte Morbido eine Schippe drauf und fuhr wieder einen weiteren Laufsieg ein.

Überraschend war für mich wie schnell KTM mit der unkonventionellen Fahrwerkslösung den Anschluß an die Spitze erreicht hat. Zumindest Miguel Oliveira zeigte bereits ab Saisonbeginn, dass der Gitterrohrrahmen im Vergleich zu Kalex und Suter durchaus eine Alternative darstellt. Drei souveräne Laufsiege zu Saisonende beförderten ihn im Gesamtklassement sogar auf Platz 3, noch vor Alex Marquez.

Für die Saison 2018 sollte man die „Orangen“ aus Mattighofen also auf der Rechnung haben. Insbesondere, weil „Morbido“ Morbidelli und Tom Lüthi in die Moto GP aufsteigen und einen weiteren starken Piloten mit Nakagami mitnehmen.

Die Konkurrenz sollte sich also das Heck der KTM genau ansehen. Es könnte sein, dass die Auspuffenden von Oliveira im kommenden Jahr ein dauerhafter Anblick werden.

Dann sitzt auch ein Mann wie Sandro Cortese auf der KTM. Also gibt es 2018 keine Ausreden mehr. Es muss dann geliefert werden. Das gilt auch für Dominique Aegerter, dem Pechvogel des Jahres. Domi bekam, aus meiner Sicht wegen eines vernachlässigbaren Vergehens, den Sieg in Misano aberkannt. Auf der Strecke hart erkämpft gegen Landsmann Tom Lüthi.

 

Die Rolle des unauffälligen, aber ambitionierten Punktesammlers spielte bei der Moto 2 Francesco Bagnaia im VR 46 Team. Wer in der Moto 2 in der kommenden Saison Weltmeister werden will, sollte den schnellen Italiener im Blick behalten. Seine geringe Fehlerquote macht ihn zu einem gefährlichen Gegner im Kampf um die Krone.

Kommen wir zur Moto GP. Im letzten Jahr ein stetiger Wechsel auf Platz 1 des Podestes, mit Namen, die man vorher nie oder lange Zeit nicht mehr gehört hatte, hatte man in dieser Saison auch einen Spannungsbogen der besonderen Art.

Viele Namen erschienen da auf Platz 1 im Gesamtklassement. Zunächst der Rookie Maverick Vinales, der bei den Vorsaisontests mit Bestzeiten aufwartete und wie eine Rakete in die Saison startete.

Dann der Altmeister Valentino Rossi mit einem Saisonsieg und einigen Podestplätzen UND einem folgenschweren Sturz. NEIN – nicht auf der Strecke im Kampf mit der Konkurrenz, sondern auf seiner heimatlichen Endurorunde mit seinen VR 46 Kumpels. Kaum zu glauben.

Und nicht zu vergessen die Überraschung der Saison, der oftmals unterschätzte Andrea „Desmo-Dovi“ Dovizioso mit seiner Ducati.

Er lieferte Marc Marquez einen beinharten Kampf um den WM-Titel, der faktisch erst mit dem letzten Rennen in Valencia entschieden wurde.

Hätte man Andrea Dovizioso zu Saisonbeginn gesagt: Du gewinnst -6-Rennen im Laufe der Saison und bis zum finalen Ende in Spanien wirst Du ein Titelanwärter sein und der einzige verbliebene Verfolger von Marc Marquez Desmo-Dovi hätte wahrscheinlich gelacht und geantwortet:

Das nehme ich gerne mit!“

Bis zum letzten Rennen im Wohnzimmer von Marc Marquez hatte Dovi die WM offen gestaltet und dann dieses Finale. Fünf Fahrer setzten sich vom Rest des Moto GP Feldes ab und fahren ihr eigenes Rennen.
Dann Verbemser von Marc Marquez als er am Ende der Zielgeraden versucht sich an Zarco vorbei zu arbeiten. Marquez fällt auf Platz 5 zurück und Lorenzo und Dovizioso kämpfen sich an die Führenden Zarco und Pedrosa heran. Dann Sturz von Lorenzo beim Versuch vielleicht doch noch im letzen Saisonrennen den ersten Sieg auf der Ducati klar zu machen. Für Sekunden ist Desmo-Dovi auf Platz 3 mit der letzten marginalen Hoffnung auf das Unmögliche. Aber diese Hoffnung löst sich schnell in einem Kiesbett von Valencia in Staub auf.

Von Enttäuschung ist aber bei den Ducatisti nichts zu spüren. Die Roten aus Borgo Panigale waren so nah dran! Und ganz ehrlich gesagt hätte ich auch nur zu gerne mit Andrea und seinen Fratelli d`Italia – il Canto degli Italiani angestimmt. Dann eben im nächsten Jahr.

Was hat uns die Saison gezeigt? Ducati ist dran am Titel und ein ebenbürtiger Gegner für die Teams um Honda und Yamaha. Und für mich haben SIE den Weltmeister der Herzen „il Campione del mondo dei cuori „.

NEIN – nicht Andrea Dovizioso, den könnte man zwar zu Recht auch derart benennen, aber ich meine Danilo „Petrux“ Petrucci. Mehrfach so knapp vor seinem ersten Moto GP Sieg heimste der schnellste Polizist Italiens -4- Podestplätze ein.

Da musste sich auch Jorge Lorenzo neidlos verbeugen. Der für einige Millionen von Yamaha abgeworbene Nr. 1 Fahrer, der eigentlich die Kohlen aus dem Feuer holen sollte. 3 x Podest und zumindest einmal knapp am ersten Sieg mit den Roten vorbeigeschrammt landete er als Nr. 7 im Gesamtklassement.

Den Titel „Rookie des Jahres“ verdiente sich in diesem Jahr der zweifache Moto 2- Weltmeister Johan Zarco. Das ein oder andere Mal brannte der Franzose ein Feuerwerk ab und versetzte die Etablierten in Angst und Schrecken.

Auch die Nr. 2 im Repsol Werksteam, Dani Pedrosa, durfte sich mit dem abschließenden Sieg in Valencia 2 x in die Siegerliste eintragen und zumindest zu Saisonbeginn kurzzeitig von einem möglichen Moto-GP-Titel träumen. Aber der Rest in der Spitze war mit Marc Marquez, Andrea Dovizioso und Maverick Vinales einfach zu stark. Also Platz 4 im Gesamtklassement – knapp vor Altmeister Valentino Rossi.

Das Highlight der Saison und die Hoffnung auf eine gute deutsche Zweiradzukunft war für mich Jonas Folger im Tech 3 Team. Erstklassig hat er das gemacht.

Der Höhepunkt war natürlich sein grandioser 2. Platz beim Heimrennen am Sachsenring. Einfach wunderbar auf welche Art und Weise er im Juli Marc Marquez alles abverlangt hat.

Da wäre bereits in dieser Saison noch mehr drin gewesen, wenn nicht seine Boxencrew hin und wieder eher amateurhaft agiert hätte (wie in Brünn) und WENN nicht seine gesundheitlichen Probleme in dieser Saison ganz krass zur Geltung gekommen wären. EGAL – jetzt sind die Probleme bekannt, erkannt und können bekämpft werden. Eine Stoffwechselerkrankung, die unter dem Namen Gilbert Syndrom bekannt ist, hat unseren Helden in der Moto GP-Klasse eingebremst. Wahrscheinlich leidet seine Fitness darunter schon seit Jahren. Nach Stand der Dinge reicht schon eine entsprechende Ernährungsumstellung zur Bessserung der Symptome UND dann geht es für Jonas frisch an`s Werk mit Blick auf 2018.

Wir gratulieren einem würdigen und verdienten Moto GP Weltmeister Marc Marquez zu seinem vierten Titel in der Klasse.

Ende Januar 2018 beginnen schon die ersten Tests in Sepang. Dann brüllen wieder die Motoren und Flying Haggis wird mit seiner Saisonvorschau 2018 die nötigen Informationen vor dem Saisonstart in Katar liefern.

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