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Zum Themenfeld „Originale“ hatte ich ja bereits einen Beitrag vor etwas längerer Zeit.

https://flyinghaggis.net/2015/11/27/originale-oder-die-besondere-spezies-motorradfahrer/

Von daher wird es höchste Zeit sich um ein weiteres Original zu kümmern und es gibt wohl kaum Einen der diesen Begriff eines Originals mehr verkörpert als unser Gunnar.

Schaut man bei den Szenetreffs oder auf den Parkplätzen an Rennstrecken nach den dort geparkten Motorrädern, dann sieht man fast nur neues Material. Es hat sich viel getan auf dem Sektor Motorrad in den letzten Jahren. Technische Helferlein haben Einzug gehalten und erleichtern den Treibern die Handhabung. Alles gut – es trägt mit zu unser aller Sicherheit bei.

Bei Gunnar ist alles anders. Beim Thema Motorrad hat er ein Funkeln in den Augen. Die pure Lebensfreude und der pure Spaß, gepaart mit Interesse am Objekt Motorrad, der Technik und dem Thema fahren.

Aber diese Freude hängt bei Gunnar überhaupt nicht mit irgendwelchen technischen Neuheiten und Errungenschaften auf dem Motorradmarkt zusammen. Damit kann er irgendwie gar nichts, aber auch so wirklich gar nichts anfangen. Bei ihm darf ein Motorrad ruhig vibrieren und eine dementsprechende Geräuschkulisse entwickeln. Das sind zwar alles Maschinen, aber auch irgendwie lebendig. Und so wundert es den Besucher auch nicht sonderlich, wenn man als Gast das Wohnzimmer von Gunnar und seiner Frau Gertrud betritt.

Wo man vielleicht bei anderen Leuten eine Designercouch von Rolf Benz antreffen würde oder eine Skulptur, da steht bei Gunnar eine Moto Guzzi 750 S aufgebockt und fahrfertig im Wohnzimmer. Irgendwie ja auch eine Skulptur und eine italienische obendrein.

Der absolute Hingucker. Wahrscheinlich war der Adler aus Mandello unmittelbar nach Verlassen der Fabrikhallen nicht in einem derartigen Topzustand wie jetzt, hier zu Hause, bei Gunnar. Wie frisch aus dem Ei gepellt steht SIE da die Guzzi, als Blickfang mitten in der Wohnung. Von dieser Baureihe, die unmittelbar vor der 850er Le Mans entstand, wurden nicht viele Maschinen gebaut. Nur ein paar Hundert haben den Weg zum Endverbraucher gefunden.

Irgendwie wundert es mich jetzt auch kein bisschen, dass ich in einer Ecke das Instrumentenbrett der berühmtesten deutschen Jagdmaschine aus dem II. Weltkrieg finde. Wie selbstverständlich hängen da die Armaturen der Messerschmidt ME 109.

Mit einem vorsichtigen Blick vergewissere ich mich ob nicht noch ein Baker-Schleudersitz als Fernsehsessel zu finden ist. -Fehlanzeige-. Wahrscheinlich habe ich Gunnar jetzt auf eine Idee gebracht und Gertrud gibt mir Tiernamen.

Italien mag er. Die italienischen Motorräder mag er auch. Also müssen zwangsweise ebenfalls Produkte aus Borgo Panigale im Fahrzeugbestand sein. Natürlich keinesfalls mit einem Zahnriemen. Sollen Ducatis stilecht bewegt werden, dann sollten SIE auch über eine Königswelle verfügen, die dann das Herzstück der Desmodromik ist.

Also finden wir eine alte 900er Mike Hailwood Replica genauso vor, wie eine alte 1000er S 2.

Die Mike Hailwood Replica ist ein 83er Modell, aber bereits mit der Verkleidung der 84er Baureihe. Schön steht SIE da, reduziert auf das Wesentliche, was die ersten Modelle ausgezeichnet hat, also nur mit ihrem Kickstarter.

Aus Bologna ist auch noch eine 1000 S 2 in Gunnars Besitz. Man kann sagen, dass diese Ducati aus dem Jahr 1985 eine absolute Rarität ist, denn Moto Thome, der bekannte Ducatihändler aus dem bergischen Land, hat seinerzeit hier Hand angelegt und die Maschine optimiert für den Rennstreckeneinsatz. Kein Gramm zu viel am Rahmen steht SIE da, wie neu aus dem Laden.

Euer Flying Haggis fühlt sich wie im siebten Motorradhimmel. An den Wänden hängen Bilder von Ausfahrten mit dem stolzen Besitzer, der natürlich mit Halbschale auf diesen Modellen unterwegs ist. alles andere wäre für ein „Windgesicht“, wie Gunnar eines ist, ein Stilbruch.

Aber da gibt es ja noch eine Manufaktur aus bella Italia, die richtig schöne und schnittige Motorräder hergestellt hat und die darf im Fahrzeugbestand von Gunnar natürlich nicht fehlen. Eine 1000 C 3 von Laverda in dem firmentypischen orange steht in der Garage. Die erste 1000er aus dem Hause Laverda und Vorläufer der bekannteren Jota-Modelle. In der Langstreckenszene waren die Laverdas wegen ihrer standfesten Motoren beliebt.

Ein Brot- und Buttermotorrad hat Gunnar natürlich auch im Fahrzeugbestand. Eine alte BMW R 60/5 steht da noch in der Garage und hat viel zu erzählen. Bei größeren Urlaubstouren wurde nämlich die BMW als „Maultier“ genutzt, da sie im Vergleich zu den Italienerinnen doch ein Mindestmaß an Komfort in die Waagschale werfen konnte. So kann die „Gummikuh“ auch von der ein oder anderen Tour u. a. auf den Balkan in den 90er erzählen.

Gunnar ist ohnehin ein Weltenbummler und das war auch immer mit dem Thema Motorrad eng verbunden. So waren er und seine Frau Gertrud schon 1983 mit „dem ersten richtigen Motorrad“ einer Yamaha XS 400 mit Sack und Pack, sprich Zelt, Schlafsack, Rucksack und Gepäck bis hinunter nach Portugal.

Richtig Ruhe findet unser Gunnar mit seinen jetzt bald 59 Lenzen aber nicht. Das neueste Projekt steht noch „gestrippt“ in der Garage. Ursprünglich hörte das was man da sieht auf den Namen BMW R 100 S. Wenn SIE fertig ist und das kann nicht mehr lange dauern, dann steht da eine BMW Scrambler made by Gunnar. Wahrscheinlich würde man jede BMW Ninety dafür stehen lassen.

Und dann kommt es so, wie es unter Motorradfahrern häufiger vorkommt. Es wird bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen Benzin geredet. Abschließend steht schon lange bei mir fest. Wenn Gunnar kein Original ist, dann gibt es in diesem Sonnensystem keine Originale mehr. Wahrscheinlich wurde genau für ihn der Begriff geprägt.

 

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