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Direkt als Einstieg: Auch ich fahre nicht überall regelkonform und bin an der ein oder anderen Stelle, aus welchen Gründen auch immer, aus rechtlicher Sicht zu schnell!

Ich denke davon kann sich keiner von uns „freisprechen“ und wer es von sich behauptet, der hat sich wahrscheinlich in diesem Moment selbst betrogen.

Dennoch fasse ich jetzt anhand eines praktischen Beispiels (natürlich ausgedacht und mit keinerlei Anspruch auf ein mögliches reales Ereignis) ein paar Daten zum Nachdenken zusammen. Das Beispiel ist natürlich derart konstruiert, dass bei dem späteren Ablauf niemand von „UNS“ mit fahrerischem Können und Ausweichmanövern jedweder Art brillieren kann und für sich „Alternativen zum Ende“ darstellt:

Wir haben einen wunderschönen Sonntagmorgen und eine vierköpfige Familie macht sich nach ihrem Urlaub mit ihrem Wohnwagengespann vom Campinggelände auf den Heimweg.
Das „Anspannen“ des Campingwagens hat schon längere Zeit als geplant in Anspruch genommen. Junior plärrt bereits: Papa ich hab` Durst und seine nur wenig ältere Schwester stellt die allseits beliebte Frage Sind wir gleich da?

Kurz und gut, genau die Situation die dazu beiträgt, dass der bereits gestresste Papa nicht mehr alle Sinne auf den um ihn herum herrschenden Verkehr fokussiert hat.

Jetzt kommen „WIR“ ins Spiel. Auf unserer morgendlichen Sonntagstour steuern wir zielgenau in Richtung des Kreuzungsbereiches wo sich unsere Urlauberfamilie nähert. In und um die Kreuzung haben wir eine 70 km/h Begrenzung und WIR sind auf der Vorfahrtstraße. Der Fahrer mit seinem Wohnanhänger hat also gefälligst anzuhalten!

Also im Grunde alles im Lot!?

Bis jetzt noch – aber nun kommt die konstruierte Geschichte. Die Familie mit ihrem Gespann aus PKW und Wohnanhänger bekommt von uns nichts mit. Insbesondere Papa bemerkt uns nicht und rollt als Linksabbieger in den Kreuzungsbereich ein. Keine Chance mehr zum Ausweichen nach rechts oder links – gesamte Fahrbahn ist mit dem „schönen Zug“ zu!

Soweit unser Szenario, dass einem den schönen Sonntag gehörig versauen kann!

Das Ganze bemerken wir in etwa bei 50 m Entfernung und gehen in die Bremse!

Fahren wir jetzt die regulären 70 km/h (und dann haben wir auf unserem Tacho wahrscheinlich die Nadel „knapp“ unter der 80er Anzeige!), so stehen wir nach ca. 45 m.

Alles gut gegangen. Wir können dem Fahrer noch einige Verwünschungen hinterhersenden und ihm Tiernamen geben. Nichts passiert!

Wir fahren 75 km/h! Jetzt wird es bereits denkbar knapp mit unserem abendlichen Bier nach einem schönen Motorradausflug. Theoretisch stehen wir nach 49, 77 m.
D. h. wir sehen bereits an unserem Anhaltepunkt an den Seitenfenstern des Wohnwagens die Aufkleber, wo die Familie überall in Urlaub war. Ach, am Gardasee waren sie auch schon!

Ab jetzt beginnen „unsere Probleme“. Diese sind dergestalt, dass wir auf Grund der höheren Geschwindigkeit natürlich auch eine längere Wegstrecke (Reaktionszeit) zurücklegen bis der Bremsdruck anliegt und die eigentliche Verzögerung beginnt.

Also fahren wir jetzt einmal 80 km/h. Anhalten würden wir jetzt bei ca. 55 m. Das Problem ist aber, dass unser Wohnwagen bereits bei 50 m auf uns wartet. Im Vergleich zu dem Fahrer der die 70 km/h einhält und bei ca. 45 m zum Stehen kommt schlagen wir jetzt mit 45 km/h in den Wohnwagen ein!

Jetzt könnte ich schrittweise diese Geschichte weiterführen, denke aber das ein abschließendes Beispiel mit den eigentlich „landstraßenkonformen“ 100 km/h ein ausreichendes ENDE darstellt.
Jetzt legen wir bei unserer Reaktionszeit von 1 sek. bereits 28 m von unserer 50 m Entfernung zum Gespann zurück. Das kann nicht mehr gut gehen. Anhalteweg wäre jetzt ca. 79 m.
Im Vergleich zu dem/der 70er-Fahrer/-in knallen wir jetzt mit ca. 80 km/h in den Wohnwagen.

In empirischen Erhebungen hat man, um die transformierende Bewegungsenergie in solchen Fällen besser darstellen zu können, einen Vergleich Aufprallgeschwindigkeit zu „Fallhöhe“ erstellt.
Aus meiner Sicht ist dieser Vergleich derart plastisch, dass er im Gedächtnis haften bleibt.
Ein Aufprall mit 30 km/h entspricht einem Fall aus einer Höhe von 3,5 m. Das wäre ein Sturz aus dem 1. Stock eines Hauses.
50 km/h Aufprallgeschwindigkeit und wir fallen aus der 3. Etage (10 m). Bei unserem letzten „Versuch“ mit der 100er Anfahrtsgeschwindigkeit und den 80 km/h Aufprallgeschwindigkeit fallen wir bereits aus einem „mittleren Hochhaus“. Hier ist die Aufprallenergie einem Sturz aus 25 m, also etwa der
8. Etage gleichzusetzen.

Fertig!

Wie bereits zu Beginn gesagt. Ich bin auch nicht überall im gesetzlichen Rahmen unterwegs und ertappe mich dabei an der ein oder anderen Kreuzung „locker durchzurollen“.

Aber sind wir doch einmal ehrlich. Ändert es etwas an einer schönen Motorradtour, wenn wir an solchen Kreuzungen den Gasschieber zudrehen und mit der gebotenen Vorsicht den Bereich durchfahren?
Ich denke nicht! Und falls unsere Begleitung anderer Auffassung ist, welchen Zeit- oder Lustgewinn erwirtschaftet sie damit? Wahrscheinlich steckt gerade mal die Zapfpistole im Tank, wenn wir zur Tankpause erscheinen!

Wenn es dumm läuft ist er aber gar nicht vorher an der Tankstelle!

 Aber wer fällt schon gerne aus dem 3. Stock?

 

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