Schlagwörter

, ,

Das Vorspiel und das ganze Rätselraten um Wenn und Aber haben heute ein Ende. Wir schreiben Sonntag den 15. Juli 2018 und heute ist Rennsonntag am Sachsenring. Das Ganze, wie schon an den Trainingstagen zuvor, bei blendendem Wetter. Alle Fahrwerkseinstellungen und sonstige Setups können also wie geplant genutzt werden. Nur bei der Reifenwahl trifft der ein oder andere Fahrer eine andere Auswahl als die unmittelbare Konkurrenz.

Die Moto 3 startet pünktlich um 11:00  Uhr und die Protagonisten der kleinen Klasse stürzen sich in das Rennen. Das Training war bereits reich an Überraschungen, also konnten die Zuschauer auf ein spannendes Eröffnungsrennen hoffen.

Der deutsche Starter Philipp Öttl verlor unmittelbar zu Beginn von seinem ohnehin nicht berauschenden 13. Startplatz weitere Plätze. Sollte die 13 tatsächlich Pech an diesem Tage bringen?

Der Beginn des Rennens war im Grunde genommen so wie man Moto 3 Rennen eben erwartet. In fast jedem Streckenabschnitt bzw. jeder Kurve änderte sich die Reihenfolge und die Leinwände rund um den Sachsenring wiesen einen anderen Führenden aus.

Wer sich jedoch immer im Kreise der Führungsgruppe aufhielt war die Start-Nr. 88 Jorge Martin der spanische Führende in der Gesamtwertung. Ganz abgebrüht behielt er seine unmittelbare Konkurrenz immer im Blickkontakt und ließ niemanden weit entwischen. Ab Runde 19 blies Martin dann endgültig zu Attacke und entschwand auf Nimmerwiedersehen. Kein Vergleich mehr mit dem Jorge Martin der Saison 2017 der oftmals erstklassige Trainingsergebnisse im Rennen nicht umsetzen konnte.

Zweiter wurde das aktuelle Wunderkind der Moto 3 Marco Bezzecchi aus dem sächsischen Prüstel Team. Damit hatte die Region um den Sachsenring bereits ein Highlight und konnte jubeln.

Auf Platz 3 überquerte John McPhee die Ziellinie.

Der schnelle Schotte war bereits das ganze Wochenende bei der Musik und hat seine Trainingsleistung erstklassig in einen schönen Podestplatz umgesetzt.

Die im Training überraschenden beiden Fahrer des Bester Capital Dubai Teams Marcos Ramirez und Jaume Masia kamen auf den PLätzen 4 und 6 ins Ziel und können ebenfalls auf ein tolles Rennwochenende zurückblicken.

Der Spanier Aron Canet, den Flying Haggis eigentlich zu Saisonbeginn als den direkten Konkurrenten um den WM-Titel von Jorge Martin gesehen hatte, wurde nach einem hart umkämpften Rennen Fünfter. Gute Punkte gesammelt für das Gesamtklassement und den beiden Führenden Martin und Bezzecchi weiterhin auf den Fersen.

Was war noch mit Philipp Öttl? Nachdem er nach dem Start einige Plätze eingebüßt hatte pflügte sich Öttl mit seiner pfeilschnellen KTM durch das Feld. Als auf den Leinwänden 6 Laps to go erschien sahen die erstaunten Zuschauer hinter Platz 3 den Namen von Öttl auftauchen.

Toll gemacht und gut gekämpft. Am Ende kam ein respektabler achter Platz heraus.

Kommen wir zum Moto 2 Rennen. Normalerweise sage ich immer die Moto 3 ist die Wundertüte des Motorradrennsports. Diesmal war es am Sachsenring die Moto2. Wer auf diesen Zieleinlauf Geld gesetzt hätte, der wäre heute Abend am feiern.

Der Start lief noch relativ glimpflich ab. Soll heißen – in der sonst so gefürchteten Kurve 1 blieben alle Piloten im Sattel. Das Moto 2 Rennen dauert an sich auch lange genug, dass man nicht zu Beginn irgendwelche dummen Aktionen starten muss.

Damit sind wir bei Mattia Pasini. Der sympathische Italiener vom Italtrans Team warf in der Einfahrt Zielkurve seine Kalex mit derartigem Schwung in das Kiesbett, dass Francesco Bagnaia um einen Sturz zu vermeiden ebenfalls quer durch den sächsischen Kies bretterte und all sein Könne aufbieten musste um nicht zu stürzen. Kopfschüttelnd kam er schlingernd neben der Zielgeraden wieder auf die Strecke und hetzte dem Feld hinterher. Zumindest wurde seine Jagd noch mit Platz 12 und damit 4 Punkten belohnt.

Vorne waren durch diese Aktion plötzlich Fahrernamen, die man wahrscheinlich um den Rennsieg nicht auf dem Schirm gehabt hätte. Da war nicht nur unser deutscher Protagonist Marcel Schrötter zu finden, sondern auch Luca Marini, Joan Mir, Brad Binder mit der schnellen KTM und als Salz in der Suppe Sam Lowes.

Die hielten sich jetzt ein wirklich sehenswertes Rennen ab und wechselten sich zunächst munter an der Spitze ab. Munter aber nur bis zur zehnten Runde. Da war dann Brad Binder der Überzeugung das Rennen von vorne gewinnen zu können und enteilte seine Verfolgern.

Ab Runde 18 war dann auch der zweite Platz von Joan Mir ziemlich zementiert und der kleine Bruder von Valentino Rossi, Luca Marini machte mit Platz 3 seinen ersten Podestplatz klar.

Gratulation an die drei Sieger und Chapeau. Marcel Schrötter hielt auch längere Zeit mit der Gruppe mit, musste dann aber abreißen lassen. Von hinten nahte dann auch noch Miguel Oliveira heran und schloss das Rennen mit einem versöhnlichen vierten Platz ab. Wohl kaum ein Fahrer im Feld hat eine derart starke zweite Rennhälfte wie der Portugiese. Durch das Pech von Bagnaia zu Rennbeginn ist Oliveira jetzt bis auf 7 Punkte in der Gesamtwertung an den Italiener des VR 46 Teams herangerückt.

Kurz vor der Zieldurchfahrt musste Marcel Schrötter auch noch Sam Lowes ziehen lassen. Abschließend also Platz 6 für den Deutschen und damit einen Platz vor seinem Teamkollegen Xavi Vierge und dem schnellen Italiener Simone Corsi.

Damit sind wir bei der Moto GP. Das ganze Wochenende hatte der König des Sachsenrings Marc Marquez seine Probleme. Aber nur bis zu dem Zeitpunkt bis es richtig Ernst wurde. Im Qualifying setzte er noch in letzter Sekunde die Bestzeit und schnappte damit Danilo „Petrux“ Petrucci die Pole weg.

Wie war es jetzt heute? Wie war es im Rennen?

Zu Beginn setzten die Ducatis die Duftmarken. Lorenzo ging ab wie die viel zitierte Feuerwehr an die Spitze, gefolgt von Petrucci, Marquez und dem „Doctor“ Valentino Rossi.

Im Rennverlauf sollte sich dann herausstellen, dass Lorenzo ein „Strohfeuer“ war. Wohl bei der Reifenwahl bei den warmen Temperaturen und dem Strecken-Layout des Sachsenrings daneben liegend wurde er abschließend bis auf Platz 6 zurückgereicht.

Es war in Runde 13, als Marquez eine Einladung von Lorenzo annahm, der einen weiteren Kurvenbogen nehmen musste und in üblicher Marquez-Sachsenring-Manier das Weite suchte. Als Krönung pulverisierte er auch noch den Rundenrekord von Jonas Folger aus dem Vorjahr. Die neue Bestmarke lautet 1:20.270 min.

Wie war die restliche Chronologie? Der mit allen Wassern gewaschene Valentino Rossi bemerkte den unmittelbar anstehenden Fluchtversuch von Marquez mit seinem Gespür für Rennverläufe als Erster. Also erst Danilo Petrucci überholt und dann Jorge Lorenzo hinter sich gelassen, um dann zu sehen ob sich nicht doch noch Marc Marquez in einen Fehler jagen lässt. Davon war Marquez jedoch weit entfernt.

Irgendwann erschien dann auch die zweite Werksyamaha in der Arena und versaute der Ducati-Phalanx nachhaltig den Nachmittag. In der vorletzten Runde ging Maverick Vinales an Danilo Petrucci vorbei und verwies ihn auf den vierten Platz.

Damit beste Ducati. Überraschenderweise war der Spanier Alvaro Bautista mit einem blitzsauberen Rennen die zweitbeste Ducati. Das Angel Nieto Team konnte sich somit über 11 WM-Punkte freuen.

Also vier Ducatis unter den besten Sieben – Aber keine auf dem Podest. Bitter! Jorge Lorenzo und Andrea „Desmo-Dovi“ Dovizioso komplettierten das Ducati-Quartett.

Achter wurde, bei seinem letzten Sachsenringrennen, Dani Pedrosa vor dem Franzosen Johann Zarco. Einen respektablen zehnten Platz konnte das Moto GP-Team von KTM mit Bradley Smith verbuchen. Ein insgesamt gutes Wochenende für die Mattighofener.

Was gibt es noch vom Sachsenring zu berichten? 193.355 Zuschauer sahen insgesamt an den drei Veranstaltungstagen die Trainings und Rennen. Das ist eine Hausnummer.

Der sächsische Ministerpräsident streckte in seiner Eröffnungsansprache dem ADAC die Hand entgegen um eine Lösung zu finden. Hörst DU das Rufen – Du Mann aus München. Mache hier nicht irgendetwas in Deutschland kaputt, das sich nicht mehr kitten lässt. Wir brauchen einen Motorrad-Grand Prix in Deutschland und der einzige würdige Veranstaltungsort ist der Sachsenring.

Also bis zum nächsten Jahr! Euer Flying Haggis!

Advertisements