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Machen wir uns also nochmals auf den Weg. Eine kleine Runde – ABER verbunden mit großen und tiefen Eindrücken.

Wo geht es heute hin? Einfach überraschen lassen und hinaus aus Schlanders in Richtung Rechenpass.

In Schluderns halten wir uns in der Ortslage nach links und folgen der Beschilderung nach Glurns. Glurns ist mit seinen knapp unter 1.000 Einwohnern die kleinste Stadt der südlichen Alpen, was aber nicht bedeutet, dass wir es unbeachtet lassen sollten. Schon auf den ersten Blick können wir nämlich erkennen, dass wir es bei den Bewohnern mit einem äußerst wehrhaften Völkchen zu tun haben. Eine mittelalterliche Wehrmauer ziert die kleine pittoreske Stadt und drei Tortürme weisen dem Reisenden den Weg hinein in das schöne Städtchen.

Was muss man noch gesehen oder besucht haben? Die Bäckerei Schuster in der Ortslage. Ihr wisst ja mittlerweile, dass euer werter Erzähler „ausgesprochen verfressen“ ist. Der Chef backt das wunderbare Palabirnenbrot, allein das ist schon die Pause und einen Einkauf wert. Wenn man dann schon dabei ist passt auch das gute Vinschger Urpaarl und die leckeren Krapfen und Gipfel noch in den Tankrucksack.

Weiter geht es in Richtung Münstertal und über Taufers hinein in die Schweiz. Ja – so nah sind wir dran an den Eidgenossen. Sportbegeisterte kennen das Münstertal oder auch Val Müstair aus dem Wintersport.

Das Münstertal ist die Heimat von Dario Cologna, dem bis dato einzigen Langlauf-Gesamtweltcupsieger aus der Schweiz. Vier Goldmedaillen bei Olympiaden und ein WM-Titel zeigen, dass hier ein Ass im Langlauf zu Hause ist. Das Münstertal war auch, natürlich wegen Cologna und seinen Erfolgen, bereits mehrfach Austragungsort von Rennen bei der Tour de Ski.

Im Winter also Eldorado der Skilangläufer und im Sommer sind die Wanderer hier zu Hause UND natürlich auch wir. Auf einer schönen ruhigen Strecke in Richtung Santa Maria im Münstertal.

Übrigens – wenn wir das Münstertal weiterfahren kommen wir über den Ofenpass und können durch einen Tunnel an den Lago di Livigno und von dort über den Passo d`Eira und Passo Foscagno nach Bormio. Warum sage ich das? Weil wir die Runde zu einem späteren Zeitpunkt drehen werden und ich euch nur ein wenig die Nase langmachen wollte.

Heute geht es für uns in der Ortslage von Santa Maria links ab und aufwärts in alpinen Höhen. Der Umbrail ruft und für mich ist er einfach ein traumhafter Alpenpass. Der Umbrail ist mit 2.503 m der höchste Schweizer Straßenpass. Ja – richtig gehört. Vergesst Grimsel, Susten, Furka und Co.

Mittlerweile sind die 14 Kilometer auch komplett asphaltiert und die -33- Kehren bieten einen besonderen Reiz. Fahrerisch schön und stressfreier als….. Aber dazu kommen wir noch.

Also aufwärts und dem Himmel entgegen, bis uns an der Kreuzung die alles entscheidende Frage trifft: Nach rechts in Richtung Bormio oder nach links und die paar Meter hinauf zum Stilfserjoch?

Wir fahren hinauf zum Stilfserjoch oder Stelvio wie er für die Italiener heißt und auf dessen Namen Modelle von Moto Guzzi und Alfa Romeo hören.

Das Stilfserjoch – der König der Alpenpässe. Mit dem wunderbaren Blick auf den König Ortler. Eine tolle Ansammlung an königlichen Majestäten. Der Blick hinüber zum Ortler ist traumhaft. Der Blick von der anderen Seite hinüber zum Stilfserjoch ebenfalls.

Versteht mich an dieser Stelle bitte nicht falsch. Aber ein König hat für mich eine spezielle Würde. Der Ortler hat diese Würde. Nur mit einer gewissen Vorbereitung und mit einem gewissen Können sollte man die letzten 900 m von der Payerhütte hinauf zum höchsten Berg der Südtiroler Alpen in Angriff nehmen.

In den Sommermonaten hat das Stilfserjoch für mich in den Sturm- und Drangzeiten irgendwie seine Würde verloren. Der Trubel und der Andrang, insbesondere zur Mittagszeit hat für mich den Charme von der Drosselgasse in Rüdesheim oder dem Oktoberfest in München.

Eine Audienz bei einem König macht man auch nur, wenn man gerufen wird und es ihrer Majestät Recht ist. Also hinauf zum König der Alpenpässe in den frühen Morgenstunden, so gegen 07:00 Uhr oder am Abend, wenn die meisten Touristen beim Abendmahl in ihren Hotels sitzen – so ab 19:00 Uhr.

Jetzt hat der König wieder seine Würde. Man kann den Blick und die Ruhe genießen und vielleicht noch ein schönes Foto vom König der Lüfte – dem Bartgeier vom Stelvio schießen.

Wer hier eine Pause braucht und wem der Trubel zu viel ist, der fährt einfach einige der Spitzkehren talabwärts und macht im Berghotel Franzenshöhe Rast. Deutlich ruhiger und bei einer passenden Speisekarte kann man hier eine Pause genießen.

Wer noch fit ist wartet einfach bis zu unserem „regulären Halt“.

Verfahren können wir uns hier nicht mehr. Einfach talwärts halten und hinunter bis zur Staatsstraße, die uns bereits heute am Morgen zur Anfahrt diente. In Laas fahren wir aber diesmal ab und rollen zum Cafe Greta. Das ist unser heutiger Einkehrtipp und ich verspreche euch: Ihr werdet nicht enttäuscht. Einfach gemütlich und eine tolle Auswahl an geschmackvollen Torten und Kuchen. Das einzige Problem, das Euch hier erwartet ist: Nehme ich jetzt wirklich nur ein Stück Kuchen oder doch direkt zwei?

Das war es jetzt auch schon Leute, denn Schlanders und damit der Endpunkt der Tour ist nur noch ein Steinwurf entfernt. Wir sehen uns und ich freue mich auf Euch. Auf bald. Und denkt daran: Audienz bei ihrer Majestät dem König der Pässe ist in den frühen Morgenstunden oder am Abend.