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Kategorien-Archiv: Nachdenkliches & Provokantes

Das war ein Fehler

27 Freitag Nov 2020

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Nachdenkliches & Provokantes

≈ 4 Kommentare

Schlagwörter

Erfahrungen, Fehler, Reinhold Roth

Oscar Wilde sagte einmal: Erfahrung ist nur der Name, den wir der Summe unserer Fehler geben.

Wenn man also im Laufe seiner Jahre ein gewisses Erfahrungswissen angehäuft hat, dann heißt das im Umkehrschluss, dass hier auch einiges an Fehlern passiert ist.

Gut zu wissen! Insbesondere für diejenigen Menschen, die für sich und ihre Handlungen gerne eine Form der Unfehlbarkeit in Anspruch nehmen. Eigentlich sind die Grenzen zur Dummheit nur dann überschritten, wenn man ein und denselben Fehler permanent wiederholt ohne seine Lehren daraus zu ziehen.

Ich habe einige Fehler in meinem Leben gemacht, aber auch daraus gelernt. An einen speziellen Fehler musste ich dieser Tage aber wieder einmal denken, denn ich hatte ein altes Album durchgeblättert und bin über eine Autogrammkarte „gestolpert“.

Ihr wisst ja mittlerweile zu Genüge, dass der Rennsport und dabei speziell alles im Zusammenhang mit zwei Rädern auf mich eine besondere Faszination ausübt. Und mit unseren deutschen Protagonisten hatte ich immer ganz besonders mitgefiebert.

Über Jahre war die 250ccm-Klasse so etwas wie eine deutsche Domäne. Da waren immer deutsche Fahrer in dem nahen Umfeld der Favoriten unterwegs, welches um den WM-Titel mitfuhr.

Einer dieser Fahrer war Reinhold „Jointie“ Roth. Den Spitznamen „Jointie“ hatte sich der Amtzeller durch seinen regen Nikotinkonsum verdient und der begleitete ihn auch durch sein gesamtes Rennfahrerleben.

Reinhold Roth war einfach ein Sympathieträger. Da wurde nicht geprotzt oder geprahlt. Nach guten Rennen kam als erstes der Dank an das Team und die Mechaniker, die ihm ein tolles Motorrad für das Rennen hingestellt haben. Seine eigene Leistung stellte er nie in den Vordergrund.

Ich kann mich noch gut an ein Fernsehinterview erinnern nach seinem ersten Sieg 1987 in Le Mans. Roth fuhr damals (wie passend) für das HB-Team von Dieter Stappert in der WM und seine Maschine wurde von dem Guru der Motorradmechaniker Sepp Schlögl gewartet. Also – man sah einen strahlenden Reinhold Roth, der emotional berührt vom glücklichsten Tag in seinem Leben sprach. Nur Sekunden später sah man den gedankenverlorenen Blick von „Jointie“ Roth und sein Kopfschütteln. Und dann kam eine für Reinhold Roth so typische Aussage:

„NEIN – das war jetzt Quatsch was ich da gesagt habe. Mein glücklichster Tag im Leben war, als ich meine Frau Elfriede geheiratet habe!“

1987 wurde Roth Vizeweltmeister – direkt hinter Toni Mang. 1989 wurde er erneut Zweiter in der 250er-WM. 1990 sollte endlich der langersehnte und hochverdiente WM-Titel her. Es hätte niemanden gegeben, der es Reinhold Roth nicht gegönnt hätte. Aber das Schicksal kann oftmals ein richtiges Arschloch sein.

Am 17. Juni 1990 kämpften drei deutsche Fahrer Helmut Bradl, Martin Wimmer und Reinhold Roth mit um den Sieg beim Großen Preis von Jugoslawien in Rijeka. Die Drei laufen bei einsetzendem Regen auf den langsam auf der Ideallinie fahrenden und überrundeten Australier Darren Milner auf, der eigentlich zu seiner Box fahren wollte.

Die drei Führenden Carlos Cardus, John Kocinski und Luca Cadalora zirkeln an dem rollenden Hindernis vorbei. Auch Bradl und Wimmer können gerade noch dem Australier ausweichen und Reinhold Roth, dem wahrscheinlich durch die beiden Vorderleute die Sicht versperrt war, knallt in das Heck von Darren Milner.

Die Verletzungen sind gruselig. Das Rückgrat wird ihm in die Schädelbasis gestaucht und die medizinische Versorgung vor Ort eine Katastrophe. Ca. 8 Minuten blieb er an der Unfallstelle ohne Sauerstoff, weil ein entsprechendes Gerät im Rettungsfahrzeug fehlte. Bis heute ist Reinhold Roth ein Pflegefall.

Aber das alles könnt ihr auch an anderer Stelle nachlesen und ist den Rennfans, zumindest den Alten, unter euch bekannt.

Ich kam an diesem Sonntag am Abend von einer Motorradtour zurück und hörte dann die Meldungen im Fernsehen. Leute – ich war wie vom Donner gerührt! Natürlich könnt ihr jetzt sagen: Du sentimentaler Trottel – Wo ist dein Problem? Du hattest doch mit diesem Mann überhaupt nichts zu tun.

Aber irgendwie war das anders. Das Gefühl war einfach anders. Es war so, als ob einem guten Kumpel aus der Clique dieses Unheil widerfahren wäre. Mit genau diesem miesen Gefühl in der Magengegend und der brennenden Hoffnung, dass doch da oben irgendeiner ein Einsehen haben muss und dafür sorgen, dass der Mann bald wieder gesund und munter bei seiner Familie ist. So ein lieber Kerl.

Mein erster Gedanke war: Du setzt Dich jetzt hin und dann schreibst Du der Elfriede Roth einen Brief. All deine Gedanken, die Wünsche und die Hoffnungen. Das Du zwar nicht richtig helfen kannst aber in Gedanken dabei bist und alles Glück dieser Welt wünschst.

Und dann sprang da oben – da oben zwischen den Ohren – der rationale Apparat an: Die hält Dich doch für komplett bescheuert. Die kennt Dich doch gar nicht und denkt, da schreibt irgend so ein Spinner. Mach´ dich nicht lächerlich.

Das war ein Fehler!

Ich hätte auf mein Herz hören sollen und diesen Brief schreiben. Im Laufe der Jahre ist mir aufgegangen wie schön und wie hilfreich es sein kann, wenn man vollkommen unerwartet in einer „kritischen Lebenssituation“ eine Stütze von Menschen erhält und wenn es nur ein paar liebe Worte sind. Oftmals von Menschen, die man gar nicht so gut kennt. Dafür lassen einen dann die unbeachtet mit deren „Stütze“ man eigentlich gerechnet hatte. Das ist dann auch eine Erfahrung und wie wir ja wissen laut Oscar Wilde die Summe der gemachten Fehler.

Irgendwann habe ich dann mitbekommen, dass es ganz vielen Menschen in diesem Moment so gegangen ist wie mir. Elfriede Roth erhielt Post – viel Post. Von Menschen die in diesem Moment auf ihr Herz hörten und nicht, wie ich auf den Kopf und eben diesen Fehler nicht machten.

Aus Fehlern lernt man aber. Heute würde ich mich hinsetzen und schreiben. Vollkommen gleichgültig ob da jemand oder Dritte, die gar nicht die eigentlichen Adressaten sind, meine Zeilen als lächerlich empfinden. Gerade wir Motorradfahrer wissen, dass Herzensdinge oftmals Verstandesmenschen schwer verständlich zu machen sind.

Seid IHR jetzt etwa am überlegen? Dann geht in die Garage und schaut nach diesem völlig unnützen und gefährlichen Ding auf den zwei Rädern, das in eurer Garage steht. Wenn IHR „das Teil“ mit dem Verstand und nicht mit dem Herzen gekauft habt, dann ist etwas gravierend schief gelaufen.


Wir sind dem Untergang geweiht – ODER doch nicht?

13 Freitag Nov 2020

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Nachdenkliches & Provokantes

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Ohhh – Du wirst schon sehen ……..! Was ich genau sehen werde oder was mir möglicherweise blühen könnte ist dabei zunächst einmal Nebensache, denn so begannen oftmals Aussagen der „Altvorderen“.

Aber bereits mit dem Alter ist das ja so eine Sache, denn es ist kein Verdienst sondern lediglich so etwas wie ein Zeitstempel bei der Erfassung der Lebenszeit. Also keinerlei Angabe über Qualität der bisherigen Arbeit oder der Leistung. Ein hohes Alter beinhaltet auch keine Aussage hinsichtlich der erlangten Weisheit oder des Grades an Vernunft der bis dato erreicht wurde. Da habe ich nochmal Glück gehabt – denn, wie ich bereits ganz zu Beginn meines Blogs mitgeteilt habe, schreibt hier eine Art „Peter Pan“, der absolut keine Lust hat vernünftig und erwachsen zu werden.

Also steige ich jetzt ein in die Unvernunft und in mein heutiges Themenfeld, bereit für den Aufschrei des Entsetzens. Vielleicht ist es aber auch ein Freudenschrei und es bricht sich ein Gedanke Bahn bei dem ein oder anderen Leser*in.

Der Beginn unserer Motorradsaison 2020 war komplett überschattet vom sogenannten ersten Lockdown und dem ganzen Drumherum, der damit verbunden war. Motorradhändler geschlossen, nur Werkstattbetrieb freigegeben – es sah aus, als ob der Markt mit einem lauten Knall in sich zusammenbricht. Auf breiter Front düstere Mienen und in Funk und Fernsehen meldeten sich die qualifizierten Fachleute, die alten Weisen und die es sein wollen, zu Wort und prophezeiten, dass die Wirtschaft eine lange Zeit brauchen wird um sich von dieser Maßnahme zu erholen.

Erst langsam nahm die Sparte „Motorrad“ wieder Fahrt auf und irgendwie wirkte es zunächst, beginnend mit dem Monat Mai, auch etwas mühsam. Aber dann Leute ging, fast unbemerkt, die Post ab.

Allein im Monat September 2020 lag der Zuwachs bei den Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahr bei 50,71 %. Und das ist nur der Datenbestand der Motorräder. D. h. Roller und 125er sind herausgerechnet.

Bereits im Monat August lag der Motorradmarkt bei 166.027 Neuzulassungen in Deutschland und damit in Schlagdistanz zum Jahresende 2019. Im gesamten Vorjahr gingen nämlich 168.093 neue Maschinen über die Ladentheken der Händler. Die Messe „Vorjahresverkaufszahlen“ war dann im Monat September locker gelesen.

Was ist dabei zu beobachten? Nicht alle Hersteller scheinen von dem Boom zu profitieren. Da ist z. B. Harley-Davidson, die nicht auf ihre Vorjahreszahlen kommen. Hat da etwa der nette Mann mit dem Vogelnest auf dem Kopf seinen Landsleuten einen Bärendienst erwiesen mit America first und der dann folgenden Retourkutsche aus den boomenden Motorradmärkten in Europa und China?

Aber es sind auch noch andere große Namen zu nennen, wie z. B. BMW und Ducati. Bei BMW ist es sicherlich auch dem Umstand geschuldet, dass man als Marktführer mit hohen Umsatzzahlen eben auch einmal eine kleine Einbuße oder Delle im Markt ertragen muss und ein gleichbleibend hoher Level nur schwerlich auch permanent zu steigern ist. Das prozentuale Minus ist im tiefen einstelligen Bereich. Die höheren Preise der Produktpalette im Vergleich zum Vorjahr dürften das Loch locker gestopft haben. Und die große „GS“ führt weiterhin auf dem Topplatz die Statistik bei den Modellen an. Hier thront SIE seit ewigen Zeiten und vermittelt dem unkundigen Leser das Gefühl, dass diese Maschine wohl preislich ein wahres Schnäppchen sein muss.

Bei Ducati ist das permanente Auf und Ab schon beinahe Firmenphilosophie und nichts Besonderes.

Im Plus im Vergleich zum Vorjahr liegen z. B. Marken wie KTM, Kawasaki, Honda, Triumph und Royal Enfield. Hatte ich da nicht etwas gesagt in einem früheren Artikel? Wir sprechen bei dem Plus von einer Zahl Mitte der 30 %, also durchaus beachtlich. Die Continental GT 650 und die Bullet Electra werden verkauft und finden ihre Kunden*innen.

Hört, hört da liest man auch noch die Marke Zero. Hier gilt sicherlich in umgekehrter Form das was für BMW gegolten hat. Zero schrieb bislang keine hohen Absatzzahlen, aber dennoch ist es bemerkenswert, dass der Nischenanbieter in der Elektroszene jetzt seine Kunden gefunden hat.

Irgendwie kann man also feststellen, dass dieses Virus, welches uns heimsucht und zu Jahresbeginn eine Fiktion der wirtschaftlichen Apokalypse bei allen Fachleuten hervorgerufen hat, für den ein oder anderen Markt sogar eher Vorteile in sich birgt. Die Leute und damit der Markt geben weiterhin Geld aus. Nicht mehr so viel für die Urlaubsflüge ins Ausland und für Fernreisen, aber weiterhin für DAS was uns allen GUT TUT.

Und DAS ist u. a. auch eine schöne Tour mit der eigenen Maschine. Aber WIR Zweiradfahrer sind nicht die Einzigen, die Geld in die Wirtschaft werfen. LEUTE – schaut euch mal die Zulassungszahlen des KBA im Monat Oktober an und seht da nach dem Segment der Wohnmobile. Da steht ein Plus von 83,8 %. Im Monat September sagenhafte + 159,9%.

Also bleibt entspannt, wenn in den nächsten Wochen wieder irgendwelche Spezialisten und Fachleute den nahenden Untergang des Abendlandes prophezeien. So wie es aussieht fahren wir Deutsche dem im Sattel eines Motorrades lächelnd entgegen oder beobachten den Sonnenuntergang aus dem Alkoven eines Wohnmobils.

Der beste Platz für die Vergangenheit ist die Vergangenheit, denn wir können sie nicht mehr ändern. STOPP! Wenn wir clever sind können wir sie ein wenig manipulieren! Genießen wir doch einfach in vollen Zügen unsere Gegenwart, dann haben wir in der Zukunft eine wunderbare Vergangenheit.

Irgendwann ist auch einmal Schluss

02 Freitag Okt 2020

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Nachdenkliches & Provokantes

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Globalisierung

Das Jahr 2020 hat uns einiges gezeigt, insbesondere im Hinblick auf das Thema Globalisierung. Hatte die Pest im Mittelalter noch ein Weilchen benötigt, um sich flächendeckend in Europa auszubreiten, war dieses ominöse Coronavirus in Windeseile von China hier bei uns und hat Europa in einen verspäteten Winterschlaf versetzt.

Aber das ist jetzt gar nicht der Punkt auf den ich hinaus will. Viele Dinge waren einem, oder zumindest mir, gar nicht derart bewusst, wie SIE mir nun bewusst gemacht wurden.

NEIN – Toilettenpapier war nicht knapp! Aber urplötzlich waren einige Medikamente knapp und da hörte man, dass diese von unseren Pharmariesen im Zuge der Globalisierung der Märkte im „benachbarten Asien“ gefertigt wurden.

Als die Bänder weltweit stillstanden wurde einem klar aus welchen fernen Ländern unsere Firmen Ersatzteile oder Bauteile erhielten. Dieses kam aus China, jenes kam aus Indien, wieder etwas anderes aus Pakistan, Vietnam oder Thailand. ALLES unter dem Aspekt der Globalisierung und der Öffnung der weltweiten Märkte.

Also ihr Kunden dieser Welt – Legt den Kopf in den Nacken und dann lasst euch von den Marketingexperten der Firmen dieser Welt den feinkörnigen Sand in die Augen streuen!

Natürlich ist das auch Globalisierung ABER zum größten Teil ist es GEWINNOPTIMIERUNG!

Da werden nicht nur neue Märkte in Asien, Afrika und Südamerika erschlossen. Da geht es hauptsächlich darum, dass am Jahresende der Gewinn in den Kassen der Firmen noch größer ausfällt als er ohnehin schon war.


Da zieht eine britische Firma wie Triumph, die bekanntermaßen vor Nationalstolz fast platzen, von Hinckley mit der Fertigung nach Thailand. Von den 65.000 Modellen die jährlich gefertigt werden baut man nun ca. 60.000 in Thailand. Zuvor gab es bereits einen Zusammenarbeit mit Bajaj in Indien und Produktion in Brasilien.

Aber auch der österreichische Hersteller KTM hat die Vorteile der fleißigen asiatischen Hände entdeckt. So rollen ab 2021 die 790er und 890er Modelle aus dem Werk in Hangzhou bei CF Moto, dem chinesischen Partner von KTM. Hier werden auch bereits die aus Indien zugelieferten Teile der 200er und 390er Modelle für den chinesischen Markt zusammengebaut.

Auch die italienische Traditionsmarke Ducati hat die Vorteile der auswärtigen Fertigung bemerkt. Die Modelle für den europäischen Markt stammen zwar weiterhin aus Borgo Panigale – aber wie lange noch? Zwischenzeitlich kommt das Ducatiwerk in Thailand bereits auf 20.000 Einheiten. Das hat dann für einen überzeugten Ducatisti so viel mit Ducati zu tun, wie der Glückskeks beim Lieblingschinesen mit italienischer Antipasti.

Jetzt sollten die Besitzer der Modelle mit dem weiß-blauen Propeller nicht zu laut lachen, denn auch BMW produziert in Thailand. Und einige der hubraumschwächeren Modelle haben als Geburtsort China. Ich sage nur Kymco.

Zu guter Letzt erwähnen wir jetzt noch, dass auch die großen japanischen Vier Produktionsstätten in Thailand besitzen und von dort in der Zwischenzeit mehr Maschinen in den Export gehen, als aus dem Mutterland Japan.

NEIN – ich möchte an dieser Stelle nicht bezweifeln, dass Chinesen, Thailänder oder Koreaner nicht in der Lage wären Motorräder zusammenzubauen.

Was ich dreist finde ist, dass hier flächendeckend von unseren großen Herstellern Motorräder in Billiglohnländern gebaut werden, um ihre Produktionskosten zu senken. Wir, die Verbraucher und Käufer, merken aber an der Kasse beim Händler nichts davon. Hier werden weiterhin Preise aufgerufen, als ob die Maschinen von einem Band gelaufen sind, an dem ein gut bezahlter europäischer Monteur seine Arbeit verrichtet.

Gewinnoptimierung wohin das Auge auch immer schaut. Die ganzen Millionen, die seit Jahren in die Kassen sprudeln reichen einfach nicht. Da muss noch eine Null her – natürlich vor dem Komma. Und WIR, die wir unsere Passion Motorrad leben, wir zahlen.

Irgendwann in den frühen 60ern, da hatten die Engländer und Italiener und auch wir Deutsche uns über die kleinen japanischen Motorräder amüsiert und gelacht. Sogar die Beach Boys hatten in ihrem 64er Album All summer long der „kleinen Honda“ einen Song gewidmet. Wie ging noch der Refrain:

First gear, it’s all right (Honda, Honda, go faster, faster)
Second gear, I’ll lean right (Honda, Honda, go faster, faster)
Third gear, hang on tight (Honda, Honda, go faster, faster)
Faster, it’s all right.

It’s not a big motorcycle,
Just a groovy little motorbike.
It’s more fun than a barrel of monkeys.


Es dauerte nicht lange, da hatte keiner mehr amüsiert geschmunzelt und gelacht. Auf den Rennstrecken der Welt schlugen die Japaner ein wie eine Bombe und von den etablierten Namen wie Norton, BSA, Triumph, aber auch Gilera oder Moto Guzzi blieb nichts oder zumindest nicht mehr viel übrig.

Man hatte die „kleinen Konkurrenten“ unterschätzt und die hatten daraus Kapital geschlagen.

Aus meiner Sicht kann DAS wieder passieren und ich erwarte auch, dass es wieder passiert.

Schaut euch Royal Enfield an. Die indische Motorradmarke ist einer der größten Motorradhersteller der Welt. DIE haben ein Entwicklungszentrum in England geschaffen – nicht im heimatlichen Indien! Hier werkeln auch Ingenieure, die nicht vor allzu langer Zeit für eine englische Traditionsmarke gearbeitet haben, deren Produktion jetzt in Thailand ist. Ein Schelm der Böses dabei denkt.

Da drüben in Asien leben und arbeiten fleißige und auch geschäftstüchtige Menschen. Motorräder bauen ist kein Hexenwerk und auch japanische Hersteller haben mit Plagiaten von NSU oder MZ angefangen.

Hoffen wir jetzt einmal, dass sich unsere Schlaumeier in den Geschäftsetagen der berühmten europäischen Motorradfirmen mit ihren asiatischen Produktionsstätten keinen Bärendienst geleistet haben. Ganz schnell könnte es nämlich sein, dass annähernd baugleiche Modelle, nur unter anderem Firmenlogo und Namen ABER um einiges kostengünstiger auf dem Markt auftauchen. Und dafür gibt es auch in heutiger Zeit einen Absatzmarkt.

NSU-Fans oder MZ-Fans sind nahezu ausgestorben, wie ihre Marken und die Dinosaurier. Dass kann auch mit BMW, KTM, Ducati oder wem auch immer passieren. Vielleicht sind die zukünftigen Großen bald Kymco, Hyosung oder Royal Enfield.

Denn irgendwann ist einmal Schluss – mit der Gewinnoptimierung und wohl auch mit dem ein oder anderen großen Namen. Das kann dann passieren, wenn man den berühmten Hals nicht voll bekommt und es den Kunden letztendlich nur auf ein gutes Produkt ankommt und nicht auf DEN Markennamen.

Denk ich an Deutschland in der Nacht

22 Freitag Mai 2020

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Nachdenkliches & Provokantes

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Fahrverbote


dann bin ich um den Schlaf gebracht. Dieser berühmte Vers des deutschen Dichters Heinrich Heine geht mir über die Jahre immer häufiger durch den Sinn und gerade momentan geistert er durch meinen Kopf wie ein Gespenst.

Ein typisch deutsches Gespenst, denn wir Deutsche haben eine Tradition bei der Verfolgung von Minderheiten. Von Minderheiten deren einziges Trachten und Bestreben oftmals allein darin liegt ETWAS anders zu sein als die Norm. Aber wir Motorradfahrer/-innen können froh sein, dass wir im Deutschland des 21. Jahrhunderts leben. Ansonsten würden möglicherweise schon die Scheiterhaufen brennen oder WIR wären gebrandmarkt Bestandteil einer Weltverschwörung der Motorradfahrer zu sein mit dem Ziel die Weltherrschaft zu erlangen.

So sind wir lediglich bedroht möglicherweise unsere Maschinen nicht mehr an Sonn- und Feiertagen bewegen zu können. Eine Bedrohung die wie ein Damoklesschwert über uns schwebt. Unser Inquisitionsgericht ist allerdings der Bundesrat und hier bleibt erst einmal abzuwarten was unsere Herrn und Damen der politischen Fraktionen in die Gesetzgebung bringen möchten.

Auch ich habe mich einer der Petitionen angeschlossen, weil ich es als sinnvoll erachtet habe, obwohl ich glaube bereits zu wissen wie diese Farce ausgehen wird.

Spätestens unser höchstes Gericht, das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, wird diesen Humbug und verspäteten Aprilscherz bremsen und als das entlarven was es ist: Nicht verfassungsgemäss und komplett konträr zum Grundgesetz.

Ja – es ist richtig. Es gibt unter uns einige Menschen, die es aus welchen Gründen auch immer für notwendig erachten ihre Maschinen, respektive die Auspuffanlagen, lauter zu machen als es der Gesetzgeber erlaubt und auch lauter, als es unseren Mitmenschen passt.

Die gibt es aber unter den „Dosentreibern“ und Fahrern der „Bürgerkäfige“ ebenfalls. Auch da gibt es im Zubehör Soundanlagen, die den 6-Zylinder nach 8-Zylinder klingen lassen etc.

Fast immer habe ich dabei das Gefühl, dass die Fahrer dieser Fahrzeuge, ob es nun Motorräder oder Autos sind, geklont sind. Immer diese Typen, die ihre fahrbaren Untersätze als „Schwanzverlängerung“ (ich entschuldige mich jetzt schon für die Wortwahl) benötigen und als Markttplatzbremser auf sich aufmerksam machen wollen. Wie der röhrende Hirsch in der Brunftzeit.

Ganz sachte in Rage gekommen bin ich jetzt abgedriftet. Unser höchstes Gericht wird feststellen, dass man nicht so einfach eine komplette Gruppe von Menschen an Wochenenden und Feiertagen von der Nutzung ihrer Fahrzeuge ausgrenzen kann. Falls jetzt jemand mit dem LKW-Fahrverbot kommt – das ist eine komplett andere Baustelle und hat seine rechtliche Basis an anderer Stelle. Bei dieser Gruppe von Verkehrsteilnehmern die Motorrad fahren handelt es sich auch nicht komplett um die Störenfriede, die hier thematisiert werden sollen. Diese Störenfriede um die es im Kern eigentlich geht sind lediglich eine verschwindend kleine Teilmenge der Gesamtgruppe Motorradfahrer/-innen. Dieses komplette Wochenend- und Feiertagsfahrverbot wird kippen. Und das wissen auch die Verantwortlichen der Bundesländer, die den Humbug in den Bundesrat bringen.

Warum machen sie es dann? Weil am Ende dann doch übrig bleiben wird, dass Kommunen und Gemeinden, die besonders von der Lautstärke betroffen sind regionale Fahrverbote erlassen können und dieses Verfahren dann sicherlich einfacher von der Hand gehen wird als bisher.

Und dann hat es diese kleine Gruppe von Schwachköpfen doch noch geschafft UNS allen unser Hobby, unsere Passion zu erschweren. Verleiden werden sie nicht schaffen.

Vielleicht stellt dass Bundesverfassungsgericht aber auch noch etwas anderes fest. Das die Länder noch gar nicht ihre Möglichkeiten ausgereizt haben aus unserer großen Gruppe von Motorradfahrern diese Störenfriede herauszufiltern und entsprechend zu sanktionieren. Faktisch würde das bedeuten, dass die Rennleitung dann angewiesen wird an den besonders relevanten Strecken Geräuschmessungen und Verkehrskontrollen durchzuführen.

Damit könnte ich dann locker leben. Einmal, weil mich diese Krawallbrüder selbst maßlos stören UND weil ich an diesen Stellen wo die Szene sich gerne zur Schau stellt ohnehin nicht unterwegs bin.

So – ich bin bereit für die Diskussion. Ich hoffe sie bleibt halbwegs sachlich und man erspart sich die „Tiernamen“.

Und Was dann?

27 Freitag Mär 2020

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Nachdenkliches & Provokantes

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Corona, Soziale Kompetenz, Wir

Ich weiß – Es ist wahrscheinlich bereits Alles geschrieben worden und wahrscheinlich auch von jedem. Aber noch nicht von mir. Und deshalb musste ich mich jetzt an die Tastatur setzen und meine Gedanken irgendwie in Worte fassen.

Wir alle sind Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen. Uns eint unsere Passion und unsere Freude für das Fahren und für unsere Maschinen. Wir sind eine Gemeinschaft und auch die Anonymität gewöhnt, denn wir fahren in unserer Motorradkluft, sei es Leder- oder Textilkombi und haben einen Helm auf dem Kopf. Trotz dieser Anonymität fühlen wir uns aber aus den eben genannten Punkten verbunden. Deshalb grüßen wir uns auch, wenn wir uns begegnen. Die berühmte „Linke“ zum Gruß wird erhoben. Die oder Der mir gerade entgegenkommt teilt meine Hobby, meine Passion und denkt und fühlt wie ich. Der/Die MUSS in Ordnung sein.

Aber was passiert da gerade? Jetzt und wahrscheinlich auch in diesem Moment. Während sich gefühlt die ganze Welt das ganze Land Deutschland näher kommt, Verständnis für einander aufbringt und sich hilft, passiert bei uns, der verschworenen Gemeinschaft der Motorradfahrer genau das Gegenteil.

Zu Beginn hatte ich der ganzen Sache noch gar keine große Beachtung geschenkt. Es waren Momentaufnahmen. Okay, dachte ich, der ein oder die andere ist wahrscheinlich einfach etwas überreizt. Das wird sich geben. Es gibt sich aber nicht! 

Schaut man in die sozialen Medien, in die Gruppen in denen WIR uns tummeln, dann glaubt man seinen Augen nicht. Was hatte ich oben geschrieben? Wir sind die Anonymität gewöhnt, wir kennen und erkennen uns nicht auf der Strecke und grüßen uns trotzdem freundlich, weil uns unsere Passion eint? 

Von Einheit, von Gemeinschaft keine Spur mehr. Da wird in der Anonymität des Internets übereinander hergezogen und beschimpft, dass man an eine drittklassige Nachmittagsshow im Privatfernsehen erinnert ist. 

Stein des Anstoßes ist größtenteils das Problemfeld: Darf man in Zeiten des Coronavirus noch Motorradfahren oder nicht? Und die jeweils gegenseitigen Parteien fallen verbal übereinander her wie marodierende Landsknechtshorden im dreißigjährigen Krieg auf dem Schlachtfeld. 

Ich möchte jetzt an dieser Stelle nicht meine Auffassung zu diesem Thema äußern. Mir geht es darum, dass man, egal welche Meinung man vertritt, seiner Gegenseite mit dem nötigen Respekt begegnen sollte. Jeder hat (wahrscheinlich) Sachargumente die für ihn im Bezug auf das Thema bedeutsam und wichtig sind. Aber egal welche der Auffassungen man auch immer vertritt, es gibt keinen Grund die andere Seite zu beleidigen, zu beschimpfen oder ihr abzusprechen „ein echter Motorradfahrer oder Motorradfahrerin zu sein“. 

Vielleicht kommen wir in den nächsten Tagen und Wochen wieder hin zu diesem Punkt der Besinnung. Denn es gibt sicherlich Wichtigeres auf dem Planeten im Moment. 

Irgendwann wird ES aber vorbei sein und der Alltag und die Normalität kehrt wieder ein. Und für uns der Moment wo wir alle wieder auf unseren Lieblings-Landstraßen unterwegs sind. 

Und Was dann? 

Dann kommt uns der oder die Anonyme aus dem Internet, die wir massiv beleidigt haben, wieder anonym mit dem Helm auf dem Kopf entgegen. Und plötzlich geht wieder die Linke zum Gruß nach oben. 

Weil DAS ja einer von UNS ist!

Die Schwierigkeit der einfachen Wege und Lösungen

22 Samstag Feb 2020

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Nachdenkliches & Provokantes

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Die eiinfache Lösung, Sicherungen

So Leute – ich bin wieder da. Einige Wochen ziemlich außer Gefecht gesetzt sitze ich jetzt wieder über meiner Tastatur und schreibe euch die ersten Weisheiten für das Jahr 2020. Da gab es nette und kompetente Menschen im Chiemgau, die das Puzzle Flying Haggis zunächst auseinander gebaut und im Anschluss wieder ordentlich zusammengesetzt haben. Das Gesamtbild ist jetzt etwas anders als vorher aber ich bin mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Wie pflegte mein Vater doch immer so treffend zu sagen: Du kannst so alt werden wie eine Kuh und lernst doch immer noch dazu. Das ist jetzt sogar etwas poetisch.

Keine Angst. Die Passion Motorrad und alles drumherum ist geblieben. Und genau deshalb ist mir auch eine schöne Anekdote eingefallen, die irgendwie ganz passend ist im Bezug auf Betriebsblindheit und die damit verbundene Schwierigkeit die einfachen Lösungen zu finden.

Es war in der Anfangszeit meines Lebens auf zwei Rädern. Ich nannte eine Yamaha XJ 550 mein eigen und war stolz darauf ohne Ende. Irgendwie war das gute Stück aber von einem japanischen Monteur an einem Montag zusammengebaut worden, nachdem er am Wochenende zuvor etwas zu viel Reiswein zu sich genommen hatte. Das Ding war ein furchtbarer „Längsrillenschüttler“ und darüber hinaus „tötete“ die XJ bei Ausfahrten mehr H4-Birnen als ihr Fahrer Marzipanbrote zur Weihnachtszeit. Aber es war mein erstes Motorrad und somit für mich das TOLLSTE auf der ganzen weiten Welt.

Jetzt aber zu der Anekdote. Im Juni 1983 spielte die deutsche Fußballnationalmannschaft im benachbarten Luxemburg gegen Jugoslawien. So nah konnte man als Trierer die deutschen Helden selten sehen und so war es geradezu eine Verpflichtung die ca. 60 km in das Fußballstadion der Stadt Luxemburg in Angriff zu nehmen. Da ich um die wenigen Parkplatzmöglichkeiten rund um das Stadion wusste, war klar, dass ich mit meiner Yamaha in das benachbarte Großherzogtum rollte.

Gesagt getan und in froher Erwartung hinein in das Stadion. Die beiden Mannschaften machten sich warm und kurz danach erschienen sie wieder und lauschten ihren Nationalhymnen. Hymnen gespielt – die Jugoslawen verschwinden wieder in den Kabinen des Stadions. Die deutschen Spieler schauen noch etwas konsterniert, was man nachvollziehen kann. Gegen wen sollen sie spielen, wenn kein Gegner mehr greifbar ist?

So sitzen und stehen also die Zuschauer auf den Tribünen und haben keine Ahnung was hier jetzt eigentlich vor sich geht und warum beiden Teams wieder in den Katakomben des Stadions verschwunden sind. Der aus meinem ersten Artikel über Originale bekannte „Kippen-Pit“ steht in meiner Nähe und lässt in Trierer Mundart einige Stellungnahmen über die luxemburgische Organisation ab, die an dieser Stelle nicht zitierfähig sind.

Nach einer guten halben Stunde meldet sich endlich der Stadionsprecher und stellt den Zuschauern eine Frage:

„Ist zufällig einer der anwesenden Zuschauer im Besitz einer Musikkassette oder Schallplatte mit der aktuellen jugoslawischen Nationalhymne?“

Natürlich nicht – aber zumindest die Lacher hatte er jetzt schon auf seiner Seite. Bei der Auswahl des Liedgutes ist dem Luxemburger Verband ein Malheur passiert. Statt der aktuellen Hymne hatte man die alte Variante des Königreiches Jugoslawien erwischt. Dies lag mit einem Zeitfenster von 1918 bis 1941 etwas zurück und führte dazu, dass die jugoslawischen Nationalspieler erbost das Feld verließen. Kann man irgendwie verstehen. Unsere Spieler hätten sich beim Abspielen des preußischen Defiliermarsches statt der Nationalhymne sicherlich ähnlich verhalten.

Per Eilkurier schafft jetzt RTL-Radio die aktuelle Variante in das Stadion und nach dem zweiten Anlauf in Sachen Hymnen geht alles gut. Übrigens sehen wir auch ein spannendes und interessantes Spiel, obwohl es für meine aktuelle Geschichte eher Nebensache ist. 4:2 für Deutschland und da es auf Grund der Verzögerungen etwas später geworden ist macht sich euer werter Erzähler erst bei aufkommender Dunkelheit auf den Heimweg nach Trier.

Das kurze Stück Stadtautobahn ist mit Lampen taghell erleuchtet und bei Senningerberg verlasse ich die Autobahn in Richtung Landstraße nach Trier. Hoppla – da stimmt was nicht. Meine XJ 550 hat scheinbar gar keine Lust mir den Weg nach Hause auszuleuchten. Es ist stockduster und ich suche mir einen Platz unter einer Straßenlaterne um dem Problem auf den Grund zu gehen.

Wie bereits zu Beginn gesagt, meine XJ war ein „Birnenkiller“. Für mich also wieder sonnenklar: Die feinen Vibrationen haben der nächsten H4-Birne den Garaus gemacht. Also das Übliche – Birnenwechsel ist angesagt. Sitzbank hochgeklappt, aus meinem reichhaltigen Birnensortiment das Passende herausgesucht, alte Lampe raus, neue rein und DUNKELHEIT. Was ist denn jetzt? Das war doch jedes mal die Birne! Jetzt scheinbar nicht. Also die Anschlüsse kontrolliert, ist irgendwo ein „Wackler“? Oh Mann Haggis, Du hast kein Kontaktspray dabei. Vielleicht hätte das jetzt helfen können. Für das nächste Mal daran denken und einpacken. So weit es geht verfolge ich den Kabelbaum. Ist da irgendwo etwas geknickt? Alles Fehlanzeige. Langsam gehen mir die Ideen aus und ich lehne etwas verstört an meiner Japanerin.

OH Mann Johannes – die SICHERUNGEN!

Und das war jetzt des Pudels Kern. Deckel aufgemacht – die Sicherung für die Beleuchtung war durchgebrannt – gewechselt – Licht funktioniert wieder und Flying Haggis fährt kopfschüttelnd nach Hause. Wie kann einem denn so etwas passieren? Auf die einfachste Lösung bist Du erst zuletzt gekommen. Mein Gott wie dumm!

Das ist mir nie wieder passiert. In den ganzen folgenden Jahren war bei Elektronikdefekten immer der Sicherungskasten mein erster Weg der Fehlersuche. Beim MOTORRAD.

Aber da gibt es ja noch einen Faktor, der bei einer Motorradtour von tragender Bedeutung ist. Der Fahrer oder die Fahrerin.

Wie sagte Christoph Willumeit doch so treffend: Die einzige Sicherung die wirklich halten muss, ist jene, die in uns drinnen ist.

Und da habe ich jetzt eine richtig dicke Sicherung eingebaut. Schaut bei Euch mal nach ob Ihr nicht auch nachrüsten müsst. Es hilft und erspart eine Menge unnötigen Stress und Ärger. Denn die einfachsten Lösungen sind oftmals die Besten, obwohl man nicht direkt darauf kommt.

Ich mach`mir die Welt wie sie mir gefällt

05 Montag Aug 2019

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Nachdenkliches & Provokantes

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Alpenmaster, Testberichte

In Deutschland haben wir die Gewaltenteilung und das ist auch gut so. Die Legislative, Judikative und Exekutive sorgen getrennt und weitestgehend unabhängig voneinander dafür, dass in unserem Lande alles gerecht und fair zugeht oder zumindest zugehen soll.

Für mich gibt es aber seit längerer Zeit eine weitere Gewalt oder sagen wir besser Macht, die, ohne jegliches Mandat der Bevölkerung zu besitzen, die Meinung von uns allen zu bilden versucht und das auch oftmals schafft. Ich spreche von den Medien.

Auch in unserem kleinen Bereich mit unserer Passion Motorrad ist das zu beobachten. In meinem Artikel zum Thema der Testsieger habe ich das Ganze bereits vor längerer Zeit angesprochen.

https://flyinghaggis.net/2015/02/21/everybodys-darling-is-everybodys-depp/

Warum komme ich jetzt wieder darauf zurück? In höchstem Maße manipulierend werden da Berichte verfasst. Habt IHR in der großen deutschen Fachzeitschrift auch den großen Bericht Alpenmaster gelesen? Okay – wahrscheinlich ging es vielen von Euch ähnlich wie mir, dass sie den abschließenden Test mit der Endbewertung nicht mehr lesen mussten, weil der Sieger des Tests bereits vor dem Schreiben des Artikels festgestanden hat. Dennoch gibt es dort Textpassagen und Ausschlusskriterien, die man sich etwas genauer ansehen sollte.

Ich werde jetzt ganz bewusst etwas weiter ausholen. Im Heft Nr. 11 aus dem Jahr 2017 gab es in dieser Zeitschrift einen Vergleichstest der Reiseenduros. Ich zitiere eine Textpassage von Seite 30 aus dem Segment der Landstrassenbewertung: Dass Krach rein gar nichts mit Leistung zu tun hat, beweist die KTM. Mit sonorem, aber vernünftig gedämpftem Klangteppich sammelt die mit 154 PS gemessene Österreicherin erste Sympathiepunkte.

Hört sich an als ob die Manufaktur aus Mattighofen im Bezug Auf Geräuschemissionen alles richtig gemacht hat.

In Heft 16 aus dem Jahrgang 2019 wird nun das Modell, an dem sich von der Ausstattung nichts geändert hat, als Krawallmacher gebrandmarkt. SIE gehört zu den lautesten aller 20 Maschinen im Testfeld. Jetzt könnte man natürlich noch meinen, dass eine derart unterschiedliche Bewertung an unterschiedlichen Testern liegen kann. In diesem Fall war aber bei beiden Tests der Journalist Peter Mayer, den ich eigentlich wegen seiner objektiven Berichterstattung schätze, Autor der Artikel. Erinnere ich mich dann noch an den Klappenauspuff  den ein gewisser Hersteller mittlerweile mit Vorliebe in seine Produkte einbaut, dann frage ich mich wie weit ist es her mit der Objektivität der Bewertungen.

Objektiv war meines Erachtens über einen langen Zeitraum die 1000-Punkte-Bewertung. Da konnte sich jeder aus den unterschiedlichen Segmenten die Bereiche herausziehen, die individuell relevant waren. Da diese Bewertung zwischenzeitlich eine andere Punktezuordnung erfahren hat, sind aktuelle Bewertungen nicht mehr unmittelbar mit den zurückliegenden nach altem Muster vergleichbar. So läuft in Heft 10/17 die BMW 1200 RS, als eines der besten 1000-Punkte-Motorräder, mit 756 Punkten durch das Ziel. Das aktuelle 1250er RS-Modell erreicht in Heft 16/19 deren noch 737 Punkte.

Ach ja – wir waren ja eigentlich beim Alpenmaster. Da gewinnt in der Vorauswahl bei der Kategorie „Scrambler“ die Moto Guzzi V85 TT. Wenn sich jetzt Erstaunen bei euch breit macht, dann seid euch sicher, dass war im Guzzi-Werk sicher ähnlich. Die Maschine wurde konzipiert um im Mittelklassesegment der Enduros unter Gegnern wie der 800er GS oder der Tiger zu wildern. Hier schiebt man die wirklich schön gemachte V85 TT zu den Scramblern und lässt sie dort gewinnen. Mit dem Hinweis – müder Motor und schlechte Fahrleistungen. Schaut mal in die Messwerte – die schlechtesten Durchzugswerte aller Kontrahenten. Das würde mich auf einer Alpentour massiv nerven.

Irgendwie erinnern mich die Testberichte in den Fachzeitschriften seit längerem an ein Lied von Pippi Langstrumpf. Der Refrain klingt mir in den Ohren: Ich mach`mir die Welt, wie sie mir gefällt!

Meine Alpensiegerin steht bereits in der Garage und ich denke eure Siegerin der Herzen ebenfalls. Und das ist auch gut so. Beim Lesen der Tests gebt einfach acht, denn hier wird Meinungsbildung gemacht und wie oftmals bei unserer Judikativen wird nicht Recht gesprochen, sondern nur ein Urteil gefällt.

Ich find`s (nicht mehr) lustig

24 Montag Jun 2019

Posted by flyinghaggis2015 in Aktuelles, Nachdenkliches & Provokantes

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Straßenbaulastträger, Straßenschäden

Der bekannte Komiker Sascha Grammel tritt mit einer Bühnenshow unter dem Titel „Ich find`s lustig“ auf. Die finde ich lustig und ich kann wirklich herzhaft darüber lachen bis mir die Tränen kommen.

In den zurückliegenden Monaten kommen mir beim Motorradfahren auch immer häufiger die Tränen, allerdings nicht vor Freude. Euer werter Erzähler meidet mit dem Motorrad weitestgehend das Bundesfernstraßennetz, also Autobahnen und Bundesstraßen. Kleinere Landesstraßen und Kreisstraßen das ist mein vorrangiges Revier und hier fühlt sich Flying Haggis wohl. Dieses wohlige Gefühl lässt aber mittlerweile allzu häufig nach. Ich finde es offen gesagt nicht mehr lustig.

Was steht im Straßengesetz unter dem § 9 zum Thema Straßenbaulast?

Die Straßenbaulast umfasst alle mit dem Bau und der Unterhaltung der Straßen zusammenhängenden Aufgaben. Die Träger der Straßenbaulast haben nach ihrer Leistungsfähigkeit die Straßen in einem dem regelmäßigen Verkehrsbedürfnis genügenden und den allgemein anerkannten Regeln des Straßenbaues entsprechenden Zustand zu bauen, zu unterhalten, zu erweitern oder sonst zu verbessern.

Zunächst einmal so weit und so gut, oder besser gesagt überhaupt nicht gut. Die jeweilig zuständigen Straßenbaulastträger basteln und fummeln sich nämlich mittlerweile bei der Instandsetzung einen zurecht, dass einem Angst und Bange werden kann. Insbesondere wenn man, wie wir, mit einem einspurigen Fahrzeug unterwegs ist. Da entsteht in unserem kommunalen Straßennetz ein Flickwerk, welches einem den Angstschweiß auf die Stirn treiben kann.

Ja, ja ich weiß. Da gibt es Passagen in der Straßenverkehrsordnung, die einen mahnen die Geschwindigkeit an die jeweiligen Verhältnisse anzupassen. Die Zauberworte nach einem Unfall: Nicht angepasste Geschwindigkeit.

Was steht da oben in dem § 9? Die Straßen sind in einem dem regelmäßigen Verkehrsbedürfnis genügenden und den allgemein anerkannten Regeln des Straßenbaus entsprechenden Zustand zu bauen, zu unterhalten oder sonst zu verbessern. Mein Gott VERBESSERN? Ich wäre ja schon froh, wenn unsere Straßen wieder ihren ursprünglichen Zustand erreichen würden. Von verbessern will ich noch gar nicht sprechen. Wie man so etwas verbessert sehe ich bei meinen Touren im Nachbarland Luxemburg. Da werden auch Bauarbeiten am Straßennetz beschleunigt erledigt und nicht Gemeinden fast monatelang von der Außenwelt abgeschnitten.
Wenn ich sehen möchte welche unterschiedlichen Asphalt- und Teerdecken auf dem Markt erhältlich sind, dann fahre ich durch Eifel und Hunsrück. Das Sammelsurium an unterschiedlichen Straßenbelägen birgt natürlich für uns Motorradfahrer/-innen die nächste Gefahr, denn ALLE haben natürlich auch unterschiedliche Hafteigenschaften. So ist oftmals für uns auf einer Wegstrecke von nur 20 m von Topgrip bis hin zu Schmierseifenverhältnissen alles erhältlich. Kein Mensch kann sich auf so etwas einstellen. Wendet man das in Fahr- und Sicherheitstrainings angelernte Wissen an, wie Hinterschneiden einer Kurve, dann kann es einem blühen, dass man über drei Teerbuckel cruist und bis zum Kurvenscheitel dreimal den Belag gewechselt hat. So viel zum Thema angepasste Geschwindigkeit. Wie viele Zweiradunfälle in jedem Jahr eigentlich auf diese Asphaltpuzzle zurückzuführen sind wage ich nicht zu schätzen. Jeder Schotterpass in den französischen Seealpen stellt zumindest gleichmäßigere Gripverhältnisse zur Verfügung.

In meinen heimatlichen Gefilden auf der L 149 hat man zwischen Herl und Lorscheid die Fahrbahndecke über Monate derart instandgesetzt, dass keine Haftcreme der Welt die Dritten an ihrem angestammten Platz hält. Eine traumhafte Erprobungsstrecke für Erlkönige. Wer hier mit dem Auto durchkommt ohne dass die Federbeindome durch die Motorhaube fliegen, der hat ein wahrhaft gutes Fahrwerk entwickelt.

Für mich stellt sich die Frage: Was passiert eigentlich mit unserer Kfz-Steuer? Und der Mineralölsteuer? Beides war irgendwann einmal dazu gedacht für ein intaktes Straßensystem zu sorgen.

Über das Jahr gerechnet sind das etwa 50 Milliarden Euro Steuereinnahmen, die wir Besitzer und Nutzer von fahrbaren Untersätzen unserer Regierung zur Verfügung stellen. Aber wir Deutschen haben es raus Gelder in irgendwelchen Kanälen verschwinden zu lassen. Das schaffen wir ganz alleine ohne Zuhilfenahme der Mafia. Das Zauberwort heißt nicht Zweckbindung, sondern Gesamtdeckungsprinzip. Konkret bedeutet das: Alle Einnahmen des Staatshaushaltes werden zur Deckung ALLER Ausgaben verwendet. Und so versickern unsere Milliarden im Staatshaushalt zur Rettung der Welt, der ostanatolischen Wanderfilzlaus und  der Wiedervereinigung der Spalttabletten, während wir weiter von einem Schlagloch und Teerbuckel mit Bitumenstreifen zum Nächsten hoppeln.

Da nur etwa 20 Milliarden zurück in den Straßenbau und die Instandsetzung fließen muss natürlich gespart werden. Das Ergebnis haben wir tagtäglich vor Augen. Bei den Ausschreibungen wird natürlich auf den Preis geachtet und so kommt dann eines zum anderen. Nicht die qualifizierteste Firma erhält den Zuschlag, sondern die Günstigste. Und so wird dann ein Loch auch mal mit der Flachschippe geglättet statt mit dem Rüttler. Die Fahrbahn wieder auf eine Ebene zu bringen geht für das Geld auch nicht und so erfreuen wir uns an einer kostenlosen Buckelpiste, die uns hopsend von Punkt A nach Punkt B bringt. Aber wahrscheinlich bin ich mit meinen naiven Gedankengängen nur nicht im Stande das große Ganze im Kontext mit der Rettung dieser Welt entsprechend zu begreifen. Wenn wir in zwanzig Jahren wieder mit den Postkutschen, die dann wahrscheinlich „grün“ sind, von Ort A nach Ort B unterwegs sind, ist das Tempo nicht mehr so hoch, dass uns die Buckel, Gräben und Risse in der Straße auffallen.

Ich find`s nicht mehr lustig. Wie sieht es in euren Regionen aus.

Das Leben ist gefährlich…………..

03 Sonntag Jun 2018

Posted by flyinghaggis2015 in Nachdenkliches & Provokantes

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Das Leben, Isle of Man, TT Rennen

und wie sagte der amerikanische Schauspieler Anthony Hopkins so schön und so treffend: „Keiner von Uns wird lebend diesen Planeten verlassen!“

Das ist so und niemand wird dieser, sagen wir einmal, etwas fatalistischen Aussage im Kern widersprechen.

Kaum haben wir diesen Planeten betreten können WIR uns zu Hundertprozent sicher sein – Wir werden ihn wieder verlassen. Die Frage ist nur ob früher oder später UND hatten wir Freude bei unserem Aufenthalt?

Deshalb habe ich ein massives Problem mit allen Leuten, die mir heutzutage erklären wollen WAS ich alles anders machen muss um gesund und mit heiterem Gemüt durch mein Leben zu kommen. KENNEN wir uns? Mag sein, dass ich zu viel Fleisch esse und dies ungesund ist. Um den Frevel komplett zu machen gare ich dieses Teufelszeug auch noch gerne auf dem heimatlichen Grill. Dabei kann es sogar passieren, dass das ein oder andere Glas Hefeweizen oder Rotwein zu viel durch meine Kehle rinnt.

Um Himmelswillen! Ich bin so gut wie tot!

Stimmt! Wie zu Beginn festgestellt bin ich das aber bei Tofu und veganer Ernährung ebenfalls. Das Ziel irgendwann einmal kerngesund zu sterben und mir, nach meiner Auffassung, niemals etwas gegönnt und damit nach meiner Fasson richtig gelebt zu haben ist mir aber fremd.

Ich fahre Motorrad und setze mich damit statistisch einem vielfach höheren Unfallrisiko als beim Autofahren aus. Ja und jetzt? Es bereitet mir aber unsägliche Freude und einen Riesenspaß mit einem Motorrad vollkommen ziellos durch die Gegend zu fahren. DAS ist genau das was ich will.

Furchtbar lange Einleitung – ich weiß.

In der zurückliegenden Trainingswoche auf der Isle of Man, anlässlich der anstehenden TT-Rennwoche, ist der Manxman Dan Kneen tödlich mit seiner Maschine verunglückt. Der Mann aus Onchan, in der Nähe von Douglas, zählte in diesem Jahr sicherlich zu dem erweiterten Kreis der Favoriten und er hatte in den ersten Trainings auch schon eine tiefe 17er Zeit in den Asphalt des Mountaincircuit gebrannt.

Nun ist er das erste und so hoffe ich inständig auch das letzte Opfer der diesjährigen TT. Jetzt haben sich in vielen Foren und Gazetten wieder zahllose Leute gemeldet, welche über den Sinn oder Unsinn dieser Veranstaltung schwadronieren.

Dieses Rennen schreibt eine über hundertjährige Geschichte und es ist Geschichte. Geschichte des Rennsports und ich ziehe den Hut vor jedem der diesen Kurs im Renntempo unter die Räder nimmt.

Für einen rationalen Menschen ist dies Unsinn. Warum machen DIE das? Wofür ist das denn gut?

Der momentane Inhaber des Streckenrekords und vielfache TT-Sieger Michael Dunlop hatte einmal in einem Interview gesagt, dass er sich alljährlich mit dem Bewusstsein von seiner Familie zur Rennwoche auf die Isle of Man verabschiedet, dass er möglicherweise nicht mehr lebendig oder gesund nach Hause kommt. Dennoch sei ein Jahr für ihn nicht komplett und befriedigend, wenn er dort nicht gefahren sei!

Lassen wir diese Aussage von einem Mann einmal im Raum stehen. Von einem Mann der genau weiß, was auf diesen Rundkursen passieren kann, denn Robert Dunlop und Joey Dunlop sind seine Familiengeschichte.

 

Dan Kneen wusste auch ganz genau was passieren kann und wie gefährlich seine Passion – Motorradstraßen-rennen – ist. Wir können IHN nicht mehr fragen, aber ich bin mir sicher, wenn wir es könnten würde er antworten, dass er nichts von dem bereut was er getan hat. Vielleicht an dieser alles entscheidenden letzten Passage kurz das Gas wegnehmen.

Wahrscheinlich sitzt ER jetzt mit Steve“Hizzy“ Hislop (Flying Haggis) und dem „King of the Mountains“ Joey Dunlop bei einem Guinness am Kneipentisch und philosophieren über ihr nächstes Rennen am Walhalla-Circuit.

Denn vernünftig können die anderen sein – Wir leben – und das Leben ist gefährlich!

Wer keine Hitze verträgt hat in der Küche nichts verloren ……

09 Montag Apr 2018

Posted by flyinghaggis2015 in Nachdenkliches & Provokantes

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Autoscooter, Moto GP Argentinien

Sinngemäß war das einmal ein Ausspruch des US-Präsidenten Truman. Der ein oder andere Vertreter einer harten Linie im Motorsport wird wahrscheinlich auch diesen Spruch zu seinem Leitsatz erküren. Insbesondere bei den knallharten Rad- an Radduellen im Motorrad Grand Prix.

Ich bin auch der Überzeugung, dass ein Rennfahrer (oder auch Rennfahrerin) in der Motorrad-WM nicht zartbesaitet sein darf.

Zwischen nicht zartbesaitet und sportlich unfair, bis hin zu: Ich nehme die Verletzung eines Konkurrenten bei meinem Manöver billigend in Kauf ist aber ein Unterschied!

Diese Grenze war am Wochenende in Argentinien überschritten worden. Und zwar derart, dass man das Wagenrennen bei Ben Hur stattdessen für einen gemütlichen Sonntagsausflug halten könnte.

Lassen wir das Rennwochenende kurz gedanklich Revue passieren. Da beherrscht der amtierende Weltmeister Marc Marquez die Freien Trainings nach Belieben. Dies dergestalt, dass er seine Mitkonkurrenten teilweise wie Fahranfänger aussehen lässt und einen Sekundenabstand zwischen sich und den nächsten Verfolger legt. In der Moto GP zeitliche „Galaxien“.

Jedem Betrachter ist klar: Am Wochenende geht es beim Rennen lediglich um die Plätze ab Rang Zwei, denn Marquez wird sein eigenes Rennen von der Spitze fahren.

Dann das Qualifikationstraining! Ist sich Marquez zu sicher ODER macht ihn seine eigene Überlegenheit bereits überheblich?

Den ersten „Schuss“ muss er wegen eines Fahrfehlers abbrechen. Dann kommt er an die Box und nimmt bei abtrocknender Strecke die vorbereitete Maschine mit den Slicks. Auch diesen Versuch bricht er ab – zu gefährlich und letztendlich reicht es gerade noch so für eine gezeitete Runde, die ihn (wieder auf Regenreifen) auf Startplatz 6 bringt.

Schönheitsfehler! Bei den Rundenzeiten ist es komplett egal, wenn Marquez aus der zweiten Reihe in das Rennen geht. Einmal vorne wird er sich von seiner Konkurrenz verabschieden und diese in Grund und Boden fahren.

Grund und Boden fahren ist jetzt genau das Stichwort für den nun folgenden Rennverlauf mit mehreren Protagonisten, denen es augenscheinlich an der nötigen Professionalität und (zumindest bei einem) an Empathie fehlt.

Aufwärmrunde der Moto GP und einige Fahrer stellen fest, dass ihre Reifenwahl mit Regenreifen nicht die Richtige ist. Die Jungs von Marc VDS merken es als Erste und die beiden Fahrer rollen in die Box. Ergo – Start aus der Boxengasse hinter dem regulären Feld und dann darauf hoffen, dass man die richtige Entscheidung gefällt hat und das Feld von hinten aufrollt. Gute Idee und clevere Taktik.

Jetzt Hektik im Starterfeld und urplötzlich schieben einige Mechaniker die Maschinen ihrer Fahrer in die Boxen?

Am Ende steht nur noch der Pole-Setter „Jackass“ Miller, ziemlich verstört auf seiner Pole und kein Mensch weiß mehr was los ist.

Und dieses „Kein Mensch weiß was los ist“, scheint sich geistig sehr stark bei Marc Marquez festgesetzt zu haben.

Man, also Rennleitung, die FIM und wer nicht noch alles einigt sich auf eine Variante, die so in keinem Regelwerk steht. Miller soll von der Pole starten. Dahinter reihen sich mit einigen Startreihen Distanz die restlichen Fahrer nach ihrer Qualifikationszeit ein.

Marc Marquez die Erste: Der Motor der Honda des Weltmeisters stirbt bei der Anfahrt zu seinem Startplatz ab. Marquez versucht seine Maschine anzuschieben und so in Gang zu setzen, was ihm auch gelingt. Es war ja ausreichend Raum nach vorne bis zu Miller vorhanden, auf Grund der o. a. Regelung. Jetzt kommt es! Marquez springt auf seine Honda „dreht“ und fährt entgegengesetzt zur Rennrichtung an seinen Startplatz. JEDER ANDERE hätte hier vom letzten Platz der Startaufstellung starten müssen! Fast JEDER – Marquez nicht.

Start erfolgt. Das Fahrerfeld hetzt hinter Jack Miller her und Marquez ist bald in Führung und setzt sich ab.

Nun stellt die Rennleitung fest, dass dieses „spanische Manöver“ in der Startaufstellung nicht regelkonform ist und Marquez erhält eine Durchfahrtstrafe.

Relativ zeitig kommt der amtierende Weltmeister dieser Durchfahrtstrafe nach und jagt wieder hinter dem Feld her. Der nicht gerade für besonders feinfühlige Überholmanöver bekannte Marc Marquez läuft jetzt zur Höchstform auf.

Getreu dem Motto: Was interessieren mich Fahrer aus dem hinteren Feld torpediert er Aleix Espargaro, als er in eine Lücke sticht, die außer IHM (Marquez) niemand gesehen hat.

DER hält mich eben auf – ergo weg mit IHM. Und weg ist Espargaro in der Folge auch, da seine Maschine nicht mehr fahrbereit ist.

Die Hetzjagd geht weiter und das o. a. Manöver veranlasst wieder eine entsprechende Strafe der Rennleitung. Marquez soll sich einen Platz zurückfallen lassen.

Auch DAS macht der Weltmeister zeitnah und geht „noch mehr angefressen“ weiter auf seiner Amokfahrt nach vorne.

Wie es der „Rennteufel“ will treffen sich zwei Protagonisten, die ohnehin nicht die besten Freunde im Fahrerfeld sind. Valentino Rossi, der alle Hände voll damit zu tun hat seine nur mäßig funktionierende Yamaha auf Kurs zu halten, bekommt Besuch von Marquez.

Viel zu schnell sticht Marquez bei Rossi innen in einer Rechtskurve hinein. Um seinen Kurs halten zu können drückt Marquez den Altmeister Rossi immer weiter nach außen. Ein Happyend gibt es nicht. Gerade noch so seine Maschine auf der Strecke haltend zirkelt Marquez um das Eck und drückt Rossi auf die nasse Wiese. Folge – Sturz von Rossi, Marquez hebt kurz die Hand zur Entschuldigung und weiter geht es nach vorne.

Am Ende erhält Marquez für dieses Manöver eine 30 Sekunden Zeitstrafe und bleibt ohne Punkte.

Für die beiden Fahrer, die wegen seiner Rücksichtslosigkeit unverschuldet auch ohne Punkte bleiben, ist dies kein Trost.

Was soll man sagen – Marquez ist nicht mehr allein mit seinem Fahrstil wie ein Scharfrichter. Johann Zarco, der schnelle Franzose, hatte zu Rennbeginn auch eine Anbremszone für nicht mehr ausreichend erachtet und die Werkshonda von Dani Pedrosa als Bremsklotz missbraucht. Da der Crash für Pedrosa vollkommen unerwartet war, flog der kleine Spanier im hohen Bogen von seiner Honda. Zum Glück unverletzt, bei all dem Verletzungspech welches Pedrosa sonst üblicherweise hat.

Ich mag spannende Rennen. Ich mag es auch wenn sich die Fahrer mit allen Mitteln ihres fahrerischen Könnens auseinandersetzen und „ehrliche Zweikämpfe“ ausfechten.

Ich hasse es aber, wenn da Typen unterwegs sind denen die Gesundheit ihrer Konkurrenten kein Pfifferling wert ist und die mit überharten, unfairen Manövern versuchen ihren Sportskollegen den Schneid abzukaufen.

Hier hat die Dorna, die FIM und die Rennleitungen dieser Welt eine Garantenpflicht für die Fahrer und hier MÜSSEN sie jetzt nach den Ereignissen des Wochenendes tätig werden. UND dies so, dass es auch SCHMERZHAFT ist, denn Schmerz läutert die Seele.

Mein Vorschlag: Der USA-Seriensieger Marc Marquez sollte für den nächsten Moto GP gesperrt werden, denn diese fest eingeplanten 25-Punkte würden richtig schmerzen.
Und damit er nicht so alleine von der Tribüne zuschauen muss darf sich Johann Zarco neben ihn setzen.

Dann noch eine Bewährung bis zum Saisonende und die anderen Fahrer müssen bis Valencia nicht mehr um ihre Gesundheit bangen! Denn die Küche Moto GP ist auch ohne hirnlose und gefährliche Fahrmanöver heiß genug!

 

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