Einfach einfach!

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Motorradtouren müssen bei mir Spaß machen und im Inneren Freude hervorrufen. Ich halte es da mit dem alten Leonardo da Vinci, der einmal gesagt haben soll: Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung. Natürlich sagte der Gelehrte dies in einem anderen Zusammenhang. Mir ist bis dato nämlich nicht bekannt ob Leonardo Motorrad fuhr. Komplett unwahrscheinlich erscheint es mir aber bei diesem Genie nicht.

Aber jetzt bin ich mal wieder vom eigentlichen Thema abgekommen. Wo wollte ich denn eigentlich hin?

Jetzt habe ich es wieder. Gerade zu Saisonbeginn sollte man es entspannt angehen lassen. Nichts was uns überfordert oder ein anstrengendes Kriterium beinhaltet, stattdessen komplett entspannt durch die Kurven schwingen und die Gegend genießen. Wenn dann noch die ein oder andere schöne Pausenstation hinzukommt wird die Tour zum Lottogewinn mit Zusatzzahl. So machen wir das heute.

Wir starten in Bozen und fahren hinein in das Sarntal, vorbei an der Burg Runkelstein in Richtung des Penserjoch.

Kennt IHR das eigentlich auch, dass ihr bei gewissen Strecken oder Zielen eine gewisse Fahrtrichtung favorisiert? Bei mir ist das z. B. beim Penserjoch so. Eigentlich fahre ich es lieber aus Richtung Sterzing kommend und dann, wie bei einem Abfahrtslauf den Zielhang hinabrutschend, durch das Sarntal nach Bozen. Heute also einmal umgekehrt und die Perspektiven aus dieser Richtung genießend.

Das Sarntal hat noch etwas Ursprüngliches und ist noch nicht touristisch überlaufen. Flächenmäßig sind wir hier in der größten Gemeinde Südtirols. Wir gleiten jetzt erst einmal stressfrei an der Talfer entlang hinauf auf das Penserjoch mit seiner Höhe von 2.211 m. Also gute 100 m höher als sein, um einiges stärker frequentierter, Nachbar der Jaufenpass.

Ein schöner Aussichtsberg – also erst einmal Panorama genießen und die üblichen Erinnerungsfotos schießen.

Dann geht es abwärts in Richtung Sterzing, dem Einfallstor nach Südtirol, wenn man aus Richtung Brenner kommt. Wie ihr aus vorangegangenen „Anderstouren“ wisst kann man in Sterzing durchaus auch eine kleine Rast einlegen und dies mit einer Nahrungsmittelaufnahme verbinden. Die kleine gemütliche Fußgängerzone lädt dazu mit seinen Restaurants und Cafes ein.

Unser Runde führt uns nun ins Pustertal. Aber nicht auf der SS 49, welche die Region mit Osttirol im angrenzenden Österreich verbindet. Das ist die Haupttransferroute und meistens hoffnungslos überlastet. Braucht kein Mensch.

Also nichts wie weg und ab Vintl hinauf auf die Pustertaler Sonnenstraße. Kaum länger als die Strecke im überlaufenen Tal der Rienz verläuft die Sonnenstraße auf der Höhe über Terenten und Pfalzen bis nach Bruneck, bietet uns die gewünschte Ruhe, die namensgebende Sonne und schöne Ausblicke.

Wer hier möchte kann noch einen kurzen Abstecher ins Zentrum von Bruneck machen. Bummeln in der Altstadt oder auch das Messner Mountain Museum Ripa besichtigen.

Der Rest begibt sich einfach direkt auf die SS 244 in Richtung Corvara und Dolomiten. Unsere Route verläuft zunächst schön kurvig durch das Tal, welches die „Einflugschneise“ zur Sella Ronda ist.

Da wollen wir aber heute gar nicht hin. Uns ist ja nach ruhigem und entspannten Einrollen in die Saison. Deshalb biegen wir auch in St. Martin in Thurn ab in Richtung Antermoia und dem Würzjoch.

Ich mag das Würzjoch. Etwas abseits von den üblichen Verdächtigen der Dolomitenpässe hat sich der Ju de Börz, wie das Würzjoch auf ladinisch heißt, noch seine Gemütlichkeit bewahrt.

Insbesondere in dem Streckenabschnitt von der Passhöhe hinunter in Richtung Villnösstal. Auf der Passhöhe machen wir die üblichen Fotos, legen aber hier keine größere Pause ein.

Das machen wir knappe sechs Kilometer später in der Haslhütte. Hier sitzen wir gemütlicher, ganz ohne Trubel, dafür aber mit perfekter Verpflegung und nettem Service.

Wir sind jetzt hier im Naturpark Puez Geisler. Die namensgebenden „Geislerspitzen“ sehen wir aber bald bei unsere Abfahrt ins Tal zu unserer Linken. Wenn wir die ersten Bauernhöfe an unserer Strecke sichten, können wir einen Fotohalt einlegen. Der wunderbare Blick auf die Geislerspitzen und das Ranuikirchlein sollte verewigt werden.
Apropos verewigen. Das tun mittlerweile seit geraumer Zeit „Horden von asiatischen Touristen“ unten im Villnösstal und lassen dabei jegliche Rücksicht und Anstand vermissen. Irgendwie scheint man diese herrliche Gegend für eine Filmkulisse zu halten und denkt überhaupt nicht mehr daran, dass hier Menschen leben und sowohl mit als auch auf den Feldern ihren Unterhalt verdienen. Also am besten oben auf der Straße, wie beschrieben, Halt machen und ein Foto schießen.

Dann geht es für uns weiter ins Eisacktal, an Klausen vorbei und dann bei Waidbruck wieder hinauf auf die Höhe, grobe Richtung Rittner Horn.

Der „leicht schiefe“ Turm der Kirche ist das Wahrzeichen von Barbian und von hier hat man wieder einen schönen Blick in Richtung Seiser Alm und Dolomiten.

Ihr wisst ja mittlerweile, dass eine schöne Motorradtour bei mir auch immer etwas mit einer oder auch gerne mehreren guten Einkehrstationen zu tun hat. Diese guten Plätze haben oftmals eines gemeinsam. SIE liegen nicht unmittelbar an der Route, sondern gerne auch einmal etwas abseits, wo man seine Ruhe hat und nicht JEDER eine Pause einlegt. So ist es auch jetzt, denn in Lengstein biegen wir links ab und fahren auf einer komplett abgelegenen Strecke zum Zunerhof.

Und schon haben wir es wieder! Traumhafte Aussicht, die Ruhe und eine gemütliche Gaststätte mit ursprünglichem Charme und obendrauf noch exzellente Verpflegung. Also – Pause ist angesagt und die Seele baumeln lassen.

Irgendwann rollen wir dann auf unserem kleinen „Abstecher“ wieder zurück auf unsere Strecke in Richtung Lengmoos und Ritten, wo die Bozener bei sommerlicher Hitze ihre Sommerfrische verbringen.

Die Landeshauptstadt Bozen sehen wir schon von unserer Höhe aus mit dem Blick in Richtung Süden und das Etschtal.

Gleich haben wir unsere Einführungsrunde in die Saison 2026 erledigt. Hinein nach Bozen und dann lassen wir unseren Tag im „Batzenbräu“ ausklingen. Wer sich bislang noch nicht verpflegt hat, der kann es hier bei guter regionaler Küche, bis hin zu Spareribs, Batzenburger oder Künstlerpfanne tun. Dem Motto des „Batzenbräu“ hinsichtlich der Bekämpfung von Durst kann ich nichts mehr hinzufügen. Es treibt mir immer ein Schmunzeln ins Gesicht.

Viel Spaß beim Nachfahren und immer daran denken: Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung!

Paradise by the Dashboard Light

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Ich war gefühlt schon immer Fan von Meat Loaf und JA – mir ist bewusst, dass der Liedtext von Meat Loaf definitiv einen „anderen Hintergrund“ hat, als mein aktueller Artikel.

Aber irgendwie kam mir der Titel sofort in den Sinn, als es um das Drive Mode Dashboard (DMD) und seine aktuelle Variante das DMD 2 ging.

NEIN – ich habe mein geliebtes Garmin XT nicht auf den elektronischen Müll geworfen. Aber in gewissen Dingen halte ich es gern mit einem chinesischen Sprichwort:

Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.

Also schauen wir uns einmal das DMD 2 an und dann kann jeder für sich entscheiden ob dieses „umfassende Armaturenbrett“ etwas für IHN ist.

DMD 2 funktioniert auf jedem Androidgerät. Es gibt natürlich speziell für die Navigation auf einem Motorrad entwickelte Geräte. Entweder in Form eines Tablets, welches dann natürlich eine größere Darstellung ermöglicht, oder in Form eines Smartphones.

Beide sind dann natürlich in einer „robusteren Ausführung“ als handelsübliche Geräte für den „Hausgebrauch“. WEIL – Fahren mit einem Motorrad erzeugt Vibrationen und bei Regenfahrten sollten die Geräte wasserdicht sein.

Der erste Blick auf die Benutzeroberfläche offenbart: Im Grunde genommen alles so wie bei einer App auf einem normalen Handy.

Wir öffnen also über das Zahnradsymbol die Einstellungen und passen diese zunächst nach eigenem Gusto an. „Grün“ beruhigt die Augen, also ist die Farbeinstellung der Schrift bei mir Grün.

Ihr könnt unterschiedliche Profile einrichten und diese dann euren Fahrzeugen zuordnen. Vielleicht ganz praktisch, wenn man außer einem Straßenmotorrad noch einen „Matschbagger“ bewegt oder ein Quad und dann das Profil individuell auf das Fahrzeug anpasst.

Ursprünglich ist DMD 2 nämlich aus der Offroad-Szene entstanden und insofern orientieren sich viele Optionen an den Erfordernissen dieser Zielgruppe.

Über die Quelle Basiskarten könnte ihr die für euch erforderlichen Karten herunterladen. Diese sind absolut ausreichend und wirklich in einer guten Qualität. Wie üblich besteht auch die Möglichkeit sich interessante Punkte wie Unterkünfte, Motorrad-Werkstätten, Restaurants etc. anzeigen zu lassen.

Das Dashboard offeriert noch die Option mittels eines, ich nenne es jetzt einmal Schnellzugriffs, auf individuell ausgewählte Apps zugreifen zu können.

Immer im Hintergrund behalten – DMD 2 ist kein reines Navigationssystem, sondern eine App, welche auf einem Androidgerät arbeitet. Man kann das Ganze immer derart nutzen wie ein „normales Tablet“ oder Smartphone.

Interessiert mich unterwegs die aktuelle Wetterlage? Dann setze ich in eines der Fenster eine Wetter-App und kann während der Navigation nachschauen wie sich voraus das Wetter entwickelt. Ich finde diese Möglichkeiten ausgesprochen praktisch.

Aber navigieren können wir natürlich auch. Grundeinstellungen bei der Planung sind die Optionen: Road, Road Fun und Off-Road. Bei Off-Road noch die Unterteilung in Einfach, Mittel und Schwer.

Bei der Planung kann man dann auch durchaus wechseln und bis zu einem Punkt die Road oder Road Fun Variante nutzen, um danach dann in einen der Modi Off-Road zu wechseln, respektive anschließend wieder zurück.

Die Farben der auf den Karten angezeigten unbefestigten Wege sagen Dir dann bei der Planung ob die Route eher einfach oder schwieriger vom Straßenbelag ist.

Beispielhaft habe ich auf dem folgenden Screenshot einmal den „Asphalt“ auf der Streckenplanung verlassen und bin auf „Wanderwegen“ weiter zum Drachen von Magrè gefahren. Real tun wir dies an besagter Örtlichkeit natürlich nicht, weil wir ja am guten Ruf der Motorradfahrer arbeiten.

Wenn wir auf einen gewünschten Punkt der Strecke länger drücken, mit dem Finger oder dem Markierungsstift, dann öffnet sich ein Fenster und man kann diesen Punkt abspeichern und auch dauerhaft anzeigen lassen. Ganz nett, wenn man z. B. eine Gaststätte hat, die man auf seinen Touren häufiger zur Einkehr und Pause nutzen möchte. 

Sind wir fertig mit unserer Planung, dann können wir dies als Route oder Track abspeichern. Bei Basecamp habe ich immer die Variante Route favorisiert. Bei DMD 2 rate ich unsere Planung als Track abzuspeichern.

Warum? Der Track ist unveränderbar und in der Praxis bei unserer Tour kommt unser Navi nicht auf die Idee unsere mühsam erarbeitete Tour, auf Grund irgendeines Algorithmus, plötzlich abzuändern.

Kommen wir wegen einer Umleitung, Baustelle oder was auch immer von unserem geplanten Track ab, so ist dieser weiterhin sichtbar und unsere Abweichung wird mittels einer, ich sage mal „Linie“ die Verbindung zum Track hält, dargestellt. Ich sehe also wie ich nun in der Folge fahren muss, um wieder auf meinen geplanten Track zu gelangen.

Apropos – fast vergessen. Beim Abspeichern des Tracks (oder der Route) können wir natürlich auch, wie bei Basecamp, die angezeigte Farbe nach eigenem Gusto abspeichern.

Praktisch ist auch noch der DMD Hub, wenn man häufiger seine geplanten Tracks oder Routen mit anderen Nutzern austauschen möchte. Wenn diese auch im Hub angemeldet sind, dann schaltet man sie einfach frei und sie haben Zugriff auf die jeweilige betreffende Strecke. Gute Sache.

Das soll es jetzt erst einmal gewesen sein in Sachen Einführung DMD 2. Ich werde jetzt nicht mein Garmin XT auf den Elektromüll werfen. ABER – wenn das gute Garmin XT den Weg alles Weltlichen gegangen ist, dann schaue ich bei den Produkten von Thorkracing rein und werde mich dort entsprechend ausstatten. DENN – zugrunde legend, dass man es dann nicht nur mit einem Smartphone oder Tablet zutun hat, sondern auch mit einem robusten Gerät, welches außer den alltäglichen Dingen wie telefonieren, E-Mails etc. auch noch Motorradnavigation selbst im Grenzbereich kann – sind die Preise mehr als gerechtfertigt.

Und da die letzten Änderungen bei Basecamp hin und wieder „Verschlimmbesserungen“ beinhaltete ist DMD 2 für mich eine richtig gute und praxisnahe Alternative. Ich, für meinen Teil, arbeite aktuell bei meiner Tourplanung zweigleisig und schaue mir dann, in der Praxis, auf der Tour an was ich besser finde.

Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Toskana – die Herzensregion auf „Durchreise“

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Gefühlt ist die Toskana „DIE Herzensregion“ deutscher Urlauber in Italien. Die Landschaft an sich, die vielen pittoresken Orte, die offenherzigen Menschen und nicht zuletzt die gute Küche sind da sicherlich die tragenden Aspekte.

Die schönen regionalen Sprichwörter, dass man bei Tisch nicht altert oder „besser trüber Wein als klares Wasser“ zaubern mir unmittelbar ein Lächeln ins Gesicht. Lebensart und Gefühl kommen im deutschen Alltag eben eher seltener vor.

Urlaub kann man in der Toskana wochenlang machen, ohne dass man ALLES Sehenswerte gesehen hat. Deshalb kümmern wir uns heute um eine Variante.

Wo kann ich bei einer Rundreise durch Italien, einer Anfahrt oder Rückfahrt, die Toskana mit einbauen und habe dabei möglichst viel der vielseitigen Region gesehen und erlebt? Auf geht`s!

Beginnen wir unsere Tour am Bolsenasee, also lediglich 90 km nördlich von Rom.

Alte Leser wissen, dass wir ursprünglich aus der Region Trier stammen und die Eifel häufig unser Ziel mit dem Motorrad war. Also auch die dortigen Maare. Der Bolsenasee ist ähnlich aber um einiges größer als die Eifelmaare was seinen Umfang angeht. An seiner tiefsten Stelle ist er ca. 150 m tief und hat einen Umfang von 43 km.

Sitzt man an einer der schönen Terrassen am See kommt fast so etwas wie Strandgefühl am Meer auf oder zumindest am Gardasee. Der Lago di Bolsena hat seinen ganz eigenen Charme.

Aber wir wollen ja heute auch noch die Klischees der Toskana bedienen. Keine 40 km müssen wir dafür zurücklegen und haben einen Ort erreicht, der auf alle Fälle diese Klischees erfüllt.

Pitigliano ist u. a. bekannt für seinen preisgekrönten „Bianco di Pitigliano“, einen regionalen Weißwein und die Süßspeise Sfratto (längliche Teigrolle mit einer Füllung aus Honig, Nüssen und Zimt). Einmalig ist die Lage des Ortes hoch erhoben auf einem Felsen aus Tuffstein. Auf den ersten Blick könnte man Pitigliano für eine Filmkulisse halten. Von einer Kulisse ist Pitigliano aber weit entfernt. Hier pulsiert die italienische Lebensart. Also genehmigen wir uns auch einen Espresso und frischen unsere Erinnerungen im Herzen mit einigen Fotos auf.

Weiter geht es in Richtung Norden. Wie war das noch zu Beginn? Toskana die Herzensregion der Touristen? Es gibt wohl kaum einen Reiseführer, der nicht mit den wunderschönen Fotos der Zypressenalleen aufwartet.


Auf unserem Weg nach Pienza auf der SR 2 im Val d`Orcia machen wir deshalb einen Fotostopp am Agriturismo Poggio Covili. Die kleine Straße hinauf zum etwas exponiert liegenden Agriturismo ist gesäumt von Zypressen und gibt ein traumhaftes Fotomotiv ab. Noch mehr Klischee geht eigentlich nicht. Schön ist es aber trotzdem und lässt den Betrachter mit einem Lächeln zurück.

Weiter zum nächsten Ort, den man sich unbedingt ansehen sollte, verbunden mit einem Bummel in der Altstadt und einem Espresso. Wir sind in Pienza. Die Stadt hat eine bewegte Historie. „Unser Kaiser“ Friedrich II., dessen Castel Monte wir uns ja bereits angeschaut haben, hatte die Familie der Piccolomini 1220 mit der Region um Pienza belehnt. Diejenigen unter uns, die „ihren Wallenstein“ gelesen haben, können mit dem Namen Piccolomini etwas anfangen.

Abgesehen von der wunderbaren Aussicht in das Hinterland ist der Dom von Pienza auf alle Fälle noch ein Fotomotiv wert.

Apropos Fotomotive und Filmkulissen. Rund um Pienza wurden einige Filmszenen des bekannten Hollywoodfilms „Gladiator“ mit Russel Crowe gedreht. Bei unserer weiteren Route fahren wir an der Fattoria Poggio Manzuoli vorbei. Die Fattoria stellte im Film das Haus von „Maximus“ dar.

Weiter geht es auf ziemlich direktem Weg in Richtung Siena. Links und rechts unserer Route wären natürlich alternative Traumstrecken und Fotomotive en masse, aber uns geht es ja heute um eine „ziemlich direkte“ Route durch die Toskana OHNE viel Aufwand als Transferstrecke.

Also über die Via Cassia weiter nach Norden und Siena. 2008 hatte hier auch Daniel Craig als James Bond in „Ein Quantum Trost“ Halt gemacht. Irgendwie weiß der britische Agent wo es schön ist. In Matera ist er uns kürzlich auch schon begegnet.

Siena ist im Grunde genommen das „stadtgewordene Sinnbild“ der Toskana. Die berühmte Piazza del Campo wo das nicht minder berühmte Pferderennen Palio der Stadtviertel Sienas stattfindet. Der beeindruckende Turm als Zentrum des Platzes und der Dom mit seinen wunderschönen Mosaiken.

Jede Gasse ein Fotomotiv – einfach wunderschön.

Aber wir sind ja nur auf Durchreise. Also weiter auf unserem Weg zum nächsten Höhepunkt, den man auf unserer Route bereits von weitem erkennt. Auf nach San Gimignano der Stadt mit den weltbekannten Geschlechtertürmen.

Ganz nebenbei auch noch mit einer „Weltklasse-Eisdiele“ am Marktplatz. Und so schlendern wir mit einem Gelato in der Hand durch die pittoreske Altstadt.

Bei unserer weiteren Route driften wir leicht ab in Richtung Mittelmeerküste, lassen das ebenfalls schöne und sehenswerte Volterra links von uns liegen und fahren nach Pisa.

Schließlich wollen wir auf unserer „Durchreise“ durch die Toskana auch sämtliche Klischees erfüllen und da darf der Campanile in Pisa nicht fehlen.

Also in unmittelbarer Fotodistanz zum „schiefen Turm“ die Maschine auf einem Rollerparkplatz abgestellt. Hier nochmals Dankeschön an die Polizia Locale von Pisa und dann die obligatorischen Fotos vom Campanile und Baptisterium geschossen.

Jetzt haben wir nur noch knappe 20 km bis zu unserem heutigen Endpunkt der Route. Wir fahren nach Lucca. Schön ruhig und beschaulich, nicht touristisch überlaufen lädt uns die Altstadt zum Flanieren und Erholen ein.

Und das machen wir jetzt auch bei „Dolce“ und einem Kaffee und lassen die heutige Route nochmals im Geiste Revue passieren.

300 km waren es quer durch die Toskana. Ideal als Transferstrecke und für den, der mehr Zeit mitbringt, ebenfalls ideal für die vielen versteckten interessanten Punkte, welche die Toskana noch verbirgt.

Viel Spaß beim Nachfahren!


Durchs wilde ENDURISTAN

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Ja – ich weiß, es ist jetzt nicht so ganz okay den Titel des alten Karl May Romans von 1892 derart zu missbrauchen. Schließlich bin ich nicht Kara Ben Nemsi und bis dato nicht im Orient unterwegs gewesen. Aber irgendwie lag dieses „Wortspiel“ phonetisch nahe.

Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich heute mal wieder in der Sparte Technik und Ausrüstung unterwegs.

Mein alter GIVI-Tankrucksack hat nach 7 Jahren intensiver Nutzung beschlossen in den Ruhestand zu treten und hat dies in der Praxis durch einen, sich auflösenden, Reißverschluss in die Tat umgesetzt.

Da der Markt mittlerweile einiges an erstklassigen Produkten hergibt begann ich mit meiner Recherche.

Was genau soll der „NEUE“ können, welche Eigenschaften sind für mich bedeutend und was eher ein Nebenkriegsschauplatz.

Die Sache mit den Regenschutzhauben geht mir mittlerweile auf den Geist. Selten findet man im Falle eines plötzlichen Regenschauers eine passende Gelegenheit zum Anhalten und danach hat man meistens diese lästige „Flatterei“ der Haube im unteren Blickfeld. Also sollte mein neuer Tankrucksack wasserdicht sein.

Auch das Fassungsvermögen sollte ordentlich sein. Bei meiner Recherche stolperte ich oftmals über Tankrucksäcke, insbesondere mit den Tankringen, die lediglich über den Rauminhalt einer kleinen Damenhandtasche verfügten. Also raus aus dem engeren Bewerberkreis.

Robust sollte ER sein und rutschfest, sowie sicher auf dem Tank zu montieren sein.

Irgendwann stolperte ich, aufgrund dieser Parameter, permanent über die Produkte der Firma Enduristan. Nachdem ich mich etwas intensiver mit den Gepäcklösungen von Enduristan beschäftigt hatte war dann letztendlich der Sandstorm 4 A der RICHTIGE für mich und unsere „dicke Sissy“.

Der Sandstorm 4 A hat ein Volumen von 13 bis 20 Liter, welches stufenlos, mittels praktischen Klettriemen, verstellbar ist.

Befestigt wird er nach alter Väter Sitte mit einem Riemen, der um den Lenkkopf gelegt wird. Die seitlichen ROK Straps, stufenlose Spanngurte, werden über den Rahmen befestigt und „auf Zug“ abgespannt.

Wenn ich sagen würde, dass der Sandstorm so „bombenfest“ montiert ist, wäre es schon beinahe untertrieben. Die martialische Metapher „bombenfest“ mögen mir die Pazifisten unter euch verzeihen. Da wackelt nichts, da verschiebt sich nichts – komplette Ruhe.

Hier merkt man, dass die ursprüngliche Zielgruppe von Enduristan die Endurofahrer waren, welche auch tatsächlich im Gelände unterwegs sind und eine „wackelnde Gepäcklösung“ auf dem Tank de facto nicht gebrauchen können.

Gefertigt ist der Sandstorm aus Nylon 1000 D, einem reißfesten und wasserdichten Outdoorstoff in einer 3-Schicht-Technologie. Vergleichbar mit einer 3-Lagen-Laminat-Textilkombi. Also – flatternde Regenhaube ade.

Der um den Deckel des Sandstorm laufende Spiralreißverschluss ist vom Marktführer YKK. Die Japaner fertigen seit 1935 Reißverschlüsse und wissen was sie tun.

Schon beim ersten Blick kann man festhalten: Nur hochwertige Komponenten werden hier bei Enduristan verbaut und verwendet.

Apropos erster Blick. Obwohl ich seit Jahren meine Touren mit Basecamp plane und nach Navigationsgerät fahre, habe ich immer als Rückfallebene eine entsprechende Landkarte dabei. Wenn auf Grund von Baustellen, Umleitungen oder was auch immer die Route vom Navi „neu berechnet“ wird, dann hilft oft ein kurzer Blick auf die Karte um nachzuvollziehen was jetzt bei der korrigierten Route sinnvoll ist und was eben nicht.

Der Sandstorm hat eine Kartentasche in den Maßen 35 x 24 cm. Absolut ausreichend um eine Landkarte, in einem sinnvollen Maßstab wie 1:200.000, der Route entsprechend zweckmäßig gefaltet unterzubringen und so schon einen großen Teil der Route im Blickfeld zu haben.

Die Kartentasche verfügt auch über einen Kabeldurchlass, so dass man auch ein Tablet mit Navigationsprogramm unterbringen und an das Bordnetz anschließen kann.

Der Sandstorm verfügt auch noch über eine Außentasche, die mittels Klett befestigt und somit auch abnehmbar ist. Die Außentasche hat auch eine integrierte Schlaufe, so dass man sie bequem am Gürtel tragen kann. Das ging beim meinem alten GIVI auch. In der Praxis habe ich es aber nie genutzt.

Womit wir wieder beim Thema wären, denn bei Enduristan hat man noch an einige, wirklich praktische, Detaillösungen gedacht.

So befindet sich unter dem Deckel des Sandstorm eine abnehmbare Dokumententasche mit Stifthaltern. Im Hauptfach des Tankrucksackes ist auch noch eine Reißverschlusstasche und so kann man wirklich alles an Unterlagen, Dokumenten usw. derart unterbringen, dass man einen schnellen Zugriff darauf hat.

Im Frontbereich des Sandstorm ist eine wegklappbare Trennwand, so will ich sie jetzt einmal nennen. Bei Bedarf kann man diese nach vorne ziehen und teilt somit das Hauptfach in zwei Teile.

Auf der Internetseite und in einigen Foren wurde bei den Rezensionen von Nutzern auch das „rote Innenfutter“ des Sandstorm hervorgehoben. Dies insbesondere hinsichtlich der besseren Erkennbarkeit von „gesuchten Gegenständen“ im Tankrucksack. Ehrlich gesagt hat sich das für mich beim Lesen nicht so ganz erschlossen. Im Praxisbetrieb kann man dies aber faktisch bestätigen. Das rote Innenfutter des Enduristan ergibt tatsächlich einen besseren Kontrast und lässt DAS was man im Innenleben so alles eingepackt hat besser und schneller erkennen.

Irgendwie war ich in den zurückliegenden Jahren von meinem GIVI mit der Tankringbefestigung verwöhnt was die praktische Handhabung beim Tanken angeht. Entriegeln – Tankrucksack abnehmen – Tanken – und Tankrucksack wieder auf dem Tankring verriegeln.

Der Enduristan zeigt sich aber nicht minder praxisorientiert was das angeht. Einfach am Lenkkopf die Befestigung lösen und den Tankrucksack nach hinten klappen. Fertig!

Für mich ist der Enduristan Sandstorm aktuell mehr als eine Empfehlung wert. Zumindest für ALLES was sich Enduro oder Crossover nennt und sicherlich auch für das ein oder andere Naked Bike. Blitzsauber verarbeitet, feine Detaillösungen und robust. Das Ganze bei einem fairen Preis. Mehr kann man nicht erwarten.



Goethe war auch schon in Neapel

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Vedi Napoli e puoi muori! Neapel sehen und sterben! Angeblich soll der deutsche „Vorzeigepoet“ Goethe dies, bei seinem Besuch in der süditalienischen Stadt, gesagt haben.

Also – organisch geht es mir bislang noch gut und unser Besuch in Neapel liegt nun bereits einige Wochen zurück. Das ich im Kopf anders „ticke“ als „normale Menschen“ steht nicht in einem kausalen Zusammenhang mit unserem Aufenthalt in Neapel. Verrückt war ich bereits vorher und das ist auch gut so. Lebendig bin ich, nach Stand der Dinge, ebenfalls. Somit ist ein zeitnahes Ableben des geneigten Betrachters der Stadt, nach einem Besuch Neapels, nicht die zwingende Folge.

Es scheint sich demnach eher um eine Metapher des deutschen Dichters gehandelt zu haben, dass Neapel in seiner Schönheit und Pracht erlebt zu haben, von nichts im späteren Leben eines Menschen mehr übertroffen werden kann.

Das lassen wir zunächst einmal unkommentiert im Raum stehen.

Wir hatten ja gerade erst die Sache mit touristischen Höhepunkten im Zusammenhang mit den Cinque Terre thematisiert. Kommen wir also jetzt zu der Amalfiküste und der sagenumwobenen Küstenstraße Amalfitana. Um 1850 eröffnet hat die SS 163 von Sorrent bis Vietri sul Mare natürlich etwas. Traumhafte Ausblicke und eine wunderschöne Streckenführung, die uns kurvenreich an der Topographie der Küste entlangführt.

Stopp! Traumhaft für Sozius oder Beifahrer, sollten wir die Route vielleicht stilecht im Fiat 500 oder einem Alfa Spider befahren. Mit einem Zweirad raten wir zu einem Scooter. Die in Italien beliebten 150er sind dabei völlig ausreichend.

Ansonsten ist das Befahren des Mittleren Ringes um München zur Haupturlaubszeit stressfreier als eine Tour mit einem Motorrad entlang der Amalfitana. Natürlich ist alles auf der Welt Geschmacksache. Aber ich würde jetzt „Topfschlagen in einem Minenfeld“ auch nicht als Belustigung für einen Kindergeburtstag vorschlagen.

Nicht falsch verstehen! Die Amalfiküste gehört nicht umsonst zum Weltkulturerbe und bietet wunderbare Aussichten auf die Küste und die umliegenden Dörfer. NUR – als Motorradtour für jemand, der gerne entspannt einen sauberen Strich fährt und dabei Strecke und Kurven im Vordergrund stehen, für den ist die Amalfitana denkbar ungeeignet. Man steht mehr, als das man fährt.

Wer aber sagt: „Das nehme ich in Kauf. Ich will einfach die Region kennenlernen und die Landschaft genießen“ – Der fährt die Amalfitana entlang und lässt die Fahrdynamik außer Acht.

„Alles nicht so wichtig. Ich schaue mir Amalfi an und Umgebung an und rolle längs der Küste mit permanentem Meeresblick.“

Dann genießen wir in Amalfi das wilde Treiben an der Uferpromenade und dem kleinen Hafen und in Vietri sul Mare betrachten wir die schönen Keramiken in Verbindung mit der Altstadt des Ortes.

Unter diesem Aspekt kommen wir auch bei Hochbetrieb an der Amalfiküste auf unsere Kosten.

Aber wir haben ja noch weitere Protagonisten in räumlicher Nähe zu Neapel.

Einer dieser Hauptdarsteller ist zweifelsohne der Vesuv. Der 1.281 m hohe aktive Vulkan zieht jeden in den Bann, der sich in der Nähe von Neapel aufhält. Bis 79 n. Chr. war der Berg noch um einiges höher. Bei dem berühmten Ausbruch, der von Plinius dem Jüngeren beobachtet und dokumentiert wurde, hatte es den Gipfel des Berges regelrecht weggesprengt und die Städte Pompeji und Herculaneum verschüttet.

Die Neapolitaner haben mit der ständigen Bedrohung durch den aktiven Vulkan leben gelernt. Und ein touristischer Anziehungspunkt ist der Vesuv allemal. Für mich ist der Vesuv das Wahrzeichen Neapels. Aus jeder Fahrtrichtung kommend wirkt er wie DAS Denkmal der Stadt.

Und das Bad an der Küste im Meer, mit dem Vesuv als Hintergrund, wird uns auf ewig im Gedächtnis bleiben.

Die Zufahrt hinauf zum Krater bietet dem Betrachter einen fantastischen Blick auf die riesige Stadt Neapel und die Bucht. Einen schöneren Blick, um Neapel als Ganzes zu sehen, wird es kaum geben.

Für Seismologen ist der Vesuv aber nicht einmal der „Titelheld“ in Sachen vulkanischer Aktivität in der Region rundum Neapel.

Die Phlegräischen Felder unmittelbar bei Neapel werden, mit ihrer hohen vulkanischen Aktivität, als Supervulkan eingestuft. Ihre räumliche Ausdehnung beträgt ca. 200 km2. Also ein riesiges Gebiet in dem nicht nur die Einwohner Neapels, sondern in den Randgebieten etwa 350.000 Menschen leben.

Hätten wir nicht den Hintergrund zu den Phlegräischen Feldern gehabt, dann wäre unser Eindruck an dem Aussichtspunkt, den wir angefahren hatten, mehr als zwiespältig gewesen.

Die „Rauchwolken“ im ungastlichen Niemandsland hätten auch von einer „illegalen Müllkippe“ stammen können auf der Altreifen verbrannt werden.

Hat man jedoch die aktuellen Ergebnisse von Fachleuten im Hinterkopf, die auf den Phlegräischen Feldern Gesteine und eine Magma-Art gefunden haben, die mit der vom letzten großen Ausbruch im Jahr 1538 übereinstimmt, dann begegnet man der „Müllkippe“ mit dem nötigen Respekt und Ehrfurcht.


Sollten sich diese beiden schlummernden Riesen Vesuv und Phlegräischen Felder überlegen auszubrechen, dann ist es besser nicht in räumlicher Nähe zu den „Kollegen“ zu sein. Gruß an die Influencer: Auch nicht um Selfies zu machen!

Wie steht es nun um den Satz: Neapel sehen und sterben?

Italien ist wie ein riesiges Mosaik, welches ein wunderschönes Gesamtbild ergibt. Neapel und die Region um diese riesige Stadt sollte man einmal gesehen haben. Aber sie ist in dem Gesamtmosaik Italien nur ein kleines Bausteinchen.

Jedoch wäre das Bild eben nicht komplett, wenn dieses Mosaiksteinchen fehlen würde. STERBEN müsst IHR aber nicht. Dafür gibt es in Italien noch viel zu viel zu sehen. Also auf geht es Leute! Macht Euch selbst euer Bild über Italien und fügt dem großartigen Mosaik Italien das Mosaiksteinchen Neapel und Umgebung hinzu.


Cinque Terre und WAS noch?

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Bei geneigten Italienurlaubern tauchen hinsichtlich der Orte oder Regionen, die man im „bel Paese“ Italien gesehen haben muss, häufig dieselben Namen auf.

Die Amalfiküste und die Cinque Terre haben sicherlich Podestplätze bei der Hitliste dieser Höhepunkte eines Italienurlaubes.

Jetzt sind wir aber mit unseren Motorrädern unterwegs und da ist der Anspruch sicherlich ein anderer, als für „Otto-Normalverbraucher“ seines Zeichens Pauschaltourist.

Die unmittelbare räumliche Nähe zu den Cinque Terre mit dem Motorrad zu erkunden ist in etwa so prickelnd wie mit einer vollbepackten Reiseenduro in Rüdesheim durch die „Drosselgasse“ zu jonglieren.

Insofern erfolgt hier der Reisehinweis von Flying Haggis und der besten Sozia von Allen:

Die Cinque Terre erkundet man am besten von der Seeseite her. In La Spezia auf einen der vielen Ausflugsdampfer und dann einen Tag investiert und sich stressfrei, zumindest halbwegs, von Ort zu Ort schippern lassen.

So schauen wir uns die Orte Riomaggiore, Corniglia, Vernazza, Manarola und Monterosso gemütlich auf Schusters Rappen an. Bewundern die traumhafte Lage der Dörfer und die pittoresken Ortskerne und können dann abschließend auch die Einheimischen verstehen, warum zu viel oftmals tatsächlich auch Zuviel sein kann.

Aber wir fahren ja auch noch Motorrad und das machen wir von La Spezia aus auf der SS 1, der Via Aurelia, bis Pian di Barca. AUFGEPASST und die Abzweigung nach Pignone nicht verpassen. Die Cinque Terre sind mit ausgeschildert, aber dort wollen wir gar nicht hin.

Wir suchen einfach nur eine schöne abgelegene Anfahrt hin zu unserem eigentlichen Protagonisten.

Heißt jetzt konkret – bei Pignone nicht in Richtung Cinque Terre abbiegen, sondern grobe Fahrtrichtung Casale und Cassana. Dann führt uns unser Weg zurück auf die Via Aurelia und vorbei an Carrodano.

Damit haben wir jetzt knappe 25 km eine Kurve nach der anderen und sind sozusagen auf der Heimstrecke der Motorradfahrer der Region rund um La Spezia und Sestri Levante mit Namen „Passo Bracco“.

Im Grunde genommen steigen wir von „Meereshöhe“ auf knapp über 600 m. Der Passo Bracco ist auch bereits zu historisch sportlichen Ehren gekommen. Bei dem ersten Giro d`Italia 1909 wurde er schon von den Radrennfahrern überquert. Bis heute ist er Bestandteil der Rundfahrt als Berg der dritten Kategorie. Was hinsichtlich der Einstufung kein Wunder ist, wenn man bedenkt welche Riesen die Rennfahrer in den Dolomiten überqueren. 2009 war der Passo Bracco noch Bestandteil eines Einzelzeitfahrens. Es geht uns heute aber gar nicht darum Alpenpässen Konkurrenz zu machen.

Wir genießen den kurvigen Verlauf und die wirklich erstklassige Asphaltdecke, die über die gesamte Strecke einen „sauberen Strich“ ermöglicht. Das ist in der Region nicht überall so.

Der Passo Bracco hingegen suggeriert dem Fahrer ein Gefühl als ob hier das Cembratal mit dem Penserjoch eine symbiotische Beziehung eingegangen wäre und zaubert einem ein permanentes glückliches Lächeln ins Gesicht.

Un sogno trasformato in asfalto! Also ein asphaltgewordener Traum. Überzeugt Euch selbst. Wenn ihr in der Region rund um Cinque Terre, La Spezia oder Sestri Levante unterwegs seid, dann lasst Euch diese 25 km auf gar keinen Fall entgehen.

Und wenn Ihr das dann erledigt habt, dann kümmert Ihr Euch um die restlichen kleinen Pässe in der kurvigen Gegend rund um La Spezia bis Rapallo. Es gibt viel zu erkunden – glaubt es uns.

Viel Spaß beim Nachfahren!

Eine Runde durch Apulien

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Wie sagte einst ein kluger Mann: Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn wir vergessen, was wir gelernt haben!

Schöner kann man eigentlich nicht umschreiben was mit meinem „erlernten Schulwissen“ in großen Teilen passiert ist. VERGESSEN!

Da Geschichte immer zu meinen Lieblingsfächern in der Schule zählte, ist von dieser Sparte mehr hängen geblieben als Fragmente. Grüße an meinen Mathematiklehrer und die binomischen Formeln – hier ist ein schwarzes Loch.

Also machen wir uns heute auf unsere Apulienrunde mit einem Bildungsauftrag.

Beginnen wir einfach mit der „steinernen Krone Apuliens“. Als unsere Italienrundfahrt uns bis hinunter nach Apulien führte, war das Castel Monte eine zwingende Fotopause mit Besichtigung für mich.

Den Beinamen „steinerne Krone Apuliens“ erhielt das Bauwerk, weil seine achteckige Bauform an eine Krone erinnert. Erbaut hat dieses Castel der Stauferkaiser Friedrich II., ein Enkel vom berühmten Friedrich Barbarossa.

Die Burg liegt auf einem 540 m hohen Hügel und ist wegen der umliegenden Topographie weithin sichtbar.

Einfach nur ein Symbol der Macht, eine Trutzburg unter dem Aspekt der Verteidigung oder ganz andere Hintergründe? Bis heute streiten sich die Fachleute was diese beeindruckende Festung letztendlich darstellen und bezwecken sollte.

Und das ist, meiner Meinung nach, gut so. Man muss nicht alles wissen. Vielleicht hatte Friedrich II. auch ganz andere Hintergründe was den Bau des Castel betrifft und es war ihm einfach lästig sie der Nachwelt näher zu erläutern.

Denn Friedrich war ein „cleverer Fuchs“ und ein gewiefter Diplomat. Der Friede von Jaffa von 1229 gibt darüber beredtes Zeugnis. Ein Kreuzfahrer der durch diplomatisches Geschick, ohne Blutvergießen, den Christen Zugang zu den Heiligtümern von Jerusalem verschafft. Alle Achtung. UN und all die anderen heutigen politischen Wichtigtuer auf unserem Planeten sollten sich an Friedrich ein Beispiel nehmen.

Wir betrachten staunend sein Castel von außen und innen.

Lächeln über die kaiserliche Toilette und hören die Ausführungen über die Falkenjagd, welche Friedrich zu Papier brachte und seine weitere Passion war.

Reisen bedeutet eben die Welt mit anderen Augen zu sehen und lehrt Toleranz.

Ein deutscher Kaiser aus einem deutschen Adelsgeschlecht, der auch Sohn Apuliens genannt wurde. Tolerantes und weltoffenes Europa im Mittelalter.

Wir rollen weiter und wollen uns anschauen wofür Apulien noch bekannt und berühmt ist. Da gibt es diese kleinen Rundhäuser, die auf den ersten Blick auch der Filmkulisse von „Herr der Ringe“ entsprungen sein könnten und den Hobbits Unterschlupf gewähren. Die Trulli.

Der Ort Alberobello ist bekannt für seine Trulli und der Anziehungspunkt für jeden Apulienurlauber, der die kleinen Häuschen näher betrachten will.

Seit 1996 sind sie auch UNESCO-Weltkulturerbe. Die charakteristischen Rundhäuser mit ihren, sich nach oben verjüngenden Steindächern, erinnern mich immer an die Zipfelmützen eines Zwerges.

Ja Leute – ich weiß. Mit mir geht häufig die Phantasie durch und ich hoffe inständig, dass dies noch ganz lange so bleibt.

Architektonisch nennt man diese konischen Steindächer mit dem, sie abschließenden Schlussstein, auch Kraggewölbe.

In der Zufahrt auf den Landstraßen rund um Alberobello sieht man in den Feldern einige dieser Trulli. Hier finde ich sie um einiges authentischer als die massive Ansammlung der kleinen Häuser in Alberobello. Ursprünglich dienten die Trulli nämlich als Stallungen oder Lager, sowie als temporäre Unterkünfte für die Bauern und Landarbeiter, die das umliegende Land urbar machten.

Natürlich hat der Ortskern von Alberobello eine eher touristisch orientierte Anmutung. Nichtsdestotrotz sollte man es einmal gesehen haben.

Apropos gesehen haben. Hätten wir in einer derartigen Touristenhochburg nicht erwartet und waren deshalb mehr als angenehm überrascht. Das „Terra Mossa“, ein Restaurant unmittelbar im Zugangsbereich vom Parkplatz zu den Trulli. Der Salat mit Rosmarinkartoffeln und frittierten Tintenfischen – ein Gedicht. Die Crostini mit Thunfischtartar und Pistazien – ebenfalls.

Von Alberobello geht es für uns nun in Richtung Westen. Wir wollen in Europas Kulturhauptstadt des Jahres 2019. Matera war die erste Stadt in Süditalien der diese Ehre zu Teil wurde.

Hintergrund dieser Ehrung waren sicherlich die „Sassi“, die Höhlensiedlungen im Bereich der Altstadt. Die Sassi sind bereits seit 1993 UNESCO Welterbe. Der Bereich rund um Matera war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt worden und gilt als eine der ältesten Städte der Welt.

Die „Sassi“ waren anfangs natürliche Höhlen, die im Laufe der Zeit von ihren Bewohnern immer weiter ausgebaut wurden, da sich das Gestein gut bearbeiten ließ. So entstand letztendlich eine Höhlenstadt, die der Autor Carlo Levi in seinem Buch „Christus kam nur bis Eboli“ ziemlich drastisch beschrieb. Zumindest drastischer als es in der Realität tatsächlich war. Dies hatte zur Folge, dass die italienische Regierung in den 50er Jahren fast 30.000 Bewohner umgesiedelt hat. 1986 hat man dann die „Sassi“ unter Denkmalschutz gestellt und heute sind sie der Touristenmagnet in Matera.

Filmliebhaber kennen Matera aber noch aus einem anderen Grund. 2021 diente die pittoreske Altstadt als Kulisse zu dem James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ mit Daniel Craig.

Bei der actionreichen Verfolgungsjagd in der Altstadt von Matera hatte der schöne Aston Martin DB 5 arg gelitten.

Gut gegessen haben wir hier auch. In der Pizzeria „Van Gogh“ gemütlich in der Fußgängerzone unweit des Palazzo Lanfranchi, der das Museo d`Arte in Matera beherbergt.

Irgendwann machen wir uns wieder auf den Rückweg in Richtung Norden und rollen gemütlich über Altamura zurück zu unserem Stauferkaiser Friedrich wo unsere heutige Runde begonnen hat.

Fahrerisch war es hier sicherlich keine große Herausforderung – aber gelernt haben wir viel. NEIN – nicht so wie früher in der Schule mit dem Frontalunterricht.

Auf einer Motorradtour lernt man ganz anders, als es „normale Urlauber“ meistenteils können. Wir haben auf unseren Motorradtouren nach dem berühmten Spruch gelernt: Lächle und die Welt wird sich Dir öffnen!

Wie z. B. der liebenswerte Herr am Castel Monte, der mit Akribie seine sanitären Einrichtungen für die Touristen sauber hielt. Von den meisten natürlich unbemerkt. Ein einfaches Lächeln und „Grazie“ hat gereicht und er erzählte uns, dass er bei der Apfelernte in unserer neuen Heimat im Vinschgau als Pflücker arbeitet. Mit einem Strahlen im Gesicht wünschte er uns und unserer Gruppe eine gute Weiterfahrt.

So ergeht es uns fast immer und fast überall wo wir in Italien auf Menschen treffen.

Vielleicht ist einst Friedrich II. den Sarazenenfürsten in Jaffa auch mit einem freundlichen Lächeln begegnet und hat damit seinem Gegenüber Wertschätzung signalisiert. Ich glaube der Besuch auf Castel Monte wirkt schon – zumindest bei mir.

Viel Spaß beim Nachfahren und beim Erfahren.


Achterbahn Gardasee-Ost Monte Baldo

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Bei Gardasee-Touristen hört man häufig in den Gesprächen: Wir waren heute auf dem Monte Baldo!

Das suggeriert dem geneigten Zuhörer, dass es sich hier um EINEN Berggipfel handelt, was so nicht ganz korrekt ist.

„Klugscheißermodus“ an: Der Monte Baldo ist eine Bergkette, die sich im Bereich Ostufer des Gardasees entlangschlängelt. Auf ihrer Länge von ca. 38 km überquert sie dabei auch die Provinzgrenzen von Trient und Verona und trennt das Ostufer des Gardasees vom Etschtal. Trennen ist dabei der richtige Ausdruck, denn mit einigen Gipfeln jenseits der 2.000 m kann man von einer räumlichen Trennung sprechen. „Klugscheißermodus“ aus!

Die Bergkette des Monte Baldo ist ein „Muss“, wenn man Urlaub am Gardasee verbringt. Egal ob auf Schusters Rappen, mit dem Mountainbike oder dem Motorrad.

Die einfache Variante ist mit der Seilbahn von Malcesine aus nach oben auf die Höhe. Alle restlichen Alternativen sind zwar mit Schweiß verbunden dafür aber auch mit Ausblicken für die Ewigkeit.

Wenn man einige dieser Bilder als Ölgemälde sehen würde, dann käme wahrscheinlich der Satz: Oh wie kitschig!

Aber die Natur und die Realität kann nicht kitschig sein und so genießen wir, gutes Wetter vorausgesetzt, die Aussicht bis weit hinein in die Alpen und hinab zum Gardasee.

Mit dem Motorrad steigen wir kurz hinter Riva del Garda beim Passo San Giovanni ein. Einige werden jetzt müde lächeln, denn mit seinen 287 m ist der San Giovanni eher ein „Hügelchen“.

Er grenzt aber die Bergkette Monte Baldo im Norden ab und im Rahmen unserer Tour geht es noch nach oben bis auf 1.617 m. Der Höhenunterschied von ca. 1.300 m kann sich sehen lassen und übersteigt das was wir oftmals in den Dolomiten erreichen, da hier die „Einstiegshöhen“ in die Pässe um einiges höher liegen.

Nach knapp 25 km bergauf sind wir auf dem Passo di San Valentino und damit bereits auf 1.314 m Höhe.

Der größte Höhenunterschied ist damit gemacht und nun bewegen wir uns, wie auf einem Hochplateau, mal rauf und mal runter. Schmale Streckenführung aber noch passendes Asphaltband und möglicher Gegenverkehr ist weitestgehend gut erkennbar, da das Plateau eine gute Weitsicht gewährleistet und die Straße gut einsehbar ist.

Bocca del Creer ist mit seinen 1.617 m der höchste Punkt und es führt uns weiter über Bocca di Navene (1.425 m) den Höhenzug entlang.

Wir sind jetzt gleich etwa auf Höhe von Malcesine und dem Punkt auf dem Bergmassiv, den man von dort mit der Seilbahn erreichen kann. Oftmals der Einstieg für Wanderer und Mountainbiker.

Was jetzt rechts von unserer Routenführung entlang an Bergen zu sehen ist liegt allesamt jenseits der 2.000 m. Ganz ordentlich, wenn man bedenkt, dass nur ein paar Minuten entfernt von uns die Touristen am Gardasee schwitzen und dies nur wenig über Meereshöhe.

Ab dem Cavallo del Novezza mit seinen 1.433 m geht es für uns abwärts. Also metaphorisch betrachtet. Fahrerisch ist es für uns weiter ein Hochgenuss, denn wir „verbrennen“ auf unserem Weg zum Passo del Casello (1.055 m) knapp 400 Höhenmeter.

Bis Caprino Veronese sind es nun noch etwa 18 km bergab und wir sind mit den 280 Höhenmeter der Ortschaft fast auf dem Niveau unseres Startpunktes angekommen.

Wir liegen nun ziemlich genau östlich von Torri del Benaco, dem schönen kleinen Ort an der Landzunge des Gardasee. Ca. 66 km haben wir jetzt zurückgelegt, fern von den Touristenmassen und wahrscheinlich hat der ein oder die andere in der Sommerkombi sogar leicht gefröstelt.

Schön war es hier oben auf dem Höhenzug und es hat uns gezeigt, der Gardasee ist nicht nur der SEE, sondern auch eine wunderbare Region links und rechts der Uferpromenade.

Viel Spaß beim Nachfahren!

Die Alternative zwischen Entweder und Oder

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Zu Beginn der Saison hatte ich Euch unter meiner Rubrik „Nachdenkliches & Provokantes“ meine Einstellung in Sachen Urlaubsbeginn und Anfahrten zum Urlaubsort nähergebracht. Der praktische Teil natürlich mit Schwerpunkt unserer neuen Heimat Südtirol.

https://flyinghaggis.net/category/nachdenkliches-provokantes/
Wie heißt es so schön: Eine Alternative ist die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten. In dem o. a. Beitrag hatte ich aber bereits einige Optionen mehr als Alternativen aufgezeigt.

Aber wie sagte einst ein weiser Mann: Zwischen Entweder und Oder führt noch so manche Straße. Und die nehmen wir heute.

Gehen wir einfach davon aus, dass Ihr auch nicht mehr eine lange Urlaubsanfahrt an einem Tag via Autobahn erledigt, sondern, wie im damaligen Bericht angeregt, den Urlaub bereits bei der Anfahrt beginnen lasst. Ein richtig schöner Ort um dann an einem zweiten Tag frisch gestärkt und erholt die eigentliche Fahrt in die Berge zu beginnen ist Füssen.

Als Tipp von mir sei Euch das Hotel „Hirsch“ nähergebracht. Wunderbares Hotel und feine Unterkunft mit exzellenter Küche. Da auch der Service passt unser idealer Ausgangsort für Tag 2.

Raus geht es aus der Touristenhochburg Füssen zunächst in Richtung Reutte. Wir meiden aber den total überlaufenen Fernpass, weil wir unsere Nerven schonen wollen und natürlich auch fahrerisch etwas geboten werden soll.

Und so etwas findet sich in räumlicher Nähe des Lechtales. Wir fahren über das Hahntennjoch.

Die 1.894 m sind der ideale Einstieg in einen Urlaub im Motorradeldorado Südtirol. D. h. für den ein oder die andere möglicherweise nicht, weil unsere österreichischen Nachbarn hier eine geistig nicht nachvollziehbare Beschränkung eingebaut haben. Schaut in eurem Fahrzeugschein, was dort unter dem Standgeräusch an db-Werten eingetragen ist. Über 95 db ist das Hahntennjoch tabu.

Für alle anderen ein wunderbarer Beginn und bei gutem Wetter sogar ein schöner Aussichtsberg.

Von der Passhöhe aus haben wir dann leider eine Begrenzung von 60 km/h, was der Aussicht und den Kurven aber keinen Abbruch tut.

Ab Ortsbeginn Imst ist dann eine Limitierung auf 30 km/h. Aufgepasst – die österreichische Gendarmerie ist fleißig.

Trotz dieser Einschränkungen ist das Hahntennjoch mit seinen etwa 30 km Wegstrecke eine wunderbare Alternative für Motorradfahrer um den Fernpass mit seinen „Bürgerkäfigen“ und den dort üblichen Staus zu umgehen.

In Imst angekommen orientieren wir uns in Richtung Oetztal und Timmelsjoch um Eingangs des Oetztales in Richtung Kühtai-Sattel abzubiegen.

Landschaftlich schön gelegen ist der Weg auf den Sattel zwar keine Herausforderung aber entspannt zu fahren. Nomen est Omen. Je weiter es nach oben geht umso mehr sollten wir aufpassen auf die schweren Vierbeiner, die dem Kühtai den Namen geben.

Da kann schon einmal ein Wiederkäuer unmittelbar auf der Ideallinie rumstehen oder das Produkt seiner Enddarmtätigkeit genau dort abgelegt haben, wo unsere Reifen es überhaupt nicht gebrauchen können.

Bis in die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck zieht es uns natürlich nicht. Über Axams und Götzens geht es auf die B 182, namentlich die alte Brennerstraße und dann hinein in das gelobte Land Südtirol.

Früher war es immer so, dass bei uns bei den Anfahrten ab Ortsschild Sterzing das Herz aufging. Irgendwie war es bereits vor Jahren so wie: Zu Hause ankommen. Deshalb machen wir immer noch gerne Rast in dem kleinen gemütlichen Städtchen Sterzing, weil auch die Gastronomie immer noch ein Plätzchen für einen frei hat.

Außerdem ist Sterzing ideal für unsere Weiterreise. Wo soll es hingehen? Nach Meran – dann ab über den Jaufenpass und hinein ins Passeiertal. Nach Bozen – dann ab über das Penserjoch und durch das ruhige Sarntal in die Landeshauptstadt. Oder doch ins Pustertal? Dann kurz vor Brixen auf ins Pustertal. Hier dann am besten ab Vintl hinauf auf die Panoramastraße und über Pfalzen hinunter nach Bruneck. So geht man dem schlimmsten Verkehr erst einmal aus dem Weg.

Probiert es aus Leute – Entspannt hinein nach Südtirol. Erholt bevor die eigentliche Erholung beginnt.


Toblachrunde

Über Jahre war das Pustertal insbesondere im Winter unsere zweite Heimat geworden. Im Antholzertal und dem angrenzenden Gsiesertal waren wir zum Skaten im Winter und haben Landschaft, Küche und die Südtiroler Lebensart genossen.

Auf den Spuren der Tour de Ski waren wir natürlich auch in Toblach und haben die Route von Toblach nach Cortina d`Ampezzo in Angriff genommen. Natürlich im Tempo um einiges reduzierter, als die Profis der Langlaufszene.

Machen wir heute also mal Toblach zum Ausgangs- und Zielort unserer kleinen Pässerunde.

Am Toblacher See vorbei fahren wir durch das Höhlensteintal um nahe des Dürrensee kurz einen Fotostopp einzulegen.

Bei guter Sicht kann man hier das schöne Panorama hinauf zu den Dreizinnen genießen und Erinnerungsfotos schießen. Aber selbst bei Bewölkung hat die Landschaft Erinnerungswert.

Zu Beginn unserer Tour liegt wirklich ein schöner See neben dem anderen. Unser nächstes Zwischenziel könnte eigentlich in jedem Heimatfilm die passende Kulisse geben. Der Misurinasee mit der ihn umgebenden Bergkulisse, dem Monte Piana, Sorapiss, Marmarole und auch den Dreizinnen gibt ein Bild ab wie gemalt. Nicht umsonst wird der Misurinasee auch „Perle des Cadore“ genannt.

Der erste „kleine Pass“ des heutigen Tages, der Tre Croci, führt uns in die „Perle der Dolomiten“ nach Cortina d`Ampezzo. Wir merken schon, die italienische Sprache ist blumenreich und verteilt gerne Attribute.

In den Wintermonaten ist so richtig Leben in Cortina und bei der nächsten Winterolympiade wird der kleine Ort, knapp hinter der Provinzgrenze von Südtirol, sicherlich von der Besucherzahl auseinanderbersten. Die Italiener sind sportverrückt und wenn dann Sofia Goggia auf der Tofana die „schon sichere Goldmedaille erringt“, dann hört man den Jubel sicherlich bis ins Tal.

Wir bleiben natürlich nicht im Tal und machen uns auf den Weg zu einem meiner „Lieblinge“. Bei Pocol verlassen wir die Route zum Falzarego und biegen ab hinauf zum Passo Giau.

Schön kurvig geht es zunächst durch bewaldetes Gebiet mit einem schönen Blick auf die Bergkette der Croda da Lago. Auch für Wanderer ein schönes Ziel. Auf der Passhöhe ist dann der Ausblick wirklich grandios.

Bei gutem Wetter kann der Blick schweifen über Marmolada, Sellagruppe, den Nuvolau und Tofane.

Die Einkehr in der Berghütte hat etwas von ihrem früheren Charme verloren und hat mittlerweile die Anmutung von einem Drive-In-Schalter amerikanischer Fast-Food-Restaurants. Aber alles Geschmacksache. Es gibt sicherlich auch Zeitgenossen, die dies ansprechend empfinden.

Wir schwingen alsdann kurvig wieder abwärts in Richtung Selva di Cadore und folgen der Beschilderung zum Passo di Falzarego. Wir sind damit in der Region Veneto und in der Provinz Belluno.

Ich liebe ja diese Legenden, die sich um Namen und Orte ranken. In einer heißt es, dass der Name Falzarego von „fautzo Rego“ stammt (Dialekt der Region um Cortina d`Ampezzo) und der „falsche König“ heißt. Seine versteinerte Silhouette kann man heute noch an den Felsen des angrenzenden Lagazuoi sehen.

Ist das nicht klasse? Wie banal und langweilig ist dann die Variante, dass der Name von Fòuze abstammt und Sichel bedeutet.

Wer bei unserer heutigen kleinen Runde die nötige Zeit mitbringt, der sollte mit der Seilbahn entweder hinauf zum Lagazuoi fahren oder die Seilbahn wenige Kilometer unterhalb des Passes hinauf zu den Cinque Torri nutzen.

Die Aussicht ist wirklich wunderschön und man kann sich, wenn man geschichtlich interessiert ist, mit der Historie des Passes und der umgebenden Region befassen. Wie man sich denken kann waren beide Berggipfel im I. Weltkrieg von strategischer Bedeutung und man verbrachte einige Jahre damit sich gegenseitig ins Jenseits zu befördern.

Wir bzw. unsere Maschinen befördern uns dahingehend zu unserem nächsten Protagonisten, dem Valparolapass. Gefühlt hat man die Motoren kaum gestartet und man hat vom Passo Falzarego aus bereits den Valparola erreicht.

Der Valparola ist „verbindend“. In unserem Fall verbindet er die Provinz Belluno mit dem Gadertal und auf diese Weise mit Südtirol. Es geht für uns hinab ins Badia, auch Abtei genannt. Die dortigen Gemeinden gehören der ladinischen Sprachgruppe an. Auf der einen Talseite haben wir den Nationalpark Puez Geisler. Auf der anderen Seite den Nationalpark Sennes-Fanes-Prags. Für Wanderer ein Paradies und für Freunde der guten Küche ebenfalls.

Kurven haben wir ebenfalls ausreichend bei unserer Fahrt durch das Tal und bei dem Ort Zwischenwasser begeben wir uns in Richtung von unserem letzten Pass für heute, dem Furkelpass.

Der Furkelpass liegt genau auf unserer Runde zurück in das Pustertal und verbindet es mit dem Gadertal. Freunde des alpinen Skisports werden ihn sofort verorten können, denn er liegt am Fuße des Kronplatzes und der ist in den Wintermonaten DER Anlaufpunkt für alle Alpinfahrer der Region und für die internationalen Winterurlauber.

Zügig sind wir jetzt in Olang und damit wieder auf der Pustertaler Straße. Wer nicht mit der Seilbahn am Falzarego hinauf zum Lagazuoi oder den Cinque Torri war, der hat jetzt wahrscheinlich noch Zeit um an der nächsten Kreuzung ins Antholzer Tal abzubiegen. Die alpinen Skiorte der Winterolympiade haben wir heut schließlich schon in Cortina gesehen. Also können wir uns nun auch noch die Sportanlagen der Biathlon-Wettkämpfe am Antholzer See anschauen.

Wir anderen fahren zurück nach Toblach und genießen auf einer der vielen Terrassen einen Aperol Spritz. Schön war es und es hat uns gezeigt, dass es nicht immer hunderte von Kilometern sein müssen um einen erfüllenden Motorradtag zu haben.

Viel Spaß beim Nachfahren.