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Kategorien-Archiv: Anderstouren

8 Pässe im Angebot

11 Donnerstag Jun 2026

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren

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Bernina, Ofenpass, Stelvio, Torri di Fraele, Umbrail

Kennt Ihr noch die alten TV Berichte, meist noch in Schwarz-Weiß, über den „Schlussverkauf“ in Deutschland? Da wurden dann Aufnahmen gezeigt wo sich schon Stunden vor der Geschäftsöffnung die Kundschaft in mehreren Reihen vor dem Eingang die Plätze streitig machte. Man wollte schließlich als Erster Einlass in den Konsumtempel erlangen um dann letztendlich das „Schnäppchen“ zu erhalten, welches man nun, auf Grund des eigenen genialen Schlachtplans, allen Anderen vor der Nase wegschnappte. Bingo!

So ähnlich kommen mir heutzutage die Bilder vor, die man nach der Winterpause bei der Eröffnung so manchen Alpenpasses sieht. Das da nicht schon dem ein oder anderen Straßenmeister bei Öffnung der Schranke über die Füße gefahren wird, weil man schließlich der „Erste“ sein will, grenzt an das vielzitierte Wunder. Mir liegt da nichts dran, weil zumeist mit Tumult verbunden und besagtem Tumult gehe ich lieber aus dem Weg.

Schon in meiner alten Heimat, die mit Hunsrück, Eifel und Ardennen ein Motorradmekka war, habe ich mich lieber „treiben“ lassen. Treiben nicht in Sachen Tempo und Geschwindigkeit, sondern mit Abzweigungen und Weggabelungen, die mir interessant erschienen. Das waren in den meisten Fällen die tollsten Touren mit den schönsten Eindrücken.

Also aufgepasst! Kennt IHR den höchsten asphaltierten Pass in der Schweiz? Nein – nicht Grimsel, Susten oder Furka. Wir fahren über den Umbrail, genießen die Landschaft sowie die letzten Schneereste und stellen fest, dass noch nicht allzu viele Leute mitbekommen haben, dass die Wintersperre des Umbrail aufgehoben ist. SUPER – kaum Verkehr und Ruhe pur! Kein Gefühl von Schlussverkauf und Wühltischgedränge.

Oben angekommen biegen wir ab in Richtung Bormio und schwingen uns auf den Kehren des Stelvio ein, der in der anderen Fahrtrichtung auf den Namen Stilfserjoch hört und für mich metaphorisch zu den Schnäppchen des Schlussverkaufs gehört. Einfach zu viel los für mein Gefühl. Wer es dennoch auf seiner Agenda hat, der kann die paar Kehren noch bergauf fahren. Oben angekommen sollte man aber die paar Höhenmeter fußläufig auf sich nehmen und den gut sichtbaren Aussichtspunkt erklimmen. Sowohl der Ausblick als auch die Hinweise zur Historie der Region um Umbrail und Stelvio sollte man mitnehmen. Dann rollen wir entspannt ins Tal in Richtung Bormio.

Noch vor der Ortslage Bormio fallen dem aufmerksamen Betrachter diese „braunen Hinweisschilder“ auf, denen man immer Beachtung schenken sollte. Magisch zieht uns der Hinweis auf die Torri di Fraele an. Nichts wie hin – es lohnt sich.

Bei fast jedem Pass in der Alpenregion hat man einen militärischen Hintergrund warum und weshalb man hier irgendwo im nirgendwo eine Straße gebaut hat.

Bei den Torri di Fraele liegt die Sache anders. Oben auf der Höhe wurde ein Staudamm am Lago di Cancano errichtet. Irgendwie muss aber auch das Baumaterial auf die Höhe zu diesem entlegenen Ort.

Also wurde besagte Straße gebaut, die uns heute so richtig Freude bereitet. Siebzehn Kehren führen hier hinauf und die beiden namensgebenden Türme kann man bereits bei der Auffahrt sehen.

Damit die LKW in der Bauphase auch relativ problemlos den Anstieg schaffen hat man dieses asphaltgewordene Wunderwerk bei einer maximalen Steigung von 6 % in den Hang gezirkelt. Ein Traum.

Übrigens – unmittelbar zu Beginn der Auffahrt liegt auch ein feiner Platz im Grünen ideal für eine Pause, Picknick oder was auch immer. Sogar mit „Grillmöglichkeit“. Einfach genial.

Ab dem Lago di Cancano kommt dann der „Schotter“ und in der Sommerzeit ist hier dann auch viel „Fußverkehr“ mit Wanderern. Sollten wir also mit unseren Maschinen lassen.

Also den Weg mit unseren Traumkehren wieder zurück und dann orientieren in Richtung Livigno. Der Passo Foscagno mit seinen 2.291 m Höhe dient uns dabei als Einfallstor. Der Passo d`Eira (2.208 m) liegt unmittelbar an unserer Route und so nehmen wir ihn nebenbei einfach mit.

Wintersportlern ist Livigno ein Begriff, ist es doch eine Langlaufhochburg und seit Olympia 2026 auch bei den Fans der Trendsportarten bekannt, die hier nach Livigno ausgelagert waren.

1805 erklärte Napoleon Livigno zum zollfreien Gebiet, weil er damit die Entvölkerung des in sich abgeschlossenen Tales, insbesondere in den Wintermonaten, verhindern wollte. Gute Idee vom Kaiser der Franzosen und schöner Nebeneffekt für uns, außer der schönen Landschaft, die günstigen Spritpreise. Also schnell nochmal auftanken.

Dann über die Forcola di Livigno hinaus aus dem zollfreien Spritparadies und hinein in die Schweiz und auf den Berninapass. Der Bernina ist die Verbindung zwischen der italienischen Region Veltlin und dem Bündner Land in der Schweiz.

Landschaftlich ist er ein Traum mit seinem Blick auf den Piz Palü, Piz Bernina und den Morteratschgletscher. Wenn dann noch, wie in einem Heimatfilm der 50er Jahre, die Berninabahn an einem vorbeifährt hat man so ziemlich jedes Schweizer Klischee erfüllt. Aber – die Realität kann ja nicht kitschig sein und so genießen wir unsere Fahrt hinab nach Pontresina. Der bekannte Bergsteigerort liegt bereits oder immer noch, je nachdem wie man es sieht, auf 1.800 m Höhe.

Wir sind gefühlt bereits einige Zeit auf unserem Rückweg und haben lediglich noch einen Protagonisten auf unserer Liste. Durch das Tal fahren wir in Richtung Zernez und nehmen den Ofenpass in Angriff.

Ich mag den Ofenpass mit seiner Streckenführung. Mal etwas engere Kurven, mal weitere Radien, dabei aber nie fordernd oder überfordernd. Genau der richtige Pass für einen Einstieg oder den Abschluss einer wirklich traumhaften Runde.

Überzeugt Euch selbst – Viel Spaß beim Nachfahren – Wir hatten ihn definitiv!

Rundherum das ist nicht schwer………

22 Freitag Mai 2026

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren

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Passo Predaia, Radicosaurus, Santa Giustina Stausee, Santuario Romedio


Kommt Euch das bekannt vor? Das ist aus dem Liedtext des Kinderliedes „Brüderchen komm` tanz mit mir“. Irgendwie ist ja tanzen und eine kurvige Motorradtour vom Bewegungsablauf artverwandt. Es sollte mit einem gewissen, nach Leichtigkeit aussehenden, Schwung erfolgen und rundherum geht es heute für uns definitiv auch. Es gibt ja manchmal solche Tage an denen man zwar eine Runde mit dem Motorrad drehen möchte, diese Runde aber nicht zwingend hunderte von Kilometern beinhalten muss. Also legen wir los auf unserer heutigen kleinen Entspannungsrunde, auf der es aber viel zu sehen gibt.

Der Santa Giustina-Stausee ist der Mittelpunkt von unserem „Rundherum das ist nicht schwer“.

Ursprünglich zur Stromgewinnung geschaffen ist der Santa-Giustina-Stausee der größte Stausee im Trentino. Beim Bau 1951 war es sogar die höchste Staumauer in Europa. Zwischenzeitlich dient der See nicht nur dem profanen Grund der Stromgewinnung, sondern auch als das Naherholungsgebiet der Region. Bei schönem Wetter, also fast immer, tummeln sich die Wassersportler an und auf dem See und die Familien genießen die Nähe zum Wasser und den herrlichen Blick in die Umgebung.

Irgendwo müssen wir unsere Runde beginnen und so tun wir dies am Hotel Viridis. Aufmerksam wurden wir auf dieses Lokal durch eine TV-Sendung. Der Chef hatte hier der etwas unbedarften Moderatorin gezeigt wie man einen feinen Apfelstrudel herstellt und das hausgemachte Eis ist ebenfalls mehr als empfehlenswert. Genießen kann man das Ganze zur Einstimmung bei einem Traumausblick auf den Stausee von der hauseigenen Terrasse. Guter Beginn.

Lasst uns einfach entgegen des Uhrzeigersinns weiterfahren und orientieren uns zunächst in Richtung Cles, der Ort den man getrost als das Oberzentrum am See bezeichnen kann.

Dabei führt unser Weg über die Ponte del Castellaz mit einem schönen Blick über den Stausee und hinein in die Ortslage von Cles, wo wir uns an der Beschilderung zum Tovelsee orientieren. Dieser ist zwar auch sehr schön anzusehen, aber wir wollen dort heute nicht hin. Merke: Tovelsee nur in der Vor- oder Nachsaison – ansonsten hoffnungslos überlaufen.

Wir nehmen nur nebenbei die Kurven der SP 73 mit und passieren auf der Route die Orte Flavon, Cunevo und Denno. Das ist jetzt gerade noch Programm bei unserem Gesamtthema „Rundherum das ist nicht schwer“. Das Mitnehmen von ein paar Kurven.

Also verlassen wir zügig die Hauptverbindungsstrecke aus dem Etschtal zum Giustina-Stausee und orientieren uns bei Mollaro wieder bergauf zum Passo Predaia. Ruhig und abgelegen haben wir diesen fast für uns allein.

Wer von uns einmal in umgekehrter Fahrtrichtung zum Molvenosee unterwegs ist, der kann den Predaia als „ruhige Alternative“ zur belebten Hauptverbindung durch das Tal gut einbauen.

Oben auf dem Gipfel ist im Winter sogar ein kleines Skigebiet. Immerhin bringt es „der kleine Predaia“ auf 1.250 m Höhe und das wäre in einem deutschen Gebirge bereits ein beachtlicher Gipfel.

Entspannt rollen wir wieder talabwärts in Richtung Stausee Santa Giustina und begeben uns jetzt unmittelbar an sein Ufer. Die letzten Meter erledigen wir dabei fußläufig. Dann können wir uns staunend anschauen was man mit angeschwemmten sowie gesammelten Holz und Wurzeln alles schaffen kann, wenn man die nötige Phantasie und sowohl das künstlerische als auch handwerkliche Können besitzt.

Der italienische Künstler Marco Martalar hat hier eine seiner berühmten Holzskulpturen geschaffen.

Der „Radicosaurus“ begrüßt uns stolz und erhobenen Hauptes am Ufer des Santa Giustina-Stausees.

Der Holzbildhauer hat hier eine 7 Meter lange und 5 m hohe Skulptur geschaffen, die den Betrachter beeindruckt. Das kann Marco Martalar bei mir nachhaltig, denn ich habe schon, ähnlich staunend, vor seinem Drachen in Magrè gestanden.

Er schafft es einfach seinen Skulpturen Leben und eine gewisse Dynamik einzuhauchen.

Wir bringen jetzt auch wieder etwas Dynamik in unseren Tag. Ein paar Kilometer geht es nun weiter in grobe Richtung Fondo. In der Ortslage Sanzeno biegen wir aber bereits wieder rechts ab und folgen der Beschilderung in Richtung Santuario San Romedio.

Leute – der Weg zu unserem Zielort kommt einem vor wie aus einer Sage oder einem Märchen. Genau – irgendwie erwartet man jeden Moment, dass eine Fee oder ein Gnom aus dem mystisch wirkenden Wald spaziert kommt und einem zuwinkt.

Ein Blick nach oben und man sieht den Wanderweg der, oberhalb unserer Route, in die Felsen geschlagen ist. Mit dem Holzgeländer wirkt er an manchen Stellen wie ein Wehrgang einer Ritterburg.

Nach ein paar Kilometern durch den Wald kommen wir an einen Parkplatz. Die restlichen Meter müssen wir fußläufig zur Wallfahrtskirche San Romedio erledigen.

Fast als ob sie die Natur aus dem etwa 90 m hohen Kalkfelsen hat herauswachsen lassen steht sie da.

Der älteste Teil des Bauwerkes datiert etwa aus dem Jahr 1000 n. Chr. und wurde auf dem Grab des namensgebenden heiligen Romedius errichtet. Drei kleine Kirchen und zwei Kapellen sind es nun insgesamt und es fällt dem Betrachter und Besucher wirklich schwer sich diesem spirituellen Ort zu entziehen. Einfach zauberhaft und auf eine Art beeindruckend, die den Betrachter nicht „erdrückt“ wie manch kirchliche Monumentalbauten.

Verschachtelt und verschlungen führt unser Weg durch die Anlage. Manchmal erwartet man, dass die Treppen, wie bei der Zauberschule Hogwarts, ihre Richtung wechseln.

Im Eingangsbereich hängt auch ein Porträt des, in Südtirol omnipräsenten, Freiheitskämpfers Andreas Hofer. Im Jahr 1809 pilgerte er mit 700 Tiroler Schützen nach der Zweiten Bergiselschlacht nach San Romedio in die Wallfahrtskirche.

Warum ist es eigentlich in fast allen Religionsgemeinschaften dieses Planeten Usus sich den heiligen göttlichen Segen zu holen, wenn man andere Menschen über den Haufen schießt? Keine Ahnung.

Aber ich bin ja bekanntermaßen ein Freund von Geschichten, Erzählungen und Sagen. Der Heilige Romedio soll auf einem Bären nach Trient geritten sein. Hintergrund war, laut der Sage, dass der besagte Bär zuvor das Pferd des Heiligen getötet und gefressen hat. Was ein Bär eben so macht, wenn ihn der Hunger quält.

Romedio hatte daraufhin den Bären gezähmt und ihn als „Pferdeersatz“ genutzt. Das kann man durchaus als pragmatische Lösung bezeichnen. Zumindest aus Sicht des Heiligen.

Diese Geschichte ist jetzt der Hintergrund warum der heilige Romedio oftmals in Begleitung eines Bären dargestellt wird und es diesen Bezug zu den Tieren gibt.

Im Eingangsbereich der Kirche ist auch eine Skulptur eines Bären dargestellt und es gibt ein Freigehege in der Anlage in der ein Bär sein zuhause gefunden hat.

Man kann wirklich eine Weile hier oben in der ehemaligen Einsiedelei zubringen und aus jeder der vielen Ecken sieht die Landschaft und die Umgebung anders aus. Also Zeit lassen und die Eindrücke „aufsaugen wie ein Schwamm“. Wir haben schließlich alle Zeit der Welt.

Irgendwann schaffen wir es doch zurück zum Parkplatz und fahren den bekannten Weg zurück nach Sanzeno. Über Banco und Revò, den Santa Giustina Stausee immer zu unserer Linken, fahren wir gemütlich zurück zu unserem Ausgangsort dem Hotel Viridis und genießen den Ausblick.

Wie bereits zu Beginn gesagt: Rundherum das ist nicht schwer! Viel Spaß beim Nachfahren.



Auch Sackgassen erweitern den Horizont

30 Donnerstag Apr 2026

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren

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Ponte Sospeso, Val di Rabbi, Val di Sole

Die Überschrift mag für den ein oder die andere möglicherweise irreführend sein. Der Hinweis mit der „Erweiterung des Horizontes“ gilt natürlich nur im topografischen Sinne und ist de facto nicht auf eine geistige Sackgasse übertragbar. Hier ist die Sackgasse eher als lästig einzustufen, weil sie uns unverrichteter Dinge wieder an unseren Ausgangspunkt der Überlegungen zurückversetzt.

Okay – im Hinblick auf unsere Navigation mit dem Motorrad führt die Sackgasse uns letztendlich auch zurück an unseren Ausgangspunkt, jedoch definitiv nicht unverrichteter Dinge. Beispiel gefällig?

Einige dieser genialen Sackgassen habe ich euch bereits nähergebracht. Das sind in meiner unmittelbaren Nachbarschaft das Martelltal oder auch das Schnalstal, die landschaftlich immer einen Abstecher wert sind.

Oder im Bereich Pustertal das Ahrntal und das Gsiesertal. Einfach traumhaft. Sobald wir dann den unmittelbaren Südtiroler Bereich verlassen in Richtung Trentino, Belluno oder Venetien hören unsere Täler dann auf den Namen „Val“. Klingt irgendwie melodischer und hat direkt die Anmutung von „Urlaub“. Bella Italia eben.

Um in unsere „Sackgassen“ zu kommen benötigen wir aber zunächst einmal einen Anfahrtsweg, sonst haben wir ja gar keine Chance dorthin zu gelangen. Klingt irgendwie logisch.

Unser Anfahrtsweg für heute ist das Val di Sole. Das Val di Sole lässt das Herz eines Motorradfahrers sofort höher schlagen. Jetzt nicht fahrerisch betrachtet, sondern unter dem Aspekt: Welche wunderbaren Stellen und Orte kann ich von hier aus erreichen. Vom Val di Sole gelangen wir über Ponte di Legno zu meinem „Liebling“ dem Gavia oder vorher zum Passo Tonale. Ebenso zum Passo Carlo Magna auf dem Weg nach Madonna di Campiglio oder zur Hofmahd, wenn wir in das Ultental möchten. Wieder so eine traumhafte Sackgasse.


Wir biegen aber heute am zentralen Ort des Tals, bei Malé, ab ins Val di Rabbi.

Wie soll man jetzt die Auffahrt beschreiben, damit man ihr auch hinreichend gerecht wird? Ein sachlicher Mensch, der sich mit der Historie von Besiedlungen im Alpenraum auskennt, wird nun wahrscheinlich von Streusiedlungen, im Zusammenhang mit der Vielzahl von kleinen Weilern und Einzelhöfen, sprechen.

Für mich ist es einfach nur Idylle pur und ein romantischer Anblick ohne dabei kitschig zu sein. Ohne Probleme könnte man hier in der unberührten Natur einen Heimatfilm drehen, der authentischer nicht sein könnte. Einfach nur schön.


Für die Gesundheit können wir hier auch noch etwas machen. Die Thermen von Rabbi bieten Kneippbäder und Aerosoltherapie an. Die historische Quelle Antica Fonte, in Rabbi Fonte auf 1.222 m gelegen, hat mit ihrem bikarbonat- sowie alkalisch- und eisenhaltigem Mineralwasser positive Wirkung auf Verdauung, Kreislauf und Atmungssystem. Seit 1660 ist dies bereits bekannt und zieht die Menschen ins Tal, die hier Heilung oder zumindest Linderung suchen. Mein Herzkreislaufsystem und die Atmung sind okay und die Verdauung regelt im Notfall auch ein Sambuca oder Ramazzotti.

Wir rollen noch ein paar Meter weiter bergauf und suchen uns dann einen Parkplatz für unsere Maschine. Unser fußläufiges Ziel können wir, wenn wir aufmerksam sind, schon zu unserer Linken in einem Seitental erkennen.

Luftlinie sind wir jetzt ca. 12 km vom Zufrittstausee im Martelltal entfernt. Auf der Landkarte sieht es somit aus wie „unmittelbar daneben“. Auf der Straße werden es für uns daraus knapp über 100 km. Das ist ein zentraler Punkt bei der Tourenplanung in den Bergen. DIREKT geht fast nie – die „Umfahrung“ ist somit Programm einer jeden Tour. Aber damit auch das Salz in der Suppe.

Wir waren aber eben noch bei unserem „fußläufigen Ziel“. Wenn wir bei der Recherche vor unserer Tour das Val di Rabbi in den Computer eingeben, dann kommt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch ein Hinweis auf die Ponte Sospeso.

Rund 100 m lang schwebt sie in etwa 60 m Höhe über dem Rio Ragaiolo und mittig der Hängebrücke hat man einen wunderbaren Blick auf die Wasserfälle und das Tal. Die Viertelstunde Fußweg ist wirklich gut investiert und begehbar ist die Brücke das ganze Jahr über.

In der Zwischenzeit ist die Brücke auch ein magischer Anziehungspunkt für die Instagram-Gemeinschaft, die bis auf ihren eigenen Stuhlgang so ziemlich alles postet. Aber ich darf jetzt nicht zu kritisch sein, denn schließlich stehe ich jetzt auch hier oben und gebe euch diesen Tipp zur Besichtigung. Also – Schweig` stille Haggis.

Was ist jetzt noch bedeutsam für einen unschlagbaren Motorradtag mit Flying Haggis? Die Nahrungsmittelaufnahme!

Also ich bin mir sicher. Sollte es ein Leben nach dem Tod geben, dann lande ich im Pastahimmel. Die Vielzahl an möglichen Alternativen hier unten in Italien lassen mich immer mit einem Lächeln im Gesicht zurück. Egal was man auch immer auswählt – Alles lecker. Wenn die Entscheidung auf Grund der Vielzahl der Gerichte zu schwer fällt, so geht eines immer: Ragù di Cervo. Dann stellt sich nur noch die Frage ob Pappardelle, Tagliatelle oder oder oder. Auf dem Teller haben wir dann eine Pasta mit einer Hackfleischsoße vom Hirschen. Zum Niederknien lecker.

Im Val di Rabbi legt ihr den Verpflegungshalt im „Molin“ ein oder im „Tipico al Cervo“. Beide Gaststätten unmittelbar an unserer Route.

Statt dem Ragù di Cervo gab es heute das Ragù vom Capriolo, also Reh. Beim Cervo bin ich dann wieder gelandet, aber in Form von Gulasch, verbunden mit Polenta con Formaggio fuso. Also Polenta mit geschmolzenem Käse – von einer Alm in unmittelbarer Nähe.

Sieht auf dem Teller jetzt nicht nach „Gourmetküche“ aus – ist aber geschmacklich fantastisch und hinterlässt, nach dem Genuss, ein zufriedenes glückliches Lächeln.

Auf geht es Leute und Viel Spaß beim Erkunden des Val di Rabbi. Glaubt mir: Irgendwann werdet IHR Fan der Sackgassen!

Einfach einfach!

27 Freitag Feb 2026

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren

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Batzenbräu, Haslhütte, Penserjoch, Pustertaler Sonnenstraße, Saisonbeginn 2026, Würzjoch, Zunerhof

Motorradtouren müssen bei mir Spaß machen und im Inneren Freude hervorrufen. Ich halte es da mit dem alten Leonardo da Vinci, der einmal gesagt haben soll: Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung. Natürlich sagte der Gelehrte dies in einem anderen Zusammenhang. Mir ist bis dato nämlich nicht bekannt ob Leonardo Motorrad fuhr. Komplett unwahrscheinlich erscheint es mir aber bei diesem Genie nicht.

Aber jetzt bin ich mal wieder vom eigentlichen Thema abgekommen. Wo wollte ich denn eigentlich hin?

Jetzt habe ich es wieder. Gerade zu Saisonbeginn sollte man es entspannt angehen lassen. Nichts was uns überfordert oder ein anstrengendes Kriterium beinhaltet, stattdessen komplett entspannt durch die Kurven schwingen und die Gegend genießen. Wenn dann noch die ein oder andere schöne Pausenstation hinzukommt wird die Tour zum Lottogewinn mit Zusatzzahl. So machen wir das heute.

Wir starten in Bozen und fahren hinein in das Sarntal, vorbei an der Burg Runkelstein in Richtung des Penserjoch.

Kennt IHR das eigentlich auch, dass ihr bei gewissen Strecken oder Zielen eine gewisse Fahrtrichtung favorisiert? Bei mir ist das z. B. beim Penserjoch so. Eigentlich fahre ich es lieber aus Richtung Sterzing kommend und dann, wie bei einem Abfahrtslauf den Zielhang hinabrutschend, durch das Sarntal nach Bozen. Heute also einmal umgekehrt und die Perspektiven aus dieser Richtung genießend.

Das Sarntal hat noch etwas Ursprüngliches und ist noch nicht touristisch überlaufen. Flächenmäßig sind wir hier in der größten Gemeinde Südtirols. Wir gleiten jetzt erst einmal stressfrei an der Talfer entlang hinauf auf das Penserjoch mit seiner Höhe von 2.211 m. Also gute 100 m höher als sein, um einiges stärker frequentierter, Nachbar der Jaufenpass.

Ein schöner Aussichtsberg – also erst einmal Panorama genießen und die üblichen Erinnerungsfotos schießen.

Dann geht es abwärts in Richtung Sterzing, dem Einfallstor nach Südtirol, wenn man aus Richtung Brenner kommt. Wie ihr aus vorangegangenen „Anderstouren“ wisst kann man in Sterzing durchaus auch eine kleine Rast einlegen und dies mit einer Nahrungsmittelaufnahme verbinden. Die kleine gemütliche Fußgängerzone lädt dazu mit seinen Restaurants und Cafes ein.

Unser Runde führt uns nun ins Pustertal. Aber nicht auf der SS 49, welche die Region mit Osttirol im angrenzenden Österreich verbindet. Das ist die Haupttransferroute und meistens hoffnungslos überlastet. Braucht kein Mensch.

Also nichts wie weg und ab Vintl hinauf auf die Pustertaler Sonnenstraße. Kaum länger als die Strecke im überlaufenen Tal der Rienz verläuft die Sonnenstraße auf der Höhe über Terenten und Pfalzen bis nach Bruneck, bietet uns die gewünschte Ruhe, die namensgebende Sonne und schöne Ausblicke.

Wer hier möchte kann noch einen kurzen Abstecher ins Zentrum von Bruneck machen. Bummeln in der Altstadt oder auch das Messner Mountain Museum Ripa besichtigen.

Der Rest begibt sich einfach direkt auf die SS 244 in Richtung Corvara und Dolomiten. Unsere Route verläuft zunächst schön kurvig durch das Tal, welches die „Einflugschneise“ zur Sella Ronda ist.

Da wollen wir aber heute gar nicht hin. Uns ist ja nach ruhigem und entspannten Einrollen in die Saison. Deshalb biegen wir auch in St. Martin in Thurn ab in Richtung Antermoia und dem Würzjoch.

Ich mag das Würzjoch. Etwas abseits von den üblichen Verdächtigen der Dolomitenpässe hat sich der Ju de Börz, wie das Würzjoch auf ladinisch heißt, noch seine Gemütlichkeit bewahrt.

Insbesondere in dem Streckenabschnitt von der Passhöhe hinunter in Richtung Villnösstal. Auf der Passhöhe machen wir die üblichen Fotos, legen aber hier keine größere Pause ein.

Das machen wir knappe sechs Kilometer später in der Haslhütte. Hier sitzen wir gemütlicher, ganz ohne Trubel, dafür aber mit perfekter Verpflegung und nettem Service.

Wir sind jetzt hier im Naturpark Puez Geisler. Die namensgebenden „Geislerspitzen“ sehen wir aber bald bei unsere Abfahrt ins Tal zu unserer Linken. Wenn wir die ersten Bauernhöfe an unserer Strecke sichten, können wir einen Fotohalt einlegen. Der wunderbare Blick auf die Geislerspitzen und das Ranuikirchlein sollte verewigt werden.
Apropos verewigen. Das tun mittlerweile seit geraumer Zeit „Horden von asiatischen Touristen“ unten im Villnösstal und lassen dabei jegliche Rücksicht und Anstand vermissen. Irgendwie scheint man diese herrliche Gegend für eine Filmkulisse zu halten und denkt überhaupt nicht mehr daran, dass hier Menschen leben und sowohl mit als auch auf den Feldern ihren Unterhalt verdienen. Also am besten oben auf der Straße, wie beschrieben, Halt machen und ein Foto schießen.

Dann geht es für uns weiter ins Eisacktal, an Klausen vorbei und dann bei Waidbruck wieder hinauf auf die Höhe, grobe Richtung Rittner Horn.

Der „leicht schiefe“ Turm der Kirche ist das Wahrzeichen von Barbian und von hier hat man wieder einen schönen Blick in Richtung Seiser Alm und Dolomiten.

Ihr wisst ja mittlerweile, dass eine schöne Motorradtour bei mir auch immer etwas mit einer oder auch gerne mehreren guten Einkehrstationen zu tun hat. Diese guten Plätze haben oftmals eines gemeinsam. SIE liegen nicht unmittelbar an der Route, sondern gerne auch einmal etwas abseits, wo man seine Ruhe hat und nicht JEDER eine Pause einlegt. So ist es auch jetzt, denn in Lengstein biegen wir links ab und fahren auf einer komplett abgelegenen Strecke zum Zunerhof.

Und schon haben wir es wieder! Traumhafte Aussicht, die Ruhe und eine gemütliche Gaststätte mit ursprünglichem Charme und obendrauf noch exzellente Verpflegung. Also – Pause ist angesagt und die Seele baumeln lassen.

Irgendwann rollen wir dann auf unserem kleinen „Abstecher“ wieder zurück auf unsere Strecke in Richtung Lengmoos und Ritten, wo die Bozener bei sommerlicher Hitze ihre Sommerfrische verbringen.

Die Landeshauptstadt Bozen sehen wir schon von unserer Höhe aus mit dem Blick in Richtung Süden und das Etschtal.

Gleich haben wir unsere Einführungsrunde in die Saison 2026 erledigt. Hinein nach Bozen und dann lassen wir unseren Tag im „Batzenbräu“ ausklingen. Wer sich bislang noch nicht verpflegt hat, der kann es hier bei guter regionaler Küche, bis hin zu Spareribs, Batzenburger oder Künstlerpfanne tun. Dem Motto des „Batzenbräu“ hinsichtlich der Bekämpfung von Durst kann ich nichts mehr hinzufügen. Es treibt mir immer ein Schmunzeln ins Gesicht.

Viel Spaß beim Nachfahren und immer daran denken: Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung!

Goethe war auch schon in Neapel

14 Freitag Nov 2025

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren

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Amalfiküste, Neapel, Phlegräische Felder, Vesuv

Vedi Napoli e puoi muori! Neapel sehen und sterben! Angeblich soll der deutsche „Vorzeigepoet“ Goethe dies, bei seinem Besuch in der süditalienischen Stadt, gesagt haben.

Also – organisch geht es mir bislang noch gut und unser Besuch in Neapel liegt nun bereits einige Wochen zurück. Das ich im Kopf anders „ticke“ als „normale Menschen“ steht nicht in einem kausalen Zusammenhang mit unserem Aufenthalt in Neapel. Verrückt war ich bereits vorher und das ist auch gut so. Lebendig bin ich, nach Stand der Dinge, ebenfalls. Somit ist ein zeitnahes Ableben des geneigten Betrachters der Stadt, nach einem Besuch Neapels, nicht die zwingende Folge.

Es scheint sich demnach eher um eine Metapher des deutschen Dichters gehandelt zu haben, dass Neapel in seiner Schönheit und Pracht erlebt zu haben, von nichts im späteren Leben eines Menschen mehr übertroffen werden kann.

Das lassen wir zunächst einmal unkommentiert im Raum stehen.

Wir hatten ja gerade erst die Sache mit touristischen Höhepunkten im Zusammenhang mit den Cinque Terre thematisiert. Kommen wir also jetzt zu der Amalfiküste und der sagenumwobenen Küstenstraße Amalfitana. Um 1850 eröffnet hat die SS 163 von Sorrent bis Vietri sul Mare natürlich etwas. Traumhafte Ausblicke und eine wunderschöne Streckenführung, die uns kurvenreich an der Topographie der Küste entlangführt.

Stopp! Traumhaft für Sozius oder Beifahrer, sollten wir die Route vielleicht stilecht im Fiat 500 oder einem Alfa Spider befahren. Mit einem Zweirad raten wir zu einem Scooter. Die in Italien beliebten 150er sind dabei völlig ausreichend.

Ansonsten ist das Befahren des Mittleren Ringes um München zur Haupturlaubszeit stressfreier als eine Tour mit einem Motorrad entlang der Amalfitana. Natürlich ist alles auf der Welt Geschmacksache. Aber ich würde jetzt „Topfschlagen in einem Minenfeld“ auch nicht als Belustigung für einen Kindergeburtstag vorschlagen.

Nicht falsch verstehen! Die Amalfiküste gehört nicht umsonst zum Weltkulturerbe und bietet wunderbare Aussichten auf die Küste und die umliegenden Dörfer. NUR – als Motorradtour für jemand, der gerne entspannt einen sauberen Strich fährt und dabei Strecke und Kurven im Vordergrund stehen, für den ist die Amalfitana denkbar ungeeignet. Man steht mehr, als das man fährt.

Wer aber sagt: „Das nehme ich in Kauf. Ich will einfach die Region kennenlernen und die Landschaft genießen“ – Der fährt die Amalfitana entlang und lässt die Fahrdynamik außer Acht.

„Alles nicht so wichtig. Ich schaue mir Amalfi an und Umgebung an und rolle längs der Küste mit permanentem Meeresblick.“

Dann genießen wir in Amalfi das wilde Treiben an der Uferpromenade und dem kleinen Hafen und in Vietri sul Mare betrachten wir die schönen Keramiken in Verbindung mit der Altstadt des Ortes.

Unter diesem Aspekt kommen wir auch bei Hochbetrieb an der Amalfiküste auf unsere Kosten.

Aber wir haben ja noch weitere Protagonisten in räumlicher Nähe zu Neapel.

Einer dieser Hauptdarsteller ist zweifelsohne der Vesuv. Der 1.281 m hohe aktive Vulkan zieht jeden in den Bann, der sich in der Nähe von Neapel aufhält. Bis 79 n. Chr. war der Berg noch um einiges höher. Bei dem berühmten Ausbruch, der von Plinius dem Jüngeren beobachtet und dokumentiert wurde, hatte es den Gipfel des Berges regelrecht weggesprengt und die Städte Pompeji und Herculaneum verschüttet.

Die Neapolitaner haben mit der ständigen Bedrohung durch den aktiven Vulkan leben gelernt. Und ein touristischer Anziehungspunkt ist der Vesuv allemal. Für mich ist der Vesuv das Wahrzeichen Neapels. Aus jeder Fahrtrichtung kommend wirkt er wie DAS Denkmal der Stadt.

Und das Bad an der Küste im Meer, mit dem Vesuv als Hintergrund, wird uns auf ewig im Gedächtnis bleiben.

Die Zufahrt hinauf zum Krater bietet dem Betrachter einen fantastischen Blick auf die riesige Stadt Neapel und die Bucht. Einen schöneren Blick, um Neapel als Ganzes zu sehen, wird es kaum geben.

Für Seismologen ist der Vesuv aber nicht einmal der „Titelheld“ in Sachen vulkanischer Aktivität in der Region rundum Neapel.

Die Phlegräischen Felder unmittelbar bei Neapel werden, mit ihrer hohen vulkanischen Aktivität, als Supervulkan eingestuft. Ihre räumliche Ausdehnung beträgt ca. 200 km2. Also ein riesiges Gebiet in dem nicht nur die Einwohner Neapels, sondern in den Randgebieten etwa 350.000 Menschen leben.

Hätten wir nicht den Hintergrund zu den Phlegräischen Feldern gehabt, dann wäre unser Eindruck an dem Aussichtspunkt, den wir angefahren hatten, mehr als zwiespältig gewesen.

Die „Rauchwolken“ im ungastlichen Niemandsland hätten auch von einer „illegalen Müllkippe“ stammen können auf der Altreifen verbrannt werden.

Hat man jedoch die aktuellen Ergebnisse von Fachleuten im Hinterkopf, die auf den Phlegräischen Feldern Gesteine und eine Magma-Art gefunden haben, die mit der vom letzten großen Ausbruch im Jahr 1538 übereinstimmt, dann begegnet man der „Müllkippe“ mit dem nötigen Respekt und Ehrfurcht.


Sollten sich diese beiden schlummernden Riesen Vesuv und Phlegräischen Felder überlegen auszubrechen, dann ist es besser nicht in räumlicher Nähe zu den „Kollegen“ zu sein. Gruß an die Influencer: Auch nicht um Selfies zu machen!

Wie steht es nun um den Satz: Neapel sehen und sterben?

Italien ist wie ein riesiges Mosaik, welches ein wunderschönes Gesamtbild ergibt. Neapel und die Region um diese riesige Stadt sollte man einmal gesehen haben. Aber sie ist in dem Gesamtmosaik Italien nur ein kleines Bausteinchen.

Jedoch wäre das Bild eben nicht komplett, wenn dieses Mosaiksteinchen fehlen würde. STERBEN müsst IHR aber nicht. Dafür gibt es in Italien noch viel zu viel zu sehen. Also auf geht es Leute! Macht Euch selbst euer Bild über Italien und fügt dem großartigen Mosaik Italien das Mosaiksteinchen Neapel und Umgebung hinzu.


Eine Runde durch Apulien

09 Donnerstag Okt 2025

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren

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Castel Monte, Trulli, Matera, Apulien, Stauferkaiser Friedrich II

Wie sagte einst ein kluger Mann: Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn wir vergessen, was wir gelernt haben!

Schöner kann man eigentlich nicht umschreiben was mit meinem „erlernten Schulwissen“ in großen Teilen passiert ist. VERGESSEN!

Da Geschichte immer zu meinen Lieblingsfächern in der Schule zählte, ist von dieser Sparte mehr hängen geblieben als Fragmente. Grüße an meinen Mathematiklehrer und die binomischen Formeln – hier ist ein schwarzes Loch.

Also machen wir uns heute auf unsere Apulienrunde mit einem Bildungsauftrag.

Beginnen wir einfach mit der „steinernen Krone Apuliens“. Als unsere Italienrundfahrt uns bis hinunter nach Apulien führte, war das Castel Monte eine zwingende Fotopause mit Besichtigung für mich.

Den Beinamen „steinerne Krone Apuliens“ erhielt das Bauwerk, weil seine achteckige Bauform an eine Krone erinnert. Erbaut hat dieses Castel der Stauferkaiser Friedrich II., ein Enkel vom berühmten Friedrich Barbarossa.

Die Burg liegt auf einem 540 m hohen Hügel und ist wegen der umliegenden Topographie weithin sichtbar.

Einfach nur ein Symbol der Macht, eine Trutzburg unter dem Aspekt der Verteidigung oder ganz andere Hintergründe? Bis heute streiten sich die Fachleute was diese beeindruckende Festung letztendlich darstellen und bezwecken sollte.

Und das ist, meiner Meinung nach, gut so. Man muss nicht alles wissen. Vielleicht hatte Friedrich II. auch ganz andere Hintergründe was den Bau des Castel betrifft und es war ihm einfach lästig sie der Nachwelt näher zu erläutern.

Denn Friedrich war ein „cleverer Fuchs“ und ein gewiefter Diplomat. Der Friede von Jaffa von 1229 gibt darüber beredtes Zeugnis. Ein Kreuzfahrer der durch diplomatisches Geschick, ohne Blutvergießen, den Christen Zugang zu den Heiligtümern von Jerusalem verschafft. Alle Achtung. UN und all die anderen heutigen politischen Wichtigtuer auf unserem Planeten sollten sich an Friedrich ein Beispiel nehmen.

Wir betrachten staunend sein Castel von außen und innen.

Lächeln über die kaiserliche Toilette und hören die Ausführungen über die Falkenjagd, welche Friedrich zu Papier brachte und seine weitere Passion war.

Reisen bedeutet eben die Welt mit anderen Augen zu sehen und lehrt Toleranz.

Ein deutscher Kaiser aus einem deutschen Adelsgeschlecht, der auch Sohn Apuliens genannt wurde. Tolerantes und weltoffenes Europa im Mittelalter.

Wir rollen weiter und wollen uns anschauen wofür Apulien noch bekannt und berühmt ist. Da gibt es diese kleinen Rundhäuser, die auf den ersten Blick auch der Filmkulisse von „Herr der Ringe“ entsprungen sein könnten und den Hobbits Unterschlupf gewähren. Die Trulli.

Der Ort Alberobello ist bekannt für seine Trulli und der Anziehungspunkt für jeden Apulienurlauber, der die kleinen Häuschen näher betrachten will.

Seit 1996 sind sie auch UNESCO-Weltkulturerbe. Die charakteristischen Rundhäuser mit ihren, sich nach oben verjüngenden Steindächern, erinnern mich immer an die Zipfelmützen eines Zwerges.

Ja Leute – ich weiß. Mit mir geht häufig die Phantasie durch und ich hoffe inständig, dass dies noch ganz lange so bleibt.

Architektonisch nennt man diese konischen Steindächer mit dem, sie abschließenden Schlussstein, auch Kraggewölbe.

In der Zufahrt auf den Landstraßen rund um Alberobello sieht man in den Feldern einige dieser Trulli. Hier finde ich sie um einiges authentischer als die massive Ansammlung der kleinen Häuser in Alberobello. Ursprünglich dienten die Trulli nämlich als Stallungen oder Lager, sowie als temporäre Unterkünfte für die Bauern und Landarbeiter, die das umliegende Land urbar machten.

Natürlich hat der Ortskern von Alberobello eine eher touristisch orientierte Anmutung. Nichtsdestotrotz sollte man es einmal gesehen haben.

Apropos gesehen haben. Hätten wir in einer derartigen Touristenhochburg nicht erwartet und waren deshalb mehr als angenehm überrascht. Das „Terra Mossa“, ein Restaurant unmittelbar im Zugangsbereich vom Parkplatz zu den Trulli. Der Salat mit Rosmarinkartoffeln und frittierten Tintenfischen – ein Gedicht. Die Crostini mit Thunfischtartar und Pistazien – ebenfalls.

Von Alberobello geht es für uns nun in Richtung Westen. Wir wollen in Europas Kulturhauptstadt des Jahres 2019. Matera war die erste Stadt in Süditalien der diese Ehre zu Teil wurde.

Hintergrund dieser Ehrung waren sicherlich die „Sassi“, die Höhlensiedlungen im Bereich der Altstadt. Die Sassi sind bereits seit 1993 UNESCO Welterbe. Der Bereich rund um Matera war bereits in der Jungsteinzeit besiedelt worden und gilt als eine der ältesten Städte der Welt.

Die „Sassi“ waren anfangs natürliche Höhlen, die im Laufe der Zeit von ihren Bewohnern immer weiter ausgebaut wurden, da sich das Gestein gut bearbeiten ließ. So entstand letztendlich eine Höhlenstadt, die der Autor Carlo Levi in seinem Buch „Christus kam nur bis Eboli“ ziemlich drastisch beschrieb. Zumindest drastischer als es in der Realität tatsächlich war. Dies hatte zur Folge, dass die italienische Regierung in den 50er Jahren fast 30.000 Bewohner umgesiedelt hat. 1986 hat man dann die „Sassi“ unter Denkmalschutz gestellt und heute sind sie der Touristenmagnet in Matera.

Filmliebhaber kennen Matera aber noch aus einem anderen Grund. 2021 diente die pittoreske Altstadt als Kulisse zu dem James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ mit Daniel Craig.

Bei der actionreichen Verfolgungsjagd in der Altstadt von Matera hatte der schöne Aston Martin DB 5 arg gelitten.

Gut gegessen haben wir hier auch. In der Pizzeria „Van Gogh“ gemütlich in der Fußgängerzone unweit des Palazzo Lanfranchi, der das Museo d`Arte in Matera beherbergt.

Irgendwann machen wir uns wieder auf den Rückweg in Richtung Norden und rollen gemütlich über Altamura zurück zu unserem Stauferkaiser Friedrich wo unsere heutige Runde begonnen hat.

Fahrerisch war es hier sicherlich keine große Herausforderung – aber gelernt haben wir viel. NEIN – nicht so wie früher in der Schule mit dem Frontalunterricht.

Auf einer Motorradtour lernt man ganz anders, als es „normale Urlauber“ meistenteils können. Wir haben auf unseren Motorradtouren nach dem berühmten Spruch gelernt: Lächle und die Welt wird sich Dir öffnen!

Wie z. B. der liebenswerte Herr am Castel Monte, der mit Akribie seine sanitären Einrichtungen für die Touristen sauber hielt. Von den meisten natürlich unbemerkt. Ein einfaches Lächeln und „Grazie“ hat gereicht und er erzählte uns, dass er bei der Apfelernte in unserer neuen Heimat im Vinschgau als Pflücker arbeitet. Mit einem Strahlen im Gesicht wünschte er uns und unserer Gruppe eine gute Weiterfahrt.

So ergeht es uns fast immer und fast überall wo wir in Italien auf Menschen treffen.

Vielleicht ist einst Friedrich II. den Sarazenenfürsten in Jaffa auch mit einem freundlichen Lächeln begegnet und hat damit seinem Gegenüber Wertschätzung signalisiert. Ich glaube der Besuch auf Castel Monte wirkt schon – zumindest bei mir.

Viel Spaß beim Nachfahren und beim Erfahren.


Achterbahn Gardasee-Ost Monte Baldo

24 Mittwoch Sept 2025

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren

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Gardasee, Monte Baldo

Bei Gardasee-Touristen hört man häufig in den Gesprächen: Wir waren heute auf dem Monte Baldo!

Das suggeriert dem geneigten Zuhörer, dass es sich hier um EINEN Berggipfel handelt, was so nicht ganz korrekt ist.

„Klugscheißermodus“ an: Der Monte Baldo ist eine Bergkette, die sich im Bereich Ostufer des Gardasees entlangschlängelt. Auf ihrer Länge von ca. 38 km überquert sie dabei auch die Provinzgrenzen von Trient und Verona und trennt das Ostufer des Gardasees vom Etschtal. Trennen ist dabei der richtige Ausdruck, denn mit einigen Gipfeln jenseits der 2.000 m kann man von einer räumlichen Trennung sprechen. „Klugscheißermodus“ aus!

Die Bergkette des Monte Baldo ist ein „Muss“, wenn man Urlaub am Gardasee verbringt. Egal ob auf Schusters Rappen, mit dem Mountainbike oder dem Motorrad.

Die einfache Variante ist mit der Seilbahn von Malcesine aus nach oben auf die Höhe. Alle restlichen Alternativen sind zwar mit Schweiß verbunden dafür aber auch mit Ausblicken für die Ewigkeit.

Wenn man einige dieser Bilder als Ölgemälde sehen würde, dann käme wahrscheinlich der Satz: Oh wie kitschig!

Aber die Natur und die Realität kann nicht kitschig sein und so genießen wir, gutes Wetter vorausgesetzt, die Aussicht bis weit hinein in die Alpen und hinab zum Gardasee.

Mit dem Motorrad steigen wir kurz hinter Riva del Garda beim Passo San Giovanni ein. Einige werden jetzt müde lächeln, denn mit seinen 287 m ist der San Giovanni eher ein „Hügelchen“.

Er grenzt aber die Bergkette Monte Baldo im Norden ab und im Rahmen unserer Tour geht es noch nach oben bis auf 1.617 m. Der Höhenunterschied von ca. 1.300 m kann sich sehen lassen und übersteigt das was wir oftmals in den Dolomiten erreichen, da hier die „Einstiegshöhen“ in die Pässe um einiges höher liegen.

Nach knapp 25 km bergauf sind wir auf dem Passo di San Valentino und damit bereits auf 1.314 m Höhe.

Der größte Höhenunterschied ist damit gemacht und nun bewegen wir uns, wie auf einem Hochplateau, mal rauf und mal runter. Schmale Streckenführung aber noch passendes Asphaltband und möglicher Gegenverkehr ist weitestgehend gut erkennbar, da das Plateau eine gute Weitsicht gewährleistet und die Straße gut einsehbar ist.

Bocca del Creer ist mit seinen 1.617 m der höchste Punkt und es führt uns weiter über Bocca di Navene (1.425 m) den Höhenzug entlang.

Wir sind jetzt gleich etwa auf Höhe von Malcesine und dem Punkt auf dem Bergmassiv, den man von dort mit der Seilbahn erreichen kann. Oftmals der Einstieg für Wanderer und Mountainbiker.

Was jetzt rechts von unserer Routenführung entlang an Bergen zu sehen ist liegt allesamt jenseits der 2.000 m. Ganz ordentlich, wenn man bedenkt, dass nur ein paar Minuten entfernt von uns die Touristen am Gardasee schwitzen und dies nur wenig über Meereshöhe.

Ab dem Cavallo del Novezza mit seinen 1.433 m geht es für uns abwärts. Also metaphorisch betrachtet. Fahrerisch ist es für uns weiter ein Hochgenuss, denn wir „verbrennen“ auf unserem Weg zum Passo del Casello (1.055 m) knapp 400 Höhenmeter.

Bis Caprino Veronese sind es nun noch etwa 18 km bergab und wir sind mit den 280 Höhenmeter der Ortschaft fast auf dem Niveau unseres Startpunktes angekommen.

Wir liegen nun ziemlich genau östlich von Torri del Benaco, dem schönen kleinen Ort an der Landzunge des Gardasee. Ca. 66 km haben wir jetzt zurückgelegt, fern von den Touristenmassen und wahrscheinlich hat der ein oder die andere in der Sommerkombi sogar leicht gefröstelt.

Schön war es hier oben auf dem Höhenzug und es hat uns gezeigt, der Gardasee ist nicht nur der SEE, sondern auch eine wunderbare Region links und rechts der Uferpromenade.

Viel Spaß beim Nachfahren!

Einmal rund um Bozen

10 Donnerstag Jul 2025

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren

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Cafe Wieterer, Kloster Maria Weißenstein, Rund um Bozen

Gemeinhin sagt man, der Kreis ist der Spiegel der Ewigkeit. Er hat keinen Anfang und kein Ende.

Unser heutiger Kreis hat einen Anfang und auch ein Ende. Ein feines und gemütliches mit bester Aussicht auf einen leckeren Eisbecher. Ich erspare mir an dieser Stelle meinen üblichen Hinweis auf mein „selbst gewähltes Sternzeichen“.

Wir ziehen heute einen wunderbaren Kreis rund um Südtirols Landeshauptstadt Bozen und sind dabei Luftlinie nie mehr als 20 km von der Stadt entfernt. Okay – so ganz rund und geometrisch in Ordnung ist unser Kreis nicht. Archimedes würde sicherlich die Stirn in Falten legen. Aber meines Wissens war Archimedes auch kein Motorradfahrer. Tolerant wie er war könnte er aber heute sicherlich unser Bedürfnis auf den ein oder anderen Schlenker in diesem Kreis nachvollziehen.

Richtung Süden machen wir uns von Terlan und dem Startpunkt Cafe Wieterer aus auf unseren heutigen Weg und schleichen uns über St. Pauls und Eppan an den Kalterer See.

Es geht über den Kreiter Sattel hinüber auf die andere Seite der Etsch nach Auer. Den südlichsten Punkt unserer Tour haben wir damit schon erreicht. Grob orientieren wir uns nun zunächst nach der Beschilderung Val di Fiemme / Val di Fassa. Es geht aufwärts und wir genießen den Ausblick ins Etschtal und hinüber in Richtung Landeshauptstadt Bozen.

Von dieser Hauptroute in das Mekka des italienischen Langlaufsports verbschieden wir uns aber bald. Es geht ins Eggental in Richtung Deutschnofen.

Wir sind heute mit unserem Freund Wolfgang und seiner Kawasaki unterwegs. Wolfgang war „nahezu entsetzt“, dass unsere bisherigen Touren uns noch nicht zum Kloster Maria Weißenstein geführt haben.

Dies gilt es heute nachzuholen. Was soll man sagen? Supertipp von unserem Wolfgang! Auf 1.520 m Höhe erhebt sich majestätisch dieser barocke Prachtbau. Die Historie, wie es zur Errichtung der Basilika und ihrer Bedeutung als Pilgerort gekommen ist, erspare ich mir an dieser Stelle.

Was ich Euch nicht erspare ist mein Gefühl welches ich in einem der Räumlichkeiten der Basilika hatte. Bis an die Decke war der Raum übersät mit Gedenktafeln von Gläubigen, die hier ihren Wünschen oder Erinnerungen Ausdruck verliehen.

Im Eingangsbereich hingen Helme! Motorradhelme und auch Fahrradhelme. Teilweise versehen mit einem Datum. Vielfach versehen mit Aufschriften wie: Fahrt nie ohne Helm!

Ich bin kein gläubiger Mensch. Die Szenerie macht mich dennoch mehr als betroffen. Ich hoffe inständig, dass es nicht für alle Träger oder Trägerinnen der Helme final ausgegangen ist. Und wenn doch – dann soll die Geste mit den Helmen zumindest Freunden und betroffenen Familien dabei geholfen haben, dass sie in Frieden mit dem Moment abschließen konnten.

Was findet ihr noch an der Abtei? Eine schöne kleine Hausbrauerei. Merke: Mönche wussten schon immer was gut ist. Und eine gemütliche und feine Gastronomie mit einem kleinen Biergarten, die zur Einkehr einlädt.

Wir lassen uns nicht zweimal bitten. Schließlich war das genau der Hintergrund warum uns Wolfgang hierhin gelotst hat. Er weiß wo es gut ist. Vielleicht ist er die Reinkarnation eines mittelalterlichen Mönchs. Bei der nächsten Tour werde ich ihn mal „unverfänglich“ nach seinen „Wurzeln“ fragen.

Gut gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg. Wie immer in der Region geht es rauf und runter. Rauf heißt konkret in diesem Fall die Steinegger Panoramastraße zu den Sternendörfern Gummer und Steinegg.

Die Ausblicke von hier oben sind einfach zum Niederknien. Es gibt einige Hochplateaus mit schönen Ausblicken auf den Schlern und den Rosengarten. Der von hier oben lässt mich immer wieder staunend mit offenem Mund zurück. Einfach schön.

Weiter geht es mit unserer heutigen Berg- und Talbahn. Wir fahren hinab in das Eisacktal und am Ortsanfang von Bozen geht es wieder hinauf zum Ritten. Hier oben verlebten schon im 19. Jahrhundert die Bozener Bürger, die es sich leisten konnten, die Sommerfrische. Immer im Hinterkopf behalten – Bozen gehört mit zu den wärmsten Städten Italiens. Mancher glaubt es kaum.

Quer geht es für uns über den Ritten. Wenn wir nicht Bozen oder den Schlern mit dem Rosengarten im Blick haben, dann schauen wir hinein ins Sarntal. Genau da führt uns jetzt unsere kurvige Talfahrt hin.
Es heißt ja heute -Einmal rund um Bozen-. Also müssen wir ja irgendwie halbwegs einen Kreis hinbekommen. Es hilft also alles nichts, kurz vor Bozen geht es für uns wieder aufwärts in Richtung Jenesien.

Hinauf auf das Hochplateau Tschögglberg. Fotomotiv ist natürlich wieder der Schlern und der Rosengarten. Aber aus einer anderen Perspektive. Ein passender Punkt für schöne Fotomotive ist unmittelbar vor dem Ort Flaas. Wir folgen alsdann der kurvigen Streckenführung über den Schermoossattel nach Mölten.

Erfahrene „Eisliebhaber“ wie euer Erzähler riechen jetzt schon den Eisbecher. Terlan ist bereits ausgeschrieben auf den Hinweisschildern und so machen wir unsere heutige Rundtour komplett. Bergab mäandert die Straße nach Terlan und dann zum Cafe Wieterer. Füße unter den Tisch und ein breites Grinsen im Gesicht. Gut haben wir das gemacht. Etwas über 150 km Rundstrecke um Bozen erledigt, obwohl wir Luftlinie nie weiter als 20 km entfernt waren. Eine schöne Runde mit wunderbaren Ausblicken und einer durchaus auch anspruchsvollen Strecke.

Danke an Wolfgang für die tollen Einkehrtipps und Euch – Viel Spaß beim Nachfahren.



Sella Ronda – dahin wo alle sind!

12 Donnerstag Jun 2025

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren

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Grödnerjoch, Pordoi, Sella-Ronda, Sellajoch

Oft höre ich den Hinweis: Da musst Du unbedingt hin. Da sind alle!

Dahingehend kann ich nur erwidern: Nichts schreckt mich mehr ab, als ein solcher Ratschlag. Ich will gar nicht an einen Ort, wo auch immer dieser auch liegen mag, der von Allen „heimgesucht“ wird. Ich war auch noch nie im 17. Bundesland von Deutschland Mallorca. Den „Ballermann“ kenne ich insofern auch nur aus Boulevardsendungen im TV oder Zeitungen. Die Begeisterung für gewisse komplett überlaufene Örtlichkeiten erschließt sich mir insofern überhaupt nicht.

Aber heute werde ich mit meiner liebgewonnenen Gewohnheit oder besser gesagt Schrulligkeit brechen. Wir machen uns auf den Weg zur Sella Ronda.

Der Pässehochburg in den Dolomiten nähern wir uns über den Karerpass und grüßen im Vorbeifahren die Wasserfee am Lec de Ergobando, dem Regenbogensee, auch Karersee genannt.

In San Giovanni di Fassa machen wir kurz im Eiscafe Leon d`Oro Pause und nehmen einen Eisbecher zu uns. Der Zuckerhaushalt sollte für die anstehende Runde ordentlich gefüllt sein.

Hinter Canazei fangen wir dann, mit dem Passo Pordoi, unser heutiges Quartett rund um den Sellastock an.

Der Pordoi ist Bestandteil der großen Dolomitenstraße und der Bau wurde bereits 1905 vollendet. Mit seinen 2.239 Metern ist er der höchste asphaltierte Passübergang in den Dolomiten und war schon des Öfteren Zielankunft beim Giro d`Italia. Südlich von uns liegt die Marmolata und der Fedaiapass.

Mit dem Fahrrad wäre ich bereits auf halber Strecke ein Fall für Wiederbelebungsmaßnahmen oder ein Sauerstoffzelt. Mit dem Motorrad genieße ich Streckenverlauf und die traumhafte Umgebung. So bekannte Namen wie Langkofel, Sass Pordoi und Piz Boé zeigen ihre majestätischen Gipfel. Wie immer in Südtirol und dem Trentino Ausblicke für die Ewigkeit.

Im I. Weltkrieg war hier östlich des Pordoijochs das Kampfgebiet der italienischen und österreichischen Truppen. Unten im Tal bei Arabba verlief die Frontlinie.

Der Betrieb nimmt jetzt stetig zu. Aus beiden möglichen Fahrtrichtungen kommen nun, meist in Gruppen, Motorradfahrer hinauf zum Gipfel des Pordoi auf ihrer Runde um den Sellastock.

Wie sagte doch einst ein schlauer Mensch: Die Sicherheit der Menge liegt in der Ordnung und im Respekt vor dem einzelnen. Fahrstil und Überholmanöver einiger Aspiranten lassen mich daran zweifeln ob der Begriff „Respekt“ hier in deren Wortschatz vorkommt. Was ein Berliner XR-Fahrer und seine Kumpels etwas später bei der Abfahrt nach Canazei abhalten erspare ich mir hier näher zu beschreiben. Er wird sich bestimmt „richtig toll“ gefunden haben.

Irgendwie fühle ich mich bestätigt, dass Pässe wie der Rolle, Valles, Brocon oder Manghen eher meiner Einschätzung einer entspannten Pässerunde entsprechen.

Schluss jetzt mit der Unkerei. Schließlich wollen wir heute den touristischen Höhepunkt einer jeden Dolomitenrunde mit dem Motorrad erkunden. Es geht weiter über Arabba zum Campolongo in nördliche Fahrtrichtung zum Grödnerjoch. Der Campolongo ist eigentlich mit dem Wort „unauffällig“ schon hinreichend beschrieben.

Wenn man, wie wir, die heutige kurze Schleife fahren möchte, dann nutzt man ihn um Pordoi und Grödnerjoch miteinander zu verbinden. Wer mehr Zeit für die Runde mitbringt, der sollte den ostwärts gelegenen Valparolapass nutzen. Was wir auch am Campolongo erledigen ist unsere Aufnahme der Verpflegung. Die Pasta Ragu di Cervo sind lecker und füllen unsere Kohlenhydratespeicher umgehend wieder auf.

Also jetzt hinauf zu unserem nächsten Protagonisten der heutigen Runde zum Grödner Joch auf 2.121 m Höhe. Die Einheimischen hier in dieser Region und im Grödnertal weiter bergabwärts, gehören der ladinischen Sprachgruppe in Südtirol an. Die Sprache hat etwas Melodisches und ich höre den Menschen hier gerne zu. Egal was besprochen wird – es hört sich immer unaufgeregt und freundlich an.

Wir haben wieder den Langkofel im Blick mit seiner namensgebenden langestreckten Südwand. Richtung Osten können wir bis ins Gadertal blicken. Der Weg dorthin über das Würzjoch würde aber heute den zeitlichen Rahmen sprengen. Wir sind südlich vom Naturpark Puez-Geisler, einem traumhaften Gebiet für alle, die sich die Dolomiten auf Schusters Rappen erschließen möchten. Denn wie heißt es so schön: Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen.

Aber für uns geht es jetzt erst einmal mit unserer KTM bergab. Unser Weg führt uns jedoch nicht in die Touristenhochburgen Wolkenstein, St. Christina oder St. Ulrich sondern wieder hinauf zum Sellajoch. Es geht wieder aufwärts bis auf 2.218 m Höhe zum Jouf de Sela, wie die Ladiner zum Sellajoch sagen.

Am 14. Juli 1946 hielten ca. 3.000 Ladiner hier oben auf dem Sellajoch eine Großkundgebung ab. Ihr Ziel war der Anschluss ihrer Täler und eigentlich von ganz Südtirol an Österreich. Bekanntermaßen dauerte es noch eine lange Zeit bis den Südtirolern zumindest ihre gewünschte Autonomie zugestanden wurde.

Das Sellajoch ist die Verbindung zwischen dem Grödnertal und dem Fassatal im Trentino. Und genau in das Fassatal zieht es uns jetzt zum Abschluss unserer Runde wieder hin. Schwungvoll geht es die Kurven des Sellajochs nach unten in Richtung Canazei.

Die Ausblicke bei unserer heutigen Runde sind einfach grandios. Gefühlt könnte man hinter jeder Kehre haltmachen, Landschaft genießen und zur Erinnerung einige Fotos machen. Apropos Gefühl. Für mich ist es heute ähnlich zwiespältig wie beim Ausblick auf das Stilfserjoch.

Wir haben jetzt Anfang Juni. Noch zwei Wochen und diese heutige Runde hat mit Genuss nicht mehr viel zu tun. Dann ist der „Berliner XR-Fahrer“ mit seinen Kumpels nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel und man hat alle Hände voll zu tun um die Sella-Ronda sauber zu absolvieren, weil die Aufmerksamkeit größtenteils diesen Aspiranten gilt und nicht dem eigenen sauberen Strich. Von entspannt reden wir dann gar nicht mehr.

Ich wünsche Euch allen eine tolle Motorradsaison in „unseren Bergen“. WIR werden aber sicherlich die „Hochsaison“ dort zubringen wo sich der Betrieb in Grenzen hält und einem die „Windgesichter“ bei der Pause am Rifugio mit einem wissenden Gesichtsausdruck zuzwinkern.

„Wir wissen warum wir hier sind und nicht da wo ALLE sind!“



Verbinde was zusammengehört oder Kombiniere Teil II

08 Donnerstag Aug 2024

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren

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Eggental, Ritten, Schermoossattel, Sternendorf, Tschöggelberg

Das eine traumhafte Motorradtour durch die Regionen Südtirol oder das Trentino auch (fast) ohne Pässe funktioniert habe ich euch zurückliegend bereits gezeigt und nähergebracht. Okay – den ein oder anderen nicht ganz so netten Kommentar habe ich dafür geerntet, aber das macht nichts. Das Miteinander in der Szene der Motorradfahrer*innen hat sich eben in den letzten Jahrzehnten in ähnlicher Form geändert wie im menschlichen Alltag und WIR sind da auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Also jetzt wieder für diejenigen, die in Sachen Touren ähnlich „ticken“ wie ich, eine schöne Kombination an Strecken, die man in unterschiedlicher Form miteinander verbinden kann. Fernab vom Trubel und fernab vom hektischen Betrieb, aber immer mit einem traumhaften Blick auf die Bergriesen Südtirols und der Dolomiten.

Das Hochplateau Tschögglberg ist so eine Route. Mittlerweile hat sich diese Strecke zu einer unserer Favoriten „gemausert“. Sogar als „Transitroute“ bietet sie sich an, wenn man das erforderliche Zeitfenster hat. Denn die „Mebo“ unten im Etschtal ist an manchen Tagen mit Temperaturen gesegnet, die einem das Gefühl vermitteln von einem Heißluftfön bestrahlt zu werden. Hier oben ist es ein Traum. Von den Temperaturen bis hin zu den Ausblicken. In Vöran kann man noch per pedes zum Knottnkino oder in Jenesien die Erdpyramiden bewundern.

Oder man legt schon eine Verpflegungspause im Gasthof Tomanegger, unmittelbar an unserer Route zwischen Flaas und Jenesien ein.

Zum nächsten Part der passfreien Kombination geht es kurz abwärts ins Sarntal und dann wieder hinauf wo schon seit Generationen die Einwohner von Bozen die „Sommerfrische“ genießen. In schmaler Streckenführung immer mit wunderbarem Blick, entweder hinein in das Sarntal oder hinunter zur Landeshauptstadt Bozen, geht es über Wangen nach Oberrinn und Klobenstein.

Wer noch ein paar zusätzliche Meter investiert, der kann in Lengmoos im Gasthaus Amtmann Verpflegung aufnehmen. Man sitzt schön gemütlich im Biergarten und genießt die sehr gute Küche.

Dann geht es wieder abwärts in Richtung Bozen respektive Eisacktal. Unser Ziel ist der kleine Ort Blumau. Aufgepasst – weil die Abzweigung hoch nach Steinegg kann man schnell übersehen. Also wieder aufwärts in die kühleren Gefilde und den Bereich der wunderbaren Ausblicke. Es mutet zwischenzeitlich fast kitschig an wie in einem Heimatfilm von Luis Trenker. Nur waren die noch schwarzweiß. Für uns erstrahlt hingegen alles in wunderbaren Farben. Der Schlern und der Rosengarten mit Latemar und auch die Vajolettürme zum Greifen nah. Eigentlich kann man hier stundenlang sitzen und sich nur darüber freuen einfach da zu sein. Okay – eine Kaminwurz oder ein Bergkäse wären dabei auch hilfreich.

Kennt ihr das erste europäische „Sternendorf“? Wenn nicht – dann sei euch mitgeteilt, dass ihr auf dem richtigen Weg dahin seid. Die Gemeinde Karneid mit ihren Dörfern Steinegg, Gummer und Karneid bilden nämlich dieses erste europäische Sternendorf. Eine Sternenwarte, ein Observatorium und ein Planetenweg gehören mit dazu. Man hat es hier oben eingerichtet, weil es hier den schönsten Sternenhimmel Italiens geben soll. Wir glauben das sofort.

Aber jetzt erst einmal wieder abwärts mit uns und unseren Maschinen bis zur SS 241 der Zufahrt zum Karerpass, der wir aber nur bis Birchabruck folgen. Dann geht es für uns nämlich wieder weg vom Trubel in Richtung Deutschnofen und ins Eggental.

Wenn solch bekannte Regionen wie Rosengarten und Latemar rufen, dann lassen viele das Eggental gerne links oder rechts liegen. Vollkommen zu Unrecht aber gut für uns. Im Winter ist hier richtig Betrieb angesagt, denn es rufen 90 alpine Pistenkilometern und 80 km Langlaufloipen. Den Sommerurlaubern bietet das Eggental 500 km Wanderwege und rund 200 km Routen für die Mountainbiker.

Was jetzt noch abschließend folgt ist unser Weg über Montan und Auer an den Kalterer See. Und von hier aus habt ihr ja von meinen „alten Routen“ ein ausreichendes weiteres Angebot.

Viel Spaß beim Nachfahren und beim Verbinden von Routen, die einfach zusammengehören. Und diesmal gehört sogar der Blick in die Sterne mit hinzu.



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