Was für viele „nicht motorradfahrende“, weibliche Bewohner des Planeten der Besuch in dem „schwedischen Einrichtungshaus“ ist, um nützliche Dinge wie Teelichter etc. käuflich zu erwerben, ist dem Motorradfahrer / der Motorradfahrerin der Besuch beim Fachhändler oder „Discounter“.

Das Schlendern zwischen den Regalen auf der Suche nach Dingen, die die Welt und der Fahrer/-in an sich wahrscheinlich gar nicht benötigt hat etwas Metaphysisches.

Es gibt aber auch Momente, da sind wir nicht in diesem transzendentalen Raum unterwegs, sondern tauchen hier einfach auf um FACHLICH sauber beraten zu werden, als Grundlage für einen Kauf.

„Kann ich Dir helfen?“

Die mit lautstarker Stimme in den Raum gerufene Frage reißt mich aus meinen Gedanken. Irgendwie bin ich jetzt schon überrascht darüber, dass überhaupt noch jemand der Auffassung ist MIR helfen zu können!

Also wende ich mich in Richtung der Stimme und meine Überraschung wird größer. Haggis, jetzt hat es Dich doch noch erwischt! In die Soße des gestrigen Jägerschnitzels muss der Koch wohl eine Portion „magic Mushrooms“ eingerührt haben. Der Kühlergrill eines 54er Chevy versucht mit mir Kontakt aufzunehmen?! Bei genauerer Betrachtung klärt sich die Situation dahingehend, dass lediglich das ortsansässige Piercingstudio einen repräsentativen Querschnitt ihrer Produkte im Gesicht meines Gegenübers untergebracht hat.

Haggis, sei nicht immer so konservativ. Alles wird gut!

„Kann ich Dir helfen?“

Die Frage wird wiederholt und da ich gerade erst wieder im Diesseits angekommen bin antworte ich etwas unwirsch: „Kennen wir uns näher oder warum sind wir per Du?“

„ Ich dachte so unter uns Bikern!?“

„Ich bin kein Biker. Ich bin Motorradfahrer!“ Jetzt macht sich bereits eine gewisse Unsicherheit bei meinem Gegenüber bemerkbar. Mit „Motorradfahrern“ scheint man hier seltener Kontakt zu haben. Unmittelbar neben uns „berät“ gerade sein Kollege einen jungen Mann (wohl Fahranfänger A1), der in Begleitung seiner Mutter das Geschäft aufgesucht hat. Man beabsichtigt einen Helm für den jungen Herrn zu kaufen und lässt sich über Vor- und Nachteile der angebotenen Produkte aufklären.

„Der Helm ist gerade Moto-GP Weltmeister geworden!“

Donnerwetter denke ich, hoffentlich weiß Marc Marquez, dass er seinen aktuellen Titel nicht seinem fahrerischen Können und der Qualität seiner Maschine verdankt, sondern seinem HELM.

„Wenn DER mal leicht auf den Boden fällt, dann macht DAS nichts. Der andere Helm ist dann kaputt!“

Was für eine qualitativ hochwertige Aussage. Hatte der Verkäufer bei seinem letzten Sturz gar keinen Helm an? Das würde die angeführten Verkaufsargumente für mich erklärbarer machen.

Meine Fachkraft sucht zwischenzeitlich nach dem gesuchten Artikel im hauseigenen Katalog und teilt mir mit, dass ein derartiges Produkt so selten gewünscht ist, dass man ES nicht auf Lager hält. In meiner grenzenlosen Naivität versuchte ich nach anderweitigen Lösungsmöglichkeiten aus der Angebotspalette „unseres Discounters“ zu suchen. Auf meinen Hinweis, dass die Montage von Halterungen im Cockpitbereich meiner KTM nicht ganz einfach wären, zuckte er bei der Nennung von „KTM“ merklich zusammen. Sein verwirrter Gesichtsausdruck ließ die Vermutung zu, dass er gerade mit der Überlegung beschäftigt war ob seine Waschmaschine in der heimatlichen Wohnung jetzt eine AEG oder KTM ist.

Flying Haggis verließ jetzt das Zentrum der geballten Fachinkontinenz, sowie der „angewandten Verkaufsrhetorik“ und suchte das Weite, in der Hoffnung zumindest dies schnellstmöglich zu finden.

Ich weiß nicht wie eure Erfahrungen an diesen Stellen sind, aber meiner Meinung nach ersetzt „kumpelhaftes Getue“ keine Fach- oder Sachkompetenz. Dies mag ausreichend sein, wenn man in einem viertklassigen Sportschuhdiscounter die aktuellen „Rapperlatschen“ an den Mann oder die Frau bringen möchte. Meiner Meinung nach suchen Motorradfahrer/-innen IMMER NOCH nach einem fachlich versierten Verkäufer/-in der/die weiß wovon sie spricht. Die gibt es nämlich – wenn auch immer seltener. Und DA gehe ich auch hin, egal ob andere Örtlichkeiten bei Marktanalysen als Marktführer ausgeworfen werden.

„NEIN, Sie konnten mir nicht helfen!“

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