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Bassano del Grappa, Passo Brocon, Passo Manghen, Passo Rolle, Ponte Valgadena
Ich hatte es ja im letzten Artikel angekündigt, dass ich Euch noch unterschiedliche Anfahrtstrecken nach Bassano del Grappa vorschlagen werde. Also legen wir los, denn versprochen ist versprochen.
Jeder von uns hat unterschiedliche Präferenzen was solche Routen oder für manche auch „Überführungsetappen“ angeht. Bei mir steht immer im Vordergrund: Ich will meinen Spaß haben und schon die Vorfreude schüren auf den eigentlichen Höhepunkt. Das könnt ihr jetzt haben, denn meine Vorschläge beinhalten einige der Pässe, die auf meiner persönlichen Hitliste auf den vorderen Plätzen liegen.
Die meisten von Euch werden sich unserem Ort der Begierde aus Richtung Norden kommend nähern. Also suchen wir uns mal eine Route in räumlicher Nähe von Bozen respektive dem Kalterer See aus.

Wenn wir aus Richtung Kalterer See in die Region Belluno oder Veneto fahren ist so gut wie immer der Passo San Lugano unsere „Einflugschneise“. Schön zum gemütlichen Einrollen über Auer und Montan zu erreichen und in der Folge bereits mit Aussichten wie in einem Heimatfilm.

Dann sind wir auch schon im Val di Fassa und können auf der gut ausgebauten Straße unseren Blick zu den Bergriesen links und rechts schweifen lassen. Mit bekannten Namen wie der Alpe Cermis, die wir ansonsten lediglich aus dem Fernsehen von Sportübertragungen kennen.

Erster richtiger kurviger Protagonist der Route ist dann der Passo Rolle, der eigentlich immer mein Herz höher schlagen lässt. Für mich die Harmonie pur. Tolle Ausblicke paaren sich mit einer wunderbaren und abwechslungsreichen Streckenführung. Nicht dieses stereotypische „Spitzkehrenfahren“ mit Bremsen, abwinkeln, beschleunigen. Das hier ist Spaß pur – darum auch einer meiner Favoriten in Sachen Pässe.

Es gibt Ortsnamen, die tauchen in Südtirol, Trentino und Belluno oftmals wiederkehrend auf. So wie St. Martin. Unsere Abfahrt vom Passo Rolle führt uns nach St. Martin di Castrozza.

Wir kommen jetzt schnell unserem „Bildungsauftrag“ nach 😉. Der Ort ist die Heimat der „Aquile di San Martino“, der Adler von St. Martin. Das ist ein Zusammenschluss von professionellen Bergführern, die ambitionierte Bergwanderer oder Kletterer durch ihre heimatliche Region, wie die Lagorai-Kette und die Belluneser Dolomiten führen. Es ist etwas Besonderes zu diesen „Adlern“ zu gehören und jeder einzelne der Bergführer trägt sein Abzeichen mit Stolz. Wer etwas länger Zeit mitbringt, der kann mit diesen Jungs eine Bergwanderung machen und lernt sicherlich einiges in Sachen Geschichte und Berge, vielleicht sogar für das Leben, hinzu.
Wir machen noch einen kleinen Abstecher zu unserem „Lieblingsbildhauer“ Marco Martalar, denn der hat hier in St. Martin eine weitere seiner Skulpturen aufgestellt.
Eine Wassernymphe, die La Guàna, steht hier mit erhobenem Haupt und wehendem Haar und bewacht stolz das Tal. Mich beeindruckt jede einzelne seiner Skulpturen und auch vor seiner La Guàna stehe ich wieder staunend und mit einem Lächeln.

Weiter geht es auf unserem Weg mit einem weiteren Pass, der weit oben in meiner persönlichen Hitliste steht. Wir machen einen kleinen Schlenker, der einfach sein muss, über den Passo Brocon. Es sind also im Grunde genommen keine zusätzlichen Kilometer sondern zusätzlicher Genuss.
Die Passhöhe liegt lediglich auf 1.616 m Höhe, aber der Brocon ist für mich ein fahrerisches Gedicht. Es gibt einige Pässe im Alpenraum, die lediglich aus oder in eine Fahrtrichtung schön und harmonisch zu fahren sind. Zu der Kategorie gehört der Brocon de facto nicht. Egal aus welcher Richtung ihr kommt oder fahrt – der Passo Brocon ist einfach ein Traum. Also gehört er auch unbedingt auf meine Anfahrtroute nach Bassano del Grappa.

Wie kommt ihr noch nach Bassano oder wieder in Richtung Heimat?
Dazu muss ich eine kurze Erläuterung bringen, denn manchmal spielt einem auch der Zufall in die Hände. Irgendwann beim „Bummeln im Internet“ stolperte ich über eine Örtlichkeit wo Bungee Jumping durchgeführt wurde. Nicht falsch verstehen! Wenn ich beabsichtige meinen Verdauungstrakt zu entleeren, dann bevorzuge ich das übliche Verfahren und die hergebrachten Wege der Entsorgung. Warum ich dafür ein Gummiseil nutzen soll und mich irgendwo herabfallen lassen erschließt sich mir nicht. NEIN – die Fotos von der Örtlichkeit hatten es mir angetan. Die Ponte Valgadena lag derart toll verbunden mit schönen Aussichten, dass ich sie sofort als Wegpunkt abspeichern musste und nun bei unserer Monte Grappa Tour einbaute.

Schaut einfach auf die Karte und der „Rest“ erschließt sich euch von allein. Der Weg hin zur Brücke und in der Folge nach Bassano del Grappa ist für einen Motorradfahrer ein asphaltgewordener Traum. Und das Beste daran – so gut wie kein Verkehr. Man hat das kurvige Geläuf im Grunde für sich allein. Besser geht es nicht. Diese Traumstrecke hört bei den italienischen Straßenbaubehörden auf die profane Bezeichnung SP 76 und SP 73. Also Provinzstraßen, die in Deutschland vergleichbar wären mit Kreisstraßen. Ihr Verlauf ist so, dass sich diese Route vor keinem Alpenpass verstecken muss.

Garniert wird das Ganze noch auf der Route mit einem weiteren Pass aus meiner vorderen Hitliste – dem Manghenpass. Fertig ist eine Anfahrtsroute, die einen mit der Zunge schnalzen lässt. Denn der Manghen gehört auch zu den Pässen, die nicht derart überlaufen sind wie die üblichen Verdächtigen in den Dolomiten. Darüber hinaus finden wir auf der Passhöhe auch noch eine Einkehrmöglichkeit mit echter und ehrlicher Trentiner Küche, garniert mit einem geradezu phänomenalen Ausblick.



Was benötigt IHR jetzt noch als Info?
Wir hatten unsere Basis im Guest House Villa Angaran aufgeschlagen. Die Villa Angaran ist jetzt kein Hotel im herkömmlichen Sinne sondern, wie der Name bereits verrät, ein Gästehaus. Hier werden auch Seminare aller Art abgehalten und es hat ein wenig den Charakter einer Herberge. Dies aber im positiven Sinne.
Die Verpflegung ist gut und der Biergarten ist geradezu phänomenal. Also gerade für Gruppen sicherlich ein optimaler Anlaufpunkt für ein gemütliches Beisammensein. Die Maschinen stehen, gut aufgehoben, unmittelbar vor der Rezeption und bei einem kühlen Bier oder Aperitif kann man den Tag Revue passieren lassen oder den nächsten Tag planen.

Fußläufig ist es etwa 15 Minuten entfernt von der Ponte Vecchio, der „Lebensader“ der Bürgerinnen und Bürger von Bassano.

Hier seid Ihr dann bereits mitten im städtischen Treiben und könnt gemütlich durch die Altstadt von Bassano del Grappa bummeln.
Dolce Vita pur und italienische Lebensfreude. Wenn es Euch so geht wie uns, dann summt ihr wahrscheinlich auch das bekannte Lied der Gruppe Ricchi e Poveri leise vor euch hin „Sarà perché ti amo“.

Viel Spaß bei der Tour nach Bassano del Grappa und im Anschluss auf unsere Runde um den Monte Grappa.
