Ein schönes Quartett zum Beginn

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Irgendwie ist doch, wenn man einem Sprichwort folgen möchte, Vorfreude die schönste Freude. Diesem Gedanken folgend schaue ich zum Fenster hinaus und freue mich jetzt schon auf 2024. Wenn die jetzt noch schneebedeckten Berge nur noch auf den Gipfeln den Puderzucker haben und die „alten Bekannten“ wieder geöffnet sind. Motorrad ist vollgetankt, Batterie geladen und auch wir sind voll mit der notwendigen Energie um die heutige Tour in Angriff zu nehmen. Als Kind habe ich mit Begeisterung „Quartett“ gespielt und heute spielen wir auch Quartett. Pässequartett!

Dafür verbinden wir einfach vier alte Bekannte zu einer wunderbaren Runde und rollen uns auf der Vinschgauer Staatsstraße ein. Genießen schon einmal entspannt das schöne Panorama, an Kastelbell vorbei, entlang der Etsch in Richtung Meran.

Hier ist schon unser erster alter Bekannter aus dem Quartett ausgeschildert und wir touren durch das Passeiertal in Richtung St. Leonhard, aufwärts zum Jaufenpass. Das Passeiertal hat eine lange Siedlungsgeschichte. Schmale Saumpfade führten hier einst über das Timmelsjoch und den Jaufenpass und haben das Passeiertal mit dem Ötztal bzw. Sterzing verbunden. Für die Südtiroler hat es einen besonderen Stellenwert, da ihr Nationalheld Andreas Hofer aus dem „Sandhof“ bei St. Leonhard stammte. 1809 führte er die Tiroler Aufstände gegen Napoleon und seine Truppen an. Ein streitbares Völkchen die Südtiroler.

Ein guter Platz für einen kleinen Snack oder einen wärmenden Kaffee ist die Edelweißhütte auf knapp über 2000 m am Jaufenpass. Den Blick zum Genießen gibt es gratis dazu.

Uns ist aber schon nach einer richtigen Mahlzeit und so geht es nach dem Kaffee zügig abwärts nach Sterzing. Etwas versteckt im Zentrum findet ihr die Pizzeria Kolping. Unsere Empfehlung für die Mittagspause auf der Tour. Die Pizzen sind richtig „lecker“.

Ach ja – unser Quartett. Der Nächste im Bunde ist das Penserjoch. Von Sterzing aus aufwärts für mich einfach eine wunderbare Streckenführung. Schön schwungvoll geht es in einem entspannten Kurvenverlauf hinauf auf die 2.211 m zur Passhöhe.

Richtiger Trubel ist hier oben nie und so genießen wir den traumhaften Blick. Abwärts in Richtung Sterzing, wo wir gerade herkamen und abwärts in Richtung Sarntal und Bozen, wo wir jetzt hin wollen.

Das Sarntal ist mit seinen 50 km Länge flächenmäßig die größte Gemeinde Südtirols und hat sich im besten Sinne seine Urspünglichkeit bewahrt. Die Reggele, die Sarner Pfeifen, gehören mit zu den bekannten „Spezialitäten“ aus dem Sarntal und dienen als Mitbringsel. Da ich es mit dem „Rauchen“ nicht so habe, aber dafür beständig „kalte Füße“ mein eigen nenne, sind die „Sarner Toppar“, die Hausschuhe aus Schafwolle eher etwas für mich.

Die Wegstrecke hinunter nach Bozen entlang der Talfer ist komplett entspannend, da der Hauptverkehrsweg in Richtung Süden das Eisacktal ist. Sei es die Staatsstraße oder die Brennerautobahn.
Hinein geht es nach Bozen und dann kurz auf die Mebo, die Hauptverbindung von Meran nach Bozen, woher sie auch ihr „Kürzel“ hat.

Bei der Abfahrt Eppan, mit Blick auf Burg Firmian, geht es runter von der Staatsstraße in Richtung Kalterer See.

Wir haben ja noch etwas vor heute und wollen schließlich unser „Quartett“ komplettieren. Hinauf geht es auf den Mendelpass, der in seiner heutigen Streckenführung bereits 1885 erschlossen wurde. Der „Mendel“ ist der Hausberg von Kaltern und sicherlich zu eurer kompletten Überraschung hat auch schon Kaiserin Sissy hier ihre Sommerfrische verbracht.

Die Standseilbahn, die „Mendelbahn“, wurde 1903 eröffnet und hatte insofern 2023 ein kleines Jubiläum. 1903 war sie mit ihren 64 % Steigung die steilste Standseilbahn Europas und die längste Seilbahn der Welt. Wer hat sie gebaut? Natürlich ein Schweizer – der Ingenieur Emil Strub.

Oben auf dem Mendelpass genießen wir nochmals den einmaligen Blick und dann machen wir uns wieder auf unseren Weg zur abschließenden Nr. 4 in unserem Quartett.

Über Fondo geht unsere Route zum Gampenpass, den wir aus dieser Richtung kommend „fast unbemerkt“ überfahren. Die Streckenführung hinab in Richtung Lana und Meran ist hingegen nicht als unbemerkt zu bezeichnen. Schöne Kurvenkombinationen, bei moderatem Gefälle, führen uns abwärts und so ist der Gampenpass natürlich bei der lokalen Motorradfahrerszene die „Heimstrecke“ und von Frühling bis Herbst strak frequentiert. Also obacht – der ein oder andere „Knieschleifer“ kann einem hier durchaus in beide Richtungen begegnen.

Wir bleiben aber entspannt und genießen die „Asphaltverbindung“ zwischen dem Nonstal und dem Etschtal. Schließlich haben wir unser Quartett vervollständigt. Was als schöner Abschluss jetzt noch fehlt ist eine schöne Station zum Einkehren. Und da habe ich Euch ja schon mehrfach unsere Favoriten wärmstens ans Herz gelegt. Der Gampenpass ist nämlich auch dahingehend ein Treffer.

Macht eure abschließende Rast im Berggasthof Natz, unweit unserer Strecke, oder im Restaurant Bad Gfrill, direkt an einer „Applauskurve“ des Gampen.

In beiden Stationen werdet ihr BESTENS bedient und genießt eine ausgezeichnete Küche. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich beide Lokale noch separat „beleuchten“ und einen Bericht unter Rast & Übernachtung ablegen.

Was bleibt jetzt noch übrig? Eigentlich nicht mehr viel. Abwärts in die Ortslage Lana und dann über Meran und die Vinschgauer Staatsstraße zurück zu unserem Ausgangsort nach Schlanders.

Wer Lust, Laune und auch noch die nötige Zeit im Repertoire hat, der kann sich auch noch auf Schleichwege abseits der Staatsstraße begeben. Da kann man dann noch so „verwunschene Orte“ wie die Kirchenruine St. Laurentius entdecken. Die Ruine wird vom Heimatpflegeverein Naturns-Plaus erhalten. St. Laurentius gehörte mit Prokulus und Zeno zu den Patronen im italienischen Raum und wurde von den römischen Legionären verehrt. Man hat hier von St. Laurentius auch einen wunderbaren Blick hinauf zu Burg Juval.

Schön war es heute und die knapp 300 km Tagesetappe sind vorüber wie im oft zitierten „Flug“. Bleibt nur noch den Tag bei einem Glas Vernatsch oder einem Aperol auf einer Terrasse in Schlanders Revue passieren zu lassen.

Viel Spaß beim Nachfahren.


Nolan 100.5 und N-Com 602 R

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Kommen wir nach langer Zeit nochmal zu einem Testbericht. Zielgruppe sind diejenigen, die aktuell einen Helm, nebst Kommunikationssystem suchen.

Häufige Leser*innen meines Blogs wissen sicherlich noch wie wir an unsere aktuellen Modelle gekommen sind.

Eigentlich ein, für uns, typischer Einkauf. Rennsonntag in Misano am Circuit Misano Adriatico und noch eine Stunde Zeit bis zur Startaufstellung. Also schaut man zum Zeitvertreib in den Ducati-Store unterhalb der Tribüne und beginnt die Konversation mit der netten Verkäuferin mit:

„Scusami. Cerco un Casco modulare.“

Dann kam als Antwort: “Al momento abbiamo uno sconto del 40 %. Ti mostrerò i caschi.”

Und damit nimmt das Schicksal seinen Lauf. Soll heißen -2- flammneue Nolan 100.5 sind letztendlich in unserem Besitz und werden abschließend noch mit dem Nolaneigenen Kommunikationssystem N-Com 602 R für unsere Touren fit gemacht.

Seit 2015 sind wir bereits überzeugte “Klapphelmträger”. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte es uns zu den Produkten von Nolan hingezogen, weil sie einfach, in Verbindung mit dem komplett integrierten Kommunikationssystem, praktisch sind.

Da ich meine Touren immer auch entsprechend mit Fotos ergänzend dokumentiere, war der Wechsel hin zur Fraktion der Klapphelmträger ein logischer Schluß. Klappe hoch – Foto gemacht – Klappe runter und weiter.

Wie im Grunde genommen bei allen Klapphelmen ist auch unser Nolan 100.5 kein Leichtgewicht. Aber auch bei längeren Touren kommen keine Verspannungen im Nacken auf. Sicherlich ein Ergebnis der exzellenten Paßform, denn die kann man nur als ideal bezeichnen.

Der 100.5 sitzt wie der oft zitierte Sportschuh. Anzumerken ist hier, dass auf Grund der unterschiedlichen Helmschalen, die Nolan nutzt, die kleinere Helmgröße der “besten Sozia von Allen” auch ein paar Gramm weniger auf die Waage bringt. Eigentlich logisch.

Der Nolan 100.5 verfügt über ein breites kratzfestes Visier aus Lexan, welches einem einen guten Überblick verschafft. Natürlich als Pinlock-Visier montiert. Die Sonnenblende ist aus kratzfestem Lexan und stufenweise verstellbar. Die optische Qualität der getönten Blende entspricht dabei der einer Sonnenbrille. Das automatische Rückzugssystem ist in dieser Helmklasse obligatorisch.

An dieser Stelle erlaubt mir eine kurze Anmerkung. Beim Helmkauf im Ducati-Store wurde mir auch ein X-Lite Klapphelm angeboten, welcher eigentlich in der Produktpalette als höherwertiger angesiedelt war. Hier hatte die Sonnenblende lediglich die Option offen oder geschlossen. Leider war beim Herunterklappen der Sonnenblende permanent das Riechorgan eures werten Erzählers im Weg. Insofern war der X-Lite zügig raus aus der Option KAUFEN. Dieses Problem mit dem Visier habe ich auch bei Produkten der Marke Arai. Es passt wohl nicht Alles was auf dem Markt ist auf meinen “Wasserkopf”.
Weiter im Text. Aus Lexan ist auch die Helmschale des Nolan 100.5. Der Kunststoff zeichnet sich durch eine hohe Schlagfestigkeit aus und hält auch hohe Temperaturen (bis zu 145 Grad) aus. Die Schlag- und Bruchsicherheit von Lexan wird daher auch gerne bei Einsatzfahrzeugen der Polizei genutzt und die Scheiben der Fahrzeuge damit ausgestattet.

Der Microlock-Verschluss des Nolan 100.5 ist einfach in seiner Handhabung und arretiert “bombensicher”. Ich entschuldige mich sofort bei den Pazifisten unter uns wegen der martialischen Formulierung. Es ist mir einfach nichts besseres eingefallen um es zu umschreiben. Ein unbeabsichtigtes Öffnen des Verschlusses ist nahezu unmöglich.

Wie alle Nolan Klapphelme hat auch der 100.5 die Homologation als Integral- und Jethelm. Die “geöffnete Klappe” kann man, bei Bedarf, auch arretieren, damit sie nicht versehentlich und plötzlich nach unten klappt. Ist mir aber in den ganzen Jahren auch ohne Nutzung der Arretierung noch nie passiert.

Die Polsterung kann zum Reinigen herausgenommen werden. Praktisch ist dies auch bei der Montage des N-Com Systems, zu dem wir noch später kommen werden.

Die Polster sitzen komfortabel ohne Druckstellen aufzubauen. Das gesamte System der Polsterung ist derart gestaltet, dass sich der Nolan 100.5 irgendwie genial an die Kopfform anpasst und dadurch auch angenehm leise im Fahrbetrieb ist. Dies ist auch “hilfreich” bei der Nutzung des Kommunikationssystems.

Die Lüftung des 100.5 ist ebenfalls leicht in der Handhabung und wirkungsvoll. Bei geöffneten “Luken” im Kinn- und Stirnbereich zirkuliert auch bei heißen Temperaturen ein angenehmer Luftzug rund um den Kopf. Einfach aber effektiv. Gut gemacht.

Die Nolan 100.5 gibt es in unterschiedlichen farblichen Dekors und Lackierungen. Für uns sind sie eine absolute Kaufempfehlung. ABER daran denken: Jeder Kopf ist anders und die vorherige Anprobe ein Muss. Auch wenn ein Helm noch so schön ist, wenn er abschließend nicht korrekt passt, nutzt er herzlich wenig. Aber wem erzähle ich das.

Wir haben dann unsere Helme noch mit dem Nolan-eigenen Kommunikationssystem N-Com B 602 R ausgestattet.

Die einzelnen Schritte der Montage erspare ich mir hier an dieser Stelle. Nicht weil ich zu faul bin, sondern weil Nolan auf Youtube exzellente Videos veröffentlicht hat, die jeden einzelnen Schritt minutiös erklären. Für jeden nachvollziehbar. Bei unserem B 602 R sind es etwas über 7 Minuten. Besser geht es nicht.

Das B602 R verfügt über -2- Anwendungsweisen. Einmal die Vollumfassende, die auch im System bei Auslieferung vorgegeben ist und die vereinfachte Anwendungsweise. Wir sind bei dem Modus Vollumfassend geblieben, da er auch alle weiteren angebotenen Optionen des B602 R umfasst.


Das Bedienelement der N-Com Baureihe passt sich wunderbar und aus meiner Sicht ziemlich unauffällig an den Nolanhelmen an. Einige andere Anbieter haben hier Produkte, die den Nutzer erscheinen lassen wie einen “Borg” aus den Startrekfilmen.

Die Tasten am Bedienelement lassen sich auch mit “dickeren” Handschuhen sehr gut handhaben und bereits nach einigen Kilometern ist die Bedienung in Fleisch und Blut übergegangen. Bei uns war es keinerlei Gewöhnung, da sich das Bedienelement zum Vorgänger nicht geändert hat. Vom Gefühl her also wie ein Treffen mit alten Bekannten.

Die Menüführung kann man auf die jeweilige “Nutzersprache” ändern und dann wird man problemlos bei den ersten Schritten durch das Menü geführt.

Mit ersten Schritten meine ich: Verbindung mit der 2. Gegensprechanlage – wir hatten ja ein Twin-Pack gekauft, Verbindung mit dem Mobiltelefon und die Verbindung mit unserem Garmin XT.

Apropos Handy. Mit dem N-Com Easyset Programm habe ich dann die -3- präferierten Schnellwahlnummern abgespeichert. Die kann man dann bei Bedarf über Tastenkombination abrufen, falls einem danach ist während der Fahrt zu telefonieren. Bei einem Anruf werden die anderen Audioquellen, wie Gegensprechanlage oder Navi, unterbrochen. Nach Ende des Telefonats werden diese wieder verbunden. Es ist sogar eine Art Konferenzschaltung zwischen dem Anrufer, sowie Fahrer und Beifahrer möglich. Wenn man so etwas brauchen sollte.

Die Kommunikation während der Fahrt ist erstklassig. Auch bei höheren Geschwindigkeiten versteht man sich einwandfrei und nahezu ohne Nebengeräusche. Ob dies an dem, laut Nolan, geräuschdämpfenden Mikrofon liegt oder daran, dass die Ohrhörer im Polster des 100.5 in den dafür vorgesehenen Aussparungen integriert sind, kann ich derzeit noch nicht abschließend sagen. Vielleicht eine Kombination aus beiden.

Ca. 100 Gramm sind es, die der Helm durch das B602 R zusätzlich auf die Waage bringt. Meiner Meinung nach zu verschmerzen. Der eingebaute Lithium-Akku ist auswechselbar. Das war mit ein Kaufgrund für die R-Version des B602. Es gab nämlich auch ältere S-Varianten mit fest eingebauten Akkus, die bei einem Defekt dann leider nur mehr “Elektro-Müll” sind.

Die 12-Stunden Sprechdauer, die Nolan verspricht, gehen in etwa hin. Aufgeladen ist das 602R dann auch flott – zu Hause oder im Hotelzimmer – und dann wieder einsetzbar.

Das N-Com B602R ist auch mit Systemen anderer Hersteller kompatibel. Daran denken: Wir sprechen hier eigentlich auch von einem Sena-Produkt. Nolan und Sena arbeiten bereits seit längerem zusammen.


Fazit:
Wer nicht immer das absolut aktuelleste und High-End-Produkt eines Herstellers oder was auf dem Markt verfügbar ist benötigt, der ist mit dem N-Com B602R bestens bedient.
Dies insbesondere in Kombination mit dem Nolan 100.5. Hier hat man zwei ausgereifte wertige Produkte, die wirklich alles was man in Sachen Motorrad, Touren und Kommunikation benötigt abdeckt. Das Ganze noch “unauffällig” verpackt und perfekt integriert.

Für uns die absolute Kaufempfehlung. Merke: Alles sieht besser aus, aus dem Innern eines Motorradhelms!

EICMA Mailand 2023

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Ist Euch eigentlich die „Esposizione Internazionale Ciclo Motociclo e Accessori“ ein Begriff?

NEIN? Macht nichts, denn auf Deutsch heißt es „Internationale Ausstellung für Motorräder und Motorrad-Zubehör“ und hört schlicht und ergreifend in der Szene auf „EICMA“. Und dann weiß jeder Motorradbegeisterte sofort um was es sich dreht. Denn die EICMA in Mailand ist DIE MESSE in Sachen Motorräder und Neuheiten in Europa und hat der Intermot ehemals IFMA in Köln längst den Rang abgelaufen.

Das bedeutet für Flying Haggis in diesem Jahr: Nichts wie hin! Denn die knapp 350 km bis nach Mailand sind als „Katzensprung“ schnell abgehakt. Außerdem kann man nach dem Messebesuch noch das sehenswerte Mailand touristisch heimsuchen.

Also vom Hotel hinein in die öffentlichen Verkehrsmittel und passend beim Messegelände ausgestiegen. Tipp von uns die Mailänder Metro – M1 „Rosso“. Und dann hinein in das Gewühl der EICMA.

Mir ist bewusst, dass ich mit meinem Geschmack in Sachen Motorräder oftmals nicht mit den Verkaufsstatistiken übereinstimme. Bei genauerer Betrachtung – Fast nie. Egal, denn bei Motorrädern ist es ähnlich wie beim Wein oder bei der Kunst. Es muss individuell gefallen und ob das mit dem Geschmack der Mehrheit übereinstimmt, ist gleichgültig.

So gefällt mir die Moto Guzzi Mandello. Ich finde diese Maschine ausgesprochen gelungen und die Freude war bei mir groß, dass die Adler aus Mandello diesen schönen Tourermotor aus der Mandello in eine neue Variante der Stelvio gebaut haben. Großartig – einfach fein gemacht und strotzt schon auf dem Messestand vor Selbstbewusstsein.

Eine schöne Ergänzung für diejenigen Kunden, denen die 850er zu wenig Druck hat. 115 PS und 105 Nm reichen völlig und gesessen habe ich auf dem Teil, wie auf dem oftmals zitierten Sofa.

Ducati entwickelt sich langsam zu BMW Made in Italy. Es gibt fast kein Segment das die Roten aus Borgo Panigale nicht abdecken und der geneigte Ducatisti findet so ziemlich ALLES was das Herz begehrt. Von Multistrada in unterschiedlichsten Varianten, über Sporttourer, Scrambler und Supersportler bis hin zur Diavel, die es jetzt als V 4 gibt, ist alles da was das Herz begehrt.

Und selbst im E-Segment sind die Roten aktiv. Auf der EICMA war viel Modellpflege zu sehen aber auch die DesertX Rally. Was einem, oder zumindest mir, extrem ins Auge fällt ist der Einstiegspreis der Rally. Da steht für den deutschen Kunden dann abschließend ein Betrag von 21.600 Euronen zu Buche. Das ist ein ordentlicher „Happen“, wenn man die knapp unter 17 Mille für die Standard DesertX gegenüberstellt. Dafür sieht der geneigte Betrachter nur feinste Bauteile verarbeitet.

Gleiches gilt für die italienische Variante von „Thors-Hammer“. Man verzeiht mit bitte die martialische Metapher aber hier ist sie irgendwie passend. Die V4 Multistrada RS steht da – aufgeblasen wie ein Bodybuilder auf anabolen Steroiden. Okay – mit dieser Art von Reiseenduro oder neudeutsch Crossoverbikes fährt ohnehin kein Sterblicher mehr ins Gelände. Aber 180 PS? Der Motor ist in dieser Konfiguration ein „alter Bekannter“, denn er verrichtet bereits seinen Dienst in der V4 Streefighter. Für diese Spitze der Nahrungskette ruft Ducati jetzt in der Basis 36.500,- Euro auf. Mit der ein oder anderen Zusatzausstattung überschreitet man locker die 40-Mille-Grenze.

Die Roten aus Borgo Panigale steigen jetzt auch in der Cross-Szene ein. Unter dem Jubel des Publikums auf dem Messestand gab Tony Cairoli, mehrfacher Cross-Weltmeister und jetzt Ducatipilot in der nationalen Meisterschaft, seine Statements ab.

Apropos wertiger Eindruck. Hier hat für mich immer Triumph besonders herausgestochen. Auf der EICMA konnte man hier auch dahingehend wieder einiges in Augenschein nehmen. Ehrlich gesagt war ich ein wenig erstaunt und auch ein wenig enttäuscht. Man produziert bereits seit langer Zeit in Thailand zwecks Gewinnoptimierung. Nun wurde wieder einiges „modellgepflegt“. Unter anderem meine Favoriten in Sachen „feine Motoräder“ von Triumph, die Scrambler-Baureihe. Eingebaut werden jetzt für die kommende Saison aber günstigere Komponenten und von der einstigen Wertigkeit bleibt wohl bald kaum mehr etwas übrig. Schade eigentlich. Dafür hält Triumph die Preise, die für den Verbraucher aufgerufen werden. Was Triumph wirklich clever macht ist die aktuelle Erweiterung von Scrambler und den Klassic-Twins auf die 400er Baureihe. Schön gemacht und bei einer Preisspanne, je nach Modell, zwischen 5.500 und Anfang der 6-Mille ein preiswerter Einstieg in die Triumphfamilie.

Die „kleinen Tiger“ wurden von Triumph ebenfalls nachgebessert. Und wie. Für mich stand hier auf dem Messestand der „Alpenmasters-Sieger 2024“. Toll gemacht. 108 statt der bisherigen 95 Pferde helfen den 900er Tigern auf die Sprünge bei ihrer Jagd auf unterschiedlichen Untergründen. Die Ausstattung war bei Triumph schon immer üppig und orientiert an „Reisenden“. Wer hier ergänzend noch einen Quick-Shifter dabei haben möchte, der sollte zu den jeweiligen Pro-Modellen greifen, die bereits mit dem Schaltautomaten ausgestattet sind. Auch hier bleiben die Preise auf Vorjahresniveau. Für mich sind sie der Knüller.

Übrigens – auch der italienische „Nachwuchs“ findet Gefallen an Triumph. Mit einem Lächeln zur Kenntnis genommen.

Die Augen des Betrachters bleiben aber jetzt bei Fantic hängen. Die Caballero hat es mir angetan. Die 700er auf der Basis des bekannten Yamaha Zweizylinders ist ein richtig feines Motorrad. Schön gemacht, optisch ein Hingucker und wenn wir ehrlich sind: Ein Motorrad braucht nicht mehr.

Was machen eigentlich die einstigen Marktbeherrscher? Die Firmen aus Japan, die vor einer gefühlten Ewigkeit mit ihren tollen Reihenvierzylindern die Herzen aller Motorradfans höher schlagen ließen.

Da haben wir Honda. Die Transalp gefällt mir. Kommt auf den ersten Blick auch als günstiger Kauf rüber. Baut man aber aus der Zubehörliste noch die Teile und Ergänzungen an, die man auf einer größeren Tour als notwendig erachtet, dann hat man irgendwie ein „BMW-Gefühl“. Ohne größere Schwierigkeiten hat man den Preis fast um 50 % in die Höhe getrieben. Okay – kann man so machen, wenn die Kundschaft dabei mitspielt.

Bei der Fireblade wurde auch nochmals Hand angelegt. Man will schließlich in der Superbike-WM endlich wieder den Anschluss schaffen.

Die Hornet-Baureihe wurde auch weiter aufgepeppt. In der Tausender schlummert der alte Fireblademotor und aktiviert in dem Nakedbike um die 150 PS. Der Gipfel der Nahrungskette der Hornetreihe.

Suzuki hat irgendwie im Hinblick auf die Modellentwicklung die Kurve bekommen, zumindest aus meiner Sicht. Die V-Strom Modelle, gerade hier die 800er Varianten, finde ich mehr als gelungen. Die Schotterfreunde haben die DE-Modelle und die mit Asphaltaffinität eben „ohne DE“.

Und der 800er Motor verrichtet auch in einem schön gemachten Nakedbike seine Arbeit.

Schöne und feine Maschinen, die ihrer Kundschaft auch nicht den letzten Cent aus der Tasche ziehen. Bravo.

Wenn wir bei feinen Motoren und unterschiedlichen Einsatzbereichen sind, dann landen wir unweigerlich bei Yamaha. Der 700er Paralleltwin ist nahezu omnipräsent und wir konnten ihn schon in der Fantic Caballero entsprechend preisen.

In der Tenere gibt der Twin für mich das beste Bild ab. Bin gespannt ob hier auch irgendwann die Abkehr vom Purismus hin zur Technikplattform kommt. So wie sie ist gefällt sie mir eigentlich am besten.

Zum Verlieben sieht die XSR 900 GP aus. Toll und richtig fein gemacht steht sie da und man erwartet eigentlich jeden Moment, dass „Steady“ Eddie Lawson oder Wayne Rainey um`s Eck kommen und mit der Maschine davonfahren. Ich gehe jede Wette ein: Die Maschine wird auch bei den Verkaufszahlen der Renner.

Kawasaki! Für mich eigentlich immer der Inbegriff der Sportlichkeit. Die ZX 10 war lange Zeit der „einzige Japaner“, der einer Ducati in der Superbike WM noch Paroli bieten konnte. Oder war es doch eher der Fahrer? Egal – sie kommt immer noch wie der Inbegriff des Superbikes daher und ist für mich zeitlos schön. Aber ich bin aus dem Segment der „Gebückten“ entwachsen. Das Alter!

Kawa hat aktuell eine schöne Modellpalette, die durchaus (fast) jeden anspricht. Da hat man die alte 636er wieder reanimiert und sie kommt auch kawatypisch optisch sehr schön daher.

Die „Schönste“ in der Modellpalette ist und bleibt die Z 900. Wahrscheinlich meldet sich hier permanent der kleine Junge in mir, der immer noch das Poster über dem Bett bewundert. Kinderträume eben. Und ich bin nicht der „einige Alte“ der in Erinnerungen schwelgt.

Hybrid kann Kawasaki auch und zeigt es auch stolz auf der Messe. Die alte 400er hat man technisch auf 451 ccm gebracht und nennt sie jetzt „aufgerundet“ 500. Irgendwie ziemlich optimistisch – wenn mich zukünftig jemand nach meiner Größe von 1,89 cm fragt runde ich einfach auf 2 m auf. Hört sich auch imposanter an.

Was der Yamaha ihre Tenere ist Aprilia ihre Tuareg. Leicht, schön gemacht und kommt daher als ob sie gerade von einer Wüstenrallye zurückkommen würde.

Und weil es gerade so schön passt, baut man den Motor mit einigen kleinen Änderungen im Mapping eben auch noch in einen Sportler ein. Zwei Schönheiten ohne viel Aufwand. Muss man auch können und dann den Mut besitzen es zu machen.

Auch die Edelschmieden leben noch. Blick auf Bimota und immer noch zeitlos schön. Da steht jetzt eine „Enduro“, die auf den Namen Tera hört mit 200 PS. Achsschenkellenkung von der Tesi und der Motor von der Kawasaki H 2. Im Vergleich zu dem Apparat ist jeder Sternenzerstörer der Klingonen untermotorisiert.

MV Agusta ist auch da. Und wie! Das Idol und der Nationalheld Italiens Giacomo Agostini war auch mit am Stand und wurde von den Tifosi bejubelt. Das gibt es nur in Italien. Die Fans vergessen hier niemanden.

Was noch am Stand war. Eine Dreizylinder Enduro mit 124 PS und einer Aufmachung wie die alte Cagiva Enduro mit der Eddy Orioli die Paris-Dakar gewann. MV und Enduro? Wahrscheinlich dreht sich der alte Conte Agusta gerade im Grab um, aber der Markt wird es sicherlich annehmen.

MV ist mit im Hause KTM bei Herrn Pierer einverleibt und deshalb wundert es mich noch mehr, dass man (Pierer) sich jetzt im eigenen Haus nochmals Konkurrenz am Enduromarkt macht.

Neues aus dem Hause Ready to Race KTM und seinen „Anrainern“ wie Husqvarna. Ich hatte die 1290er Supermoto erwartet und blickte gespannt auf den KTM-Stand. Nichts zu sehen. Aber eine richtig feine Duke mit 990 Paralleltwin.

Aus 947 ccm generiert der Motor 123 PS und 103 Nm Drehmoment. Von den Drehzahlen her alles etwas früher als der „alte Bekannte“ 890er. Bei diesen Leistungsdaten stellt sich für mich die Frage welcher „Sterbliche“ noch die 1290er Duke braucht? Aber hier spricht das Image und die Außendarstellung sicherlich auch eine Rolle.

Alte Bekannte haben wir auch noch besucht. Halle 24 Stand 080. Der Stand von GILLES-Tooling ist für alle ein Muss, die insbesondere ihre „Sportler“ aufwerten wollen. Eine wunderschön gemachte Indian hatte Gilles auch am Stand. Hat mir gut gefallen.

In Halle 15 wartete Herbert Schwarz am Stand von Wunderlich auf uns.

Außer bekanntermaßen BMW kümmert sich Wunderlich jetzt auch um Ducati und Harley Davidson. Ich muss zugeben, dass mir die DesertX und die Panamerica mit den Accessoires von Wunderlich richtig gut gefallen. Fein und wertig gemacht.

Einige italienische Messebesucher dachten, Wunderlich sei DER BMW-Stand und fragten nach der 1300er GS. Aber BMW glänzt mit Abwesenheit. Hochmut kommt vor dem Fall ihr Herren von BMW.

Die 1300er GS konnte man sich dennoch anschauen. Bei Touratech war sie zu sehen für die interessierten Neu-Kunden.

Beinahe vergessen – wo doch mein Herz für Italien schlägt. Moto Morini gehört zwar zu einem chinesischen Konzern aber die Entwicklung läuft weitestgehend in Europa ab. Die 1200er Enduro gefällt mir ausnehmend gut. Moto Morini spricht von 125 PS plus X.

Die schönste „Monster“ auf der Messe war die Moto Morini Corsaro 750. Optisch sehr gelungen und mit 96 PS sicherlich mehr als ausreichend für das zügige Vorankommen.

Oweh – fast vergessen. Die E-Mobilität hält auch vor der EICMA nicht halt. Da stehen dann von unterschiedlichen Anbietern Modelle auf den Podesten, dass einem die Multistrada oder die GS fast wie ein Sonderangebot vorkommen. Über Geschmack kann man bekanntermaßen ja streiten. Aber einige dieser Maschinen sehen aus wie ein Einbaukühlschrank von hinten oder ein Sternengleiter aus Star Wars. Ob ich mich dazu jemals überwinden kann wird die Zukunft weisen. Wenn SIE so weit sind, dass die E-Motorräder unter Volllast 300 + X Km schaffen und die dann folgende Ladung weniger als 30 Minuten benötigt mache ich mir erste Gedanken. Momentan geht für mich die Faszination weiterhin von den Verbrennern aus.

So – das war es von der EICMA. Kommt jetzt die Frage: Muss man DAS gesehen haben?

Darauf versuche ich metaphorisch zu antworten. Muss man in ein 3-Sterne-Restaurant essen gehen, wenn die Pommesbude nebenan oder die Dorfkneipe auch den Magen füllt und sättigt?
Man muss nicht! ABER – Wenn man sich etwas wirklich Beeindruckendes in Sachen Motorradmesse ansehen möchte, dann fährt man zum 3-Sterne-Restaurant EICMA. Diejenigen, denen „Hausmannskost“ ausreicht, die bleiben bei der Intermot und werden sicherlich auch satt.

Wir sehen uns – auf bald! Die nächste EICMA ist vom 5. – 10. November 2024.


Kaunertaler Gletscherstraße

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Heute machen wir mal ausnahmsweise keine Rundreise, die uns abschließend an unseren Ausgangsort zurückführt. Man muss auch mit liebgewonnenen Gewohnheiten brechen können. Ansonsten fühlt man sich irgendwann wie Bill Murray in täglich grüßt das Murmeltier.

Wobei wir hinsichtlich Murmeltier eigentlich bereits auf dem richtigen Weg sind – zumindest geistig.

Auf dem Weg in den Urlaub oder bei der Rückreise vergisst oder übersieht man häufig die Kleinode am Streckenrand, die eigentlich einen Besuch mehr als wert wären.

Genau ein solches asphaltgewordenes Schmuckstück schauen wir uns heute genauer an. Die Kaunertaler Gletscherstraße.

Für die Statistiker unter uns zunächst einmal die nackten Zahlen. Zur Höhe des Stilfser Jochs fehlen der Kaunertaler Gletscherstraße genau 8 Meter. Bis auf 2.750 Meter führt sie uns hinauf, bei einer durchschnittlichen Steigung von 5,1 %. Die maximale Steigung liegt bei 14 % und in den 29 Kehren erwartet uns eine grandiose Aussicht.

1980 eröffnete oben am Gletscher ein Skigebiet und diesem Umstand verdanken wir heute dieses herrliche Kurvenband im Kaunertal.


Von Fahrradfahrern wird die Gletscherstraße auch gerne genutzt. 1996 und 1999 war der Gipfel Ziel der Österreich-Rundfahrt, bevor die Kaunertaler Gletscherstraße von dem etwas steileren Kitzbüheler Horn verdrängt wurde. Vielleicht hat hier der wohlklingende Name Kitzbühel aber auch die entscheidende Rolle gespielt. Ende Juni jedes Jahr ermitteln immer noch die Hobbyradfahrer den „Kaunertaler Gletscherkaiser“. Ambitioniert muss man sagen.

Die ewigen Nörgler unter uns werden jetzt argumentieren, dass sie nicht für eine Alpenstraße bezahlen wollen. Die Tageskarte für ein Motorrad mit -2- Personen kostet aktuell 18,- Euro. Ich halte dagegen, dass dies gut investiert ist, da man zum einen bedenken muss, dass die Straße 365 Tage im Jahr offen gehalten wird und die Instandsetzung infolgedessen auch etwas kostet.

Außerdem scheint die Maut dazu zu führen, dass sich der Verkehr wirklich im Rahmen hält. Die 39 km Wegstrecke fahren sich entspannt und stressfrei. Keine Raser die versuchen ihre Zeiten zu verbessern und einen an den unmöglichsten Stellen überholen. Da kann einem der Gedanken kommen, dass eine Maut möglicherweise die Lösung für das überbordende Verkehrsaufkommen auf den Dolomitenpässen ist und für Entspannung in Sachen Unfallzahlen sorgen könnte. Okay – gerade habe ich mir tausende Feinde gemacht.

Irgendwann am Parkplatz unterhalb des Weißseeferners angekommen, kann man, als interessierter Besucher, eine Gletscherpalte besichtigen und sich zum Thema Gletscher von der Entstehung bis zum Abschmelzen kundig machen. Man kommt klüger wieder heraus als man hineingegangen ist. Also ist ein Besuch wärmstens ans Herz gelegt. Dies war jetzt kein metaphorischer Hinweis zur Klimaerwärmung.

Wichtig bei unseren Touren und bedeutender Bestandteil ist immer die Einkehr zur Nahrungsmittelaufnahme. Vorschlag und getestet von uns das Seepanorama Cafe. Echt lecker. Der Burger in dem Südtiroler Vinschger war wirklich schmackhaft und auch die Wildbratwurst hat gemundet.

Von einem guten Freund ebenfalls getestet: Das Gepatschhaus und hier das „Gröstl“.

Wir hatten bei unserem Besuch dass Glück und Vergnügen, dass die „Silvretta Classic“ ebenfalls den Gletscher als Ziel ausgewiesen hatte. An diesem Tag war das wie ein i-Tüpfelchen auf einen wunderbaren Ausflug.

Die Oldtimer hier oben zu sehen, zu bewundern und das vor der grandiosen Bergkulisse war einfach klasse.

Also – bei eurer nächsten Anfahrt über den Reschenpass nach oder von Südtirol, macht den Schlenker über das Kaunertal. Es lohnt sich!


Die Marmolada zum zweiten Frühstück

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Unzählige Varianten haben wir unmittelbar direkt vor unserer Haustür. Einfach klasse!

Also Varianten in Sachen Touren. Sei es mit dem Motorrad oder auch zu Fuß. Ein echtes Luxusproblem. Okay – die Tallage macht es meistens erforderlich bei der An- oder Zufahrt die gleiche Wegstrecke zu wählen, aber das ist zum gemütlichen Einrollen oftmals gar nicht verkehrt.

Raus geht es aus Schlanders in Richtung Meran / Bozen. Wir können hier unsere üblichen „Verdächtigen“ wählen und nutzen die Vinschgauer Staatsstraße bis Meran und in der Folge die „Mebo“ bis zur Ausfahrt Eppan. Das wäre die D-Zug Variante. Die andere Option ist runter von der „Mebo“ bei Lana und dann den Gampenpass bis Abfahrt Prissian. Auch die Route kennen wir bereits und rollen dann über kleine Landsträßchen bis Frangart

Hier sind wir dann bereits wieder auf unserer Strecke für die Weinliebhaber in Richtung Kaltern / Tramin.

Wir wollen aber hinüber auf die andere Seite, wo die Dolomitenriesen in Richtung Himmel wachsen und deshalb orientieren wir uns nach Auer / Neumarkt um dann der Beschilderung Fassatal zu folgen.

Kurvig geht es an Montan vorbei zum Passo San Lugano, den wir fast unbemerkt überschreiten und dann abwärts ins Val di Fiemme, der Hochburg des nordischen Skisports in Italien.

Man sieht bereits überall die Vorbereitungen in Sachen Winterolympiade. Die Neuerungen der Skisprungschanzen bei Predazzo und alles was an Infrastruktur für die Großveranstaltung notwendig wird.

Unser nächstes Zwischenziel ist bereits ausgeschildert und so haben wir in Sachen Orientierung kein Problem.

Es geht hinauf zum San Pellegrino Pass, der die Grenze zwischen den Regionen Trentino und Belluno bildet. Von Moena aus sind es nur ca. 11 km bis zum obligatorischen Hinweisschild und die Streckenführung ist moderat, aber landschaftlich sehr schön.

Übrigens hat der Pass nichts mit dem bekannten Sprudelwasser zu tun, obwohl die Namensgebung diese Vermutung natürlich zulässt. Wer zum Sprudel möchte muss in die Lombardei. Der Bereich der Passhöhe gehört zum Skigebiet Trevalli und dieses wiederum zum „Dolomiti Superski“. Infolgedessen ist der Pass ganzjährig befahrbar und im Winter ist hier oben einiges los.

Apropos – Forscher haben festgestellt, dass Spitzmäuse alle 2 – 3 Stunden Nahrung aufnehmen müssen um nicht zu verhungern. Dahingehend muss ich wohl eingestehen, dass ich genetisch eine Verbindung zu Spitzmäusen haben muss. Permanent „Kohldampf“. Ergo – wir kehren hier am Pellegrino noch zur Nahrungsmittelaufnahme ein und lassen uns die Pasta schmecken. Das Ragù di Cervo ist ausgezeichnet und kann mit dem vom Gaviapass mithalten.

Historisch sind wir hier oben, wie fast immer in den Dolomiten, im Frontgebiet des I. Weltkrieges. Wer Zeit mitbringt und entsprechend alpin gerüstet ist, der kann auf der Costabella einige Grabensysteme besichtigen. Dieser Bereich wurde ab Juni 1915 vom Deutschen Alpencorps wie eine Festung ausgebaut.

In Sachen Kurvenverlauf ist die folgende Abfahrt hinab nach Cencenighe ambitionierter als die vorherige Auffahrt und ebenfalls landschaftlich wunderschön. Bei unserer Tour waren hier Asphaltarbeiten im Gange und die frisch gefrästen Quer- und Längsrillen verlangten etwas Aufmerksamkeit.
Mit frischer Asphaltdecke dürfte dieser Streckenabschnitt der absolute Genuss werden.

Für uns geht es weiter über Alleghe und dem traumhaft gelegenen Lago di Alleghe vorbei nach Caprile und dann mit bis zu 15 % Steigung aufwärts zum Passo di Fedaia. Die Ladiner sagen Jouf de Fedaa. Der Pass liegt mit seinem schön gelegenen Stausee von knapp 2 km Länge zu Füßen der Marmolada, der Königin der Dolomiten. Mit 3.343 m Höhe ist die Marmolada, oder auf Italienisch Marmolata, auch der höchste Berg der Dolomiten.

Luftlinie sind wir jetzt nur ca. 11 km vom Pellegrinopass entfernt. Wie sein Pendant stellt der Fedaia die Verbindung zwischen Belluno und Trentino dar. Wer einen Blick auf die Karte wirft, der erkennt, dass unmittelbar nördlich von uns jetzt der Pordoi verläuft und damit die bekannte und „überlaufene“ Sella-Ronda. Wir haben es hier vergleichsweise ruhiger und genießen entspannt sowohl Strecke als auch Umgebung.

Vor gut hundert Jahren war hier oben mit Entspannung nicht sehr viel. Die Marmolata war das höchste Gefechtsfeld der damaligen Dolomitenfront. An anderer Stelle habe ich, was die menschliche Ideenvielfalt angeht, bereits Stellung bezogen. Hier muss es wieder einmal sein. Ein österreichischer Leutnant, der Herr Leo Handl Kommandant der Bergführer-Kompanie, hatte hier oben eine Anlage geschaffen, die als „Eisstadt“ später ein Begriff wurde.

In den Gletscher zogen die Österreicher bis Beginn des Jahres 1917 ein dichtes Tunnelnetz mit kompletter militärischer Logistik ein. Natürlich eine Meisterleistung. Aber für was? Hätte die Menschheit einen ähnlichen Entwicklergeist und Enthusiasmus für die medizinische Forschung, wie für den Zweck sich gegenseitig umzubringen, es gäbe seit Jahrhunderten keine nennenswerten Krankheiten mehr.

Auf der Marmolata können interessierte Besucher im Museum des I. Weltkrieges noch Fundstücke aus der Zeit in Augenschein nehmen. Die Wunden, die dieses Ereignis schlug, tragen heute noch zu dem angespannten Verhältnis der Region Südtirol zur Regierung in Rom bei. Ein berühmter Mann hat einmal gesagt: Die Zeit heilt keine Wunden, sondern verdeckt nur die Narben.

Vielleicht ist es auch manchmal hilfreich daran zu denken, dass wir ALLE in der gleichen Sprache lachen. Und wer miteinander lacht, der schießt in den seltensten Fällen aufeinander.

Für uns geht es irgendwann wieder abwärts ins Fassatal. Im Winter auch eine Hochburg für nordische Skisportler und oftmals auch Austragungsort von internationalen Wettkämpfen. Landschaftlich schön ist es allemal und zu jeder Jahreszeit.

In Pozza di Fassa ist es höchste Zeit für eine Gelato-Pause, die wir dann unmittelbar in die Eisdiele Leon d`Oro verlegen. Empfehlenswert, weil sehr lecker. Die Spitzmaus erwähne ich an dieser Stelle jetzt nicht mehr.

In Vigo di Fassa geht es dann rechts ab und aufwärts zu einem alten Bekannten, dem Karerpass. In dieser Fahrtrichtung gefällt mir der Karerpass besser, als aus Richtung Bozen – Eisacktal. Er fährt sich irgendwie harmonischer und landschaftlich hat man auch mehr zu bestaunen.

Oben angekommen stellt sich wieder einmal nicht die Sinnfrage, sondern was sagt unser Zeitfenster?

Waren wir heute morgen schon sehr zeitig unterwegs und der „Hintern“ lässt noch eine Ergänzung in Sachen Tageskilometer zu, dann rollen wir jetzt rechts ab, unter den Gipfeln des Rosengartens vorbei auf den Nigersattel.

Die Gattung der Spitzmäuse kann jetzt hier, kurz hinter der Seilbahn zur Kölner Hütte, an der Tscheiner Hütte einen Halt einlegen und Nahrung aufnehmen. ODER die Wegstrecke talabwärts fortsetzen und in Höhe Bozen in Richtung Ritten zur Buschenschänke Baumann abbiegen.

Wir rollen heute ausnahmsweise den direkten Weg, abwärts über Karersee, Welschnofen hinunter ins Eisacktal und an Bozen vorbei auf die Mebo.

Auf unserem Heimweg Richtung Schlanders findet sich auch für die Spitzmäuse noch ausreichend Gelegenheit einen sinnvollen Stopp einzulegen. Wer da Bedarf an Adressen hat – einfach bei mir melden.

Viel Spaß beim Nachfahren.



Misano = Motori, impressioni, emozioni

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Seit Dezember 2022 ist unsere neue Heimat Italien, konkret Südtirol, was für die meisten Südtiroler etwas grundlegend anderes ist.

Hier fühlen wir uns angekommen, angenommen und im tiefsten Herzen vom Gefühl her zu Hause.

Was wir aber wirklich mit Italienern gemeinsam haben, also einmal abgesehen von der ausgeprägten Liebe zum guten Essen, ist die Liebe zum Motorsport. Zumindest wenn die Räder des zu bewegenden Fahrzeuges hintereinander stehen und das Fahrzeug einspurig ist.

Über Jahre oder besser Jahrzehnte auf den Sachsenring sozialisiert war jetzt eigentlich nur die Frage: Fahren wir nach Mugello oder Misano den Motorrad-WM-Lauf anschauen?

Misano hat den internen Wettbewerb bei uns gewonnen und wir haben uns, unweit vom Misano World Circuit Marco Simoncelli, in einem schönen Hotel an der Küste einquartiert. Das Hotel Napoleon in Gabicce Mare wurde unsere Basisstation für das Rennwochenende.

Das vormalige Autodromo di Santamonica hat nach dem tödlichen Unfall von Marco Simoncelli in Sepang 2011 dessen Namen angenommen. An solchen Gesten kann man bereits erkennen wie italienische Rennsportfans ticken. Hier steht „Passione“, die Hingabe, im Vordergrund. „Super Sic 58“ hatte zu Lebzeiten polarisiert, eine große Fangemeinde und stammte aus Cattolica, einem Ort unweit der Rennstrecke. Da war die Umbenennung der Rennstrecke schon beinahe Formsache.

Und da sind wir bei den „Emozioni“, den Emotionen, die man wahrscheinlich in Sachen Motorradrennsport nur in Italien findet. Da ist dann zwischen den ganzen Firmen am Rennwochenende auch ein Stand der Marco Simoncelli Foundation zu finden und die Freundin von Marco, Kate Fretti, steht persönlich am Stand und erklärt den Fans die Hintergründe und Ziele der Foundation.

Stellt Euch einmal vor Elfriede, die Frau von Reinhold Roth, wäre vor Jahren bei einem deutschen Grand Prix mit einem solchen Stand am Sachsenring oder Nürburgring gewesen? Kein Mensch hätte sie erkannt und interessiert hätte es wahrscheinlich noch weniger.

Als Stammplatz für unser Misano-Wochenende hatten wir uns einen Sitzplatz auf der überdachten Tribüne C auserkoren.

Wie es sich später herausstellen sollte, war das eine sehr gute Idee.

Ende 2006 wurde die Strecke von Misano grundlegend umgebaut und seither in umgekehrter Richtung zum vorherigen Verlauf, also im Uhrzeigersinn gefahren. Wer seine „Lieblingsstrecke“ schon einmal „umgekehrt“ gefahren ist, der wird wissen, dass dies oftmals ein komplett anderes Gefühl hinterlassen kann. Der Kurs ist seitdem 4,2 km lang und mittlerweile wird in der Moto GP ein Renndurchschnitt von fast 164 km/h erreicht. Nicht von schlechten Eltern!

Apropos nicht von schlechten Eltern. Die Siegerliste in Misano seit den ersten Rennen liest sich wie das „Who is who“ der Besten der Halbliterklasse respektive der Moto GP. Da tauchen, um nur einige zu nennen, die Namen meiner alten Helden Kenny Roberts sr., Freddie Spencer, Eddie Lawson, Franco Uncini und Mick Doohan auf.

Natürlich auch „Gottvater“ Valentino Rossi, Casey Stoner und Marc Marquez.

Der neue Dominator heißt „Pecco“ Bagnaia und der stand bei uns unter besonderer Beobachtung. Hatte er doch am Rennwochenende zuvor einen heftigen Sturz hingelegt. Anschließend fuhr ihm der KTM-Pilot Brad Binder noch ungewollt über die Beine. Dinge die die Welt nicht braucht.

Aber jetzt zum eigentlichen Thema, denn wir wollten EUCH ja hinreichend Tipps mit auf den Weg geben für ein Rennwochenende in Misano.

Mit ausschlaggebender Grund für den Zuschlag Misano statt Mugello war: Stabiles Sommerwetter Anfang September an der Adria und der Großraum Rimini, Cattolica und Gabicce Mare hat eine Vielzahl von Hotels. Ergo – in einem findet man immer Platz.

Unser Tipp, weil nachhaltig getestet: Hotel Napoleon in Gabicce Mare. Direkt am Meer gelegen, unmittelbar zentrumsnah zu einer Vielzahl von Lokalitäten zur nahrungstechnischen Versorgung UND: Hoteleigene Fahrräder!

Ich sehe im Geiste die erstaunten Blicke beim Lesen und das Runzeln der Stirn. Was hat der denn jetzt geraucht oder eingeworfen?

LEUTE – Ihr kommt am Trainingssamstag und erst recht am Rennsonntag kaum mit dem Auto oder der Maschine von den Parkplätzen weg. Nervtötender Stau ist angesagt und den umgeht man wie?

RICHTIG – man fährt mit dem hoteleigenen Fahrrad gemütlich in einer knappen halben Stunde bis unmittelbar an die Tribüne. Bindet das Fahrrad Marke „Hexe aus dem Westen aus Alice im Wunderland“ an irgendein Schild oder eine Umzäunung und marschiert fröhlich pfeifend auf seinen Tribünenplatz. Weltklasse!

Wir waren auf der Tribüne C. Auserkoren wurde diese wegen der Überdachung. An unserem Wochenende hatte es konstant um die 30 Grad im Schatten. Problemfeld – auf den meisten Tribünen ist definitiv KEIN Schatten und man fühlt sich bereits nach einer Stunde wie ein Ossobuco bei Niedriggartemperatur im Backofen.

Tribünen A, B, C schön überdacht und bei Sitzreihe relativ mittig genießt man bei angenehmen Temperaturen das Training und die Rennen.
Rundherum gibt es in diesem Tribünenbereich einiges zu schauen. Im Gegensatz zum Sachsenring ist Misano eine permanente Rennstrecke. Insofern haben sich dort einige Firmen und Händler mit Bezug zum Rennsport angesiedelt.

Wenn man dann komplett durchgedreht ist wie euer werter Erzähler, dann kauft man eben am Rennsonntag, weil noch eine Stunde Zeit ist bis zum ersten Rennen, im Ducatistore zwei neue Helme, weil es gerade 40 % Sconti gibt.

So – jetzt noch abschließend die Tipps in Sachen: Wo geht man zielsicher in Gabicce Mare essen?

Also richtig schlecht ist es eigentlich nirgendwo. ABER – RICHTIG GUT ist es im Ossi di Seppia
und im Ristorante Anna.

Hiermit unsere absoluten Einkehrtipps für ein Rennwochenende in Gabbice Mare.

Damit sind wir auch schon am Ende mit unseren Tipps für einen Misanoaufenthalt am Moto-GP-Wochenende. Ihr könnt also buchen.

Wir sehen uns – Ci vediamo, a presto!

Und Platz Nr. 1 ist ………

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Oftmals setzt oder stellt man sich ein Ziel und bei genauerer Betrachtung stellt man dann fest: Hoppla. Bis zu deinem eigentlichen Ziel liegt oder steht dir da aber einiges im Weg.

Dann kann man zu dem Schluß kommen, das mit dem eigentlichen Ziel einfach zu lassen, weil „zu anstrengend“. ODER – man sieht es als Anreiz und sagt: Was für ein toller Tag liegt da vor uns. Besser kann es doch gar nicht mehr kommen.

Genau ein solcher Tag liegt heute vor uns. Wir wollen auf den Gaviapass.

Kurzer Blick auf die Karte gefällig? Dem geneigten Betrachter wird sofort klar, soweit er Motorradfahrer ist, der Weg kann nur über den Umbrailpass und den Stelvio nach Bormio führen.

Da jetzt sicherlich jemand den „Klugscheißermodus“ anwirft und mich darauf hinweisen möchte, dass es Stilfserjoch heißt – Ist mir bekannt. Aber heute führt uns unser Weg über die Südwestrampe abwärts nach Bormio und dann ist es für mich der Stelvio.

Warum ist jetzt unsere heutige Anfahrt zum Ziel Gaviapass ambitioniert?

Der Umbrailpass ist mit seinen 33 Kehren und 2.503 m Höhe der höchste asphaltierte Straßenpass der Schweiz. Das Stilfserjoch mit 2.757 m der höchste asphaltierte Gebirgspass Italiens. Und die heute gewählte Südwestrampe steht mit ihren 39 Kehren den berühmten 48 Kehren der Nordseite nur unwesentlich nach.

Was hier de facto heute an KEINER Stelle zu kurz kommt ist die Aussicht, die wir genießen werden. Denn die ist mit phänomenal eigentlich nur unzureichend beschrieben.

Los geht es von Schlanders hinein in das Münstertal und dann aufwärts zu unserem ersten Protagonisten des heutigen Tages – dem Umbrail. Der Zugriff von der Schweizer Seite ist hier lediglich einseitig, weil auf der Südseite der Pass an der Stilfser Jochstraße endet und somit auf italienischer Seite unmittelbar bei den ehemaligen Zollstationen.

Zu unserer Linken können wir die etwa 3 km entfernte Passhöhe vom Stilfser Joch sehen. Wir biegen rechts ab nach Bormio und bleiben dann unweit auf einem Schotterparkplatz für einen Fotohalt stehen. Leute – Der muss sein. Ein Blick zum Niederknien. Einfach schön. Wenn das jetzt keine Endorphine auslöst und das Herz höher schlagen lässt, der ist kein Mensch. Oder man hat vergessen sich am Leben zu freuen – kann auch sein.

Die Kurvenkombinationen, die wir von oben schon bewundern können schwingen wir im Anschluss entspannt nach unten Richtung Bormio.

Der weitere Weg und damit unser heutiger Schwerpunkt der Tour, der Gavia, ist von Bormio aus leicht zu finden, weil bereits frühzeitig ausgeschildert.

Laut prähistorischen Funden nutzten Menschen diesen Übergang zwischen den beiden Gipfeln Corno die tre Signori (3.360 m) und Monte Gavia (3.223 m) bereits seit der Steinzeit. Für uns stellt er heutzutage den asphaltgewordenen Traum von Bormio im Valtellina ins Val di Sole nach Ponte di Legno dar.


Zunächst geht es für uns die Nordrampe aufwärts. Nach jeder Kehre, nach jeder Geraden, Ausblicke für die Ewigkeit und ein traumhafter Blick in die Berge.

Nach ca. 16 Kilometern legen wir eine Pause an einem kleinen Parkplatz ein. Blickfang ist hier ein pyramidenförmiges Monument mit einem großen Bronzeadler auf der Spitze. Denkmal für die gefallenen Soldaten im I. Weltkrieg, denn auch der Bereich um den Gavia war Schauplatz der furchtbaren Kämpfe zwischen den österreichischen Kaiserjägern und den italienischen Alpini. Im August 2004 fand man noch die gefrorenen Leichen von 3 Kaiserjägern unterhalb des Gipfels auf 3.400 m. Was hat sich die Jugend Europas und der Welt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angetan. Oder besser – was haben hasserfüllte alte Männer ihrer Jugend angetan. Hoffentlich haben wir aus unserer Geschichte ausreichend gelernt.

Die damals hier kämpfenden Einheiten werden wohl keinen Blick dafür gehabt haben, aber das Bergpanorama ist einfach fantastisch. Egal wohin man schaut majestätische Bergriesen, die auf einen niederblicken: Was störst Du kleines Menschenkind uns in unserer Ruhe?


Wir legen jetzt erst einmal eine Verpflegungspause im Rifugio Arnaldo Berni ein. Das Gasthaus hat seinen Namen von einem der italienischen Einheitsführer der Alpini, der seit einem Kampfeinsatz am 3. September 1918 als vermisst gilt. Die Leiche von Kapitän Berni wurde nie gefunden. Vielleicht geistert er noch hier oben in den Bergen herum und sucht seine Einheit. Schließlich wimmelt es auf Burgen auch von unsteten Schloßgespenstern.

Wir genießen jetzt die angenehm kühlen Temperaturen auf 2.560 m Höhe und ebenfalls unsere Pasta. La Nonna hat uns Tagliatelle Ragu di Cervo zubereitet. Wir können euch mitteilen: Der Hirsch ist nicht umsonst gestorben. Echt lecker und hiermit die Einkehrempfehlung von Flying Haggis am Gavia.

Nach dem zwingend erforderlichen Espresso fahren wir weiter Richtung Gipfel und dem Rifugio Bonetta. Wir müssen einfach noch eine Fotopause machen. Die Ausblicke sind einmalig. Wir sind jetzt auf 2.652 m.

Die folgende Abfahrt vom Gavia über die Südrampe sollte mit Bedacht angegangen werden. Irgendwie schweift der Blick immer wieder kurz ab in die wunderschöne Umgebung und dies verträgt sich nicht unbedingt mit der schmalen Streckenführung. Zwei Motorräder passen gut aneinander vorbei. Hat man als entgegenkommendes Fahrzeug einen breiten PKW oder ein Wohnmobil, dann kann es durchaus zur ungewollten Kaltverformung von Anbauteilen führen.

Im unteren Streckenabschnitt, bereits in den Lärchenwäldern, hängt ein Wohnmobil mit gefährlicher Neigung abwärts im Hang. Die Insassen glücklicherweise bereits aus dem Fahrzeug, in Erwartung eines „qualifizierten“ Abschleppunternehmens. Wir trauen uns beim Vorbeifahren nicht einmal zu husten.

Ponte di Legno ist erreicht und nun geht es in Richtung Passo Tonale. Der ist jetzt nicht aufregend und man überquert die Passhöhe im Grunde genommen in einer Ortslage. Besser gesagt in einem riesigen Skigebiet. Jahrmarktatmosphäre. Vom Gefühl her irgendwie gruselig aber die Geschmäcker sind ja unterschiedlich – zum Glück.

Wir sind jetzt im Val di Sole und erfahrene Anderstourer kennen nun die folgende Streckenführung.

Heimweg ist angesagt und der führt uns in Richtung Lago Santa Giustina und Gampenpass. War es eben auf dem Gaviapass mit 22 Grad noch angenehm temperiert, kommen wir uns nun vor wie ein Eintopf  im Thermomix auf Gartemperatur. Außentemperatur wird angezeigt mit 38 Grad. Letzte Hoffnung – Eisakku aus der Kühltasche im Topcase.

Also doch noch eine kurze Getränkepause am Gampenpass und dann schwungvoll abwärts nach Lana und die Vinschgauer Straße heimwärts nach Schlanders.

Was soll ich sagen? Ein Traum war es heute und mein Favorit auf der hauseigenen Pässeliste, der Albulapass, hat einen Megakonkurrenten bekommen: Der GAVIA.

Besser konnte es gar nicht kommen – also viel Spaß beim Nachfahren!

Julier oder Origen heißt Ursprung

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Ich hatte es ja bereits vor Wochen angekündigt. Ich bin ein Fan vom Albulapass geworden und hatte versprochen, dass wir uns wiedersehen. Versprechen muss man schließlich halten und wir verbinden unser Wiedersehen mit einer Etappe, deren Mittelpunkt eigentlich der Julierpass sein wird.

Das hat auch seinen Grund, weil es gibt am Julier noch etwas zu sehen, dass bald nicht mehr zu sehen ist. Dazu kommen wir aber gleich.

Wollen wir von Schlanders in die Schweiz haben wir eigentlich (fast) immer einen routinemäßigen Start und Streckenverlauf. Über das schöne Städtchen Glurns hinein in das Münstertal und dann aufwärts zum altbekannten Ofenpass.

Er eignet sich einfach wunderbar zum „Einrollen“ und im Anschluss ist man unten in Zernez „warm“ für weitere Aufgaben und Herausforderungen.

Zunächst folgen wir dann dem Flußlauf und der Beschilderung nach St. Moritz. Bei La Punt Chamues biegen wir nach rechts ab, aufwärts zum Albulapass. Also diesmal umgekehrt zur Fahrtrichtung unserer „Schweizer Runde“.

Im Gegensatz zu unserer ersten Begegnung zeigt sich der Albula heute komplett schneefrei. Was geblieben ist? Die himmlische Ruhe und eine Landschaft zum Dahinschmelzen.

Was ist neu hinzugekommen? Am Hospiz wird uns ein Schweizer Klischee erfüllt. Wir werden tatsächlich von Schweizer Alphornbläsern begrüßt. Die sind allerdings eher wegen eines zeitgleich stattfindenden Radrennens hier oben, passen aber irgendwie wunderbar in das Bild.

Bei unserer ersten Runde zum Albula haben wir ja bereits den Geschichtsunterricht absolviert. Der Pass ist eine alte Postroute nach Venedig und wurde über Jahrhunderte von den beiden Gemeinden La Punt und Bergün instand gehalten.

Noch ein kurzer Rundumblick zum genießen, natürlich mit Erinnerungsfotos und dann geht es für uns die 1.300 m abwärts nach Tiefencastel.

Über Savognin und an dem Lai da Marmorera (1.684 m) vorbei führt nun unser Weg hinauf auf den Julierpass. Weitestgehend ist der Julier sogar ganzjährig befahrbar und verbindet das, auf 851 m Höhe, recht tiefgelegene Tiefencastel mit dem Ort Silvaplana (1.815 m) im Oberengadin.

Oben auf der Passhöhe steht der Besucher dann zunächst einmal etwas erstaunt und begutachtet auf knapp 2.300 m einen roten Turm mittendrin im Nirgendwo.

Eigentlich muss man aber gar nicht derart erstaunt sein, denn bereits die Römer hatten hier oben nachweislich einen Jupitertempel erbaut und für das Mittelalter ist eine christliche Kapelle verbürgt.

So neu ist also die Idee, die nun der „Origengründer“ Giovanni Netzer hatte gar nicht. Er erbaute den Turm im Jahr 2017 und nun, also 2023, soll er wieder abgebaut werden.

Origen ist ein rätoromanischer Begriff und bedeutet so viel wie „Ursprung“. Und zu seinem Ursprung sollte wohl die Kunst in jedweder Form wieder zurück. Noch ursprünglicher als hier oben auf dem Pass kann kein Theater der Welt mehr sein. Alles was einen Kunstinteressierten begeistert von Ballett über Gesang und Malerei hat hier stattgefunden. Meiner Meinung nach eine wunderbare Idee und auch gut umgesetzt.

Irgendwie hat uns dann der Hunger übermannt und wir haben uns dazu hinreißen lassen unterhalb der Passhöhe etwas zu essen. Muss man nicht machen, wenn man nicht ansonsten Gefahr läuft Auf Grund vom „Hungerast“ von der Maschine zu fallen. Lieber die Nahrungsaufnahme verschieben auf unsere bekannte Lokalität am nächsten Pass.

Irgendwann reißen wir uns dann wieder los und fahren in Richtung des wohlklingenden Ortsnamens St. Moritz. Nur kurz lassen wir die Fassaden der alten hochherrschaftlichen Häuser auf uns wirken und folgen lieber der Beschilderung in Richtung Berninapass.

Unseren alten Bekannten den Bernina fahren wir wieder aufwärts. An Pontresina vorbei, mit dem einmaligen Blick auf den Piz Palü, Piz Bernina und Morteratschgletscher geht es hinauf in das Berninamassiv.

Haben wir es ohne Verpflegung bis hierhin geschafft, dann kehren wir jetzt in das kleine Restaurant Cambrena ein. Denkt an unseren „alten Tipp Capunet“.

Einige Kehren abwärts geht es dann über den Forcola di Livigno hinein in die Ortslage Livigno. Kurz auf die Tankuhr schauen und dann nochmals den Bottich füllen.

Beim Einkaufen im zollfreien Livigno daran denken: Beschränkungen auf 200 Zigaretten oder 50 Zigarren und bei hochprozentigem Alkohol auf 1 Liter pro Erwachsenen. Dieser Tipp erfolgt von einem lebenslangen Nichtraucher und jemandem der Hochprozentiges nicht verträgt.

Unser Weg führt uns jetzt durch den mautpflichtigen Munt la Schera Tunnel hindurch und wir treffen dann auf unseren alten Bekannten den Ofenpass.

Der Rückweg ist nun klar. Abwärts ins Münstertal und dann gen Heimat nach Schlanders.

Es hat etwas für sich das Leben in einem „Dreiländereck“. Wir kennen es noch von unserer alten Heimat und der Variante Deutschland / Frankreich / Luxemburg. Jetzt heißt es für uns Italien / Österreich / Schweiz und wir genießen jeden Moment und jede Tour.

Es hilft. Man wird weltoffener und toleranter und lässt auch Andere und Anderes neben sich gelten. Aber das ist natürlich nur meine Meinung. Und Meinung ist das Billigste was man auf unserem Planeten haben kann, denn eine Meinung hat Jeder.

Viel Spaß beim Nachfahren und beim Nachfühlen!

Oh Madonna!

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Auf geht es Leute. Wir machen wieder einmal eine Runde und werfen heute einen Blick ins Trentino und auf die Brenta-Dolomiten. Also geht es zunächst auf der für uns zwischenzeitlich altbekannten Route in Richtung Meran und dann bei Lana rechts ab in das Ultental. Ich mag die Strecke, weil sie ruhiger ist als der Gampenpass, der doch oftmals einiges an Verkehr aufweist und insofern besondere Achtsamkeit benötigt.

Wir orientieren uns bei der Beschilderung in Richtung Proveis und kommen so automatisch über die Hofmahd, einen 1.781 m hohen Gebirgspass. Wir sind also schon höher als beim Gampen oder Mendel. Die Passhöhe ist übrigens bereits im Trentino.

Dabei durchqueren wir auch einen längeren Tunnel, der uns am heutigen, wirklich brütend heißen Tag, eine angenehme Abkühlung verschafft.

Wir sind nun im Val di Non und haben bald einen schönen Blick auf den Lago di Santa Giustina. Ursprünglich der Energieversorgung gewidmet ist der See heutzutage auch Sport- und Erholungsgebiet. Nicht nur für die unmittelbare Region.

Von der Beschilderung her orientieren wir uns nun in Richtung Passo Tonale. Wir sind auf der SS 42 und folgen parallel dem Flusslauf des Noce, der in der Nähe des Gaviapasses entspringt. Der Noce ist der bedeutendste westliche Nebenfluss der Etsch.

Wer ganz zeitig am Morgen aufgebrochen ist, der kann kurz vor Male noch in das Val di Rabbi abbiegen und sich die Ponte Sospeso, eine mehr als 100 Meter lange und auf ca. 60 Meter Höhe freischwebende Hängebrücke, anschauen.

Die Spätaufsteher biegen mit uns in Höhe Dimaro links ab in Richtung Madonna di Campiglio. Es geht für uns hinauf auf den Passo Campo Carlo Magno.

Der 1.662 m hohe Pass oberhalb von Madonna di Campiglio hat seinen Namen von der Legende, dass Karl der Große bei seinem Kampf gegen die Langobarden diesen Pass im Jahr 787 überquert haben soll. Ob Karl hier oben auf der Passhöhe, wie wir, eine Pause eingelegt hat ist nicht überliefert. Erinnerungsfotos hat er sicherlich nicht „geschossen“.

Weiter geht es dann in Richtung des mondänen Wintersportorts Madonna di Campiglio. Motorsportfans kommen da direkt die Vorstellungen des Ferrari-Teams in den Sinn und natürlich von den Ducati-Werksteams. Kaiser Franz Josef und seine Gattin die Kaiserin Sissy, die ja schließlich Namensgeberin unserer „dicken KTM“ ist, weilten ebenfalls bereits hier. Aber irgendwie gewinnt man in Südtirol das Gefühl, dass es keinen Ort gibt in dem Sissy nicht irgendwie präsent war.

Wir rollen schwungvoll an Madonna di Campiglio vorbei. Irgendwie sind uns kleine verschlafene Bergdörfer lieber als die „Pseudo-Hot-Spots“ wie Cortina d`Ampezzo oder jetzt hier Madonna di Campiglio. Jeder wie er es mag.

Was wir mögen ist eine schöne Landschaft und die haben wir in Hülle und Fülle bei unserer weiteren Streckenführung. Rechts von unserer Route liegt der Adamellogletscher und links von uns türmen sich auch die Bergriesen auf. Alle jenseits der 2000er Marke mit einem grandiosen Blick.

Wir sind jetzt im Val Rendena, können diesem bis Tione di Trento folgen oder folgen bei Spiazzo der Beschilderung zum Passo Daone.

Beide Routen führen uns alsbald zum Flusslauf des Sarca, dem wir parallel folgen. Knappe 80 km Länge hat der Sarca, der im Gletschergebiet des Adamello entspringt um letztendlich im Gardasee zu münden. Wer also jetzt „hineinfällt“ landet über kurz oder lang an der Mündung in Riva del Garda.

Aber wir haben es ja gerne etwas ruhiger und beschaulicher. Also bei Comano Terme links ab und wieder bergauf, der Beschilderung zum Molvenosee folgend.

Die Route ist wieder wunderschön sowie etwas abgelegen und wir kommen zum wirklich traumhaft gelegenen Molvenosee, der geradezu zu einer Pause mit entsprechenden Fotos einlädt.

Der Molvenosee ist mit seinen Maßen von 4,5 km Länge und 1,5 km Breite der größte natürliche Alpensee über 800 m Meereshöhe. Ein italienischer Dichter hatte ihn einmal als „edlen Stein in noch edlerer Schatulle“ bezeichnet. Schöner kann man es nicht mehr beschreiben. Also lasse ich jetzt auch jeglichen Versuch.

Der See verfügt auch über einen vielfältigen Fischbestand. Insofern testen wir das umgehend und lassen ihn uns schmecken. Zur Nachahmung empfohlen.

Wer einen Blick auf die Karte geworfen hat, der hat sicherlich bereits gemerkt, dass wir schon auf dem Rückweg sind. Vom Molvenosee führt er uns zunächst in Richtung Spormaggiore.

Vor der Ortschaft kommen wir noch unmittelbar an der Burgruine des Castel Belfort vorbei. Bei der Vielzahl an Burgen und Schlössern in und um Südtirol ist es irgendwie schon fast nichts Besonderes mehr derartige Baudenkmäler zu sehen. Aber ich liebe einfach schöne und spannende Geschichten. Im 15. Jahrhundert herrschte hier auf dieser Burg der Cristoforo Reifer. Wie in Adelskreisen nicht unüblich litt der gute Mann an Anfällen von Wahnsinn und Verfolgungswahn. Dies ließ ihn an der Treue seiner „dritten Gattin“ Orsola zweifeln, die er daraufhin fast umbrachte. Noch heute soll der „arme verwirrte Mann“ als Geist in den Ruinen umherschweben auf der Recherche für die Untreue seiner Gattin. Merke: Kein Schloss ohne sein hauseigenes Gespenst.

Schön kurvig geht es nun abwärts bis wir auf die wenig spektakuläre SP 73 stoßen. Sie ist nun kurz unser Begleiter auf dem Rückweg zum Stausee St. Giustina.

Über Sarnoninco fahrend folgen wir jetzt der Beschilderung Passo Palade /Gampenpass. Der war zwischenzeitlich bereits mehrfach unser Begleiter bei den Touren und kommt uns auch heute gerade recht mit seinem entspannten Arrangement an Kurven. Mal etwas weiter, mal etwas enger, mit flotter Kurvenfolge. Einfach schön, aber gerade an Wochenenden stark frequentiert.

Zum einfach schön gehört aber auch noch eine zünftige Einkehr hinzu. Die genehmigen wir uns entweder im Berggasthaus Natz oder im Restaurant Bad Gfrill.

Beides absolute Toppadressen und egal wo ihr jetzt einkehrt liegt ihr de facto richtig.

Also nochmal eine leckere Mahlzeit genießen oder Eis oder Kuchen und dann nehmen wir die restlichen Meter in Angriff in Richtung Lana und Meran.

Unser Rückweg ist dann wie üblich die Route auf der Staatsstraße in Richtung Reschenpass und Schlanders, die wir entspannt und mit vielen Eindrücken gemütlich entlangrollen.

Viel Spaß beim Nachfahren!

Haben Sie etwas zu verzollen?

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Heute machen wir uns wieder auf den Weg zu einer wunderschönen Runde. Eigentlich sind alle unsere Touren auf ihre Art wunderschön, aber die heutige hat wieder einmal etwas Besonderes.

Zunächst besuchen wir die Eidgenossen und rollen aus Schlanders hinaus in grobe Richtung Reschenpass um alsbald der Beschilderung in die Schweiz bzw. Taufers im Münstertal zu folgen.

Unsere bekannten Anlaufstellen in Glurns lassen wir dabei außer Acht, da wir noch einiges an Kilometern vor uns haben. Genuss pur – versprochen.

Der erste Pass für heute ist unser alter Bekannter der Ofenpass, den wir mit Schwung nehmen und unseren Weg in Richtung Zernez fortsetzen.

Die folgende Orientierung fällt uns wirklich leicht und funktioniert auch ohne Navigationssystem. Einfach der Beschilderung nach St. Moritz folgen.

Falls jemandem etwas bekannt vorkommen sollte, dann liegt es wahrscheinlich an dem Umstand, dass wir diese Route bei unserer Rückfahrt vom Albulapass genommen haben. Das ist aber Schnee von gestern. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Bei Samedan ist dann bereits Pontresina und der Berninapass ausgeschildert. Also schlagen wir uns links ab in die Berge. Kaum zu glauben, aber Pontresina liegt bereits auf 1.805 m in einem Seitental des Oberengadins unweit des Berninamassivs mit seinen zwei bekanntesten Gipfeln dem Piz Palü und dem Piz Bernina. Der ist mit seinen 4.049 m der höchste Gipfel der Ostalpen. Allemal beeindruckend was sich hier vor einem auftürmt. Garniert das Ganze mit dem Blick auf den Morteratschgletscher.

Laut Fachleuten soll der Morteratsch vor ca. 10.000 Jahren bis nach Pontresina gereicht und eine dicke Eisschicht von 150 m umfasst haben. Vor ca. 7.000 Jahren soll dieser Bereich der Ostalpen aber auch schon einmal komplett eisfrei gewesen sein. Klimawandel gab es also schon immer. Vielleicht nehmen wir Menschen uns, wieder einmal, zu wichtig. Der Planet wird mit dem Problem fertig. Sowohl mit dem Problem Klimawandel als auch mit dem Problem Mensch. Einfach einmal mit einem Dinosaurier sprechen.

Für uns geht es weiter aufwärts auf den Passo del Bernina, der das Bündner Land in der Schweiz mit dem italienischen Veltlin verbindet. Nicht wundern, wenn sich auf unserem Weg ein weiteres „Schweizer Klischee“ erfüllt und einem mit der Berninabahn auf dem Weg zum Gipfel eine Schweizer Eisenbahn begegnet. Sie ist UNESCO-Weltkulturerbe seit 2008 und mit ihren 7 % Steigung eine der steilsten Adhäsionsbahnen der Alpen. Die Höchste ist sie ohnehin. Eine Adhäsionsbahn, auch Reibungsbahn genannt, ist eine Eisenbahn, deren Antrieb alleine über die Haftreibung der Räder erfolgt. Zahnradbahnen können das Ganze noch ein paar Prozente steiler.

Auf der Passhöhe ist erst einmal Pause angesagt. Der Blick ist einmalig und muss natürlich für das digitale Poesiealbum verewigt werden.

Außerdem sind wir bereits eine Weile unterwegs, soll heißen der Feinkostcontainer ruft nach einer Füllung. Das kleine und gemütliche Restaurant Cambrena auf der Passhöhe lacht uns regelrecht an.

Also nichts wie auf die Terrasse und eine Portion Capunet bestellt. Die Schweizer Spinatspätzli werden mit gewürfelten Kartoffeln, Knoblauch und mit Käse überbacken in einem Topf serviert. Wie bei der Schweizer Oma zu Hause und schmecken wirklich köstlich. Also – Empfehlung von Flying Haggis bei einer längeren Pause auf dem Bernina.

Gut gestärkt geht es dann weiter über den Forcola di Livigno hinein in das Tal des Zollausschlussgebietes Livigno. Schöner Nebeneffekt – wir tanken ohne Mehrwertsteuer die Maschine nochmals auf. Insbesondere die Architektur der kleinen Steinhäuschen wirkt auf uns oftmals wie aus der Zeit gefallen. Einfach schön und an unserem Besuchertag war das Tal auch nicht überlaufen.

Im Winter ist Livigno eine Langlaufhochburg. Die Gemeinde tritt auch als Sponsor bekannter Wintersportler*innen auf.

Wir wollen weiter und wenden uns in die grobe Richtung nach Bormio. D. h. für uns wieder aufwärts auf den Passo d`Eira und Foscagno. Den Eira übersieht man gerne, weil einem auf dem Weg über den Foscagno gar nichts anderes übrig bleibt als darüber zu fahren.

Die Wegstrecke ist wieder ein absoluter Traum. Streckenführung schön und die Ausblicke einmalig.

Wer am Morgen wirklich zeitig losgefahren ist und insofern noch ein ausreichendes Zeitfenster zur Verfügung hat, der kann bei Isolaccia in der Ortslage noch in Richtung Passo di Fraele abbiegen und zum Lago di Cancano aufwärts fahren. Da es eine Sackgasse ist bedeutet dies irgendwann wieder denselben Weg zurück.

Wir folgen kurz vor Bormio der Beschilderung in Richtung Stilfserjoch und fahren wieder bergauf.

Wenn man hinauf auf den Gipfel schaut und bedenkt, dass sich im Winter die Abfahrerelite, wie das Südtiroler Idol Dominik Paris, hier den Abfahrtshang des Stelvio bis fast in die Ortslage hinabstürzen, wird mir allein beim Gedanken schlecht. Aber jeder wie er es mag.

Wir fahren also den Stelvio aufwärts, könnten bei der Abzweigung kurz vor der Passhöhe nochmals einen Schweizer Schlenker über den Umbrail machen, was wir aber nicht tun und rollen auf die Passhöhe.

Dort gönnen wir uns noch zwei Cappuccini und wedeln dann das Stilfserjoch auf der Südtirolerseite abwärts in Richtung des namensgebenden Ortes Stilfs. Bei Prad sind wir dann nur noch wenige Kilometer auf der Staatsstraße von unserem Ausgangspunkt Schlanders entfernt. Ein Katzensprung.

Und dann lassen wir wieder die Tour bei einem guten Essen oder einem schönen Glas Lagrein auf der Terrasse Revue passieren. Schön war`s.

Viel Spaß beim Nachfahren!