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Die ersten Testfahrten vor Saisonbeginn sind bereits Geschichte und das erste Rennen am 10. März in Katar steht unmittelbar bevor. Wie sieht es nun aus, was erwartet uns in der Saison 2019? Werfen wir mal wieder einen Blick in die berühmte Glaskugel, um am Saisonende zu schauen wie nah wir an der Realität dran waren.

Ich nehme sofort die komplette Spannung aus dem Thema heraus. Andrea „Desmo-Dovi“ Dovizioso wird Weltmeister in der Moto GP. Warum? Einmal, weil er jetzt einfach an der Reihe ist und sich diesen Titel über die Jahre redlich verdient hat.

Warum noch? Weil ihm jetzt endlich nach all den Jahren akribischer Entwicklungsarbeit der Status der Nr. 1 im Team unumstößlich zusteht und auch zugestanden wird. Die ganze Aufmerksamkeit geht in dieser Saison bei Ducati in Richtung Dovizioso. Kein Andrea Iannone mehr, der auch über gewisse Seilschaften bei Ducati verfügte. Kein Jorge Lorenzo mehr, für den das Werk und die Sponsoren ein horrendes Gehalt zahlten um den Titel nach Bologna zu holen.

Damit sind wir, meiner Meinung nach, bei einem weiteren Grund für den diesjährigen Titel von Desmo-Dovi. Der Überflieger Marc Marquez und ungekrönte König bei Repsol-Honda erhält einen neuen Kollegen.

Schluß ist mit dem loyalen Partner und Arbeitnehmer Dani Pedrosa. Stattdessen steht jetzt mit Jorge Lorenzo ein weiteres Alphatier im Stall. Und Lorenzo war nie einer von der stillen Sorte. Nicht bei Yamaha mit Gottvater Valentino Rossi und auch nicht bei Ducati mit Andrea Dovizioso. Wo Lorenzo auftauchte gab es relativ schnell Unruhe, Zwist und Nicklichkeiten in den Teams. Insbesondere wenn der schnelle Spanier irgendwie das Gefühl bekam nicht die gleiche Aufmerksamkeit zu erhalten wie sein Teampartner. Lorenzo wird nicht den Schildknappen für Marc Marquez spielen und ihm den Rücken für einen weiteren WM-Titel freihalten. Das Ziel von Lorenzo ist: Siege einfahren mit der nunmehr dritten Marke für die er fährt UND zeigen, dass er mit gleichem Material in der Lage ist den WM-Titel vor einem Marc Marquez zu gewinnen.

Marc Marquez wird sich strecken müssen, denn diese Situation im eigenen Team kannte er bis dato nicht. Dieses Jahr wird es Spannungen beim Repsolteam geben und die beiden Protagonisten werden sich gegenseitig Punkte wegnehmen. Denkt man an frühere Szenen im Yamaha- oder Ducatiwerksteam zurück, dann ist auch der ein oder andere gemeinschaftliche Besuch in den Kiesbetten der Rennstreckenwelt durchaus gut denkbar.

Nutznießer wird Andrea Dovizioso sein, denn er sitzt in diesem Jahr auf dem besten Motorrad. Ducati hat nochmals über den Winter nachgebessert. Die Maschine ist bei ihrem letzten Manko, dem Einlenkverhalten in die Kurve, stark verbessert worden ohne ihre bisherigen Tugenden zu verlieren. Damit ist die Rote aus Borgo Panigale für viele Piloten fahrbarer geworden. Beispiel gefällig? Schaut auf die abschließende Zeitenliste der Testfahrten in Malaysia. Auf den vier ersten Plätzen finden sich vier der aktuellen Ducatifahrer. Der „neue Werksfahrer“ Danilo Petrucci hat mit der roten Rakete die bisherige Bestzeit pulverisiert.

Nur einen Wimpernschlag dahinter findet sich der Rookie Francesco „Pecco“ Bagnaia mit seiner Pramac-Ducati. Die Plätze drei und vier komplettieren der schnelle Australier Jack „Ass“ Miller und Andrea Dovizioso. Die Konkurrenz dürfte gewarnt sein.

Hier folgten in Respektabstand Maverick Vinales auf der stark verbesserten Yamaha und Cal Crutchlow der schnelle Brite auf seiner LCR-Honda.

Sein Teamkollege Takaaki Nakagami überraschte bereits bei den abschließenden Saisontests 2018. Jetzt findet sich der Japaner bereits auf Platz 9 der Zeitenliste. Wir sollten also den schnellen Japaner im Hinterkopf behalten. Für die ein oder andere Überraschung wird er in diesem Jahr gut sein.

Direkt hinter Nakagami reihte sich unser Doctor Valentino Rossi ein. Diese Testfahrten haben für den Altmeister mit seinen jetzt 40 Lenzen bereits seit mehreren Jahren ihren Reiz verloren. Er investiert hier keine Kräfte um Bestzeiten zu setzen. Deshalb sollten wir unseren Doctor über die Saison betrachtet weiterhin auf der Rechnung haben. Für den zehnten Titel wird es zwar meiner Meinung nach nicht mehr reichen, aber, er wird sich hinter Dovizioso und Marquez aller Wahrscheinlichkeit mit Lorenzo und „Petrux“ Petrucci um den dritten Platz im Gesamtklassement balgen.

Dahinter wird es dann eng und ganz knapp. Wenn Alex Rins seine Performance aus der Vorsaison retten konnte, dann wird er the best of the rest.

Gespannt bin ich auch auf Johann Zarco. Der schnelle Franzose ist jetzt im Werksteam von KTM unterwegs und die Mattighofener haben nicht als Ziel ausgelobt ewige Zeiten hinter den Etablierten herzufahren. Ab der zweiten Saisonhälfte sehe ich deshalb auch Zarco in den Bereichen Platz 4 bis 8. Wenn die Konkurrenz Fehler macht ist sicherlich auch ein Husarenstück mit einem Platz auf dem Podest möglich. Pol Espargaro hat es bereits zu Saisonende 2018 vorgemacht.

Die Moto 2 startet irgendwie bei der Jahreszahl Null. Die Abstimmung der Maschinen wird sicherlich arbeitsintensiv, denn nach einer gefühlten Ewigkeit mit den Hondamotoren arbeiten jetzt Aggregate des britischen Herstellers Triumph in den Moto 2 Maschinen.

Bei ersten Tests hat u. a. Sam Lowes einen sehr guten Eindruck hinterlassen mit einer Bestzeit. Den schnellen Briten habe ich aber nicht auf dem Zettel, wenn es über die Saison betrachtet um Titel geht. Er ist einfach zu sturzanfällig als das er eine ernsthafte Option für den Titel darstellen könnte.

In der Moto 2 setze ich alles auf den KTM-Werskfahrer Brad Binder. Er weiß wie man Titel gewinnt, hat bereits gezeigt, dass er siegfähig ist und gleichzeitig clever genug auch einmal einen vierten oder fünften Platz nach Hause zu fahren, wenn mehr einfach nicht geht oder sinnloses Risiko bedeuten würde.

Als seinen ärgsten Widersacher sehe ich den „kleinen Bruder“ vom Doctor Valentino Rossi. Luca Marini ist in der letzten Saison in den VR 46-Farben des Sky-Teams zu einem Siegfahrer gereift. Er wird an Brad Binder bis zum Ende der Saison dranbleiben.

Die beiden müssen ein Augenmerk behalten auf Lorenzo Baldassarri und Alex Marquez. „Balda“ sehe ich auf Gesamtrang drei. Bei Alex Marquez bleibt abzuwarten wie er seine Nerven im Griff hat, denn hinter den ersten vier wird es heiß hergehen.

Heimkehrer Tom Lüthi hat noch eine Rechnung mit der Moto 2 offen. Marcel Schrötter könnte an seinem starken Teamkollegen aus der Schweiz wachsen und auch eine Außenseiterrolle spielen.

Auf wen ich noch gespannt bin ist der weitere deutsche Vertreter Lukas Tulovic. Lukas startet in dem starken Kieferteam und ist damit in einem Spitzenumfeld. Lassen wir Lukas 2019 Zeit in der WM zu reifen. Plätze von 10 – 15 halte ich durchaus für möglich, da er ein cleverer Fahrer ist.

Vom dritten deutschen Vertreter Philipp Öttl erwarte ich jetzt keine großen Dinge. In den letzten Jahren war er jeweils solo im Team seines Vaters Peter Öttl unterwegs. Jetzt sitzt er zwar auf Topmaterial von KTM in der Moto 2, hat aber mit Marco Bezzecchi einen bärenstarken Teamkollegen. Bezzecchi wird alles daran setzen zu zeigen, dass er ganz nach vorne gehört und als erstes seinen Teamkollegen Öttl in Grund und Boden fahren. Ich befürchte, dass Phillips erste Saison in der Moto 2 gleichzeitig seine letzte Saison werden wird.

Was sage ich zur Moto 3? In diesem Jahr auf Grund der vielen Abgänge fast nicht einzuschätzen, da aus dem Zahnspangengeschwader der spanischen und italienischen Nachwuchsklassen alljährlich neue und schnelle Fahrer in die WM vorstoßen. Siehe Marco Bezzecchi im letzten Jahr. Trotzdem wage ich für den Titel eine Prognose und die lautet Lorenzo Dalla Porta.

Dalla Porta wird den Titel holen und dahinter werden sich über den Saisonverlauf die Verfolger abwechseln. Am ehesten traue ich es noch Jakub Kornfeil aus dem deutschen Prüstel Team zu mit der nötigen Cleverness den Vizetitel nach Hause zu fahren.

Gefolgt von Aron Canet, er in der zurückliegenden Saison an seinen Nerven und den eigenen hohen Ansprüchen gescheitert ist.

Das wäre die Saisonvorschau von Flying Haggis. Ich hoffe wir sehen uns alle am Sachsenring wieder und heben den deutschen Motorrad Grand Prix wieder über die 200.000er Zuschauermarke. Bis dann!

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