Geben wir uns einen Ruck – ODER besser eine Rukka

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Ich habe euch ja bereits vor einiger Zeit im Zusammenhang mit einem „Einkaufstipp“ (Motoland St. Wendel) erzählt, dass die beste Sozia von Allen und ich etwas unerwartet, weil nicht geplant, RUKKA-Textilkombis gekauft haben.

Die guten Stücke haben jetzt die erste Saison hinter sich und bei unserer Italienrundreise wirklich jedes erdenkliche Wetter miterlebt. Man kann also mit Fug und Recht sagen – Die Kombis sind auf Herz und Nieren geprüft.

Vor dem Kauf dieser Kombis stand für uns beide fest, die nächsten Anzüge müssen 3-lagige Kombis sein. Hintergrund dieser Entscheidung war, dass bei den meisten 2-lagigen Kombinationen folgendes Problem besteht – die regendichte Membran ist in dem neudeutsch Midlayer und wenn man den wegen warmer Temperaturen im Sommer zu Hause lässt und von einem Sommergewitter erwischt wird, dann geht die Nässe durch das Obermaterial der Jacke, sowie der Hose und Fahrer, als auch Beifahrer sind nass.

Jetzt kann man natürlich anmerken, dass man diese Zwischenjacken mit auf die Tour nehmen und bei Bedarf dann unterziehen kann. Für die Jacke ist das korrekt – bei der Hose stehen wir vor dem Problem, dass wohl niemand mit heruntergelassener Hose am Straßenrand stehen will, während er damit beschäftigt ist den Midlayer in die Hose zu fummeln.

Nach einer Saison kann ich nur sagen – ES war die beste Entscheidung, die wir in Sachen Motorradbekleidung bislang getroffen haben.

Euer werter Erzähler hat die RUKKA Energater und die beste Sozia von allen trägt eine „Hybridkombi“. Soll heißen: Die Jacke ist das Modell Orbita und die Hose das Modell Spektria. Hintergrund dieser Lösung war, dass es die Orbita nicht in der entsprechenden Beinlänge gab.

Kommen wir zunächst zu meiner Energater. Auf den ersten Blick könnte einem neutralen Betrachter der Schnitt der Jacke etwas merkwürdig vorkommen. Die Energater ist vorne etwas kürzer geschnitten, als hinten. In der Trekkingszene gibt es dies häufiger, damit der Bereich der Nieren und unterer Rücken länger warm bleibt. Bei der RUKKA Energater hat es noch einen weiteren Hintergrund.

Was machen wir größtenteils mit den Jacken? Wir sitzen – und zwar auf unserer Maschine. Bei langen Jacken hat man oftmals das Problem, dass sich dann Material im vorderen Bereich Richtung Tankschluß ansammelt. Schlimmstenfalls hat man dann bei Starkregen ein kleineres oder größeres Rinnsal, dass sich dann irgendwo seinen Weg sucht. Meistens in die falsche Richtung. Soll heißen, es entwickelt sich eine kleinere Kältebrücke oder es kommt doch irgendwo Nässe durch.

Durch den Schnitt der Energator sitzt die Jacke perfekt. Perfekt – solange man auf einer Maschine sitzt, die eine relativ aufrechte Sitzposition gewährleistet. Also alles was sich Reiseenduro oder Tourer schimpft. Aber auch Naked Bikes mit Superbikelenker sind bestens bedient. Die Jacke schließt optimal ab, keinerlei Materialansammlungen im vorderen Bereich.

Der Tragekomfort der Jacke ist sehr gut und man erreicht selbst mit Handschuhen die Taschen der Jacke problemlos. Von den vier Außentaschen sind zwei als wasserdicht ausgewiesen. Soll heißen, sie haben einen wasserdichten Reißverschluss und darüber noch eine Lasche, die man mit Knöpfen verschließen kann. Die beiden Brusttaschen haben lediglich diese beiden Laschen. Bei unseren Regenfahrten haben sie aber auch kein Wasser durchgelassen. Mit dem Taillengurt kann man die Jacke gut anpassen, falls die Urlaubsreise mit der guten Verpflegung einmal zu starken körperlichen Veränderungen geführt hat.

Die Hose besitzt drei Taschen. Zwei wasserdichte, ähnlich wie bei der Jacke mit überlappender Lasche und eine weitere kleinere Tasche lediglich mit wasserdichtem Reißverschluss. Innen verfügt die Hose zudem am Gesäß über das klimaregulierende AirCushion und außen über das rutschhemmende Antiglide-Keprotec.

Einfach aber genial ist der abnehmbare Hals- oder auch Sturmkragen. Beim ersten Anprobieren dachte ich noch: DEN machst Du direkt ab! Leute – macht das nur nicht. Diese einfache Lösung ist bei schlechter Witterung, sei es Regen oder kühler Wind einfach super. Der komplette Frontbereich, wo ansonsten der Fahrtwind bei Regenfahrten die „Brühe“ an den Hals, Buff oder Halstuch drückt und langsam durchnässt hat kein Durchkommen. Auch dieses unangenehme Gefühl, wenn einem das Regenwasser von hinten in den Kragen läuft ist Vergangenheit. Einfach klasse das Teil – keine Kältebrücke mehr an Hals oder Nacken.

Das wärmende Thermofutter trägt auch das Seine dazu bei, dass Fahrten bei niedrigen Temperaturen ihren Schrecken verlieren. Ohne das Futter ist die Kombi mit den Belüftungssystemen an Jacke und Hose auch im Sommer angenehm zu tragen. Zum Thema Sicherheit kann man nur anmerken, dass die hochwertigen Protektoren bei Jacke und Hose genau dort sitzen wo sie auch hingehören. Nichts zwackt oder zwickt egal ob man auf der Maschine sitzt oder per pedes einen kurzen Bummel durch eine Stadt macht.

Was haben wir noch Sinnvolles? Die doppelten Manschetten in den Ärmeln der Jacke, die als Wind- und Wasserschleuse fungieren und diesem Auftrag exzellent nachkommen.

Die Energater ist durchweg ein Kauftipp für die Herren, die eine wertige Kombi für das ganze Jahr suchen. Schwachstellen habe ich bis dato keine gefunden.

Kommen wir zu der Damenvariante. In unserem Fall zu der Orbita-Jacke und der Spektria-Hose.

Viele Hersteller verfügen lediglich über Unisex-Varianten bei ihrer Bekleidung. Dann sieht die Damenwelt des öfteren aus, als ob man(n) ihnen einen Sack umgehängt hätte.

Die RUKKA-Orbita ist eine reine Damenjacke und entsprechend vom Schnitt. Die Jacke dementsprechend tailliert und figurbetont. Natürlich auch mit dem bei RUKKA üblichen Goretex Pro Dreilagen-Laminat. Egal wie der Regen da draußen auch zuschlagen mag – mit der RUKKA bleibt ihr drinnen nusstrocken. Alles was schon für die Energater galt gilt ebenfalls für die Orbiter-Jacke bzw. die Spektria-Hose. Armacor-Verstärkungen an Schultern und Ellenbogen, sowie im Knie- und Schienbeinbereich. Alles hochwertig verarbeitet und mit einer guten Passform. Die Hosen übrigens auch mit einer „Langversion“, für die Damen und Herren mit langen Beinen.

Auch hier lässt sich das Thermofutter mit dem temperaturregulierenden Outlast natürlich bei Jacke und der Hose herausnehmen. Die Belüftungsoptionen sind seitlich an der Jacke und auf den Oberschenkeln.

Der praktische Sturmkragen ist auch an der Orbita-Jacke und hat im Verlauf der Saison gute Dienst geleistet.

Gerade unsere Damen-Variante mit Orbita und Spektria zeigt meines Erachtens gut, dass man die Modelle von RUKKA gut miteinander kombinieren kann und somit gerade die Damenwelt eine exzellente Möglichkeit hat für sich das Passende heraus zu suchen.

Wir jedenfalls sind im Verlauf der Saison RUKKA-Fans geworden. Also testet es bei eurem Händler in der Nähe und gebt euch einen Ruck – kauft euch eine RUKKA.

Pian del Bosco

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Es ist ja bei mir in der Zwischenzeit eine lieb gewonnene Gewohnheit geworden bei oder nach meinen Touren über ganz spezielle Unterkünfte auch ganz speziell zu berichten. Das ist auch nach unserer diesjährigen Italienrundfahrt so und in meinem Reisebericht habe ich DAS ja auch bereits angekündigt.

Es geht um das Hotel „Pian del Bosco“ in Perticara (Novafeltria).

Wo ist das denn jetzt? Zu eurer groben Orientierung – Es liegt westlich von San Marino in den Marken. Etwas genauer für die Suche im Routenplaner: I-47863 Perticara (Novafeltria); Via Guido Donegani 151. Hier hat sich der deutsche Besitzer Michael Roth etwas ganz Besonderes geschaffen.

http://www.piandelbosco.com/de/index.html

Das Pian del Bosco liegt auf angenehme Art und Weise abseits der Haupturlaubsrouten der Region. Es liegt derart malerisch mit einer wunderbaren Aussicht, dass man unmittelbar nach einer stressigen Anfahrt in den Entspannungsmodus kommt.

Dazu tragen Michael Roth und sein Team mit ihrer rundum sympathischen Art einen großen Teil bei. Michael Roth ist das Herz, die Seele und der Motor des Pian del Bosco. Sein erster Satz bei unserer Ankunft:

„Wollt Ihr erst auf euer Zimmer oder zuerst ein Begrüßungsbier?“

Und da wartete schon die erste Überraschung auf uns. Michael Roth kredenzt hier an seinem Tresen der durstigen Kundschaft eine Auswahl an Bieren, die so manch einem Brauhaus zur Ehre gereichen würde. Und das Ganze auch noch zu sehr moderaten Preisen, wenn man den Vergleich mit der üblichen italienischen Gastronomie anstellt.

Beim Thema Gastronomie kann man nur sagen, dass der Deutsche hier mit seiner Küche und seinem Haus auch die komplette Akzeptanz bei den Einheimischen gewonnen hat. Hier trifft sich am Abend im Restaurant nicht nur der Hotelgast, sondern auch die geschmacksverwöhnten Italiener. Ein größeres Lob kann man eigentlich nicht mehr aussprechen.

Die Küche des Pian del Bosco ist exzellent. Bodenständige italienische Gerichte. Wobei man nicht den Fehler begehen sollte, diese auf die wirklich wahnsinnigen Pizzen zu reduzieren, die man am besten zu zweit ist, damit noch Platz für Antipasti und Nachtisch ist.



Der Kracher bei den Pizzen sind dann noch die mitgelieferten „Scheren“, die eine praktische Nahrungsmittelaufnahme gewährleisten. Hat etwas von einem Chirurgen bei der Arbeit.


Antipasti, Nudelgerichte, Desserts und und und. Alles wirklich rundum schmackhaft und lecker. Und beim morgendlichen Frühstück bleiben auch keine Wünsche offen. Hier kommt immer die Frage der fleißigen Servicekraft ob man noch ein Omelette oder Ähnliches möchte.

Zur Entspannung der müden Motorradfahrerknochen hat das Pian del Bosco einen Pool. Der liegt landschaftlich schön eingebettet auf dem Grundstück und man genießt eine wunderbare Aussicht.

Hier lässt es sich an einem Ruhetag, wenn die Maschine mal stehenbleiben soll gut aushalten. Schließlich ist auch der besagte Tresen nicht weit entfernt.

Rundherum ist die Hotelanlage einfach wohltuend gemütlich und auch die kleinen Nuancen beweisen Stilsicherheit. Es passt einfach alles. Man findet immer irgendwo ein Plätzchen zum innehalten oder um den Tag, gerne auch mit einem Getränk, Revue passieren zu lassen.

Wenn ihr also im nächsten Jahr eine Tour nach Italien plant, dann seid ihr hier bestens aufgehoben. Auch wenn es euch nur kurz in die Region treibt, weil ihr z. b. das Rennen in Misano besuchen wollt. Der Kurztrip wird ohnehin länger, weil der Hausherr Michael Roth einige wunderschöne Touren in der Region bereithält.

Ich bin gespannt was ihr sagt. Auf geht`s!

Giro d`Italia ODER Quo vadis (Teil II)

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10. und 11. Tag: Rom die ewige Stadt

Wir waren zeitig in Rom und als der erste Schock über die Fahrweise der römischen Rollerfahrer verflogen war, fuhren wir entspannt unser Hotel in der Via Nazionale an. Mittendrin statt nur dabei und so nutzten wir unsere zeitige Ankunft, um direkt das Kolosseum anzulaufen.

Fußläufig eine knappe Viertelstunde entfernt hatten wir das schnell erledigt und weil der Andrang sich in Grenzen hielt marschierten wir, wie die Gladiatoren, nur wir bewaffnet mit unserem Video- und Audioguide, ein. Man muss es gesehen haben, wie so viel in Rom und die Fülle an Informationen verarbeiteten wir zunächst in einer typischen italienischen Paninibar und im Anschluss, welch ein Frevel, in Hotelnähe in einem Irish Pub. Mitten in Rom, bei irischer Livemusik, was für ein Brüller.

Zwei Tage sind für Rom zu wenig. Das war uns natürlich mehr als bewusst. Aber dennoch reicht es allemal um einen ersten Eindruck zu gewinnen von der Hauptstadt der Italiener und dem Zentrum der katholischen Kirche.

Die hat sich als Monument ihrer Macht eine Kirche in Roms Zentrum erbaut, deren Anblick einen Besucher sprachlos hinterlässt. Der Petersdom – was für ein Bauwerk!

Da war doch mal was? Derjenige auf dem die katholische Glaubenslehre fußt hatte doch laut Bibel gewisse Leute aus seinem Tempel gejagt! Wenn ihr den Petersdom besichtigen wollt, dann zahlt ihr Eintritt. Das berechtigt dann zum Einlass in den „Tempel“. Der ist aber verbunden mit einer Wartezeit in einer Menschenschlange, welche die A 8 zur Hauptferienzeit wie ein Sommermärchen erscheinen lässt. Bei unserem Erscheinen etwa 3-stündige Wartezeit in der besagten Schlange. Moderner Ablasshandel im 21. Jahrhundert – Grüsse an Herrn Luther.

Wir wollen das Ganze etwas beschleunigen und schließen uns, gegen einen gewissen finanziellen Aufschlag, einer „deutschen Führung“ inklusive der Vatikan Museen und der Sixtinischen Kapelle an. Eine grandiose Idee – keine Wartezeit und gute 3 Stunden ein Informationsschwall unseres österreichischen Führers, der fast zu viel des Guten war. Unsere Gruppe folgte also durch das komplette Staatsgebiet des Vatikan einem Menschen, der im Hochsommer mit Sakko, weißem Hut und einem zusammengeklapptem gelben Regenschirm vor uns hermarschierte. Grotesker könnte nur noch sein, wenn Karlsson vom Dach mit Propeller auf dem Rücken vor uns geflogen wäre.


Auf alle Fälle war es die beste Idee des Tages und hiermit nochmals Danke an Österreich.

Tag 2 in Rom nutzten wir dann für alles Andere, was uns noch irgendwie bedeutungsvoll erschien. Die spanische Treppe bei noch geringem Besucherandrang.

Dann die Fontana di Trevi. Der wunderschöne Platz vor dem Brunnen verdaute zu diesem Zeitpunkt bereits eine Menschenansammlung aus aller Herren Länder, die einen fast fassungslos hinterließ. Die armen römischen Stadtpolizisten kamen bei ihrer Pfeiferei fast hinter die Luft. Sitzen auf der Brunnenumrandung zwecks Fotos oder Selfies ist nämlich nicht mehr gestattet. Das ist aber insbesondere in asiatische Köpfe nicht hineinzubekommen. Auch nicht mit Hilfe von Trillerpfeifen.

Egal wo uns der Weg auch immer hinführte. Jeder Zentimeter dieser Stadt atmet Geschichte und was uns fast noch mehr begeistert, Lebensart. In jeder Straße findet man ein schönes Cafe oder eine italienische Bar wo man einen Logenplatz besitzt um menschliche Studien zu machen.

Fazit: Rom ist keine Stadt. Rom ist ein Lebensgefühl.

12. Tag: Rom – Toskana – Siena

Kopf und Herz voll mit den Eindrücken der letzten beiden Tage machen wir uns wieder auf den Weg. Gut 300 km liegen heute vor uns. Zunächst wollen wir ein paar Meter machen, um ausreichend Zeit für die dann kommenden interessanten Strecken und Orte zu haben.

Also erst einmal raus aus Rom bei leichtem Nieselregen in grober Richtung Viterbo und Bolsenasee und dann wird es wieder richtig schön und anspruchsvoll.

Wir drehen in westliche Richtung ab nach Manciano und von dort geht es schön kurvig zu einem der heutigen Highlights.

Pitigliano ist noch etwa 130 km von unserem heutigen Etappenziel entfernt und u. a. bekannt für seinen preisgekrönten „Bianco di Pitigliano“ und die Süßspeise Sfratto (längliche Teigrolle mit einer Füllung aus Honig, Nüssen und Zimt). Einmalig ist die Lage des Ortes hoch erhoben auf einem Felsen aus Tuffstein. Auf den ersten Blick wirkt es als ob einer der bekannten italienischen Bildhauer den Ort aus dem Stein gemeißelt hätte. Eine Stadt als Skulptur. Auch keine schlechte Idee. Zwangsweise natürlich ein geniales Fotomotiv. Wir finden einen schönen Platz für unsere Sissy und genehmigen uns einen Kaffee.

Dann geht es für uns auf nach Sorano. Das Zentrum der alten Etruskerstadt empfängt uns mit strömendem Regen. Also keine Pause, weil alle möglichen Fotomotive im Grau in Grau untergehen.

Weiter geht es über das schön gelegenen Castel Azzara immer noch im Regen und somit drehen wir ab zu unserem heutigen Zielort Siena.

Unser heutiges Etappenziel Siena ist im Grunde genommen das „stadtgewordene Sinnbild“ der Toskana. Die berühmte Piazza del Campo wo das nicht minder berühmte Pferderennen Palio der Stadtviertel Sienas stattfindet. Der beeindruckende Turm als Zentrum des Platzes und der Dom mit seinen wunderschönen Mosaiken. Italienischer kann eine Stadt gar nicht sein. Jetzt habe ich mir gerade Feinde in Florenz, Bologna und Rom gemacht. Übrigens – 1588 wurde in Siena der erste Sprachkurs der Welt dokumentiert. Der war für „deutsche Einwanderer“. Möglicherweise waren wir schon in einem der früheren Leben hier und haben deshalb derart den Gefallen an der Stadt gefunden – Tutto a posto. Wir verbringen die Nacht im Hotel Athena und damit wieder derart zentral, dass wir unseren abendlichen Stadtbummel locker fußläufig erledigen können. Glücklicherweise hat der Regen aufgehört und wir genießen das Ambiente von Siena.

13. Tag: Siena – Lerici

Die Sonne weckt uns am nächsten Morgen und der Blick aus unserem Hotelfenster ist einfach Wahnsinn.

Hektik und Stress hat bei unserer Tour überhaupt nichts zu suchen und so rollen wir nach einem ausgiebigen Frühstück, mit einer guten Tasse Kaffee, hinaus aus dem schönen Siena. Es geht über Monteriggione und Colle di Val d`Elsa nach San Gimignano, der Stadt mit den weltberühmten Geschlechtertürmen und einer „Weltklasse-Eisdiele“ am Marktplatz. Die Zeit müssen wir uns einfach nehmen und schlecken gemütlich unser Eis bei einem kleinen Spaziergang durch das pittoreske San Gimignano.

Überhaupt muss man sagen, dass unsere gestrige und heutige Etappe durch die Ausläufer der Toskana die Speicherkarte jeder Kamera in Akkordarbeit versetzen kann. Ein malerisches Örtchen neben dem anderen und nach jeder Ecke oder Kurve findet sich ein neues Fotomotiv. Einfach toll und wir machen uns mit einem breiten Lächeln im Gesicht wieder auf den Weg.

Bevor es uns an die Küste treibt, machen wir noch einen Abstecher nach Lucca. Neben den ganzen (neudeutsch) Hotspots in der Toskana wie Florenz und Pisa führt Lucca eine Art Dornröschendasein.

Und das ist auch gut so, denn es ist nicht so touristisch überlaufen. Uns lädt der Ort zu einer Kaffeepause ein und die verbringen wir kulinarisch in der „Pasticceria und Caffetteria da Sara & Co“ mitten in Lucca, also innerhalb der Stadtmauer. Einfach köstlich.

Apropos köstlich! Der Schreiber dieser Zeilen hatte „Sissy“ vor der Stadtmauer von Lucca an einem Straßenrand abgestellt. Bei unserer Rückkehr hatten wir Post von der Stadt Lucca. 42,- Euronen, weil Sissy nicht in einem entsprechend gekennzeichneten Feld gestanden hatte. Für Direktzahler (innerhalb von 5 Tagen) gibt es 30 % Nachlass. Also haben wir schnell die Finanzen der Stadt Lucca mit 30,- € aufgebessert und tags darauf bei der Post in Lerici bezahlt.

Unser weiterer Weg führt uns jetzt in Küstennähe, aber diesmal nicht an die Adria, sondern an das Mittelmeer oder wie die Römer sagten „mare nostrum“. Lerici ist unser Etappenziel. Ein gemütlicher Küstenort in einer der schönsten Buchten der ligurischen Riviera südlich von La Spezia. Der Weg dorthin ist wie eine „geteerte Entspannungs-CD“. Bei Viareggio rollen wir an die Küstenstraße und dann geht es entlang der „Badewanne der Toskana“ bis nach Lerici.

Wem der letzte Abschnitt vielleicht zu eintönig oder nicht anspruchsvoll genug ist, der orientiert sich ab Lucca auf die SP 445 in Richtung Castelnuovo di Garfagnana. Dann über Gragnola, Tendola und Castelnuovo Magra hinunter an die Küste nach Lerici.

14. Tag: Lerici und die Cinque Terre

Heute haben wir wieder einen „freien Tag“. Den nutzen wir und besichtigen Lerici mit seiner Burg aus dem 13. Jahrhundert.

Da wir die naheliegenden Dörfer der „Cinque Terre“ komplett stressfrei besuchen möchten, besteigen wir in Lerici ein Schiff und lassen uns über Portovenere zu den fünf bekannten Dörfern schippern. Der malerische Blick vom Meer auf die Küste ist dabei inklusive. Ganz alleine mit sich und seinen Gedanken ist man aber nie. Täglich haben Tausende von Touristen die gleiche Idee. Einen schöneren Blick auf die Cinque Terre habt ihr aber nirgendwo.

15. Tag: Lerici – Varese – Borgo Val di Taro – Vernasca – Cremona

Genug gesehen von Küste und Mittelmeer. Heute geht es wieder in das Landesinnere und es darf auch ruhig wieder kurvig werden. Ganz leicht ist es am tröpfeln. Von Lerici aus nehmen wir dafür zunächst die SS 1 an La Spezia und Brugnato vorbei und wechseln dann auf die SP 566 in Richtung Varese (Ligure).

Varese ist Mitglied in der Vereinigung der schönsten Orte Italiens und erhielt 2006 eine Auszeichnung als besonders sehenswert und ökologisch. Das Attribut besonders sehenswert bezieht sich sicherlich auf die Form von Varese, damit meine ich das eigentliche Stadtbild, denn Varese ist architektonisch ein so genanntes Runddorf.

Von Varese geht es für uns auf die SP 523 (Cento Croci Pass) in Richtung Bore bzw. Borgo Val di Taro. Eine wunderbare Streckenführung erwartet uns. Italiens Straßenbauer scheinen durchweg Motorradfahrer zu sein. Der Passo Cento Croci bringt uns auch wieder jenseits der 1.000 Höhenmeter. Ein stattlicher Anstieg, wenn man bedenkt, dass wir am Morgen von Meereshöhe gestartet sind. Von Borgo Val di Taro führt unser Weg über den Passo Santa Donna nach Bardi.

In diesem Streckenabschnitt erwartete uns dann ein ganz besonderes Erlebnis. Ganz plötzlich und vollkommen unerwartet kreuzt ein Wolf unsere Fahrt. Mit dem typischen Laufstil läuft er über die Straße ohne uns Beachtung zu schenken. Unser erster Wolf in freier Wildbahn – Wahnsinn. Knappe zwei Kilometer später wiederholt sich das Schauspiel und ein zweiter Wolf  quert unsere Route. Isegrim scheint in dieser Region eine neue Heimat gefunden zu haben.

Letzte Zwischenetappe ist der Ort Vernasca, ebenfalls wie Varese Mitglied der besagten Vereinigung „I borghi più belli d’Italia“. Sehenswert ist in Vernasca auch die Burganlage im Stadtteil Vigoleno.

Dann geht es in unseren heutigen Etappenort Cremona. Wir sind mittendrin statt nur dabei im Hotel Duomo. Cremona ist weltbekannt, zumindest bei Freunden des Geigenbaus. Stradivari ist der berühmteste Sohn der Stadt.

In etwa neunzig Werkstätten werden noch heute hier in Cremona wertige Geigen gefertigt. Sogar die Konditoren der Stadt nehmen sich der Geigen an.

Den Abend lassen wir gemütlich auf der Piazza ausklingen. Ein wunderbarer typisch italienischer Ort und dabei komplett frei vom üblichen Touristenrummel. Wir genießen die italienische Leichtigkeit des Seins. Man kann von unseren Nachbarn am Mittelmeer einiges über das Leben lernen. Oder sollte ich besser sagen: Über die Kunst zu leben? Cremona solltet ihr bei einer Streckenplanung als Etappenort auf alle Fälle einplanen – es lohnt sich.

16. Tag: Cremona – Bozen

Am frühen Morgen geht es in Cremona los. Zunächst werden relativ unspektakulär Kilometer gemacht auf unserem Weg in Richtung Gardasee. An der Ostseite geht es dann, immer mit Blick auf den See, bis Malcesine und unserer ersten Pause. Der Ort ist einer der Touristenhotspots am Gardasee und zu jeder Jahreszeit gut besucht. Von hier führt auch eine Seilbahn hoch auf den Monte Baldo. Vor Jahren hatten wir hier oben eine Wandertour gemacht. Bei schönem Wetter ein Erlebnis für die Ewigkeit. Bei dem heutigen bedeckten Himmel kann man sich die Sache ersparen.

Die weitere Fahrt entlang des Gardasees hat etwas Entschleunigendes. Hier ist immer ausreichend Fahrzeugverkehr und gewagte Überholmanöver bringen keinen großen Zeitgewinn mit sich. Also schwimmen wir gemütlich im Verkehr mit und genießen den Blick auf den Gardasee und die angrenzenden Berge, soweit die tiefe Wolkendecke es erlaubt.

Hinter Torbole, dem Mekka der Windsurfer, begeben wir uns auf die Superstrada in Richtung Trient. Es hat angefangen zu regnen und hinter Trient öffnen sich dann die Himmelsschleusen komplett. Eigentlich war in Höhe Mezzolombardo angedacht auf die SS 43 / SP 73 abzubiegen und zum Abschluss der heutigen Etappe über den Mendelpass nach Bozen einzufahren.

Hannibal vom A-Team lässt wieder grüssen. Auch dieser Plan funktioniert nicht. Es regnet in Strömen und die tief hängenden Wolken lassen unsere geplante Route nicht einmal erahnen. Also direkter Weg zu unserem Hotel Stiegl Scala in Bozen und die komplett verdreckte Sissy in der hoteleigenen Tiefgarage abgestellt. Hier habe ich zumindest ein trockenes Plätzchen für die anstehende Kettenpflege. Wie zum Hohn reißt kurz danach die Wolkendecke auf und es ist wieder gutes Wetter.

Ja – wir sind immer noch in Italien. Die Landeshauptstadt Südtirols Bozen versprüht zwar italienischen Charme, man merkt aber trotzdem das wir wieder in unserem geliebten Südtirol gelandet sind. Man sitzt mit seinem Glas Rotwein, einem Aperol Sprizz oder einem Espresso komplett entspannt am Tisch eines Cafes oder einer Bar ABER die Gespräche, denen man rundherum lauscht, sind in deutscher Sprache. Italienisch hört man nur noch selten. Die Südtiroler haben ihr eigenes Verständnis mit und zu der italienischen Sprache. Was ist noch anders? Die Küche ist ein herrliches Gemisch aus italienischer Esskultur und den exzellenten bodenständigen Südtiroler Gerichten. Wir lieben es und lassen es uns schmecken.

17. Tag: Bozen – Überlingen

Heute müssen wir uns ein wenig sputen. Nicht das Hektik aufkommen soll, aber unsere heutige Etappe ist doch schon eine der längeren Routen auf unserer Reise. Dafür aber auch mit einem hohen Unterhaltungswert was Gegend und Strecken angeht.

Der geplante Weg sollte uns über Meran, Rechenpass, den Arlbergpass nach Lech und dann weiter in den Bregenzer Wald führen. Aber wir haben heute am frühen Morgen gutes Wetter. Kalt aber sonnig, also optimal für eine Höhenroute. Wie war das noch zu Beginn der Italientour. Gemütlich sollte uns der erste Tag über das Hahntennjoch führen und am zweiten Tag dann über das Timmelsjoch und den Jaufenpass. Komplett tiefenentspannt. Jetzt hat mich der Gedanke gepackt, dass direkt hinter unserem Hotel die Zufahrt zum Penserjoch beginnt. Das endet genau bei der Zufahrt Jaufenpass. Den Rest könnt ihr euch jetzt denken.

Bombastisch im Hotel Stiegl Scala gefrühstückt machen wir uns auf den Weg und rollen direkt ohne viel Verkehr über das Penserjoch.

Auch der Jaufenpass ist zu dem frühen Zeitpunkt noch nicht stark frequentiert.

Als nächstes steht das Timmelsjoch auf dem Plan, welches uns als Passo Rombo in Italien erst einmal hinein nach Österreich führt. Auf dem Gipfel sind noch Schneereste. Der starke Regen am gestrigen Tag kam wohl hier wieder als Schnee herunter.

Quälend lang empfinden wir dann unsere Fahrt durch das Ötztal und in Imst nehmen wir unseren weiteren Weg über das Hahntennjoch.

Weiter durch das Lechtal und hinauf nach Warth. Jetzt sind wir wieder auf der eigentlich geplanten Streckenführung und rollen über Schröcken, Au und Mellau in Richtung Dornbirn und Bregenz.

Es hat wieder angefangen zu regnen und fast unbemerkt haben wir die Staatsgrenze überschritten und sind wieder in Deutschland. Fast unbemerkt! Mit der vollbepackten Sissy fahre ich vorsichtig durch den beidseitigen Stau am Bodensee. Immer die nötige Vorsicht walten lassend, weil die weit abstehenden Touratechkoffer ansonsten hässliche Geräusche verursachen können. In ganz Italien, selbst in Rom, ging dies immer problemlos. Die italienischen Autofahrer ließen einem immer ausreichend Platz zum Überleben. In Deutschland angekommen wird beim Anblick eines Motorradfahrers wieder jede Lücke geschlossen oder der Raum zwischen den beiden Fahrspuren durch entsprechende Manöver versperrt. In Italien gibt es ein Sprichwort, welches sagt: Die gleiche Blüte die der Biene zum Honig verhilft, gibt der Wespe ihr Gift. Mich beschleicht schon länger das Gefühl, dass wir ein Land von Wespen werden. Möglicherweise haben wir den Honig des Lebens nicht mehr verdient.

Den Bodensee immer zu unserer Linken rollen wir jetzt bis nach Überlingen zu unserer nächsten Station im Hotel „Bürgerbräu“.

18. Tag: Der Bodensee

Bevor es am morgigen Tag schon wieder in Richtung Heimat geht genießen wir heute noch den Bodensee und seine schönen Aussichten.

Entspannung nach der gestrigen etwas längeren Etappe ist angesagt und so schauen wir uns zunächst einmal in Überlingen etwas um. Die gestrige lange Tour und auch die bereits zurückliegenden Kilometer haben ihre Spuren hinterlassen. Abhilfe verschafft die Bodenseetherme in Überlingen und so entspannen wir in Thermalwasser und Sauna.

19. Tag: Überlingen – Trier

Heute begeben wir uns schon auf den Heimweg. Die letzte Etappe steht an und die sollte uns über den Schwarzwald und die Vogesen nach Hause führen.

Das Wetter ist uns aber erneut nicht hold. Wie zu Beginn unserer Reise strömender Regen. Der Hannibal in mir ist auf der Tour auch immer kleiner und kleiner geworden. Pläne sind schön und gut, wenn sie aber komplett sinnfrei werden kann man auch ein Exkrement darauf machen. Ich wollte das böse sch-Wort nicht schreiben.

Wir rollen direkt auf die Autobahn und lassen unsere Sissy auf dem direkten Weg in die heimatlichen Gefilde rollen.

Fast drei Wochen waren wir jetzt unterwegs. Eindrücke gesammelt für die Ewigkeit und Erinnerungen, die wir nicht mehr missen wollen. Dazu nette und hilfsbereite Menschen kennengelernt. Ein klarer Beweis für die These:

Wenn Du offen und freundlich zu deiner Umgebung bist – dann ist sie es auch zu Dir!

Das Leben kann schön sein, wenn man ihm die Chance dazu lässt. Am Ende der Gedanken wachsen die schönsten Blumen, so ähnlich hat das mal ein weiser Mensch formuliert. In diesem Falle waren es dann keine Blumen, sondern eine wunderbare Motorradtour, die mich auch Vieles gelehrt hat. Wahrscheinlich noch mehr als ich jetzt vermute, aber das werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Und an die Menschen gewandt die über das Später oder das mögliche Leben nach dem Tod philosophieren:

Ich glaube an das Leben vor dem Tod und genieße es in vollen Zügen. Und unsere Tour durch Italien war Genuss und Freude pur. Euch wünsche ich einfach viel Spaß beim Nachfahren!

Giro d`Italia ODER Quo vadis (Teil 1)

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Nachdem die beste Sozia und ich im Jahr 2017 auf Pilgerfüssen oder sollte man besser sagen Pilgerrädern nach Santiago de Compostela unterwegs waren, beschäftigte uns danach dann der Gedanke: Was machen wir denn demnächst? Wo soll uns die nächste größere Reise hinführen?

Im Grunde genommen war der Gedanke sehr schnell gefasst und in die Tat umgesetzt. Sind wir doch beide italophil, schwärmen für das Land, seine Menschen und das Essen. Nicht zu vergessen den Wein und die italienischen Motorräder. Also ITALIEN sollte es werden, das war nun klar und dementsprechend liefen die Planungen an.

Ein Giro d`Italia mit mehreren Etappenorten wurde angedacht, die Übernachtungsstationen ausgesucht sowie gebucht und dann ging es im September, nach den Sommerferien in Italien, los.

Habe ich es schon irgendwann einmal erwähnt? Ich bin im Grunde genommen der Zwillingsbruder von Hannibal. Nein – nicht der Alpenüberquerer und auch nicht der Kannibale Hannibal Lector, den Anthony Hopkins einst so vortrefflich darstellte. Ich bin der Typ aus dem A-Team, dessen Standardspruch immer war: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Genau das stellte sich jetzt direkt zu Beginn unserer Italienrundfahrt als Problem dar.

Das Wetter spielte komplett verrückt und direkt an dem Wochenende, als wir starten wollten, kamen Wettervorhersagen, die das absolute Grauen waren. Da war plötzlich von Schneefall am Alpenhauptkamm, direkt in unserer Einflugschneise die Rede. Also bauen wir unseren Plan ein klein wenig um und starten einen Tag früher, sozusagen Tag 0 mit der Zwischenstation in Ulm. Hier wollte ich den frühen Morgen abwarten und mir die Wetterentwicklung anschauen. Geht noch das Hahntennjoch? Müssen wir vielleicht doch den Fernpass nehmen oder am Ende eine komplett andere Route?

1. Tag: Ulm – Oetztal

Es ist Morgen in Ulm und der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes. Wolkenverhangen verheißen auch sämtliche Wetter-Apps nichts Positives. Beide Varianten sind somit gestorben und wir beißen in den sauren Apfel, der konkret heißt: Autobahn über München und hinein nach Österreich. Kurz hinter München landen wir dann im Vollwaschgang der Waschmaschine von Triers Stadtpatron Petrus. Er ist schließlich für das Wetter verantwortlich und meint es nicht besonders gut mit uns an diesem Tag.

Kurz vor Innsbruck brauchen wir eine Pause und rollen ein Rasthaus an. Schnell haben wir Kontakt mit einem Engländer, der auf seiner 1200er GS unterwegs ist. Gesprächsthema Nr. 1 bei dieser Wetterlage ist, dass unsere Rukka-Kombis besser sind als seine Revit. Er ist „komplett durch“, erduldet dies aber mit der typisch englischen Gleichmütigkeit. Draußen vor der Restauranttür qualmt gerade ein Italiener, der mit seiner Multistrada-Enduro unterwegs ist, eine Zigarette. Er zuckt nur mit den Schultern und grinst.  Was anderes bleibt einem auch nicht mehr übrig.

Als erstes Etappenziel haben wir uns das Oetztal ausgesucht, weil wir dann bereits passend in Fahrtrichtung zu unseren Herausforderungen an Tag 2 Timmelsjoch und Jaufenpass stehen. Wir übernachten in der Hotelpension Stecher in Oetz und der Blick auf das Hinweisschild Timmeljoch lässt uns nur den Kopf schütteln. Gesperrt wegen Schneefalls. Wir genießen einen wunderbaren Abend bei einem guten Essen und einem Glas Bier im Ort und hoffen wieder auf den nächsten Morgen.

2. Tag: Oetztal – Brenner – Toblach

Tag 2 steht an und das Hinweisschild zum Timmelsjoch hat sich nicht geändert. Immer noch gesperrt. Im Internet steht, dass frühestens ein Tag später mit der Öffnung zu rechnen ist. Die Webcam oben vom Museum sieht auch nur gruselig aus.

Einzige mögliche Route – der Weg über den Brenner. also wieder zurück nach Innsbruck und dann über die alte Brennerstraße hinein nach Südtirol. Was soll ich sagen? Unsere Wahlheimat Südtirol empfängt uns mit Sonne und so machen wir in Sterzing bei einem ersten Latte Macchiato und einem Stück Kuchen Rast.

Die weiteren Kilometer von Sterzing bis kurz vor Brixen erledigen wir unspektakulär auf der Brenner Staatsstraße, die parallel zur mautpflichtigen Brennerautobahn führt. Diejenigen unter euch, die sich gerne nach Zahlen orientieren schauen jetzt nach dem blauen Schild SS 49. Dahinter verbirgt sich die Pustertaler Staatsstraße, die jetzt unser Asphaltband zum nächsten Etappenort ist. Wer nicht getrödelt hat und gut in der Zeit liegt, der kann in Bruneck noch abfahren und einen kleinen Bummel durch die wirklich schöne Altstadt mit ihren einladenden Geschäften machen. Oder die Zeit im Messner Mountain Museum nutzen und sich über die Kulturen der Bergvölker unserer Welt kundig machen.

Da wir in den kommenden Tagen auch die ein oder andere Brotzeit für unterwegs in Planung haben, fahren wir weiter bis uns der Weg von der SS 49 rechts ab in Richtung Olang weist. Hier in der Ortslage findet man die Macelleria (Metzgerei) Mair (ja – genau ohne „e“). In all unseren Jahren in Südtirol haben wir noch keine bessere Metzgerei gefunden. Also nichts wie rein und eingedeckt mit Kamin-, Gams- und Hirschwurzen und weil er so lecker aussieht, auch noch ein kleines Stück Gamsschinken. Irgendwo ist in den Koffern immer noch ein Platz zu finden.

Nur noch ein paar Kilometer sind es jetzt bis zu unserem Etappenziel in Toblach. Nomen est omen – im Toblacherhof.

Wer noch etwas Spritgeld sparen möchte zieht die paar Kilometer durch bis kurz hinter Innichen zur Staatsgrenze nach Österreich und macht hier nochmals das Spritfass voll. Wir lassen, nach einem kleinen Spaziergang durch Toblach, den Abend gemütlich bei einem guten Essen ausklingen.

3. Tag: Toblach – Cortina d`Ampezzo – Passo di Giau – Mestre

Frisch gestärkt geht es am Morgen von Toblach aus weiter in Richtung Cortina d`Ampezzo auf der SS 51 durch das Höhensteintal. Wer unterwegs noch eine kleine Fotopause machen möchte kann dies nach ein paar Kilometern kurz vor dem Dürrensee an einem Hotelparkplatz, zur Rechten, machen. Von hier hat man einen wunderschönen freien Blick auf das Bergpanorama der „Dreizinnen“. Näher an das Wahrzeichen der Dolomiten kommen wir nicht mehr heran.

Dann biegen wir links auf die SS 48 nach Misurina ab und fahren über den Passo Tre Croci. Eine schöne landschaftliche Einstimmung auf den Tag.

Cortina ist zu früh für eine ausgiebige Pause und die Begeisterung für den mondänen Bergort mit seiner Olympiahistorie kann ich nicht so ganz teilen. Es gibt in der Region weitaus schönerer Orte, aber das ist natürlich alles Geschmacksache. Apropos Geschmacksache – wir kommen jetzt zu meinem absoluten Favoriten der Dolomitenpässe, dem Passo di Giau. An sich fahre ich lieber die spektakuläre Südrampe aufwärts und dann in Richtung Cortina, aber wir können am heutigen Tag nicht einfach die Erdkugel drehen, weil es Flying Haggis so besser gefallen würde.

Also zunächst einmal die bewaldete SP 638 aufwärts, bis die Sicht frei wird auf die herrlichen Dolomiten. Der Blick geht auf die Bergkette der Croda da Lago. Hier hatten Flying Haggis und die beste Sozia von Allen 2018 die letzte Etappe auf dem Dolomitenhöhenweg. Auf der Passhöhe bietet sich eine kleine Espressopause im Rifugio Fedare an. Der Blick ist einfach grandios. An guten Tagen kann man in Richtung Westen die Marmolada und die Sellagruppe sehen und im Osten den Falzarego.

Aber nach der üblichen Pässerunde steht uns heute nicht der Sinn. Wir haben ja ein anderes Ziel vor Augen. Mit uns geht es jetzt erst einmal abwärts. Zumindest was die Höhenmeter angeht, ansonsten sind wir auf einem mentalen Hoch. Wir cruisen die Serpentinen abwärts nach Selva di Cadore.  Dann auf der SP 251 über die Forcella Staulanza von Mareson, über Zoldo Alto nach Dont. In der Ortslage Dont geht es rechts ab auf die kurvenreiche SP 347 (Passo Duran) in grobe Richtung Agordo / La Valle Agordina. Gut 20 Kilometer folgt auf- und abwärts ein Kurvenschwung auf den Anderen, bei einer teilweise recht schmalen und wunderbaren Streckenführung. Auf der Passhöhe haben wir nochmals Zeit für eine Kaffeepause. Also entweder rein in das Rifugio Tomé oder in das Rifugio San Sebastiano. Wir genießen den Blick auf den Monte Pelmo und dann zieht es uns weiter in Richtung Süden.

Deshalb haben wir zunächst einmal die Wegweiser in Richtung Belluno im Auge und rollen auf der SR 203 gen Süden, den Torrente Cordevole immer zu unserer Rechten.

Danach geht es für uns weiter in Richtung Montebelluna. Es ist wirklich schwer in diesem Bereich noch eine ansprechende Routenführung zu gestalten und so kämpfen wir uns Ortschaft für Ortschaft zu unserem nächsten Etappenziel nach Mestre.

Was wollen wir denn jetzt in Mestre? Einfach erklärt ist dieser Ort die ideale Ausgangsposition für Motorradfahrer, wenn man beabsichtigt „La Serenissima“, die Stadt Venedig, zu besuchen. Wir beziehen unser Hotel Adria in der Via Cappuccina und liegen damit unweit der Busanbindung, die uns am morgigen Tag dann tourimäßig nach Venedig bringen wird. Unsere „Sissy“ verbringt derweil den Tag gut geschützt auf dem Hotelparkplatz.

In Hotelnähe finden wir noch ein richtig gutes Restaurant wo wir es uns am Abend gut gehen lassen. Der erste Motorradruhetag kann also kommen.

4. Tag: Venedig

Nach einem guten Frühstück brechen wir mit „dem öffentlichen Personennahverkehr“ auf in Richtung Venedig. Knappe 20 Minuten dauert die Fahrt, welche uns an die Stadtgrenze bringt und von dort geht es hinein in die Lagunenstadt, die ein ganz besonderes Flair versprüht. Man muss einfach mal dort gewesen sein um das Gefühl nachvollziehen zu können. Für Flying Haggis und die beste Sozia von Allen ist es der dritte Besuch und so finden wir bei unserem Bummel die relevanten Anlaufstellen, wie den „Gewindeschneiderpalast“, recht zügig.

Ist ja schon gut – wir wissen auch, dass dieses spektakuläre Gebäude der Dogenpalast ist, aber die Fenster haben uns vor Jahren zu der alternativen Namensgebung inspiriert.

So richtig interessant wird es erst in den etwas abgelegenen kleinen Gassen, welche von den Touristenströmen eher verschont bleiben. Dort kann man dann gemütlich in einer der vielen kleinen Bars oder auf den sonnenverwöhnten Terrassen seinen Aperol Sprizz schlürfen und den Einheimischen beim Gespräch zuhören. Einfach klasse – italienische Lebensart eben oder wie der Lateiner sagt: Ars vivendi. So wie wir Deutsche leben stellt sich ein Italiener nicht einmal seine Beerdigung vor.


Der Tag Entspannung tut gut und wir laufen am Abend wieder unser Lokal in Mestre an. Genießen erneut die exzellente Küche. Perfekt!

5. Tag: Mestre – Ravenna – Perticara (Novafeltria)

Am nächsten Morgen geht es weiter für uns in Richtung Süden. Fahrerisch wird es heute nicht so anspruchsvoll. Bei der Tour de France würde man wahrscheinlich von einer Überführungsetappe mit Sprinterankunft sprechen. Wir halten uns zunächst in Küstennähe auf und rollen parallel zur Adriaküste auf der gut ausgebauten E 55 in Richtung Chioggia. Von dort dann unspektakulär weiter nach Ravenna.

Von 402 bis 476 n. Chr. war Ravenna der Hauptsitz der weströmischen Kaiser. Odoaker und Theoderich residierten hier und so reiten wir heute, wie anno dazumal die Goten, nur eben jetzt auf dem Motorrad, in die durchaus sehenswerte Stadt ein. Zunächst statten wir dem Mausoleum von König Theoderich einen Besuch ab:


Dann suchen wir uns einen passenden Parkplatz für unsere „Sissy“ und spazieren in der Altstadt durch die Einkaufsmeile, die Via Cavour. Merkt euch die Parkplätze an der Piazza Baracca oder Piazza Resistenza. Hier haben die Verantwortlichen von Ravenna an uns Motorradfahrer gedacht und abschließbare Schränke für Helme oder Rucksäcke installiert. Wirklich vorbildlich. In der Via Cavour beobachten wir das rege Treiben und genehmigen uns ein Gelato und einen Capuccino. Was kann man sich noch anschauen? Die „Chiesa San Francesco“ – die Unterkirche steht teilweise unter Wasser und man kann die planschenden Goldfische bewundern. Daneben ist das Grabmal von Dante Alighieri, dem berühmten Dichter und Philosophen. Mit seiner göttlichen Komödie, die nach heutigen Maßstäben alles aber keine Komödie ist, löste er das Lateinische als Literatursprache ab und ist insofern derjenige, der die „neue“ italienische Sprache hoffähig gemacht hat.

Wieder auf der Strecke begeben wir uns schon einmal auf die Spuren der italienischen Motorradrennfahrer. Der erste auf einer langen Liste ist Andrea „Desmo-Dovi“ Dovizioso. Geboren in Forlimpopoli wohnt er mittlerweile im benachbarten Forli. Angeblich hat sein Teamkollege Danilo Petrucci hier auch irgendwo Quartier bezogen.

Also verlassen wir die Küstennähe zur Adria und steuern kurz Forli an. Dann landeinwärts zu unserem nächsten Quartier. Und das hat es in sich. Wir fahren zum „Pian del Bosco“ nach Novafeltria (Perticara) und landen in einem Hotel, welches wie gemacht ist für Motorradfahrer.

Es ist selten, dass mir die Superlative ausgehen, aber hier ist es so. Wenn IHR für das nächste Jahr noch kein Urlaubsziel ins Auge gefasst habt – Hier ist es! Aber dazu komme ich noch später in einem separaten Bericht.

6. Tag: Rund um Tavullia

Was macht man denn jetzt hier in Perticara und somit irgendwo im Nirgendwo? Das ist schnell erklärt, denn Perticara liegt nicht irgendwo im Nirgendwo, sondern eigentlich ideal und zentral für eine kleine Rundtour mit so interessanten Zwischenstationen wie: San Marino, Gabicce Mare mit der wunderschönen Panoramica Adriatico, Tavullia, der Heimat von unserem Doctor Valentino Rossi sowie Urbino seinem Geburtsort und Schauplatz einer Krimireihe. Leute – diese Aufzählung ist nicht abschließend. Allein diese kleine Region hätte eine Woche Motorradurlaub verdient und man hätte nicht alles gesehen.

Die Region ist das Herz und wahrscheinlich auch die Seele der italienischen Motorradrennfahrerszene. Beispiele gefällig?

Gottvater Valentino Rossi – geboren in Urbino und aufgewachsen in Tavullia. „Desmo-Dovi“ Andrea Dovizioso – geboren in Forlimpopoli und Wohnsitz in Forli. Marco „Super-Sic“ Simoncelli – geboren in Cattolica und aufgewachsen in Coriano. Und Mattia Pasini – geboren in Rimini. Wer hier auf die Welt kommt, der weiß, dass der Gasgriff an einem Motorrad rechts ist.

Wir machen also heute eine kleine Rundreise auf den Spuren von Valentino Rossi und da fangen wir bei seinem Geburtsort in Urbino an. Gute 60 kurvige Kilometer liegen vor uns. Zunächst auf der SP 107 nach Maiolo und dann auf der SP 6 über Mercato Veccio, Bronzo und Schieti nach Urbino.

Unserer Meinung nach ist Urbino einfach ein traumhaftes Städtchen und strahlt komplett die italienische Lebensart aus. Wie gemacht für eine ausgedehnte Pause und die üblichen gestellten Urlaubsfotos. Die Kunstinteressierten unter euch können sich noch das Geburtshaus des berühmten Malers Raffael anschauen. Wirklich sehenswert.

Aber dann müssen wir weiter, denn das war ja erst der Geburtsort von Doctor Valentino Rossi. Auf geht es in sein eigentliches Königreich nach Tavullia. Die knappen 30 Kilometer reißen wir zügig ab und erreichen über Petriano und Montecchio letztendlich Tavullia.

Leute – Tavullia ist der Brüller und nicht nur für eingefleischte Rossifans ein absolutes Muss. Wahrscheinlich haben sämtliche Bewohner des Ortes einen Ruhepuls von 46 Schlägen.


Alles aber wirklich alles atmet hier in GELB und der Nr. 46. In Deutschland undenkbar. Selbst deutsche Fußballhochburgen wie Dortmund oder Gelsenkirchen betreiben nicht einen derartigen Kult und Heldenverehrung wie sie hier in Italien und speziell in Tavullia bei Rossi einem Motorradrennfahrer zu Teil wird. Es ist Rennwochenende in Misano und so sind wohl noch mehr Fans vor Ort als an „normalen Tagen“. Schlangen vor dem VR 46 Store. Schlangen vor der VR 46 Pizzeria. Unfassbar!

Irgendwann machen wir uns dann wieder auf unseren Rückweg. Und der führt uns kurvig noch über die Zwischenstation Coriano. Hier war, oder sollte man besser sagen ist immer noch, die Heimat des besten Kumpels von Valentino Rossi. Dem viel zu früh verstorbenen Marco Simoncelli hat man hier ein Denkmal gebaut.

Da steht in Form eines Auspuffs eine Skulptur die, zu bestimmten Zeiten an den Wochenenden, das macht was eine offene Auspufftüte schon einmal macht. In Anlehnung an die frühere Start-Nummer von Simoncelli schlagen dann für 58 Sekunden die Flammen aus dem Rohr. Das alles in Gedenken an den berühmten Sohn des Ortes. Noch Fragen? In Italien hatte Motorsport schon immer auch mit „Cuore“ zu tun. Pragmatischen Menschen mag dies möglicherweise lächerlich erscheinen, für mich ist es Wertschätzung und ein herzliches Gedenken an einen großen und sympathischen Sportler.

Das Museum für Supersic ist klein aber fein und vor dem Gebäude findet man noch eine kleine Gedenkstätte. Irgendwelche Fahrer haben hier auch noch einen Helm abgelegt und es liegen noch Handschuhe daneben. UND – ein kleines Spielzeugauto, dass wohl ein „kleiner Fan“ dort abgestellt hat. Ich muss vor Rührung ein wenig schlucken!

Unser Rückweg zum Hotel ist auch wieder eine Wegstrecke von etwa 40 Kilometern. In Vorfreude auf unser abendliches Menü im „Pian del Bosco“ spulen wir die Distanz zügig ab. Wir nehmen die Route quer durch San Marino über Borgo Maggiore nach Pietracuta und dann auf der SP 258 zum Hotel.

Der Abend kann kommen mit einem guten Essen und interessanten Benzingesprächen unter Gleichgesinnten.

7. Tag: Perticara – Ascoli di Piceno

Schweren Herzens verlassen wir heute Morgen das „Pian del Bosco“ und machen uns wieder auf den Weg. Interessant wird es heute denn unser Etappenziel Ascoli di Piceno ist die Partnerstadt meiner Heimatstadt Trier. Es ist also irgendwie so, als ob man nach Hause kommt. Hatten wir nicht auch die Gedanken in Bezug auf das Zentrum der italienischen Motorradrennfahrer? Genau – hier in Ascoli ist Romano Fenati, das „enfant terrible“ der Moto 2 Klasse der Saison 2018, zu Hause.

Aber jetzt machen wir uns zunächst mal auf den Weg und fahren von Perticara südlich an San Marino vorbei in Richtung Gabicce Mare an die Adriaküste. Hier zieht es uns auf den Schulweg von dem kleinen Valentino Rossi, konkret auf die Panoramica Adriatico. Den Namen Panoramica trägt die Strecke wirklich zu Recht. Was für eine Aussicht und eine Streckenführung, dass man den Rest des Motorradurlaubs hier verbringen könnte. Die 20 km bis Pesaro sind sensationell und einfach ein Traum.

Wir bleiben noch eine Weile an der Adriaküste und genießen die Nähe zum Meer. Es geht an Ancona vorbei und dann ziehen wir hinein in das Landesinnere. nach Civitanova

Von dort nach Valmir und dann kurvig nach Offida.

Jetzt ist es nur noch der oftmals zitierte Katzensprung und wir haben auch schon unsere heutige Station Ascoli di Piceno erreicht. Auch in Ascoli haben wir im „Antico Borgo Piceno“ eine zentrale Übernachtungsstelle und sind am Abend mittendrin im pulsierenden Leben der schönen Stadt. Unsere „Sissy“ steht gut behütet unmittelbar unter unserem Zimmerfenster und beim Frühstück haben wir auch den direkten Blick auf unsere Maschine.

8. Tag: Rund um Ascoli di Piceno

Wir lassen es heute ruhig angehen und haben keine Eile. Da wir auf unserer morgigen Route den südwestlichen Bereich von Ascoli in Richtung Rom in Angriff nehmen, können wir uns heute Zeit nehmen um die „Citta Gemella“ von Trier zu erkunden.

Am Vorabend haben wir bereits erlebt wie die Einwohner von Ascoli ihren Feierabend genießen. Vor dem Caffè Meletti tanzten Paare Tango und hatten dabei sichtlich ihr Vergnügen. Heute führt eine Gruppe in historischen Kostümen entsprechende Tänze vor. Einfach schön anzusehen.

9. Tag: Ascoli di Piceno – Rom

Bei unserem frühmorgendlichen Start machen wir erst einmal einen kleine Schlenker und fahren über das etwa 20 km entfernte Montegallo durch den Nationalpark der Monti Sibillini. Landschaftlich schön gelegen muss das zur heutigen Einstimmung einfach sein. Es geht also zunächst über Roccafluvione auf die SP 89 und dann in wunderbaren Schwüngen über Montegallo bis Arquata del Tronto, bevor wir uns auf die SS 4 in Richtung Rom begeben.

Unterwegs haben wir in den Bergen noch einen unerwarteten Halt, weil ein Rettungshubschrauber einen Verletzten oder Erkrankten aufnehmen muss. Dabei haben wir noch Gelegenheit ein Plüschtier an den Mann oder korrekterweise an das Kind zu bringen. An den Plüschbären zur Völkerverständigung sind wir über einen ADAC-Stauberater gekommen. Kurzes Gespräch bei unserer Anfahrt im Großraum Stuttgart und das Stofftier, nebst Motorrad-Erste-Hilfetasche fand Platz in unserem Tankrucksack. Jetzt führte es zu totaler Begeisterung bei der italienischen Mama. So schnell kann man Menschen glücklich machen.

Wir sind jetzt auf der Via Salaria, der historischen Salzstraße, die bereits in der Antike von der Adriaküste über den Apennin bis nach Rom führte. Wir bewegen uns also bei der heutigen Route auf historischem Boden. Die Via Salaria ist jetzt unsere Einflugschneise nach Rom.

Total entspannt rollen wir in Rom ein, der ewigen Stadt, und suchen unser Hotel das „St. Moritz“ in der Via Nazionale. Mittendrin in der Stadt die über Jahrhunderte das Zentrum der Welt darstellte. Wir freuen uns schon auf unseren zweitägigen Aufenthalt und auf das was wir zu sehen und zu fühlen bekommen.

Aber dazu mehr in TEIL II meines Reiseberichtes.

 

Frankensteins Tochter Teil II

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Es gibt ja in der Zwischenzeit kaum eine Firma die nicht in irgendeiner Art und Weise auf den Retro-Zug aufgesprungen ist. Einige dieser Modelle gefallen mir wirklich recht gut, bei anderen beschleicht mich aber auch oftmals das Gefühl, dass man das Endprodukt von nicht Fisch nicht Fleisch auch locker dem Markt hätte ersparen können.

Heute sind wir aber bei einem Modell vor dem ich bereits bei der Präsentation auf der Intermot in Köln mit strahlenden Augen gestanden hatte. Gut gemacht Kawasaki – Chapeau. Die Japaner hatten die ehrwürdige Z 1 in Gestalt der Kawasaki 900 RS auferstehen lassen.

Alles war dem großen alten Vorbild nachempfunden. Sogar die Lackierung und das markante Heck findet sich an der 900 RS wieder. Ein wahrer Augenschmaus.

Die schön gemachten und gut ablesbaren Instrumente informieren den Fahrer über alles Notwendige. Mehr Input braucht im Grunde genommen kein Mensch.

Was wird denn dem Käufer eigentlich geboten? Da ist ein ausgereifter, wassergekühlter Vierzylinder-Reihenmotor (948 ccm) mit 111 PS bei 8.500 U/min und einem Drehmoment von 99 Nm bei 6.500 U/min. Mehr als ausreichend für alles was man auf der Landstraße anstellen kann. Wirft man das Aggregat an, dann entwickeln die beiden schön gemachten Endtöpfe die kawatypische Hintergrundmusik. Leicht heiserer Ton, der mich irgendwie an Adriano Celentano erinnert. Schnell wieder vergessen – wir können ja schließlich keinen italienischen Barden aus einem japanischen Produkt trällern lassen.

Der Motor läuft wirklich seidenweich. Hier merkt man die jahrelange Kernkompetenz der Japaner in Sachen Reihenvierzylinder. Die Kupplung ist in kaltem Zustand etwas ruppig, das gibt sich aber bereits nach einigen Kilometern. Wahrscheinlich bin ich „Weichei“ schon derart an den Quickshifter meiner „Sissy“ gewöhnt, dass dies jetzt Jammern auf hohem Niveau ist.

Man sitzt absolut kommod auf der Kawa, selbst mit meinen knappen 1,90m. Mit dem schönen breiten Lenker hat man die Fuhre zu jeder Zeit im Griff und die serienmäßigen Dunlops geben eine wunderbare Rückmeldung an den Fahrer.

Die Bereifung trägt sicherlich in Zusammenarbeit mit den Vierkolbenbremssätteln zu dem sicheren Gefühl beim Bremsen bei. Die 900 RS liegt auch bei etwas heftigeren Bremsmanövern spurstabil und vermittelt ein sicheres Gefühl. Ihre „Urahnin“ würde jetzt rot anlaufen.

Apropos „Urahnin“. Was zur damaligen Zeit zu dem wenig schmeichelhaften Spitznamen geführt hat war das Fahrwerk. Die Enkelin ist hier über jeden Zweifel erhaben. Sauberer Geradeauslauf und handlich, aber spurstabil in den Kurven ohne nervös zu wirken. Das haben die Ingenieure in Nippon gut hinbekommen. Der alte Doppelschleifenrohrrahmen liegt da wo er hingehört – im Museum oder auf dem Schrottplatz.

Abschließend kann man als Fazit wirklich nur eines sagen: Die 900 RS ist eine wunderbare Landstraßenmaschine, die Fahrgenuss und Fahrspaß pur bringt. Für die Jungs und Mädels aus meiner Generation bringt SIE aber noch etwas. Die Emotionen aus den 70ern sind zurück als man als pickeliger Schüler die Testberichte von „Frankensteins Tochter“ gelesen hat und in Gedanken versunken darüber nachdachte ob man jemals auch dieses Hammerteil fahren könnte.

Jetzt kann man es. Und man kann es ohne die Befürchtungen der früheren Jahre, dass ein Fahrwerk, welches den Namen nicht verdient hatte, bei der kleinsten Unebenheit massive Unruhe in das Fahrwerk bringt und damit den Fahrer permanent in Sturzgefahr.

So gefällt mir Retro. Die tolle Optik der früheren Jahre verbunden mit der zeitgemäßen Technik, dazu richtig wertig gemacht. Ruhig mehr davon, wenn dann das Endprodukt die Qualität dieser Kawasaki 900 RS hat. Gratulation nach Japan. (Das hat jetzt Überwindung gekostet)

 

Ich mach`mir die Welt wie sie mir gefällt

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In Deutschland haben wir die Gewaltenteilung und das ist auch gut so. Die Legislative, Judikative und Exekutive sorgen getrennt und weitestgehend unabhängig voneinander dafür, dass in unserem Lande alles gerecht und fair zugeht oder zumindest zugehen soll.

Für mich gibt es aber seit längerer Zeit eine weitere Gewalt oder sagen wir besser Macht, die, ohne jegliches Mandat der Bevölkerung zu besitzen, die Meinung von uns allen zu bilden versucht und das auch oftmals schafft. Ich spreche von den Medien.

Auch in unserem kleinen Bereich mit unserer Passion Motorrad ist das zu beobachten. In meinem Artikel zum Thema der Testsieger habe ich das Ganze bereits vor längerer Zeit angesprochen.

https://flyinghaggis.net/2015/02/21/everybodys-darling-is-everybodys-depp/

Warum komme ich jetzt wieder darauf zurück? In höchstem Maße manipulierend werden da Berichte verfasst. Habt IHR in der großen deutschen Fachzeitschrift auch den großen Bericht Alpenmaster gelesen? Okay – wahrscheinlich ging es vielen von Euch ähnlich wie mir, dass sie den abschließenden Test mit der Endbewertung nicht mehr lesen mussten, weil der Sieger des Tests bereits vor dem Schreiben des Artikels festgestanden hat. Dennoch gibt es dort Textpassagen und Ausschlusskriterien, die man sich etwas genauer ansehen sollte.

Ich werde jetzt ganz bewusst etwas weiter ausholen. Im Heft Nr. 11 aus dem Jahr 2017 gab es in dieser Zeitschrift einen Vergleichstest der Reiseenduros. Ich zitiere eine Textpassage von Seite 30 aus dem Segment der Landstrassenbewertung: Dass Krach rein gar nichts mit Leistung zu tun hat, beweist die KTM. Mit sonorem, aber vernünftig gedämpftem Klangteppich sammelt die mit 154 PS gemessene Österreicherin erste Sympathiepunkte.

Hört sich an als ob die Manufaktur aus Mattighofen im Bezug Auf Geräuschemissionen alles richtig gemacht hat.

In Heft 16 aus dem Jahrgang 2019 wird nun das Modell, an dem sich von der Ausstattung nichts geändert hat, als Krawallmacher gebrandmarkt. SIE gehört zu den lautesten aller 20 Maschinen im Testfeld. Jetzt könnte man natürlich noch meinen, dass eine derart unterschiedliche Bewertung an unterschiedlichen Testern liegen kann. In diesem Fall war aber bei beiden Tests der Journalist Peter Mayer, den ich eigentlich wegen seiner objektiven Berichterstattung schätze, Autor der Artikel. Erinnere ich mich dann noch an den Klappenauspuff  den ein gewisser Hersteller mittlerweile mit Vorliebe in seine Produkte einbaut, dann frage ich mich wie weit ist es her mit der Objektivität der Bewertungen.

Objektiv war meines Erachtens über einen langen Zeitraum die 1000-Punkte-Bewertung. Da konnte sich jeder aus den unterschiedlichen Segmenten die Bereiche herausziehen, die individuell relevant waren. Da diese Bewertung zwischenzeitlich eine andere Punktezuordnung erfahren hat, sind aktuelle Bewertungen nicht mehr unmittelbar mit den zurückliegenden nach altem Muster vergleichbar. So läuft in Heft 10/17 die BMW 1200 RS, als eines der besten 1000-Punkte-Motorräder, mit 756 Punkten durch das Ziel. Das aktuelle 1250er RS-Modell erreicht in Heft 16/19 deren noch 737 Punkte.

Ach ja – wir waren ja eigentlich beim Alpenmaster. Da gewinnt in der Vorauswahl bei der Kategorie „Scrambler“ die Moto Guzzi V85 TT. Wenn sich jetzt Erstaunen bei euch breit macht, dann seid euch sicher, dass war im Guzzi-Werk sicher ähnlich. Die Maschine wurde konzipiert um im Mittelklassesegment der Enduros unter Gegnern wie der 800er GS oder der Tiger zu wildern. Hier schiebt man die wirklich schön gemachte V85 TT zu den Scramblern und lässt sie dort gewinnen. Mit dem Hinweis – müder Motor und schlechte Fahrleistungen. Schaut mal in die Messwerte – die schlechtesten Durchzugswerte aller Kontrahenten. Das würde mich auf einer Alpentour massiv nerven.

Irgendwie erinnern mich die Testberichte in den Fachzeitschriften seit längerem an ein Lied von Pippi Langstrumpf. Der Refrain klingt mir in den Ohren: Ich mach`mir die Welt, wie sie mir gefällt!

Meine Alpensiegerin steht bereits in der Garage und ich denke eure Siegerin der Herzen ebenfalls. Und das ist auch gut so. Beim Lesen der Tests gebt einfach acht, denn hier wird Meinungsbildung gemacht und wie oftmals bei unserer Judikativen wird nicht Recht gesprochen, sondern nur ein Urteil gefällt.

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Marquez-Festspiele

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Wie immer berichtet euer Flying Haggis auch in diesem Jahr wieder vom deutschen WM-Lauf am Sachsenring. Nicht mehr ganz so nah am Geschehen wie in den letzten beiden Jahren, aber immer noch nah genug – versprochen. Wahrscheinlich war es der oftmals kritischen Berichterstattung von Flying Haggis geschuldet, dass der diesjährige Veranstalter ADAC die Presseakkreditierung verweigert hat. Das kann man natürlich so machen als größte Lobbyorganisation Deutschlands, damit ändert man aber nichts an der Grundhaltung eures werten Schreibers.

Legen wir los. Wie spannend ging es doch eigentlich los in die Saison und zwar klassenübergreifend. Die Moto 3 sieht permanent neue Sieger auf dem Treppchen und es ist fast nicht möglich hier Prognosen abzugeben. Mit Lorenzo Dalla Porta war ich zumindest nahe dran und ich bleibe weiter bei meinem Tipp hinsichtlich des WM-Titels. Mein zweiter Anwärter Jakob Kornfeil fährt bislang noch etwas hinterher, hat aber mit seinem dritten Platz bei der Dutch TT in Assen sein letztjähriges Können wieder aufblitzen lassen. Die acht bisherigen WM-Läufe haben sieben Sieger gesehen. Lediglich Tony Arbolino konnte sich 2x als Sieger in der Liste eintragen. Was mich wirklich überrascht ist die Konstanz eines Aaron Canet, der noch das Gesamtklassement der Moto 3 anführt.

Die Moto 2 entwickelt sich auch zu einer Wundertüte. Dank der neuen Triumphaggregate sind hier die Karten komplett neu gemischt und es purzeln die Streckenrekorde. Was oder wer auch oftmals purzelt sind die Fahrer dieser Klasse. Nutznießer bislang – die Herren Alex Marquez und Tom Lüthi. Der schnelle Schweizer führt vor dem Sachsenring das Gesamtklassement in der Moto 2 an. Das stärkste Moto 2 Team scheint in diesem Jahr der Spanier Sito Pons zu haben. Seine beiden Fahrer Baldassarri und Fernandez haben in dieser Saison bereits vier Siege eingefahren. Meine beiden eigentlichen Favoriten für die Saison Brad Binder und Luca Marini kommen erst langsam in Tritt und waren beide in Assen gemeinsam auf dem Podest. Für ganz nach vorne wird es in dieser Saison wohl nicht mehr reichen, aber wir werden sehen wohin die Reise noch geht.

Die Moto GP versprach auch Spannung pur. Leider nur bis zum Großen Preis von Spanien. Da sicherte der Pilot mit der Nummer 99 seinem Teamgefährten Marc Marquez den nächsten WM-Titel in dem er durch einen Anfängerfehler vier der direkten Konkurrenten aus dem Rennen kegelte. Der Vorsprung ist unter normalen Umständen nicht mehr aufzuholen und einen sturzbedingten Ausfall wünsche ich niemandem.

Also Platz genommen am Sachsenring und mit Tausenden gut gelaunten Rennfans das Wochenende genießen. Und die Wettervorhersage prognostizierte sogar blendendes Wetter für die Trainingstage.

In der großen Klasse gaukelten die Protagonisten dem neutralen Zuschauer sogar anfänglich so etwas wie Spannung vor. Da tauchten dann die Namen Rins, Quartararo und Vinales auf und alle Nicht-Marquez-Fans rieben sich bereits die Hände. Aber wer die Sessionen genauer betrachtete merkte schnell, dass der König vom Sachsenring lediglich mit seinen Kontrahenten spielte. Auf Alles und auf jeden Angriff hatte Marc Marquez eine Antwort. Nach Belieben konnte er seine eigene Performance steigern und am Ende sah es dann nach den Qualifyings so aus, wie es immer auf dem Sachsenring aussieht. Platz Nr. 1 und Polepositon für Marc Marquez.

Die folgenden Positionen besetzten dann die Fahrer, die am Rennsonntag das Unmögliche anstreben sollen, nämlich Spannung in ein Moto GP Rennen am Sachsenring bei Beteiligung von Marc Marquez zu bringen. Platz 2 Fabio Quartararo vom Yamaha Petronas Team. Keine Überraschung mehr in dieser Saison. Platz 3 geht an Maverick Vinales, der den Aufschwung von seinem Assensieg mit nach Sachsen brachte und Platz 4 Alex Rins. Eine gute Ausgangsposition für den langen Spanier, der normalerweise immer erst in den Rennen an seine eigentliche Leistungsreserve geht. Auf Platz 5 dann die erste Ducati. Aber nicht aus dem Werksteam, sondern Jack „Ass“ Miller auf seiner Pramac-Ducati. Das Werksteam erlebte ein mittelschweres Desaster. Petrux Petrucci im Qualifying 2 bei seinem letzten Versuch der Zeitenjagd gestürzt und damit lediglich auf Platz 12. Desmo-Dovi kam gar nicht erst in das 2. Qualifying und wurde kurz vor Schluß von Nakagami auf Platz 13 zum Zuschauen verdammt. Der Doctor Valentino Rossi erreichte zwar souverän über das Qualifying 1 das 2. Training endete aber hier auch nur auf Platz 11.

Kommen wir zur Moto 2 und damit gehen die Marquez-Festspiele am Sachsenring weiter. Der kleine Bruder vom Dominator machte es sich und seiner Mechanikercrew rund um Stefan Haseneder aber ungleich schwerer. Freitags fackelte seine Kalex nach einem Sturz beinahe ab, weil die Streckenposten etwas lethargisch an die Löscharbeiten gingen und Alex Marquez selbst Hand anlegen musste. Samstags musste Marquez dann auch noch den Umweg über das Qualifying 1 nehmen. Aber diese zusätzlichen Kilometer scheinen dem Spanier gut getan zu haben. Letztendlich grüßte er den Rest der rasenden Moto 2-Meute von Platz 1. Der 2. Platz ging an den kleinen Bruder von Valentino Rossi. Luca Marini mit der pfeilschnellen Kalex aus dem Sky 46-Team sicherte sich den 2. Platz. Ganz besonders schön für die deutschen Zuschauer – Marcel Schrötter zeigte das ganze Wochenende konstant gute Leistungen und qualifizierte sich als Dritter für die erste Startreihe. Irgendwie roch es nach einem deutschen Podium beim Heim-Grand-Prix oder vielleicht sogar nach dem ersten Sieg für Marcel Schrötter.

Dahinter drängelte sich dann alles was in der Moto 2 Rang und Namen hat und auch in jedem Rennen für einen Podestplatz gut ist. Für Spannung am Rennsonntag war damit gesorgt. Die WM-Kandidaten hinter Alex Marquez wie Tom Lüthi und Lorenzo Baldassarri starteten von weiter hinten. Platz 12 für den schnellen Schweizer und Platz 10 für „Balda“.

Die Wundertüte Moto 3 machte ihrem Namen in den Qualifikationstrainings wieder alle Ehre. Das ganze Wochenende war es ein Auf und Ab mit ständig wechselnden Namen. Für den Rennsonntag standen dann Ayumu Sasaki auf der Pole, gefolgt von Kaito Toba. Man spricht also wieder japanisch in der kleinen Klasse. Komplettiert wurde die erste Reihe durch Marcos Ramirez aus dem Leopard-Team, gefolgt von seinem Teamkollegen Lorenzo Dalla Porta. Aber die Moto 3 hat uns ja in diesem Jahr gelehrt, dass man nicht aus den ersten drei Reihen starten muss, um ein Rennen siegreich zu beenden. Und die ersten 8 Saisonrennen sahen 7 verschiedene Sieger.

Der Rennsonntag stand an und damit sind wir, wie fast in jedem Jahr bei dem sächsischen Wetter. Am frühen Morgen regnete es zunächst einmal ordentlich, so dass die Warm Up`s in den Klassen auf feuchter bis nasser Strecke stattfanden. Danach hatte der Wettergott ein Einsehen mit den Rennfans und den Fahrern.

Das Rennen der Moto 3 sah eine ähnliche Dramaturgie wie wir sie bereits aus der laufenden Saison kennen. Zunächst eine große Gruppe mit fast 15 Fahrern, die sich in der Spitze permanent abwechseln, dann fährt sich eine Gruppe mit etwas 7 – 8 Fahrern frei, die aber dann wegen der ewigen Überholmanöver wieder eingeholt werden, so dass wir am ende wieder eine ganz große Gruppe sehen, die sich um den Sieg und um die Plätze auf dem Podest streiten.

Richtig interessant für die Zuschauer war der Kampf im Gesamtklassement der WM. Hier startete der Führende Aron Canet nur von Startplatz 18, um direkt nach dem Start sogar auf Platz 22 zurückzufallen. Im Grunde genommen hatte ich ihn bereits von der Liste der möglichen Sieger gestrichen, was man aber geflissentlich in dieser Saison nicht tun sollte. 5 Runden vor Schluss tauchte die Start-Nr. 44 auf einmal unter den ersten Fünf auf und meldete Ansprüche an um das Podest mitzukämpfen.

Hier waren über das gesamte Rennen aber die ambitionierten Jungs aus dem Leopard-Team permanent mit Führungsarbeit beschäftigt und hatten im Rennverlauf sämtliche Angriffe von John McPhee, Jakob Kornfeil und Romano Fenati abgewehrt.

Das sollte dann auch am Ende so bleiben. Lorenzo Dalla Porta (48)  feierte seinen ersten Saisonsieg, gefolgt von seinem Teamkollegen Marcos Ramirez (42) und letztendlich Aron Canet (44).

Mit dem Sieg übernahm Dalla Porta auch die Führung in der Gesamtwertung der Moto 3. Romano Fenati (5) wurde starker Vierter, gefolgt von Raul Fernandez (25) und dem Schotten Hohn Mc Phee (17).

Der Zweikampf  um den WM-Titel zwischen Dalla Porta und Canet verspricht spannend zu bleiben. Vielleicht sehen wir in der zweiten Saisonhälfte auch noch einen lachenden Dritten aus der zweiten Reihe.

Das folgende Moto 2 Rennen war natürlich aus deutscher Sicht das interessanteste Rennen an diesem Sonntag. Startete doch Marcel Schrötter auf Startplatz 3 aus der ersten Reihe und hat in diesem Jahr bereits zweimal bewiesen, dass er das Zeug hat für das Podest. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Tom Lüthi hat er in diesem Jahr bereits mehrere Highlights gesetzt.

Marcel ging das Rennen auch engagiert an und hielt sich tapfer in der Spitzengruppe. Es ging heiß her in der Spitzengruppe. Insbesondere als KTM-Pilot Brad Binder, nach einem komplett verhagelten Qualifikationstraining, in der Spitzengruppe eintraf mit einem unbändigen Drang nach vorne zur Spitze.

Es bildete sich dann eine 4rt-Spitzengruppe mit Alex Marquez, Brad Binder, Iker Lecuona und Marcel Schrötter. Alex Marquez nutzte dann eine gute Gelegenheit sich von seinen Konkurrenten zu lösen und einen kleinen Vorsprung herauszufahren, den er bis zum Rennende clever verwaltete.

Jetzt war allen Betrachtern auch mit Schwächen in Grundrechenarten klar, dass bei den verbliebenen 3 Fahrern in der Verfolgergruppe einer in Sachen Podest leer ausgehen wird. Wer das sein würde war schwer auszumachen, denn die Führung bei den drei Protagonisten wechselte ständig und wie in einem guten Hitchcockfilm entschied sich die Geschichte in der letzten Kurve vor dem Ziel. Brad Binder hatte auf Platz 2 einen ausreichenden Vorsprung herausgefahren. Iker Lecuona riskierte in der letzten Links gegen Marcel Schrötter jetzt alles und begrub seine Podesthoffnung im sächsischen Kiesbett vor der Besico-Tribüne.

Vierter wurde Fabio di Giannantonio vor dem Schweizer Tom Lüthi und damit war klar, dass Alex Marquez als führender in der Moto 2 Klasse in die Sommerpause gehen würde, dicht gefolgt von Tom Lüthi. Hinter diesen beiden ist dann alles offen, denn auch unser Marcel Schrötter hat sich mit dem heutigen Podest wieder aussichtsreich in Position gebracht.

Jetzt kommen wir zu den Königen der Motorradrennklassen der Moto GP. was hatte ich so inständig auf ein spannendes Rennen gehofft. Mit Führungswechseln und allem Drum und Dran, was der Motorradrennsport so bietet. Das leidige Problem ist, dass sich der Sachsenring im Verbund mit dem Namen Marc Marquez wohl nicht mehr für ein spannendes Moto GP-Rennen eignet. Es ist einfach unfassbar wie der kleine Spanier dieser Strecke seinen Stempel aufdrückt. Genauso unfassbar ist, wie sich mögliche Gegner selbst eliminieren.

Marc Marquez ließ zu keinem Zeitpunkt des Rennens auch nur den geringsten Zweifel aufkommen WER diese heutige Veranstaltung als Sieger verlässt. Mittlerweile übrigens klassenübergreifend zum 10. mal nacheinander. Gegen den FC Bayern München als deutschen Fußballmeister zu tippen ist erfolgversprechender.

Zunächst konnte als einziger der Spanier Alex Rins auf seiner Suzuki der pfeilschnellen Honda von Marquez folgen. Elf Runden vor Schluss begrub Rins seine Suzuki dann fulminant im Kiesbett. Ab diesem Zeitpunkt hätte Marc Marquez das Rennen vermutlich auch auf einem Teamroller siegreich beendet. Bereits zu Rennbeginn hatte ein weiterer möglicher Konkurrent, der junge Franzose Fabio Quartararo, seine Petronas-Yamaha ebenfalls schon im Kies geparkt.

So war der Weg frei für Assensieger Maverick Vinales auf seiner Werksyamaha für Platz 2. Dicht gefolgt von dem schnellen Briten Cal Crutchlow. Der gute Cal hatte sich in Assen bei einem Unfall mit seinem Fahrrad die Kreuzbänder gerissen. Fahrerisch ließ er sich nichts anmerken und fuhr für sein LCR-Team einen wichtigen Podestplatz heraus.

Dahinter betrieb dann das Ducati-Werksteam Schadensbegrenzung. Auf der ungeliebten Strecke in Sachsen fuhr Danilo Petrucci auf Platz 4, gefolgt von Andrea Dovizioso. Die Ducati-Phalanx wurde komplettiert mit Platz 6 für Jack „Ass“ Miller auf der Pramac-Ducati.

Der Doctor Valentino Rossi beendete nach seiner Sturzserie auch wieder ein Rennen und erreicht das Ziel auf Platz 8.

Der deutsche Protagonist Stefan Bradl, der als Lorenzo-Ersatz die zweite Werks-Honda im Repsol-Team pilotierte, wurde starker 10.

Das war es dann für dieses Jahr vom Sachsenring, der sich an dem Wochenende bei 201.000 Zuschauern bedankt. Schön war es wieder und der Termin für das nächste Jahr steht schon – 21. Juni 2020 sehen wir uns wieder am Sachsenring.

Ich find`s (nicht mehr) lustig

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Der bekannte Komiker Sascha Grammel tritt mit einer Bühnenshow unter dem Titel „Ich find`s lustig“ auf. Die finde ich lustig und ich kann wirklich herzhaft darüber lachen bis mir die Tränen kommen.

In den zurückliegenden Monaten kommen mir beim Motorradfahren auch immer häufiger die Tränen, allerdings nicht vor Freude. Euer werter Erzähler meidet mit dem Motorrad weitestgehend das Bundesfernstraßennetz, also Autobahnen und Bundesstraßen. Kleinere Landesstraßen und Kreisstraßen das ist mein vorrangiges Revier und hier fühlt sich Flying Haggis wohl. Dieses wohlige Gefühl lässt aber mittlerweile allzu häufig nach. Ich finde es offen gesagt nicht mehr lustig.

Was steht im Straßengesetz unter dem § 9 zum Thema Straßenbaulast?

Die Straßenbaulast umfasst alle mit dem Bau und der Unterhaltung der Straßen zusammenhängenden Aufgaben. Die Träger der Straßenbaulast haben nach ihrer Leistungsfähigkeit die Straßen in einem dem regelmäßigen Verkehrsbedürfnis genügenden und den allgemein anerkannten Regeln des Straßenbaues entsprechenden Zustand zu bauen, zu unterhalten, zu erweitern oder sonst zu verbessern.

Zunächst einmal so weit und so gut, oder besser gesagt überhaupt nicht gut. Die jeweilig zuständigen Straßenbaulastträger basteln und fummeln sich nämlich mittlerweile bei der Instandsetzung einen zurecht, dass einem Angst und Bange werden kann. Insbesondere wenn man, wie wir, mit einem einspurigen Fahrzeug unterwegs ist. Da entsteht in unserem kommunalen Straßennetz ein Flickwerk, welches einem den Angstschweiß auf die Stirn treiben kann.

Ja, ja ich weiß. Da gibt es Passagen in der Straßenverkehrsordnung, die einen mahnen die Geschwindigkeit an die jeweiligen Verhältnisse anzupassen. Die Zauberworte nach einem Unfall: Nicht angepasste Geschwindigkeit.

Was steht da oben in dem § 9? Die Straßen sind in einem dem regelmäßigen Verkehrsbedürfnis genügenden und den allgemein anerkannten Regeln des Straßenbaus entsprechenden Zustand zu bauen, zu unterhalten oder sonst zu verbessern. Mein Gott VERBESSERN? Ich wäre ja schon froh, wenn unsere Straßen wieder ihren ursprünglichen Zustand erreichen würden. Von verbessern will ich noch gar nicht sprechen. Wie man so etwas verbessert sehe ich bei meinen Touren im Nachbarland Luxemburg. Da werden auch Bauarbeiten am Straßennetz beschleunigt erledigt und nicht Gemeinden fast monatelang von der Außenwelt abgeschnitten.
Wenn ich sehen möchte welche unterschiedlichen Asphalt- und Teerdecken auf dem Markt erhältlich sind, dann fahre ich durch Eifel und Hunsrück. Das Sammelsurium an unterschiedlichen Straßenbelägen birgt natürlich für uns Motorradfahrer/-innen die nächste Gefahr, denn ALLE haben natürlich auch unterschiedliche Hafteigenschaften. So ist oftmals für uns auf einer Wegstrecke von nur 20 m von Topgrip bis hin zu Schmierseifenverhältnissen alles erhältlich. Kein Mensch kann sich auf so etwas einstellen. Wendet man das in Fahr- und Sicherheitstrainings angelernte Wissen an, wie Hinterschneiden einer Kurve, dann kann es einem blühen, dass man über drei Teerbuckel cruist und bis zum Kurvenscheitel dreimal den Belag gewechselt hat. So viel zum Thema angepasste Geschwindigkeit. Wie viele Zweiradunfälle in jedem Jahr eigentlich auf diese Asphaltpuzzle zurückzuführen sind wage ich nicht zu schätzen. Jeder Schotterpass in den französischen Seealpen stellt zumindest gleichmäßigere Gripverhältnisse zur Verfügung.

In meinen heimatlichen Gefilden auf der L 149 hat man zwischen Herl und Lorscheid die Fahrbahndecke über Monate derart instandgesetzt, dass keine Haftcreme der Welt die Dritten an ihrem angestammten Platz hält. Eine traumhafte Erprobungsstrecke für Erlkönige. Wer hier mit dem Auto durchkommt ohne dass die Federbeindome durch die Motorhaube fliegen, der hat ein wahrhaft gutes Fahrwerk entwickelt.

Für mich stellt sich die Frage: Was passiert eigentlich mit unserer Kfz-Steuer? Und der Mineralölsteuer? Beides war irgendwann einmal dazu gedacht für ein intaktes Straßensystem zu sorgen.

Über das Jahr gerechnet sind das etwa 50 Milliarden Euro Steuereinnahmen, die wir Besitzer und Nutzer von fahrbaren Untersätzen unserer Regierung zur Verfügung stellen. Aber wir Deutschen haben es raus Gelder in irgendwelchen Kanälen verschwinden zu lassen. Das schaffen wir ganz alleine ohne Zuhilfenahme der Mafia. Das Zauberwort heißt nicht Zweckbindung, sondern Gesamtdeckungsprinzip. Konkret bedeutet das: Alle Einnahmen des Staatshaushaltes werden zur Deckung ALLER Ausgaben verwendet. Und so versickern unsere Milliarden im Staatshaushalt zur Rettung der Welt, der ostanatolischen Wanderfilzlaus und  der Wiedervereinigung der Spalttabletten, während wir weiter von einem Schlagloch und Teerbuckel mit Bitumenstreifen zum Nächsten hoppeln.

Da nur etwa 20 Milliarden zurück in den Straßenbau und die Instandsetzung fließen muss natürlich gespart werden. Das Ergebnis haben wir tagtäglich vor Augen. Bei den Ausschreibungen wird natürlich auf den Preis geachtet und so kommt dann eines zum anderen. Nicht die qualifizierteste Firma erhält den Zuschlag, sondern die Günstigste. Und so wird dann ein Loch auch mal mit der Flachschippe geglättet statt mit dem Rüttler. Die Fahrbahn wieder auf eine Ebene zu bringen geht für das Geld auch nicht und so erfreuen wir uns an einer kostenlosen Buckelpiste, die uns hopsend von Punkt A nach Punkt B bringt. Aber wahrscheinlich bin ich mit meinen naiven Gedankengängen nur nicht im Stande das große Ganze im Kontext mit der Rettung dieser Welt entsprechend zu begreifen. Wenn wir in zwanzig Jahren wieder mit den Postkutschen, die dann wahrscheinlich „grün“ sind, von Ort A nach Ort B unterwegs sind, ist das Tempo nicht mehr so hoch, dass uns die Buckel, Gräben und Risse in der Straße auffallen.

Ich find`s nicht mehr lustig. Wie sieht es in euren Regionen aus.

Auf goldenen Schwingen ODER take me home country roads

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Da ich ein toleranter Mensch bin, zumindest was die Art und Weise des Motorradfahrens angeht, bin ich gerne dem Ruf des Hondahändlers meines Vertrauens gefolgt.

Wie schrieb mir Christof Filusch so schön über die sozialen Medien: Du, ich hab` da was, das musst Du unbedingt probieren!

Also ist Flying Haggis diesem Ruf erwartungsfroh gefolgt und stand dann da, vor einem Monument von Motorrad. Kurz in der Erinnerung gekramt – Wie war das noch damals? Genau – ein Boxermotor. Der ist geblieben, nur sind aus den 4-Zylindern eben irgendwann in der Evolution 6-Zylinder geworden.

Und getreu dem immer noch gültigen Spruch: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum, verfügt das aktuelle Aggregat über 1.833 ccm. Hätte auch ein Automotor werden können, aber ich stehe vor der aktuellen Honda Gold Wing.

Was spricht das Datenblatt weiter? 126,5 PS bei 5.500 U/min und 170 Nm bei 4.500 U/min. Klingt im ersten Moment wenig, wenn man von dem Gesamtgewicht (fahrfertig) von 365 kg ausgeht und dann noch das Gewicht von Fahrer und Sozia hinzuzählt. Aber wir sprechen hier ja von einem Motorrad, welches nicht konzipiert wurde um auf der Nordschleife die magische Zehnminutengrenze zu unterbieten. Und die aktuelle Gold Wing hat im Vergleich mit der Vorgängerin sogar abgespeckt. Da standen 400 kg + X auf der Waage.

Wenn man mit der Standardvariante unterwegs ist, dann schaltet man sich durch ein 6-Gang-Getriebe. Ich sitze auf der DCT-Variante mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe von Honda. Bekanntermaßen funktioniert das DCT-Getriebe sowohl manuell als auch automatisiert und kommt dann dem Fahrbetrieb in einem amerikanischen Straßenkreuzer sehr nahe – easy living. Das DCT schaufelt nochmals Gewicht auf die Waage und die zeigt dann 383 kg an. Da man die Fuhre auch irgendwann einmal auf einem Parkplatz rangieren muss, ist auch ein Kriechgang vor- und rückwärts vorhanden. Schon praktisch, denn ansonsten hätte man als schiebender Fahrer schnell die Wasserstandsmeldungen in der Kombi. Vollkommen losgelöst rangiert man jedoch mit dieser Hilfe den Koloss vor und zurück, genau dahin wo man ihn eben hinhaben will. Jeder Kinderwagen mit Nachwuchs ist schwieriger zu rangieren.

Also rollen wir mal los und schauen uns an welche Gefühle und Emotionen dieses Motorrad bei uns frei macht oder erweckt. Um es direkt vorwegzunehmen, das Teil hat mir ein Grinsen ins Gesicht getrieben.

Die Sitz- und Griffheizung können wir heute getrost auslassen. Wir haben wohlige Motorradtemperaturen. Die Sitzheizung für den Mitfahrer oder Mitfahrerin lässt sich auch ausgesprochen kommod direkt neben dem Sitz einstellen.

O-Ton der besten Sozia von Allen: „Wer den Sitz hier für unbequem hält, der hat sie nicht mehr alle!“ Alle weiteren Kommentare zum Thema Sitzkomfort Sozius erübrigen sich damit.

Inwieweit die Heizungen in Betrieb sind sieht man wunderbar an der Anzeige im Display.

Nach ein paar Kilometern stelle ich die elektrisch verstellbare Scheibe in höchste Position und ab dann sitzen meine knappen 1,90 m ohne jeglichen Fahrtwind kommod auf dem ultrabequemen Sitzpolster wie auf der heimatlichen Couch. Take me home country roads! John Denver käme klanglich gut rüber bei zwei Frontlautsprechern und zwei weiteren hinten im Topcase.

Ach ja – die Gold Wing hat ein Gedächtnis, Dank der mittlerweile üblichen Helferlein. Nach dem Ausschalten fährt die Scheibe wieder in die unterste Position. Beim nächsten Start wird die Scheibe ab einem Tempo von 5 km/h in die letztmals genutzte Stellung gebracht.

Ein wenig schmunzeln musste ich, als ich den Sport-Modus bei den Fahrmodi gefunden hatte. Bitte nicht mit einer Erwartungshaltung in diesen Modus schalten, dass jetzt aus der Gold Wing eine ZX 10 oder Panigale wird. Das Fahrwerk der Honda wirkt etwas straffer und der Motor spricht etwas direkter an. Mit der DCT-Kupplung merkt man, dass der Motor in den Gängen etwas höher ausdreht und das war es auch schon, was mein Gefühl angeht.

Dem Charakter der Gold Wing kommt am ehesten der Econ-Modus entgegen, also der Ökonomische. Eine weitere Alternative wäre dann noch der Tour-Modus, der ebenfalls das Gesamtkunstwerk Honda Gold Wing auf das einstellt, wofür sie auch gebaut wurde – komfortabel reisen. Der Tour-Modus ist auch die Grundeinstellung der Fahrmodi. Eine Regenvariante haben wir natürlich auch noch. Diese entspricht aber von den Voreinstellungen weitestgehend dem Econ-Modus.

Das elektronische Fahrwerk des Dickschiffes, mit einer Doppel-Querlenker-Aufhängung vorne, erlaubt die genreüblichen Einstellungen, die da wären: Fahrer / Fahrer mit Gepäck / Fahrer und Beifahrer / Fahrer mit Beifahrer und Gepäck. Gerade die Vorderradaufhängung verrichtet einen Top-Job. Saubere Rückmeldung vom Vorderrad, jede Unebenheit wird glattgebügelt. Hin und wieder schwingt das Heck sachte nach, ohne jedoch störend zu wirken. Der Riesenbrocken liegt gut auf der Straße und signalisiert an den Fahrer: wir haben alles im Griff. Auf den Dolomitenpässen hatte ich immer ein mitleidiges Lächeln für die Gold Wingfahrer übrig: Die armen Kerle wuchten hier einen derartigen Apparat hoch! Nach den jetzigen Erfahrungen weiß ich, dass dies komplett unangebracht ist. Wer hier nicht vor hat Bestzeiten zu fahren kommt komplett entspannt auf einer Passhöhe an.

Damit sind wir beim Thema Gepäck. Hier haben wir im direkten Vergleich zu der „Alten“ aus meiner Sicht die Änderung, welche am meisten auffällt. Mit Koffern (je 30 Liter) und Topcase (50 Liter) stehen bei der neuen Gold Wing 110 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Bei der aktuellen Gold Wing ist damit der Laderaum um 40 Liter zur Vorgängerin geschrumpft. Da Flying Haggis und die beste Sozia von Allen immer mit Bedacht für den Urlaub packen reicht dies allemal. Man will schließlich nur in Urlaub fahren und nicht auswandern.

Wie sieht jetzt die Peripherie der neuen Gold Wing aus? Wir haben ja jetzt die ganze Zeit von komfortabel reisen gesprochen. Formatfüllend prangt da ein 7-Zoll-Display vor uns. Das zeigt uns das, in allen Modellen serienmäßige, Navigationssystem an. In der Größe natürlich gut lesbar.


Die „normalen Armaturen“, also Tacho und Drehzahlmesser sind analog daneben. Da man heutzutage wohl immer und überall erreichbar sein muss, besteht die Möglichkeit über Bluetooth das jeweilige Smartphone mit dem Display zu koppeln. Am besten soll das wohl mit dem Apple-eigenen I-Phone funktionieren, was ich aber nicht getestet habe. Einmal, weil ich kein I-Phone besitze und zum Zweiten, weil ich gar nicht überall erreichbar sein möchte. Anrufe meines Lehnsherrn auf einer Motorradtour würden bei mir nämlich massive Störungen im Magen- Darmtrakt erzeugen.

Was machen wir, wenn wir die Riesenfuhre zum Stillstand bringen möchten? Wir vertrauen auf die Bremsen der Gold Wing. Im Sprachgebrauch von Honda auf das Dual-Combined-Braking-System. Also ist da irgendetwas miteinander kombiniert. Tritt man auf die Hinterradbremse aktiviert man nicht nur die hintere 316er-Scheibe mit ihrer Dreikolbenbremszange, sondern auch die beiden vorderen 320er-Scheiben mit ihren Sechskolbenzangen.

Im konkreten Ernstfall sollte man jedoch auch vorne in die Bremse greifen, so sind wir ja alle konditioniert und dann auf das gut regelnde ABS hoffen. Apropos ABS. Euer Flying Haggis ist jetzt seit Jahren das wunderbare BOSCH-Kurven-ABS der Manufaktur aus Mattighofen gewöhnt und hat dies auch schätzen gelernt. Aus welchen Gründen auch immer verzichtet Honda bei der aktuellen Gold Wing auf ein Kurven-ABS. Ob man sich in Japan etwas technische Luft lassen möchte für die nächste Modellpflege? Wer weiß? Ansonsten gibt es bei den Bremsen nichts zu meckern. Alles auf dem Stand der Zeit, top solide und hinterlässt beim Fahrer ein sicheres Gefühl.

Wie ist jetzt das Fazit? Honda hat diesen kompletten Neuaufbau des Produktes Gold Wing sicherlich nicht unter dem Grundgedanken gemacht hohe Zulassungszahlen zu generieren. Dies lässt der Preis jenseits der 30.000 Euronen nicht zu und außerdem läuft der Absatz mit anderen Modellen der Produktpalette mehr als zufriedenstellend. Die aktuelle Gold Wing zeigt was möglich ist, wenn eine ambitionierte Firma ALLES in einem Motorrad verwirklicht, was man sich in einem großen (wirklich sehr großen), hubraumstarken Reisemotorrad vorstellt. Die Honda Gold Wingfahrer sind eine Familie. Und genau diese Familie wird die Maschine ansprechen. Sehr wahrscheinlich auch noch den ein oder anderen Interessenten, der mit einer BMW K 1600 GT nichts anzufangen weiß. Denn das dürfte die einzige richtige Konkurrenz für die Gold Wing in diesem Marktsegment sein. Wenn auch noch einige Fahrer aus dem Harley-Lager hinzukommen wird sich Honda sicherlich auch nicht beschweren. Das technisch hochwertigere Motorrad haben sie ohnehin auf die Beine oder besser Räder gestellt. Und ein Imageträger ist die Gold Wing für ihren Eigner allemal. Ich bin mir sicher, die neue Gold Wing wird ihre Käufer oder Käuferinnen finden. Die Zielgruppe der Fernreisenden oder Cruiser ist groß genug und genau für die ist SIE gemacht. Wie hat Christof Filusch so schön gesagt: Der schnellste Fernsehsessel der Welt!

Die Route 66 lässt schon einmal grüßen. Take me home country roads!

Marc Marquez ODER Am Rande des Wahnsinns

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Die Saison 2019 ist in vollem Gange und ich komme nicht umhin mich auch einmal mit einem Moto GP-Fahrer zu beschäftigen, dem ich nicht immer positiv gegenüberstehe. Der Spanier Marc Marquez ist in dem folgenden Bericht Gegenstand meiner Betrachtung.

Was soll ich sagen? Man kann zu dem durchtrainierten Spanier stehen wie man will, abschließend muss man sich eingestehen, dass er fahrerisch ein Phänomen ist. Das ist faktisch unbestritten und dafür ist ihm höchster Respekt zu zollen.

Menschlich gesehen und im Hinblick auf die sportliche Fairness habe ich das ein oder andere Problem mit Marc Marquez. Zu häufig geht er mir ein zu hohes Risiko ein und gefährdet damit nicht nur sich selbst, was man noch tolerieren könnte, sondern auch die Gesundheit seiner Konkurrenten.

Aber widmen wir uns zunächst der wirklich sagenhaften Karriere von Marc Marquez.

Bereits mit sechs Jahren begann der kleine Spanier seine rennsportliche Karriere. Wie viele andere auch zunächst im Bereich Motocross und Minibike. In der spanischen Meisterschaft der 125 ccm Klasse wurde dann der umtriebiege spanische Talentscout und Ex-Grand-Prixfahrer Alberto Puig auf Marquez aufmerksam. So kam er, gemeinsam mit Landsmann Esteve „Tito“ Rabat, im Repsol-KTM-Team in der Motorrad-WM unter. Diese erste Saison 2008 war aber zunächst geprägt von Verletzungen und so sprang letztendlich lediglich Platz 13 in der Gesamtabrechnung heraus.

Die zweite Saison lief dann mit neun Top-Tenplätzen, verbunden mit dem ersten Podest (3. Platz) in Jerez schon merklich besser und war abschließend für Platz acht in der Gesamtwertung 2009 gut. In der Saison 2010 hieß sein Teampartner dann Sandro Cortese und sein Saisonstart in Katar war mit Platz drei bereits vielversprechend. Am Ende dieser Saison wurde er mit zehn Siegen und zwei dritten Plätzen Weltmeister in der 125 ccm-Klasse. Mit 17 Jahren und 163 Tagen war er damit zweitjüngster Weltmeister. Lediglich Loris „Capirex“ Capirossi war bei seinem Titel noch jünger.

Als logische Konsequenz folgte 2011 der Aufstieg in die Moto 2-Klasse. Hier startete Marc Marquez auf einer Suter des Catalunya Caixa Repsol-Teams. In dieser Saison ließ Marc Marquez dann bereits das fahrerische Können und die Durchsetzungskraft erkennen, die ihn später in der Moto GP auszeichnen sollte. Nach drei Nullern zu Saisonbeginn und einem Rückstand von 82 Punkten auf Stefan Bradl nach dem sechsten WM-Lauf, ließ er eine sehenswerte und atemberaubende Siegesserie folgen. Sieben Rennsiege, 3 x Platz 2 und 1 x Platz 3 katapultierten den Spanier auf Augenhöhe mit Bradl. Verletzungsbedingt konnte Marc Marquez dann bei den letzten beiden Rennen in Sepang und Valencia nicht starten und verlor, denkbar knapp, den Moto 2-Titel an Stefan Bradl.

Marc Marquez ist lernfähig. Das Dumme für seine Konkurrenz ist, dass er schnell lernfähig ist. Fehler passieren ihm selten zweimal und so dominierte er in einer erschreckenden Form die Moto 2-Klasse in der darauffolgenden Saison 2012. Am Ende der Saison lagen 56 Punkte zwischen ihm und dem Zweitplatzierten Pol Espargaro. Neun Rennsiege, 2 x Platz 2 und 3 x Platz 3 sind aussagekräftig für seine Dominanz.

Die eigentliche und unglaubliche Erfolgstory Marc Marquez beginnt aber eigentlich erst jetzt. Die eigentliche Absprache, dass ein Rookie in der Moto GP nicht sofort in ein Werksteam wechseln kann wird von Honda Repsol pulverisiert. Honda hat ein Problem, denn IHR Weltmeister von 2011 Casey Stoner hat keine Lust mehr auf Motorradrennen und verabschiedet sich in den Vorruhestand. Adäquater Ersatz muss her und den glaubt man in Marc Marquez gefunden zu haben.

Und irgendwie scheinen die verantwortlichen Herrn bei Honda Recht zu behalten. Beim Auftaktrennen in die Saison 2013 wird Marc Marquez in Katar direkt Dritter, hinter so bekannten Größen wie Jorge Lorenzo (Platz 1) und Valentino Rossi (Platz 2). Beim nächsten Rennen in Austin (Texas) schnappt er sich direkt den ersten Rekord, nämlich jüngster Moto-GP-Sieger aller Zeiten. Im weiteren Saisonverlauf sammelt er fleißig weitere Podestplätze und die Etablierten stellen nun fest: Wir haben ein Problem! Und das Problem hat sogar einen Namen – Marc Marquez!

In seinem Debütjahr wird der Spanier Weltmeister. Mit 20 Jahren und 266 Tagen der jüngste Weltmeister aller Zeiten in der Königsklasse und der erste Rookie seit 1978 der zum Weltmeisterehren gekommen ist. Sechs Siege, sechs zweite und vier dritte Plätze im Saisonverlauf sprechen bereits Bände über die Konstanz die der junge Spanier an den Tag legt.

In der Saison 2014 macht sich Marc Marquez dann an seine Titelverteidigung. Die lief in einer Form ab, dass man sich um den Spannungsbogen der Moto GP ernsthaft Sorgen machen musste. Die ersten zehn Rennen sahen nur einen Sieger und der hieß Marc Marquez. Die Dominanz war derart erdrückend, dass man befürchten musste bis zum Saisonende keinen anderen Sieger mehr zu sehen. Zum Glück war dies nicht der Fall, aber mit abschließend dreizehn Saisonsiegen überbot er den bisherigen Rekord von Michael Doohan aus dem Jahr 1997. So ganz nebenbei pulverisierte Marc Marquez auch noch den Uraltrekord von Mike „the Bike“ Hailwood als jüngstem Fahrer dem zwei Titel in Folge gelungen sind.

Irgendwie hatte man dann zu Saisonbeginn 2015 gewisse Befürchtungen wie bei der Fußballbundesliga, wenn bereits zu Saisonbeginn feststeht, dass dieser Verein aus Deutschlands Süden wieder deutscher Meister wird. Wer sollte Marc Marquez schlagen?

Aber diesmal sollte die Saison anders verlaufen. Die aktuelle Honda gab dem spanischen Wunderkind Rätsel auf. Erst als Marquez bei der Dutch TT in Assen wieder mit dem Chassis des Vorjahres ausrückte fand er zur alten Stärke zurück. Zu diesem Zeitpunkt spielten aber bereits zwei andere Protagonisten die Hauptrolle um die Titelvergabe 2015. Valentino Rossi und Jorge Lorenzo lieferten sich einen sehenswerten Kampf um den Moto GP-Titel 2015. Leider spielte Marc Marquez in diesem Drama eine unrühmliche Nebenrolle. Aber dahingehend habe ich bereits meinem Herzen Luft gemacht und so schweige ich an dieser Stelle still.

https://flyinghaggis.net/2015/11/13/moto-gp-oder-der-weltmeister-der-herzen/

Entsprechend motiviert trat Marc Marquez dann 2016 erneut an, um die Scharte vom Vorjahr auszuwetzen. Und das tat er in souveräner Manier. Überhaupt muss man neidlos anerkennen: Marc Marquez ist nicht wegen der Werkshonda siegfähig sondern trotz der Honda. Keinem anderen Fahrer im Feld gelingt es derart diese Maschine am Limit und oftmals auch darüber zu bewegen. Bereits drei Rennen vor Saisonende gelang es Marc Marquez mit einem Sieg beim Großen Preis von Japan, also vor den Augen der Konzernchefs, seinen dritten WM-Titel in der vierten Moto-GP-Saison klar zu machen.

Im Jahr 2017 sollte Marc Marquez einen neuen Gegner erhalten. Einen Gegner der ihm auf manchen Strecken ebenbürtig war und der auch in der Lage war ihn im direkten Zweikampf zu besiegen. Andrea Dovizioso machte Marc Marquez in der Saison 2017 das Leben schwer. Bis zum letzten Saisonrennen in Valencia war es noch rechnerisch möglich, dass der Weltmeister vielleicht doch Andrea Dovizioso heißt. Ein dritter Platz von Marc Marquez beim abschließenden Rennen machte aber dann den vierten WM-Titel klar.

In der zurückliegenden Saison 2018 erwarteten dann alle Rennfans die Fortsetzung des Zweikampfes Marquez / Dovizioso. Einige „Nuller“ zu viel in der ersten Saisonhälfte ließen dann aber den Rückstand des schnellen Italieners zu stark ansteigen, als dass noch so etwas wie Spannung hätte aufkommen können. Völlig unangefochten war wieder ein WM-Titel für Marc Marquez die Folge. Neun Saisonsiege, vier zweite und ein dritter Platz sprechen wiederum Bände über die Konstanz des kleinen Spaniers.

Mittlerweile hat Marc Marquez über siebzig Grand-Prix-Siege angehäuft und gehört zu recht zu den Großen der Zunft. Er ist sicherlich der Fahrer schlechthin, der in der Lage ist in schier ausweglose Situationen einen „sicheren Sturz“ noch abzuwenden. Es gibt keinen anderen Fahrer, der diese Manöver derart in der Praxis umsetzen kann und der Schwerkraft ein ums andere Mal ein Schnippchen schlägt.

Und doch habe ich ein menschliches Problem mit Marc Marquez. Er ist mir oftmals zu rücksichtslos was den Umgang mit seinen Kollegen angeht. Für mich wählt er zu häufig ein nicht mehr kalkulierbares Risiko bei seinen Fahrmanövern, insbesondere beim Überholen, welches dann häufig zu Lasten seiner Konkurrenten geht. Bei Geschwindigkeiten um die 300 km/h riskiert man damit zumindest die Gesundheit der Beteiligten. Wenn er diese Kamikazeaktionen noch abstellen würde, dann wäre er wahrscheinlich der Sympathieträger schlechthin in der Moto GP.

https://flyinghaggis.net/2018/04/09/wer-keine-hitze-vertraegt-hat-in-der-kueche-nichts-verloren/

Faktisch ändert das aber gar nichts an meiner abschließenden Bewertung. Wer beabsichtigt in den nächsten Jahren Moto GP-Weltmeister zu werden, der muss zunächst einmal Marc Marquez schlagen. Oder Marquez muss sich selbst schlagen, wie in der laufenden Saison beim US-Grand-Prix COTA, den er quasi als Sieger abonniert hatte. Schauen wir mal ob er in diesem Jahr seinen neun klassenübergreifenden Siegen am Sachsenring einen weiteren Sieg hinzufügen kann. Oder sehen wir womöglich eine Wiederholung des Rennens in den Vereinigten Staaten? Dann könnte diese Saison wieder einen ähnlich spannenden Verlauf nehmen wie 2017, mit einer Entscheidung im letzten Saisonrennen. Lassen wir einfach den Besseren gewinnen. Ich bin schon gespannt.