Angenehm ruhig

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Manchmal muss ich schmunzeln und irgendwie bedauere ich dann mein Gegenüber. Wenn ich voller Begeisterung von einer Wanderung oder einer wunderbaren Motorradtour erzähle und dann folgende Antwort erhalte:

„Dafür habe ich nicht genug Zeit!“

Man hat IMMER genug Zeit. Die meisten Menschen nutzen sie nur nicht richtig. Fragt einfach mal jemanden auf dem Sterbebett ob er noch Arbeit auf seinem Schreibtisch liegen gelassen hat?

Es wird ihm in diesem Moment herzlich egal sein. Was ihm / ihr wahrscheinlich nicht egal ist, ist der Umstand, dass der ein oder andere Traum den man hatte nicht in die Tat umgesetzt wurde. Genau nach diesem Prinzip versuche ich zu leben und es gelingt jeden Tag besser. Wenn euer werter Erzähler irgendwann die Augen zum letzten Mal schließt, dann wird es mit einem Grinsen im Gesicht sein: „Alles gemacht, was Dir Spaß und Freude bereitet hat. Sogar das letzte Glas Rotwein ausgetrunken!“

Bis dahin dauert es noch eine ganze Weile und deshalb lassen wir uns heute wieder Zeit für eine wunderbare Tour in unserer neuen Heimat. Erstes Zwischenziel von unserem Startort in Schlanders ist das Ultental. Und so rollen wir uns zunächst einmal auf der Staatsstraße in Richtung Meran langsam ein.

An der Forstbrauerei vorbei, es ist noch zu früh für ein leckeres „Sixtus“, geht es bei Marling ab auf die Gampenstraße. Für uns geht es aber noch nicht auf den Gampenpass, sondern in der Ortslage Lana ins Ultental.

Aufgepasst Leute. Bergauf stehen vor den schönen ersten beiden Kurven zwei „Starenkästen“, von denen man nie weiß welcher materiell bestückt ist. Also Vorsicht mit dem rechten Handgelenk und dosiert bergan.

Ich mag das Ultental und die Streckenführung, sowie die Landschaft. Einfach wunderbar zum Einrollen. Das Ultental ist auch die Heimat von Dominik Paris, dem Speedspezialisten in Sachen Abfahrt und Super-G der italienischen Alpinmannschaft. Pardon – des Südtiroler Abfahrtteams.

Wir haben zwar unseren Wohnsitz nach Südtirol verlegt, das bedeutet aber nicht, dass wir mit lieben Gewohnheiten brechen. Wir haben es gerne ruhig und deshalb orientieren wir uns hinter dem Stausee und noch vor St. Walburg nach links Richtung Proveis.

Wir fahren über die Hofmahd mit wunderbarer Aussicht ins Ultental und Laurein in Richtung Forcella di Brez.

Die Hofmahd verbindet das Ultental mit dem Nonstal und der höchste Punkt liegt auch etwa 200 m höher als der Gampenpass. Verkehrstechnisch ist natürlich der Gampenpass die Hauptverbindungstrasse. Die Hofmahd ist aber „viel ruhiger und weniger befahren“ und deshalb sind WIR hier. Übrigens – die Passhöhe liegt schon im Trentino.

Das sich anschließende Brezer Joch verbindet die Orte Laurein und Proveis im Westen mit den östlich gelegenen Ortschaften Fondo und Castelfondo.

Die Fahrradfahrer haben die Forcella di Brez schon länger für sich entdeckt und so begegnen uns die ein oder andere Gruppe aber auch ambitionierte Solisten. Herrliche Ausblicke, eine wunderbare Route komplett frei von Hektikern, die ihre Urlaubstour dazu nutzen ihre Liste an „Alpenpässen abzuarbeiten“.

Hinein nach Fondo ins Nonstal und kaum merklich aufwärts zur Passhöhe des Gampen. Jetzt nimmt der Betrieb merklich zu.

Ach ja – noch etwas hat sich nicht geändert. Mindestens eine leckere Pausenstation muss sein, ansonsten ist bei einer meiner Anderstouren etwas komplett schiefgelaufen.

Also machen wir talabwärts in einer wunderbaren 180 Grad-Linkskurve am Gfrillerhof Pause, kehren ein und genießen ein leckeres Essen oder einen feinen Eisbecher. Dabei können wir noch die unterschiedliche Linienwahl der Motorradfahrer begutachten, die von Lana aus hinauf zum Gampenpass streben. Eine typische Applauskurve, die es wahrscheinlich an jedem Pass gibt. Irgendwie bin ich an den Besucherhang in Breidscheid am Nürburgring erinnert. Einige Protagonisten geben alles.

Gestärkt geht es dann weiter abwärts in Richtung Lana und wir haben am Kreisverkehr in der Ortslage eine schöne Runde absolviert.

Je nachdem wie es unser Zeitfenster zulässt kann man noch nach Meran hinein und die Gärten von Schloss Trauttmansdorff besichtigen oder jetzt der Forstbrauerei einen Besuch abstatten.

Dann geht es über die Staatsstraße wieder zurück nach Schlanders. Wahrscheinlich ist dabei unser letzter Gedanke: Angenehm ruhig war es heute! Die Hofmahd und die Forcella di Brez haben schon ihre Vorteile.



Tour – Tourance – Tourance Next 2

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Manchmal ist das so eine Sache mit guten Vorsätzen. Da will man noch so viel machen und dann? Dann frisst die Zeit einem die guten Vorsätze und die Energie und dann? Dann nutzt einem auch nicht mehr der bekannte Energieriegel mit dem Planetennamen, um all das, was man eigentlich machen wollte, zu erledigen.

Wie sagte einst ein weiser Mann: Der gute Vorsatz ist ein Gaul, der oft gesattelt, aber selten geritten wird.

Ich gebe zu, ich habe mich extrem rar gemacht. Meine Gedanken und meine Pläne waren nur mit unserem baldigen Umzug beschäftigt und das ist auch gut so. Soviel Eigennutz muss einfach sein, damit die Zukunft ein ordentliches Fundament hat. Sowohl in echt als auch metaphorisch betrachtet.

So stand jetzt eine Bauabnahme an und die beste Sozia von Allen und euer Erzähler wollten mit unserer dicken Österreicherin in die neue Heimat nach Südtirol. Ein Blick auf den „alten Conti“ warf die kritische Frage auf: Übersteht der Hin- und Rückfahrt und den ein oder anderen Kilometer in Südtirol ohne zu einem Slick zu mutieren?

Um auf Nr. Sicher zu gehen musste ein neuer Reifensatz her. Ein Blick auf das aktuelle Angebot in Sachen Tourenreifen ließ durchaus unterschiedliche Variationen zu. Ich weiß nicht wer von Euch zurzeit auch auf Reifensuche ist? Wenn ihr fixiert seid auf eine ganz spezielle Reifenpaarung und / oder Reifenhersteller, dann bestellt so schnell ihr könnt. Der Markt ist ziemlich leergefegt und ich konnte (mit viel Glück) den letzten Satz Metzeler Tourance Next 2 ergattern.

Foto Metzeler

Seid einer gefühlten Ewigkeit bin ich keine Metzeler mehr gefahren. Obwohl Pirelli und Metzeler ja aus einer Reifenbäckerei stammen und so oftmals relevante Parameter sich nur in Nuancen unterscheiden.

Also zügig montieren lassen – schnell eine der Lieblingsstrecken rauf und  runter, um das erforderliche Vertrauen zu fassen und dann kann es losgehen.

Das Profil des Tourance Next 2 hat einen gewissen „Wiedererkennungswert“. Dabei soll die negative Profilierung insbesondere bei der „Wasserverdrängung“ helfen. Dies verbunden mit dem hohen Silicaanteil im Reifen.

Die Sache „Wasserverdrängung“ konnten wir in der Anfahrt im Bereich  Arlberg testen. PASST – nicht zu viel versprochen.

Was dieses Reifensegment mittlerweile zulässt hätte vor nicht allzu langer Zeit jedes Sportlerherz höher schlagen lassen. Zu keinem Zeitpunkt ließ der Reifen auch nur den geringsten Zweifel an Grip oder Seitenhaftung aufkommen. Klebt in allen Lebenslagen, lässt dabei aber auch unsere „dicke Sissy“ in engen Kurven in Sachen Handlichkeit rüberkommen als ob wir mit der 890er Adventure unterwegs wären und nicht mit unserer 1290er. Wir nähern uns wirklich in Sachen Fähigkeiten bei dem Metzeler der Quadratur des Kreises.

Metzeler spricht beim Tourance Next 2 von einer um 45 Prozent erhöhten Steifigkeit. Hintergrund dieser Maßnahme war, den Tourance für unterschiedliche Straßenbeläge und Untergründe fahrbar zu machen. Auch das können wir im Lastenheft der Firma als gelungen abhaken. Stilfserjoch und Umbrail, Gampenpaß und Forcella di Brez, sowie Ulten- und Münstertal lassen grüßen.

Steif und stabil, aber trotzdem komfortabel und laufruhig. Die Evolution vom Vorgänger Tourance jetzt zum Next 2 ist bestens gelungen. Ich werde jedenfalls beim nächsten Reifenkauf wieder zugreifen und gar nicht mehr auf die Suche nach Alternativen gehen. Die lange An- und Rückfahrt hat der Reifen auch (nahezu) spurlos mitgemacht und kann sich damit locker in die Rubrik der Tourensportreifen einordnen lassen.

Fazit – der Tourance Next 2 ist für mich der aktuelle Zehnkämpfer im Reifensegment. Kann alles nahezu auf dem Niveau der Spezialisten, ist aber de facto für ALLES was ein Motorradfahrerherz erstrebt universell zu gebrauchen. Aktuell die absolute Empfehlung. Gut gemacht Metzeler. Hausaufgaben gemacht.

Von Hirn, Herz, Regenschirmen und vom Wegducken

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Diese Tage habe ich wieder einmal in den sozialen Medien gestöbert und bin über einen Beitrag gestolpert. Er hatte mich emotional gefasst. Geärgert, aufgeregt und Kopfschütteln – alles auf einmal.

Da ist eine Motorradfahrerin wohl ihrer anderen Passion nachgegangen, dem Reiten.

SIE bedankte sich in ihrem Post. Sie bedankte sich bei einer Gruppe von Motorradfahrern, die wohl mit Produkten eines amerikanischen Herstellers unterwegs war. Bekanntermaßen ordnet man diese Fahrer*innen Klischeebehaftet eher der Gruppe zu, die es als Lebensstil und als sinnvoll erachten mit Lautstärke ihre Anwesenheit zu untermauern. Wie gesagt Klischee, denn ich als ehemaliger Ducatisti weiß, dass auch andere Marken beziehungsweise ihre Treiber gerne mal mit Lautstärke auf sich aufmerksam machen.

Soweit so gut oder besser gesagt überhaupt nicht gut. Diese Gruppe ist jetzt an der Dame vorbeigefahren, die mit ihrem Pferd unterwegs war. Die Kolonne hatte jetzt wohl nichts Besseres zu tun, als unmittelbar hinter der Dame den Abgasen freien Lauf zu lassen und wohl noch für die ein oder andere Fehlzündung zu sorgen.

Das Pferd scheute und die Frau hatte alle Hände voll zu tun ihren Vierbeiner wieder unter Kontrolle zu bringen und nicht abgeworfen zu werden.

Haha ach wie witzig. Ich kann nicht darüber lachen. Wahrscheinlich weil ich immer noch eine ganz liebe Arbeitskollegin im Kopf habe, die seit einem Sturz von einem scheuenden Pferd im letzten Jahr im Rollstuhl sitzt. Das ganze Umfeld wartet darauf, dass sie wieder auf die Füße kommt. Wenn es eine/r schaffen kann dann sie.

DAS kann passieren, wenn man von einem Pferd fällt, dass plötzlich und unerwartet scheut und seine Reiterin oder den Reiter abwirft.

Und dann liest man in einem solchen Post, dass Motorradfahrer ein derartiges Verhalten an den Tag legen. Erster Gedanke von mir war: Als der Herrgott Hirn vom Himmel geworfen hat, muss sich diese Kolonne wohl weggeduckt haben oder sie hatten die Schirme aufgespannt.

So wie es aussieht hat es gut funktioniert. Sie haben tatsächlich kein Hirn.

Jetzt bitte keine Kommentare in der Richtung: Dann muss die Tante halt eben lernen mit ihrem Gaul richtig umzugehen!

NEIN – passt nicht. Denn auch wenn man mit einem Pferd ODER einem Motorrad richtig umgehen kann, kann man fallen, stürzen sich verletzen.

Was überhaupt nicht geht ist, dass Trottel*innen unterwegs sind, die bewusst oder unbewusst ihre Mitmenschen in Gefahr bringen. Wenn man sich also in dem Moment, als der Herrgott spendabel mit der besagten Substanz um sich geworfen hat nicht da war, sich wegeduckt hatte oder der Regenschirm aufgespannt war, dann sollte man aber zumindest etwas anderes haben.

Ein Herz – das einem im richtigen Moment sagt: Nimm` einfach Rücksicht, nerve nicht deine Umgebung und vor Allem bringe nicht Andere in Gefahr, weil Du Dich für ach so toll hältst.

Die Hausstrecke

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Ganz oft habe ich den Begriff schon gehört. Sei es an Stammtischen oder in Foren und Plattformen. Da ist dann die Rede von: Das ist meine Hausstrecke.

Was genau ist das denn und habe ich so etwas auch? Nicht das ich in meiner schier grenzenlosen Naivität wieder einen Trend verpasse und mein Gegenüber direkt bemerkt, dass er es hier mit einem fleischgewordenen Anachronismus zu tun hat. Schließlich hatte ich vor Jahren auch einmal versucht einen Zusammenhang zwischen einem I-Pod und der Osterzeit herzustellen. Peinlich. Aber egal – ich komme mit mir seit Jahren gut klar und alles was nicht unmittelbar mit meinem körperlichen oder geistigen Wohlbefinden zu tun hat stufe ich als belanglos ein.

Wo sind wir nochmal stehen geblieben? Ach ja – Hausstrecke.

Also ich habe mich noch nie an einem Abend oder an einem freien Tag mit dem Motorrad auf den Weg gemacht in dem Gedanken: Ich fahre jetzt meine Hausstrecke.

Aber vielleicht ist das auch nur ein anderer Begriff für etwas, das man ganz intuitiv eben macht, wenn man ohne Ziel und ohne Plan einfach ein paar Kilometer unter die Räder nimmt und dann natürlich die Strecke wählt, die man gerne fährt. Sei es wegen der Kurven oder der Landschaft oder wegen der Schnittmenge aus vielen dieser positiven Gründe. Also Routen auf denen man sich wohl fühlt, Glück verspürt oder einfach nur mit sich und seiner Welt im Reinen ist.

Oh Mann – da habe ich ja eine wahnsinnig große Sammlung an Hausstrecken. Direkt vor der Haustür (also noch Haustür) und auch ziemlich weit entfernt. Routen, die einem derart in Erinnerung geblieben sind, dass man ganz klar weiß: Kommst Du hier nochmals hin, dann fährst Du die Strecke wieder. Einfach klasse!

So nehme ich für mein Leben gerne „zum Einrollen“ die L 149 von Waldrach nach Thomm. Erfahrene Anderstourenleser werden es wissen.

Genau wie die K 82 direkt im Anschluss von Thomm nach Fell. Die alte Bergrennstrecke, die auch schon zu Europameisterschaftsehren gekommen ist.

Dann sind es nur ein paar Kilometer bis zur K 85, die uns in Richtung Mehring bringt.

Ganze Bände könnte ich noch füllen, wie z. B. mit der L 29 von Salm nach Gerolstein oder der K 77 von Salm nach Birresborn.

Und wenn wir schon einmal hier sind nehmen wir doch gleich die L 16 von Mürlenbach nach Schönecken.

Apropos mit der Welt im Reinen und Glücksgefühle. Wenn ihr einmal in der Toskana unterwegs seid, dann sucht nach der SR 429 von Poggibonsi nach Castellina in Chianti. Knapp unter 20 km und sie sind so, dass Du den ganzen Tag damit verbringen könntest immer hin- und wieder zurückzufahren. Der Asphaltgewordene Motorradtraum.

Der Rabanalpaß in Spanien auf dem Weg zum Cruz de Ferro – wunderschön.

Die knapp 20 km von Ramsey zum Ortseingang von Douglas auf der TT-Strecke der IoM. Vorbei an so klingenden Streckenabschnitten wie Gooseneck, Guthrie`s Memorial, Bungalow oder Creg ny Baa. Immer mit dem Gefühl im Kopf auf „geweihtem Boden“ unterwegs zu sein, wo bereits Hailwood, die Dunlops und Flying Haggis „Hizzy“ Hislop im Renntempo entlang geschossen sind.

Und jetzt bin ich in Gedanken noch gar nicht in meinem geliebten Südtirol gewesen. Hier ist das Herz und der Kopf derart voll mit wunderschönen Strecken, dass ich tagelang schreiben könnte.

Nein – ich glaube ich habe keine Haus- oder Heimstrecke. Bei mir sind es wohl eher Herzstrecken. Und von denen habe ich mehr als genug. Ich hoffe ihr auch!

Ganz normal verrückt

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Ich muss schmunzeln. Da steht jemand vor mir mit seiner „Spezialuhr“ eines bekannten Obstherstellers. Strahlender Sonnenschein, lediglich einige kleine Schäfchenwolken zieren den blauen Himmel. Der besagte Mensch steht aber vor mir mit Regenjacke und Regenhose ausgestattet für die nun anstehende Joggingrunde im Wald.

Weit und breit sieht es nicht nach Regen aus, aber seine UHR sagt ihm, dass die Regenwahrscheinlichkeit hoch ist und wir unmittelbar mit einem Schauer rechnen müssen.

Aha und so, so.

Es regnet natürlich nicht und es wird eine schöne Laufrunde bei Topwetter. Besser geht es nicht.

Obwohl er am frühen Morgen putzmunter aus dem Bett aufsteht, sagt ihm der Blick auf seine Spezialuhr, dass seine Tiefschlafphase in dieser Nacht nicht ausreichend gewesen ist. Folglich kann er nicht ausgeschlafen sein, denn die Technik ist absolut unbestechlich, objektiv und nicht zu beeinflussen. Das ist tragisch, wenn der Körper oder das Teil zwischen den Ohren etwas Anderes signalisiert als die Technik uns mitteilt. Nein – eigentlich nicht. Tragisch oder besser komplett verrückt wird es erst, wenn wir uns davon beeinflussen lassen.

Ich muss lächeln. Wie kann man nur dermaßen bescheuert sein? Das würde Dir nie und nimmer passieren.

Oder vielleicht doch? Zumindest ein bisschen. Nein – ich habe nicht eine derartige Uhr. Okay – ich habe da so einen Chronometer, der mir beim Sport anzeigt ob mein Motor in den roten Bereich dreht.

Mein mentales Anzeigeinstrument ist schon seit Jahren mein Motorrad. Ob es mir gutgeht oder irgendwo eine geistige oder körperliche Unwucht vorhanden ist, das bemerke ich bereits bei der Ausfahrt aus der Garage. Ist alles gut und im grünen Bereich, dann funktionieren die Abläufe auf der Maschine locker, leicht und ohne Anstrengung. Weder körperlich noch geistig. Einfach auf unerklärliche Art und Weise in einem wunderbaren Fluss. Entspannung und Erholung pur. Ist aber irgendwo in dem System „Mensch“ ein Knick oder eine Macke dann geht es bereits um das erste Eck irgendwie steif und unharmonisch. Dann darf man nichts erzwingen. Man muss sich auch nicht in „Regenkombi“ auf die Maschine setzen, wenn es nicht nach Regen aussieht und auch die Schlafphasen sind eher Nebensache. Einfach locker bleiben oder eben die Lockerheit suchen. Auf die Abläufe konzentrieren, den Lenkimpuls sauber setzen und nach ein paar Kilometern sind wir wieder da wo wir hinwollen. An dem Punkt wo man nur bestätigen kann, dass zwei Räder eben deine Seele bewegen und vier lediglich deinen Körper.

Was mache ich jetzt? Hmm. Also ich lächle nicht mehr über jemanden, der seinen Körperfunktionen mittels einer Uhr überprüft und sich davon leiten lässt. Wenn er das machen möchte und es ihm gut tut, dann soll er dies tun. Schließlich habe ich als Therapeuten ein Motorrad, das mir anzeigt wie ich drauf bin. Und wenn man das „Sterblichen“ erzählt wird man de facto Kopfschütteln oder Schlimmeres ernten.

Also – ganz normal verrückt. Auch ganz schön. Hoffentlich hält der Zustand noch lange bei mir an. Ich komme gut damit klar und das muss mir keine Uhr anzeigen.

Auf und Davon

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Ja ich weiß – ich bin wieder bei meinen berühmten Sinnsprüchen. Der hier ist, so denke ich, für die aktuelle Situation wunderbar passend.

Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann auch Spuren hinterlassen.

Genau das haben wir vor. Den eigenen Weg zu gehen und auch unsere eigenen Spuren zu hinterlassen. Gar nicht missionarisch unter dem Hintergrund, das uns jemand hinterhergehen soll. Wer es aus eigenem Willen und aus tiefem Herzen möchte, der kann es natürlich tun.

Nein – es war nicht wie in den Auswanderer-Doku-Soaps im Privatfernsehen wo man Menschen mit 1.500,- Euro im Geldbeutel dabei beobachten kann, dass sie die Eröffnung einer Würstchenbude am Ballermann auf Mallorca für eine gute Idee und tragfähige Lebensalternative halten.

Gefühlt seit einer kleinen Ewigkeit fahren wir über den Brenner und haben das Gefühl „nach Hause“ zu kommen. Zuerst nur im Herzen und mit der Zeit dann auch im Kopf. Bei mir benötigt der Verstand immer eine Zeit bis er aus einer Einschätzung und Bewertung „Warum denn eigentlich nicht“ ein „Na klar – Was denn sonst“ macht.

Wir werden Deutschland den Rücken kehren und in unsere Wahlheimat des Herzens Südtirol ziehen. Das Ganze, wie es sich für euren werten Erzähler gehört, planvoll und wohl durchdacht. Zum Jahresende 2022 wird unser neuer Lebensabschnitt so vollzogen sein, dass der Heiligabend auf der Terrasse im Vinschgau stattfindet.

Oftmals hört man dann den Satz mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wenn bei uns ein Auge weinen sollte, dann vor Freude und Glück. Die zurückliegenden Tage und Wochen waren bereits geprägt davon vertraglich einiges klarzumachen sowie mit Firmen, Handwerkern usw. Kontakt aufzunehmen und Absprachen zu treffen.

Selbst dabei haben wir wohltuend festgestellt, dass wir auf eine komplett anders geartete Mentalität und Lebenseinstellung treffen. In den zurückliegenden Jahren haben wir in Deutschland bemerkt, dass scheinbar nur noch der berufliche Erfolg und die damit verbundenen Statussymbole zu zählen scheinen. Mein Haus, mein Boot mein Pool………….. Ganz häufig vermittelte einem das Gegenüber den Eindruck, dass auch eine nur kurze Abwesenheit seiner Person eine Unwucht in der Umlaufbahn des Planeten auslösen würde. Zumindest aber den Untergang des Abendlandes.

John Lennon soll angeblich seiner verdutzten Lehrerin in Kindertagen auf die Frage, was er denn einmal werden wollte, geantwortet haben: Glücklich.

Momentan beschleicht einen das Gefühl, dass ganz Deutschland bei einer derartigen Beantwortung der Frage ebenfalls verdutzt schauen würde. Und genau das ist mit ein Grund für unseren Schritt. Da trafen wir doch in Schluderns auf einen Fliesenleger, gebürtig aus Bamberg, der seit fast 30 Jahren in Südtirol sein Geschäft betreibt. Komplett in sich ruhend und geerdet, erkennbar tiefenentspannt ABER kreativ und lösungsorientiert bei der Arbeit. Trotz all seiner Arbeit war der Mann nicht gestresst und strahlte eine tiefe Zufriedenheit aus. Danke Stefan – wir werden mit Dir und deiner Nine T sicherlich die ein oder andere Runde in Zukunft drehen.

Ich könnte es jetzt so weiter fortführen mit so gut wie jedem der beteiligten Protagonisten, denn die Erlebnisse in der Raiffeisenkasse in Schlanders und seit Monaten mit unserem Bauleiter sind menschlich einfach ein Highlight.

Die Krönung ist dann noch, dass nur einen Steinwurf von uns entfernt ein deutsches Ehepaar wohnt, die zu Jahresbeginn 2021 den Schritt bereits vollzogen haben, den wir nun gehen werden. Es ist in jeglicher Beziehung bei jedem Zusammentreffen so, als ob wir in einen Spiegel blicken. DANKE Peter und Kerstin – wir freuen uns jetzt schon auf unsere gemeinsamen Abende auf der Terrasse bei Bergkäse, Kaminwurzen und der ein oder anderen Flasche Vernatsch oder St. Magdalener.

Und so habe ich in meinem Blog eine „neue Sparte bzw. Seite“ aufgemacht. Sie nennt sich zukünftig „Auf und davon“ und dort könnt ihr zunächst einiges über unseren „Wechsel“ lesen und später dann werden hier, wie bei den Anderstouren, einige schöne Motorradrouten, sowie Nützliches und Interessantes rund um das Thema Motorrad in Südtirol und dem angrenzenden Trentino, Belluno und Venetien veröffentlicht.

Ich freue mich schon auf den regen Austausch mit Euch.

Abseits der Massen

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Heute stelle ich euch mal wieder eine schöne Alternative zum üblichen Allerlei vor. Nein – es wird nicht für Jede/n etwas sein und das soll es auch nicht. Wer aber Landschaft liebt und mit Abgeschiedenheit außerhalb des großen Trubels klar kommt, der kommt hier und heute voll auf seine Kosten.

Los geht es mit einem letzten Blick in das sonnige Pustertal in Meransen von unserer Basisstation der Pension Sonnenhof bei Christian und Ulrike Unterkircher.

Kurvig rollen wir uns ein hinunter nach Mühlbach und in der Ortslage biegen wir direkt ab in Richtung Rodeneck / Nauders und damit jetzt schon weg vom üblichen Verkehr.

Unser Weg führt uns zu unserem ersten Fotopunkt am Parkplatz von der Platzer Alm und er erfordert unsere ganze Aufmerksamkeit. Die Streckenführung ist wunderschön und reizt dazu es zügig schwingen zu lassen. Aber Obacht – denn auch der Wanderbus nutzt diese Strecke hin zum Parkplatz und unser Weg ist schmal. Sehr schmal.

Dafür entschädigt uns der kurze Zwischenstopp mit einem schönen Ausblick und wer fußläufig ein paar Minuten in Angriff nimmt kann die Landschaft auf dem Hochplateau in vollen Zügen genießen.

Jetzt geht es abwärts – Beschilderung in Richtung Lüsen. Wir biegen aber vorher ab in Richtung Brixen ohne ins Zentrum der Bischofsstadt einzubiegen.

Wir wollen auf die SP 29 – das Würzjoch. Das Würzjoch verbindet das Lüsnertal mit dem Untermojtal und wir sind damit schon im ladinischen Sprachraum. Wer also in einer Hütte oder Gastwirtschaft die Worte „Ju de Börz“ aufschnappt, der weiß hiermit, dass vom Würzjoch die Rede ist.

Wir bauen aber heute noch einen kleinen Schlenker in die Runde ein, den ihr unbedingt mitnehmen solltet. Es gibt in Südtirol gewisse Stellen die man als Fotopause nutzen muss. Natürlich die Dreizinnen. Sicherlich auch die Cinque Torri und wer es denn unbedingt tun muss – die Grauner Kirche am Rechenpass. Aus meiner Sicht gehört das Ranuikirchlein „St. Johann“ mit den Geislerspitzen im Hintergrund einfach dazu.

Patron der Kirche ist der Hl. Johannes von Nepomuk und sie wurde 1744 erbaut. Der Blick ist derart, dass man davorsteht und sagt: Einfach schön.

Wir sind hier übrigens im Villnösstal, der Heimat von Reinhold Messner. Uns gefällt dieses abgelegene Tal sehr, weil es naturverbunden geblieben ist und sich dem Besucher eigentlich erst zu Fuß erschließt. Seilbahnen sucht man vergeblich und so hält sich der Touristenandrang mehr als in Grenzen. Ein wunderbares Tal mit herrlichen Ausblicken.

Jetzt aber wieder zurück auf unsere SP 29 und die Landschaft im Naturpark Puez Geisler genießen bis Antermoia und dann über den Furkelpass durch Enneberg nach Olang. Jetzt haben wir den Naturpark Fanes-Senes-Prags zu unserer Rechten.

Wer wie wir einen Hang zu den Räucherspezialitäten Südtirols hat, der macht kurz in der Metzgerei Mair in Olang Rast und deckt sich mit Kamin-, Hirsch- und Gamswurzen ein. Legt vielleicht noch ein Stück Hirschschinken oder Bresaola dazu und jetzt höre ich auf, da ich gerade massiv Kinnwasser bekomme.

Die Abgeschiedenheit haben wir jetzt hinter uns, denn wir sind auf der Pustertaler Straße, die das Tal von Brixen bis nach Lienz in Osttirol verbindet. Wir wollen nach Bruneck in das Messner Mountain Museum (MMM) Ripa. Nein – Ripa ist jetzt nicht ladinisch. Der Begriff ist tibetisch und steht für Bergbewohner (Ri = Berg und Pa = Mensch).

Das MMM befindet sich im Schloß Bruneck, das einstmals der Sommersitz der Bischöfe war. Reinhold Messner hat die Ausstellung den Bergvölkern aus aller Welt gewidmet und es ist mehr als beeindruckend. Man sollte es gesehen haben.

Wir haben Zeit gelassen im Museum und vielleicht auch noch einen Cappuccino in der schönen Altstadt genossen? Dann gehen wir auf die SS 49 die Pustertaler Straße und nehmen den direkten Weg zurück nach Meransen. Die anderen, deren Zeitfenster noch etwas hergibt, gehen auf die SP 89 und fahren über Pfalzen und Terenten hinunter nach Vintl und dann in die Pension Sonnenhof.

Nicht meine Schuld

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Es gibt schier unzählige Sprüche, die sich mit dem Thema Schuld befassen. Richtig gelungen finde ich folgenden: Mich interessiert nicht, wessen Schuld es ist, vor allem nicht, wenn es meine eigene ist.

Nein – ich werde mich diesmal nicht mit den Verhältnissen in Tirol und deren grenzdebilen Regelungen befassen. Das habe ich bereits in ausreichendem Maße erledigt. Es ist keiner Rede mehr wert oder fast keiner Rede.

Wir – und damit meine ich uns Motorradfahrer*innen, haben zukünftig wohl einige Baustellen vor uns, die bei näherer Betrachtung die Tiroler 95 db/A Regelung wie einen schmalen Bitumenstreifen auf der Ideallinie anmuten lassen. Ignorieren und drüber?

Da kommen jetzt überall flächendeckend auch gewisse Landesfürsten, bis hin zu besseren Gutsherrn, aus der Deckung und fühlen sich bemüßigt in Sachen Klimarettung, CO2 und Lärmbelästigung einen zum Besten zu geben. Ich möchte gar nicht in Abrede stellen, dass oftmals das ein oder andere Sinnvolle dabei ist, das durchaus einer Diskussion zugeführt werden müsste. In vielen Fällen wird aber auch nur einfach einem „neudeutsch“ Mainstream gefolgt, weil man damit ausgezeichnet Punkte beim Wahlvolk machen kann.

Da haben wir z. B. die aktuelle Geschichte rund um den Feldberg im Hochtaunuskreis. Hier soll es im kommenden Sommer sogenannte Lärmpausen geben. Hört – Hört! Warum Hört – Hört? Weil hier im Hochtaunuskreis scheinbar lediglich Motorräder Lärm verursachen. PKW mit Klappenauspuff-anlagen, Laubbläser und Rasenmäher scheinen dahingehend eher ein gesundheitsförderndes Klangbild an den Tag zu legen. Übrigens – bei früheren Gerichtsurteilen und richterlichen Entscheidungen lagen diesen jeweils der rechnerische Tagesmittelwert zu Grunde. Im Hochtaunuskreis dienten dieser behördlichen (nicht gerichtlichen) Entscheidung jetzt Messungen an zwei Tagen im Jahr 2019. Am 11. Mai und am 15. September. Das nennt man jetzt mal eine empirische Erhebung und ein belastbarer Datenbestand.

Der war jetzt gut – den habe ich gar nicht kommen gesehen. Selbst als Comedian kann man sich so etwas nicht einfallen lassen. Der Hochtaunuskreis kann es. Das war jetzt annähernd so gut wie anno Denkste die o. a. kurz erwähnte Erhebung in Tirol. Die hatte man genau an dem Wochenende vollzogen als in Garmisch die BMW-Days waren und der Durchlauf an Motorradfahrer*innen am Hahntennjoch überbordend hoch war, weil eine der Routenführungen eben hier am Joch entlanglief. Ein Schelm der Böses denkt.

So gaukelt man sich dann länderübergreifend hin zu Wunschergebnissen auf Grund von Analysen die jeglicher Grundlage entbehren. Vor der Bundestagswahl waren wir und der mit uns verbundene Lärm ja auch bereits in NRW Stein des Anstoßes und deshalb sollten wir aus gewissen Bereichen entfernt werden.

Nein Leute – ich bin kein Freund von lauten Auspuffanlagen. Auch kein Freund von sonstigem unnötigen Lärm. Ich bin aber ein Freund von einem fairen Umgang miteinander. Und Fairness in diesem Fall bedeutet für mich, dass bei einem Problem mit LÄRM auch den Fahrer*innen von lauten PKW, LKW oder sonstigen Vehikeln die Nutzung der jeweiligen Straße untersagt werden sollte.

Wahrscheinlich ist dies mittels eines einfachen Verkehrsschildes nicht zu gewährleisten. Also sollte die Rennleitung dann dort stehen und DIEJENIGEN herausfiltern, die ihrer Umgebung „auf den Sack gehen“. Ich entschuldige mich umgehend für diese harte Formulierung. Das wiederum ist personell nicht zu gestalten, weil man diese Rennleitung seit Jahren „kaputtgespart“ hat. Okay – jetzt könnten wir uns wahrscheinlich an dem roten Faden oder Sparstrumpf der öffentlichen Verwaltung in Deutschland entlanghangeln und treffen permanent auf eben dieses Problem, das wir aber nicht zu dem unsrigen machen sollten.

Warum nicht? Ich komme mal wieder mit einem orthopädischen Beispiel, also einem Beispiel das hinkt, aber wahrscheinlich das Problem, überspitzt dargestellt, verdeutlicht.

Ich habe ein Kaufhaus, welches auf Grund des tollen Warenangebotes gut besucht ist und täglich zwängen sich konsumfreudige Besucher durch die Regale. Jetzt kommt es vermehrt zu Ladendiebstählen, die mich natürlich als Besitzer massiv verärgern. Was mache ich jetzt? Schließe ich etwa mein komplettes Kaufhaus? Keine Besucher – keine Käufer – keine Ladendiebstähle – Problem gelöst! Stopp – jetzt auch kein Umsatz mehr – das ist doof. Also nicht die Lösung.

Ich habe festgestellt, dass nur ein ganz bestimmter Personenkreis in meinem Geschäft „klaut“. Sagen wir einmal die „Jüngeren“. Also verbiete ich kraft Hausrecht den „Jüngeren“ den Einlass in meinem Kaufhaus. Auch doof – weil ja nicht all die „Jüngeren“ gestohlen haben sondern lediglich ein kleiner Prozentsatz. Will ich wirklich all die „Jüngeren“ als Kunden verlieren?
Es bleibt nichts anderes übrig – ich muss zunächst etwas Geld in die Hand nehmen. Ich installiere einige Überwachungskameras mehr – die Kundschaft weiß ohnehin dass sie beobachtet wird. Meine zusätzlich eingestellten Ladendetektive schleppen den ein oder die andere Diebin vor den Kadi und das schreckt auch noch mögliche Aspiranten ab, die mit dem Gedanken gespielt haben etwas mitgehen zu lassen.

Beispiel beendet und wunderbar auf ALLE unsere Problemstellen in Deutschlands Zweiradregionen übertragbar. Auch auf die 4-rädrige Kundschaft.

Wir – die oftmals leider schweigende Mehrheit – könnten, metaphorisch gesehen, weiterhin in unserem Kaufhaus bummeln gehen und die wundervollen Auslagen genießen. Diejenigen, die Regeln eben nicht einhalten möchten, zahlen dafür die Quittung. Da SIE ja auch die Zielgruppe sind, die zahlen sollten, weil sie etwas verbockt haben, stellt es für mich kein Problem dar.

Das Kernproblem an unserem menschlichen Miteinander ist nämlich mittlerweile, dass viele Menschen ganz genau wissen, was man ihnen schuldet, aber keinerlei Empfinden dafür haben was sie den anderen und ihrer Umgebung schulden.

Das ist aber KEINE Einbahnstraße und setzt voraus, dass man miteinander und nicht übereinander redet. Und bei einer anschließenden konsensfähigen Lösung darf niemand als Gewinner vom Tisch aufstehen, denn sonst hat das Gegenüber das Gefühl der Verlierer oder die Verliererin zu sein. Alle Beteiligten müssen aufeinander zugehen und einsehen, dass da gegenüber nur einer sitzt mit einer anderen Meinung und kein Feind.

Ich setze mich gerne an eine solchen Tisch. Gleich vorneweg die Vorwarnung – ich bin kein leichter Gesprächspartner, insbesondere dann nicht, wenn das Kernproblem nicht meine Schuld ist. Aber ich akzeptiere eine andere Meinung, auch wenn sie mir nicht gefällt.

Nur wer sein Ziel kennt findet auch den Weg

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Spätestens seit meinem Bericht über das LM 390 wisst ihr ja, dass ich ein Fan der Produkte von Garmin bin.

Glaubensbekenntnis ODER „konvertiert“ von der Karte zum Garmin LM 390 | flyinghaggisdotnet

Jetzt hängt, wie ihr wisst, ein neues Garmin XT in meiner Halterung an unserer „Sissy“ und weist mir neuerdings den Weg.

Bevor wir in Sachen der Benutzeroberfläche des XT einsteigen direkt der erste Punkt, der mir ein breites Lächeln in das alte Gesicht getrieben hat. Euer werter Erzähler hat von Jugendzeiten an einen Faible für topographische Wander- oder Landkarten. Natürlich reine Geschmackssache aber ich fühle mich einfach direkt bei der Ansicht wohl und mir fällt die Orientierung leichter. Das Garmin XT hat die Option von der üblichen Vektorkarte in die topografische Variante umzusteigen. Ich finde das klasse – das ist mein favorisiertes Kartenbild!

Das Garmin XT verfügt über ein helles, gut ablesbares 5,5 Zoll Display, bei 1280 x 720 Pixel. Das Gerät ist nach dem Military grade 810 G drop test standard (MIL-STD-810G), einer US-amerikanischen technischen Militärnorm getestet und zertifiziert. Ich bin jetzt nicht der Riesenfan der US-Army, aber wenn ein technisches Gerät dieser Norm entspricht, dann kann man davon ausgehen, dass es durchaus als robust durchgeht. Die von Garmin verbesserte Software des XT machen es möglich, dass die Prozessorleistung des Dual Core mit 1,3 GHz gesteigert wurde. Zügig erfolgen jetzt die Berechnungen und auch Neuberechnungen bei Verlassen einer Route. Kein Vergleich mehr mit meinem alten 390er, das immer einige Gedenksekunden benötigt hatte.

Der Menüpunkt der POIs, der interessanten Punkte, ist um einige für Reisende oder speziell Motorradreisende, sinnvolle Punkte ergänzt. Haben wir noch keine Zwischenstation gebucht oder sind unterwegs aufgehalten worden? Kein Problem – über die POIs haben wir Zugriff auf TripAdvisor und finden eine passende Übernachtungsörtlichkeit. Die Motorrad-POIs weisen uns den Weg zu naheliegenden Händlern etc. Aus meiner Sicht gut gemacht und sinnvolle Ergänzung, wenn man im „Niemandsland“ unterwegs ist und keinerlei Ortskenntnis besitzt.

Apropos POIs. Die Nutzer alter Garmin Zumos kennen noch das Problem, dass man bei den „ersten Gehversuchen“ in Sachen Routenplanung und Zielorteingabe hatte. Da will man einfach nur zentral in einen Ort einfahren und das Zumo verlangte eine „Straßenangabe mit Haus-Nr.“. Bei den älteren Zumos ging man dann den Umweg über die POIs und arbeitete sich abwärts bis zum Untermenü „Städte“. Dann war der Drops gelutscht und man fuhr einfach in die Ortslage als Ziel oder Zwischenziel. Bei unserem aktuellen XT ist das Ganze benutzerfreundlicher. Nach Eingabe der Ortschaft erscheint die Meldung: Weiter ohne Straße/Hausnummer. Das war es dann schon und wir haben die Eingabe erledigt.


Bei den älteren Garmin-Navigationsgeräten gab es die Option der „kurvenreichen Strecke“. Dies konnte durchaus einmal zu skurrilen Routen führen und man fand sich plötzlich in einem Wohngebiet wieder, weil die Strecke eben kurvenreicher war als die parallel verlaufende Landesstraße. Meistens funktionierte diese Variante aber durchaus zufriedenstellend.

Beim neuen XT nennt sich das Abenteuer- oder Adventurous Routing. Wir finden diese Option unter den POIs, also den interessanten Punkten und haben da ein kleines Symbol, welches an Berge und eine kurvige Strecke erinnert.

Aktivieren und dann mittels des Schiebereglers die Route je nach Wunsch, also dem kurvigen Charakter der Strecke, nachjustieren. Versucht die Variante einfach zunächst auf einer euch bekannten Route zwischen zwei Punkten und testet die Variante aus. Steht der Regler auf Maximum werdet ihr überrascht sein welche Straßen das Garmin findet und für eine kurzweilige Route sorgt. Gute Sache und sinnvolle Weiterentwicklung der früheren Variante „kurvenreiche Strecke“.

Eine schöne Ergänzung ist auch die Option BirdsEye. Hier kann man auf die entsprechenden Satellitenbilder des aktuellen Standortes umschalten.

Wer jetzt überhaupt keine Lust hat sich mit seiner Umgebung, z. B. auf einer Urlaubstour in fremden Gefilden, auseinanderzusetzen und einfach auf`s Geratewohl losfahren möchte, für den hat das XT auch eine Option. Die Rundtour.

Im Hauptmenü gehen wir bei den Apps auf das Untermenü Rundtour und wählen einen Startort. Dann gehen wir auf „OK“ und suchen uns, die von uns gewünschten, Tour-Attribute aus. Soll heißen – Was ist uns bei unserer Rundtour wichtig? Die Distanz – die Dauer – oder das Ziel? Wenn wir die Distanz oder die Dauer ausgesucht haben gehen wir auf „Fertig“. Bei Auswahl des Ziels auf „OK“. Jetzt noch die Richtung in die es gehen soll auswählen, dann erneut auf „Weiter“ und im Anschluss auf „Berechnen“.

Mit dem Schieberegler von dem o. a. Adventurous Routing können wir jetzt unsere Rundtour noch kurviger oder hügeliger gestalten und mit der Option „Los“ können wir uns in der Praxis anschauen was jetzt unser XT für eine schöne Route generiert hat.

Da mir die Routenplanung mit BaseCamp annähernd so viel Spaß macht wie die eigentliche Tour ist dieser Rundtourmodus für mich eine witzige Sache, aber wahrscheinlich werde ich ihn persönlich eher selten nutzen.

Ach ja – wir haben unser Garmin XT noch gar nicht mit unserer Sprechanlage am Helm verbunden. Also – die Sprechanlage am Helm entsprechend der Betriebsanleitung aktivieren. Beim Garmin XT über die Einstellungen in die Option der drahtlosen Netzwerke gehen und bei Bedarf das Kontrollkästchen „Bluetooth“ aktivieren. Nun „nach Geräten suchen“ anklicken und danach dann beide Geräte miteinander koppeln. Fertig ist die Laube und wir hören die Dame von Garmin auch im Helm.

So das war es jetzt zunächst einmal mit den Grundzügen in Sachen Garmin XT. Wer noch Fragen hat – gerne melden. Wer noch aus seiner Sicht wichtige Ergänzungen hat – einfach bei den Kommentaren hinterlegen. Für mich ist das Garmin XT zurzeit DAS MOTORRADnavigationssystem.

Oh Herr gib mir Halt

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Und so begab es sich im Jahre des Herrn 2021, dass mein so heißgeliebtes Garmin 390 in einen vorgezogenen Ruhestand trat und keinerlei Befehle mehr annehmen wollte. Diese unschöne Art der Arbeitsverweigerung nahm ich zeitnah zum Anlass eine Neuanschaffung in Angriff zu nehmen.

Auf Grund der Infos und der Begeisterung von Heinrich Wack, dem absoluten Navigations-Papst, wurde ein Garmin XT angeschafft. Da die alte Grundhalterung des 390er nicht auf das neue XT passte, wurde die grundsolide Halterung der Firma Touratech gleich mitgeordert.

Also schauen wir uns das gute Stück einmal genauer an. Massiv gearbeitet, passgenaue Aufnahme für das Navigationssystem, natürlich abschließbar, rundum gut gemacht.

Wo ist jetzt das Problem? Das Problem liegt an der eigentlichen Befestigung an unserer „Sissy“, also sozusagen an der „Schnittstelle“ der Halterung zum Motorrad.

Diese, ich nenne sie jetzt einmal Querverstrebung von KTM, ist ziemlich fragil und wohl nicht gemacht für einen etwas schwereren Navihalter, wie den von Touratech. Der hängt jetzt zwar im Stand wunderbar im Blickfeld, wackelt aber sobald sich die Maschine in Bewegung setzt wie der sprichwörtliche Lämmerschanz. Nicht der Sinn der Sache, komplett nervig und man läuft Gefahr, dass sich das teure Navi samt Halter irgendwann auf der Fahrt ungewollt selbständig macht. Arrivederci und Tschüss.

Also ging euer werter Erzähler auf die Suche nach einer adäquaten und soliden Lösung. Fündig wurde man mal wieder bei Touratech. Aufgepasst – auf der Webseite ist der Halter für die Baureihe der Superadventure ab 2021 ausgewiesen. Dies mit recht, denn die Baujahre ab 2017 haben eine in Nuancen anders aufgebaute Frontverkleidung im Bereich der Verkleidungsscheibe. Das bedeutet jetzt Hand anlegen wie bei Jean Pütz in der Hobbythek: „Ich habe da etwas vorbereitet.“

Oder – man hat jemanden zum Handanlegen. Danke Anton und an das Team um Bodo Schmidt in Schmelz.

Montiert wird die Verstrebung unter dem schönen TFT-Display und damit hat das gute Stück jetzt den Halt, den man benötigt um den schönen eigentlichen Navihalter stabil zu montieren. Nichts wackelt, nichts vibriert, bombenfest.

So die Verfahrensweise ab Baujahr 2021. Bei der Baureihe ab 2017 heißt das, die Kunststoffverkleidung leicht einschneiden, damit der Halter dann sauber über dem TFT-Display sitzt.

Die seitlichen „Backen“ des Navihalters greifen über Federdruck an den Rahmen des Garmin XT und arretieren das Navi nahezu narrensicher.

So unwegsam kann eure Routenführung gar nicht sein, dass sich jetzt das Navi noch selbständig macht. UND – es liegt sauber genau im Blickfeld.

Zum Garmin XT kommen wir in einem späteren Bericht.