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Kategorien-Archiv: Auf und Davon

Einen Maloja bitte!

28 Donnerstag Nov 2024

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Auf und Davon

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Engadin, Maloja, St. Moritz

Erst einmal einen Maloja bitte. Okay – vielleicht erwartet jetzt der ein oder die andere den aktuellen Hipster-Cocktail, natürlich mit Gin, weil der „Sinnesbeschleuniger“ heutzutage wohl Bestandteil jedes Getränks sein muss.

Einige andere werden sofort wissend mit dem Kopf nicken, weil es da eine kleine wertige Firma aus Oberbayern gibt, die seit ca. 20 Jahren wirklich feine Outdoor-Bekleidung fertigt und insofern verdient eine große Fangemeinde gefunden hat.

Motorradfahrern kommt natürlich sofort etwas anderes in den Sinn. Da gibt es einen kleinen Ort in den Engadiner Bergen unweit der mondänen Stadt St. Moritz und dort haben die Schweizer Straßenbauer uns mit dem Gewindeschneider eine schöne Asphaltdecke in den Berg geschraubt.

1.815 Meter ist der Maloja im Kanton Graubünden hoch mit seinen 23 Kehren und verbindet das Bergell mit dem Engadin und damit auch die Gebirgsbereiche um Albula und Bernina.

Aus Richtung Norden kommend nimmt man den Maloja gar nicht richtig als Pass wahr. Der Höhenunterschied ist lediglich marginal. Dafür kann man sich das Phänomen des „Malojawindes“ etwas genauer anschauen. Der Silsersee und Silvaplanasee liegen hier genau in unserer „Einflugschneise“ und hier können wir die Kunststücke der Kitesurfer beobachten, die der Malojawind ordentlich auf Tempo bringt.

Fast ist man an die Segler und Surfer am Nordufer des Gardasees erinnert, die in Riva und Torbole täglich am Nachmittag den aufkommenden Wind aus dem Süden nutzen.

Fahren wir den Maloja aus Süden, also aus Richtung Chiavenna, kommend an, dann verdient sich der Maloja auch seine Bezeichnung als Pass. Ab Chiavenna geht es 1.482 m in die Höhe.

Zu sehen gibt es einiges unterwegs. Als imposantes Fotomotiv kann auf alle Fälle die 115 m hohe Staumauer Albigna herhalten. Der gleichnamige Albignasee liegt dabei eingebettet zwischen Bergriesen, die allesamt an der 3000 m Grenze kratzen. 460 Millionen Kilowattstunden produziert das Kraftwerk mittels Wasserkraft. Alle Achtung.

Übrigens – der Name Maloja geht wohl auf den Dialekt der Hirten aus dem benachbarten italienischen Veltlin zurück. Aus deren „Maloggia“ wurde dann im rätoromanischen „Malögia“ und für uns Maloja.

Historisch betrachtet kann man den Maloja bis in die Römerzeit zurückverfolgen. Wen wundert es? Er war zu dieser Zeit bereits eine Art „Zubringer“ zum Julierpass und stellte eine Anschlussverbindung zur bekannten Via Claudia dar.

Apropos Zubringer und Anschluss. In eine Rundstrecke lässt sich der Maloja oftmals nur schwerlich sinnvoll integrieren. Die üblichen Verdächtigen in räumlicher Nähe wie: Albula, Julier und Flüela oder auch Bernina und Ofenpass wollen einfach keine „Verbindung“ mit dem Maloja eingehen, die am Ende eines Tages die Kilometerzahl nicht ausufern lässt.

Aber was spricht dagegen bei einer Tour zum Malojapass auch den gleichen Rückweg zu wählen und einfach nur Gegend und Landschaft zu genießen?

Was auf alle Fälle Sinn ergibt, aus Sicht einer traumhaften Motorradtour, ist eine Route hin oder zurück vom Comersee, Mailand, Bergamo oder Ligurien mit dem Malojapass wunderschön anzureichern.

Viel Spaß beim Nachfahren!


Indian Summer oder Herbst in Südtirol

07 Donnerstag Nov 2024

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Auf und Davon

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Eggerhof, Herbst in Südtirol, Manghenpass

Der Herbst in Südtirol und den angrenzenden Regionen wie Trentino und Belluno hat etwas für sich. Die Farbenvielfalt, die Kontraste und die Ruhe sind einfach ein Traum. So stellen wir uns den Indian Summer in den USA vor. Oh mein Gott, Dio mio, what the hell?

Verschuldigung und Entzeihung – kulturelle Aneignung! Natürlich maße ich mir nicht an beides miteinander zu vergleichen. Insbesondere, weil wir auch noch nie in den Staaten waren. Aber in unserer Phantasie, die wir glücklicherweise noch haben, stellen wir es uns eben so vor. Basta!

Im Sommer liegt oftmals trotz blauem Himmel und Sonnenschein leichter Dunst in der Luft und die Berge erscheinen wie durch einen feinen Schleier.

Jetzt – im Herbst – herrscht klare Luft, verbunden mit einer Aussicht, die den staunenden Betrachter jede „Zacke“ auf den Berggipfeln einzeln zählen lässt. Einfach phantastisch. Nicht nur wir werfen jetzt bereits lange Schatten – unsere „dicke Sissy“ tut dies auch. Was würde Heidi Klum jetzt sagen? Sissy ich habe ein Foto für Dich.

Was zu dem Farbenspiel und der frischen Luft hinzu kommt ist die himmlische Ruhe. Der sommerliche Ansturm in den Bergen ist abgeebbt und man hat die meisten Gipfel schon fast für sich allein. Bedeutet natürlich auch, dass die ein oder andere Hütte bereits geschlossen hat und man seine Verpflegung in Tankrucksack oder Topcase einpacken sollte. Macht aber gar nichts. Schüttelbrot, Kaminwurzen und ein gutes Stück Bergkäse machen die Runde nur umso authentischer.

Und nur wenige Minuten oder Meter abseits der Asphaltbahnen findet man dann Plätze, die einen nur noch träumen lassen. Ruhe pur – schön ist es auf der Welt und insbesondere HIER zu sein.

Die fehlende „Warmverpflegung“ ist locker zu verschmerzen, denn dafür sind die Auffahrten in die Berge nahezu „verkehrsfrei“ und Genuss pur. Der Manghenpass ist einer unserer Favoriten und zu dieser Zeit landschaftlich und fahrerisch unbezahlbar.

Soll die Route „mit Verpflegung“ sein, dann wählt man eben die etwas tieferen Gefilde aus, deren Gastronomen erst zu einem späteren Zeitpunkt die Hütte oder Buschenschänke schließen. Wer suchet – der findet! Und wer findet, der landet auch fast hundertprozentig einen kulinarischen Treffer.

Der Eggerhof ist so ein Treffer und hier nur einmal exemplarisch genannt. Schöne Aussicht, ruhiges Plätzchen und eine exzellente Küche. Und wer sich dann auch noch die Füße vertreten möchte, der kann dies auch erledigen. Das Knottnkino ist nur wenige Minuten entfernt.

Wir lieben diese Herbsttouren, weil man die Seele so schön baumeln lassen kann und die faszinierenden Ausblicke gut sind für Herz und Gemüt. Wem das jetzt zu sehr nach Heimatfilm der 50er oder 60er Jahre ist, der sollte sich einfach „sein Herz“ nehmen und zu einer Herbsttour in die Berge aufraffen. Spätestens dann kann man, wenn besagtes Organ nicht aus Stein ist, die Gefühle nachempfinden.

Und am Abend nach der Tour schließt man einen nahezu perfekten Tag dann noch PERFEKT mit einem typischen Südtiroler „Törggelen“ ab.

Ich muss jetzt runter in unseren Keller und die Skatingski für die anstehende Wintersaison parat machen. Kondition aufbauen für die kommende Motorradsaison 2025. Wir sehen uns!

San Marino und etwas Mehr

27 Freitag Sept 2024

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Auf und Davon

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Misano Adriatico, San Leo, San Marino

Es gibt einfach Plätze und Orte auf unserem Planeten, die sollte man einmal gesehen und besucht haben. Da wird mir jetzt wahrscheinlich jeder Leser oder jede Leserin zustimmen.

Wenn man jetzt mit mehreren Menschen zusammensitzt, dann stellt man fest, dass für jeden diese Art Plätze und Orte andere sind. Jeder bestimmt sie nach seinem eigenen Gusto, oftmals orientiert an Hobbies, Interessen oder einer Passion.

Wir schauen uns gerne Motorradrennen an und das ein oder andere Mal genießen wir es dies direkt vor Ort an einer Rennstrecke zu tun. Bei Genießen ist man zwangsläufig schnell bei Italien. Bei Italien und Rennstrecke taucht zwangsläufig ganz schnell der Name Misano Adriatico auf.

Die Rennstrecke liegt in Sichtweite zum Meer und so bekannten Badeorten wie Rimini, Cattolica oder Gabicce Mare. Hat den großen Vorteil, dass der kurzentschlossene Rennbesucher eigentlich immer noch ein Hotelbett in räumlicher Nähe zur Rennstrecke findet.

Diese Jahr war der Kurs sogar zweimal Gastgeber für die Motorrad WM und außer dem üblichen Namen „Grand Prix von San Marino“ hörte der zweite Lauf auf den Namen „Grand Prix der Emilia Romagna“.

Egal auf welchen Namen die Veranstaltungen hören, sie atmen immer Emotionen und Herz. Eben typisch italienisch. Und natürlich werden gerade die Namen der italienischen Hersteller wie Ducati und Aprilia rund um den Ring „Großgeschrieben“.

Aber wir waren ja zu Beginn bei Orten und Plätzen, die man besucht haben sollte. Also los! Denn der namensgebende Ort für die übliche Veranstaltung heißt San Marino und liegt von der Rennstrecke lediglich knappe 35 km entfernt.

Auf geht es zu einer der ältesten Republiken der Welt, die hoch oben auf dem Monte Titano zwischen den Marken und der Emilia-Romagna liegt. Seit mehr als 1.700 Jahren verteidigt der Zwergstaat seine Unabhängigkeit. Das allein ist schon alle Achtung wert. Zeugt von ausgeprägtem diplomatischem Geschick der Einwohner.

Was noch alle Achtung wert ist sind die Ausblicke, die man von hier oben auf dem Rundweg um den historischen Ortskern bewundern kann.

Der Hexenpass ist ein Fußweg, der die drei weithin sichtbaren Türme von San Marino miteinander verbindet. Der Name beruht auf eine mittelalterliche Sage. Jungfrauen sollen hier in Mondnächten um das Feuer getanzt und geheimnisvolle Rituale praktiziert haben. Aktuell konnten wir nur einige Damen bei den obligatorischen Selfies beobachten. Ob es sich um unmittelbare Nachfahren*innen der namensgebenden Hexen handelte haben wir nicht ermittelt.

San Marino, der kleine Klecks in der Landschaft, verfügt über keine Bodenschätze. 60 Prozent des Staatshaushaltes von San Marino werden durch den Tourismus generiert. Jährlich schieben sich etwa zwei Millionen Besucher*innen durch die schöne Altstadt. Trotzdem hat der kleine Ort nicht seinen Charme und seine Ausstrahlung verloren. Obwohl sich ein Geschäft an das andere reiht ist der Ortskern einfach gemütlich und schön anzusehen.

Seit 1243 wählt das „Parlament von San Marino“, in Anbetracht von ca. 30.000 Einwohner könnte man auch despektierlich von Stadtrat sprechen, die zwei Capitani Reggenti, deren Aufgabe es ist die Landesführung zu gestalten. Nach sechs Monaten Amtszeit werden sie bereits wieder abgelöst. Scheint zu funktionieren. Zumindest in einem derart kleinen Rahmen.

Weiter geht es, denn knappe 25 km weiter haben wir das nächste Kleinod, welches ebenfalls auf einem Berg thront. Wir fahren nach San Leo.

Das Navigationssystem können wir getrost vergessen, denn weithin ist die imposante Festung oberhalb des Marecchia-Tals sichtbar.

Eine einzige Straße führt hinauf in den Ort und wirkt wie von Riesen in den Fels gehauen.

Die gigantische Festung, die den Ort San Leo nochmals überragt wurde im 15. Jahrhundert erbaut.

Klein aber fein ist der Ortskern. Man sitzt auf dem Dorfplatz bei einem Espresso oder Aperol und irgendwie erwischt man sich bei dem Gedanken, dass jetzt nur noch fehlt, dass Fernandel alias Don Camillo in seiner Soutane über den Platz Richtung Kirche läuft, um sich bei seinem „Herrn“ über Bürgermeister Peppone zu beschweren.

Aber San Leo hatte in seiner realen Geschichte ausreichend berühmte Besucher zu Gast und muss nicht auf meine Filmhelden zurückgreifen.

Der zentrale Platz im Ort ist nach Dante benannt. Dante Alighieri hat den Ort sogar in seiner Göttlichen Komödie erwähnt.

Der heilige Franziskus war hier beim Grafen von Chiusi zu Gast. Zu Gast, wenn auch nicht ganz freiwillig, war auch ein anderer berühmter und schillernder Zeitgenosse, dem Alexandre Dumas in einen Roman ein Denkmal gesetzt hat. Giuseppe Balsamo, besser bekannt als Graf Cagliostro, wurde hier in der Festung von der heiligen Inquisition eingekerkert. Alchemist, Quacksalber, Scharlatan und Betrüger. Cagliostro hatte breitgefächerte Befähigungen. Heutzutage hätte er wahrscheinlich ein Callcenter betrieben und wäre darüber reich geworden. Damals verstarb er unter mysteriösen Umständen im Kerker von San Leo. Bis heute geschehen im Zusammenhang mit ihm angeblich unerklärliche Dinge. Ohhh – ich liebe diese Geschichten und Anekdoten für mein Leben gern.

Also Leute. Wenn es Euch nach Misano Adriatico zum Rennwochenende verschlägt, dann lasst Euch noch ein paar Tage mehr Zeit. Rundherum um Misano gibt es noch eine Menge zu erkunden und anzuschauen. San Marino und San Leo gehören unbedingt dazu.

Ci vediamo. A presto.



Der Vinschgau und Burgen, Burgen, Burgen…..

19 Freitag Apr 2024

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Auf und Davon

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Burgen, Sehenswürdigkeiten, Vinschgau

Südtirol ist bekanntermaßen unsere neue Heimat. Genauer gesagt der Vinschgau. Die meisten Leute, die sich auf den Weg von Deutschland in Richtung Süden machen, denken bei dem Namen Vinschgau an Äpfel.

Ich kann euch sagen, dass es dieser Region absolut nicht gerecht wird sie nur auf Obstanbau zu reduzieren. Gleiches gilt, wenn man den Vinschgau nur als Transferstrecke nutzt und sich nicht ein wenig mehr an Zeit lässt Gegend, Menschen und alles an Sehenswertem genauer unter die Lupe zu nehmen.

Kümmern wir uns also heute einmal auf den knapp 70 km Wegstrecke vom Reschensee bis Höhe Meran um das historische Thema der Burgen am Wegesrand. Gemessen an der Vielfalt an Burgen und Schlössern im Vinschgau entlockt einem die Zahl der Burgen im Mittelrheintal in Deutschland nur ein müdes Gähnen.

Von Graun bzw. St. Valentin abwärts gelangen wir in dosiertem Gefälle hinab ins Tal. Ins Val Venosta oder wie die Südtiroler sagen, in den Vinschgau. Merke: Egal in welches Seitental oder welche Höhenstraße wir jetzt abbiegen – es bieten sich wunderbare Panoramabilder, wie gemacht als Erinnerung für die Ewigkeit in einem Fotoalbum.

Aber das erste, das einem in den Blick fällt bei der Abfahrt in Richtung Mals ist das wuchtige Kloster Marienberg. Das auf 1.340 m liegende Kloster ist die höchstgelegene Benediktinerabtei Europas und beherbergt in ihren Mauern noch 11 Mönche. Man kann also durchaus von einem „üppigen Wohnraum“ sprechen.

Aber es geht uns ja heute hauptsächlich um die Burgen und da haben wir auch bereits unseren ersten Protagonisten, die Fürstenburg, welche der kleinen Ortschaft Burgeis ihren Namen gibt. Im 13. Jahrhundert wurde sie gebaut und heute dient sie als Fachschule für Land- und Forstwirtschaft.

Wichtig bei unseren Touren und eigentlich bei all unseren Aktivitäten ist die Nahrungsmittelaufnahme. Übergänge hin zu Genussmitteln sind dabei fließend. Alteingesessene Leserschaft weiß Bescheid.

Also – wer bereits etwas länger unterwegs sein sollte und Hungergefühle oder einfach nur die Lust auf eine Pause aufkommt, der sollte unmittelbar zu Beginn der Ortslage Mals links auf den Parkplatz der Osteria Vinterra abbiegen und hier Verpflegung aufnehmen. Echt lecker. Immer wechselnde Tagesgerichte und die Tatsache, dass die Kundschaft größtenteils aus Einheimischen besteht ist aussagekräftig hinsichtlich der Qualität der Küche.

Dann geht es weiter auf unserer Burgentour im Vinschgau und die nächste dieser Burgen ist nur schwerlich zu übersehen. Die Churburg in Schluderns. Das Renaissanceschloss aus dem 13. Jahrhundert beherbergt die größte Rüstkammer in Europa. Wer Gefallen oder Interesse an ritterlichen Rüstungen hat, der ist hier gut aufgehoben und kann hier wertvolle Exponate bestaunen. Teilweise bis zu 50 kg schwer. Kein leichtes Leben als Ritter.

Insofern verwundert es auch nicht, dass die Ortschaft Schluderns Austragungsort der Südtiroler Ritterspiele ist. Termin für 2024: 16. – 18.08.2024 am Fuße der Churburg.

Von der Churburg aus können wir auch einen Blick auf die gegenüberliegende Burgruine Lichtenberg werfen. Die Festung war bis 1513 im Besitz der Grafen von Tirol. In der Folge ging es in den Besitz der Grafen Khuen-Belasi über, deren Stammsitz heute das Schloss Englar in St. Michael bei Eppan ist. Übrigens mit Hotelbetrieb, für den Fall, dass jetzt jemand noch eine „Bleibe“ für die Nacht sucht.

Wir waren ja bereits bei dem Themenfeld „Nahrung“ und was damit in Verbindung steht. Eis geht bei mir immer und die jetzt nächstgelegene Option sich mit einem leckeren Eisbecher zu belohnen ist, die Abzweigung in Richtung Prad am Stilfserjoch zu nehmen. Hier dann nichts wie rein in die Euro Bar und es sich gut gehen lassen. Übrigens – beim letzten „Alpenmasters“ 2023 konnte man hier auch die Testcrew der Fachzeitschriften beim Eisschlecken treffen.

Sollten wir die „Mittagszeit“ bereits erreicht haben und die Tendenzen gehen eher in Richtung „herzhaft“, dann biegen wir in der Ortslage Eyrs an der Ampelanlage rechts in Richtung Tschengls ab. Hier legen wir Rast ein im Sport Bistro an der Sportanlage Eyrs. Der absolute Geheimtipp und von Einheimischen immer stark frequentiert, weil Preis- Leistungsverhältnis nahezu unschlagbar ist. So wie die vielseitige Küche. Man glaubt es kaum, dass die verschiedenen Geschmacksrichtungen Pizza, Burger und asiatische Küche zusammenpassen und auf gleich hohem Niveau präsentiert werden können. Hier klappt es – Empfehlung von uns: Unbedingt ausprobieren.

Ein Steinwurf entfernt haben wir jetzt noch die Tschenglsburg. Seit 1860 in Privatbesitz und heute ein Gasthaus.

Jetzt geht es an dem berühmten „Marmorort“ Laas vorbei und bei Kortsch öffnet sich wieder einer dieser tollen Blicke hinein ins Tal.

Wir schauen auf Schlanders. In der Ortslage finden wir die Schlandersburg, die heute die Bibliothek beherbergt. Der Umbau zu dem Renaissanceschloss, wie wir ihn heute sehen, erfolgte im 16. Jahrhundert.

Weiter geht es und nur wenige Kilometer weiter fühlt man sich an das „tapfere Schneiderlein“ und die „7 auf einen Streich“ erinnert. Okay – auf 7 kommen wir jetzt nicht aber in unmittelbarer räumlicher Nähe finden wir 4 Burgen respektive Schlösser.

Annenberg, Goldrain und die Burgen Obermontani und Untermontani.

Das burgähnliche Schloss Annenberg liegt imposant auf 1.039 m Höhe am Sonnenberg.

Darunter, in der Ortslage von Goldrain, liegt das namensgebende Schloss Goldrain, welches heute als Bildungs- und Tagungsstätte dient.

Gegenüberliegend haben wir die beiden Montaniburgen oberhalb von Morter.

Errichtet wurden die beiden Burgen etwa im 13. Jahrhundert. Hier wurde eine der ältesten Original-Handschriften des „Nibelungenliedes“ gefunden. Datiert auf das Jahr 1323. Der Minnesang wurde großgeschrieben in den Burgen des Vinschgau. Irgendwie musste man sich ja die langen und kalten Winterabende verkürzen. Diese Handschrift befindet sich jetzt in der Berliner Staatsbibliothek.

Nur wenige Kilometer weiter sind wir im Ort Kastelbell. Namensgeber für den Ort ist das imposante Schloss auf einem Felsen oberhalb des Dorfes. Wer sich über die alte Römerstraße „Via Claudia Augusta“ kundig machen möchte, die auch Namensgeberin der durch das Etschtal verlaufenden Fahrradroute ist, der ist hier in der Ausstellung richtig.

Wieder sind es nur wenige Kilometer, die uns von unserem nächsten Highlight trennen. Die Burg Juval, unmittelbar am Eingang zum Schnalstal, ist Sommersitz von Reinhold Messner, der Bergsteigerlegende aus dem Villnösstal.

Messner hat in dem mittelalterlichen Schloss, welches um das Jahr 1278 erbaut worden ist, eines seiner Museen eingerichtet. Eine umfangreiche Sammlung von Exponaten aus Tibet, sowie viele Bergbilder, Masken und sogar Artikel aus seinem privaten Bereich gibt es hier zu bestaunen.

Wie sieht es aus? Sehr viel neues erfahren und von der Schlossbesichtigung ermüdet oder unterzuckert?

Dann hinein nach Naturns und im Cafe Anny in der Ortslage einen feinen Eisbecher geschlemmt. Egal welcher – alle sind fein. Mein Favorit: Der „Jumbo“. Ersetzt kalorientechnisch mehrere warme Mahlzeiten und ist echt lecker.

Oberhalb von Naturns blicken wir auf die Burg Hochnaturns. Wie fast immer im Vinschgau hatten die Grafen von Tirol ihre Hände mit im Spiel beim Bau im 12. und 13. Jahrhundert.

Bei Partschins sind wir eigentlich an den Grenzen des Vinschgau angelangt. Aber da wir es heute ja mit Schwerpunkt auch mit Burgen und Schlössern hatten nehme ich es geografisch nicht so genau.

Wir schauen im Grunde genommen jetzt schon auf Meran. Und da bleibt euch gar nichts anderes übrig als der Burg, die namensgebend für die ganze Region Tirol ist, einen Besuch abzustatten.

Ähnlich sieht es aus mit dem Schloss Trauttmansdorff, welches man mit seiner Gartenanlage auch unbedingt gesehen haben muss.

Also Leute – es warten hier noch auf euch: Schloss Tirol und Schloss Thurnstein, sowie Schloss Trauttmansdorff und Schloss Schenna.

Es müssen nicht unbedingt immer die Kehren der Pässe sein. Die Bauwerke der Region geben uns auch etwas für die Ewigkeit. Probiert es einfach aus – man muss es gesehen haben.

Angekommen

09 Freitag Feb 2024

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Auf und Davon

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Albula, Alpenmaster Pässe, Gampenpass, Gavia, Penserjoch

Es heißt: Wer ankommen möchte, der muss sich irgendwann auf den Weg machen.

Im Geiste hatten wir uns schon lange auf unseren Weg gemacht. Endgültig war es dann Ende November 2022 soweit mit dem Möbelwagen von Deutschland, wie einst Hannibal mit seinen Elefanten, über die Alpen. Okay – etwas weniger dramatisch und nicht mit dem martialischen Hintergrund.

Unsere Herzens-Wahlheimat hat uns in Empfang genommen und wir sind im wahrsten Sinne des Wortes auch angekommen.

Nein. Um es direkt vorwegzunehmen: Es hat nicht alles super und wunderbar geklappt. ABER – diese Dinge passieren eben, ähnlich wie man auch ungewollt eine Erkältung bekommt. Dazu muss man aber auch sagen, dass diese Vorfälle nichts mit Südtirol zu tun haben oder hatten, sondern, wie meistens in derartigen Fällen, von Einzelpersonen abhängen, die man dann eben zeitnah aus seinem Leben streichen muss.

So – jetzt aber weg mit diesem etwas schwierigen Thema und hin zu Erfreulichem. Wir haben unsere neue Heimat und die Umgebung mit allem was dazugehört erkundet. Zu Fuß, auf Langlaufski und natürlich mit unserer „Sissy“.

Wie ihr ja mittlerweile wisst ist unsere neue Heimat der Vinschgau und wir leben in der Nähe von Schlanders. Auf den Punkt gebracht kann man sagen: Einen besseren Ausgangspunkt für Touren jedweder Art gibt es nicht.

Wenn Ihr die „Anderstouren“ aus der zurückliegenden Saison Revue passieren lasst, dann werdet ihr sicherlich diese Meinung teilen.

Es war nicht eine Tour dabei, die nicht eine Fülle von tollen Erinnerungen, fantastischen Ausblicken und wunderbaren Strecken gebracht hätte. In Sachen Alpenpässe haben wir dabei in der Saison 2023 ein großes Paket geschnürt und ich werde jetzt, typisch deutsch, versuchen da eine Struktur hineinzubringen. Das gelingt mir natürlich nicht, weil es gar nicht gelingen kann. Wie bei der Quadratur des Kreises. Klappt auch nicht.

Okay – ich starte den Versuch und beginne mit der Entschuldigung an unsere neue Heimat Südtirol.

Der Pass, der für uns die Nr. 1 in der Saison war liegt nicht in Südtirol. Der Gavia war für uns das Highlight und die Streckenführung, sowie die Ausblicke einfach einmalig.

Der Gavia verbindet die Provinz Sondrio, ausgehend von Bormio im Norden, mit der Provinz Brescia und damit Ponte di Legno im Val die Sole, im Süden.

Zwischen den beiden Gipfeln des Corno dei Tre Signori (3.360 m) und des Monte Gavia (3.223 m) fährt man im Grunde genommen permanent staunend mit offenem Mund hindurch. Die schmale Streckenführung, insbesondere auf der Südrampe abwärts ins Val di Sole, ist nichts für Raser. Hier steht das Genießen absolut im Vordergrund und das ist genau der Grund warum wir Motorrad fahren und den Gavia derart in unser Herz geschlossen haben. Unser Platz 1.

Oweh – schon wieder Entschuldigung an Südtirol. Wir liegen mit Schlanders derart nah an den „Alpennachbarn“, dass ein Abstecher in die Schweiz einfach zu verlockend ist.

Unser Platz 2 ist der Albula. Und? Schon wieder nicht Südtirol. Es wird mir irgendwie peinlich.

Mit seinen 2.315 m Passhöhe gehört er nicht zu den „Riesen“, ist aber auch keiner dessen Höhe man unterschätzen sollte. Warum wir ihn lieben und auf Platz 2 setzen?

Der Albula ist unauffällig und infolgedessen gehört er nicht zu den wichtigen Protagonisten bei denen JEDER meint unbedingt seine Passhöhe erklimmen zu müssen. Das heißt: Wir haben bei unserer Fahrt hinauf auf den Albula unsere Ruhe. Egal ob wir von Tiefencastel anfahren oder von La Punt im Oberengadin.

Wie der Gavia gehört der Albula bei uns zu den Pässen, die wir über beide Rampen gerne fahren, weil beide Streckenführungen wunderschön sind und traumhafte Ausblicke bieten.

Warum kam jetzt der Hinweis, dass wir jeweils beide Streckenführungen zu den Pässen Gavia und Albula lieben? Weil es tatsächlich auch Pässe gibt, die man in oder aus einer bestimmten Fahrtrichtung für grandios hält und die jeweilige Alternative der Routenführung eher für durchschnittlich erachtet. Und genau von dieser Sorte habe ich jetzt zwei Pässe, die gemeinsam auf Platz 3 und damit auf dem individuellen Siegerpodest von Flying Haggis landen.

Ich versuche euch jetzt in meine Gefühlswelt eintauchen zu lassen, was bei meinem, manchmal etwas verwirrten, Geist nicht ganz so leicht ist. Okay – gehen wir metaphorisch mit einem musikalischen Hinweis an die Sache ran. Alle aus dem Bereich Hip-Hop und Rap sind wahrscheinlich jetzt bereits raus.

Kennt IHR noch die Glen Miller Band? Wenn nein – dann hört euch von der Glen Miller Band ihren Song „In the Mood“ an. Passender geht es einfach nicht, denn „In der Stimmung“ erschließt sich meine Platzierung für das Penserjoch von Sterzing aufwärts zur Passhöhe und für den Gampenpass von Lana aus hinauf auf den Pass.

Die Routenführung dieser beiden Strecken ist zu keinem Zeitpunkt fordernd, sondern einfach Entspannung, Spaß und Freude pur.

Legt Euch „In the Mood“ auf  die Playliste und mit dem Song in den Ohren schwingt ihr mit einem seligen Grinsen im Gesicht die beiden Pässe hinauf.

Ganz klar: Penserjoch und Gampenpass haben gemeinsam Platz 3 verdient.

Eigentlich könnte ich jetzt auch weitermachen. Mache ich aber nicht. Denn für mich steht de facto fest, dass man jetzt einfach keine weitere Rangliste mehr erstellen kann. Sicher – jeder hat seine Favoriten oder seine Favoritin und das ist auch vollkommen richtig so.

Das Problem ist aber eindeutig, dass die ganze Region hier unten bei uns, das wunderschöne Südtirol, Trentino, Belluno, die angrenzende Schweiz und auch der Veneto eine derartige Vielzahl von traumhaften Pässen und Strecken bietet, dass man mit einer „Platzierung“ in einer Hitliste keinem mehr ausreichend gerecht wird.

Und so sind sie, wie immer sie jetzt auch heißen, ob Stilfser Joch, Umbrail, Lavazè, Mendel, Fedaia usw. alle für mich auf Augenhöhe und immer, wirklich immer eine Tour wert. Hier findet jeder seinen Favoriten und seinen Platz 1. Und wenn nicht, dann ist es auch egal. Dann macht es so wie wir und schließt letztendlich ALLE in euer Herz.


Viel Spaß in unseren Bergen.



Das Cembratal mit Drumherum

05 Freitag Jan 2024

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren, Auf und Davon

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Cembratal, Forcella di Brez, Hofmahd, Klughammer, Lago di Santo, Mendel

Heute drehen wir eine Runde, die wie gemalt ist für eine Saisoneröffnung in unserer Region. Soll heißen – Was können wir machen oder wohin können wir fahren, wenn noch nicht alle üblichen „Verdächtigen“ unter den Pässen geöffnet sind.

Also genießen wir zunächst bei unserer Anfahrt, vom Ausgangsort Schlanders aus, die Bergkulisse zur rechten und zur linken auf unserem Weg in Richtung Meran.

Den ersten Teil unserer heutigen Route kennen erfahrene „Anderstourer“ bereits. Wir können wählen. Zeitig aufgestanden und gestartet? Also dann – bei Lana runter von der Mebo und ein kurzes Stück den Gampenpass aufwärts bis wir links nach Prissian abbiegen und uns dann talabwärts auf kleinen Sträßchen nach Frangart begeben. Hier geht es dann wieder in das Zentrum des Weinanbaus, also Richtung Kaltern / Tramin.

Hinter dem Kalterer See orientieren wir uns in Richtung Neumarkt und Auer und fahren dann bergan hinauf in grobe Richtung Fassatal / Fleimstal.


Es geht für uns hinauf auf den San-Lugano-Sattel, der das Unterland Südtirols mit dem Fleimstal, also Trentino verbindet. Von seiner Westrampe hat man einen wunderschönen Blick hinein ins Etschtal. Seine 1.097 m hohe Spitze waren schon mehrfach für uns Anlaufpunkt, respektive Zwischenstation. Der San Lugano ist die ideale Transferstrecke, wenn man in Richtung San Pellegrino, Lavaze oder auch Manghenpass möchte. Wir sind hier auf der Strada delle Dolomiti.

Zu unserem heutigen, sagen wir einmal Zwischenziel, gibt es jetzt mehrere Varianten. Jede hat etwas für sich und ist alternativ auf der Karte ausgewiesen.

Wir fahren nach Molina di Fiemme. Der kleine Ort hat seinen Namen von seinen Mühlen die am Fluß Avisio liegen. Sogar im Winter ist Molina di Fiemme Anlaufort für sportbegeisterte Besucher. Hier ist nämlich der Einstieg in die weltbekannte „Marcialonga“, eine wunderschöne Langlaufstrecke in der Region.

Nun können wir uns überlegen ob wir den Fluß Avisio, auf unserem weiteren Weg nach Cembra, links oder rechts von uns liegen lassen. Landschaftlich und auch von der Streckenführung hat beides etwas. Insofern kann man auch, soweit man zeitig am Morgen gestartet ist einen kleinen Rundkurs machen.

Cembra ist für seinen Weinanbau bekannt. Müller-Thurgau, Nosiola, Cabernet und Pinot Nero werden hier auf Terrassen angebaut. Allein der Blick auf die abfallenden Weinberge zeigt dem geneigten Betrachter bereits, dass dies hier eine anstrengende Arbeit ist.

667 m liegt Cembra über dem Meeresspiegel. Wir wollen jetzt noch schnell hoch auf etwa 1.200 m und den Lago di Santo besuchen. Wie man sich denken kann leitet sich der Name des kleinen Sees von einer Legende ab. Irgendwie kommen meine Erinnerungen an den „Lec de Ergobando“, an den Regenbogensee oder auch Karersee, wieder hoch und seine Geschichte von der Wasserfee und dem hinterhältigen Zauberer. Ich liebe einfach diese schönen alten Geschichten, die einen so wunderbar in Gedanken träumen lassen.

Wie das so oft ist – es gab Streit zwischen Erben wegen eines Grundstücks. Da man sich nicht einigen konnte „wünschte“ einer der Erben, dass sich das Land in einen See verwandeln sollte, was dann natürlich auch geschah. Früher wurden Wünsche eben noch wahr.

Dass mit Wasser gefüllte große Becken bedrohte alsbald das Tal und die Stadt Cembra. Mutige und gläubige Bewohner der Stadt warfen als Zeichen ihrer inständigen Bitte den Ring der Madonna in den See UND? Das Wasser stoppte. Somit ist der Name Lago Santo ausreichend erklärt.

Traumhaft liegt er hier oben, der Lago di Santo und wir können herrlich die Seele baumeln lassen.

Irgendwann machen wir uns dann aber wieder auf den Weg. Bei Verla geht es hinüber in „grobe“ Richtung Salurn über den Croce delle Serre. Wieder verbunden mit einem tollen Blick in das Etschtal und die beeindruckende Bergkulisse.

Bei Salurn sind wir dann schon wieder in Südtirol und rollen gemütlich nach Neumarkt. Der Ort mit seinem kleinen aber feinen Ortskern und den Lauben ist auch immer eine Pause wert. Jedes Jahr im Mai sind hier die „Blauburgundertage“ und Freunde des guten Tropfens treffen sich dann hier und im angrenzenden Montan. Wir wollen aber noch ein kleines Stück des Weges weiter.

Es geht an den Kalterer See und hier an das ostwärtige Seeufer in das Restaurant Klughammer. Feine Küche, wunderschöne Terrasse mit einem Blick auf den See, Mendel und Penegal, dass man eigentlich Eintritt bezahlen müsste.

Pasta ist fein, die Knödel ebenfalls und der anschließende Espresso hilft wieder die erforderlichen körperlichen Ressourcen für den Heimweg aus dem Magen- / Darmtrakt in das „Hirn“ zu lotsen.

Aufwärts geht es dann auf den Mendelpass, der mit knapp unter 1.400 m schon recht zeitig gut zu befahren ist.

Den eigentlich jetzt üblichen Verdächtigen „Gampen“ lassen wir heute rechts liegen und folgen stattdessen, bei Fondo, unserer Route in Richtung Proveis.

Die Forcella di Brez und die Hofmahd sind heute unsere Zwischenstationen hinein ins Ultental und dann abwärts nach Lana.

Das Brezer Joch verbindet das Tal des Rio Pescara und des Rio Novella. Damit dann die Orte Fondo bzw. Castelfondo mit Laurein und Proveis. Die Route ist wenig befahren und infolgedessen schon allein deswegen ein Genuss.

Die Hofmahd ist mit ihren 1.781 m sogar 200 m höher als der vielbefahrene Gampenpass. Das Joch verbindet die Berge der Ortler-Alpen mit den Gipfeln der Nonsberggruppe. Die Passhöhe liegt dabei noch im Trentino, aber direkt dahinter sind wir in Richtung Ultental bereits wieder im Gebiet Südtirols.

Bei St. Walburg kurz vor dem Pankrazer See sind wir dann auf  unserer Route talabwärts vom Ultental in Richtung Lana. Kurvig und ständig mit einem wunderschönen Blick verbunden geht es jetzt hinab in Richtung Etschtal.

Und da sind wir wieder. Auf unserer alten Route von Meran in Richtung Schlanders und rollen durch den Vinschgau mit seinen wunderbaren Ausblicken zu unserem Ausgangsort.

Da bleibt nur noch eines zu sagen: Viel Spaß beim Nachfahren zum Saisonbeginn in den Bergen.



Kaunertaler Gletscherstraße

27 Freitag Okt 2023

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren, Auf und Davon

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Gletscher, Kaunertaler Gletscherstrasse, Silvretta Classic

Heute machen wir mal ausnahmsweise keine Rundreise, die uns abschließend an unseren Ausgangsort zurückführt. Man muss auch mit liebgewonnenen Gewohnheiten brechen können. Ansonsten fühlt man sich irgendwann wie Bill Murray in täglich grüßt das Murmeltier.

Wobei wir hinsichtlich Murmeltier eigentlich bereits auf dem richtigen Weg sind – zumindest geistig.

Auf dem Weg in den Urlaub oder bei der Rückreise vergisst oder übersieht man häufig die Kleinode am Streckenrand, die eigentlich einen Besuch mehr als wert wären.

Genau ein solches asphaltgewordenes Schmuckstück schauen wir uns heute genauer an. Die Kaunertaler Gletscherstraße.

Für die Statistiker unter uns zunächst einmal die nackten Zahlen. Zur Höhe des Stilfser Jochs fehlen der Kaunertaler Gletscherstraße genau 8 Meter. Bis auf 2.750 Meter führt sie uns hinauf, bei einer durchschnittlichen Steigung von 5,1 %. Die maximale Steigung liegt bei 14 % und in den 29 Kehren erwartet uns eine grandiose Aussicht.

1980 eröffnete oben am Gletscher ein Skigebiet und diesem Umstand verdanken wir heute dieses herrliche Kurvenband im Kaunertal.


Von Fahrradfahrern wird die Gletscherstraße auch gerne genutzt. 1996 und 1999 war der Gipfel Ziel der Österreich-Rundfahrt, bevor die Kaunertaler Gletscherstraße von dem etwas steileren Kitzbüheler Horn verdrängt wurde. Vielleicht hat hier der wohlklingende Name Kitzbühel aber auch die entscheidende Rolle gespielt. Ende Juni jedes Jahr ermitteln immer noch die Hobbyradfahrer den „Kaunertaler Gletscherkaiser“. Ambitioniert muss man sagen.

Die ewigen Nörgler unter uns werden jetzt argumentieren, dass sie nicht für eine Alpenstraße bezahlen wollen. Die Tageskarte für ein Motorrad mit -2- Personen kostet aktuell 18,- Euro. Ich halte dagegen, dass dies gut investiert ist, da man zum einen bedenken muss, dass die Straße 365 Tage im Jahr offen gehalten wird und die Instandsetzung infolgedessen auch etwas kostet.

Außerdem scheint die Maut dazu zu führen, dass sich der Verkehr wirklich im Rahmen hält. Die 39 km Wegstrecke fahren sich entspannt und stressfrei. Keine Raser die versuchen ihre Zeiten zu verbessern und einen an den unmöglichsten Stellen überholen. Da kann einem der Gedanken kommen, dass eine Maut möglicherweise die Lösung für das überbordende Verkehrsaufkommen auf den Dolomitenpässen ist und für Entspannung in Sachen Unfallzahlen sorgen könnte. Okay – gerade habe ich mir tausende Feinde gemacht.

Irgendwann am Parkplatz unterhalb des Weißseeferners angekommen, kann man, als interessierter Besucher, eine Gletscherpalte besichtigen und sich zum Thema Gletscher von der Entstehung bis zum Abschmelzen kundig machen. Man kommt klüger wieder heraus als man hineingegangen ist. Also ist ein Besuch wärmstens ans Herz gelegt. Dies war jetzt kein metaphorischer Hinweis zur Klimaerwärmung.

Wichtig bei unseren Touren und bedeutender Bestandteil ist immer die Einkehr zur Nahrungsmittelaufnahme. Vorschlag und getestet von uns das Seepanorama Cafe. Echt lecker. Der Burger in dem Südtiroler Vinschger war wirklich schmackhaft und auch die Wildbratwurst hat gemundet.

Von einem guten Freund ebenfalls getestet: Das Gepatschhaus und hier das „Gröstl“.

Wir hatten bei unserem Besuch dass Glück und Vergnügen, dass die „Silvretta Classic“ ebenfalls den Gletscher als Ziel ausgewiesen hatte. An diesem Tag war das wie ein i-Tüpfelchen auf einen wunderbaren Ausflug.

Die Oldtimer hier oben zu sehen, zu bewundern und das vor der grandiosen Bergkulisse war einfach klasse.

Also – bei eurer nächsten Anfahrt über den Reschenpass nach oder von Südtirol, macht den Schlenker über das Kaunertal. Es lohnt sich!


Die Marmolada zum zweiten Frühstück

06 Freitag Okt 2023

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren, Auf und Davon

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Fedaia, Marmolada, Pellegrino

Unzählige Varianten haben wir unmittelbar direkt vor unserer Haustür. Einfach klasse!

Also Varianten in Sachen Touren. Sei es mit dem Motorrad oder auch zu Fuß. Ein echtes Luxusproblem. Okay – die Tallage macht es meistens erforderlich bei der An- oder Zufahrt die gleiche Wegstrecke zu wählen, aber das ist zum gemütlichen Einrollen oftmals gar nicht verkehrt.

Raus geht es aus Schlanders in Richtung Meran / Bozen. Wir können hier unsere üblichen „Verdächtigen“ wählen und nutzen die Vinschgauer Staatsstraße bis Meran und in der Folge die „Mebo“ bis zur Ausfahrt Eppan. Das wäre die D-Zug Variante. Die andere Option ist runter von der „Mebo“ bei Lana und dann den Gampenpass bis Abfahrt Prissian. Auch die Route kennen wir bereits und rollen dann über kleine Landsträßchen bis Frangart

Hier sind wir dann bereits wieder auf unserer Strecke für die Weinliebhaber in Richtung Kaltern / Tramin.

Wir wollen aber hinüber auf die andere Seite, wo die Dolomitenriesen in Richtung Himmel wachsen und deshalb orientieren wir uns nach Auer / Neumarkt um dann der Beschilderung Fassatal zu folgen.

Kurvig geht es an Montan vorbei zum Passo San Lugano, den wir fast unbemerkt überschreiten und dann abwärts ins Val di Fiemme, der Hochburg des nordischen Skisports in Italien.

Man sieht bereits überall die Vorbereitungen in Sachen Winterolympiade. Die Neuerungen der Skisprungschanzen bei Predazzo und alles was an Infrastruktur für die Großveranstaltung notwendig wird.

Unser nächstes Zwischenziel ist bereits ausgeschildert und so haben wir in Sachen Orientierung kein Problem.

Es geht hinauf zum San Pellegrino Pass, der die Grenze zwischen den Regionen Trentino und Belluno bildet. Von Moena aus sind es nur ca. 11 km bis zum obligatorischen Hinweisschild und die Streckenführung ist moderat, aber landschaftlich sehr schön.

Übrigens hat der Pass nichts mit dem bekannten Sprudelwasser zu tun, obwohl die Namensgebung diese Vermutung natürlich zulässt. Wer zum Sprudel möchte muss in die Lombardei. Der Bereich der Passhöhe gehört zum Skigebiet Trevalli und dieses wiederum zum „Dolomiti Superski“. Infolgedessen ist der Pass ganzjährig befahrbar und im Winter ist hier oben einiges los.

Apropos – Forscher haben festgestellt, dass Spitzmäuse alle 2 – 3 Stunden Nahrung aufnehmen müssen um nicht zu verhungern. Dahingehend muss ich wohl eingestehen, dass ich genetisch eine Verbindung zu Spitzmäusen haben muss. Permanent „Kohldampf“. Ergo – wir kehren hier am Pellegrino noch zur Nahrungsmittelaufnahme ein und lassen uns die Pasta schmecken. Das Ragù di Cervo ist ausgezeichnet und kann mit dem vom Gaviapass mithalten.

Historisch sind wir hier oben, wie fast immer in den Dolomiten, im Frontgebiet des I. Weltkrieges. Wer Zeit mitbringt und entsprechend alpin gerüstet ist, der kann auf der Costabella einige Grabensysteme besichtigen. Dieser Bereich wurde ab Juni 1915 vom Deutschen Alpencorps wie eine Festung ausgebaut.

In Sachen Kurvenverlauf ist die folgende Abfahrt hinab nach Cencenighe ambitionierter als die vorherige Auffahrt und ebenfalls landschaftlich wunderschön. Bei unserer Tour waren hier Asphaltarbeiten im Gange und die frisch gefrästen Quer- und Längsrillen verlangten etwas Aufmerksamkeit.
Mit frischer Asphaltdecke dürfte dieser Streckenabschnitt der absolute Genuss werden.

Für uns geht es weiter über Alleghe und dem traumhaft gelegenen Lago di Alleghe vorbei nach Caprile und dann mit bis zu 15 % Steigung aufwärts zum Passo di Fedaia. Die Ladiner sagen Jouf de Fedaa. Der Pass liegt mit seinem schön gelegenen Stausee von knapp 2 km Länge zu Füßen der Marmolada, der Königin der Dolomiten. Mit 3.343 m Höhe ist die Marmolada, oder auf Italienisch Marmolata, auch der höchste Berg der Dolomiten.

Luftlinie sind wir jetzt nur ca. 11 km vom Pellegrinopass entfernt. Wie sein Pendant stellt der Fedaia die Verbindung zwischen Belluno und Trentino dar. Wer einen Blick auf die Karte wirft, der erkennt, dass unmittelbar nördlich von uns jetzt der Pordoi verläuft und damit die bekannte und „überlaufene“ Sella-Ronda. Wir haben es hier vergleichsweise ruhiger und genießen entspannt sowohl Strecke als auch Umgebung.

Vor gut hundert Jahren war hier oben mit Entspannung nicht sehr viel. Die Marmolata war das höchste Gefechtsfeld der damaligen Dolomitenfront. An anderer Stelle habe ich, was die menschliche Ideenvielfalt angeht, bereits Stellung bezogen. Hier muss es wieder einmal sein. Ein österreichischer Leutnant, der Herr Leo Handl Kommandant der Bergführer-Kompanie, hatte hier oben eine Anlage geschaffen, die als „Eisstadt“ später ein Begriff wurde.

In den Gletscher zogen die Österreicher bis Beginn des Jahres 1917 ein dichtes Tunnelnetz mit kompletter militärischer Logistik ein. Natürlich eine Meisterleistung. Aber für was? Hätte die Menschheit einen ähnlichen Entwicklergeist und Enthusiasmus für die medizinische Forschung, wie für den Zweck sich gegenseitig umzubringen, es gäbe seit Jahrhunderten keine nennenswerten Krankheiten mehr.

Auf der Marmolata können interessierte Besucher im Museum des I. Weltkrieges noch Fundstücke aus der Zeit in Augenschein nehmen. Die Wunden, die dieses Ereignis schlug, tragen heute noch zu dem angespannten Verhältnis der Region Südtirol zur Regierung in Rom bei. Ein berühmter Mann hat einmal gesagt: Die Zeit heilt keine Wunden, sondern verdeckt nur die Narben.

Vielleicht ist es auch manchmal hilfreich daran zu denken, dass wir ALLE in der gleichen Sprache lachen. Und wer miteinander lacht, der schießt in den seltensten Fällen aufeinander.

Für uns geht es irgendwann wieder abwärts ins Fassatal. Im Winter auch eine Hochburg für nordische Skisportler und oftmals auch Austragungsort von internationalen Wettkämpfen. Landschaftlich schön ist es allemal und zu jeder Jahreszeit.

In Pozza di Fassa ist es höchste Zeit für eine Gelato-Pause, die wir dann unmittelbar in die Eisdiele Leon d`Oro verlegen. Empfehlenswert, weil sehr lecker. Die Spitzmaus erwähne ich an dieser Stelle jetzt nicht mehr.

In Vigo di Fassa geht es dann rechts ab und aufwärts zu einem alten Bekannten, dem Karerpass. In dieser Fahrtrichtung gefällt mir der Karerpass besser, als aus Richtung Bozen – Eisacktal. Er fährt sich irgendwie harmonischer und landschaftlich hat man auch mehr zu bestaunen.

Oben angekommen stellt sich wieder einmal nicht die Sinnfrage, sondern was sagt unser Zeitfenster?

Waren wir heute morgen schon sehr zeitig unterwegs und der „Hintern“ lässt noch eine Ergänzung in Sachen Tageskilometer zu, dann rollen wir jetzt rechts ab, unter den Gipfeln des Rosengartens vorbei auf den Nigersattel.

Die Gattung der Spitzmäuse kann jetzt hier, kurz hinter der Seilbahn zur Kölner Hütte, an der Tscheiner Hütte einen Halt einlegen und Nahrung aufnehmen. ODER die Wegstrecke talabwärts fortsetzen und in Höhe Bozen in Richtung Ritten zur Buschenschänke Baumann abbiegen.

Wir rollen heute ausnahmsweise den direkten Weg, abwärts über Karersee, Welschnofen hinunter ins Eisacktal und an Bozen vorbei auf die Mebo.

Auf unserem Heimweg Richtung Schlanders findet sich auch für die Spitzmäuse noch ausreichend Gelegenheit einen sinnvollen Stopp einzulegen. Wer da Bedarf an Adressen hat – einfach bei mir melden.

Viel Spaß beim Nachfahren.



Und Platz Nr. 1 ist ………

06 Mittwoch Sept 2023

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren, Auf und Davon

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Gavia, Stelvio, Tonale, Umbrail

Oftmals setzt oder stellt man sich ein Ziel und bei genauerer Betrachtung stellt man dann fest: Hoppla. Bis zu deinem eigentlichen Ziel liegt oder steht dir da aber einiges im Weg.

Dann kann man zu dem Schluß kommen, das mit dem eigentlichen Ziel einfach zu lassen, weil „zu anstrengend“. ODER – man sieht es als Anreiz und sagt: Was für ein toller Tag liegt da vor uns. Besser kann es doch gar nicht mehr kommen.

Genau ein solcher Tag liegt heute vor uns. Wir wollen auf den Gaviapass.

Kurzer Blick auf die Karte gefällig? Dem geneigten Betrachter wird sofort klar, soweit er Motorradfahrer ist, der Weg kann nur über den Umbrailpass und den Stelvio nach Bormio führen.

Da jetzt sicherlich jemand den „Klugscheißermodus“ anwirft und mich darauf hinweisen möchte, dass es Stilfserjoch heißt – Ist mir bekannt. Aber heute führt uns unser Weg über die Südwestrampe abwärts nach Bormio und dann ist es für mich der Stelvio.

Warum ist jetzt unsere heutige Anfahrt zum Ziel Gaviapass ambitioniert?

Der Umbrailpass ist mit seinen 33 Kehren und 2.503 m Höhe der höchste asphaltierte Straßenpass der Schweiz. Das Stilfserjoch mit 2.757 m der höchste asphaltierte Gebirgspass Italiens. Und die heute gewählte Südwestrampe steht mit ihren 39 Kehren den berühmten 48 Kehren der Nordseite nur unwesentlich nach.

Was hier de facto heute an KEINER Stelle zu kurz kommt ist die Aussicht, die wir genießen werden. Denn die ist mit phänomenal eigentlich nur unzureichend beschrieben.

Los geht es von Schlanders hinein in das Münstertal und dann aufwärts zu unserem ersten Protagonisten des heutigen Tages – dem Umbrail. Der Zugriff von der Schweizer Seite ist hier lediglich einseitig, weil auf der Südseite der Pass an der Stilfser Jochstraße endet und somit auf italienischer Seite unmittelbar bei den ehemaligen Zollstationen.

Zu unserer Linken können wir die etwa 3 km entfernte Passhöhe vom Stilfser Joch sehen. Wir biegen rechts ab nach Bormio und bleiben dann unweit auf einem Schotterparkplatz für einen Fotohalt stehen. Leute – Der muss sein. Ein Blick zum Niederknien. Einfach schön. Wenn das jetzt keine Endorphine auslöst und das Herz höher schlagen lässt, der ist kein Mensch. Oder man hat vergessen sich am Leben zu freuen – kann auch sein.

Die Kurvenkombinationen, die wir von oben schon bewundern können schwingen wir im Anschluss entspannt nach unten Richtung Bormio.

Der weitere Weg und damit unser heutiger Schwerpunkt der Tour, der Gavia, ist von Bormio aus leicht zu finden, weil bereits frühzeitig ausgeschildert.

Laut prähistorischen Funden nutzten Menschen diesen Übergang zwischen den beiden Gipfeln Corno die tre Signori (3.360 m) und Monte Gavia (3.223 m) bereits seit der Steinzeit. Für uns stellt er heutzutage den asphaltgewordenen Traum von Bormio im Valtellina ins Val di Sole nach Ponte di Legno dar.


Zunächst geht es für uns die Nordrampe aufwärts. Nach jeder Kehre, nach jeder Geraden, Ausblicke für die Ewigkeit und ein traumhafter Blick in die Berge.

Nach ca. 16 Kilometern legen wir eine Pause an einem kleinen Parkplatz ein. Blickfang ist hier ein pyramidenförmiges Monument mit einem großen Bronzeadler auf der Spitze. Denkmal für die gefallenen Soldaten im I. Weltkrieg, denn auch der Bereich um den Gavia war Schauplatz der furchtbaren Kämpfe zwischen den österreichischen Kaiserjägern und den italienischen Alpini. Im August 2004 fand man noch die gefrorenen Leichen von 3 Kaiserjägern unterhalb des Gipfels auf 3.400 m. Was hat sich die Jugend Europas und der Welt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angetan. Oder besser – was haben hasserfüllte alte Männer ihrer Jugend angetan. Hoffentlich haben wir aus unserer Geschichte ausreichend gelernt.

Die damals hier kämpfenden Einheiten werden wohl keinen Blick dafür gehabt haben, aber das Bergpanorama ist einfach fantastisch. Egal wohin man schaut majestätische Bergriesen, die auf einen niederblicken: Was störst Du kleines Menschenkind uns in unserer Ruhe?


Wir legen jetzt erst einmal eine Verpflegungspause im Rifugio Arnaldo Berni ein. Das Gasthaus hat seinen Namen von einem der italienischen Einheitsführer der Alpini, der seit einem Kampfeinsatz am 3. September 1918 als vermisst gilt. Die Leiche von Kapitän Berni wurde nie gefunden. Vielleicht geistert er noch hier oben in den Bergen herum und sucht seine Einheit. Schließlich wimmelt es auf Burgen auch von unsteten Schloßgespenstern.

Wir genießen jetzt die angenehm kühlen Temperaturen auf 2.560 m Höhe und ebenfalls unsere Pasta. La Nonna hat uns Tagliatelle Ragu di Cervo zubereitet. Wir können euch mitteilen: Der Hirsch ist nicht umsonst gestorben. Echt lecker und hiermit die Einkehrempfehlung von Flying Haggis am Gavia.

Nach dem zwingend erforderlichen Espresso fahren wir weiter Richtung Gipfel und dem Rifugio Bonetta. Wir müssen einfach noch eine Fotopause machen. Die Ausblicke sind einmalig. Wir sind jetzt auf 2.652 m.

Die folgende Abfahrt vom Gavia über die Südrampe sollte mit Bedacht angegangen werden. Irgendwie schweift der Blick immer wieder kurz ab in die wunderschöne Umgebung und dies verträgt sich nicht unbedingt mit der schmalen Streckenführung. Zwei Motorräder passen gut aneinander vorbei. Hat man als entgegenkommendes Fahrzeug einen breiten PKW oder ein Wohnmobil, dann kann es durchaus zur ungewollten Kaltverformung von Anbauteilen führen.

Im unteren Streckenabschnitt, bereits in den Lärchenwäldern, hängt ein Wohnmobil mit gefährlicher Neigung abwärts im Hang. Die Insassen glücklicherweise bereits aus dem Fahrzeug, in Erwartung eines „qualifizierten“ Abschleppunternehmens. Wir trauen uns beim Vorbeifahren nicht einmal zu husten.

Ponte di Legno ist erreicht und nun geht es in Richtung Passo Tonale. Der ist jetzt nicht aufregend und man überquert die Passhöhe im Grunde genommen in einer Ortslage. Besser gesagt in einem riesigen Skigebiet. Jahrmarktatmosphäre. Vom Gefühl her irgendwie gruselig aber die Geschmäcker sind ja unterschiedlich – zum Glück.

Wir sind jetzt im Val di Sole und erfahrene Anderstourer kennen nun die folgende Streckenführung.

Heimweg ist angesagt und der führt uns in Richtung Lago Santa Giustina und Gampenpass. War es eben auf dem Gaviapass mit 22 Grad noch angenehm temperiert, kommen wir uns nun vor wie ein Eintopf  im Thermomix auf Gartemperatur. Außentemperatur wird angezeigt mit 38 Grad. Letzte Hoffnung – Eisakku aus der Kühltasche im Topcase.

Also doch noch eine kurze Getränkepause am Gampenpass und dann schwungvoll abwärts nach Lana und die Vinschgauer Straße heimwärts nach Schlanders.

Was soll ich sagen? Ein Traum war es heute und mein Favorit auf der hauseigenen Pässeliste, der Albulapass, hat einen Megakonkurrenten bekommen: Der GAVIA.

Besser konnte es gar nicht kommen – also viel Spaß beim Nachfahren!

Julier oder Origen heißt Ursprung

23 Mittwoch Aug 2023

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren, Auf und Davon

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Albulapass, Berninapass, Julierpass, Livigno, Ofenpass

Ich hatte es ja bereits vor Wochen angekündigt. Ich bin ein Fan vom Albulapass geworden und hatte versprochen, dass wir uns wiedersehen. Versprechen muss man schließlich halten und wir verbinden unser Wiedersehen mit einer Etappe, deren Mittelpunkt eigentlich der Julierpass sein wird.

Das hat auch seinen Grund, weil es gibt am Julier noch etwas zu sehen, dass bald nicht mehr zu sehen ist. Dazu kommen wir aber gleich.

Wollen wir von Schlanders in die Schweiz haben wir eigentlich (fast) immer einen routinemäßigen Start und Streckenverlauf. Über das schöne Städtchen Glurns hinein in das Münstertal und dann aufwärts zum altbekannten Ofenpass.

Er eignet sich einfach wunderbar zum „Einrollen“ und im Anschluss ist man unten in Zernez „warm“ für weitere Aufgaben und Herausforderungen.

Zunächst folgen wir dann dem Flußlauf und der Beschilderung nach St. Moritz. Bei La Punt Chamues biegen wir nach rechts ab, aufwärts zum Albulapass. Also diesmal umgekehrt zur Fahrtrichtung unserer „Schweizer Runde“.

Im Gegensatz zu unserer ersten Begegnung zeigt sich der Albula heute komplett schneefrei. Was geblieben ist? Die himmlische Ruhe und eine Landschaft zum Dahinschmelzen.

Was ist neu hinzugekommen? Am Hospiz wird uns ein Schweizer Klischee erfüllt. Wir werden tatsächlich von Schweizer Alphornbläsern begrüßt. Die sind allerdings eher wegen eines zeitgleich stattfindenden Radrennens hier oben, passen aber irgendwie wunderbar in das Bild.

Bei unserer ersten Runde zum Albula haben wir ja bereits den Geschichtsunterricht absolviert. Der Pass ist eine alte Postroute nach Venedig und wurde über Jahrhunderte von den beiden Gemeinden La Punt und Bergün instand gehalten.

Noch ein kurzer Rundumblick zum genießen, natürlich mit Erinnerungsfotos und dann geht es für uns die 1.300 m abwärts nach Tiefencastel.

Über Savognin und an dem Lai da Marmorera (1.684 m) vorbei führt nun unser Weg hinauf auf den Julierpass. Weitestgehend ist der Julier sogar ganzjährig befahrbar und verbindet das, auf 851 m Höhe, recht tiefgelegene Tiefencastel mit dem Ort Silvaplana (1.815 m) im Oberengadin.

Oben auf der Passhöhe steht der Besucher dann zunächst einmal etwas erstaunt und begutachtet auf knapp 2.300 m einen roten Turm mittendrin im Nirgendwo.

Eigentlich muss man aber gar nicht derart erstaunt sein, denn bereits die Römer hatten hier oben nachweislich einen Jupitertempel erbaut und für das Mittelalter ist eine christliche Kapelle verbürgt.

So neu ist also die Idee, die nun der „Origengründer“ Giovanni Netzer hatte gar nicht. Er erbaute den Turm im Jahr 2017 und nun, also 2023, soll er wieder abgebaut werden.

Origen ist ein rätoromanischer Begriff und bedeutet so viel wie „Ursprung“. Und zu seinem Ursprung sollte wohl die Kunst in jedweder Form wieder zurück. Noch ursprünglicher als hier oben auf dem Pass kann kein Theater der Welt mehr sein. Alles was einen Kunstinteressierten begeistert von Ballett über Gesang und Malerei hat hier stattgefunden. Meiner Meinung nach eine wunderbare Idee und auch gut umgesetzt.

Irgendwie hat uns dann der Hunger übermannt und wir haben uns dazu hinreißen lassen unterhalb der Passhöhe etwas zu essen. Muss man nicht machen, wenn man nicht ansonsten Gefahr läuft Auf Grund vom „Hungerast“ von der Maschine zu fallen. Lieber die Nahrungsaufnahme verschieben auf unsere bekannte Lokalität am nächsten Pass.

Irgendwann reißen wir uns dann wieder los und fahren in Richtung des wohlklingenden Ortsnamens St. Moritz. Nur kurz lassen wir die Fassaden der alten hochherrschaftlichen Häuser auf uns wirken und folgen lieber der Beschilderung in Richtung Berninapass.

Unseren alten Bekannten den Bernina fahren wir wieder aufwärts. An Pontresina vorbei, mit dem einmaligen Blick auf den Piz Palü, Piz Bernina und Morteratschgletscher geht es hinauf in das Berninamassiv.

Haben wir es ohne Verpflegung bis hierhin geschafft, dann kehren wir jetzt in das kleine Restaurant Cambrena ein. Denkt an unseren „alten Tipp Capunet“.

Einige Kehren abwärts geht es dann über den Forcola di Livigno hinein in die Ortslage Livigno. Kurz auf die Tankuhr schauen und dann nochmals den Bottich füllen.

Beim Einkaufen im zollfreien Livigno daran denken: Beschränkungen auf 200 Zigaretten oder 50 Zigarren und bei hochprozentigem Alkohol auf 1 Liter pro Erwachsenen. Dieser Tipp erfolgt von einem lebenslangen Nichtraucher und jemandem der Hochprozentiges nicht verträgt.

Unser Weg führt uns jetzt durch den mautpflichtigen Munt la Schera Tunnel hindurch und wir treffen dann auf unseren alten Bekannten den Ofenpass.

Der Rückweg ist nun klar. Abwärts ins Münstertal und dann gen Heimat nach Schlanders.

Es hat etwas für sich das Leben in einem „Dreiländereck“. Wir kennen es noch von unserer alten Heimat und der Variante Deutschland / Frankreich / Luxemburg. Jetzt heißt es für uns Italien / Österreich / Schweiz und wir genießen jeden Moment und jede Tour.

Es hilft. Man wird weltoffener und toleranter und lässt auch Andere und Anderes neben sich gelten. Aber das ist natürlich nur meine Meinung. Und Meinung ist das Billigste was man auf unserem Planeten haben kann, denn eine Meinung hat Jeder.

Viel Spaß beim Nachfahren und beim Nachfühlen!

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