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Manchmal muss ich schmunzeln und irgendwie bedauere ich dann mein Gegenüber. Wenn ich voller Begeisterung von einer Wanderung oder einer wunderbaren Motorradtour erzähle und dann folgende Antwort erhalte:

„Dafür habe ich nicht genug Zeit!“

Man hat IMMER genug Zeit. Die meisten Menschen nutzen sie nur nicht richtig. Fragt einfach mal jemanden auf dem Sterbebett ob er noch Arbeit auf seinem Schreibtisch liegen gelassen hat?

Es wird ihm in diesem Moment herzlich egal sein. Was ihm / ihr wahrscheinlich nicht egal ist, ist der Umstand, dass der ein oder andere Traum den man hatte nicht in die Tat umgesetzt wurde. Genau nach diesem Prinzip versuche ich zu leben und es gelingt jeden Tag besser. Wenn euer werter Erzähler irgendwann die Augen zum letzten Mal schließt, dann wird es mit einem Grinsen im Gesicht sein: „Alles gemacht, was Dir Spaß und Freude bereitet hat. Sogar das letzte Glas Rotwein ausgetrunken!“

Bis dahin dauert es noch eine ganze Weile und deshalb lassen wir uns heute wieder Zeit für eine wunderbare Tour in unserer neuen Heimat. Erstes Zwischenziel von unserem Startort in Schlanders ist das Ultental. Und so rollen wir uns zunächst einmal auf der Staatsstraße in Richtung Meran langsam ein.

An der Forstbrauerei vorbei, es ist noch zu früh für ein leckeres „Sixtus“, geht es bei Marling ab auf die Gampenstraße. Für uns geht es aber noch nicht auf den Gampenpass, sondern in der Ortslage Lana ins Ultental.

Aufgepasst Leute. Bergauf stehen vor den schönen ersten beiden Kurven zwei „Starenkästen“, von denen man nie weiß welcher materiell bestückt ist. Also Vorsicht mit dem rechten Handgelenk und dosiert bergan.

Ich mag das Ultental und die Streckenführung, sowie die Landschaft. Einfach wunderbar zum Einrollen. Das Ultental ist auch die Heimat von Dominik Paris, dem Speedspezialisten in Sachen Abfahrt und Super-G der italienischen Alpinmannschaft. Pardon – des Südtiroler Abfahrtteams.

Wir haben zwar unseren Wohnsitz nach Südtirol verlegt, das bedeutet aber nicht, dass wir mit lieben Gewohnheiten brechen. Wir haben es gerne ruhig und deshalb orientieren wir uns hinter dem Stausee und noch vor St. Walburg nach links Richtung Proveis.

Wir fahren über die Hofmahd mit wunderbarer Aussicht ins Ultental und Laurein in Richtung Forcella di Brez.

Die Hofmahd verbindet das Ultental mit dem Nonstal und der höchste Punkt liegt auch etwa 200 m höher als der Gampenpass. Verkehrstechnisch ist natürlich der Gampenpass die Hauptverbindungstrasse. Die Hofmahd ist aber „viel ruhiger und weniger befahren“ und deshalb sind WIR hier. Übrigens – die Passhöhe liegt schon im Trentino.

Das sich anschließende Brezer Joch verbindet die Orte Laurein und Proveis im Westen mit den östlich gelegenen Ortschaften Fondo und Castelfondo.

Die Fahrradfahrer haben die Forcella di Brez schon länger für sich entdeckt und so begegnen uns die ein oder andere Gruppe aber auch ambitionierte Solisten. Herrliche Ausblicke, eine wunderbare Route komplett frei von Hektikern, die ihre Urlaubstour dazu nutzen ihre Liste an „Alpenpässen abzuarbeiten“.

Hinein nach Fondo ins Nonstal und kaum merklich aufwärts zur Passhöhe des Gampen. Jetzt nimmt der Betrieb merklich zu.

Ach ja – noch etwas hat sich nicht geändert. Mindestens eine leckere Pausenstation muss sein, ansonsten ist bei einer meiner Anderstouren etwas komplett schiefgelaufen.

Also machen wir talabwärts in einer wunderbaren 180 Grad-Linkskurve am Gfrillerhof Pause, kehren ein und genießen ein leckeres Essen oder einen feinen Eisbecher. Dabei können wir noch die unterschiedliche Linienwahl der Motorradfahrer begutachten, die von Lana aus hinauf zum Gampenpass streben. Eine typische Applauskurve, die es wahrscheinlich an jedem Pass gibt. Irgendwie bin ich an den Besucherhang in Breidscheid am Nürburgring erinnert. Einige Protagonisten geben alles.

Gestärkt geht es dann weiter abwärts in Richtung Lana und wir haben am Kreisverkehr in der Ortslage eine schöne Runde absolviert.

Je nachdem wie es unser Zeitfenster zulässt kann man noch nach Meran hinein und die Gärten von Schloss Trauttmansdorff besichtigen oder jetzt der Forstbrauerei einen Besuch abstatten.

Dann geht es über die Staatsstraße wieder zurück nach Schlanders. Wahrscheinlich ist dabei unser letzter Gedanke: Angenehm ruhig war es heute! Die Hofmahd und die Forcella di Brez haben schon ihre Vorteile.