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Was passiert eigentlich im Gehirn eines Motorradfahrers, wenn der Begriff „Bergrennen“ fällt?
Bei mir hat es eine ähnliche Wirkung wie ein „leckerer Eisbecher“ den mir der Service vor die Nase stellt. Die Endorphine kommen buchstäblich angeflogen und Glücksgefühle wie Wohlbefinden und Euphorie stellen sich ein.
In unserer früheren Region hatten wir auch zwei Bergrennstrecken in räumlicher Nähe. Diese wurden immer wieder gerne, wenn möglich, in unsere Routen eingebaut, denn kurviges Geläuf ist garantiert.
Aber KEINE dieser Strecken ist vergleichbar mit dem Klassiker, den ich euch heute näherbringe.

Etwas über 17 km geht es ab dem Start in Trento hinauf auf den Monte Bondone. Die „Trento Bondone“ ist damit das längste Bergrennen in Europa. 1.350 m Höhenunterschied bei einer Durchschnittsteigung von 8,88 % werden hier bis zum Ziel in Vason auf dem Monte Bondone absolviert. Schon ordentlich.

Die Scuderia Trentina veranstaltet hier wirklich ein Bergrennen der Extraklasse, welches abwechselnd zur Europameisterschaft oder zum FIA Hillclimb Cup zählt.
Der Italiener Simone Faggioli hält seit 2017 mit 9:00.520 den aktuellen Streckenrekord. Dann ist er durch die 40 Tornanti, also Haarnadelkurven, geflogen und wenn man die weiteren Kurven und „Schlenker“ hinzuzählt, sind wir beim Ziel in Vason komplett bei „90“ Kurven. Das war jetzt für die Statistiker unter uns.

Zu Beginn waren wir doch bei Endorphinen und Glücksgefühlen! Genau da sind wir jetzt, denn der Streckenverlauf ist einfach Genuss pur. Mit einem Lächeln im Gesicht stürmen wir sozusagen dem Himmel entgegen. Asphaltbedingungen top, die Kurven gut einzusehen und in den kurzen „geraden Abschnitten“ ausreichend Zeit um die Gegend zu genießen.

Aber immer daran denken: Diese Zeit des Streckenrekords von knapp über 9 Minuten ist für unsereins utopisch, denn Herr Faggioli findet eine komplett gesperrte Strecke vor. Also – Benehmen und genießen ist angesagt, denn wir passieren bei dieser Route auch die Ortschaften Sardagna, Candrai, Vaneze und Norge. Wer den Profis bei der Arbeit zusehen möchte, der kann dies 2026 am Wochenende vom 13. und 14. Juni tun.
Oben angekommen machen wir eine entspannte Pause im „Capanna Viote“, strecken die Beine aus und lassen bei einem Cappuccino unsere Bergrennstrecke Revue passieren. Schon einmalig was der Monte Bondone so alles ermöglicht. Während wir mit unseren Motorrädern durch die Kehren zirkeln, fahren keine 10 Meter von uns entfernt noch die alpinen Skifahrer den Hang abwärts.


Was tun?
Da hat der „Motorradfahrerhimmel“ jetzt mehr als nur eine tolle Variante für uns. Wir fahren einfach, weil es so schön war, die Route zurück nach Trento und genehmigen uns im Cafe Serafini in Lavis einen wunderbaren Eisbecher, bevor wir durch das Cembratal in die Berge schwingen.
Oder wir fahren einfach Richtung Westen zum Molvenosee, der bereits oftmals als schönster See Italiens prämiert wurde.

Alternativ können wir auch noch etwa 95 Streckenkilometer investieren und machen, ausgehend vom Monte Baldo, eine kleine Pässerunde im Norden des Gardasees. Da heißen unsere Protagonisten dann Passo Bordala, Passo Santa Barbara und Passo San Udalrico.

Wie IHR sehen könnt ist damit der Hausberg von Trient ein wunderbarer Einstieg für einen unvergesslichen Motorradtag. Die Ausblicke sind wirklich in alle Richtungen atemberaubend.
Viel Spaß bei der Erkundung des Monte Bondone.
