Denk ich an Deutschland in der Nacht

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dann bin ich um den Schlaf gebracht. Dieser berühmte Vers des deutschen Dichters Heinrich Heine geht mir über die Jahre immer häufiger durch den Sinn und gerade momentan geistert er durch meinen Kopf wie ein Gespenst.

Ein typisch deutsches Gespenst, denn wir Deutsche haben eine Tradition bei der Verfolgung von Minderheiten. Von Minderheiten deren einziges Trachten und Bestreben oftmals allein darin liegt ETWAS anders zu sein als die Norm. Aber wir Motorradfahrer/-innen können froh sein, dass wir im Deutschland des 21. Jahrhunderts leben. Ansonsten würden möglicherweise schon die Scheiterhaufen brennen oder WIR wären gebrandmarkt Bestandteil einer Weltverschwörung der Motorradfahrer zu sein mit dem Ziel die Weltherrschaft zu erlangen.

So sind wir lediglich bedroht möglicherweise unsere Maschinen nicht mehr an Sonn- und Feiertagen bewegen zu können. Eine Bedrohung die wie ein Damoklesschwert über uns schwebt. Unser Inquisitionsgericht ist allerdings der Bundesrat und hier bleibt erst einmal abzuwarten was unsere Herrn und Damen der politischen Fraktionen in die Gesetzgebung bringen möchten.

Auch ich habe mich einer der Petitionen angeschlossen, weil ich es als sinnvoll erachtet habe, obwohl ich glaube bereits zu wissen wie diese Farce ausgehen wird.

Spätestens unser höchstes Gericht, das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, wird diesen Humbug und verspäteten Aprilscherz bremsen und als das entlarven was es ist: Nicht verfassungsgemäss und komplett konträr zum Grundgesetz.

Ja – es ist richtig. Es gibt unter uns einige Menschen, die es aus welchen Gründen auch immer für notwendig erachten ihre Maschinen, respektive die Auspuffanlagen, lauter zu machen als es der Gesetzgeber erlaubt und auch lauter, als es unseren Mitmenschen passt.

Die gibt es aber unter den „Dosentreibern“ und Fahrern der „Bürgerkäfige“ ebenfalls. Auch da gibt es im Zubehör Soundanlagen, die den 6-Zylinder nach 8-Zylinder klingen lassen etc.

Fast immer habe ich dabei das Gefühl, dass die Fahrer dieser Fahrzeuge, ob es nun Motorräder oder Autos sind, geklont sind. Immer diese Typen, die ihre fahrbaren Untersätze als „Schwanzverlängerung“ (ich entschuldige mich jetzt schon für die Wortwahl) benötigen und als Markttplatzbremser auf sich aufmerksam machen wollen. Wie der röhrende Hirsch in der Brunftzeit.

Ganz sachte in Rage gekommen bin ich jetzt abgedriftet. Unser höchstes Gericht wird feststellen, dass man nicht so einfach eine komplette Gruppe von Menschen an Wochenenden und Feiertagen von der Nutzung ihrer Fahrzeuge ausgrenzen kann. Falls jetzt jemand mit dem LKW-Fahrverbot kommt – das ist eine komplett andere Baustelle und hat seine rechtliche Basis an anderer Stelle. Bei dieser Gruppe von Verkehrsteilnehmern die Motorrad fahren handelt es sich auch nicht komplett um die Störenfriede, die hier thematisiert werden sollen. Diese Störenfriede um die es im Kern eigentlich geht sind lediglich eine verschwindend kleine Teilmenge der Gesamtgruppe Motorradfahrer/-innen. Dieses komplette Wochenend- und Feiertagsfahrverbot wird kippen. Und das wissen auch die Verantwortlichen der Bundesländer, die den Humbug in den Bundesrat bringen.

Warum machen sie es dann? Weil am Ende dann doch übrig bleiben wird, dass Kommunen und Gemeinden, die besonders von der Lautstärke betroffen sind regionale Fahrverbote erlassen können und dieses Verfahren dann sicherlich einfacher von der Hand gehen wird als bisher.

Und dann hat es diese kleine Gruppe von Schwachköpfen doch noch geschafft UNS allen unser Hobby, unsere Passion zu erschweren. Verleiden werden sie nicht schaffen.

Vielleicht stellt dass Bundesverfassungsgericht aber auch noch etwas anderes fest. Das die Länder noch gar nicht ihre Möglichkeiten ausgereizt haben aus unserer großen Gruppe von Motorradfahrern diese Störenfriede herauszufiltern und entsprechend zu sanktionieren. Faktisch würde das bedeuten, dass die Rennleitung dann angewiesen wird an den besonders relevanten Strecken Geräuschmessungen und Verkehrskontrollen durchzuführen.

Damit könnte ich dann locker leben. Einmal, weil mich diese Krawallbrüder selbst maßlos stören UND weil ich an diesen Stellen wo die Szene sich gerne zur Schau stellt ohnehin nicht unterwegs bin.

So – ich bin bereit für die Diskussion. Ich hoffe sie bleibt halbwegs sachlich und man erspart sich die „Tiernamen“.

Jetzt geht`s los!

Endlich scheint jetzt für uns, also für uns als Motorradfahrer/-innen, so etwas wie Normalität einzutreten. Nein – Keine Angst. Ich bin jetzt nicht über den Zeitraum der virusbedingten Einschränkungen „normal“ geworden.

Aber normal im Rahmen meiner Auffassung von einer schönen Motorradtour war
immer die Einkehr in einer schönen Lokalität mit einem gemütlichen Plätzchen für uns und unsere Maschinen und etwas „Ordentliches auf der Gabel“.

Die „Coronazeit“ habe ich aber bewusst genutzt um mein Repertoire an genau diesen Örtlichkeiten zu erweitern. Fündig wurde ich, nach intensiver Recherche, natürlich im Internet und auch zwei Mitblogger haben ihre Geheimtipps preis gegeben.

Bevor ich die „Neuen“ jetzt im Rahmen von ebenfalls neuen Tourenvorschlägen
veröffentliche, werde ich die Ziele erst einmal selbst ansteuern und testen, damit ich EUCH keine Empfehlung ausspreche, die nicht unserem Anspruch entspricht. Sechs „neue Anlaufstellen“ im Bereich Eifel, Mosel und Hunsrück.

Also noch ein wenig Geduld und dann geht`s los. Denn WIR sind genau die Richtigen um der regionalen Gastronomie wieder auf die Beine zu helfen.

Wenn IHR auch noch eigene Tipps habt, die es wert sind, dass wir SIE als gute Pausenstationen empfehlen, dann bitte melden! Die Saison 2020 beginnt im Grunde genommen gerade erst und sie wird trotz Corona traumhaft werden. Es liegt an uns. Denn wie sagte einst ein weiser Mann:

Du musst deine Einstellung ändern und nicht den Himmel über Dir!

Und Was dann?

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Ich weiß – Es ist wahrscheinlich bereits Alles geschrieben worden und wahrscheinlich auch von jedem. Aber noch nicht von mir. Und deshalb musste ich mich jetzt an die Tastatur setzen und meine Gedanken irgendwie in Worte fassen.

Wir alle sind Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen. Uns eint unsere Passion und unsere Freude für das Fahren und für unsere Maschinen. Wir sind eine Gemeinschaft und auch die Anonymität gewöhnt, denn wir fahren in unserer Motorradkluft, sei es Leder- oder Textilkombi und haben einen Helm auf dem Kopf. Trotz dieser Anonymität fühlen wir uns aber aus den eben genannten Punkten verbunden. Deshalb grüßen wir uns auch, wenn wir uns begegnen. Die berühmte „Linke“ zum Gruß wird erhoben. Die oder Der mir gerade entgegenkommt teilt meine Hobby, meine Passion und denkt und fühlt wie ich. Der/Die MUSS in Ordnung sein.

Aber was passiert da gerade? Jetzt und wahrscheinlich auch in diesem Moment. Während sich gefühlt die ganze Welt das ganze Land Deutschland näher kommt, Verständnis für einander aufbringt und sich hilft, passiert bei uns, der verschworenen Gemeinschaft der Motorradfahrer genau das Gegenteil.

Zu Beginn hatte ich der ganzen Sache noch gar keine große Beachtung geschenkt. Es waren Momentaufnahmen. Okay, dachte ich, der ein oder die andere ist wahrscheinlich einfach etwas überreizt. Das wird sich geben. Es gibt sich aber nicht! 

Schaut man in die sozialen Medien, in die Gruppen in denen WIR uns tummeln, dann glaubt man seinen Augen nicht. Was hatte ich oben geschrieben? Wir sind die Anonymität gewöhnt, wir kennen und erkennen uns nicht auf der Strecke und grüßen uns trotzdem freundlich, weil uns unsere Passion eint? 

Von Einheit, von Gemeinschaft keine Spur mehr. Da wird in der Anonymität des Internets übereinander hergezogen und beschimpft, dass man an eine drittklassige Nachmittagsshow im Privatfernsehen erinnert ist. 

Stein des Anstoßes ist größtenteils das Problemfeld: Darf man in Zeiten des Coronavirus noch Motorradfahren oder nicht? Und die jeweils gegenseitigen Parteien fallen verbal übereinander her wie marodierende Landsknechtshorden im dreißigjährigen Krieg auf dem Schlachtfeld. 

Ich möchte jetzt an dieser Stelle nicht meine Auffassung zu diesem Thema äußern. Mir geht es darum, dass man, egal welche Meinung man vertritt, seiner Gegenseite mit dem nötigen Respekt begegnen sollte. Jeder hat (wahrscheinlich) Sachargumente die für ihn im Bezug auf das Thema bedeutsam und wichtig sind. Aber egal welche der Auffassungen man auch immer vertritt, es gibt keinen Grund die andere Seite zu beleidigen, zu beschimpfen oder ihr abzusprechen „ein echter Motorradfahrer oder Motorradfahrerin zu sein“. 

Vielleicht kommen wir in den nächsten Tagen und Wochen wieder hin zu diesem Punkt der Besinnung. Denn es gibt sicherlich Wichtigeres auf dem Planeten im Moment. 

Irgendwann wird ES aber vorbei sein und der Alltag und die Normalität kehrt wieder ein. Und für uns der Moment wo wir alle wieder auf unseren Lieblings-Landstraßen unterwegs sind. 

Und Was dann? 

Dann kommt uns der oder die Anonyme aus dem Internet, die wir massiv beleidigt haben, wieder anonym mit dem Helm auf dem Kopf entgegen. Und plötzlich geht wieder die Linke zum Gruß nach oben. 

Weil DAS ja einer von UNS ist!

Die Schwierigkeit der einfachen Wege und Lösungen

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So Leute – ich bin wieder da. Einige Wochen ziemlich außer Gefecht gesetzt sitze ich jetzt wieder über meiner Tastatur und schreibe euch die ersten Weisheiten für das Jahr 2020. Da gab es nette und kompetente Menschen im Chiemgau, die das Puzzle Flying Haggis zunächst auseinander gebaut und im Anschluss wieder ordentlich zusammengesetzt haben. Das Gesamtbild ist jetzt etwas anders als vorher aber ich bin mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Wie pflegte mein Vater doch immer so treffend zu sagen: Du kannst so alt werden wie eine Kuh und lernst doch immer noch dazu. Das ist jetzt sogar etwas poetisch.

Keine Angst. Die Passion Motorrad und alles drumherum ist geblieben. Und genau deshalb ist mir auch eine schöne Anekdote eingefallen, die irgendwie ganz passend ist im Bezug auf Betriebsblindheit und die damit verbundene Schwierigkeit die einfachen Lösungen zu finden.

Es war in der Anfangszeit meines Lebens auf zwei Rädern. Ich nannte eine Yamaha XJ 550 mein eigen und war stolz darauf ohne Ende. Irgendwie war das gute Stück aber von einem japanischen Monteur an einem Montag zusammengebaut worden, nachdem er am Wochenende zuvor etwas zu viel Reiswein zu sich genommen hatte. Das Ding war ein furchtbarer „Längsrillenschüttler“ und darüber hinaus „tötete“ die XJ bei Ausfahrten mehr H4-Birnen als ihr Fahrer Marzipanbrote zur Weihnachtszeit. Aber es war mein erstes Motorrad und somit für mich das TOLLSTE auf der ganzen weiten Welt.

Jetzt aber zu der Anekdote. Im Juni 1983 spielte die deutsche Fußballnationalmannschaft im benachbarten Luxemburg gegen Jugoslawien. So nah konnte man als Trierer die deutschen Helden selten sehen und so war es geradezu eine Verpflichtung die ca. 60 km in das Fußballstadion der Stadt Luxemburg in Angriff zu nehmen. Da ich um die wenigen Parkplatzmöglichkeiten rund um das Stadion wusste, war klar, dass ich mit meiner Yamaha in das benachbarte Großherzogtum rollte.

Gesagt getan und in froher Erwartung hinein in das Stadion. Die beiden Mannschaften machten sich warm und kurz danach erschienen sie wieder und lauschten ihren Nationalhymnen. Hymnen gespielt – die Jugoslawen verschwinden wieder in den Kabinen des Stadions. Die deutschen Spieler schauen noch etwas konsterniert, was man nachvollziehen kann. Gegen wen sollen sie spielen, wenn kein Gegner mehr greifbar ist?

So sitzen und stehen also die Zuschauer auf den Tribünen und haben keine Ahnung was hier jetzt eigentlich vor sich geht und warum beiden Teams wieder in den Katakomben des Stadions verschwunden sind. Der aus meinem ersten Artikel über Originale bekannte „Kippen-Pit“ steht in meiner Nähe und lässt in Trierer Mundart einige Stellungnahmen über die luxemburgische Organisation ab, die an dieser Stelle nicht zitierfähig sind.

Nach einer guten halben Stunde meldet sich endlich der Stadionsprecher und stellt den Zuschauern eine Frage:

„Ist zufällig einer der anwesenden Zuschauer im Besitz einer Musikkassette oder Schallplatte mit der aktuellen jugoslawischen Nationalhymne?“

Natürlich nicht – aber zumindest die Lacher hatte er jetzt schon auf seiner Seite. Bei der Auswahl des Liedgutes ist dem Luxemburger Verband ein Malheur passiert. Statt der aktuellen Hymne hatte man die alte Variante des Königreiches Jugoslawien erwischt. Dies lag mit einem Zeitfenster von 1918 bis 1941 etwas zurück und führte dazu, dass die jugoslawischen Nationalspieler erbost das Feld verließen. Kann man irgendwie verstehen. Unsere Spieler hätten sich beim Abspielen des preußischen Defiliermarsches statt der Nationalhymne sicherlich ähnlich verhalten.

Per Eilkurier schafft jetzt RTL-Radio die aktuelle Variante in das Stadion und nach dem zweiten Anlauf in Sachen Hymnen geht alles gut. Übrigens sehen wir auch ein spannendes und interessantes Spiel, obwohl es für meine aktuelle Geschichte eher Nebensache ist. 4:2 für Deutschland und da es auf Grund der Verzögerungen etwas später geworden ist macht sich euer werter Erzähler erst bei aufkommender Dunkelheit auf den Heimweg nach Trier.

Das kurze Stück Stadtautobahn ist mit Lampen taghell erleuchtet und bei Senningerberg verlasse ich die Autobahn in Richtung Landstraße nach Trier. Hoppla – da stimmt was nicht. Meine XJ 550 hat scheinbar gar keine Lust mir den Weg nach Hause auszuleuchten. Es ist stockduster und ich suche mir einen Platz unter einer Straßenlaterne um dem Problem auf den Grund zu gehen.

Wie bereits zu Beginn gesagt, meine XJ war ein „Birnenkiller“. Für mich also wieder sonnenklar: Die feinen Vibrationen haben der nächsten H4-Birne den Garaus gemacht. Also das Übliche – Birnenwechsel ist angesagt. Sitzbank hochgeklappt, aus meinem reichhaltigen Birnensortiment das Passende herausgesucht, alte Lampe raus, neue rein und DUNKELHEIT. Was ist denn jetzt? Das war doch jedes mal die Birne! Jetzt scheinbar nicht. Also die Anschlüsse kontrolliert, ist irgendwo ein „Wackler“? Oh Mann Haggis, Du hast kein Kontaktspray dabei. Vielleicht hätte das jetzt helfen können. Für das nächste Mal daran denken und einpacken. So weit es geht verfolge ich den Kabelbaum. Ist da irgendwo etwas geknickt? Alles Fehlanzeige. Langsam gehen mir die Ideen aus und ich lehne etwas verstört an meiner Japanerin.

OH Mann Johannes – die SICHERUNGEN!

Und das war jetzt des Pudels Kern. Deckel aufgemacht – die Sicherung für die Beleuchtung war durchgebrannt – gewechselt – Licht funktioniert wieder und Flying Haggis fährt kopfschüttelnd nach Hause. Wie kann einem denn so etwas passieren? Auf die einfachste Lösung bist Du erst zuletzt gekommen. Mein Gott wie dumm!

Das ist mir nie wieder passiert. In den ganzen folgenden Jahren war bei Elektronikdefekten immer der Sicherungskasten mein erster Weg der Fehlersuche. Beim MOTORRAD.

Aber da gibt es ja noch einen Faktor, der bei einer Motorradtour von tragender Bedeutung ist. Der Fahrer oder die Fahrerin.

Wie sagte Christoph Willumeit doch so treffend: Die einzige Sicherung die wirklich halten muss, ist jene, die in uns drinnen ist.

Und da habe ich jetzt eine richtig dicke Sicherung eingebaut. Schaut bei Euch mal nach ob Ihr nicht auch nachrüsten müsst. Es hilft und erspart eine Menge unnötigen Stress und Ärger. Denn die einfachsten Lösungen sind oftmals die Besten, obwohl man nicht direkt darauf kommt.

Wenn einer eine Reise tut……………

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dann kann er was erzählen. So oder ähnlich heißt es ja oftmals, wenn man sich irgendwo auf eine Tour begeben hat, in welcher Art auch immer. Dann hat man zum einen etwas erlebt und Eindrücke, sowie Erlebnisse gesammelt und genau dafür hat man sich ja auf die Reise begeben.

Zwei Arten von Reisen mache ich für mein Leben gern. Ich fahre gerne mit dem Motorrad und erkunde Land und Leute. Meine zweite Passion ist, mich mit dem Rucksack per pedes auf den Weg zu machen. Beide Varianten haben jeweils ganz bestimmte Vorteile, warum ich mich für das eine oder das andere entscheide. Was beide Versionen gemeinsam haben ist, dass man sich mit dem Gepäck einschränken muss und das Verpacken oftmals einem Mysterium gleicht.

Für mich habe ich jetzt das Optimum gefunden und das teile ich euch gerne mit. Mit unserer „alten 1190er“ waren wir 2017 nach Santiago de Compostela unterwegs. Zwei Wochen, fast 5.000 km, Wahnsinnstour. Wir hatten an unserer alten KTM das firmeneigene Koffersystem montiert und damit waren wir abschließend nicht zufrieden. Die Seitenlader hatten oftmals die Neigung nicht sauber zu schließen. Ein Koffer ließ richtig Regenwasser eindringen und im Topcase war es zumindest immer etwas feucht.

Das sollte jetzt bei der „Neuen“ anders werden. Unser „Bodo“ redete zwar mit Engelszungen auf mich ein: „Du fährst doch nicht die Paris-Dakar oder irgendwo durch die Wüste!“ Letztendlich resignierte er aber und folgte dem Kundenwunsch, der da war – Touratech-Kofferset mit Topcase.

Viele werden jetzt einwenden, dass die Optik ohne Koffer störend ist, weil sich das Trägersystem nicht so schön in der Maschine integriert. Ich finde, dass eine Maschine die „Adventure“ heißt auch ruhig nach Abenteuer und etwas rustikal aussehen darf. Das gilt nicht nur für die KTM-Produkte, sondern auch für BMW, Triumph oder Honda. Ich finde, dass SIE einfach klasse aussieht und selbst bei unserer Italientour als „Kampfstern Galactica“ hatte sie was Besonderes.

Wir hatten unser Gepäcksystem noch etwas aufgepeppt. Den Bericht über die SW-Motech Koffertaschen kennt ihr ja bereits. Von daher kann ich diese Taschen jetzt etwas unbeachtet lassen. Im Urlaub hatten sie sich mehr als nur bewährt – KLASSE!

https://flyinghaggis.net/2019/04/07/ich-packe-meinen-koffer/

In die Deckel der Touratechkoffer montierte ich noch Gepäcknetze.

Da mittlerweile Warnwesten in einigen europäischen Ländern verpflichtend sind, war das der ideale Aufbewahrungsort, falls es Nachfragen von der Rennleitung geben sollte. In den anderen beiden Deckeln fanden sich dann die Inlayer unserer Kombis wieder und waren so auch immer griffbereit.

Als Abfallprodukt wurde noch ein Touratech-Ständerfuß montiert, der der vollbepackten Fuhre auf dem Seitenständer einen stabileren Halt gab.

Um die morgendliche Packerei zu erleichtern haben wir noch die originalen Innentaschen von Touratech angeschafft, die wirklich exakt in die Koffer und das Topcase passen. Ohne drücken und quetschen flutschen die Taschen paßgenau in die Koffer. Eine sinnvolle Ergänzung für den Koffersatz und absolut wertig gemacht.


Jetzt wechseln wir ein wenig in meinen anderen Bereich – das Wandern. 2018 hatten die beste Sozia und ich eine Hüttentour auf dem Dolomitenhöhenweg gemacht. Jeder Tag auf einer anderen Hütte. Oftmals auch nicht ausreichend Platz um sich wie in einem Hotelzimmer auszubreiten. Not macht erfinderisch.

Erfinderisch bedeutet in diesem Fall – Eagle Creek. Sicherlich gibt es noch andere Firmen, die ähnliche Produkte anbieten. Wir haben bei unserem Outdoorhändler des Vertrauens die Eagle Creek-Taschen gefunden und können diese wärmstens empfehlen.

Sauber gefaltet könnt ihr eure Hemden, Hosen und sonstige Kleidung in diese Taschen legen. Für ganz Ungeübte ist sogar noch eine Faltanleitung dabei.

Danach rein in die Kofferinnentaschen und alles ist geritzt und sauber verpackt bis zum letzten Urlaubstag. Zum besseren Sortieren der Kleidung haben wir die Eagle Creek-Taschen in unterschiedlichen Farben gekauft. Dann weiß auch jeder in welcher Tasche jetzt welche Klamotten zu finden sind. Hoffentlich kommt jetzt nicht die Frage: Warum nicht in rosa und blau?

Mit der Gesamtkombination seid ihr komplett sauber aufgestellt und habt die morgendliche Packerei im Hotel auf ein Minimum reduziert. Die gewonnene Zeit haben wir dann wieder beim Frühstück investiert, was für uns auch viel sinnvoller ist.

P. S. Für diejenigen unter euch, die noch richtig Outdoor unterwegs sind, also mit Zelt und Schlafsack. Die Touratechkoffer sind ideal als Sitzplatz, sprich Hocker zu gebrauchen. Das Topcase auch als „Beistelltisch“ für Thermoskanne und Brotzeit. T-Shirt drüber und ihr habt fast das Ambiente wie in einem richtigen Hotel am abendlich gedeckten Tisch.

Geben wir uns einen Ruck – ODER besser eine Rukka

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Ich habe euch ja bereits vor einiger Zeit im Zusammenhang mit einem „Einkaufstipp“ (Motoland St. Wendel) erzählt, dass die beste Sozia von Allen und ich etwas unerwartet, weil nicht geplant, RUKKA-Textilkombis gekauft haben.

Die guten Stücke haben jetzt die erste Saison hinter sich und bei unserer Italienrundreise wirklich jedes erdenkliche Wetter miterlebt. Man kann also mit Fug und Recht sagen – Die Kombis sind auf Herz und Nieren geprüft.

Vor dem Kauf dieser Kombis stand für uns beide fest, die nächsten Anzüge müssen 3-lagige Kombis sein. Hintergrund dieser Entscheidung war, dass bei den meisten 2-lagigen Kombinationen folgendes Problem besteht – die regendichte Membran ist in dem neudeutsch Midlayer und wenn man den wegen warmer Temperaturen im Sommer zu Hause lässt und von einem Sommergewitter erwischt wird, dann geht die Nässe durch das Obermaterial der Jacke, sowie der Hose und Fahrer, als auch Beifahrer sind nass.

Jetzt kann man natürlich anmerken, dass man diese Zwischenjacken mit auf die Tour nehmen und bei Bedarf dann unterziehen kann. Für die Jacke ist das korrekt – bei der Hose stehen wir vor dem Problem, dass wohl niemand mit heruntergelassener Hose am Straßenrand stehen will, während er damit beschäftigt ist den Midlayer in die Hose zu fummeln.

Nach einer Saison kann ich nur sagen – ES war die beste Entscheidung, die wir in Sachen Motorradbekleidung bislang getroffen haben.

Euer werter Erzähler hat die RUKKA Energater und die beste Sozia von allen trägt eine „Hybridkombi“. Soll heißen: Die Jacke ist das Modell Orbita und die Hose das Modell Spektria. Hintergrund dieser Lösung war, dass es die Orbita nicht in der entsprechenden Beinlänge gab.

Kommen wir zunächst zu meiner Energater. Auf den ersten Blick könnte einem neutralen Betrachter der Schnitt der Jacke etwas merkwürdig vorkommen. Die Energater ist vorne etwas kürzer geschnitten, als hinten. In der Trekkingszene gibt es dies häufiger, damit der Bereich der Nieren und unterer Rücken länger warm bleibt. Bei der RUKKA Energater hat es noch einen weiteren Hintergrund.

Was machen wir größtenteils mit den Jacken? Wir sitzen – und zwar auf unserer Maschine. Bei langen Jacken hat man oftmals das Problem, dass sich dann Material im vorderen Bereich Richtung Tankschluß ansammelt. Schlimmstenfalls hat man dann bei Starkregen ein kleineres oder größeres Rinnsal, dass sich dann irgendwo seinen Weg sucht. Meistens in die falsche Richtung. Soll heißen, es entwickelt sich eine kleinere Kältebrücke oder es kommt doch irgendwo Nässe durch.

Durch den Schnitt der Energator sitzt die Jacke perfekt. Perfekt – solange man auf einer Maschine sitzt, die eine relativ aufrechte Sitzposition gewährleistet. Also alles was sich Reiseenduro oder Tourer schimpft. Aber auch Naked Bikes mit Superbikelenker sind bestens bedient. Die Jacke schließt optimal ab, keinerlei Materialansammlungen im vorderen Bereich.

Der Tragekomfort der Jacke ist sehr gut und man erreicht selbst mit Handschuhen die Taschen der Jacke problemlos. Von den vier Außentaschen sind zwei als wasserdicht ausgewiesen. Soll heißen, sie haben einen wasserdichten Reißverschluss und darüber noch eine Lasche, die man mit Knöpfen verschließen kann. Die beiden Brusttaschen haben lediglich diese beiden Laschen. Bei unseren Regenfahrten haben sie aber auch kein Wasser durchgelassen. Mit dem Taillengurt kann man die Jacke gut anpassen, falls die Urlaubsreise mit der guten Verpflegung einmal zu starken körperlichen Veränderungen geführt hat.

Die Hose besitzt drei Taschen. Zwei wasserdichte, ähnlich wie bei der Jacke mit überlappender Lasche und eine weitere kleinere Tasche lediglich mit wasserdichtem Reißverschluss. Innen verfügt die Hose zudem am Gesäß über das klimaregulierende AirCushion und außen über das rutschhemmende Antiglide-Keprotec.

Einfach aber genial ist der abnehmbare Hals- oder auch Sturmkragen. Beim ersten Anprobieren dachte ich noch: DEN machst Du direkt ab! Leute – macht das nur nicht. Diese einfache Lösung ist bei schlechter Witterung, sei es Regen oder kühler Wind einfach super. Der komplette Frontbereich, wo ansonsten der Fahrtwind bei Regenfahrten die „Brühe“ an den Hals, Buff oder Halstuch drückt und langsam durchnässt hat kein Durchkommen. Auch dieses unangenehme Gefühl, wenn einem das Regenwasser von hinten in den Kragen läuft ist Vergangenheit. Einfach klasse das Teil – keine Kältebrücke mehr an Hals oder Nacken.

Das wärmende Thermofutter trägt auch das Seine dazu bei, dass Fahrten bei niedrigen Temperaturen ihren Schrecken verlieren. Ohne das Futter ist die Kombi mit den Belüftungssystemen an Jacke und Hose auch im Sommer angenehm zu tragen. Zum Thema Sicherheit kann man nur anmerken, dass die hochwertigen Protektoren bei Jacke und Hose genau dort sitzen wo sie auch hingehören. Nichts zwackt oder zwickt egal ob man auf der Maschine sitzt oder per pedes einen kurzen Bummel durch eine Stadt macht.

Was haben wir noch Sinnvolles? Die doppelten Manschetten in den Ärmeln der Jacke, die als Wind- und Wasserschleuse fungieren und diesem Auftrag exzellent nachkommen.

Die Energater ist durchweg ein Kauftipp für die Herren, die eine wertige Kombi für das ganze Jahr suchen. Schwachstellen habe ich bis dato keine gefunden.

Kommen wir zu der Damenvariante. In unserem Fall zu der Orbita-Jacke und der Spektria-Hose.

Viele Hersteller verfügen lediglich über Unisex-Varianten bei ihrer Bekleidung. Dann sieht die Damenwelt des öfteren aus, als ob man(n) ihnen einen Sack umgehängt hätte.

Die RUKKA-Orbita ist eine reine Damenjacke und entsprechend vom Schnitt. Die Jacke dementsprechend tailliert und figurbetont. Natürlich auch mit dem bei RUKKA üblichen Goretex Pro Dreilagen-Laminat. Egal wie der Regen da draußen auch zuschlagen mag – mit der RUKKA bleibt ihr drinnen nusstrocken. Alles was schon für die Energater galt gilt ebenfalls für die Orbiter-Jacke bzw. die Spektria-Hose. Armacor-Verstärkungen an Schultern und Ellenbogen, sowie im Knie- und Schienbeinbereich. Alles hochwertig verarbeitet und mit einer guten Passform. Die Hosen übrigens auch mit einer „Langversion“, für die Damen und Herren mit langen Beinen.

Auch hier lässt sich das Thermofutter mit dem temperaturregulierenden Outlast natürlich bei Jacke und der Hose herausnehmen. Die Belüftungsoptionen sind seitlich an der Jacke und auf den Oberschenkeln.

Der praktische Sturmkragen ist auch an der Orbita-Jacke und hat im Verlauf der Saison gute Dienst geleistet.

Gerade unsere Damen-Variante mit Orbita und Spektria zeigt meines Erachtens gut, dass man die Modelle von RUKKA gut miteinander kombinieren kann und somit gerade die Damenwelt eine exzellente Möglichkeit hat für sich das Passende heraus zu suchen.

Wir jedenfalls sind im Verlauf der Saison RUKKA-Fans geworden. Also testet es bei eurem Händler in der Nähe und gebt euch einen Ruck – kauft euch eine RUKKA.

Pian del Bosco

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Es ist ja bei mir in der Zwischenzeit eine lieb gewonnene Gewohnheit geworden bei oder nach meinen Touren über ganz spezielle Unterkünfte auch ganz speziell zu berichten. Das ist auch nach unserer diesjährigen Italienrundfahrt so und in meinem Reisebericht habe ich DAS ja auch bereits angekündigt.

Es geht um das Hotel „Pian del Bosco“ in Perticara (Novafeltria).

Wo ist das denn jetzt? Zu eurer groben Orientierung – Es liegt westlich von San Marino in den Marken. Etwas genauer für die Suche im Routenplaner: I-47863 Perticara (Novafeltria); Via Guido Donegani 151. Hier hat sich der deutsche Besitzer Michael Roth etwas ganz Besonderes geschaffen.

http://www.piandelbosco.com/de/index.html

Das Pian del Bosco liegt auf angenehme Art und Weise abseits der Haupturlaubsrouten der Region. Es liegt derart malerisch mit einer wunderbaren Aussicht, dass man unmittelbar nach einer stressigen Anfahrt in den Entspannungsmodus kommt.

Dazu tragen Michael Roth und sein Team mit ihrer rundum sympathischen Art einen großen Teil bei. Michael Roth ist das Herz, die Seele und der Motor des Pian del Bosco. Sein erster Satz bei unserer Ankunft:

„Wollt Ihr erst auf euer Zimmer oder zuerst ein Begrüßungsbier?“

Und da wartete schon die erste Überraschung auf uns. Michael Roth kredenzt hier an seinem Tresen der durstigen Kundschaft eine Auswahl an Bieren, die so manch einem Brauhaus zur Ehre gereichen würde. Und das Ganze auch noch zu sehr moderaten Preisen, wenn man den Vergleich mit der üblichen italienischen Gastronomie anstellt.

Beim Thema Gastronomie kann man nur sagen, dass der Deutsche hier mit seiner Küche und seinem Haus auch die komplette Akzeptanz bei den Einheimischen gewonnen hat. Hier trifft sich am Abend im Restaurant nicht nur der Hotelgast, sondern auch die geschmacksverwöhnten Italiener. Ein größeres Lob kann man eigentlich nicht mehr aussprechen.

Die Küche des Pian del Bosco ist exzellent. Bodenständige italienische Gerichte. Wobei man nicht den Fehler begehen sollte, diese auf die wirklich wahnsinnigen Pizzen zu reduzieren, die man am besten zu zweit ist, damit noch Platz für Antipasti und Nachtisch ist.



Der Kracher bei den Pizzen sind dann noch die mitgelieferten „Scheren“, die eine praktische Nahrungsmittelaufnahme gewährleisten. Hat etwas von einem Chirurgen bei der Arbeit.


Antipasti, Nudelgerichte, Desserts und und und. Alles wirklich rundum schmackhaft und lecker. Und beim morgendlichen Frühstück bleiben auch keine Wünsche offen. Hier kommt immer die Frage der fleißigen Servicekraft ob man noch ein Omelette oder Ähnliches möchte.

Zur Entspannung der müden Motorradfahrerknochen hat das Pian del Bosco einen Pool. Der liegt landschaftlich schön eingebettet auf dem Grundstück und man genießt eine wunderbare Aussicht.

Hier lässt es sich an einem Ruhetag, wenn die Maschine mal stehenbleiben soll gut aushalten. Schließlich ist auch der besagte Tresen nicht weit entfernt.

Rundherum ist die Hotelanlage einfach wohltuend gemütlich und auch die kleinen Nuancen beweisen Stilsicherheit. Es passt einfach alles. Man findet immer irgendwo ein Plätzchen zum innehalten oder um den Tag, gerne auch mit einem Getränk, Revue passieren zu lassen.

Wenn ihr also im nächsten Jahr eine Tour nach Italien plant, dann seid ihr hier bestens aufgehoben. Auch wenn es euch nur kurz in die Region treibt, weil ihr z. b. das Rennen in Misano besuchen wollt. Der Kurztrip wird ohnehin länger, weil der Hausherr Michael Roth einige wunderschöne Touren in der Region bereithält.

Ich bin gespannt was ihr sagt. Auf geht`s!

Giro d`Italia ODER Quo vadis (Teil II)

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10. und 11. Tag: Rom die ewige Stadt

Wir waren zeitig in Rom und als der erste Schock über die Fahrweise der römischen Rollerfahrer verflogen war, fuhren wir entspannt unser Hotel in der Via Nazionale an. Mittendrin statt nur dabei und so nutzten wir unsere zeitige Ankunft, um direkt das Kolosseum anzulaufen.

Fußläufig eine knappe Viertelstunde entfernt hatten wir das schnell erledigt und weil der Andrang sich in Grenzen hielt marschierten wir, wie die Gladiatoren, nur wir bewaffnet mit unserem Video- und Audioguide, ein. Man muss es gesehen haben, wie so viel in Rom und die Fülle an Informationen verarbeiteten wir zunächst in einer typischen italienischen Paninibar und im Anschluss, welch ein Frevel, in Hotelnähe in einem Irish Pub. Mitten in Rom, bei irischer Livemusik, was für ein Brüller.

Zwei Tage sind für Rom zu wenig. Das war uns natürlich mehr als bewusst. Aber dennoch reicht es allemal um einen ersten Eindruck zu gewinnen von der Hauptstadt der Italiener und dem Zentrum der katholischen Kirche.

Die hat sich als Monument ihrer Macht eine Kirche in Roms Zentrum erbaut, deren Anblick einen Besucher sprachlos hinterlässt. Der Petersdom – was für ein Bauwerk!

Da war doch mal was? Derjenige auf dem die katholische Glaubenslehre fußt hatte doch laut Bibel gewisse Leute aus seinem Tempel gejagt! Wenn ihr den Petersdom besichtigen wollt, dann zahlt ihr Eintritt. Das berechtigt dann zum Einlass in den „Tempel“. Der ist aber verbunden mit einer Wartezeit in einer Menschenschlange, welche die A 8 zur Hauptferienzeit wie ein Sommermärchen erscheinen lässt. Bei unserem Erscheinen etwa 3-stündige Wartezeit in der besagten Schlange. Moderner Ablasshandel im 21. Jahrhundert – Grüsse an Herrn Luther.

Wir wollen das Ganze etwas beschleunigen und schließen uns, gegen einen gewissen finanziellen Aufschlag, einer „deutschen Führung“ inklusive der Vatikan Museen und der Sixtinischen Kapelle an. Eine grandiose Idee – keine Wartezeit und gute 3 Stunden ein Informationsschwall unseres österreichischen Führers, der fast zu viel des Guten war. Unsere Gruppe folgte also durch das komplette Staatsgebiet des Vatikan einem Menschen, der im Hochsommer mit Sakko, weißem Hut und einem zusammengeklapptem gelben Regenschirm vor uns hermarschierte. Grotesker könnte nur noch sein, wenn Karlsson vom Dach mit Propeller auf dem Rücken vor uns geflogen wäre.


Auf alle Fälle war es die beste Idee des Tages und hiermit nochmals Danke an Österreich.

Tag 2 in Rom nutzten wir dann für alles Andere, was uns noch irgendwie bedeutungsvoll erschien. Die spanische Treppe bei noch geringem Besucherandrang.

Dann die Fontana di Trevi. Der wunderschöne Platz vor dem Brunnen verdaute zu diesem Zeitpunkt bereits eine Menschenansammlung aus aller Herren Länder, die einen fast fassungslos hinterließ. Die armen römischen Stadtpolizisten kamen bei ihrer Pfeiferei fast hinter die Luft. Sitzen auf der Brunnenumrandung zwecks Fotos oder Selfies ist nämlich nicht mehr gestattet. Das ist aber insbesondere in asiatische Köpfe nicht hineinzubekommen. Auch nicht mit Hilfe von Trillerpfeifen.

Egal wo uns der Weg auch immer hinführte. Jeder Zentimeter dieser Stadt atmet Geschichte und was uns fast noch mehr begeistert, Lebensart. In jeder Straße findet man ein schönes Cafe oder eine italienische Bar wo man einen Logenplatz besitzt um menschliche Studien zu machen.

Fazit: Rom ist keine Stadt. Rom ist ein Lebensgefühl.

12. Tag: Rom – Toskana – Siena

Kopf und Herz voll mit den Eindrücken der letzten beiden Tage machen wir uns wieder auf den Weg. Gut 300 km liegen heute vor uns. Zunächst wollen wir ein paar Meter machen, um ausreichend Zeit für die dann kommenden interessanten Strecken und Orte zu haben.

Also erst einmal raus aus Rom bei leichtem Nieselregen in grober Richtung Viterbo und Bolsenasee und dann wird es wieder richtig schön und anspruchsvoll.

Wir drehen in westliche Richtung ab nach Manciano und von dort geht es schön kurvig zu einem der heutigen Highlights.

Pitigliano ist noch etwa 130 km von unserem heutigen Etappenziel entfernt und u. a. bekannt für seinen preisgekrönten „Bianco di Pitigliano“ und die Süßspeise Sfratto (längliche Teigrolle mit einer Füllung aus Honig, Nüssen und Zimt). Einmalig ist die Lage des Ortes hoch erhoben auf einem Felsen aus Tuffstein. Auf den ersten Blick wirkt es als ob einer der bekannten italienischen Bildhauer den Ort aus dem Stein gemeißelt hätte. Eine Stadt als Skulptur. Auch keine schlechte Idee. Zwangsweise natürlich ein geniales Fotomotiv. Wir finden einen schönen Platz für unsere Sissy und genehmigen uns einen Kaffee.

Dann geht es für uns auf nach Sorano. Das Zentrum der alten Etruskerstadt empfängt uns mit strömendem Regen. Also keine Pause, weil alle möglichen Fotomotive im Grau in Grau untergehen.

Weiter geht es über das schön gelegenen Castel Azzara immer noch im Regen und somit drehen wir ab zu unserem heutigen Zielort Siena.

Unser heutiges Etappenziel Siena ist im Grunde genommen das „stadtgewordene Sinnbild“ der Toskana. Die berühmte Piazza del Campo wo das nicht minder berühmte Pferderennen Palio der Stadtviertel Sienas stattfindet. Der beeindruckende Turm als Zentrum des Platzes und der Dom mit seinen wunderschönen Mosaiken. Italienischer kann eine Stadt gar nicht sein. Jetzt habe ich mir gerade Feinde in Florenz, Bologna und Rom gemacht. Übrigens – 1588 wurde in Siena der erste Sprachkurs der Welt dokumentiert. Der war für „deutsche Einwanderer“. Möglicherweise waren wir schon in einem der früheren Leben hier und haben deshalb derart den Gefallen an der Stadt gefunden – Tutto a posto. Wir verbringen die Nacht im Hotel Athena und damit wieder derart zentral, dass wir unseren abendlichen Stadtbummel locker fußläufig erledigen können. Glücklicherweise hat der Regen aufgehört und wir genießen das Ambiente von Siena.

13. Tag: Siena – Lerici

Die Sonne weckt uns am nächsten Morgen und der Blick aus unserem Hotelfenster ist einfach Wahnsinn.

Hektik und Stress hat bei unserer Tour überhaupt nichts zu suchen und so rollen wir nach einem ausgiebigen Frühstück, mit einer guten Tasse Kaffee, hinaus aus dem schönen Siena. Es geht über Monteriggione und Colle di Val d`Elsa nach San Gimignano, der Stadt mit den weltberühmten Geschlechtertürmen und einer „Weltklasse-Eisdiele“ am Marktplatz. Die Zeit müssen wir uns einfach nehmen und schlecken gemütlich unser Eis bei einem kleinen Spaziergang durch das pittoreske San Gimignano.

Überhaupt muss man sagen, dass unsere gestrige und heutige Etappe durch die Ausläufer der Toskana die Speicherkarte jeder Kamera in Akkordarbeit versetzen kann. Ein malerisches Örtchen neben dem anderen und nach jeder Ecke oder Kurve findet sich ein neues Fotomotiv. Einfach toll und wir machen uns mit einem breiten Lächeln im Gesicht wieder auf den Weg.

Bevor es uns an die Küste treibt, machen wir noch einen Abstecher nach Lucca. Neben den ganzen (neudeutsch) Hotspots in der Toskana wie Florenz und Pisa führt Lucca eine Art Dornröschendasein.

Und das ist auch gut so, denn es ist nicht so touristisch überlaufen. Uns lädt der Ort zu einer Kaffeepause ein und die verbringen wir kulinarisch in der „Pasticceria und Caffetteria da Sara & Co“ mitten in Lucca, also innerhalb der Stadtmauer. Einfach köstlich.

Apropos köstlich! Der Schreiber dieser Zeilen hatte „Sissy“ vor der Stadtmauer von Lucca an einem Straßenrand abgestellt. Bei unserer Rückkehr hatten wir Post von der Stadt Lucca. 42,- Euronen, weil Sissy nicht in einem entsprechend gekennzeichneten Feld gestanden hatte. Für Direktzahler (innerhalb von 5 Tagen) gibt es 30 % Nachlass. Also haben wir schnell die Finanzen der Stadt Lucca mit 30,- € aufgebessert und tags darauf bei der Post in Lerici bezahlt.

Unser weiterer Weg führt uns jetzt in Küstennähe, aber diesmal nicht an die Adria, sondern an das Mittelmeer oder wie die Römer sagten „mare nostrum“. Lerici ist unser Etappenziel. Ein gemütlicher Küstenort in einer der schönsten Buchten der ligurischen Riviera südlich von La Spezia. Der Weg dorthin ist wie eine „geteerte Entspannungs-CD“. Bei Viareggio rollen wir an die Küstenstraße und dann geht es entlang der „Badewanne der Toskana“ bis nach Lerici.

Wem der letzte Abschnitt vielleicht zu eintönig oder nicht anspruchsvoll genug ist, der orientiert sich ab Lucca auf die SP 445 in Richtung Castelnuovo di Garfagnana. Dann über Gragnola, Tendola und Castelnuovo Magra hinunter an die Küste nach Lerici.

14. Tag: Lerici und die Cinque Terre

Heute haben wir wieder einen „freien Tag“. Den nutzen wir und besichtigen Lerici mit seiner Burg aus dem 13. Jahrhundert.

Da wir die naheliegenden Dörfer der „Cinque Terre“ komplett stressfrei besuchen möchten, besteigen wir in Lerici ein Schiff und lassen uns über Portovenere zu den fünf bekannten Dörfern schippern. Der malerische Blick vom Meer auf die Küste ist dabei inklusive. Ganz alleine mit sich und seinen Gedanken ist man aber nie. Täglich haben Tausende von Touristen die gleiche Idee. Einen schöneren Blick auf die Cinque Terre habt ihr aber nirgendwo.

15. Tag: Lerici – Varese – Borgo Val di Taro – Vernasca – Cremona

Genug gesehen von Küste und Mittelmeer. Heute geht es wieder in das Landesinnere und es darf auch ruhig wieder kurvig werden. Ganz leicht ist es am tröpfeln. Von Lerici aus nehmen wir dafür zunächst die SS 1 an La Spezia und Brugnato vorbei und wechseln dann auf die SP 566 in Richtung Varese (Ligure).

Varese ist Mitglied in der Vereinigung der schönsten Orte Italiens und erhielt 2006 eine Auszeichnung als besonders sehenswert und ökologisch. Das Attribut besonders sehenswert bezieht sich sicherlich auf die Form von Varese, damit meine ich das eigentliche Stadtbild, denn Varese ist architektonisch ein so genanntes Runddorf.

Von Varese geht es für uns auf die SP 523 (Cento Croci Pass) in Richtung Bore bzw. Borgo Val di Taro. Eine wunderbare Streckenführung erwartet uns. Italiens Straßenbauer scheinen durchweg Motorradfahrer zu sein. Der Passo Cento Croci bringt uns auch wieder jenseits der 1.000 Höhenmeter. Ein stattlicher Anstieg, wenn man bedenkt, dass wir am Morgen von Meereshöhe gestartet sind. Von Borgo Val di Taro führt unser Weg über den Passo Santa Donna nach Bardi.

In diesem Streckenabschnitt erwartete uns dann ein ganz besonderes Erlebnis. Ganz plötzlich und vollkommen unerwartet kreuzt ein Wolf unsere Fahrt. Mit dem typischen Laufstil läuft er über die Straße ohne uns Beachtung zu schenken. Unser erster Wolf in freier Wildbahn – Wahnsinn. Knappe zwei Kilometer später wiederholt sich das Schauspiel und ein zweiter Wolf  quert unsere Route. Isegrim scheint in dieser Region eine neue Heimat gefunden zu haben.

Letzte Zwischenetappe ist der Ort Vernasca, ebenfalls wie Varese Mitglied der besagten Vereinigung „I borghi più belli d’Italia“. Sehenswert ist in Vernasca auch die Burganlage im Stadtteil Vigoleno.

Dann geht es in unseren heutigen Etappenort Cremona. Wir sind mittendrin statt nur dabei im Hotel Duomo. Cremona ist weltbekannt, zumindest bei Freunden des Geigenbaus. Stradivari ist der berühmteste Sohn der Stadt.

In etwa neunzig Werkstätten werden noch heute hier in Cremona wertige Geigen gefertigt. Sogar die Konditoren der Stadt nehmen sich der Geigen an.

Den Abend lassen wir gemütlich auf der Piazza ausklingen. Ein wunderbarer typisch italienischer Ort und dabei komplett frei vom üblichen Touristenrummel. Wir genießen die italienische Leichtigkeit des Seins. Man kann von unseren Nachbarn am Mittelmeer einiges über das Leben lernen. Oder sollte ich besser sagen: Über die Kunst zu leben? Cremona solltet ihr bei einer Streckenplanung als Etappenort auf alle Fälle einplanen – es lohnt sich.

16. Tag: Cremona – Bozen

Am frühen Morgen geht es in Cremona los. Zunächst werden relativ unspektakulär Kilometer gemacht auf unserem Weg in Richtung Gardasee. An der Ostseite geht es dann, immer mit Blick auf den See, bis Malcesine und unserer ersten Pause. Der Ort ist einer der Touristenhotspots am Gardasee und zu jeder Jahreszeit gut besucht. Von hier führt auch eine Seilbahn hoch auf den Monte Baldo. Vor Jahren hatten wir hier oben eine Wandertour gemacht. Bei schönem Wetter ein Erlebnis für die Ewigkeit. Bei dem heutigen bedeckten Himmel kann man sich die Sache ersparen.

Die weitere Fahrt entlang des Gardasees hat etwas Entschleunigendes. Hier ist immer ausreichend Fahrzeugverkehr und gewagte Überholmanöver bringen keinen großen Zeitgewinn mit sich. Also schwimmen wir gemütlich im Verkehr mit und genießen den Blick auf den Gardasee und die angrenzenden Berge, soweit die tiefe Wolkendecke es erlaubt.

Hinter Torbole, dem Mekka der Windsurfer, begeben wir uns auf die Superstrada in Richtung Trient. Es hat angefangen zu regnen und hinter Trient öffnen sich dann die Himmelsschleusen komplett. Eigentlich war in Höhe Mezzolombardo angedacht auf die SS 43 / SP 73 abzubiegen und zum Abschluss der heutigen Etappe über den Mendelpass nach Bozen einzufahren.

Hannibal vom A-Team lässt wieder grüssen. Auch dieser Plan funktioniert nicht. Es regnet in Strömen und die tief hängenden Wolken lassen unsere geplante Route nicht einmal erahnen. Also direkter Weg zu unserem Hotel Stiegl Scala in Bozen und die komplett verdreckte Sissy in der hoteleigenen Tiefgarage abgestellt. Hier habe ich zumindest ein trockenes Plätzchen für die anstehende Kettenpflege. Wie zum Hohn reißt kurz danach die Wolkendecke auf und es ist wieder gutes Wetter.

Ja – wir sind immer noch in Italien. Die Landeshauptstadt Südtirols Bozen versprüht zwar italienischen Charme, man merkt aber trotzdem das wir wieder in unserem geliebten Südtirol gelandet sind. Man sitzt mit seinem Glas Rotwein, einem Aperol Sprizz oder einem Espresso komplett entspannt am Tisch eines Cafes oder einer Bar ABER die Gespräche, denen man rundherum lauscht, sind in deutscher Sprache. Italienisch hört man nur noch selten. Die Südtiroler haben ihr eigenes Verständnis mit und zu der italienischen Sprache. Was ist noch anders? Die Küche ist ein herrliches Gemisch aus italienischer Esskultur und den exzellenten bodenständigen Südtiroler Gerichten. Wir lieben es und lassen es uns schmecken.

17. Tag: Bozen – Überlingen

Heute müssen wir uns ein wenig sputen. Nicht das Hektik aufkommen soll, aber unsere heutige Etappe ist doch schon eine der längeren Routen auf unserer Reise. Dafür aber auch mit einem hohen Unterhaltungswert was Gegend und Strecken angeht.

Der geplante Weg sollte uns über Meran, Rechenpass, den Arlbergpass nach Lech und dann weiter in den Bregenzer Wald führen. Aber wir haben heute am frühen Morgen gutes Wetter. Kalt aber sonnig, also optimal für eine Höhenroute. Wie war das noch zu Beginn der Italientour? Gemütlich sollte uns der erste Tag über das Hahntennjoch führen und am zweiten Tag dann über das Timmelsjoch und den Jaufenpass. Komplett tiefenentspannt. Jetzt hat mich der Gedanke gepackt, dass direkt hinter unserem Hotel die Zufahrt zum Penserjoch beginnt. Das endet genau bei der Zufahrt Jaufenpass. Den Rest könnt ihr euch jetzt denken.

Bombastisch im Hotel Stiegl Scala gefrühstückt machen wir uns auf den Weg und rollen direkt ohne viel Verkehr über das Penserjoch.

Auch der Jaufenpass ist zu dem frühen Zeitpunkt noch nicht stark frequentiert.

Als nächstes steht das Timmelsjoch auf dem Plan, welches uns als Passo Rombo in Italien erst einmal hinein nach Österreich führt. Auf dem Gipfel sind noch Schneereste. Der starke Regen am gestrigen Tag kam wohl hier wieder als Schnee herunter.

Quälend lang empfinden wir dann unsere Fahrt durch das Ötztal und in Imst nehmen wir unseren weiteren Weg über das Hahntennjoch.

Weiter durch das Lechtal und hinauf nach Warth. Jetzt sind wir wieder auf der eigentlich geplanten Streckenführung und rollen über Schröcken, Au und Mellau in Richtung Dornbirn und Bregenz.

Es hat wieder angefangen zu regnen. Fast unbemerkt haben wir die Staatsgrenze überschritten und sind wieder in Deutschland. Fast unbemerkt! Mit der vollbepackten Sissy fahre ich vorsichtig durch den beidseitigen Stau am Bodensee. Immer die nötige Vorsicht walten lassend, weil die weit abstehenden Touratechkoffer ansonsten hässliche Geräusche verursachen können. In ganz Italien, selbst in Rom, ging dies immer problemlos. Die italienischen Autofahrer ließen einem immer ausreichend Platz zum Überleben. In Deutschland angekommen wird beim Anblick eines Motorradfahrers wieder jede Lücke geschlossen oder der Raum zwischen den beiden Fahrspuren durch entsprechende Manöver versperrt. In Italien gibt es ein Sprichwort, welches sagt: Die gleiche Blüte die der Biene zum Honig verhilft, gibt der Wespe ihr Gift. Mich beschleicht schon länger das Gefühl, dass wir ein Land von Wespen werden. Möglicherweise haben wir den Honig des Lebens nicht mehr verdient.

Den Bodensee immer zu unserer Linken rollen wir jetzt bis nach Überlingen zu unserer nächsten Station im Hotel „Bürgerbräu“.

18. Tag: Der Bodensee

Bevor es am morgigen Tag schon wieder in Richtung Heimat geht genießen wir heute noch den Bodensee und seine schönen Aussichten.

Entspannung nach der gestrigen etwas längeren Etappe ist angesagt und so schauen wir uns zunächst einmal in Überlingen etwas um. Die gestrige lange Tour und auch die bereits zurückliegenden Kilometer haben ihre Spuren hinterlassen. Abhilfe verschafft die Bodenseetherme in Überlingen und so entspannen wir in Thermalwasser und Sauna.

19. Tag: Überlingen – Trier

Heute begeben wir uns schon auf den Heimweg. Die letzte Etappe steht an und die sollte uns über den Schwarzwald und die Vogesen nach Hause führen.

Das Wetter ist uns aber erneut nicht hold. Wie zu Beginn unserer Reise strömender Regen. Der Hannibal in mir ist auf der Tour auch immer kleiner und kleiner geworden. Pläne sind schön und gut, wenn sie aber komplett sinnfrei werden kann man auch ein Exkrement darauf machen. Ich wollte das böse sch-Wort nicht schreiben.

Wir rollen direkt auf die Autobahn und lassen unsere Sissy auf dem direkten Weg in die heimatlichen Gefilde rollen.

Fast drei Wochen waren wir jetzt unterwegs. Eindrücke gesammelt für die Ewigkeit und Erinnerungen, die wir nicht mehr missen wollen. Dazu nette und hilfsbereite Menschen kennengelernt. Ein klarer Beweis für die These:

Wenn Du offen und freundlich zu deiner Umgebung bist – dann ist sie es auch zu Dir!

Das Leben kann schön sein, wenn man ihm die Chance dazu lässt. Am Ende der Gedanken wachsen die schönsten Blumen, so ähnlich hat das mal ein weiser Mensch formuliert. In diesem Falle waren es dann keine Blumen, sondern eine wunderbare Motorradtour, die mich auch Vieles gelehrt hat. Wahrscheinlich noch mehr als ich jetzt vermute, aber das werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Und an die Menschen gewandt die über das Später oder das mögliche Leben nach dem Tod philosophieren:

Ich glaube an das Leben vor dem Tod und genieße es in vollen Zügen. Und unsere Tour durch Italien war Genuss und Freude pur. Euch wünsche ich einfach viel Spaß beim Nachfahren!

Giro d`Italia ODER Quo vadis (Teil 1)

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Nachdem die beste Sozia und ich im Jahr 2017 auf Pilgerfüssen oder sollte man besser sagen Pilgerrädern nach Santiago de Compostela unterwegs waren, beschäftigte uns danach dann der Gedanke: Was machen wir denn demnächst? Wo soll uns die nächste größere Reise hinführen?

Im Grunde genommen war der Gedanke sehr schnell gefasst und in die Tat umgesetzt. Sind wir doch beide italophil, schwärmen für das Land, seine Menschen und das Essen. Nicht zu vergessen den Wein und die italienischen Motorräder. Also ITALIEN sollte es werden, das war nun klar und dementsprechend liefen die Planungen an.

Ein Giro d`Italia mit mehreren Etappenorten wurde angedacht, die Übernachtungsstationen ausgesucht sowie gebucht und dann ging es im September, nach den Sommerferien in Italien, los.

Habe ich es schon irgendwann einmal erwähnt? Ich bin im Grunde genommen der Zwillingsbruder von Hannibal. Nein – nicht der Alpenüberquerer und auch nicht der Kannibale Hannibal Lector, den Anthony Hopkins einst so vortrefflich darstellte. Ich bin der Typ aus dem A-Team, dessen Standardspruch immer war: Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Genau das stellte sich jetzt direkt zu Beginn unserer Italienrundfahrt als Problem dar.

Das Wetter spielte komplett verrückt und direkt an dem Wochenende, als wir starten wollten, kamen Wettervorhersagen, die das absolute Grauen waren. Da war plötzlich von Schneefall am Alpenhauptkamm, direkt in unserer Einflugschneise die Rede. Also bauen wir unseren Plan ein klein wenig um und starten einen Tag früher, sozusagen Tag 0 mit der Zwischenstation in Ulm. Hier wollte ich den frühen Morgen abwarten und mir die Wetterentwicklung anschauen. Geht noch das Hahntennjoch? Müssen wir vielleicht doch den Fernpass nehmen oder am Ende eine komplett andere Route?

1. Tag: Ulm – Oetztal

Es ist Morgen in Ulm und der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes. Wolkenverhangen verheißen auch sämtliche Wetter-Apps nichts Positives. Beide Varianten sind somit gestorben und wir beißen in den sauren Apfel, der konkret heißt: Autobahn über München und hinein nach Österreich. Kurz hinter München landen wir dann im Vollwaschgang der Waschmaschine von Triers Stadtpatron Petrus. Er ist schließlich für das Wetter verantwortlich und meint es nicht besonders gut mit uns an diesem Tag.

Kurz vor Innsbruck brauchen wir eine Pause und rollen ein Rasthaus an. Schnell haben wir Kontakt mit einem Engländer, der auf seiner 1200er GS unterwegs ist. Gesprächsthema Nr. 1 bei dieser Wetterlage ist, dass unsere Rukka-Kombis besser sind als seine Revit. Er ist „komplett durch“, erduldet dies aber mit der typisch englischen Gleichmütigkeit. Draußen vor der Restauranttür qualmt gerade ein Italiener, der mit seiner Multistrada-Enduro unterwegs ist, eine Zigarette. Er zuckt nur mit den Schultern und grinst.  Was anderes bleibt einem auch nicht mehr übrig.

Als erstes Etappenziel haben wir uns das Oetztal ausgesucht, weil wir dann bereits passend in Fahrtrichtung zu unseren Herausforderungen an Tag 2 Timmelsjoch und Jaufenpass stehen. Wir übernachten in der Hotelpension Stecher in Oetz und der Blick auf das Hinweisschild Timmeljoch lässt uns nur den Kopf schütteln. Gesperrt wegen Schneefalls. Wir genießen einen wunderbaren Abend bei einem guten Essen und einem Glas Bier im Ort und hoffen wieder auf den nächsten Morgen.

2. Tag: Oetztal – Brenner – Toblach

Tag 2 steht an und das Hinweisschild zum Timmelsjoch hat sich nicht geändert. Immer noch gesperrt. Im Internet steht, dass frühestens ein Tag später mit der Öffnung zu rechnen ist. Die Webcam oben vom Museum sieht auch nur gruselig aus.

Einzige mögliche Route – der Weg über den Brenner. also wieder zurück nach Innsbruck und dann über die alte Brennerstraße hinein nach Südtirol. Was soll ich sagen? Unsere Wahlheimat Südtirol empfängt uns mit Sonne und so machen wir in Sterzing bei einem ersten Latte Macchiato und einem Stück Kuchen Rast.

Die weiteren Kilometer von Sterzing bis kurz vor Brixen erledigen wir unspektakulär auf der Brenner Staatsstraße, die parallel zur mautpflichtigen Brennerautobahn führt. Diejenigen unter euch, die sich gerne nach Zahlen orientieren schauen jetzt nach dem blauen Schild SS 49. Dahinter verbirgt sich die Pustertaler Staatsstraße, die jetzt unser Asphaltband zum nächsten Etappenort ist. Wer nicht getrödelt hat und gut in der Zeit liegt, der kann in Bruneck noch abfahren und einen kleinen Bummel durch die wirklich schöne Altstadt mit ihren einladenden Geschäften machen. Oder die Zeit im Messner Mountain Museum nutzen und sich über die Kulturen der Bergvölker unserer Welt kundig machen.

Da wir in den kommenden Tagen auch die ein oder andere Brotzeit für unterwegs in Planung haben, fahren wir weiter bis uns der Weg von der SS 49 rechts ab in Richtung Olang weist. Hier in der Ortslage findet man die Macelleria (Metzgerei) Mair (ja – genau ohne „e“). In all unseren Jahren in Südtirol haben wir noch keine bessere Metzgerei gefunden. Also nichts wie rein und eingedeckt mit Kamin-, Gams- und Hirschwurzen und weil er so lecker aussieht, auch noch ein kleines Stück Gamsschinken. Irgendwo ist in den Koffern immer noch ein Platz zu finden.

Nur noch ein paar Kilometer sind es jetzt bis zu unserem Etappenziel in Toblach. Nomen est omen – im Toblacherhof.

Wer noch etwas Spritgeld sparen möchte zieht die paar Kilometer durch bis kurz hinter Innichen zur Staatsgrenze nach Österreich und macht hier nochmals das Spritfass voll. Wir lassen, nach einem kleinen Spaziergang durch Toblach, den Abend gemütlich bei einem guten Essen ausklingen.

3. Tag: Toblach – Cortina d`Ampezzo – Passo di Giau – Mestre

Frisch gestärkt geht es am Morgen von Toblach aus weiter in Richtung Cortina d`Ampezzo auf der SS 51 durch das Höhensteintal. Wer unterwegs noch eine kleine Fotopause machen möchte kann dies nach ein paar Kilometern kurz vor dem Dürrensee an einem Hotelparkplatz, zur Rechten, machen. Von hier hat man einen wunderschönen freien Blick auf das Bergpanorama der „Dreizinnen“. Näher an das Wahrzeichen der Dolomiten kommen wir nicht mehr heran.

Dann biegen wir links auf die SS 48 nach Misurina ab und fahren über den Passo Tre Croci. Eine schöne landschaftliche Einstimmung auf den Tag.

Cortina ist zu früh für eine ausgiebige Pause und die Begeisterung für den mondänen Bergort mit seiner Olympiahistorie kann ich nicht so ganz teilen. Es gibt in der Region weitaus schönerer Orte, aber das ist natürlich alles Geschmacksache. Apropos Geschmacksache – wir kommen jetzt zu meinem absoluten Favoriten der Dolomitenpässe, dem Passo di Giau. An sich fahre ich lieber die spektakuläre Südrampe aufwärts und dann in Richtung Cortina, aber wir können am heutigen Tag nicht einfach die Erdkugel drehen, weil es Flying Haggis so besser gefallen würde.

Also zunächst einmal die bewaldete SP 638 aufwärts, bis die Sicht frei wird auf die herrlichen Dolomiten. Der Blick geht auf die Bergkette der Croda da Lago. Hier hatten Flying Haggis und die beste Sozia von Allen 2018 die letzte Etappe auf dem Dolomitenhöhenweg. Auf der Passhöhe bietet sich eine kleine Espressopause im Rifugio Fedare an. Der Blick ist einfach grandios. An guten Tagen kann man in Richtung Westen die Marmolada und die Sellagruppe sehen und im Osten den Falzarego.

Aber nach der üblichen Pässerunde steht uns heute nicht der Sinn. Wir haben ja ein anderes Ziel vor Augen. Mit uns geht es jetzt erst einmal abwärts. Zumindest was die Höhenmeter angeht, ansonsten sind wir auf einem mentalen Hoch. Wir cruisen die Serpentinen abwärts nach Selva di Cadore.  Dann auf der SP 251 über die Forcella Staulanza von Mareson, über Zoldo Alto nach Dont. In der Ortslage Dont geht es rechts ab auf die kurvenreiche SP 347 (Passo Duran) in grobe Richtung Agordo / La Valle Agordina. Gut 20 Kilometer folgt auf- und abwärts ein Kurvenschwung auf den Anderen, bei einer teilweise recht schmalen und wunderbaren Streckenführung. Auf der Passhöhe haben wir nochmals Zeit für eine Kaffeepause. Also entweder rein in das Rifugio Tomé oder in das Rifugio San Sebastiano. Wir genießen den Blick auf den Monte Pelmo und dann zieht es uns weiter in Richtung Süden.

Deshalb haben wir zunächst einmal die Wegweiser in Richtung Belluno im Auge und rollen auf der SR 203 gen Süden, den Torrente Cordevole immer zu unserer Rechten.

Danach geht es für uns weiter in Richtung Montebelluna. Es ist wirklich schwer in diesem Bereich noch eine ansprechende Routenführung zu gestalten und so kämpfen wir uns Ortschaft für Ortschaft zu unserem nächsten Etappenziel nach Mestre.

Was wollen wir denn jetzt in Mestre? Einfach erklärt ist dieser Ort die ideale Ausgangsposition für Motorradfahrer, wenn man beabsichtigt „La Serenissima“, die Stadt Venedig, zu besuchen. Wir beziehen unser Hotel Adria in der Via Cappuccina und liegen damit unweit der Busanbindung, die uns am morgigen Tag dann tourimäßig nach Venedig bringen wird. Unsere „Sissy“ verbringt derweil den Tag gut geschützt auf dem Hotelparkplatz.

In Hotelnähe finden wir noch ein richtig gutes Restaurant wo wir es uns am Abend gut gehen lassen. Der erste Motorradruhetag kann also kommen.

4. Tag: Venedig

Nach einem guten Frühstück brechen wir mit „dem öffentlichen Personennahverkehr“ auf in Richtung Venedig. Knappe 20 Minuten dauert die Fahrt, welche uns an die Stadtgrenze bringt und von dort geht es hinein in die Lagunenstadt, die ein ganz besonderes Flair versprüht. Man muss einfach mal dort gewesen sein um das Gefühl nachvollziehen zu können. Für Flying Haggis und die beste Sozia von Allen ist es der dritte Besuch und so finden wir bei unserem Bummel die relevanten Anlaufstellen, wie den „Gewindeschneiderpalast“, recht zügig.

Ist ja schon gut – wir wissen auch, dass dieses spektakuläre Gebäude der Dogenpalast ist, aber die Fenster haben uns vor Jahren zu der alternativen Namensgebung inspiriert.

So richtig interessant wird es erst in den etwas abgelegenen kleinen Gassen, welche von den Touristenströmen eher verschont bleiben. Dort kann man dann gemütlich in einer der vielen kleinen Bars oder auf den sonnenverwöhnten Terrassen seinen Aperol Sprizz schlürfen und den Einheimischen beim Gespräch zuhören. Einfach klasse – italienische Lebensart eben oder wie der Lateiner sagt: Ars vivendi. So wie wir Deutsche leben stellt sich ein Italiener nicht einmal seine Beerdigung vor.


Der Tag Entspannung tut gut und wir laufen am Abend wieder unser Lokal in Mestre an. Genießen erneut die exzellente Küche. Perfekt!

5. Tag: Mestre – Ravenna – Perticara (Novafeltria)

Am nächsten Morgen geht es weiter für uns in Richtung Süden. Fahrerisch wird es heute nicht so anspruchsvoll. Bei der Tour de France würde man wahrscheinlich von einer Überführungsetappe mit Sprinterankunft sprechen. Wir halten uns zunächst in Küstennähe auf und rollen parallel zur Adriaküste auf der gut ausgebauten E 55 in Richtung Chioggia. Von dort dann unspektakulär weiter nach Ravenna.

Von 402 bis 476 n. Chr. war Ravenna der Hauptsitz der weströmischen Kaiser. Odoaker und Theoderich residierten hier und so reiten wir heute, wie anno dazumal die Goten, nur eben jetzt auf dem Motorrad, in die durchaus sehenswerte Stadt ein. Zunächst statten wir dem Mausoleum von König Theoderich einen Besuch ab:


Dann suchen wir uns einen passenden Parkplatz für unsere „Sissy“ und spazieren in der Altstadt durch die Einkaufsmeile, die Via Cavour. Merkt euch die Parkplätze an der Piazza Baracca oder Piazza Resistenza. Hier haben die Verantwortlichen von Ravenna an uns Motorradfahrer gedacht und abschließbare Schränke für Helme oder Rucksäcke installiert. Wirklich vorbildlich. In der Via Cavour beobachten wir das rege Treiben und genehmigen uns ein Gelato und einen Capuccino. Was kann man sich noch anschauen? Die „Chiesa San Francesco“ – die Unterkirche steht teilweise unter Wasser und man kann die planschenden Goldfische bewundern. Daneben ist das Grabmal von Dante Alighieri, dem berühmten Dichter und Philosophen. Mit seiner göttlichen Komödie, die nach heutigen Maßstäben alles aber keine Komödie ist, löste er das Lateinische als Literatursprache ab und ist insofern derjenige, der die „neue“ italienische Sprache hoffähig gemacht hat.

Wieder auf der Strecke begeben wir uns schon einmal auf die Spuren der italienischen Motorradrennfahrer. Der erste auf einer langen Liste ist Andrea „Desmo-Dovi“ Dovizioso. Geboren in Forlimpopoli wohnt er mittlerweile im benachbarten Forli. Angeblich hat sein Teamkollege Danilo Petrucci hier auch irgendwo Quartier bezogen.

Also verlassen wir die Küstennähe zur Adria und steuern kurz Forli an. Dann landeinwärts zu unserem nächsten Quartier. Und das hat es in sich. Wir fahren zum „Pian del Bosco“ nach Novafeltria (Perticara) und landen in einem Hotel, welches wie gemacht ist für Motorradfahrer.

Es ist selten, dass mir die Superlative ausgehen, aber hier ist es so. Wenn IHR für das nächste Jahr noch kein Urlaubsziel ins Auge gefasst habt – Hier ist es! Aber dazu komme ich noch später in einem separaten Bericht.

6. Tag: Rund um Tavullia

Was macht man denn jetzt hier in Perticara und somit irgendwo im Nirgendwo? Das ist schnell erklärt, denn Perticara liegt nicht irgendwo im Nirgendwo, sondern eigentlich ideal und zentral für eine kleine Rundtour mit so interessanten Zwischenstationen wie: San Marino, Gabicce Mare mit der wunderschönen Panoramica Adriatico, Tavullia, der Heimat von unserem Doctor Valentino Rossi sowie Urbino seinem Geburtsort und Schauplatz einer Krimireihe. Leute – diese Aufzählung ist nicht abschließend. Allein diese kleine Region hätte eine Woche Motorradurlaub verdient und man hätte nicht alles gesehen.

Die Region ist das Herz und wahrscheinlich auch die Seele der italienischen Motorradrennfahrerszene. Beispiele gefällig?

Gottvater Valentino Rossi – geboren in Urbino und aufgewachsen in Tavullia. „Desmo-Dovi“ Andrea Dovizioso – geboren in Forlimpopoli und Wohnsitz in Forli. Marco „Super-Sic“ Simoncelli – geboren in Cattolica und aufgewachsen in Coriano. Und Mattia Pasini – geboren in Rimini. Wer hier auf die Welt kommt, der weiß, dass der Gasgriff an einem Motorrad rechts ist.

Wir machen also heute eine kleine Rundreise auf den Spuren von Valentino Rossi und da fangen wir bei seinem Geburtsort in Urbino an. Gute 60 kurvige Kilometer liegen vor uns. Zunächst auf der SP 107 nach Maiolo und dann auf der SP 6 über Mercato Veccio, Bronzo und Schieti nach Urbino.

Unserer Meinung nach ist Urbino einfach ein traumhaftes Städtchen und strahlt komplett die italienische Lebensart aus. Wie gemacht für eine ausgedehnte Pause und die üblichen gestellten Urlaubsfotos. Die Kunstinteressierten unter euch können sich noch das Geburtshaus des berühmten Malers Raffael anschauen. Wirklich sehenswert.

Aber dann müssen wir weiter, denn das war ja erst der Geburtsort von Doctor Valentino Rossi. Auf geht es in sein eigentliches Königreich nach Tavullia. Die knappen 30 Kilometer reißen wir zügig ab und erreichen über Petriano und Montecchio letztendlich Tavullia.

Leute – Tavullia ist der Brüller und nicht nur für eingefleischte Rossifans ein absolutes Muss. Wahrscheinlich haben sämtliche Bewohner des Ortes einen Ruhepuls von 46 Schlägen.


Alles aber wirklich alles atmet hier in GELB und der Nr. 46. In Deutschland undenkbar. Selbst deutsche Fußballhochburgen wie Dortmund oder Gelsenkirchen betreiben nicht einen derartigen Kult und Heldenverehrung wie sie hier in Italien und speziell in Tavullia bei Rossi einem Motorradrennfahrer zu Teil wird. Es ist Rennwochenende in Misano und so sind wohl noch mehr Fans vor Ort als an „normalen Tagen“. Schlangen vor dem VR 46 Store. Schlangen vor der VR 46 Pizzeria. Unfassbar!

Irgendwann machen wir uns dann wieder auf unseren Rückweg. Und der führt uns kurvig noch über die Zwischenstation Coriano. Hier war, oder sollte man besser sagen ist immer noch, die Heimat des besten Kumpels von Valentino Rossi. Dem viel zu früh verstorbenen Marco Simoncelli hat man hier ein Denkmal gebaut.

Da steht in Form eines Auspuffs eine Skulptur die, zu bestimmten Zeiten an den Wochenenden, das macht was eine offene Auspufftüte schon einmal macht. In Anlehnung an die frühere Start-Nummer von Simoncelli schlagen dann für 58 Sekunden die Flammen aus dem Rohr. Das alles in Gedenken an den berühmten Sohn des Ortes. Noch Fragen? In Italien hatte Motorsport schon immer auch mit „Cuore“ zu tun. Pragmatischen Menschen mag dies möglicherweise lächerlich erscheinen, für mich ist es Wertschätzung und ein herzliches Gedenken an einen großen und sympathischen Sportler.

Das Museum für Supersic ist klein aber fein und vor dem Gebäude findet man noch eine kleine Gedenkstätte. Irgendwelche Fahrer haben hier auch noch einen Helm abgelegt und es liegen noch Handschuhe daneben. UND – ein kleines Spielzeugauto, dass wohl ein „kleiner Fan“ dort abgestellt hat. Ich muss vor Rührung ein wenig schlucken!

Unser Rückweg zum Hotel ist auch wieder eine Wegstrecke von etwa 40 Kilometern. In Vorfreude auf unser abendliches Menü im „Pian del Bosco“ spulen wir die Distanz zügig ab. Wir nehmen die Route quer durch San Marino über Borgo Maggiore nach Pietracuta und dann auf der SP 258 zum Hotel.

Der Abend kann kommen mit einem guten Essen und interessanten Benzingesprächen unter Gleichgesinnten.

7. Tag: Perticara – Ascoli di Piceno

Schweren Herzens verlassen wir heute Morgen das „Pian del Bosco“ und machen uns wieder auf den Weg. Interessant wird es heute denn unser Etappenziel Ascoli di Piceno ist die Partnerstadt meiner Heimatstadt Trier. Es ist also irgendwie so, als ob man nach Hause kommt. Hatten wir nicht auch die Gedanken in Bezug auf das Zentrum der italienischen Motorradrennfahrer? Genau – hier in Ascoli ist Romano Fenati, das „enfant terrible“ der Moto 2 Klasse der Saison 2018, zu Hause.

Aber jetzt machen wir uns zunächst mal auf den Weg und fahren von Perticara südlich an San Marino vorbei in Richtung Gabicce Mare an die Adriaküste. Hier zieht es uns auf den Schulweg von dem kleinen Valentino Rossi, konkret auf die Panoramica Adriatico. Den Namen Panoramica trägt die Strecke wirklich zu Recht. Was für eine Aussicht und eine Streckenführung, dass man den Rest des Motorradurlaubs hier verbringen könnte. Die 20 km bis Pesaro sind sensationell und einfach ein Traum.

Wir bleiben noch eine Weile an der Adriaküste und genießen die Nähe zum Meer. Es geht an Ancona vorbei und dann ziehen wir hinein in das Landesinnere. nach Civitanova

Von dort nach Valmir und dann kurvig nach Offida.

Jetzt ist es nur noch der oftmals zitierte Katzensprung und wir haben auch schon unsere heutige Station Ascoli di Piceno erreicht. Auch in Ascoli haben wir im „Antico Borgo Piceno“ eine zentrale Übernachtungsstelle und sind am Abend mittendrin im pulsierenden Leben der schönen Stadt. Unsere „Sissy“ steht gut behütet unmittelbar unter unserem Zimmerfenster und beim Frühstück haben wir auch den direkten Blick auf unsere Maschine.

8. Tag: Rund um Ascoli di Piceno

Wir lassen es heute ruhig angehen und haben keine Eile. Da wir auf unserer morgigen Route den südwestlichen Bereich von Ascoli in Richtung Rom in Angriff nehmen, können wir uns heute Zeit nehmen um die „Citta Gemella“ von Trier zu erkunden.

Am Vorabend haben wir bereits erlebt wie die Einwohner von Ascoli ihren Feierabend genießen. Vor dem Caffè Meletti tanzten Paare Tango und hatten dabei sichtlich ihr Vergnügen. Heute führt eine Gruppe in historischen Kostümen entsprechende Tänze vor. Einfach schön anzusehen.

9. Tag: Ascoli di Piceno – Rom

Bei unserem frühmorgendlichen Start machen wir erst einmal einen kleine Schlenker und fahren über das etwa 20 km entfernte Montegallo durch den Nationalpark der Monti Sibillini. Landschaftlich schön gelegen muss das zur heutigen Einstimmung einfach sein. Es geht also zunächst über Roccafluvione auf die SP 89 und dann in wunderbaren Schwüngen über Montegallo bis Arquata del Tronto, bevor wir uns auf die SS 4 in Richtung Rom begeben.

Unterwegs haben wir in den Bergen noch einen unerwarteten Halt, weil ein Rettungshubschrauber einen Verletzten oder Erkrankten aufnehmen muss. Dabei haben wir noch Gelegenheit ein Plüschtier an den Mann oder korrekterweise an das Kind zu bringen. An den Plüschbären zur Völkerverständigung sind wir über einen ADAC-Stauberater gekommen. Kurzes Gespräch bei unserer Anfahrt im Großraum Stuttgart und das Stofftier, nebst Motorrad-Erste-Hilfetasche fand Platz in unserem Tankrucksack. Jetzt führte es zu totaler Begeisterung bei der italienischen Mama. So schnell kann man Menschen glücklich machen.

Wir sind jetzt auf der Via Salaria, der historischen Salzstraße, die bereits in der Antike von der Adriaküste über den Apennin bis nach Rom führte. Wir bewegen uns also bei der heutigen Route auf historischem Boden. Die Via Salaria ist jetzt unsere Einflugschneise nach Rom.

Total entspannt rollen wir in Rom ein, der ewigen Stadt, und suchen unser Hotel das „St. Moritz“ in der Via Nazionale. Mittendrin in der Stadt die über Jahrhunderte das Zentrum der Welt darstellte. Wir freuen uns schon auf unseren zweitägigen Aufenthalt und auf das was wir zu sehen und zu fühlen bekommen.

Aber dazu mehr in TEIL II meines Reiseberichtes.

 

Frankensteins Tochter Teil II

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Es gibt ja in der Zwischenzeit kaum eine Firma die nicht in irgendeiner Art und Weise auf den Retro-Zug aufgesprungen ist. Einige dieser Modelle gefallen mir wirklich recht gut, bei anderen beschleicht mich aber auch oftmals das Gefühl, dass man das Endprodukt von nicht Fisch nicht Fleisch auch locker dem Markt hätte ersparen können.

Heute sind wir aber bei einem Modell vor dem ich bereits bei der Präsentation auf der Intermot in Köln mit strahlenden Augen gestanden hatte. Gut gemacht Kawasaki – Chapeau. Die Japaner hatten die ehrwürdige Z 1 in Gestalt der Kawasaki 900 RS auferstehen lassen.

Alles war dem großen alten Vorbild nachempfunden. Sogar die Lackierung und das markante Heck findet sich an der 900 RS wieder. Ein wahrer Augenschmaus.

Die schön gemachten und gut ablesbaren Instrumente informieren den Fahrer über alles Notwendige. Mehr Input braucht im Grunde genommen kein Mensch.

Was wird denn dem Käufer eigentlich geboten? Da ist ein ausgereifter, wassergekühlter Vierzylinder-Reihenmotor (948 ccm) mit 111 PS bei 8.500 U/min und einem Drehmoment von 99 Nm bei 6.500 U/min. Mehr als ausreichend für alles was man auf der Landstraße anstellen kann. Wirft man das Aggregat an, dann entwickeln die beiden schön gemachten Endtöpfe die kawatypische Hintergrundmusik. Leicht heiserer Ton, der mich irgendwie an Adriano Celentano erinnert. Schnell wieder vergessen – wir können ja schließlich keinen italienischen Barden aus einem japanischen Produkt trällern lassen.

Der Motor läuft wirklich seidenweich. Hier merkt man die jahrelange Kernkompetenz der Japaner in Sachen Reihenvierzylinder. Die Kupplung ist in kaltem Zustand etwas ruppig, das gibt sich aber bereits nach einigen Kilometern. Wahrscheinlich bin ich „Weichei“ schon derart an den Quickshifter meiner „Sissy“ gewöhnt, dass dies jetzt Jammern auf hohem Niveau ist.

Man sitzt absolut kommod auf der Kawa, selbst mit meinen knappen 1,90m. Mit dem schönen breiten Lenker hat man die Fuhre zu jeder Zeit im Griff und die serienmäßigen Dunlops geben eine wunderbare Rückmeldung an den Fahrer.

Die Bereifung trägt sicherlich in Zusammenarbeit mit den Vierkolbenbremssätteln zu dem sicheren Gefühl beim Bremsen bei. Die 900 RS liegt auch bei etwas heftigeren Bremsmanövern spurstabil und vermittelt ein sicheres Gefühl. Ihre „Urahnin“ würde jetzt rot anlaufen.

Apropos „Urahnin“. Was zur damaligen Zeit zu dem wenig schmeichelhaften Spitznamen geführt hat war das Fahrwerk. Die Enkelin ist hier über jeden Zweifel erhaben. Sauberer Geradeauslauf und handlich, aber spurstabil in den Kurven ohne nervös zu wirken. Das haben die Ingenieure in Nippon gut hinbekommen. Der alte Doppelschleifenrohrrahmen liegt da wo er hingehört – im Museum oder auf dem Schrottplatz.

Abschließend kann man als Fazit wirklich nur eines sagen: Die 900 RS ist eine wunderbare Landstraßenmaschine, die Fahrgenuss und Fahrspaß pur bringt. Für die Jungs und Mädels aus meiner Generation bringt SIE aber noch etwas. Die Emotionen aus den 70ern sind zurück als man als pickeliger Schüler die Testberichte von „Frankensteins Tochter“ gelesen hat und in Gedanken versunken darüber nachdachte ob man jemals auch dieses Hammerteil fahren könnte.

Jetzt kann man es. Und man kann es ohne die Befürchtungen der früheren Jahre, dass ein Fahrwerk, welches den Namen nicht verdient hatte, bei der kleinsten Unebenheit massive Unruhe in das Fahrwerk bringt und damit den Fahrer permanent in Sturzgefahr.

So gefällt mir Retro. Die tolle Optik der früheren Jahre verbunden mit der zeitgemäßen Technik, dazu richtig wertig gemacht. Ruhig mehr davon, wenn dann das Endprodukt die Qualität dieser Kawasaki 900 RS hat. Gratulation nach Japan. (Das hat jetzt Überwindung gekostet)