Der Sinn des Lebens………….

Schlagwörter

Oder frei nach Monty Python: Ein Pfefferminzplätzchen für Monsieur. Da dies jetzt bildlich nicht unbedingt die ästhetischsten Erinnerungen in mir hervorruft muss ich schnellstens einen anderen Gedankengang fassen.

Obwohl die krude Zusammenstellung des Episodenfilms der englischen Komikertruppe vielleicht doch noch irgendwie hilfreich sein kann. Wahrscheinlich nicht bei einer philosophischen Analyse ABER zumindest bei der Betrachtung unter dem Aspekt (un)gesunder Menschenverstand.

Mir ist z. B. aufgefallen, dass die meisten Menschen erst dann über den Sinn ihres Lebens nachdenken, wenn es weitestgehend zu spät ist. Mit zu spät meine ich damit nicht mit dem Sinn, sondern mit ihrem  Leben als solches. Also kurz vor der Einfahrt ins Erdmöbelreich wird urplötzlich reflektiert und dann kommt es oftmals zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Was hätte ich denn gerne noch gemacht?

ODER

Warum habe ich da oder dort sinnlos Kraft und Herzblut gelassen?

Wenn es euch jetzt so geht, dass bei Frage 1 eine elendiglich lange Liste erscheint, dann ist etwas komplett schief gelaufen. Dann ist euer Leben an euch vorbei gelaufen ohne dass ihr gelebt habt. Von Sinn wollen wir jetzt gar nicht erst sprechen.

Denn Sinn bedeutet ja für viele, gerade in unserem schönen Deutschland, dass es etwas Tiefsinniges und Produktives sein sollte. Dieses Stadium ist bei Flying Haggis zum Glück vorüber. Allerdings war dies eine ausgesprochen schmerzhafte Lernphase. Immerhin ist euer werter Erzähler sowohl lernfähig, als auch lernwillig.

Der Sinn des Lebens ist für mich z. B. mittlerweile ein wunderbarer unterhaltsamer Abend mit Freunden und der besten Sozia von Allen bei der Komödiantentruppe „Eure Mütter“. Tränen lachen über sinnvolle oder auch sinnlose Sketche – einfach schön.

Der Sinn des Lebens ist für mich eine Berg- oder neudeutsch Trekkingtour mit der besten Sozia von Allen. Aufsaugen der Natur und oftmals Kommunikation ohne viele Worte. Einfach die schöne Landschaft genießen und sich ganz, ganz oft dabei erwischen, dass man im selben Moment den gleichen Gedanken hatte – einfach schön.

UND – der Sinn des Lebens ist für mich eine Tour oder auch nur eine kleine Ausfahrt mit dem Motorrad. Und wenn es nur so bedeutungslos wie zur nächsten Eisdiele ist.

Der war jetzt nicht schlecht Haggis! Ein Eisbecher – für Dich bedeutungslos!

Okay zurück zum Sinn. Der Naturgenuss vergleichbar mit dem einer Bergtour. Intensiv aber irgendwie ANDERS intensiv. Die Sportmediziner sprechen oftmals bei Ausdauersportlern von der Wirkung der freigesetzten Endorphine oder des Serotonin. Von Glückshormonen wird dann gesprochen.

Ganz ehrlich? Nach dem Sport weiß ich, dass ich mir und meinem Körper etwas Gutes getan habe. Glückshormone hat es bei mir noch keine freigesetzt. Zufriedenheit vielleicht aber kein Gefühl des Glücks.

Hingegen sieht das bei einer schönen Runde mit dem Motorrad schon ganz anders aus. Der pure Genuss und wenn man das alles dann auch noch mit einem lieben Menschen teilen kann, dann ist das für mich der Sinn des Lebens. Die Gemeinsamkeit auf der Maschine – wie eine Einheit dahingleiten. Was heißt hier wie – Das ist eine Einheit.

Und wenn dann am Schluss kurz vor dem Augen schließen nicht mehr der Gedanke ist:

Was hättest du doch noch alles tun wollen?

Sondern stattdessen nur noch der Gedanke ist: Wer fährt jetzt eigentlich meine Maschine?

Dann ist alles richtig und gut gelaufen!

In meinem Fall ist selbst DAS geklärt, denn da gibt es ja EINE die im Besitz einer entsprechenden Fahrerlaubnis ist. Oweh – doch nicht Ruhe in alle Ewigkeit, sondern Sondereinsätze als Schutzengel fliegen. Aber vielleicht ist Fliegen ja annähernd so SINNvoll nach dem Leben, wie Motorradfahren im Leben.

Ich lasse es Euch beizeiten wissen!

Advertisements

Sandro Cortese – deutsch italienische Freundschaft

Schlagwörter

,

Nachdem Flying Haggis bereits die beiden deutschen Fahrer Stefan Bradl und Jonas Folger einer genaueren Betrachtung unterzogen hat, ist nun Sandro Cortese an der Reihe, denn allzu viele aktive Ex-Weltmeister im Motorradrennsport hat Deutschland nicht zu bieten.

Wie heißt es in den TV-Übertragungen immer so schön? Der Italo-Schwabe aus Berkheim. Soweit so gut und so stimmig. Sandro Cortese ist geerdet in seiner Heimat der 2.700 Seelen-Ortschaft im Schwäbischen unweit der A 7, die gestresste Urlauber in Richtung Füssen und Fernpass führt.

Das konnte der geneigte Betrachter spätestens bei der WM-Feier von Sandro im Jahr 2012 sehen. Die Gemeinde, Freunde und Familie standen Kopf.

 

Und dass der Herr Papa stolz auf seinen Sprössling ist, kann man unschwer am Eingangstor des Familienbetriebes erkennen.

 

Schon früh hatte Sandro Cortese mit Talent und Können auf sich aufmerksam gemacht. Wie kann es anders sein bei einem Schwaben. Kein geringerer als der Ex-Weltmeister Dirk Raudies (125 ccm 1993) nahm ihn 2003 unter seine Fittiche.

 

Im Team von Raudies wurde Sandro mit gerade einmal 13 Jahren 2003 Vierter im Gesamtklassement der 125er-IDM. Aber so richtig linear und geradeaus will es bei Sandro Cortese eigentlich nie laufen. Dennoch schafft er nach einem richtigen Seuchenjahr 2005 den Aufstieg in die WM und im Folgejahr 2006 landet er sogar im Vorzeigeteam Elit „Cafe Latte“ als Teamkollege des amtierenden Weltmeisters Tom Lühti.

Hier ist dann sukzessive eine Entwicklung feststellbar. 2006 nur 1 x Platz 10, in der Folgesaison 2007 bereits -7- Top-Ten-Plätze. 2008 dann sogar 14 x Platzierungen unter den besten Zehn, mit einem sehr guten vierten Platz in Australien (30 Hundertstelsekunden von Platz 3), der zeigt, dass es eigentlich an der Zeit ist das Podest zu erklimmen.

Wo kann man das besser als in dem Aushängeschild der kleinen Klassen, dem Vorzeigeteam bei dem finnischen Meistermacher Aki Ajo und seinem Red-Bull Team. Direkt zu Saisonbeginn Platz drei in Katar und in der laufenden Saison 2009 folgen noch die beiden Podiumsplatzierungen in Portugal und Australien.

2010 lässt Sandro dann das Publikum am Sachsenring das erste Mal jubeln mit Platz 3. Ein weiteres Podium folgt in Laguna Seca mit
Platz 2.

Irgendwie scheint es Sandro im fernen Morgenland in Katar zu gefallen, denn in der Saison 2011 landet er mit Platz 2 erneut auf dem Podest. Guter Saisonbeginn. Und endlich ist es dann bei dem „heimlichen Heim-GP“ der Deutschen im tschechischen Brünn soweit → der erste Sieg. Und in dieser Saison lässt er gleich Nr. 2 im fernen Australien folgen. Im Gesamtklassement landet Sandro Cortese auf Platz 4 und das ist nicht nur sein bis dato bestes Gesamtergebnis, sondern zeigt auch den Fachleuten klar auf:
Cortese kann bei einem guten Saisonverlauf auch Weltmeister werden!

Aber 2012 gibt es neue Vorzeichen in der kleinen Klasse. Alles steht auf Null, denn die Moto 3 hält Einzug und verdrängt die guten, alten 125er Zweitakter in das Motorsportmuseum.

Aber es ist für ALLE Neuland, nur EINER bereitet sich eben akribischer als andere darauf vor und das ist im Jahr 2012 wieder einmal der Finne Aki Ajo und der hat Sandro Cortese unter Vertrag. In Katar (mal wieder) zu Saisonbeginn ganz clever auf Platz 3 und beim dritten Saisonrennen in Estoril Saisonsieg Nr. 1 unter Dach und Fach gebracht, entbrennt über die gesamte Saison ein beinharter Kampf mit Maverick Vinales. Ja, genau dem Vinales der in diesem Jahr bereits gründlich die Moto GP aufgemischt hat.

Unvergessen auch der Sieg von Sandro auf dem Sachsenring.

Nach gefühlter Ewigkeit mal wieder ein deutscher Sieg beim deutschen Grand Prix. Ganz klasse und abgebrüht, die Konkurrenz düpiert, macht Sandro in dieser Saison kaum einen Fehler und feiert bereits beim drittletzten Saisonrennen in Malaysia seinen größten Triumph, standesgemäß mit einem Sieg.

Erster Moto 3-Weltmeister im Jahr 2012 mit 3 x 5. Soll heißen: -5- Siege, sowie jeweils 5 x Platz 2 und Platz 3. Somit ein würdiger Weltmeister mit -15- Podestplätzen. Als Dankeschön schenkt ihm KTM-Motorsportchef Pit Beirer seine Weltmeistermaschine.

 

Und dann ging es mit viel Euphorie in die Moto 2 mit dem Intact-Team. Eine gute Mannschaft, mit guten Leuten und ausreichendem Etat. 

 

Aber irgendwie will der Knoten nicht so richtig aufgehen. Das erste Podium 2014 in Brünn mit Platz 3. Der tschechische Kurs liegt Sandro, wie wir seit spätestens 2011 wissen. 

Aber irgendwie fehlt es immer wieder an dem einen oder anderen Detail. 

Der abschließende Wechsel des Intact-Teams von der Kalex auf die Suter scheint auch nicht dem Fahrstil von Sandro Cortese entgegen zu kommen.

So trennen sich denn nun für 2018 die Wege. Aber nicht im Streit oder Zwist, sondern ganz fair und ehrlich, wie eben auch die Zusammenarbeit über die letzten Jahre war.

Am 6. Januar kommenden Jahres wird Sandro 28 Jahre alt. Wie man Rennen gewinnen kann, dass weiß er. Wie man Weltmeister werden kann, das weiß er ebenfalls. Und 2018 kehrt er in den Schoß der KTM-Familie zurück. Dass man mit diesem Material Rennen gewinnen kann, das hat der Portugiese Miguel Oliveira in dieser Saison gezeigt.

Möglich ist ALLES!

Marquez, Bagnaia, Pasini und Co. Keiner der Kontrahenten ist unschlagbar. Bleib` einfach in der ersten Saisonhälfte an Oliveira dran und dann gibt es Ende der Saison 2018 wieder Pizza Cortese beim Italiener in Berkheim!

Hau`rein Sandro. Flying Haggis kommt gerne wieder nach Berkheim und feiert gemeinsam mit DIR und deinen heimischen Freunden den Titel in der Moto 2!

Motorrad-Weltmeisterschaft Saisonrückblick 2017

Schlagwörter

,

 

Irgendwie ist es nach jeder WM-Saison für mich das gleiche Gefühl. Zu Beginn der Gedanke – es kann nicht noch spannender oder dramatischer werden, als im Vorjahr und DANN? Dann kommt es wieder einmal anders als gedacht. Neue Protagonisten spielen sich in der Vordergrund. Namen, die man zuvor nicht auf der Rechnung hatte sind urplötzlich ganz vorne mit von der Partie. Kein Regisseur dieser Welt könnte sich derartige Wechsel in der Dramaturgie einfallen lassen.

Also beginnen wir erst einmal mit der Moto 3, der üblichen Wundertüte im Gesamtkonzept Motorrad-WM.

Was ist gleich geblieben im Vergleich zu den Vorjahren? Die Zweikämpfe Rad an Rad in den Rennen, der Kampf um jeden Millimeter auf der Strecke.

Und was entwickelt sich gerade in der Moto 3 so langsam zu einer Seuche? Keiner oder kaum Einer traut sich eine schnelle Solorunde im Training zu und so sehen die Zuschauer an den Trainingstagen ein um das andere Mal den Bummelzug, mit nach hinten gerichtetem Blick, verbunden mit der Suche nach einem schnellen Windschatten.

Zu Beginn der Moto 3 Saison kristallisierte es sich bereits heraus. Wer 2017 den WM-Titel haben möchte, muss den Spanier Joan Mir aus dem Leopard Team schlagen. Direkt mit -2- Siegen den passenden Start in die Saison, kurzer Durchhänger in den Staaten und weitergemacht mit Platz 3 auf dem Podium in Spanien und Sieg Nr. 3 in Frankreich. Da war der Zahn beim Gros der Konkurrenz bereits gezogen.

Zwei Konkurrenten nahmen noch den Kampf auf. Romano Fenati und Aaron Canet gaben ihr Bestes und lieferten sich den ein oder anderen schönen Zweikampf mit Joan Mir.
Der wurde aber abschließend mit 10 Saisonsiegen würdiger und verdienter Weltmeister der Moto 3. Nach Danny Kent der Zweite in Leopardfarben.

Romani Fenati, nach seinem Rauswurf bei VR 46 wieder gut bei Marinelli untergekommen, macht für sich den Vizetitel klar. 3 Saisonsiege und 8 Podestplätze sind ein Wort. Beide werten in der kommenden Saison die Moto 2 auf und machen Platz für neue Titeljäger in der Moto 3.

Aaron Canet stand auch 5 x auf dem Podium, davon 3 x zuoberst auf Platz 1. Das war abschließend allemal für einen 3. Gesamtrang im Klassement gut.

Auch der Spanier Jorge Martin, im Gesamtklassement auf Platz 4, hat eine gute Saison abgeliefert. Insbesondere in den Trainings war der pfeilschnelle Spanier immer für eine vordere Platzierung gut. Martin hatte am Ende 9  Podestplatzierungen auf seinem Konto und nach 9 x auf der Pole setzte er im letzten Rennen in Valencia diese Position mit seinem ersten Sieg auch optimal um. Martin ist für mich, gemeinsam mit seinem Teamkollegen Canet, der Anwärter auf den Moto 3-Titel 2018.

Zumindest zu Saisonbeginn sah es noch danach aus, als ob der schnelle Schotte John McPhee eine Rolle um die Vergabe des Titels mitsprechen kann, aber spätestens nach dem dritten Rang bei der Dutch TT in Assen war das Strohfeuer abgebrannt. Am Ende sprang zwar immer noch ein respektabler Gesamtrang 7 heraus, was aber den Ansprüchen zu Saisonbeginn nicht gerecht wurde.

Unmittelbar hinter McPhee reihte sich der Spanier Ramirez nach einem tollen abschließenden dritten Platz in Valencia auf Gesamtrang 8 der WM ein.

Wie sieht es in der Moto 3 aus der rein deutschen Brille betrachtet aus? Da haben wir Philipp Öttl auf Platz 10 im Gesamtklassement und nach langer Durststrecke wieder ein Podestplatz mit Rang 2 auf dem schnellen A1-Ring in Österreich. Insgesamt waren es 4 x Platzierungen unter den ersten fünf und der wiederkehrenden Erkenntnis, dass Philipp durchaus das Tempo der Spitze mitgehen kann. Nur leider meistens erst, wenn er bereits mit 4 oder 5 Sekunden Rückstand hinter der Spitzengruppe herfährt. Für ganz nach vorne reicht das nicht. Meine Auffassung dahingehend bleibt bestehen: Hier muss dringend die Hilfe eines Mentaltrainers her, der Philipp den letzten Biss für die ersten Runden im Rennen und die Chaosrunde im Training vermittelt. Dann kann alles und damit meine ich ALLES drin sein.

Dieser rote Faden zieht sich leider auch in die Moto 2. Sowohl Marcel Schrötter, als auch Sandro Cortese waren das Jahr über zu durchaus ambitionierten Vorstellungen im Stande. Aber nur sporadisch und meistens in den Trainings.

 

An den Rennsonntagen spielten andere im Moto 2-Konzert die erste Geige. Wie ich bereits bei dem Rückblick 2016 vermutet habe ging der Titel in diesem Jahr nur über Franco „Morbido“ Morbidelli.

Immer wenn kurze Zweifel aufkamen: Kann vielleicht doch noch Alex Marquez oder Tom Lüthi den Spielverderber geben, legte Morbido eine Schippe drauf und fuhr wieder einen weiteren Laufsieg ein.

Überraschend war für mich wie schnell KTM mit der unkonventionellen Fahrwerkslösung den Anschluß an die Spitze erreicht hat. Zumindest Miguel Oliveira zeigte bereits ab Saisonbeginn, dass der Gitterrohrrahmen im Vergleich zu Kalex und Suter durchaus eine Alternative darstellt. Drei souveräne Laufsiege zu Saisonende beförderten ihn im Gesamtklassement sogar auf Platz 3, noch vor Alex Marquez.

Für die Saison 2018 sollte man die „Orangen“ aus Mattighofen also auf der Rechnung haben. Insbesondere, weil „Morbido“ Morbidelli und Tom Lüthi in die Moto GP aufsteigen und einen weiteren starken Piloten mit Nakagami mitnehmen.

Die Konkurrenz sollte sich also das Heck der KTM genau ansehen. Es könnte sein, dass die Auspuffenden von Oliveira im kommenden Jahr ein dauerhafter Anblick werden.

Dann sitzt auch ein Mann wie Sandro Cortese auf der KTM. Also gibt es 2018 keine Ausreden mehr. Es muss dann geliefert werden. Das gilt auch für Dominique Aegerter, dem Pechvogel des Jahres. Domi bekam, aus meiner Sicht wegen eines vernachlässigbaren Vergehens, den Sieg in Misano aberkannt. Auf der Strecke hart erkämpft gegen Landsmann Tom Lüthi.

 

Die Rolle des unauffälligen, aber ambitionierten Punktesammlers spielte bei der Moto 2 Francesco Bagnaia im VR 46 Team. Wer in der Moto 2 in der kommenden Saison Weltmeister werden will, sollte den schnellen Italiener im Blick behalten. Seine geringe Fehlerquote macht ihn zu einem gefährlichen Gegner im Kampf um die Krone.

Kommen wir zur Moto GP. Im letzten Jahr ein stetiger Wechsel auf Platz 1 des Podestes, mit Namen, die man vorher nie oder lange Zeit nicht mehr gehört hatte, hatte man in dieser Saison auch einen Spannungsbogen der besonderen Art.

Viele Namen erschienen da auf Platz 1 im Gesamtklassement. Zunächst der Rookie Maverick Vinales, der bei den Vorsaisontests mit Bestzeiten aufwartete und wie eine Rakete in die Saison startete.

Dann der Altmeister Valentino Rossi mit einem Saisonsieg und einigen Podestplätzen UND einem folgenschweren Sturz. NEIN – nicht auf der Strecke im Kampf mit der Konkurrenz, sondern auf seiner heimatlichen Endurorunde mit seinen VR 46 Kumpels. Kaum zu glauben.

Und nicht zu vergessen die Überraschung der Saison, der oftmals unterschätzte Andrea „Desmo-Dovi“ Dovizioso mit seiner Ducati.

Er lieferte Marc Marquez einen beinharten Kampf um den WM-Titel, der faktisch erst mit dem letzten Rennen in Valencia entschieden wurde.

Hätte man Andrea Dovizioso zu Saisonbeginn gesagt: Du gewinnst -6-Rennen im Laufe der Saison und bis zum finalen Ende in Spanien wirst Du ein Titelanwärter sein und der einzige verbliebene Verfolger von Marc Marquez Desmo-Dovi hätte wahrscheinlich gelacht und geantwortet:

Das nehme ich gerne mit!“

Bis zum letzten Rennen im Wohnzimmer von Marc Marquez hatte Dovi die WM offen gestaltet und dann dieses Finale. Fünf Fahrer setzten sich vom Rest des Moto GP Feldes ab und fahren ihr eigenes Rennen.
Dann Verbemser von Marc Marquez als er am Ende der Zielgeraden versucht sich an Zarco vorbei zu arbeiten. Marquez fällt auf Platz 5 zurück und Lorenzo und Dovizioso kämpfen sich an die Führenden Zarco und Pedrosa heran. Dann Sturz von Lorenzo beim Versuch vielleicht doch noch im letzen Saisonrennen den ersten Sieg auf der Ducati klar zu machen. Für Sekunden ist Desmo-Dovi auf Platz 3 mit der letzten marginalen Hoffnung auf das Unmögliche. Aber diese Hoffnung löst sich schnell in einem Kiesbett von Valencia in Staub auf.

Von Enttäuschung ist aber bei den Ducatisti nichts zu spüren. Die Roten aus Borgo Panigale waren so nah dran! Und ganz ehrlich gesagt hätte ich auch nur zu gerne mit Andrea und seinen Fratelli d`Italia – il Canto degli Italiani angestimmt. Dann eben im nächsten Jahr.

Was hat uns die Saison gezeigt? Ducati ist dran am Titel und ein ebenbürtiger Gegner für die Teams um Honda und Yamaha. Und für mich haben SIE den Weltmeister der Herzen „il Campione del mondo dei cuori „.

NEIN – nicht Andrea Dovizioso, den könnte man zwar zu Recht auch derart benennen, aber ich meine Danilo „Petrux“ Petrucci. Mehrfach so knapp vor seinem ersten Moto GP Sieg heimste der schnellste Polizist Italiens -4- Podestplätze ein.

Da musste sich auch Jorge Lorenzo neidlos verbeugen. Der für einige Millionen von Yamaha abgeworbene Nr. 1 Fahrer, der eigentlich die Kohlen aus dem Feuer holen sollte. 3 x Podest und zumindest einmal knapp am ersten Sieg mit den Roten vorbeigeschrammt landete er als Nr. 7 im Gesamtklassement.

Den Titel „Rookie des Jahres“ verdiente sich in diesem Jahr der zweifache Moto 2- Weltmeister Johan Zarco. Das ein oder andere Mal brannte der Franzose ein Feuerwerk ab und versetzte die Etablierten in Angst und Schrecken.

Auch die Nr. 2 im Repsol Werksteam, Dani Pedrosa, durfte sich mit dem abschließenden Sieg in Valencia 2 x in die Siegerliste eintragen und zumindest zu Saisonbeginn kurzzeitig von einem möglichen Moto-GP-Titel träumen. Aber der Rest in der Spitze war mit Marc Marquez, Andrea Dovizioso und Maverick Vinales einfach zu stark. Also Platz 4 im Gesamtklassement – knapp vor Altmeister Valentino Rossi.

Das Highlight der Saison und die Hoffnung auf eine gute deutsche Zweiradzukunft war für mich Jonas Folger im Tech 3 Team. Erstklassig hat er das gemacht.

Der Höhepunkt war natürlich sein grandioser 2. Platz beim Heimrennen am Sachsenring. Einfach wunderbar auf welche Art und Weise er im Juli Marc Marquez alles abverlangt hat.

Da wäre bereits in dieser Saison noch mehr drin gewesen, wenn nicht seine Boxencrew hin und wieder eher amateurhaft agiert hätte (wie in Brünn) und WENN nicht seine gesundheitlichen Probleme in dieser Saison ganz krass zur Geltung gekommen wären. EGAL – jetzt sind die Probleme bekannt, erkannt und können bekämpft werden. Eine Stoffwechselerkrankung, die unter dem Namen Gilbert Syndrom bekannt ist, hat unseren Helden in der Moto GP-Klasse eingebremst. Wahrscheinlich leidet seine Fitness darunter schon seit Jahren. Nach Stand der Dinge reicht schon eine entsprechende Ernährungsumstellung zur Bessserung der Symptome UND dann geht es für Jonas frisch an`s Werk mit Blick auf 2018.

Wir gratulieren einem würdigen und verdienten Moto GP Weltmeister Marc Marquez zu seinem vierten Titel in der Klasse.

Ende Januar 2018 beginnen schon die ersten Tests in Sepang. Dann brüllen wieder die Motoren und Flying Haggis wird mit seiner Saisonvorschau 2018 die nötigen Informationen vor dem Saisonstart in Katar liefern.

Indian Summer ODER eine Herbstausfahrt

Schlagwörter

,

Manchmal empfinde ich sogar meine Schlafstörungen als etwas durchaus positives. So auch an diesem Sonntag. 05:00 Uhr und Flying Haggis starrt an die noch dunkle Decke im Schlafzimmer.

So ein Mist! So früh am Tag und jetzt schon wach! Moment – da war doch noch was? Der Zeitverschiebung sei es gedankt – gerade läuft die Übertragung vom Japan Grand Prix auf einem gewissen Sportsender. Also raus aus den Federn, Frühstück gemacht und die Glotze an, in froher Erwartung auf spannende Rennen. Die Erwartung wird auch komplett erfüllt – aber es ist für einen Sonntag immer noch rechtschaffen früh.

Da die heimatlichen Gefilde bei Flying Haggis etwas höher liegen offenbart der Blick nach draußen bereits blauen Himmel. Also auf geht es Junge – schauen wir einmal wo uns die Füße oder besser die Räder heute hinbringen. Ohne genaues Ziel geht es los. Das sind die besten Touren. Links geblinkt und abgebogen. Rechts abgebogen – hey – hier bist Du schon lange nicht mehr durchgefahren!

Es ist einfach klasse! Das kann kein Autofahrer dieser Welt nachempfinden. Ein Motorrad ist eine Zeitmaschine und diese Zeitmaschine bringt dich von Kilometer zu Kilometer weg aus dem Alltag. Wer Motorrad fährt benötigt keinen Therapeuten.

Und der Herbst mit seinen Farben tut sein Übriges. Ich glaube ich habe es bereits in dem ein oder anderen Bericht erwähnt. Ich liebe den Herbst und seine Farbenvielfalt. Einfach schön!

Wir mit unseren Motorrädern müssen nur ein wenig mehr Obacht geben, weil das Herbstlaub gepaart mit dem Herbstnebel oftmals eine gripunfreundliche Mischung darstellen.

Der Trubel nimmt zu. Da haben wohl noch mehrere Gleichgesinnte ebenfalls mit Schlafstörungen zu kämpfen. Meine Tour ins Geradewohl hat mich in „Ringnähe“ gespült und da ist immer zweirädriger Betrieb.

Kurze Pause an einem der Szenetreffs. Ganz nett hier. Aber wie war das noch mit den Familienverhältnissen von nett oder ganz nett?

Also schnell wieder auf den Weg gemacht und jetzt macht sich im Hinterkopf der Gedanke breit Lass` uns einen Weg einschlagen wo es wieder etwas ruhiger ist!

So heißt es auf den Höhen noch einmal den Herbst und seine Farben genießen. Der zweizylindrige Laubbläser macht sich seine Spur frei und in dieser Jahreszeit entwickeln selbst Stellen und Orte, die im Sommer komplett überlaufen sind, ihren speziellen und besonderen Charme.

Wahrscheinlich war es seit Monaten an der Burg Manderscheid nicht mehr derart ruhig.

Es heißt inne halten, Blick genießen und sich einfach darüber freuen mit der Zeitmaschine unterwegs zu sein. Weg vom Alltag – Seele freimachen. Oweh – was mache ich jetzt in den Wintermonaten? Reicht der Schnee für einen Schneescooter? Also erst einmal auf einen halbwegs schnee- oder besser Salzfreien Winter hoffen. Dann kann man bei sonnigem Wetter noch die ein oder andere Tour machen.

Zügig bin ich wieder zu Hause und rolle in die Garage. Der Alltag kann mich mal – zumindest vorerst. Und wenn er mich wieder angreift oder nach mir tritt, dann trete ich nicht zurück, sondern greife mir mein zweirädriges Therapiegerät, das den Alltag ganz schnell und einfach in etwas Besonderes verwandelt.

Ihr armen, armen Autofahrer! Ihr müsst eben Medikamente schlucken!

Schlussakt der Oper……………

Schlagwörter

, , ,

und wie sagt der Volksmund so schön: „Die Oper ist erst dann aus, wenn die dicke Frau gesungen hat!“ Heute hat die dicke Frau noch nicht gesungen. Das dauert noch eine Weile. Die Dramaturgie in der ohnehin schon spannungsreichen Moto GP hat aber beim Großen Preis von Japan noch einmal eine Spannungsschippe draufgelegt. Hatte man schon gedacht, dass der Saisonabschluss seinen üblichen Verlauf nimmt und die Konkurrenz in den letzten Rennen nur noch das Heck von Marc Marquez und seiner Honda sieht, so sah man sich jetzt mehr als getäuscht.

„Desmo-Dovi“ Dovizioso sieht es in dieser Saison überhaupt nicht ein den so nahen ersten Moto-GP-Titel kampflos an il piccolo Devilo zu übergeben und hat dies mit einem Paukenschlag in Motegi unterstrichen.

In Hondaland mit Bravour die rote Göttin auf Platz 1 gestellt und die Japaner düpiert. Bravo, Bravissimo Dovi!

An Siegen hat er damit bereits mit Marc Marquez gleichgezogen. Die beiden Kontrahenten haben jetzt jeweils -5- Siege in der laufenden Saison erreicht und jetzt geht es Schlag auf Schlag weiter. Zunächst noch die beiden Überseerennen in Australien und Malaysia und dann geht es zum Saisonabschluss nach Valencia → also Marquezland.

Meinen die „Roten“ aus Borgo Panigale ihre Titelambitionen in diesem Jahr ernst? Wenn JA – dann sollten jetzt auch schnellstens unkonventionelle Lösungsmöglichkeiten für das Problem Marquez und den verbleibenden  11-Punkte-Rückstand her. Wahrscheinlich ist das Gehirn des Teams Gigi Dall`Igna bereits damit beschäftigt.

Tipp von Flying Haggis gefällig? Ihr habt da einen erstklassigen Testfahrer unter Vertrag, der bei den Saisonvortests die Etablierten bereits blamiert hat. Das Schöne an diesem Testfahrer ist, dass er in Australien zu Hause ist und auf der kommenden Strecke IMMER eine Klasse für sich war. Und wenn man beabsichtigt Marc Marquez etwas mehr Punkte im Kampf um den Titel abzunehmen, dann sollte man an diesen Schritt denken! Ma dai Ducati! Setzt Casey Stoner am kommenden Wochenende mit einer Wildcard auf die Ducati.

Ihr müsst Casey dann nur noch erklären, dass er kurz vor der Zieldurchfahrt schauen soll ob Andrea oder Marquez direkt hinter ihm ist!

Motorradwallfahrt nach Santiago de Compostela

Schlagwörter

, ,


Euer Flying Haggis ist kein strenggläubiger Mensch. Im Grunde genommen habe ich sogar eine Aversion gegen alles und jeden der irgendetwas zum Dogma erhebt und nichts außer seiner eigenen Überzeugung gelten lässt.

Wo es für mich dann gänzlich aufhört ist, wenn man derart religiös verblendet ist, dass man sich einen Sprenggürtel umschnallt um sich dann abschließend, mit dem Hinweis dass „Gott groß ist“, mitsamt seiner ach so ungläubigen Umgebung in die Luft zu sprengen.

Genug jetzt davon. Ganz tief im Innersten von Flying Haggis ist aber doch der Gedanke (oder ist es vielleicht sogar der Wunsch), dass es nicht schlecht wäre, wenn da irgendwo jemand sitzt der die Weltgeschäfte als höhere Instanz regelt und darüber wacht. Ob der jetzt Gott, Allah, Buddha, Manitou oder Odin heißt ist mir letztendlich gleichgültig.

Für meinen Freund Hubertus ist ziemlich klar wie der heißt. Und da Hubertus auch ein leidenschaftlicher Motorradfahrer ist, empfindet er eine Motorradwallfahrt nicht als Bürde oder Buße, sondern als schöne Verbindung von zwei bedeutsamen Dingen, die sein Leben prägen. Einmal sein Glaube und zum Zweiten Motorradfahren.

Als er dann die Motorradwallfahrt nach Santiago de Compostela angeboten hatte, war es für die beste Sozia von Allen und Flying Haggis klar – Da fahren wir mit!
Kurze Zeit später teilte er mir dann mit, dass die Wallfahrtgruppe zwischenzeitlich -40- Maschinen umfasst, also eine stattliche Pilgergruppe.
Meinen Hinweis, dass -40- Motorräder schon ein ganz schönes Paket sind und man da mindestens -4- Gruppen einteilen müsste, beantwortete er direkt mit den Worten:

„Ich weiß. Ich bin davon ausgegangen, dass Du die Führung einer Gruppe übernimmst!“

So kam Flying Haggis zu seinem Urlaubsjob → Scout bei der Motorradwallfahrt nach Santiago de Compostela. Bei einem Treffen vor der eigentlichen Tour war kurzes Beschnuppern angesagt sowie Einteilen der vier Gruppen UND dann ging es auch schon los.

1. Tag Samstag 16.09.2017 Schweich -Troyes
Die Vorfreude ist groß am Starttag unserer Motorradwallfahrt. Nur strahlende und erwartungsfrohe Gesichter. Also kann es mit frischem Elan losgehen.

Die ersten Kilometer in noch bekanntem Terrain ist einrollen angesagt. Blick immer im Rückspiegel. Sind alle dran? Alle schön versetzt, damit wir kompakt aber dennoch mit ausreichend Platz zum Manövrieren unterwegs sind; letzter Mann mit Fernlicht damit ich unser ENDE sehen kann?
Klappt alles wunderbar und mit der Zeit unserer Tour sollten die Blicke in den Rückspiegel seltener werden. Eine homogene Gruppe ist hier unterwegs unter dem Motto Freude am Fahren!

Als erstes Zwischenziel und Pause hat uns Hubertus Verdun ausgesucht. Interessierten der jüngeren Geschichte schnürt es bei der Nennung dieses Ortsnamens bereits die Kehle zu und dies zu Recht. Im Zeitraum vom 21.02.1916 bis 20.12.1916 war die Gegend um Verdun Ort einer der verlustreichsten Schlachten des I. Weltkrieges. 450.000 Franzosen und 400.000 Deutsche fanden hier in den Kämpfen den Tod.

Wir halten hier betroffen Einkehr und irgendwie spukt in meinem Hinterkopf der Refrain eines alten Liedes von Peter Maffay herum:

Woran glaubst Du?
Welchem Herrn dienst Du?
Um zu leben, wenn Du spürst, es geht
so nicht mehr weiter.
Woran glaubst Du?
Welchem Herrn dienst Du?
Wer verzeiht Dir dann, wenn Du Dir selbst
nicht mehr verzeihen kannst?

Ziemlich in Gedanken versunken ist jetzt wieder einmal der Weg mein oder besser unser Ziel und der findet sein recht unspektakuläres Ende in Troyes in der französischen Provinz. Genauer gesagt Region Grande Est an der Seine.

Wir statten zunächst noch der Altstadt einen Besuch ab mit ihren gepflegten Fachwerkhäusern und nehmen anschließend ein gepflegtes Abendessen ein, bei dem noch etwas Benzin geredet wird. Einhellige Feststellung. Die Gruppe hat sich bereits gefunden.

2. Tag Sonntag 17.09.2017 Troyes – Clermont Ferrand
Von Troyes starten wir in den frühen Morgenstunden bei leichter Wolkendecke in Richtung Pontigny zu einem ersten Zwischenhalt an einem alten Zisterzienserkloster.

Ein beeindruckendes Bauwerk und eine wunderbare Statio die unser Rainer, das Pendant zu Hubertus aus Köln, hier im Kloster abhält. Es passt einfach wunderbar zu aktuellen Gefühlslage von Flying Haggis und der besten Sozia von Allen.
Wieder an unseren Maschinen angekommen sieht alles nach „Wet Race“ aus. Die Wolkendecke hat sich verdichtet und die Einschätzung sollte sich bewahrheiten. Wie werden das erste Mal richtig gewaschen.
Zu allem Überfluss habe ich auch noch eine alte Routenführung im Garmin aufgerufen und fahre gemütlich an unserem zweiten Haltepunkt der Basilica Vezelay vorbei. Okay – bei dem Wetter nicht ganz so schlimm und es wird auch von meiner Gruppe 2 toleriert. Also weiter nach Clermont Ferrand. Die Sache mit den Navis sollte sich noch wie ein roter Faden durch unsere Tour ziehen. Schon bemerkenswert wie man trotz baugleicher Systeme und Vorgaben auf unterschiedliche Routen geführt werden kann.
Noch mehr mitten in Frankreich als in Clermont Ferrand kann man eigentlich nicht sein. Was fällt einem als Motorradfahrer zu der Stadt ein? Richtig – Christian Sarron ist ein Sohn der Stadt und die deutschen Helden der Viertelliterklasse können ein Lied von dem Franzosen singen. Der Weltmeister stieg später in die 500er Klasse auf und war in schöner Regelmäßigkeit immer in Regenrennen vorne zu finden. Seine, nach dem Farbton einer französischen Zigarettenmarke, tiefblaue Yamaha war dabei im Pulk der Maschinen immer gut erkennbar.
Aber wir sind ja nicht nur mit dem Motorrad unterwegs, sondern auch auf Wallfahrt und da fällt einem natürlich die Synode von 1095 in Clermont ein und der Aufruf zum Kreuzzug gegen die Ungläubigen von Papst Urban II. Hier erfolgte erstmals der Ausruf „Deus vult“ und mit dem Ruf „Gott will es“ zogen die dann zu Kreuzrittern mutierten Ritter aus ganz Europa gen Jerusalem. Wir haben aber einen anderen Weg vor uns. Weiter westwärts soll es gehen und die Vorfreude auf die nächsten Tagesetappen ist groß.

3. Tag Montag 18.09.2017 Clermont-Ferrand – Montauban
Unser dritter Reisetag steht irgendwie unter dem Motto – Materialtest für regenfeste Motorradbekleidung und regentaugliche Motorradbereifung. Eine wirklich wunderschöne Routenplanung führt uns auf eine traumhafte Strecke zu dem kleinen idyllischen Ort Conques und der dortigen Abtei. Die regennasse Straße hin zu dem Ort mahnt uns aber zur Vorsicht und so wird sanft durch die Kurven gecruist an Stelle Materialabrieb an den Fußrasten zu betreiben.

Nach dem Aufenthalt in Conques bessert sich das Wetter zumindest ein wenig und es geht weiter zu unserem nächsten Etappenort.
Montauban war eine Hochburg des Calvinismus bis 1629 die Eroberung der Stadt durch die Truppen des Kardinal Richelieu erfolgte. Ja – genau der von den Musketieren. Danach erfolgte dann wieder die Rekatholisierung der Stadt und der Region. Interessant ist noch, dass es sich bei Montauban um eine mittelalterliche Planstadt gehandelt hat, die im Grunde genommen wie an einem Reißbrett entworfen entstand. Für die Epoche recht außergewöhnlich. Es ist ein gemütliches Städtchen und wir lassen es uns gut gehen, vor unserer morgigen Tour nach Lourdes.

4. Tag Dienstag 19.09.2017 Montauban – Lourdes
Unsere vierte Etappe führt uns nach Lourdes und mit 234 Tageskilometer stellt sie keine große Hürde oder gar Belastung dar.
Flying Haggis hatte aber bereits in heimatlichen Gefilden die Karte studiert und an unserem Zielort Lourdes noch einen 100 km Rundkurs ausgekundschaftet, der auf Grund der Straßenverhältnisse etwa -2- weitere Fahrtstunden in Anspruch nehmen würde. Der Col de Tourmalet, das Dach der Pyrenäen, steckte mir gewaltig in der Nase. Das oftmalige Etappenziel der Tour de France ist so etwas wie der König der Pyrenäenpässe. In etwa vergleichbar mit dem Passo di Stelvio in den Dolomiten. Da muss man eigentlich hin, wenn man in der Nähe ist und 50 km Entfernung geht als in der Nähe durch.

Aber es steht ja auch die Besichtigung der Grotte von Massabielle an, dem Ziel eines jeden Lourdes-Pilgers.

Hier wurde nach den Angaben der Bernadette Soubirous eine Marienstatue geschaffen.

Bernadette hatte hier im Jahr 1858 mehrere Erscheinungen einer weißgekleideten Frau und bei einer dieser Zeichen wurde die Quelle freigelegt, die bis heute Zielort der gläubigen Pilger ist.

Irgendwie zieht uns der Ort in seinen Bann und der Tourmalet ist gestorben. DU bist dann irgendwann später an der Reihe.

Denn nicht nur der Ort Lourdes als solches, sondern auch das vielfältige und friedliche Völkergemisch auf den Straßen und der abendlichen Lichterprozession zur Kathedrale lässt hoffen, dass unser Planet doch noch Chancen auf eine friedvolle Zukunft hat.

5. Tag Mittwoch 20.09.2017 Lourdes – Puente de la Reina
Am nächsten Morgen rufen doch noch die Pyrenäen und los geht es. Auf zum Aubisque, dem oftmaligen Ziel von Bergetappen bei der Tour de France.

Und der Trierer Stadtpatron Petrus (schließlich in unserer Region für das Wetter zuständig) hat ein Einsehen. Noch besser geht es nicht. Sonne und angenehme Temperaturen und die Straße auch wunderbar abgetrocknet.

Und auf der Passhöhe eine geniale Aussicht.

Um zu unserem nächsten Pyrenäenpass dem Somport zu kommen suchen wir uns noch eine passende Verbindung und werden bei der D 294 fündig. Schöne enge Landstrasse mit einer Aneinanderreihung an Wechselkurven. Der Erbauer dieser Trasse hatte ein Herz für Motorradfahrer. Dann nichts wie hinauf zum Somport und hinein nach Spanien.

Vor unserem Etappenziel geht es noch über Jaca, mit einem Kurzbesuch in der Stadt und zum Kloster Leyre.

Wunderbar ruhig auf einer Anhöhe liegend war Leyre der richtige Ort, nach der anstrengenden Etappe die innere Ruhe zu finden.

Unser nächstes Etappenziel ist ein kleiner Flecken in der autonomen Region Navarra. Er liegt günstig am Jakobsweg, bot er doch den Pilgern immer eine optimale, weil sichere und kostengünstige, Möglichkeit der Flussüberquerung des Arga.

Was noch wichtig ist für Flying Haggis als Freund von Rotweinen? Navarra gehört mit zu den ältesten Weinbauregionen dieser Erde. Historische Funde lassen vermuten, dass vor der römischen Besatzung bereits Weinbau betrieben wurde.
Also lassen wir uns den guten Navarra mal heute Abend zum Essen schmecken.

6. Tag Donnerstag 21.09.2017 Puente de la Reina – Burgos-Rubena
Vor unserem Start am frühen Morgen statten wir Puente de la Reina noch schnell einen fußläufigen Besuch ab und dann geht es weiter durch Spanien.
Wie hieß noch einmal dieser Schlagertext der Comedian Harmonists mit einem der üblichen Knüppelverse, getreu dem Motto. Reim Dich oder ich fress´ Dich? Schöne Isabella von Kastilien, packe deine ganzen Utensilien und komm zurück zu mir nach Spanien blablabla.

Wieder eine wunderschöne Streckenführung und Hubertus,

unser Wikipedia in Menschengestalt, füttert uns an jedem Halt derart mit Historie, Sagen und Anekdoten, dass es schwierig wird sich ohne Mitschnitte alles zu behalten.

Burgos, unser nächstes Etappenziel ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der autonomen Gemeinschaft Kastilien-Leon, womit wir unsere Brücke vom Liedtext zur Region auch schon geschlagen haben. Burgos liegt, wie kann es anders sein, am Jakobsweg.
Also fußläufig hinein nach Burgos und ALLES geistig und optisch aufsaugen was geht. Da ist bei meiner Gruppe natürlich auch der Nationalheld Spaniens „El Cid“ mit dabei. Vielleicht erinnert sich der oder die ein oder andere Ältere noch an den alten Hollywoodschinken mit Charlton Heston.

7. Tag Freitag 22.09.2017 Burgos – Ponferrada

Auch am 7. Tag treiben wir uns noch in Kastilien herum und landen über die Stadt Leon, Puente de Orbigo

und Astorga wieder an einer wunderschönen Statio, dem Cruiz Ferro.

Hier laden die Pilger nach Santiago de Compostela an dem Cruiz Ferro von zu Hause mitgebrachte Steine ab. Oftmals auch beschriftet, damit man ihren Ursprung auch kennt. Beladen von zu Hause wird Ballast abgeworfen. sowohl materiell als auch im Geiste.

Dann geht es zu unserem Etappenort Ponferrada. Blickfang ist sicherlich die Burg von Ponferrada, das im 11. Jahrhundert gegründet worden ist und sich zunächst im Besitz des berühmten Templerordens befunden hat. Wenn man vor der imposanten Anlage steht wartet man regelrecht darauf, dass sich die Tore öffnen und die stolzen Reiter in schimmernder Wehr mit dem roten Kreuz auf dem weißen Umhang aus dem Burghof reiten.

8. Tag Samstag 23.09.2017 Ponferrada – Santigo de Compostela


Alle sind am heutigen Tag gespannt, denn unser Etappenort ist das eigentliche Ziel unserer Motorradwallfahrt → Santiago de Compostela, die Hauptstadt Galiziens und der, auf Grund des Jakobsweges, wahrscheinlich bekannteste Wallfahrtsort in Europa.

Santiago leitet sich vom Wortstamm wahrscheinlich aus dem lateinischen Sanctus Iacobus (überraschenderweise – heiliger Jakob) ab und ist dann über die Zwischenform Sant Jago zu Santiago mutiert. Der Sage nach liegen hier die Gebeine des Jüngers Jakobus bestattet, daher dann auch Jakobsweg. Da sich Wallfahrtsorte von Alters her großer Beliebtheit erfreuten, weil die Pilger grundsätzlich für einen Geldsegen der betroffenen Orte und Gemeinden sorgten, entstand hier im 10. Jahrhundert die Kirche, die sich schnell zum Wallfahrtsort entwickelte.
Seit 1985 ist Santiago de Compostela UNESCO Weltkulturerbe und der Jakobsweg, welcher die Pilger hierhin führt, wurde 1987 zum europäischen Kulturweg ernannt.
Egal wie man auch immer zu derartigen Wallfahrtsorten stehen mag, man kann sich dem Zauber des Ortes irgendwie nicht entziehen.

Ähnlich wie in Lourdes aber für Flying Haggis und die beste Sozia von Allen doch eine Nuance anders, weniger ergreifend. Aber das muss jeder selbst für sich entscheiden. Bemerkenswert ist der Zielort des Jakobsweges und das Völkergemisch in Ort und Kathedrale allemal.

9. Tag Sonntag 24.09.2017 Santiago de Compostela – Candàs

Gedankenversunken machen wir uns heute auf unseren Rückweg nach Hause, der uns zunächst an der Atlantikküste entlang nach Candas führt. Zur Orientierung: Candas liegt etwa 15 Kilometer nordwestlich der Stadt Gijon und da klingelt es wahrscheinlich bei den eingefleischten Fußballfans direkt. Genau – 1982 Fußball WM und das wirklich denkwürdige Spiel zwischen Deutschland und Österreich. Der berühmte Nichtangriffspakt – Entweder man ist darüber eingeschlafen, ähnlich wie die beteiligten Spieler oder man hatte sich derart aufgeregt, dass ein medizinischer Notfall im Bereich des Möglichen lag.
Wir fahren aber innerlich komplett ausgeglichen unsere heutige Route in Atlantiknähe entlang, genießen die Landschaft und lassen geistig noch etwas unseren gestrigen Aufenthalt in Santiago Revue passieren.

Die Route ist wieder traumhaft – aber in anderer traumhafter Form als bislang. Wenn man nicht wüsste das man gerade seine Maschine an der spanischen Atlantikküste entlangführt, könnte man sich an die Küste von Schottland versetzt fühlen.

Den Abend genießen wir an dem wunderschönen Hafen von Candas.

10. Tag Montag 25.09.2017 Candas – Irùn

Die Königsetappe der Wallfahrt wartet auf uns. Zumindest im Bezug auf die anstehenden Tageskilometer, die uns schon in unmittelbare Grenznähe nach Frankreich unweit von San Sebastian zurückbringen. Über Covadonga und Santillana del Mar führt uns unser Weg diesmal über einige Autobahnkilometer, die wir aber dankend annehmen, da es wieder regnet und der Bereich um die spanische Großstadt Bilbao streckenmäßig keine kurvigen Alternativen zulässt.

11. Tag Dienstag 26.09.2017 Irùn – Mont-de-Marsan

Von Irùn soll es heute wieder hinein nach Frankreich gehen. Heißt wir dürfen heute wieder über die Pyrenäen und rollen über eine wunderbare kurvige Alternativroute über den Ibaneta


nach Roncevalles. Hier finden wir auch die Statue des gefallenen Ritters Roland, einem Paladin von Karl dem Großen, der hier, als Führer der Nachhut des Heeres von Karl dem Großen, Opfer eines Überfalls der Basken wurde.

Die Sage behauptet zwar, dass es sich um ein vielköpfiges Sarazenenheer gehandelt hat, was aber historisch nicht belegbar ist, sich aber besser anhört.

Unser heutiger Zielort Mont-de-Marsan wird auch gerne die Stadt der drei Flüsse genannt, denn die beiden kleinen Flüsse Midou und Douze vereinigen sich in der Stadtmitte zum Fluss Midouze. Mont-de-Marsan liegt mitten in der Gascogne und jetzt horchen sicherlich die Leser französischer Abenteurerliteratur auf. D`Artagnan der Held der vier Musketiere ( ja, ja den Kardinal Richelieu hatten wir auch bereits) stammte laut Alexandre Dumas aus der Gascogne. Wer dann noch den in Versform gewandten Cyrano de Bergerac in Erinnerung hat mit seinen Gascogner Kadetten, der schwelgt hier in der Region sicherlich in romantischen Erinnerungen und kann mit geschlossenen Augen schon die klingenden Degen hören.
Der Ort gilt als Hochburg der Bildhauerei und so ist das örtliche Museum Despiau-Wlerick, welches sich der Bildhauerkunst des 20. Jahrhunderts widmet der Anlaufpunkt für viele Freunde der zeitgenössischen Kunst.
Sehenswert ist auch noch der Skulpturengarten des Museums am Ufer des Midou.
Was das Interesse des (fast) immer hungrigen Flying Haggis hervorruft sind die landestypischen kulinarischen Spezialitäten Entenbrust, glasierte Ente und die Hühnchen. Also ran an die Verpflegung, wobei die regionale Spezialität Gänseleber eher nicht mein Ding ist.

12. Tag Mittwoch 27.09.2017 Mont-de-Marsan – Limoges

Unser 12. Etappentag führt uns über Mont-de-Marsan zunächst nach Rocamadour, einem traumhaften Ort, der wie ein Adlerhorst an einem Felsen hängt.

Was hier noch am oder besser im Felsen hängt ist das Schwert „Durandal“ des Ritters Roland.

Ja genau der Roland von der Schlacht bei Roncevalles. Der hatte (nachdem er sich in sein Schwert Durandal gestürzt hatte), selbiges bis nach Rocamadour geworfen, wo es im Felsen stecken blieb. Excalibur und König Artussage lassen schön grüssen.

Weiter geht es in Richtung Perigueux nach Limoges. Limoges liegt im nordwestlichen Zentralmassiv an dem Fluss Vienne. Historisch geht die Stadt wohl auf die Römer zurück, die nach der Eroberung Galliens das Städtchen auf einer Anhöhe oberhalb der Vienne erbauten. Die Römer nannten die Stadt Augustorium, bekannt war sie aber auch unter dem Namen Stadt der Lemoviken (keltischer Stamm aus Aquitanien) und aus diesem Wortstamm Lemoviken wurde dann wohl Limoges.
Zu sehen gibt es aus der Römerzeit noch ein Amphitheater, aber wer aus Trier stammt, dem muss man in Sachen altrömischer Denkmäler schon Besonderes bieten, wenn mehr kommen soll als ein: „Ja ganz nett!“ Ein Porzellanmuseum gibt es auch noch zu bestaunen, Limoges ist ein bekannter Ort für Porzellan- und Emaillemanufakturen in Frankreich. Aber der Transport von feinem Porzellan auf einem Motorrad ist als kritisch zu bewerten. Also kein Mitbringsel in Form des weißen Goldes in heimatliche Gefilde.

13. Tag Donnerstag 28.09.2017 Limoges – Orlèans

So ganz langsam nähern wir uns schon wieder unserem zu Hause. Die Etappe führt unsere vier Gruppen separat durch die Region und kurz vor unserem heutigen Zielort haben wir mehrere Stationen, die allesamt mehr als nur ein kurzes Foto wert sind.

Das Chateau Sully-sur-Loire

und die Abbaye de Fleury, welche die Gebeine des heiligen Benedikt bewahrt.

Was soll man von unserem vorletzten Etappenort sagen? Sobald der Name Orlèans fällt erübrigen sich alle weiteren Hinweise, weil sich alle Gedanken bereits auf Jeanne d`Arc personifiziert haben. Orlèans war im Hundertjährigen Krieg in den Jahren 1428 / 1429 die letzte französische Bastion im Kampf gegen die Engländer. Unter Führung der jungen Dame wurde die Stadt von der Belagerung der Engländer befreit. Wie das zu allen Zeiten üblich war oder ist, fiel das Dankeschön der Herrschenden aber anders aus, als man erwarten konnte. Die mit den Engländern Verbündeten Burgunder nahmen die junge Frau gefangen und am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d`Arc mit erst 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die dann später folgenden Selig- und Heiligsprechungen durch die katholische Kirche ändern an dem gruseligen Ende nicht viel.
Die üblichen Fotomotive, die unseren Besuch natürlich dokumentieren müssen, sind die Kathedrale Sainte-Croix und das Reiterdenkmal, welches an Jeanne d`Arc erinnern soll.

14. Tag Freitag 29.09.2017 Orleans – Châlons en Champagne

Von Orleans rollen wir zunächst zu unserer Zwischenstation, die auch für unsere Mittagspause herhalten soll. Auf nach Sens. So nach und nach trudeln alle Gruppen ein und finden sich, wie vom Magneten angezogen, an einem schönen Platz vor der Kathedrale, der auch einige Straßencafes zu bieten hat.

Wir sind also bereits in der Region, die für die Herstellung dieses sprudelnden alkoholischen Getränkes berühmt ist und gar nicht so weit entfernt von unserem ersten Etappenort Troyes. Es riecht bereits schon wieder stark nach „zu Hause“.
Châlons en Champagne hieß bis 1997 Châlons-sur-Marne und der Name des kleinen Flusses Marne weckt, aus Sicht der heutigen Deutsch-Französischen Freundschaft, keine guten Erinnerungen. Im September 1914 scheiterte in dieser Region breitflächig der sogenannte Schlieffen-Plan und es kam zum Wendepunkt im I. Weltkrieg. In der Folge starben in diesem Landstrich Tausende deutsche, französische und auch englische Soldaten, wie immer in Kriegen völlig sinn- und nutzlos, weil irgendwelche politischen Schwachköpfe es für eine gute Idee hielten.
Für diejenigen unter uns, die eine gewisse Affinität zur älteren Geschichte haben → Unweit von Châlons liegen die katalaunischen Felder und hier hatte der Hunnenkönig Attila eine seiner wenigen Niederlagen in der gleichnamigen Schlacht gegen den römischen Feldherrn Aetius und die Westgoten unter Theoderich erlitten.

15. Tag Samstag 30.09.2017 Châlons en Champagne – Trier

Tag 15 und Schlussetappe unserer Motorradwallfahrt. In strömendem Regen absolvieren wir unsere letzten Kilometer. 2 Wochen unterwegs, insgesamt 4.730 km gemeinsam mit den Motorrädern gefahren und ein Vielfaches der gefahrenen Kilometer an bleibenden Erinnerungen und Eindrücken erFAHRen. Mit Unbekannten gestartet und mit einer Gemeinschaft nach Hause zurückgekommen. Was kann einem eine Tour, ein Urlaub, eine Wallfahrt noch mehr bringen?
Den Glauben? Wie hört man so oft: Glauben heißt nicht Wissen! Aber wie häufig hat sich unser angebliches Wissen im Laufe der Jahrhunderte als Unwissen herausgestellt?
Wie viele erkrankte Menschen sind nach einem Besuch in Lourdes nachweislich gesundet. Was hat geholfen der Glaube oder möglicherweise der berühmte Placebo Effekt, der dann aus meiner Sicht auch wieder etwas mit Glauben zu tun hätte, der bekanntlich auch Berge versetzen kann.
Mit Glauben und mit Hoffnung, nämlich der Hoffnung, dass doch bitte wieder alles gut werden soll. Also hat Glauben auch sehr viel mit Hoffnung zu tun und Hoffnung habe ich fast jeden Tag. Die Hoffnung, dass der „liebe Gott“ doch bitte ausreichend Herz und Verstand vom Himmel werfen möge, damit die ganzen bornierten und selbstgerechten Menschen, die auf diesem Planeten als Führer ihrer Nationen oder Führungskräfte in Firmen nicht nur aus Sicht der Evolution Menschen sind, sondern auch menschlich handeln mögen.
Wie hatte ich zu Beginn geschrieben: Ob dieser „Werfer“ jetzt Gott, Allah, Buddha, Manitou oder Odin heißt ist mir ziemlich gleichgültig.
Also auf Leute und macht euren Sprung ins Ungewisse. Die Tour und die Eindrücke werden euch helfen vielleicht aus der Ungewissheit ein wenig Gewissheit zu gewinnen ODER zumindest Hoffnung!

Gesamtkilometer 4.730 km

IMPRESSIONEN:


Nationalstraßen sind zwar eintönig, man kann aber
auch wunderbar Gedanken Revue passieren lassen.
(Danke Guido)


Ortsdurchfahrten sind dagegen kurzweilig und man
genießt die Idylle.
(Danke Guido)


Die Zeitung kommt mir „spanisch“ vor


DANKE Rainer! Die Sache mit der Zeit hat auch
wieder genau das Thema getroffen! Und das auf
dem Ibaneta mit der Aussicht.


Angekommen oder heimgekommen in Trier an der
Abtei St. Matthias. Ein schönes Gefühl, trotz des
Regens!

„Unser Charly“ und Hubertus bei der Pressearbeit
mit dem SWR.

Ihre Majestät der Herzog!

Schlagwörter

, ,

Beginnen wir unsere kleine Geschichte zunächst einmal mit zwei Fragen, die es zu klären gilt, damit anschließend nicht die Vorwürfe kommen in der Art:

„Das hätten wir aber vorher wissen müssen!“

Frage 1: Ist mein Führerschein für meinen alltäglichen Ablauf von herausragender Bedeutung? JA oder NEIN?

Frage 2: Sind die ÖPNV-Verbindungen von meinem Wohnort zu meinem Arbeitsplatz, sowie zu meinen Lieblingsplätzen in der Region hervorragend? Ja oder NEIN?

Sollten eure Antworten auf Frage 1 Ja und auf Frage 2 Nein lauten, habt ihr beim Kauf des folgenden Produktes aller Wahrscheinlichkeit nach ein Problem.

In Vorbereitung zu einer längeren Urlaubstour ließ euer werter Erzähler seine dicke 1190er @venture zwecks Wartung bei dem KTM-Händler seines Vertrauens. Ein neuer Satz Reifen, sowie ein neuer Kettensatz waren angesagt und so erhielt Flying Haggis von der KTM-Schmiede Bodo Schmidt in Schmelz ein oranges Produkt um die folgenden Tage zweirädrig zu überbrücken.

Meine wuchtige Reiseenduro gewöhnt stand ich dann leicht verstört vor der im Vergleich dazu filigranen 1290er Superduke R.

„Um Himmels willen. die hat ja die Ausmaße von einer 125er!“

Also im Unterbewusstsein bereits auf „Contra“ eingestimmt vom Hof gerollt und die ersten Meter in Angriff genommen. Nach ein paar Kilometer stellte ich dann bereits fest, dass meine knappen 1,90 auf der Superduke ganz kommod aufgehoben sind.

Gar nicht so zusammengefaltet und unbequem wie erwartet und befürchtet. Irgendwie sogar alles ganz ergonomisch. Schöner Knieschluss am Tank, alles gut im Griff und im Blick.

Apropos im Blick und im Griff. Die neue Superduke R hat diese neudeutsch Keyless, also schlüssellose, Variante zu bieten. Also so ganz schlüssellos ist es nun auch nicht, aber ihr sucht das Zündschloss vergeblich. Schlüssel in der Kombi verschwinden lassen und rechts auf die graue Taste mit dem stilisierten Schlüssel drücken.

Jetzt läuft das Programm ab, als ob ihr „bei einer normalen Maschine mit Zündschloss“ den Schlüssel auf Zündung gestellt habt.

Kleiner Tipp am Rande: Das mit Schlüssel in der Kombi verschwinden lassen sollte man beachten. Der „Herzog“ merkt nämlich nicht, wenn Ihr den Schlüssel nach dem Startvorgang in der Garage vergessen habt. Wenn ihr nach einem derartigen Malheur irgendwo nach 150 km auf eurer Heimstrecke ein Cafe anlauft und den Motor abstellt, ist mit Neustart „Essig“. Soll heißen, da hilft dann nur der Rücktransfer mit ADAC. Aber so etwas passiert uns ja nicht.

Starten wir also unseren Duke mit dem Starterschalter, der uns in seiner Anmutung und der Beschriftung an die Killschalter alter Produkte erinnert. Da den Wippschalter mit dem „Blitz“ drücken (mit dem schaltet ihr auch die Duke wieder aus) und unter euch erwacht ein Aggregat was mich nachhaltig begeistert hat. Wer nicht mehr genau weiß warum ein Motorrad – Motorrad heißt, nach der ersten Fahrt mit dieser 1290er ist die Erinnerung wieder da.

Der Motor hat IMMER und ÜBERALL, in jedem Drehzahlbereich derartig viel Leistung parat, dass man immer und überall zu schnell ist.

Ja ich weiß. Jetzt kommen die Kommentare in die Richtung, das bestimmst Du schließlich selbst mit der rechten Hand usw. Alles richtig und auch korrekt. Das Problem ist nur, dass dich diese Maschine in der Art und Weise, wie die Leistung produziert wird und wie das erstklassige White Power-Fahrwerk das alles kompensiert einfach zu einem mehr als zügigen Fahrstil verleitet.

Das Ganze in einer Form, dass nie das Gefühl einer Überforderung eintritt. Was einen bei der angebotenen Leistung von 177 PS bei einem Naked Bike schon mehr als verwundert.

Da ich eigentlich immer etwas kopflastige Maschinen gewöhnt bin, außer Kurztrips auf der Monstro Piccolo der besten Sozia von Allen, waren die ersten Kurven mit der leichten Frontpartie der Superduke dann etwas gewöhnungsbedürftig. Die Naked-Bike Erfahrenen unter Euch werden direkt damit klar kommen, dass wirklich jeder Gedanke an einen Richtungswechsel unmittelbar umgesetzt wird. Ich musste mir mit einem kleinen Trick etwas Ruhe in die Front respektive Lenkung bringen. Etwas weiter in den Kurvenradius hinein gebremst und die Bremse auf sachten Druck gehalten, dann war auch etwas mehr Druck auf dem Vorderrad und das Einlenken für mich die reine Freude.

Rausbeschleunigen läuft dann wie weiland Münchhausen auf seiner Kanonenkugel oder bei Bullys Raumschiff Surprise mit Mopsgeschwindigkeit. Wie schon in den ersten Zeilen bemerkt: Du bist immer und überall mit dieser Maschine und dem unfassbaren Motor zu schnell. Mit zu schnell meine ich damit nicht gesetzeskonform.

KTM-typisch kann man das Aggregat entsprechend auf die persönlichen oder wetterbedingten Vorlieben abstimmen. Soll heißen Straße, Sport oder Regen.

Im Zubehörpaket gibt es dann auch Alternativen und dann kommt noch der Racemodus hinzu. Was das Aggregat dann für ein Feuerwerk abbrennt weiß ich nicht, entzieht sich aber ehrlich gesagt momentan meiner Vorstellungskraft.

Den Schaltautomaten und die Blipperfunktion habe ich nur ausserorts genutzt. Irgendwie waren mir die Schaltvorgänge hier bei Geschwindigkeiten bis 50 km/h zu hart und die Übergänge etwas ruppig. Ausserorts funktioniert sowohl Schaltautomat, als auch der Blipper beim Runterschalten einwandfrei und es kommt in meinem bescheidenen Rahmen so etwas wie Rennfeeling auf.

Ansonsten kann man, wie mittlerweile fast bei allen Herstellern gängig, so gut wie alles über das Display einstellen. Dazu ist anzumerken, dass sich dieses TFT-Display je nach Lichtverhältnissen farblich anpasst und wirklich immer gut ablesbar ist. Klein aber übersichtlich.

Nach drei wirklich kurzweiligen Tagen mit dem Herzog war unsere Episode bereits beendet. Was soll ich sagen? Wenn die Tendenz zum Drittmotorrad ginge wäre die Superduke für mich eine direkte Kaufempfehlung. Für alle die eine schnelle Hatz auf der Heimstrecke oder bei einem Renntraining lieben ist die R sicherlich DIE EMPFEHLUNG schlechthin. Wahrscheinlich geht auch ein kleiner Wochenendausflug in Schwarzwald und Vogesen. Für eine längere Urlaubstour haben die Mattighofener ja die GT im Programm.

ODER die neue 1290er @venture – das Nachfolgemodell meiner dicken Vroni. Eigentlich war ich bisher der Überzeugung auf dem besten Motorrad der Welt zu sitzen (natürlich meine persönliche und rein subjektive Empfindung). ABER dieser 1290er Motor! Einfach unglaublich.

Ich bin mal kurz bei meiner Hausbank – Bis bald!

Ducati Moto GP oder Dove stai andando?

Schlagwörter

, , ,

Ich kann es ja einfach nicht leugnen. Mein Motorradherz schlägt tief in seinem Innersten immer noch für die roten Göttinnen aus dem Werk von Borgo Panigale in Bologna. Aber wo geht die Reise jetzt hin bei den Italienern?

Was hatte ich Ende der 80er Anfang der 90er in der Superbike-WM ein Grinsen im Gesicht, wenn die roten Renner ein um das andere Mal der Phalanx der japanischen Vierzylinder ein Schnippchen schlugen.

„Ciao ragazzi. Dove siamo è davanti!“

Und im Jahr 2003 war es dann in der neu geschaffenen Königsklasse der Moto GP so weit. Der Werkseinstieg von Ducati, dazu noch mit Sympathieträgern wie Loris „Capirex“ Capiriossi und Troy Bayliss als Fahrerpaarung. Wie ein (im wahrsten Sinne des Wortes) roter Faden zieht es sich seitdem durch die Historie der Moto-GP-Renner von Ducati → auf der Geraden gingen die Maschinen wie die Hölle.

Und so war es auch nicht verwunderlich, dass ausgerechnet auf dem, mit einer langen Geraden gesegneten, GP-Kurs in Barcelona der erste Sieg für Loris Capirossi und die Desmosedici 2003 heraussprang.

Die beiden Folgejahre 2004 und 2005 waren recht schwierig für das Bologneser Werk. Das Einstiegsjahr 2003 hatte die Erwartungen wohl etwas zu sehr in die Höhe getrieben und am Ende waren die Herrn aus Borgo Panigale nicht so ganz zufrieden.

Was macht man im Fußball, wenn man mit dem Team nicht so ganz zufrieden ist? Man wechselt den Trainer oder kauft sich von einem anderen Verein einen starken Spieler. Dies in der Hoffnung, dass der es jetzt richten möge.

Aus meiner Sicht kam es damals zu der ersten in einer Reihe von folgenden personellen Fehlentscheidungen in der Führungsetage der kleinen italienischen Manufaktur.

Der Spanier Sete Gibernau wurde Teamkollege von Loris Capirossi und Troy Bayliss führte das Ducati-Superbike in der WM wieder von Sieg zu Sieg und abschließend zum Titel.

Noch heute bin ich der festen Überzeugung, dass Loris Capirossi 2006 Moto-GP-Weltmeister geworden wäre – ja wäre – wenn da nicht sein eigener Teamkollege, Sete Gibernau, ihn in Barcelona direkt beim Start brachial von seiner Ducati gefahren hätte. Ein komplett unsinniges Manöver und damit ein komplett unnötiger Sturz. Null Punkte und in den anschließenden Wochen kämpfte Capirex mit seiner sturzbedingt eingeschränkten Fitness. Zu Saisonende 2006 war es dann Platz 3 im Gesamtklassement. Ach ja, Saisonende. Da durfte dann als „Dankeschön“ für den SBK-WM-Titel auch Troy Bayliss noch mal ran in der Moto GP. Der bedankte sich mit einem Start-/Zielsieg und mehr Führungsrunden in diesem Rennen, als der Weltmeister 2006 Nicky Hayden für sich in der gesamten Saison verbuchen konnte. Den Doppelsieg machte Loris Capirossi für Ducati klar.

Hatte ich eben von einer Reihe personeller Fehlentscheidungen gesprochen? Für die Saison 2007 trafen die Verantwortlichen in Borgo Panigale eine Entscheidung, die sich als absoluter Glücksgriff herausstellen sollte. Für den glücklosen Sete Gibernau  kam der junge Australier Casey Stoner in das Werksteam.  

Neu war auch in der Moto GP die Reduzierung der Motoren auf 800 cm3. Und dieses Gesamtpaket, neue Maschine und neuer Fahrer Casey Stoner, führte zu einer unvergleichbaren Saison für Ducati. Bereits vier Rennen vor Saisonende stand der Australier als Weltmeister fest.

Ich werde nie den Grand Prix in der Türkei vergessen, als Stoner sich einen sehenswerten Zweikampf mit dem Doctor Valentino Rossi lieferte. Rossi zog im kurvigen Infield der Strecke immer wieder an Stoner vorbei. Der konterte in Seelenruhe immer wieder auf der Zielgeraden der Strecke und ging seinerseits mit wahnsinnigem Tempoüberschuss an Rossi vorbei. Irgendwann resignierte der abgekämpfte Rossi dann und kapitulierte vor der Paarung Ducati-Power und Fahrtalent Stoner.

Fahrtalent Stoner? JA – weil NIEMAND auch nur annähernd in der Zukunft an die Performance von Stoner mit der Ducati herankam. Und genau dies hatten die Herrn in Bologna nicht oder zumindest nicht komplett richtig erkannt. Denn nur der Australier war fähig auf allen Strecken des WM-Kalenders um das Podest mitzufahren. Von wegen „Rolling Stoner“ – dieser dümmliche Spitzname wird dem Fahrer Casey Stoner de facto nicht gerecht. Wenn er mit der Ducati das Kiesbett aufsuchte, hätten andere Fahrer schon lange nicht mehr auf der Maschine gesessen.

Zukünftig sollten sich dann so schillernde Namen wie Marco Melandri, Nicky Hayden, Cal Crutchlow und Valentino Rossi die Zähne an dem unzähmbaren roten Biest ausbeißen.

2007 also Weltmeister – Ducati mit Casey Stoner! In der Folge dann oftmals wieder nahe dran aber doch immer einen kleinen Hauch vom großen Wurf entfernt.

Was noch – 2008 Marco Melandri als Teamkollegen zur Verzweiflung getrieben, weil der noch nicht einmal zu Achtungserfolgen auf der Duc fähig war.

Und ab 2009 durfte dann Nicky Hayden an den Auspuffenden von Casey Stoner schnüffeln.

Nach 2010 war dann die Ära Stoner bei Ducati beendet, nachdem man 3 x in Folge Yamaha den Vortritt lassen musste (2 x Valentino Rossi und 1 x Jorge Lorenzo)

Stattdessen kam es jetzt zur Traumehe! Ducati und der Doctor Valentino Rossi. Was hatte ich für wunderbare Vorstellungen gehabt. Valentino würde, wie bei seinem Wechsel von Honda zu Yamaha, mit der bärenstarken Ducati alles in Grund und Boden fahren. Schließlich war die Duc unter Stoner 2010 (trotz krankheitsbedingten Ausfällen) noch für 3 Siege gut und Valentino sicher der größte Motorradfahrer der Neuzeit!

Die Realität sah allerdings für meine Roten gänzlich anders aus!

Casey Stoner düpierte auf der Honda den Rest des Feldes und fuhr den Titel 2011 für Honda ein und der Doctor?

Ein einziger Platz auf dem Podium war die Ausbeute für Valentino im Jahr 2011. Das Kohlefaserchassis und der Doctor wollten einfach nicht harmonieren.

Also 2012 ein konventionelles Fahrwerk verbaut. Endresultat waren zwei Podestplätze und die komplette Ernüchterung bei Ducati und bei Valentino Rossi. Nach lediglich zwei Jahren war die Traumehe Geschichte und selbst die letzten Skeptiker, die die Auffassung hatten Casey Stoner sei lediglich wegen der überragenden Motorleistung der Ducati 2007 Weltmeister geworden, mussten sich eingestehen, dass die Wahrheit woanders lag.

Meine Auffassung dazu folgt am Ende des Berichtes.

Ein Italiener durfte aber in der Folge weiter Geschichte auf der italienischen Göttin schreiben. Andrea Dovizioso, ebenfalls ein maßlos unterschätzter Fahrer, durfte auf der Ducati Platz nehmen.

Sein Teampartner Nicky Hayden hatte dann im folgenden Jahr ausgedient und wurde durch den kampfstarken Briten Cal Crutchlow ersetzt.

Das rote Biest zog aber dem Engländer binnen kurzer Zeit so ziemlich jeden Zahn und so rannte Cal Crutchlow nach nur einem Jahr mit fliegenden Fahnen (als Bradl-Ersatz) zum LCR Team und Honda.

Dann hatten die Verantwortlichen im Werk in Bologna aber doch noch einen Geistesblitz. 2014 übernahm Luigi „Gigi“ Dall`Igna, von Aprilia kommend, die Teamleitung und zeigte sofort wie hilfreich es ist, wenn man Ausschreibungen und Reglements lesen kann. Das Schlitzohr (durchaus liebenswürdig gemeint) Dall`Igna meldete das Ducati-Team einfach als Open-Team, mit allen damit verbundenen Vorteilen, an. Nachdem alle beteiligten Verbände diese Lücke im Regelwerk dann erkannt hatten wurde das Ducati-Team zwar als sogenanntes Factory 2 Team eingestuft, gewisse Vorteile gegenüber der japanischen Konkurrenz genossen die Bologneser aber weiterhin.

Endlich war Licht am Ende des Tunnels erkennbar und Andrea Dovizioso erkämpfte immerhin 2 Podestplätze und eine Pole-Position in der Saison 2014.

Die Saison 2015, mit zwischenzeitlich komplett neu entwickelten Desmosedici lief dann noch besser für die beiden Andrea.
Dovizioso und Iannone erkämpften gemeinsam 8 Podestplätze, nur ein Sieg blieb beiden noch verwehrt.

Das bekamen die beiden aber dann in der Folgesaison 2016 in den Griff. Auf dem ultraschnellen Kurs in Spielberg (Österreich), der für die bärenstarken Ducatis wie gemacht ist, feierten die beiden Italiener einen Doppelsieg. Erster Platz für Iannone und zweiter Platz für Andrea Dovizioso.

Der revanchierte sich dann noch gegen Ende der Saison und gewann das Regenrennen in Malaysia. Also ein durchaus erfolgreiches Jahr für die roten Renner aus Bologna.

2017 sollte jetzt für Ducati alles NOCH besser werden und da hat man keine Kosten gescheut. Bereits während der 16er Saison wurde der Zweijahresvertrag mit Jorge Lorenzo publiziert und den Ex-Weltmeister hat man natürlich nur aus einem Grunde teuer eingekauft:

Ducati will nach 2007 endlich wieder die Krone der Moto GP nach Bologna holen!

Ein großes Ziel und hohe Erwartungen an Jorge Lorenzo. An einen Mann, der zweifellos zu den Besten der Zunft zu zählen ist. ABER ein Pilot, der einen feinen, runden Fahrstil liebt. So ist er in der 250er Klasse erfolgreich gewesen und so hat er auch in überragender Manier seine Moto GP Titel auf seiner Yamaha gewonnen. 

ABER so gewinnt man nicht mit der bärenstarken Ducati. So gewinnt man mit ihr keine Rennen und erst recht keine Titel.

Wer das mittlerweile komplett verinnerlicht hat ist Andrea Dovizioso. Bereits drei Rennen hat er 2017 auf der Desmosedici auf Platz 1 beendet, sowie ein weiterer Platz 2 auf dem Podest. Dovi zeigte bislang eine Spitzenleistung und ist damit auf dem Niveau wie Casey Stoner in der Saison 2010. Während Jorge Lorenzo in ähnlicher Weise untergeht wie weiland Valentino Rossi. 

Könnt Ihr euch noch an den siegreichen Casey Stoner erinnern? Wie er die 180 Grad Links eingangs der Zielgeraden auf Phillip Island im kompletten Drift umfuhr? Ein Ritt auf der Rasierklinge! Das ist der Stil mit dem man auf einer Ducati Rennen und Titel gewinnt.

Und jetzt kommt meine Wertung in Richtung Bologna. Wenn Ihr den Moto GP Titel tatsächlich haben wollt, dann müsst Ihr einen ähnlichen Piloten wie Casey Stoner auf die Desmosedici setzen UND von der Sorte ist aktuell nur EINER im Fahrerfeld. Dieses Eingeständnis schmerzt mich aus tiefster Seele, weil ich eigentlich kein Freund von Ihm bin, aber seine Leistung muss man als fairer Beobachter einfach akzeptieren (und vielleicht sogar bewundern).

Wenn Ihr in Borgo Panigale wieder sagen wollt:

„Ciao ragazzi. Dove siamo è davanti!“

Dann müsst ihr Marc Marquez von Honda loseisen, koste es was es wolle. Und dann muss man als Ducatisti auch nicht mehr fragen: Wo wollt ihr hin?

Denn dann führt euch euer Weg zum nächsten Titel in der Moto GP.

 

IMPRESSIONEN: 

Für IMMER die Nr. 1 bei Ducati – Casey Stoner

 

Der Doctor im Kampf mit der roten Göttin!
Keine Liebe für`s Leben und die Ewigkeit.

 

Jorge Lorenzo – Schräglage Top – Ergebnis Flop!

 

Andrea Dovizioso – die aktuelle Speerspitze der Roten!

 UND auch die PRIVATEN sind schnell auf den Ducatis

 

Grand Prix Eurovision oder EU einmal anders! (Glosse)

Schlagwörter

,

Die Linke zum Gruß! Das ist bei uns so Sitte. Nicht Dogma oder politische Gesinnung, Nein – einfach das Zeichen für unser Gegenüber: Ich habe Dich gesehen und ich finde es klasse, dass Du mein Hobby (oder vielleicht besser meine Passion) teilst!

Wir machen das einfach, weil es uns ein Bedürfnis ist und wir damit auch ein Signal setzen. Wir sind als Motorradfahrer wie eine Seilschaft bei einer Bergtour. Ein Fehltritt am Berg und die gesamte Seilschaft hat ein Problem. Was sie aber gemeinsam meistert. Genauso ist das auch in einer Gruppe Motorradfahrer/-innen. Ein Fehler und es kann gravierende Folgen für die Nachfolgenden in der Gruppe haben. Im schlimmsten Fall der Sturz von einem oder mehreren in der Gruppe. Ein Ölfleck oder ein plötzliches Hindernis auf unserer Strecke. Wir geben den entgegenkommenden Motorrädern Zeichen. Kurzum wir passen aufeinander auf!

Schon einmal genau rekonstruiert wen wir alles grüßen? Nein? Richtig – warum sollten wir das auch tun? Der / die fährt Motorrad, also ist er auch in Ordnung, denn er denkt, fühlt auf seiner Maschine genau wie man selbst.

Und weil das so ist, ist uns auch egal welche Länderkennung hinten auf der Maschine klebt. Ob der jetzt aus Frankreich, Holland, Polen, den Niederlanden, Italien oder dem Planeten Alpha Centauri stammt ist für uns in diesem Moment herrlich egal. Es reicht, dass er oder sie genau wie wir Motorrad fährt.

Und wenn wir neben ihm oder ihr auf einer Rennstrecke sitzen und unseren motorradfahrenden Helden zu jubeln, dann ist es erstens auch egal für wen er jubelt und zweitens auch egal woher er jetzt stammt. Da sind auch Sprachprobleme keine wirkliche Barriere. Es wird geradebrecht was das Zeug hält und irgendwie macht man sich dem Gegenüber auch verständlich. Gemeinsam hat man Spaß und teilt diesen mit zigtausend Gleichgesinnten. Wenn man das Gleiche auch bei Fußballspielen sagen könnte wäre es schön, steht aber jetzt auf einem komplett anderen Blatt.

Was will ich jetzt sagen? Wir Motorradfahrer/-innen sind ein tolerantes Völkchen. Bei genauerer Betrachtung wahrscheinlich die toleranteste Schnittmenge an Erdenbewohnern, die diesen Planeten bevölkert. Und wenn ich mir das aktuelle Weltgeschehen, insbesondere den Hickhack in der EU genauer betrachte, dann tut es Not, dass sich endlich tolerante Menschen um unsere Einheit kümmern. Damit meine ich diejenigen, die ohnehin seit Jahren grenzübergreifend miteinander klar kommen und miteinander (Benzin) reden.

Die Lösung aller politischen Probleme → keine Parteien mehr und stattdessen nur noch Motorradfahrer/-innen ins EU-Parlament oder zur UNO. Die Sache würde laufen wie geschmiert.

Im Kabinett, als EU-Parlamentspräsident il Dottore Valentino Rossi. Als Verteidigungsminister, weil in Sachen Titelverteidigung in den letzten Jahren sehr geübt, Marc Marquez. Finanzminister könnte Jorge Lorenzo werden, denn wie man gute Verträge aushandelt hat er bei Ducati bewiesen. Cal Crutchlow hat schon das ein oder andere Pub von innen gesehen, also Wirtschaftsminister. Maria Herrera wird Familienministerin und unsere Lucy Glöckner Gleichstellungsbeauftragte. Da ich sowohl für Weizenbier, als auch für italienische Rotweine sehr empfänglich bin könnte ich mir eine Anstellung im Ministerium für gesamtdurstige Fragen vorstellen.

Eine Idee hätte ich noch! Dieses EU-Parlament könnte man aus Luxemburg und Brüssel vielleicht nach Bozen verlegen. Dann wäre ich als EU-Abgeordneter näher an meinen geliebten Dolomitenpässen. Möglicherweise haben wir dann aber ein analoges Problem zum aktuellen EU-Parlament. Kaum ein Parlamentarier bei den Sitzungen im Plenarsaal anwesend. Egal – bei wichtigen Tagesordnungspunkten treffen wir uns eben zu einem kurzen Stopp oben am Falzarego – stimmen ab und dann auf zum Giau!

Politik kann auch Spaß machen! Man muss nur die Leute damit beauftragen, die sich ohne viele Worte unter- und miteinander verstehen. Motorradfahrer/-innen eben!

Jonas Folgaaas,

Schlagwörter

,

der neue Stern am deutschen Moto-GP-Himmel. Oftmals habe ich Jonas Folger etwas kritisch gegenüber gestanden. Nicht weil ich an seinen fahrerischen Qualitäten gezweifelt habe, sondern weil er ähnlich wie auch andere gute Piloten im Fahrerfeld an gewissen Tagen (oder auf gewissen Strecken) nur schwer zu schlagen oder sogar unschlagbar war und eine Woche später dann im Punktenirgendwo gelandet ist.

Natürlich kann man jetzt sagen: Flying Haggis was willst Du eigentlich? Schließlich fährst Du auch auf deinen Lieblingsstrecken schneller und besser, als auf der einen oder anderen Piste, die dir nicht liegt oder die für dich neu ist!

Jonas Folger und seine Entwicklung beobachte ich schon lange. Das der, für einen Motorradrennfahrer, lange Kerl mit der 125er bzw. der Moto 3 so seine liebe Mühe hatte war mir klar. Der Gewichts- und Aerodynamiknachteil war nur schwerlich mit fahrerischem Können zu kompensieren, zumindest nicht permanent auszugleichen.

Das einzige Mal, als ich wirklich gedacht hatte: „Junge, was hast Du denn da gemacht?“ – war bei seinem Engagement beim Aki Ajo Team, also der Vorzeigemannschaft in der kleinen Klasse, die als Weltmeisterschmiede bezeichnet werden kann. 

Auf Topmaterial unterwegs war urplötzlich mitten in der Saison Schluss.  Die Werksmaschine ging an seinen Teamkollegen. Gerüchte und Mutmaßungen geisterten da durch die Gazetten, an denen sich Flying Haggis nicht beteiligen möchte. War eben so und damit soll es auch gut sein oder in dem direkten Zusammenhang mit der Historie eher schlecht sein.

Jetzt heuerte Jonas nämlich – sozusagen als letzte Tankstelle vor der Wüste – bei Ioda Racing an, nachdem ein MZ Engagement unmittelbar zuvor geplatzt war.

Ioda? Das war ein Rennteam und Material zu diesem Zeitpunkt, das man seinem schlimmsten Feind nicht wünscht. Bildlich gesprochen gingen selbst Teile, die gar nicht verbaut waren, an diesem Motorrad kaputt. Die Chancen von Jonas Folger mit diesem Material ein Moto 3-Podest zu erreichen waren etwa so groß wie mit einem Heimtrainer die Tour de France zu gewinnen. Sobald ein Licht am Ende des Iodatunnels zu erkennen war schlug der Defektteufel wieder zu.

Manchmal hilft aber auch das Glück und so folgte in der Sommerpause unerwartet das Engagement im Mapfre-Team des Ex-Weltmeisters „Aspar“ Jorge Martinez. Wenn dieser erfahrene (spanische) Teamchef einen solchen Schritt wagt, einen Alberto Moncayo wegen chronischer Erfolglosigkeit vor die Tür zu setzen und gegen einen deutschen Fahrer auszutauschen, dann musste er auch von der Leistung des jungen Deutschen und seinen Qualitäten überzeugt sein. Schließlich gibt es kein anderes europäisches Land, dass vergleichbar mit Spanien Saison für Saison Weltklasse-Nachwuchsfahrer aus den nationalen Klassen in die Motorrad-WM entlässt. 

Und was macht man dann als anständiger Arbeitnehmer in einem Rennteam? Man stellt sein Motorrad im ersten Rennen auf das Podest mit einem dritten Platz (USA – Indianapolis) und im folgenden Rennen in Brünn bedankt man sich mit einem Rennsieg. So fand die Saison 2012 noch einen versöhnlichen Abschluss.

2014 In die Moto 2 aufgestiegen war er dann zunächst in dem guten spanischen AGR Team (Argiñano & Gines Racing) unterwegs und konnte dort auch Highlights setzen. Wahrscheinlich war die Hospitality auch auf hohem Niveau, denn der Teamchef war ein bekannter Fernsehkoch aus dem spanischen Fernsehen. Mit diesem Team legte er auch 2015 einen Traumstart in die Moto 2 Saison hin, als er den ersten Lauf in Katar gewinnen konnte und kurzzeitig die Führung im Klassement übernahm. 

Nächster Karriereschritt war dann das deutsche Team Dynavolt, als Teamkollege von Sandro Cortese.


-24- Podien stehen zwischenzeitlich zu Buche bei Jonas Folger und das klassenübergreifend. 4 x 125er, 8 x Moto 3 und derer 11 in der Moto 2, davon 3 Rennsiege.
Jetzt kam auf dem Sachsenring Podestplatz Nr. 24 insgesamt und Nr. 1 bei der Moto GP hinzu. Erst der zweite deutsche Fahrer, der das von sich behaupten kann. Und das verleitet mich zu einer Kernaussage, die wahrscheinlich einige Leute aufregen wird:
Der Podestplatz von Jonas Folger am Sachsenring ist höher zu bewerten, als der 2. Platz von Stefan Bradl in Laguna Seca 2013!

Warum? Weil Jonas Folger diese Platzierung durch eigene Leistung und fahrerisches Können erreicht hat. Bei Anwesenheit von allen aktuellen Toppiloten und Konkurrenten. Weiland 2013 in Laguna Seca fehlten einige der üblichen Podestanwärter verletzungsbedingt oder waren gesundheitlich, auf Grund ihrer Verletzungen, nicht auf der Höhe.

Was für mich ein weiterer Grund für eine gewagte Prognose ist: Endlich hat Jonas Folger keinen körperlichen Nachteil wegen seiner Größe!

Er passt wie maßgeschneidert auf die Tech3 Yamaha und deren Fahrwerk sowie Motorenkonfiguration scheint auch für seinen Fahrstil wie gemacht zu sein. Diese Tech3 Yamaha, welche der Werksmaschine aus der Saison 2016 entspricht ist in Sachen Fahrwerk augenscheinlich genau das was Jonas benötigt um schnell zu sein. Schon bei den Vorsaisontests hat er adaptiert, dass sein alter Moto 2 Fahrstil quer anbremsen und im Drift in die Kurve nicht die schnellste Variante mit der 2016er Yamaha ist. Stattdessen geht es jetzt weich und rund mit Wahnsinnsschräglagen um die Ecken. 

Und jetzt am Sachsenring kam der nächste Schritt in Sachen Ankommen in der Moto GP hinzu. Das einzige Manko, der einzige Vorwurf den man Jonas Folger noch machen konnte ist Geschichte. Dieser fehlende Biss in den ersten Kurven bzw. der ersten Runde, auf Grund dessen er immer wieder den direkten Anschluss an die Spitze verlor.

Keine Spur mehr davon zu sehen. Wer die Szene beobachtet hat, als er sich am Sachsenring Ausgangs Kurve 2 ins Omega stürzte – im Stile eines Valentino Rossi oder Marc Marquez seinerzeit in der Korkenzieherkurve in Laguna Seca – der hat zu diesem Zeitpunkt gemerkt, dass hier etwas Klick gemacht hat. Kein Zurückziehen, kein weiter Bogen und Plätze verloren – quer durch die Rabatten führte ihn sein Weg direkt in die Weltspitze und dort hält er sich nun auf UND zurecht.

Für den geneigten Betrachter die besagte Szene zum „Zungenschnalzen“ in drei Sequenzen. 

Jetzt hatten wir Sommerpause und Jonas Folger konnte seine Wahnsinnstat am Sachsenring erst einmal verdauen und auf sich wirken lassen. Ich denke dieser zweite Platz am Sachsenring war für Jonas Folger eine Initialzündung. In der Art: Hey Mann, wenn ich einen guten Tag habe dann kann ich bei den Besten nicht nur mithalten, sondern Sie sogar schlagen.

Das dies so ist und DAS ER genau das auch gespürt und gemerkt hat – beobachtete man als Jonas zur Pressekonferenz gekommen ist. Da kam ein gereifter Rennfahrer an – mit einem breiten, selbstbewussten Lächeln im Gesicht: So Leute – ab heute müsst Ihr mit mir rechnen! 

Und was kommt jetzt? Jetzt kommt BRÜNN! Und für diejenigen, die es vielleicht nicht so auf dem Schirm haben:

Erster Grand Prix von Jonas Folger war 2008 in Brünn. Sein letzter Moto2 Sieg war 2016 in Brünn. Und die Mapfre Aprilia hatte er 2012 ebenfalls in der Moto 3 zuoberst auf das tschechische Podest in Brünn gestellt.

Die erste Strecke nach der Sommerpause sollte Jonas also liegen und vielleicht macht er direkt damit weiter womit er aufgehört hat. Mit einem starken und nervenaufreibenden Rennen, in dem die deutschen Rennfans wieder mitfiebern und (hoffentlich) auch jubeln können. Das Podest am Sachsenring wird bestimmt nicht sein Letztes gewesen sein – daran glaubt Flying Haggis fest! Und im Tech3 Team bei dem erfahrenen Herve Poncharal kann Jonas in aller Gemütsruhe reifen und Erfahrungen sammeln – um dann den Platz von Doctor Valentino Rossi in der Saison 2020 zu beerben.

Also Folgaaas!