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Schlagwort-Archiv: Umbrail

8 Pässe im Angebot

11 Donnerstag Jun 2026

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren

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Schlagwörter

Bernina, Ofenpass, Stelvio, Torri di Fraele, Umbrail

Kennt Ihr noch die alten TV Berichte, meist noch in Schwarz-Weiß, über den „Schlussverkauf“ in Deutschland? Da wurden dann Aufnahmen gezeigt wo sich schon Stunden vor der Geschäftsöffnung die Kundschaft in mehreren Reihen vor dem Eingang die Plätze streitig machte. Man wollte schließlich als Erster Einlass in den Konsumtempel erlangen um dann letztendlich das „Schnäppchen“ zu erhalten, welches man nun, auf Grund des eigenen genialen Schlachtplans, allen Anderen vor der Nase wegschnappte. Bingo!

So ähnlich kommen mir heutzutage die Bilder vor, die man nach der Winterpause bei der Eröffnung so manchen Alpenpasses sieht. Das da nicht schon dem ein oder anderen Straßenmeister bei Öffnung der Schranke über die Füße gefahren wird, weil man schließlich der „Erste“ sein will, grenzt an das vielzitierte Wunder. Mir liegt da nichts dran, weil zumeist mit Tumult verbunden und besagtem Tumult gehe ich lieber aus dem Weg.

Schon in meiner alten Heimat, die mit Hunsrück, Eifel und Ardennen ein Motorradmekka war, habe ich mich lieber „treiben“ lassen. Treiben nicht in Sachen Tempo und Geschwindigkeit, sondern mit Abzweigungen und Weggabelungen, die mir interessant erschienen. Das waren in den meisten Fällen die tollsten Touren mit den schönsten Eindrücken.

Also aufgepasst! Kennt IHR den höchsten asphaltierten Pass in der Schweiz? Nein – nicht Grimsel, Susten oder Furka. Wir fahren über den Umbrail, genießen die Landschaft sowie die letzten Schneereste und stellen fest, dass noch nicht allzu viele Leute mitbekommen haben, dass die Wintersperre des Umbrail aufgehoben ist. SUPER – kaum Verkehr und Ruhe pur! Kein Gefühl von Schlussverkauf und Wühltischgedränge.

Oben angekommen biegen wir ab in Richtung Bormio und schwingen uns auf den Kehren des Stelvio ein, der in der anderen Fahrtrichtung auf den Namen Stilfserjoch hört und für mich metaphorisch zu den Schnäppchen des Schlussverkaufs gehört. Einfach zu viel los für mein Gefühl. Wer es dennoch auf seiner Agenda hat, der kann die paar Kehren noch bergauf fahren. Oben angekommen sollte man aber die paar Höhenmeter fußläufig auf sich nehmen und den gut sichtbaren Aussichtspunkt erklimmen. Sowohl der Ausblick als auch die Hinweise zur Historie der Region um Umbrail und Stelvio sollte man mitnehmen. Dann rollen wir entspannt ins Tal in Richtung Bormio.

Noch vor der Ortslage Bormio fallen dem aufmerksamen Betrachter diese „braunen Hinweisschilder“ auf, denen man immer Beachtung schenken sollte. Magisch zieht uns der Hinweis auf die Torri di Fraele an. Nichts wie hin – es lohnt sich.

Bei fast jedem Pass in der Alpenregion hat man einen militärischen Hintergrund warum und weshalb man hier irgendwo im nirgendwo eine Straße gebaut hat.

Bei den Torri di Fraele liegt die Sache anders. Oben auf der Höhe wurde ein Staudamm am Lago di Cancano errichtet. Irgendwie muss aber auch das Baumaterial auf die Höhe zu diesem entlegenen Ort.

Also wurde besagte Straße gebaut, die uns heute so richtig Freude bereitet. Siebzehn Kehren führen hier hinauf und die beiden namensgebenden Türme kann man bereits bei der Auffahrt sehen.

Damit die LKW in der Bauphase auch relativ problemlos den Anstieg schaffen hat man dieses asphaltgewordene Wunderwerk bei einer maximalen Steigung von 6 % in den Hang gezirkelt. Ein Traum.

Übrigens – unmittelbar zu Beginn der Auffahrt liegt auch ein feiner Platz im Grünen ideal für eine Pause, Picknick oder was auch immer. Sogar mit „Grillmöglichkeit“. Einfach genial.

Ab dem Lago di Cancano kommt dann der „Schotter“ und in der Sommerzeit ist hier dann auch viel „Fußverkehr“ mit Wanderern. Sollten wir also mit unseren Maschinen lassen.

Also den Weg mit unseren Traumkehren wieder zurück und dann orientieren in Richtung Livigno. Der Passo Foscagno mit seinen 2.291 m Höhe dient uns dabei als Einfallstor. Der Passo d`Eira (2.208 m) liegt unmittelbar an unserer Route und so nehmen wir ihn nebenbei einfach mit.

Wintersportlern ist Livigno ein Begriff, ist es doch eine Langlaufhochburg und seit Olympia 2026 auch bei den Fans der Trendsportarten bekannt, die hier nach Livigno ausgelagert waren.

1805 erklärte Napoleon Livigno zum zollfreien Gebiet, weil er damit die Entvölkerung des in sich abgeschlossenen Tales, insbesondere in den Wintermonaten, verhindern wollte. Gute Idee vom Kaiser der Franzosen und schöner Nebeneffekt für uns, außer der schönen Landschaft, die günstigen Spritpreise. Also schnell nochmal auftanken.

Dann über die Forcola di Livigno hinaus aus dem zollfreien Spritparadies und hinein in die Schweiz und auf den Berninapass. Der Bernina ist die Verbindung zwischen der italienischen Region Veltlin und dem Bündner Land in der Schweiz.

Landschaftlich ist er ein Traum mit seinem Blick auf den Piz Palü, Piz Bernina und den Morteratschgletscher. Wenn dann noch, wie in einem Heimatfilm der 50er Jahre, die Berninabahn an einem vorbeifährt hat man so ziemlich jedes Schweizer Klischee erfüllt. Aber – die Realität kann ja nicht kitschig sein und so genießen wir unsere Fahrt hinab nach Pontresina. Der bekannte Bergsteigerort liegt bereits oder immer noch, je nachdem wie man es sieht, auf 1.800 m Höhe.

Wir sind gefühlt bereits einige Zeit auf unserem Rückweg und haben lediglich noch einen Protagonisten auf unserer Liste. Durch das Tal fahren wir in Richtung Zernez und nehmen den Ofenpass in Angriff.

Ich mag den Ofenpass mit seiner Streckenführung. Mal etwas engere Kurven, mal weitere Radien, dabei aber nie fordernd oder überfordernd. Genau der richtige Pass für einen Einstieg oder den Abschluss einer wirklich traumhaften Runde.

Überzeugt Euch selbst – Viel Spaß beim Nachfahren – Wir hatten ihn definitiv!

Und Platz Nr. 1 ist ………

06 Mittwoch Sept 2023

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren, Auf und Davon

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Gavia, Stelvio, Tonale, Umbrail

Oftmals setzt oder stellt man sich ein Ziel und bei genauerer Betrachtung stellt man dann fest: Hoppla. Bis zu deinem eigentlichen Ziel liegt oder steht dir da aber einiges im Weg.

Dann kann man zu dem Schluß kommen, das mit dem eigentlichen Ziel einfach zu lassen, weil „zu anstrengend“. ODER – man sieht es als Anreiz und sagt: Was für ein toller Tag liegt da vor uns. Besser kann es doch gar nicht mehr kommen.

Genau ein solcher Tag liegt heute vor uns. Wir wollen auf den Gaviapass.

Kurzer Blick auf die Karte gefällig? Dem geneigten Betrachter wird sofort klar, soweit er Motorradfahrer ist, der Weg kann nur über den Umbrailpass und den Stelvio nach Bormio führen.

Da jetzt sicherlich jemand den „Klugscheißermodus“ anwirft und mich darauf hinweisen möchte, dass es Stilfserjoch heißt – Ist mir bekannt. Aber heute führt uns unser Weg über die Südwestrampe abwärts nach Bormio und dann ist es für mich der Stelvio.

Warum ist jetzt unsere heutige Anfahrt zum Ziel Gaviapass ambitioniert?

Der Umbrailpass ist mit seinen 33 Kehren und 2.503 m Höhe der höchste asphaltierte Straßenpass der Schweiz. Das Stilfserjoch mit 2.757 m der höchste asphaltierte Gebirgspass Italiens. Und die heute gewählte Südwestrampe steht mit ihren 39 Kehren den berühmten 48 Kehren der Nordseite nur unwesentlich nach.

Was hier de facto heute an KEINER Stelle zu kurz kommt ist die Aussicht, die wir genießen werden. Denn die ist mit phänomenal eigentlich nur unzureichend beschrieben.

Los geht es von Schlanders hinein in das Münstertal und dann aufwärts zu unserem ersten Protagonisten des heutigen Tages – dem Umbrail. Der Zugriff von der Schweizer Seite ist hier lediglich einseitig, weil auf der Südseite der Pass an der Stilfser Jochstraße endet und somit auf italienischer Seite unmittelbar bei den ehemaligen Zollstationen.

Zu unserer Linken können wir die etwa 3 km entfernte Passhöhe vom Stilfser Joch sehen. Wir biegen rechts ab nach Bormio und bleiben dann unweit auf einem Schotterparkplatz für einen Fotohalt stehen. Leute – Der muss sein. Ein Blick zum Niederknien. Einfach schön. Wenn das jetzt keine Endorphine auslöst und das Herz höher schlagen lässt, der ist kein Mensch. Oder man hat vergessen sich am Leben zu freuen – kann auch sein.

Die Kurvenkombinationen, die wir von oben schon bewundern können schwingen wir im Anschluss entspannt nach unten Richtung Bormio.

Der weitere Weg und damit unser heutiger Schwerpunkt der Tour, der Gavia, ist von Bormio aus leicht zu finden, weil bereits frühzeitig ausgeschildert.

Laut prähistorischen Funden nutzten Menschen diesen Übergang zwischen den beiden Gipfeln Corno die tre Signori (3.360 m) und Monte Gavia (3.223 m) bereits seit der Steinzeit. Für uns stellt er heutzutage den asphaltgewordenen Traum von Bormio im Valtellina ins Val di Sole nach Ponte di Legno dar.


Zunächst geht es für uns die Nordrampe aufwärts. Nach jeder Kehre, nach jeder Geraden, Ausblicke für die Ewigkeit und ein traumhafter Blick in die Berge.

Nach ca. 16 Kilometern legen wir eine Pause an einem kleinen Parkplatz ein. Blickfang ist hier ein pyramidenförmiges Monument mit einem großen Bronzeadler auf der Spitze. Denkmal für die gefallenen Soldaten im I. Weltkrieg, denn auch der Bereich um den Gavia war Schauplatz der furchtbaren Kämpfe zwischen den österreichischen Kaiserjägern und den italienischen Alpini. Im August 2004 fand man noch die gefrorenen Leichen von 3 Kaiserjägern unterhalb des Gipfels auf 3.400 m. Was hat sich die Jugend Europas und der Welt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angetan. Oder besser – was haben hasserfüllte alte Männer ihrer Jugend angetan. Hoffentlich haben wir aus unserer Geschichte ausreichend gelernt.

Die damals hier kämpfenden Einheiten werden wohl keinen Blick dafür gehabt haben, aber das Bergpanorama ist einfach fantastisch. Egal wohin man schaut majestätische Bergriesen, die auf einen niederblicken: Was störst Du kleines Menschenkind uns in unserer Ruhe?


Wir legen jetzt erst einmal eine Verpflegungspause im Rifugio Arnaldo Berni ein. Das Gasthaus hat seinen Namen von einem der italienischen Einheitsführer der Alpini, der seit einem Kampfeinsatz am 3. September 1918 als vermisst gilt. Die Leiche von Kapitän Berni wurde nie gefunden. Vielleicht geistert er noch hier oben in den Bergen herum und sucht seine Einheit. Schließlich wimmelt es auf Burgen auch von unsteten Schloßgespenstern.

Wir genießen jetzt die angenehm kühlen Temperaturen auf 2.560 m Höhe und ebenfalls unsere Pasta. La Nonna hat uns Tagliatelle Ragu di Cervo zubereitet. Wir können euch mitteilen: Der Hirsch ist nicht umsonst gestorben. Echt lecker und hiermit die Einkehrempfehlung von Flying Haggis am Gavia.

Nach dem zwingend erforderlichen Espresso fahren wir weiter Richtung Gipfel und dem Rifugio Bonetta. Wir müssen einfach noch eine Fotopause machen. Die Ausblicke sind einmalig. Wir sind jetzt auf 2.652 m.

Die folgende Abfahrt vom Gavia über die Südrampe sollte mit Bedacht angegangen werden. Irgendwie schweift der Blick immer wieder kurz ab in die wunderschöne Umgebung und dies verträgt sich nicht unbedingt mit der schmalen Streckenführung. Zwei Motorräder passen gut aneinander vorbei. Hat man als entgegenkommendes Fahrzeug einen breiten PKW oder ein Wohnmobil, dann kann es durchaus zur ungewollten Kaltverformung von Anbauteilen führen.

Im unteren Streckenabschnitt, bereits in den Lärchenwäldern, hängt ein Wohnmobil mit gefährlicher Neigung abwärts im Hang. Die Insassen glücklicherweise bereits aus dem Fahrzeug, in Erwartung eines „qualifizierten“ Abschleppunternehmens. Wir trauen uns beim Vorbeifahren nicht einmal zu husten.

Ponte di Legno ist erreicht und nun geht es in Richtung Passo Tonale. Der ist jetzt nicht aufregend und man überquert die Passhöhe im Grunde genommen in einer Ortslage. Besser gesagt in einem riesigen Skigebiet. Jahrmarktatmosphäre. Vom Gefühl her irgendwie gruselig aber die Geschmäcker sind ja unterschiedlich – zum Glück.

Wir sind jetzt im Val di Sole und erfahrene Anderstourer kennen nun die folgende Streckenführung.

Heimweg ist angesagt und der führt uns in Richtung Lago Santa Giustina und Gampenpass. War es eben auf dem Gaviapass mit 22 Grad noch angenehm temperiert, kommen wir uns nun vor wie ein Eintopf  im Thermomix auf Gartemperatur. Außentemperatur wird angezeigt mit 38 Grad. Letzte Hoffnung – Eisakku aus der Kühltasche im Topcase.

Also doch noch eine kurze Getränkepause am Gampenpass und dann schwungvoll abwärts nach Lana und die Vinschgauer Straße heimwärts nach Schlanders.

Was soll ich sagen? Ein Traum war es heute und mein Favorit auf der hauseigenen Pässeliste, der Albulapass, hat einen Megakonkurrenten bekommen: Der GAVIA.

Besser konnte es gar nicht kommen – also viel Spaß beim Nachfahren!

Der König ist tot – lang lebe der König

19 Freitag Aug 2022

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Anderstouren

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Schlagwörter

Cafe Greta, König der Pässe, König Ortler, Stilfserjoch, Umbrail

Machen wir uns also nochmals auf den Weg. Eine kleine Runde – ABER verbunden mit großen und tiefen Eindrücken.

Wo geht es heute hin? Einfach überraschen lassen und hinaus aus Schlanders in Richtung Rechenpass.

In Schluderns halten wir uns in der Ortslage nach links und folgen der Beschilderung nach Glurns. Glurns ist mit seinen knapp unter 1.000 Einwohnern die kleinste Stadt der südlichen Alpen, was aber nicht bedeutet, dass wir es unbeachtet lassen sollten. Schon auf den ersten Blick können wir nämlich erkennen, dass wir es bei den Bewohnern mit einem äußerst wehrhaften Völkchen zu tun haben. Eine mittelalterliche Wehrmauer ziert die kleine pittoreske Stadt und drei Tortürme weisen dem Reisenden den Weg hinein in das schöne Städtchen.

Was muss man noch gesehen oder besucht haben? Die Bäckerei Schuster in der Ortslage. Ihr wisst ja mittlerweile, dass euer werter Erzähler „ausgesprochen verfressen“ ist. Der Chef backt das wunderbare Palabirnenbrot, allein das ist schon die Pause und einen Einkauf wert. Wenn man dann schon dabei ist passt auch das gute Vinschger Urpaarl und die leckeren Krapfen und Gipfel noch in den Tankrucksack.

Weiter geht es in Richtung Münstertal und über Taufers hinein in die Schweiz. Ja – so nah sind wir dran an den Eidgenossen. Sportbegeisterte kennen das Münstertal oder auch Val Müstair aus dem Wintersport.

Das Münstertal ist die Heimat von Dario Cologna, dem bis dato einzigen Langlauf-Gesamtweltcupsieger aus der Schweiz. Vier Goldmedaillen bei Olympiaden und ein WM-Titel zeigen, dass hier ein Ass im Langlauf zu Hause ist. Das Münstertal war auch, natürlich wegen Cologna und seinen Erfolgen, bereits mehrfach Austragungsort von Rennen bei der Tour de Ski.

Im Winter also Eldorado der Skilangläufer und im Sommer sind die Wanderer hier zu Hause UND natürlich auch wir. Auf einer schönen ruhigen Strecke in Richtung Santa Maria im Münstertal.

Übrigens – wenn wir das Münstertal weiterfahren kommen wir über den Ofenpass und können durch einen Tunnel an den Lago di Livigno und von dort über den Passo d`Eira und Passo Foscagno nach Bormio. Warum sage ich das? Weil wir die Runde zu einem späteren Zeitpunkt drehen werden und ich euch nur ein wenig die Nase langmachen wollte.

Heute geht es für uns in der Ortslage von Santa Maria links ab und aufwärts in alpinen Höhen. Der Umbrail ruft und für mich ist er einfach ein traumhafter Alpenpass. Der Umbrail ist mit 2.503 m der höchste Schweizer Straßenpass. Ja – richtig gehört. Vergesst Grimsel, Susten, Furka und Co.

Mittlerweile sind die 14 Kilometer auch komplett asphaltiert und die -33- Kehren bieten einen besonderen Reiz. Fahrerisch schön und stressfreier als….. Aber dazu kommen wir noch.

Also aufwärts und dem Himmel entgegen, bis uns an der Kreuzung die alles entscheidende Frage trifft: Nach rechts in Richtung Bormio oder nach links und die paar Meter hinauf zum Stilfserjoch?

Wir fahren hinauf zum Stilfserjoch oder Stelvio wie er für die Italiener heißt und auf dessen Namen Modelle von Moto Guzzi und Alfa Romeo hören.

Das Stilfserjoch – der König der Alpenpässe. Mit dem wunderbaren Blick auf den König Ortler. Eine tolle Ansammlung an königlichen Majestäten. Der Blick hinüber zum Ortler ist traumhaft. Der Blick von der anderen Seite hinüber zum Stilfserjoch ebenfalls.

Versteht mich an dieser Stelle bitte nicht falsch. Aber ein König hat für mich eine spezielle Würde. Der Ortler hat diese Würde. Nur mit einer gewissen Vorbereitung und mit einem gewissen Können sollte man die letzten 900 m von der Payerhütte hinauf zum höchsten Berg der Südtiroler Alpen in Angriff nehmen.

In den Sommermonaten hat das Stilfserjoch für mich in den Sturm- und Drangzeiten irgendwie seine Würde verloren. Der Trubel und der Andrang, insbesondere zur Mittagszeit hat für mich den Charme von der Drosselgasse in Rüdesheim oder dem Oktoberfest in München.

Eine Audienz bei einem König macht man auch nur, wenn man gerufen wird und es ihrer Majestät Recht ist. Also hinauf zum König der Alpenpässe in den frühen Morgenstunden, so gegen 07:00 Uhr oder am Abend, wenn die meisten Touristen beim Abendmahl in ihren Hotels sitzen – so ab 19:00 Uhr.

Jetzt hat der König wieder seine Würde. Man kann den Blick und die Ruhe genießen und vielleicht noch ein schönes Foto vom König der Lüfte – dem Bartgeier vom Stelvio schießen.

Wer hier eine Pause braucht und wem der Trubel zu viel ist, der fährt einfach einige der Spitzkehren talabwärts und macht im Berghotel Franzenshöhe Rast. Deutlich ruhiger und bei einer passenden Speisekarte kann man hier eine Pause genießen.

Wer noch fit ist wartet einfach bis zu unserem „regulären Halt“.

Verfahren können wir uns hier nicht mehr. Einfach talwärts halten und hinunter bis zur Staatsstraße, die uns bereits heute am Morgen zur Anfahrt diente. In Laas fahren wir aber diesmal ab und rollen zum Cafe Greta. Das ist unser heutiger Einkehrtipp und ich verspreche euch: Ihr werdet nicht enttäuscht. Einfach gemütlich und eine tolle Auswahl an geschmackvollen Torten und Kuchen. Das einzige Problem, das Euch hier erwartet ist: Nehme ich jetzt wirklich nur ein Stück Kuchen oder doch direkt zwei?

Das war es jetzt auch schon Leute, denn Schlanders und damit der Endpunkt der Tour ist nur noch ein Steinwurf entfernt. Wir sehen uns und ich freue mich auf Euch. Auf bald. Und denkt daran: Audienz bei ihrer Majestät dem König der Pässe ist in den frühen Morgenstunden oder am Abend.

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