Motorradwallfahrt nach Santiago de Compostela

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Euer Flying Haggis ist kein strenggläubiger Mensch. Im Grunde genommen habe ich sogar eine Aversion gegen alles und jeden der irgendetwas zum Dogma erhebt und nichts außer seiner eigenen Überzeugung gelten lässt.

Wo es für mich dann gänzlich aufhört ist, wenn man derart religiös verblendet ist, dass man sich einen Sprenggürtel umschnallt um sich dann abschließend, mit dem Hinweis dass „Gott groß ist“, mitsamt seiner ach so ungläubigen Umgebung in die Luft zu sprengen.

Genug jetzt davon. Ganz tief im Innersten von Flying Haggis ist aber doch der Gedanke (oder ist es vielleicht sogar der Wunsch), dass es nicht schlecht wäre, wenn da irgendwo jemand sitzt der die Weltgeschäfte als höhere Instanz regelt und darüber wacht. Ob der jetzt Gott, Allah, Buddha, Manitou oder Odin heißt ist mir letztendlich gleichgültig.

Für meinen Freund Hubertus ist ziemlich klar wie der heißt. Und da Hubertus auch ein leidenschaftlicher Motorradfahrer ist, empfindet er eine Motorradwallfahrt nicht als Bürde oder Buße, sondern als schöne Verbindung von zwei bedeutsamen Dingen, die sein Leben prägen. Einmal sein Glaube und zum Zweiten Motorradfahren.

Als er dann die Motorradwallfahrt nach Santiago de Compostela angeboten hatte, war es für die beste Sozia von Allen und Flying Haggis klar – Da fahren wir mit!
Kurze Zeit später teilte er mir dann mit, dass die Wallfahrtgruppe zwischenzeitlich -40- Maschinen umfasst, also eine stattliche Pilgergruppe.
Meinen Hinweis, dass -40- Motorräder schon ein ganz schönes Paket sind und man da mindestens -4- Gruppen einteilen müsste, beantwortete er direkt mit den Worten:

„Ich weiß. Ich bin davon ausgegangen, dass Du die Führung einer Gruppe übernimmst!“

So kam Flying Haggis zu seinem Urlaubsjob → Scout bei der Motorradwallfahrt nach Santiago de Compostela. Bei einem Treffen vor der eigentlichen Tour war kurzes Beschnuppern angesagt sowie Einteilen der vier Gruppen UND dann ging es auch schon los.

1. Tag Samstag 16.09.2017 Schweich -Troyes
Die Vorfreude ist groß am Starttag unserer Motorradwallfahrt. Nur strahlende und erwartungsfrohe Gesichter. Also kann es mit frischem Elan losgehen.

Die ersten Kilometer in noch bekanntem Terrain ist einrollen angesagt. Blick immer im Rückspiegel. Sind alle dran? Alle schön versetzt, damit wir kompakt aber dennoch mit ausreichend Platz zum Manövrieren unterwegs sind; letzter Mann mit Fernlicht damit ich unser ENDE sehen kann?
Klappt alles wunderbar und mit der Zeit unserer Tour sollten die Blicke in den Rückspiegel seltener werden. Eine homogene Gruppe ist hier unterwegs unter dem Motto Freude am Fahren!

Als erstes Zwischenziel und Pause hat uns Hubertus Verdun ausgesucht. Interessierten der jüngeren Geschichte schnürt es bei der Nennung dieses Ortsnamens bereits die Kehle zu und dies zu Recht. Im Zeitraum vom 21.02.1916 bis 20.12.1916 war die Gegend um Verdun Ort einer der verlustreichsten Schlachten des I. Weltkrieges. 450.000 Franzosen und 400.000 Deutsche fanden hier in den Kämpfen den Tod.

Wir halten hier betroffen Einkehr und irgendwie spukt in meinem Hinterkopf der Refrain eines alten Liedes von Peter Maffay herum:

Woran glaubst Du?
Welchem Herrn dienst Du?
Um zu leben, wenn Du spürst, es geht
so nicht mehr weiter.
Woran glaubst Du?
Welchem Herrn dienst Du?
Wer verzeiht Dir dann, wenn Du Dir selbst
nicht mehr verzeihen kannst?

Ziemlich in Gedanken versunken ist jetzt wieder einmal der Weg mein oder besser unser Ziel und der findet sein recht unspektakuläres Ende in Troyes in der französischen Provinz. Genauer gesagt Region Grande Est an der Seine.

Wir statten zunächst noch der Altstadt einen Besuch ab mit ihren gepflegten Fachwerkhäusern und nehmen anschließend ein gepflegtes Abendessen ein, bei dem noch etwas Benzin geredet wird. Einhellige Feststellung. Die Gruppe hat sich bereits gefunden.

2. Tag Sonntag 17.09.2017 Troyes – Clermont Ferrand
Von Troyes starten wir in den frühen Morgenstunden bei leichter Wolkendecke in Richtung Pontigny zu einem ersten Zwischenhalt an einem alten Zisterzienserkloster.

Ein beeindruckendes Bauwerk und eine wunderbare Statio die unser Rainer, das Pendant zu Hubertus aus Köln, hier im Kloster abhält. Es passt einfach wunderbar zu aktuellen Gefühlslage von Flying Haggis und der besten Sozia von Allen.
Wieder an unseren Maschinen angekommen sieht alles nach „Wet Race“ aus. Die Wolkendecke hat sich verdichtet und die Einschätzung sollte sich bewahrheiten. Wie werden das erste Mal richtig gewaschen.
Zu allem Überfluss habe ich auch noch eine alte Routenführung im Garmin aufgerufen und fahre gemütlich an unserem zweiten Haltepunkt der Basilica Vezelay vorbei. Okay – bei dem Wetter nicht ganz so schlimm und es wird auch von meiner Gruppe 2 toleriert. Also weiter nach Clermont Ferrand. Die Sache mit den Navis sollte sich noch wie ein roter Faden durch unsere Tour ziehen. Schon bemerkenswert wie man trotz baugleicher Systeme und Vorgaben auf unterschiedliche Routen geführt werden kann.
Noch mehr mitten in Frankreich als in Clermont Ferrand kann man eigentlich nicht sein. Was fällt einem als Motorradfahrer zu der Stadt ein? Richtig – Christian Sarron ist ein Sohn der Stadt und die deutschen Helden der Viertelliterklasse können ein Lied von dem Franzosen singen. Der Weltmeister stieg später in die 500er Klasse auf und war in schöner Regelmäßigkeit immer in Regenrennen vorne zu finden. Seine, nach dem Farbton einer französischen Zigarettenmarke, tiefblaue Yamaha war dabei im Pulk der Maschinen immer gut erkennbar.
Aber wir sind ja nicht nur mit dem Motorrad unterwegs, sondern auch auf Wallfahrt und da fällt einem natürlich die Synode von 1095 in Clermont ein und der Aufruf zum Kreuzzug gegen die Ungläubigen von Papst Urban II. Hier erfolgte erstmals der Ausruf „Deus vult“ und mit dem Ruf „Gott will es“ zogen die dann zu Kreuzrittern mutierten Ritter aus ganz Europa gen Jerusalem. Wir haben aber einen anderen Weg vor uns. Weiter westwärts soll es gehen und die Vorfreude auf die nächsten Tagesetappen ist groß.

3. Tag Montag 18.09.2017 Clermont-Ferrand – Montauban
Unser dritter Reisetag steht irgendwie unter dem Motto – Materialtest für regenfeste Motorradbekleidung und regentaugliche Motorradbereifung. Eine wirklich wunderschöne Routenplanung führt uns auf eine traumhafte Strecke zu dem kleinen idyllischen Ort Conques und der dortigen Abtei. Die regennasse Straße hin zu dem Ort mahnt uns aber zur Vorsicht und so wird sanft durch die Kurven gecruist an Stelle Materialabrieb an den Fußrasten zu betreiben.

Nach dem Aufenthalt in Conques bessert sich das Wetter zumindest ein wenig und es geht weiter zu unserem nächsten Etappenort.
Montauban war eine Hochburg des Calvinismus bis 1629 die Eroberung der Stadt durch die Truppen des Kardinal Richelieu erfolgte. Ja – genau der von den Musketieren. Danach erfolgte dann wieder die Rekatholisierung der Stadt und der Region. Interessant ist noch, dass es sich bei Montauban um eine mittelalterliche Planstadt gehandelt hat, die im Grunde genommen wie an einem Reißbrett entworfen entstand. Für die Epoche recht außergewöhnlich. Es ist ein gemütliches Städtchen und wir lassen es uns gut gehen, vor unserer morgigen Tour nach Lourdes.

4. Tag Dienstag 19.09.2017 Montauban – Lourdes
Unsere vierte Etappe führt uns nach Lourdes und mit 234 Tageskilometer stellt sie keine große Hürde oder gar Belastung dar.
Flying Haggis hatte aber bereits in heimatlichen Gefilden die Karte studiert und an unserem Zielort Lourdes noch einen 100 km Rundkurs ausgekundschaftet, der auf Grund der Straßenverhältnisse etwa -2- weitere Fahrtstunden in Anspruch nehmen würde. Der Col de Tourmalet, das Dach der Pyrenäen, steckte mir gewaltig in der Nase. Das oftmalige Etappenziel der Tour de France ist so etwas wie der König der Pyrenäenpässe. In etwa vergleichbar mit dem Passo di Stelvio in den Dolomiten. Da muss man eigentlich hin, wenn man in der Nähe ist und 50 km Entfernung geht als in der Nähe durch.

Aber es steht ja auch die Besichtigung der Grotte von Massabielle an, dem Ziel eines jeden Lourdes-Pilgers.

Hier wurde nach den Angaben der Bernadette Soubirous eine Marienstatue geschaffen.

Bernadette hatte hier im Jahr 1858 mehrere Erscheinungen einer weißgekleideten Frau und bei einer dieser Zeichen wurde die Quelle freigelegt, die bis heute Zielort der gläubigen Pilger ist.

Irgendwie zieht uns der Ort in seinen Bann und der Tourmalet ist gestorben. DU bist dann irgendwann später an der Reihe.

Denn nicht nur der Ort Lourdes als solches, sondern auch das vielfältige und friedliche Völkergemisch auf den Straßen und der abendlichen Lichterprozession zur Kathedrale lässt hoffen, dass unser Planet doch noch Chancen auf eine friedvolle Zukunft hat.

5. Tag Mittwoch 20.09.2017 Lourdes – Puente de la Reina
Am nächsten Morgen rufen doch noch die Pyrenäen und los geht es. Auf zum Aubisque, dem oftmaligen Ziel von Bergetappen bei der Tour de France.

Und der Trierer Stadtpatron Petrus (schließlich in unserer Region für das Wetter zuständig) hat ein Einsehen. Noch besser geht es nicht. Sonne und angenehme Temperaturen und die Straße auch wunderbar abgetrocknet.

Und auf der Passhöhe eine geniale Aussicht.

Um zu unserem nächsten Pyrenäenpass dem Somport zu kommen suchen wir uns noch eine passende Verbindung und werden bei der D 294 fündig. Schöne enge Landstrasse mit einer Aneinanderreihung an Wechselkurven. Der Erbauer dieser Trasse hatte ein Herz für Motorradfahrer. Dann nichts wie hinauf zum Somport und hinein nach Spanien.

Vor unserem Etappenziel geht es noch über Jaca, mit einem Kurzbesuch in der Stadt und zum Kloster Leyre.

Wunderbar ruhig auf einer Anhöhe liegend war Leyre der richtige Ort, nach der anstrengenden Etappe die innere Ruhe zu finden.

Unser nächstes Etappenziel ist ein kleiner Flecken in der autonomen Region Navarra. Er liegt günstig am Jakobsweg, bot er doch den Pilgern immer eine optimale, weil sichere und kostengünstige, Möglichkeit der Flussüberquerung des Arga.

Was noch wichtig ist für Flying Haggis als Freund von Rotweinen? Navarra gehört mit zu den ältesten Weinbauregionen dieser Erde. Historische Funde lassen vermuten, dass vor der römischen Besatzung bereits Weinbau betrieben wurde.
Also lassen wir uns den guten Navarra mal heute Abend zum Essen schmecken.

6. Tag Donnerstag 21.09.2017 Puente de la Reina – Burgos-Rubena
Vor unserem Start am frühen Morgen statten wir Puente de la Reina noch schnell einen fußläufigen Besuch ab und dann geht es weiter durch Spanien.
Wie hieß noch einmal dieser Schlagertext der Comedian Harmonists mit einem der üblichen Knüppelverse, getreu dem Motto. Reim Dich oder ich fress´ Dich? Schöne Isabella von Kastilien, packe deine ganzen Utensilien und komm zurück zu mir nach Spanien blablabla.

Wieder eine wunderschöne Streckenführung und Hubertus,

unser Wikipedia in Menschengestalt, füttert uns an jedem Halt derart mit Historie, Sagen und Anekdoten, dass es schwierig wird sich ohne Mitschnitte alles zu behalten.

Burgos, unser nächstes Etappenziel ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der autonomen Gemeinschaft Kastilien-Leon, womit wir unsere Brücke vom Liedtext zur Region auch schon geschlagen haben. Burgos liegt, wie kann es anders sein, am Jakobsweg.
Also fußläufig hinein nach Burgos und ALLES geistig und optisch aufsaugen was geht. Da ist bei meiner Gruppe natürlich auch der Nationalheld Spaniens „El Cid“ mit dabei. Vielleicht erinnert sich der oder die ein oder andere Ältere noch an den alten Hollywoodschinken mit Charlton Heston.

7. Tag Freitag 22.09.2017 Burgos – Ponferrada

Auch am 7. Tag treiben wir uns noch in Kastilien herum und landen über die Stadt Leon, Puente de Orbigo

und Astorga wieder an einer wunderschönen Statio, dem Cruiz Ferro.

Hier laden die Pilger nach Santiago de Compostela an dem Cruiz Ferro von zu Hause mitgebrachte Steine ab. Oftmals auch beschriftet, damit man ihren Ursprung auch kennt. Beladen von zu Hause wird Ballast abgeworfen. sowohl materiell als auch im Geiste.

Dann geht es zu unserem Etappenort Ponferrada. Blickfang ist sicherlich die Burg von Ponferrada, das im 11. Jahrhundert gegründet worden ist und sich zunächst im Besitz des berühmten Templerordens befunden hat. Wenn man vor der imposanten Anlage steht wartet man regelrecht darauf, dass sich die Tore öffnen und die stolzen Reiter in schimmernder Wehr mit dem roten Kreuz auf dem weißen Umhang aus dem Burghof reiten.

8. Tag Samstag 23.09.2017 Ponferrada – Santigo de Compostela


Alle sind am heutigen Tag gespannt, denn unser Etappenort ist das eigentliche Ziel unserer Motorradwallfahrt → Santiago de Compostela, die Hauptstadt Galiziens und der, auf Grund des Jakobsweges, wahrscheinlich bekannteste Wallfahrtsort in Europa.

Santiago leitet sich vom Wortstamm wahrscheinlich aus dem lateinischen Sanctus Iacobus (überraschenderweise – heiliger Jakob) ab und ist dann über die Zwischenform Sant Jago zu Santiago mutiert. Der Sage nach liegen hier die Gebeine des Jüngers Jakobus bestattet, daher dann auch Jakobsweg. Da sich Wallfahrtsorte von Alters her großer Beliebtheit erfreuten, weil die Pilger grundsätzlich für einen Geldsegen der betroffenen Orte und Gemeinden sorgten, entstand hier im 10. Jahrhundert die Kirche, die sich schnell zum Wallfahrtsort entwickelte.
Seit 1985 ist Santiago de Compostela UNESCO Weltkulturerbe und der Jakobsweg, welcher die Pilger hierhin führt, wurde 1987 zum europäischen Kulturweg ernannt.
Egal wie man auch immer zu derartigen Wallfahrtsorten stehen mag, man kann sich dem Zauber des Ortes irgendwie nicht entziehen.

Ähnlich wie in Lourdes aber für Flying Haggis und die beste Sozia von Allen doch eine Nuance anders, weniger ergreifend. Aber das muss jeder selbst für sich entscheiden. Bemerkenswert ist der Zielort des Jakobsweges und das Völkergemisch in Ort und Kathedrale allemal.

9. Tag Sonntag 24.09.2017 Santiago de Compostela – Candàs

Gedankenversunken machen wir uns heute auf unseren Rückweg nach Hause, der uns zunächst an der Atlantikküste entlang nach Candas führt. Zur Orientierung: Candas liegt etwa 15 Kilometer nordwestlich der Stadt Gijon und da klingelt es wahrscheinlich bei den eingefleischten Fußballfans direkt. Genau – 1982 Fußball WM und das wirklich denkwürdige Spiel zwischen Deutschland und Österreich. Der berühmte Nichtangriffspakt – Entweder man ist darüber eingeschlafen, ähnlich wie die beteiligten Spieler oder man hatte sich derart aufgeregt, dass ein medizinischer Notfall im Bereich des Möglichen lag.
Wir fahren aber innerlich komplett ausgeglichen unsere heutige Route in Atlantiknähe entlang, genießen die Landschaft und lassen geistig noch etwas unseren gestrigen Aufenthalt in Santiago Revue passieren.

Die Route ist wieder traumhaft – aber in anderer traumhafter Form als bislang. Wenn man nicht wüsste das man gerade seine Maschine an der spanischen Atlantikküste entlangführt, könnte man sich an die Küste von Schottland versetzt fühlen.

Den Abend genießen wir an dem wunderschönen Hafen von Candas.

10. Tag Montag 25.09.2017 Candas – Irùn

Die Königsetappe der Wallfahrt wartet auf uns. Zumindest im Bezug auf die anstehenden Tageskilometer, die uns schon in unmittelbare Grenznähe nach Frankreich unweit von San Sebastian zurückbringen. Über Covadonga und Santillana del Mar führt uns unser Weg diesmal über einige Autobahnkilometer, die wir aber dankend annehmen, da es wieder regnet und der Bereich um die spanische Großstadt Bilbao streckenmäßig keine kurvigen Alternativen zulässt.

11. Tag Dienstag 26.09.2017 Irùn – Mont-de-Marsan

Von Irùn soll es heute wieder hinein nach Frankreich gehen. Heißt wir dürfen heute wieder über die Pyrenäen und rollen über eine wunderbare kurvige Alternativroute über den Ibaneta


nach Roncevalles. Hier finden wir auch die Statue des gefallenen Ritters Roland, einem Paladin von Karl dem Großen, der hier, als Führer der Nachhut des Heeres von Karl dem Großen, Opfer eines Überfalls der Basken wurde.

Die Sage behauptet zwar, dass es sich um ein vielköpfiges Sarazenenheer gehandelt hat, was aber historisch nicht belegbar ist, sich aber besser anhört.

Unser heutiger Zielort Mont-de-Marsan wird auch gerne die Stadt der drei Flüsse genannt, denn die beiden kleinen Flüsse Midou und Douze vereinigen sich in der Stadtmitte zum Fluss Midouze. Mont-de-Marsan liegt mitten in der Gascogne und jetzt horchen sicherlich die Leser französischer Abenteurerliteratur auf. D`Artagnan der Held der vier Musketiere ( ja, ja den Kardinal Richelieu hatten wir auch bereits) stammte laut Alexandre Dumas aus der Gascogne. Wer dann noch den in Versform gewandten Cyrano de Bergerac in Erinnerung hat mit seinen Gascogner Kadetten, der schwelgt hier in der Region sicherlich in romantischen Erinnerungen und kann mit geschlossenen Augen schon die klingenden Degen hören.
Der Ort gilt als Hochburg der Bildhauerei und so ist das örtliche Museum Despiau-Wlerick, welches sich der Bildhauerkunst des 20. Jahrhunderts widmet der Anlaufpunkt für viele Freunde der zeitgenössischen Kunst.
Sehenswert ist auch noch der Skulpturengarten des Museums am Ufer des Midou.
Was das Interesse des (fast) immer hungrigen Flying Haggis hervorruft sind die landestypischen kulinarischen Spezialitäten Entenbrust, glasierte Ente und die Hühnchen. Also ran an die Verpflegung, wobei die regionale Spezialität Gänseleber eher nicht mein Ding ist.

12. Tag Mittwoch 27.09.2017 Mont-de-Marsan – Limoges

Unser 12. Etappentag führt uns über Mont-de-Marsan zunächst nach Rocamadour, einem traumhaften Ort, der wie ein Adlerhorst an einem Felsen hängt.

Was hier noch am oder besser im Felsen hängt ist das Schwert „Durandal“ des Ritters Roland.

Ja genau der Roland von der Schlacht bei Roncevalles. Der hatte (nachdem er sich in sein Schwert Durandal gestürzt hatte), selbiges bis nach Rocamadour geworfen, wo es im Felsen stecken blieb. Excalibur und König Artussage lassen schön grüssen.

Weiter geht es in Richtung Perigueux nach Limoges. Limoges liegt im nordwestlichen Zentralmassiv an dem Fluss Vienne. Historisch geht die Stadt wohl auf die Römer zurück, die nach der Eroberung Galliens das Städtchen auf einer Anhöhe oberhalb der Vienne erbauten. Die Römer nannten die Stadt Augustorium, bekannt war sie aber auch unter dem Namen Stadt der Lemoviken (keltischer Stamm aus Aquitanien) und aus diesem Wortstamm Lemoviken wurde dann wohl Limoges.
Zu sehen gibt es aus der Römerzeit noch ein Amphitheater, aber wer aus Trier stammt, dem muss man in Sachen altrömischer Denkmäler schon Besonderes bieten, wenn mehr kommen soll als ein: „Ja ganz nett!“ Ein Porzellanmuseum gibt es auch noch zu bestaunen, Limoges ist ein bekannter Ort für Porzellan- und Emaillemanufakturen in Frankreich. Aber der Transport von feinem Porzellan auf einem Motorrad ist als kritisch zu bewerten. Also kein Mitbringsel in Form des weißen Goldes in heimatliche Gefilde.

13. Tag Donnerstag 28.09.2017 Limoges – Orlèans

So ganz langsam nähern wir uns schon wieder unserem zu Hause. Die Etappe führt unsere vier Gruppen separat durch die Region und kurz vor unserem heutigen Zielort haben wir mehrere Stationen, die allesamt mehr als nur ein kurzes Foto wert sind.

Das Chateau Sully-sur-Loire

und die Abbaye de Fleury, welche die Gebeine des heiligen Benedikt bewahrt.

Was soll man von unserem vorletzten Etappenort sagen? Sobald der Name Orlèans fällt erübrigen sich alle weiteren Hinweise, weil sich alle Gedanken bereits auf Jeanne d`Arc personifiziert haben. Orlèans war im Hundertjährigen Krieg in den Jahren 1428 / 1429 die letzte französische Bastion im Kampf gegen die Engländer. Unter Führung der jungen Dame wurde die Stadt von der Belagerung der Engländer befreit. Wie das zu allen Zeiten üblich war oder ist, fiel das Dankeschön der Herrschenden aber anders aus, als man erwarten konnte. Die mit den Engländern Verbündeten Burgunder nahmen die junge Frau gefangen und am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d`Arc mit erst 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die dann später folgenden Selig- und Heiligsprechungen durch die katholische Kirche ändern an dem gruseligen Ende nicht viel.
Die üblichen Fotomotive, die unseren Besuch natürlich dokumentieren müssen, sind die Kathedrale Sainte-Croix und das Reiterdenkmal, welches an Jeanne d`Arc erinnern soll.

14. Tag Freitag 29.09.2017 Orleans – Châlons en Champagne

Von Orleans rollen wir zunächst zu unserer Zwischenstation, die auch für unsere Mittagspause herhalten soll. Auf nach Sens. So nach und nach trudeln alle Gruppen ein und finden sich, wie vom Magneten angezogen, an einem schönen Platz vor der Kathedrale, der auch einige Straßencafes zu bieten hat.

Wir sind also bereits in der Region, die für die Herstellung dieses sprudelnden alkoholischen Getränkes berühmt ist und gar nicht so weit entfernt von unserem ersten Etappenort Troyes. Es riecht bereits schon wieder stark nach „zu Hause“.
Châlons en Champagne hieß bis 1997 Châlons-sur-Marne und der Name des kleinen Flusses Marne weckt, aus Sicht der heutigen Deutsch-Französischen Freundschaft, keine guten Erinnerungen. Im September 1914 scheiterte in dieser Region breitflächig der sogenannte Schlieffen-Plan und es kam zum Wendepunkt im I. Weltkrieg. In der Folge starben in diesem Landstrich Tausende deutsche, französische und auch englische Soldaten, wie immer in Kriegen völlig sinn- und nutzlos, weil irgendwelche politischen Schwachköpfe es für eine gute Idee hielten.
Für diejenigen unter uns, die eine gewisse Affinität zur älteren Geschichte haben → Unweit von Châlons liegen die katalaunischen Felder und hier hatte der Hunnenkönig Attila eine seiner wenigen Niederlagen in der gleichnamigen Schlacht gegen den römischen Feldherrn Aetius und die Westgoten unter Theoderich erlitten.

15. Tag Samstag 30.09.2017 Châlons en Champagne – Trier

Tag 15 und Schlussetappe unserer Motorradwallfahrt. In strömendem Regen absolvieren wir unsere letzten Kilometer. 2 Wochen unterwegs, insgesamt 4.730 km gemeinsam mit den Motorrädern gefahren und ein Vielfaches der gefahrenen Kilometer an bleibenden Erinnerungen und Eindrücken erFAHRen. Mit Unbekannten gestartet und mit einer Gemeinschaft nach Hause zurückgekommen. Was kann einem eine Tour, ein Urlaub, eine Wallfahrt noch mehr bringen?
Den Glauben? Wie hört man so oft: Glauben heißt nicht Wissen! Aber wie häufig hat sich unser angebliches Wissen im Laufe der Jahrhunderte als Unwissen herausgestellt?
Wie viele erkrankte Menschen sind nach einem Besuch in Lourdes nachweislich gesundet. Was hat geholfen der Glaube oder möglicherweise der berühmte Placebo Effekt, der dann aus meiner Sicht auch wieder etwas mit Glauben zu tun hätte, der bekanntlich auch Berge versetzen kann.
Mit Glauben und mit Hoffnung, nämlich der Hoffnung, dass doch bitte wieder alles gut werden soll. Also hat Glauben auch sehr viel mit Hoffnung zu tun und Hoffnung habe ich fast jeden Tag. Die Hoffnung, dass der „liebe Gott“ doch bitte ausreichend Herz und Verstand vom Himmel werfen möge, damit die ganzen bornierten und selbstgerechten Menschen, die auf diesem Planeten als Führer ihrer Nationen oder Führungskräfte in Firmen nicht nur aus Sicht der Evolution Menschen sind, sondern auch menschlich handeln mögen.
Wie hatte ich zu Beginn geschrieben: Ob dieser „Werfer“ jetzt Gott, Allah, Buddha, Manitou oder Odin heißt ist mir ziemlich gleichgültig.
Also auf Leute und macht euren Sprung ins Ungewisse. Die Tour und die Eindrücke werden euch helfen vielleicht aus der Ungewissheit ein wenig Gewissheit zu gewinnen ODER zumindest Hoffnung!

Gesamtkilometer 4.730 km

IMPRESSIONEN:


Nationalstraßen sind zwar eintönig, man kann aber
auch wunderbar Gedanken Revue passieren lassen.
(Danke Guido)


Ortsdurchfahrten sind dagegen kurzweilig und man
genießt die Idylle.
(Danke Guido)


Die Zeitung kommt mir „spanisch“ vor


DANKE Rainer! Die Sache mit der Zeit hat auch
wieder genau das Thema getroffen! Und das auf
dem Ibaneta mit der Aussicht.


Angekommen oder heimgekommen in Trier an der
Abtei St. Matthias. Ein schönes Gefühl, trotz des
Regens!

„Unser Charly“ und Hubertus bei der Pressearbeit
mit dem SWR.

Grand Prix Eurovision oder EU einmal anders! (Glosse)

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Die Linke zum Gruß! Das ist bei uns so Sitte. Nicht Dogma oder politische Gesinnung, Nein – einfach das Zeichen für unser Gegenüber: Ich habe Dich gesehen und ich finde es klasse, dass Du mein Hobby (oder vielleicht besser meine Passion) teilst!

Wir machen das einfach, weil es uns ein Bedürfnis ist und wir damit auch ein Signal setzen. Wir sind als Motorradfahrer wie eine Seilschaft bei einer Bergtour. Ein Fehltritt am Berg und die gesamte Seilschaft hat ein Problem. Was sie aber gemeinsam meistert. Genauso ist das auch in einer Gruppe Motorradfahrer/-innen. Ein Fehler und es kann gravierende Folgen für die Nachfolgenden in der Gruppe haben. Im schlimmsten Fall der Sturz von einem oder mehreren in der Gruppe. Ein Ölfleck oder ein plötzliches Hindernis auf unserer Strecke. Wir geben den entgegenkommenden Motorrädern Zeichen. Kurzum wir passen aufeinander auf!

Schon einmal genau rekonstruiert wen wir alles grüßen? Nein? Richtig – warum sollten wir das auch tun? Der / die fährt Motorrad, also ist er auch in Ordnung, denn er denkt, fühlt auf seiner Maschine genau wie man selbst.

Und weil das so ist, ist uns auch egal welche Länderkennung hinten auf der Maschine klebt. Ob der jetzt aus Frankreich, Holland, Polen, den Niederlanden, Italien oder dem Planeten Alpha Centauri stammt ist für uns in diesem Moment herrlich egal. Es reicht, dass er oder sie genau wie wir Motorrad fährt.

Und wenn wir neben ihm oder ihr auf einer Rennstrecke sitzen und unseren motorradfahrenden Helden zu jubeln, dann ist es erstens auch egal für wen er jubelt und zweitens auch egal woher er jetzt stammt. Da sind auch Sprachprobleme keine wirkliche Barriere. Es wird geradebrecht was das Zeug hält und irgendwie macht man sich dem Gegenüber auch verständlich. Gemeinsam hat man Spaß und teilt diesen mit zigtausend Gleichgesinnten. Wenn man das Gleiche auch bei Fußballspielen sagen könnte wäre es schön, steht aber jetzt auf einem komplett anderen Blatt.

Was will ich jetzt sagen? Wir Motorradfahrer/-innen sind ein tolerantes Völkchen. Bei genauerer Betrachtung wahrscheinlich die toleranteste Schnittmenge an Erdenbewohnern, die diesen Planeten bevölkert. Und wenn ich mir das aktuelle Weltgeschehen, insbesondere den Hickhack in der EU genauer betrachte, dann tut es Not, dass sich endlich tolerante Menschen um unsere Einheit kümmern. Damit meine ich diejenigen, die ohnehin seit Jahren grenzübergreifend miteinander klar kommen und miteinander (Benzin) reden.

Die Lösung aller politischen Probleme → keine Parteien mehr und stattdessen nur noch Motorradfahrer/-innen ins EU-Parlament oder zur UNO. Die Sache würde laufen wie geschmiert.

Im Kabinett, als EU-Parlamentspräsident il Dottore Valentino Rossi. Als Verteidigungsminister, weil in Sachen Titelverteidigung in den letzten Jahren sehr geübt, Marc Marquez. Finanzminister könnte Jorge Lorenzo werden, denn wie man gute Verträge aushandelt hat er bei Ducati bewiesen. Cal Crutchlow hat schon das ein oder andere Pub von innen gesehen, also Wirtschaftsminister. Maria Herrera wird Familienministerin und unsere Lucy Glöckner Gleichstellungsbeauftragte. Da ich sowohl für Weizenbier, als auch für italienische Rotweine sehr empfänglich bin könnte ich mir eine Anstellung im Ministerium für gesamtdurstige Fragen vorstellen.

Eine Idee hätte ich noch! Dieses EU-Parlament könnte man aus Luxemburg und Brüssel vielleicht nach Bozen verlegen. Dann wäre ich als EU-Abgeordneter näher an meinen geliebten Dolomitenpässen. Möglicherweise haben wir dann aber ein analoges Problem zum aktuellen EU-Parlament. Kaum ein Parlamentarier bei den Sitzungen im Plenarsaal anwesend. Egal – bei wichtigen Tagesordnungspunkten treffen wir uns eben zu einem kurzen Stopp oben am Falzarego – stimmen ab und dann auf zum Giau!

Politik kann auch Spaß machen! Man muss nur die Leute damit beauftragen, die sich ohne viele Worte unter- und miteinander verstehen. Motorradfahrer/-innen eben!

Jonas Folgaaas,

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der neue Stern am deutschen Moto-GP-Himmel. Oftmals habe ich Jonas Folger etwas kritisch gegenüber gestanden. Nicht weil ich an seinen fahrerischen Qualitäten gezweifelt habe, sondern weil er ähnlich wie auch andere gute Piloten im Fahrerfeld an gewissen Tagen (oder auf gewissen Strecken) nur schwer zu schlagen oder sogar unschlagbar war und eine Woche später dann im Punktenirgendwo gelandet ist.

Natürlich kann man jetzt sagen: Flying Haggis was willst Du eigentlich? Schließlich fährst Du auch auf deinen Lieblingsstrecken schneller und besser, als auf der einen oder anderen Piste, die dir nicht liegt oder die für dich neu ist!

Jonas Folger und seine Entwicklung beobachte ich schon lange. Das der, für einen Motorradrennfahrer, lange Kerl mit der 125er bzw. der Moto 3 so seine liebe Mühe hatte war mir klar. Der Gewichts- und Aerodynamiknachteil war nur schwerlich mit fahrerischem Können zu kompensieren, zumindest nicht permanent auszugleichen.

Das einzige Mal, als ich wirklich gedacht hatte: „Junge, was hast Du denn da gemacht?“ – war bei seinem Engagement beim Aki Ajo Team, also der Vorzeigemannschaft in der kleinen Klasse, die als Weltmeisterschmiede bezeichnet werden kann. 

Auf Topmaterial unterwegs war urplötzlich mitten in der Saison Schluss.  Die Werksmaschine ging an seinen Teamkollegen. Gerüchte und Mutmaßungen geisterten da durch die Gazetten, an denen sich Flying Haggis nicht beteiligen möchte. War eben so und damit soll es auch gut sein oder in dem direkten Zusammenhang mit der Historie eher schlecht sein.

Jetzt heuerte Jonas nämlich – sozusagen als letzte Tankstelle vor der Wüste – bei Ioda Racing an, nachdem ein MZ Engagement unmittelbar zuvor geplatzt war.

Ioda? Das war ein Rennteam und Material zu diesem Zeitpunkt, das man seinem schlimmsten Feind nicht wünscht. Bildlich gesprochen gingen selbst Teile, die gar nicht verbaut waren, an diesem Motorrad kaputt. Die Chancen von Jonas Folger mit diesem Material ein Moto 3-Podest zu erreichen waren etwa so groß wie mit einem Heimtrainer die Tour de France zu gewinnen. Sobald ein Licht am Ende des Iodatunnels zu erkennen war schlug der Defektteufel wieder zu.

Manchmal hilft aber auch das Glück und so folgte in der Sommerpause unerwartet das Engagement im Mapfre-Team des Ex-Weltmeisters „Aspar“ Jorge Martinez. Wenn dieser erfahrene (spanische) Teamchef einen solchen Schritt wagt, einen Alberto Moncayo wegen chronischer Erfolglosigkeit vor die Tür zu setzen und gegen einen deutschen Fahrer auszutauschen, dann musste er auch von der Leistung des jungen Deutschen und seinen Qualitäten überzeugt sein. Schließlich gibt es kein anderes europäisches Land, dass vergleichbar mit Spanien Saison für Saison Weltklasse-Nachwuchsfahrer aus den nationalen Klassen in die Motorrad-WM entlässt. 

Und was macht man dann als anständiger Arbeitnehmer in einem Rennteam? Man stellt sein Motorrad im ersten Rennen auf das Podest mit einem dritten Platz (USA – Indianapolis) und im folgenden Rennen in Brünn bedankt man sich mit einem Rennsieg. So fand die Saison 2012 noch einen versöhnlichen Abschluss.

2014 In die Moto 2 aufgestiegen war er dann zunächst in dem guten spanischen AGR Team (Argiñano & Gines Racing) unterwegs und konnte dort auch Highlights setzen. Wahrscheinlich war die Hospitality auch auf hohem Niveau, denn der Teamchef war ein bekannter Fernsehkoch aus dem spanischen Fernsehen. Mit diesem Team legte er auch 2015 einen Traumstart in die Moto 2 Saison hin, als er den ersten Lauf in Katar gewinnen konnte und kurzzeitig die Führung im Klassement übernahm. 

Nächster Karriereschritt war dann das deutsche Team Dynavolt, als Teamkollege von Sandro Cortese.


-24- Podien stehen zwischenzeitlich zu Buche bei Jonas Folger und das klassenübergreifend. 4 x 125er, 8 x Moto 3 und derer 11 in der Moto 2, davon 3 Rennsiege.
Jetzt kam auf dem Sachsenring Podestplatz Nr. 24 insgesamt und Nr. 1 bei der Moto GP hinzu. Erst der zweite deutsche Fahrer, der das von sich behaupten kann. Und das verleitet mich zu einer Kernaussage, die wahrscheinlich einige Leute aufregen wird:
Der Podestplatz von Jonas Folger am Sachsenring ist höher zu bewerten, als der 2. Platz von Stefan Bradl in Laguna Seca 2013!

Warum? Weil Jonas Folger diese Platzierung durch eigene Leistung und fahrerisches Können erreicht hat. Bei Anwesenheit von allen aktuellen Toppiloten und Konkurrenten. Weiland 2013 in Laguna Seca fehlten einige der üblichen Podestanwärter verletzungsbedingt oder waren gesundheitlich, auf Grund ihrer Verletzungen, nicht auf der Höhe.

Was für mich ein weiterer Grund für eine gewagte Prognose ist: Endlich hat Jonas Folger keinen körperlichen Nachteil wegen seiner Größe!

Er passt wie maßgeschneidert auf die Tech3 Yamaha und deren Fahrwerk sowie Motorenkonfiguration scheint auch für seinen Fahrstil wie gemacht zu sein. Diese Tech3 Yamaha, welche der Werksmaschine aus der Saison 2016 entspricht ist in Sachen Fahrwerk augenscheinlich genau das was Jonas benötigt um schnell zu sein. Schon bei den Vorsaisontests hat er adaptiert, dass sein alter Moto 2 Fahrstil quer anbremsen und im Drift in die Kurve nicht die schnellste Variante mit der 2016er Yamaha ist. Stattdessen geht es jetzt weich und rund mit Wahnsinnsschräglagen um die Ecken. 

Und jetzt am Sachsenring kam der nächste Schritt in Sachen Ankommen in der Moto GP hinzu. Das einzige Manko, der einzige Vorwurf den man Jonas Folger noch machen konnte ist Geschichte. Dieser fehlende Biss in den ersten Kurven bzw. der ersten Runde, auf Grund dessen er immer wieder den direkten Anschluss an die Spitze verlor.

Keine Spur mehr davon zu sehen. Wer die Szene beobachtet hat, als er sich am Sachsenring Ausgangs Kurve 2 ins Omega stürzte – im Stile eines Valentino Rossi oder Marc Marquez seinerzeit in der Korkenzieherkurve in Laguna Seca – der hat zu diesem Zeitpunkt gemerkt, dass hier etwas Klick gemacht hat. Kein Zurückziehen, kein weiter Bogen und Plätze verloren – quer durch die Rabatten führte ihn sein Weg direkt in die Weltspitze und dort hält er sich nun auf UND zurecht.

Für den geneigten Betrachter die besagte Szene zum „Zungenschnalzen“ in drei Sequenzen. 

Jetzt hatten wir Sommerpause und Jonas Folger konnte seine Wahnsinnstat am Sachsenring erst einmal verdauen und auf sich wirken lassen. Ich denke dieser zweite Platz am Sachsenring war für Jonas Folger eine Initialzündung. In der Art: Hey Mann, wenn ich einen guten Tag habe dann kann ich bei den Besten nicht nur mithalten, sondern Sie sogar schlagen.

Das dies so ist und DAS ER genau das auch gespürt und gemerkt hat – beobachtete man als Jonas zur Pressekonferenz gekommen ist. Da kam ein gereifter Rennfahrer an – mit einem breiten, selbstbewussten Lächeln im Gesicht: So Leute – ab heute müsst Ihr mit mir rechnen! 

Und was kommt jetzt? Jetzt kommt BRÜNN! Und für diejenigen, die es vielleicht nicht so auf dem Schirm haben:

Erster Grand Prix von Jonas Folger war 2008 in Brünn. Sein letzter Moto2 Sieg war 2016 in Brünn. Und die Mapfre Aprilia hatte er 2012 ebenfalls in der Moto 3 zuoberst auf das tschechische Podest in Brünn gestellt.

Die erste Strecke nach der Sommerpause sollte Jonas also liegen und vielleicht macht er direkt damit weiter womit er aufgehört hat. Mit einem starken und nervenaufreibenden Rennen, in dem die deutschen Rennfans wieder mitfiebern und (hoffentlich) auch jubeln können. Das Podest am Sachsenring wird bestimmt nicht sein Letztes gewesen sein – daran glaubt Flying Haggis fest! Und im Tech3 Team bei dem erfahrenen Herve Poncharal kann Jonas in aller Gemütsruhe reifen und Erfahrungen sammeln – um dann den Platz von Doctor Valentino Rossi in der Saison 2020 zu beerben.

Also Folgaaas!

Wo der Glamour aufhört……….

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……….beginnt die Arbeit. Und die Arbeit kann vor, in und hinter den Kulissen einer derart riesigen Veranstaltung wie dem Großen Preis von Deutschland auf dem Sachsenring vielfältig sein.

Der Glamour im wahrsten Sinne des Wortes ist bei einem Motorradrennen sicherlich immer die Siegerehrung und die sich anschließenden Pressekonferenzen. Aber selbst DAS ist auch Arbeit für die Grand Prix Helden, die jetzt den mentalen Stress haben sich nur ja gut verkaufen zu müssen oder sollte ich statt verkaufen doch besser darstellen sagen? Manchmal sind da Übergänge fließend. 

Also ist Hände schütteln angesagt mit allem was dazu gehört.

„Hallo Marc. Herzlichen Glückwunsch!“ 

„Ja – Danke!“ (Wer ist die Frau überhaupt und woher muss ich die kennen?)

Es geht also durch das jubelnde Spalier der Gratulanten und danach muss bei der Presse, ähnlich wie bei einer Rede zur Oscarverleihung, an jeden gedacht werden, der in welcher Art auch immer an dem Erfolg Teil hatte oder vielleicht auch nur glaubt Teil zu haben.

 

Das nette Gesicht müssen die Jungs aber auch schon während des gesamten Wochenendes machen. Denn die Fans erwarten strahlende Helden, wenn SIE zum gefühlt 1000 x zum Selfie oder Foto aufgefordert werden.

 

Da ist es herzlich egal ob das Training jetzt gut oder schlecht gelaufen ist und MAN sich darüber Sorgen macht OB morgen am Renntag alles gut gehen wird.

 

„Die schaukelt sich so auf nach der Kompression im Omega. Was ist das nur und Warum zum Teufel bekommen wir das nicht weg?“ Oh – Moment ich muss lächeln.

Und jetzt sind wir bei den Boxenteams. Da ist recht wenig Glamour ABER dafür verdammt viel Arbeit angesagt. Das sind für mich die Helden des Wochenendes. Wenn der Fahrer wieder einmal die Maschine im Kiesbett kaltverformt hat und das gute Stück als 3-D-Puzzle in die Box transportiert wird. Steht keine Zweitmaschine zur Verfügung (wie vorgeschrieben in der Moto 2) dann heißt es die Finger fliegen lassen, damit das Motorrad zum nächsten Training wieder fahrfertig und konkurrenzfähig ist.

 

 

Da haben wir auch noch die kleineren Teams (z. B. bei der Moto 3), die wegen der häufig geringen Raumkapazitäten keinen Platz in der Boxengasse haben. Am Sachsenring heißt das – nach Trainingsende zieht die Karawane quer über die Strecke in das Fahrerlager 2, um dort die weiteren Arbeiten zu erledigen.

 

Irgendwann ist dieser ganze Stress und die Hektik dann selbst den ganz Großen der Zunft zu viel und es geht in den wohlverdienten Ruhestand. So einer wie Sepp Schlögl, der bereits Dieter Braun, Toni Mang und Tom Lüthi zu Weltmeisterehren verholfen hat verlässt dann die Weltbühne Moto GP.

 

Wie man sieht hat er aber Wissen und (die Metapher sei gestattet) das „Staffelholz“ an andere übergeben. Stefan „Stef“ Haseneder schraubt derzeit bei Marc VDS und hat, nach der Zeit bei Tom Lüthi, schon die Moto 2 Maschinen von Tito Rabat, Mika Kallio und jetzt Alex Marquez rennfertig und schnell gemacht.

 

Manchmal ist da gerade ein ruhiger Moment um einen Espresso zu genießen. Stile di vita italiano – italienische Lebensart muss auch hier sein UND ausgerechnet jetzt muss einer erscheinen und davon ein Foto schießen. Da darf man dann auch schon einmal etwas ungehalten schauen.

 

Denn das Team muss ja auch gut verpflegt werden und das Menü in der jeweiligen Teamhospitality muss natürlich bei den Sponsorenterminen höchsten Ansprüchen genügen.

 

Da erinnert die Küche, in der das Ganze dann gezaubert wird, eher an die engen Verhältnisse die ein Koch in einem U-Boot vorfindet.

 

Jetzt haben wir von den Hütern des schwarzen Goldes noch gar nicht gesprochen. Kaum zählbare Varianten und unterschiedliche Konfigurationen an Reifen und Gummimischungen werden hier von Dunlop und Michelin angeschleppt, um den Ansprüchen der Teams und Fahrer gerecht zu werden. Am Sachsenring mit seiner linkslastigen Auslegung dann derart, dass die Gummimischungen auf der linken Reifenflanke etwas härter ausfallen als rechts. So halten SIE dann auch ein Rennen aus und laufen (einigermaßen) gleichmäßig ab.

Das war jetzt ein kurzer Blick hinter die Kulissen und dabei haben wir von den unzähligen, freiwilligen Helfern am Streckenrand, den Sanitätern, den Einweisern an den Parkplätzen noch gar nicht gesprochen.

UND von den Leuten die in mühseliger Kleinarbeit und Überstunden die Veranstaltung im Vorgriff planen und organisieren, sowie an den eigentlichen Veranstaltungstagen reibungslos ablaufen lassen. Alle Achtung und Chapeau an die Leute rund um die Sachsenring-Rennstrecken-Management GmbH.

Habt IHR TOLL gemacht – auch wenn sich jetzt einige ewig Nörgler berufen fühlen an der Organisation herumzumäkeln. Denn wo der Glamour aufhört – da fängt die Arbeit an. Und diejenigen, die auf dem Sonnendeck des Kreuzfahrtschiffes Champagner schlürfen sehen die Heizer vor den Kesseln nicht schwitzen.

Wir sehen uns 2018 und da knacken wir auch wieder die 200.000 Zuschauer am Wochenende!

IMPRESSIONEN:

Marcel Schrötter – einmal als „Fake“ an der Hospitality und einmal Original.


FORWARD – Ohne „Balda“ Baldassarri mit Ersatzmann Frederico Fuligni und Luca Marini etwas unter Wert geschlagen. KOPF HOCH – Balda ist bald wieder da und dann geht`s um Podestplätze.

 

Gigi Dall`Igna zieht die Stirn in Falten. 800 m Zielgeraden sind für die bärenstarke Ducati einfach zu wenig.

 

Stefan Kiefer: „Keine Zeit ich muss zur Box!“

 

„Habt Ihr bei KTM noch einen Platz für mich?“
„Nein, Danke. Wir sind bestens bestückt“

 

Wenn man das ganze Wochenende für Sicherheit gesorgt hat, dann darf  auch mit dem Sieger gefeiert werden (auch wenn er nicht aus Deutschland kommt)

Das „Herz“ des Motorsports und die Fenster ins Leben!

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Meine Augen sind die Fenster in mein Leben. Wenn der Genuss an italienischem Rotwein oder an Weizenbier nicht überproportional hoch liegt funktionieren sie auch noch einwandfrei – zumindest auf die Entfernung.

So ist es für mich in neuen Gefilden ein Muss alles Mögliche Neue und auch Alte anzusehen – oder sagen wir besser statt alt historisch. Wo macht man das jetzt besser als in einem Museum!

Was sagt uns das allwissende Internet dazu? Ein Museum ist gemeinhin eine Institution, die eine Sammlung bedeutsamer und lehrreicher oder exemplarischer Gegenstände aufbewahrt und Teile davon für die Öffentlichkeit ausstellt.

Bedeutsam und lehrreich? Da habe ich WAS für Euch und bei exemplarisch aufbewahren und für die Öffentlichkeit ausstellen hätte ich es auch nicht treffender sagen können. Bei zwei der Anderstouren bzw. bei den Einkehrtipps

https://flyinghaggis.net/2015/05/15/eifel-ahr-oder-das-wirtshaus-in-spessart/

https://flyinghaggis.net/2016/08/12/ohne-mampf-kein-kampf/

habe ich euch den Tipp Classic-Race-Museum in Jammelshofen nahegelegt. Diesem Tipp, sowie seinem Gründer und Betreiber gehen wir jetzt buchstäblich näher auf den Grund.

http://classic-race.de/

Frithjof Erpelding hat nach seiner aktiven Zeit als Rennfahrer, immerhin 16 Jahre,  nicht nur seine eigenen Rennmotorräder (eine NSU Fox und eine Norton Manx)

 

sondern eine Vielzahl von weiteren Modellen, die das Herz eines jeden Rennsportfans höher schlagen lassen, in seinem Museum zusammengetragen.

Mittlerweile stellt der umtriebige Frithjof Erpelding über 200 Exponate aller Motorsportklassen und Epochen, beginnend mit dem Jahr 1927 bis zum heutigen Tag, in seinem feinen Museum aus.

Also nichts wie rein in diese Zeitmaschine des Rennsports und einen Blick durch unsere Fenster des Lebens auf die Historie der Motorsportgeschichte geworfen.

 

Da stehen SIE Rad an Rad wie die Botschafter vergangener Epochen der Rennstrecken dieser Welt.

Eine Bultaco, die den großen Preis der Niederlande in Assen gewonnen hat.

Eine DKW Ore 250 → Sie war 2 x auf der Isle of Man erfolgreich.

Mit der Start-Nr. 132 eine 350er Norton aus dem Fuhrpark von Geoff Duke dem Halbliterweltmeister der Jahre 1953 – 1955.

„The Duke“ dominierte die Motorradrennen in den 50er Jahren. Er war sozusagen der erste Superstar der Szene vergleichbar mit Valentino Rossi in unseren Tagen. Sechs Weltmeistertitel und fünf Siege bei der TT auf der Isle of Man sprechen Bände. Und hier im Classic Race Museum dürfen wir einen Blick auf seine 350er Norton werfen.
Das Herz des Motorsportenthusiasten Erpelding gehört aber irgendwie den König-Modellen, die im Museum Ehrenplätze inne haben. Der eigentliche Spezialist für Rennboote König hat seine leistungsstarken Motoren sowohl als Kraftquelle bei den Gespannen, als auch bei so mancher potenten Solomaschine gespendet.

Ein Strahlen in die Augen bekommt Frithjof Erpelding auch wenn er auf seine Velocette zu sprechen kommt.

Nur noch -5- dieser Modelle existieren auf der Welt. Ein spleeniger Brite hat bereits testamentarisch festgelegt, dass seine Velocette im Nachbargrab neben ihm bestattet wird. Erpelding hatte den Engländer daraufhin in seinem rheinischen Humor darum gebeten BITTE die Schaufel direkt liegen zu lassen, damit Er die Maschine unmittelbar nach dem Begräbnis wieder ausbuddeln kann.
Überhaupt streut Erpelding zwischen seinen fachlichen Erläuterungen immer wieder private Anekdoten in die Führung ein. Sein Sohn, Frithjof jun. (zwischenzeitlich gibt es in der Ahnenreihe -3- Herren mit dem Vornamen) war bereits früh vom Motorradbazillus seines Vaters infiziert worden und fuhr ebenfalls schon mit den Maschinen um das heimatliche Anwesen, wo andere Kinder noch mit Tretroller beschäftigt und ausgelastet waren. Da die Beine des Juniors aber noch nicht die richtige Länge aufwiesen um auch sturzfrei anhalten zu können wurden in regelmäßigen Abständen Hohlblocksteine positioniert, damit Klein-Frithjof unfallfrei anhalten und das Manko der kurzen Beine ausgleichen konnte. Auch improvisieren will gelernt sein. Mit vier Rädern war Erpelding ebenfalls unterwegs und so wundert es nicht, dass im Museum auch der ein oder andere Rennwagen zu finden ist. Da ist ein wunderschöner Cooper – eine Leichtbaurakete aus britischer Herstellung.
Zeitweise gehörte Cooper zu den erfolgreichsten Formel-1-Teams. Jack Brabham, Bruce McLaren
und Jochen Rindt fuhren auf Coopers Werkswagen Erfolge ein. Einer der ersten Cooper-Kunden war Stirling Moss; sein Cooper T5 war sein erstes Rennauto.Coopers Quasi-Werksteams in der Formel Junior und der Formel 2 wurde zeitweise von Ken Tyrrell geführt, dem Briten der Jahre später auch seinen eigenen Rennstall Tyrell in der Formel 1 zu Ruhm und Ehre führte.Einige Modelle aus der Fabrikation von Honda, die unter Erpelding Rennluft geschnuppert haben.

UND – wenn hier vielleicht Cineasten unter uns sind, die sich noch an den Tom Cruise Film „Days of Thunder“ erinnern können → ein Nascarbolide aus dem Kinofilm.

Die meisten Maschinen sind ohne ihre Verkleidungen ausgestellt, damit man freien Blick auf die Technik und die Motoren hat. Ich finde es gut. Hat man doch so wirklich den unmittelbaren Blick auf die handwerklichen Problemlösungen früherer Rennsportepochen.
Eine schöne MZ steht mit ihrer windschlüpfrigen Rennverkleidung der 50er in der Ausstellung. Ähnlich wie bei einigen Guzzimodellen dieser Zeit ziert SIE ein wahnsinniges Drum an bauchiger Verkleidung. Sollte windschlüpfrig machen, war aber ausgesprochen empfindlich bei Seiten- oder Aufwind.

Apropos Moto Guzzi. Für einen ausgesprochenen Guzzi-Liebhaber baute Erpelding ein Modell zusammen, welches geziert wird vom Moto Guzzi Emblem. Der Witz daran ist, dass außer diesem Aufkleber nichts aus der Fertigung von Moto Guzzi stammt. So ist u. a. der Motor von einer 4-Zylinder Benelli. Deshalb steht auch abschließend „Giese-Eigenbau“ unter dem Modell.

Ich könnte jetzt noch gut einen Stunde schreiben oder wahrscheinlich sogar noch länger – ist aber letztendlich nicht der Sinn der Sache.

Leute, wenn IHR in „Ringnähe“ seid, dann auf nach Jammelshofen in die Kirchstraße 9 und nichts wie rein in das Classic-Race-Museum.

 Denn wie heißt der Slogan des Museums:

Wo Motorenöl gerne in den Ruhestand geht…..

UND wenn IHR dann im Museum steht und die Modelle mit euren Fenstern ins Leben betrachtet, dann schließt sie einmal für einen Moment und hört einfach nur etwas genauer hin!

Dann hört IHR das dumpfe Grollen und Brummen der Motoren und vielleicht sogar im Hintergrund die Stimme von Jochen „the Voice“ Luck:

Helfer bitte Startplatz räumen! Noch dreißig Sekunden bis zum Start! Helpers clear the track!

https://flyinghaggis.net/2015/07/31/jochen-the-voice-luck-oder-90-jahre-geballter-motorsport/

IMPRESSIONEN:

 

Manchmal macht man(n) seine Passion zum Beruf – GILLES Tooling

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Es gibt Menschen für die hege ich eine außerordentliche Bewunderung. Das sind z. B. diejenigen, die aus ihrem angestammten Umfeld (sei es Familie oder Beruf) von einem Tag auf den anderen ausbrechen und einfach DAS machen, was Sie immer schon ge- oder erträumt haben.

So frei nach dem Sinnspruch: Träume nicht dein Leben. Lebe deinen Traum!

Und damit sind wir bei der zweiten Gruppe der Menschen, die ich bewundere. Diejenigen, die ihren Traum oder in diesem Falle besser ihre Passion, direkt zu ihrem Beruf und zur Berufung machen.

Gerhard Gilles, ein neudeutsch Selfmademan, geht in der von ihm gegründeten Firma Gilles Tooling

https://www.gillestooling.com/

seiner Passion nach. Soll konkret heißen Motorräder und Motorradrennsport.

Ja Leute – hier ist ein Enthusiast in Sachen Motorräder am Werk und seine wertigen Produkte sind im harten Alltag auf den Rennstrecken dieser Welt ausgetestet.

Sogar unser „Doctor“ Valentino Rossi und das Yamaha Werksteam schwören auf Gilles Tooling und am Heck der Werksmaschinen auf der Radabdeckung prangt stolz das Firmenlogo – die beiden gespiegelten und überkreuzten „G“, welche ineinander verwoben auf den Werksyamahas wie die Brandzeichen auf Rennpferden zu sehen sind.

Der Rest seiner sportlichen Kundschaft liest sich wie das Who is who im Sektor Motorradrennsport. So zählten auch Sam Lowes und Cal Crutchlow bereits zur Kundschaft von Gerhard Gilles.

Das aber nur einmal als Einleitung in die Materie, denn Flying Haggis hatte Gelegenheit das „Allerheiligste“ der Firma Gilles Tooling im nahen Großherzogtum Luxemburg in einem kleinen Industriegebiet bei Grevenmacher zu besichtigen. Der für den Vertrieb im deutschsprachigen Raum (und einige andere Dinge) zuständige Mitarbeiter Andre Michels führte Flying Haggis durch die heiligen Hallen der Firma. Wie soll man jetzt Andre Michels am besten beschreiben? Am treffendsten wäre sicherlich die Metapher er ist der menschgewordene Produktkatalog der Firma Gilles Tooling. Es gibt nichts was Andre Michels über die Firma nicht weiß und das Strahlen in den Augen bei der Darstellung der Produkte und „seiner Firma“ zeigt dem Besucher ganz eindeutig Hier steht jemand der zu mehr als 100 Prozent von seiner Firma und den Produkten überzeugt ist.

Was soll ich sagen? Die Firma und die Herstellungsräume vermitteln einen derartigen Eindruck, dass man schlichtweg begeistert ist. Hat man noch aus den frühen 80er Jahren die Hinterhofschrauber im Kopf, die zwar handwerklich fit waren, aber oftmals in Werkstätten ihrer Arbeit nachgingen, die Kramläden nahekamen (links liegt der Krims und rechts liegt der Krams zusammen genommen dann Krimskrams-Laden), ist man hier im Vergleich dazu in einem anderen Sonnensystem gelandet.

Die Werkbänke und Fertigungsanlagen sind derart klinisch sauber, dass die Angestellten wahrscheinlich auch bakterienfrei Operationen am offenen Herzen durchführen könnten.

Euer werter Erzähler fühlte sich gefühlsmäßig in Kindertage zurückversetzt, als ein kleiner Kerl mit strahlenden Augen durch den Legoladen lief und an jedem Regal irgendetwas gefunden hat, was seine unstillbare Begierde geweckt hat.

Alle Teile sind aus dem Vollen gefräst und werden hier vor Ort gefertigt.

Kein Billigzulieferer aus Fernost findet seinen Weg hier in die Produktion. Das würde dem Qualitätsanspruch von Gerhard Gilles nicht gerecht werden und damit stellen sich diese Fragen und die Option nach Billigimporten erst gar nicht.
Gefertigt wird für Yamaha (MT-Serie, Tracer und R 1) , Suzuki und auch BMW (HP), aber auch für andere Hersteller findet sich ausreichend Material im Produktkatalog. An dem neuen „BMW-Übermodell“ HP 4 werden -30- Komponenten aus dem Hause Gilles verbaut. Wenn das nicht bereits aussagekräftig ist – Was dann?

Da sind z. B. filigran gearbeitete Fußrastenanlagen im Programm eine schöner gemacht als die andere. Alle offenbaren dabei ein Ziel – die Ergonomie. Variabel und einfach verstellbar lassen sie Fahrer/-in so auf der Maschine Platz finden, dass genau der wichtigste Punkt im Vordergrund steht: Motorradfahren!
Denn wo nichts kneift und beißt hat man seine Gedanken da wo sie hingehören, nämlich auf der Straße und nicht bei der malträtierten Muskulatur oder einem schmerzenden Bandapparat.


Das gilt analog für die Riser und gipfelt dort in dem Modell 2D.GT. Hier ist wirklich alles verstell- und justierbar was dem Fahrer/-in dient. Reichweitenverstellung bis zu 50 mm. Die Höhenanpassung in 5 mm Schritten und die Offseteinstellung 9 – 19 mm in Richtung des Fahrers.


Variabel verstellbare Stummellenker und das alles ohne baulich z. B. bei einer Ducati Panigale Hand an die Verkleidung legen zu müssen. Konkret heißt das: Hier muss nicht Material ein- oder weggeschnitten werden, was abschließend irgendwann einmal einen Rückbau erschwert oder unschön erscheinen lässt.

Eigentlich rechnet man bei der Betrachtung der Artikel nur noch damit, dass Valentino Rossi persönlich kurz vorbeischaut, um sich ein neues Paar für seine M 1 abzuholen.

Ciao ragazzi Sto facendo un test rapido!

Jetzt haben wir von den Kleinoden wie Kupplungs- und Bremshebeln

noch gar nicht gesprochen. Der weltweit erste spielfreie Hebel ist hier bei Gilles im Programm. Hier wackelt nichts mehr in der Aufnahme und die Bewegung geht nur noch in die Richtung für die er auch gedacht ist.

Im Rennsport seit Jahren Pflicht, damit bei engen Manövern nicht versehentlich ein Konkurrent Kontakt zu Brems- oder Kupplungshebel aufnimmt die Lever Guards; wörtlich Hebelwächter oder Schutzbügel.
Auch hier in einer praxisorientierten Variante mit 2-teiliger Bauart und Sollbruchstelle. Der Haupthalter, wie alles bei Gilles aus dem Vollen gefräst, nimmt den glasfaserverstärkten Schutzbügel aus Kunststoff auf. Besser der Schutzbügel zerlegt sich im Ernstfall in zwei Teile, als
  der schöne teure Bremshebel.

Und falls uns unser Weg doch einmal bei einem Fahrertraining ins Kiesbett oder auf der Heimstrecke in den nächstbesten Acker verschlagen hat – dann hat uns, bzw. den Rahmen unserer Maschine, womöglich eines der patentierten Sturzpads aus der Fertigung von Gilles Tooling vor einem größeren Schadensbild bewahrt.


Was gibt es noch? Felgen von der Firma Galespeed, einem langjährigen Kooperationspartner von Gilles Tooling. Für die in Japan hergestellten Schmiederäder ist Gilles der Europaimporteur. In der Moto 2 werden diese Felgen u. a. auch von Sandro Cortese gefahren.

Gerhard Gilles ist selbst im Rennsport groß geworden. In der nationalen Klasse. Das Material, welches zu diesem Zeitpunkt käuflich zu erwerben war erfüllte aber nicht seinen eigenen Qualitätsanspruch.

Also was tun? Selbermachen!

Und genau das tat er dann auch. Zunächst für den Eigenbedarf und dann schnüffelte die Konkurrenz aus der Nachbarbox. Oh, das sieht aber gut aus! Hast Du toll gemacht!  Und so nahm die Geschichte ihren Lauf, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Denn hier im Werk von Gerhard Gilles sieht alles nach Expansion aus und dem Willen jeden Tag etwas Neues zu entwickeln oder Bewährtes noch besser zu machen.

Wenn IHR also richtig wertiges Zubehör für eure Maschinen sucht – dann seid IHR hier richtig!
Nicht billig ABER preiswert! Den Unterschied brauche ich Euch an dieser Stelle nicht zu erklären und verbleibe bei dem alten Sinnspruch:

Irgendwann kann man sich keine billigen Dinge mehr leisten → Denn würden nicht Narren zum Markt gehen, würden schlechte Waren nicht gekauft! Das sagen die Engländer und hin und wieder haben die auch mit ihren Sprüchen recht.

Win on Sunday – sell on Monday! Das trifft ganz besonders auch auf die Produkte von Gilles Tooling zu und vielleicht haucht es uns im Alltag auch ein wenig Grand Prix Gefühl ein.

Ciao ragazzi Sto facendo un test rapido!

Ich werde auf alle Fälle bei meinen nächsten Einkäufen in Sachen Zubehör erst einmal in die Produktpalette von Gilles Tooling schauen – Billige Dinge kann ich mir nicht mehr leisten!

IMPRESSIONEN:


Alter Wein in neuen Schläuchen……..

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Habt Ihr auch zufälligerweise die Ausgabe 05 2017 der Zeitschrift Motorrad gelesen? Unter dem Titel „Cup-Puccino“ hatte da der Redakteur der Zeitschrift Motorrad, Johannes Müller,  die aktuelle Triumph Street Cup in einem Fahrbericht beschrieben.

Vertieft in den wirklich nett geschriebenen Bericht lese ich dann auch das Fazit des Redakteurs der von einem schönen, voll alltagstauglichen, wertigen Neo-Retro-Cafe-Racerchen (Zitat) für Genießer spricht, die es unkapriziös und stressfrei mögen.

Hey Flying Haggis, dass hört sich ja durchaus interessant an und bei dem Datenblatt steht etwas von 55 PS bei 200 kg Trockengewicht! Mehr braucht eigentlich kein Mensch, um auf einer kurvigen Landstraße mit seinem Motorrad glücklich zu sein.

Wahrscheinlich altersbedingt kommt erst jetzt eurem werten Erzähler ein Gedanke und leicht versonnen marschiert Flying Haggis in die tieferen Gewölbe seiner Höhle. Da war doch noch WAS?

Und richtig – über die Wintermonate wohl schon etwas in Vergessenheit geraten steht SIE da vor mir. Die „Monstro Piccolo“ der besten Sozia von Allen.

Okay, okay – nicht mehr so ganz im Serientrimm steht SIE da, die kleine 600er Monster aus den Hallen von Borgo Panigale in Bologna. Da ist mit der Zeit einiges an hochglanzpolierten Aluprodukten aus der Road Racing Manufaktur angebaut worden. „Kellermännchen“ haben den Platz der etwas klobigen Originalblinker eingenommen und das Originalheck ist einer verkürzten Variante aus dem Hause Pferrer gewichen.

Aber um diese Umbauten geht es mir jetzt eigentlich nicht, sondern vielmehr um einen kleinen Blick in das Datenblatt unserer „Monstro Piccolo“ aus dem Jahr 1996. Hier stehen 54 PS bei 190 kg Trockengewicht im Fahrzeugbrief!

Bei objektiver Betrachtung steht also unsere alte Dame ganz gut im Futter im Vergleich mit aktuellen Produkten aus dem Baujahr 2017. Das einzige was man aus Sicherheitsaspekten vermissen könnte, wäre das ABS. DAS ist also der Fortschritt aus mehr als 20 Jahren technischer Entwicklung?

Denn optisch kann sich das alte Produkt aus Bologna durchaus noch mit der „Neuen“ aus Hinckley messen. Zumindest was meinen Motorradgeschmack angeht.

Im Grunde genommen passiert also gerade im Motorradsektor das, was man bei Bekleidung bereits seit Jahrzehnten feststellen kann. Leute – werft nur ja nichts weg! Egal wie abgefahren es auch immer sein mag – irgendwann kommt die Zeit zurück und ein findiger Stratege verkauft Euch:

Alten Wein in neuen Schläuchen!

Ich bleibe dann aber lieber bei meinem guten alten Roten aus Italien. Einem schönen trockenen Barolo oder Brunello.

La La Land ODER doch Verständnis für die Briten?

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La La Land – ich habe den Film noch nicht gesehen obwohl sich die Kritiker vor Lob überschlagen und die Hybridvariante aus Musical und Spielfilm für mehrere Oscars vorgeschlagen ist.

Als ich aber das erste Mal den Filmtitel La La Land in den Medien vernommen hatte dachte ich unwillkürlich: Jetzt haben Sie die Geschichte der EU verfilmt. Das kann ja was werden!

So eine Seifenoper aus drittklassigen Darstellern, die ihren Zenit des Schaffens bei Weitem überschritten haben und jetzt in einer – Wie heißt das noch neudeutsch so schön „Daily Soap“ ihr Gnadenbrot fristen.

Wenn La La Land den Oscar erhält, dann müsste die EU in Verbindung mit meinem Lieblingsressortleiter in der deutschen Regierung die goldene Himbeere für die schlechteste Vorstellung des Jahres erhalten.

Wie begeistert war ich einmal von unserer europäischen Union und dem Gedanken jetzt ein einheitliches großes Ganzes zu schaffen, ohne Grenzen, mit einer gemeinsamen Währung und einer einheitlichen Rechtsprechung! UND einer einheitlichen Führerscheinregelung für alle Mitgliedstaaten.

Seit 28.12.16 gilt jetzt auch für uns Deutsche die europäische Regelung im Bereich der Führerscheinklasse A2:

Nur noch Maschinen mit einer Leistung von 35 Kw oder für uns ältere Semester 48 PS. Mit der europäischen Einschränkung, dass von A2-Fahrern genutzte, gedrosselte Varianten nur noch eine Höchstleistung von 95 PS haben dürfen.

Faktisch bedeutet dies die endgültige und vollständige Umsetzung der 3. EU-Führerscheinrichtlinie. Okay, okay – die hätte bereits Mitte des letzten Jahres umgesetzt werden sollen, bei genauerer Betrachtung sogar etwas früher, denn in „Resteuropa“ hat dies Gültigkeit seit 2013 – ABER – Wir sprechen hier schließlich auch von dem Fachressort des Herrn Alexander Dobrindt, welches unsere demokratischen Entscheidungsträger in den Gremien Bundestag und Bundesrat beraten sollte und da muss man auf den ein oder anderen gespielten Witz im Stile des bayrischen Komödienstadels gewappnet sein.

LEUTE – ich spreche jetzt nicht davon ob ich es für sinnvoll halte eine japanische Feuerklinge oder sonstiges Gerät mit annähernd 200 PS auf A2-konforme 48 PS zu drosseln! Ich spreche davon, dass wir genau um derartige Fälle sachgerecht und „bürgernah“ zu regeln ein europäisches Parlament haben (oder sollte ich besser sagen: Haben sollten?)

Stattdessen hat da wohl flächendeckend die deutsche Delegation dem Schlaf des Gerechten gefrönt ODER war gar nicht anwesend. Zumindest liegt letztere Variante nahe, wenn man Berichterstattungen aus dem EU-Parlament sieht und außer den Reinemachfrauen kein Mensch im Saal anwesend ist.

Jetzt wird uns auch noch die Besitzstandswahrung als besonderes Geschenk verkauft: Meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger. Sie können weiterhin ihre derart gedrosselten Motorräder im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland nutzen!

Jaaa – nur fahrt bei mir hier unten im Dreiländereck mit diesen Maschinen nicht mal schnell ins Großherzogtum Luxemburg tanken ODER nutzt den Wochenendtrip im Schwarzwald noch schnell zu einem Abstecher ins benachbarte Elsass um dem Col de la Schlucht oder dem großen Ballon die Aufwartung zu machen. DANN seid ihr nämlich Dank der deutschen Schnarcherei im illegalen Bereich unterwegs und fahrt nach EU-Recht faktisch ohne gültige Fahrerlaubnis.

Am allerbesten finde ich wirklich die Internetpräsentation unseres mit Fachkompetenz überbordend ausgestatteten Verkehrsministeriums

http://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/LA/rechtliche-grundlagen-des-eu-fuehrerscheins.html?nn=284418

Da steht für alle Interessierten bereits auf der ersten Seite, natürlich leicht versteckt, ein mehr als vielsagender Hinweis:

Sollten Sie Fragen zu Einzelfällen der Erteilung und Entziehung der Fahrerlaubnis und zu Ihrem Führerschein haben, wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige örtliche Fahrerlaubnisbehörde (Straßenverkehrsamt).

Wenn diese Seite korrekt gepflegt würde dann müsste hier im Anschluss stehen:

…… denn wir haben leider von dieser Materie überhaupt keine Ahnung.

Ich versuche in der Zwischenzeit zu recherchieren was Alexander Dobrindt tatsächlich beruflich macht. Ich vermute ja mittlerweile, dass der Mann ein kommunistischer Schläfer aus dem kalten Krieg ist und ihn irgendjemand (versehentlich) geweckt hat, um das Land der Dichter und Denker endgültig in den geistigen Abgrund zu treiben. Wahrscheinlich werde ich aber eher ermitteln können ob Florian Silbereisen mit Batterien funktioniert oder tatsächlich echt ist.

Manchmal gibt es Phasen – da habe ich tatsächlich Verständnis für das Verhalten der Briten!

Venire contra factum proprium ODER soziale Kompetenz Teil 2

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Ja Leute ich weiß → es hört sich ziemlich nach dem Latein in den Asterixheften meiner Jugend an. Obwohl – zwischendrin werfe ich ganz gerne mal wieder ein Blick in die Heftchen, verbunden mit einem Schmunzeln.

Aber jetzt sind wir fast vom Thema weg und zum Schmunzeln ist es schon gleich gar nicht. Aktuell geistert es wieder durch die Gazetten obwohl das Urteil des Oberlandesgerichtes (OLG) Frankfurt schon um mehr als ein Jahr zurückliegt.

Am 18.08.2015 war es und unter dem Az.: 22 U 39/14 des OLG Frankfurt ist es zu finden.

https://openjur.de/u/851932.html

Damit sind wir auch bei unserem „Asterixlatein“ aus der Überschrift und der Urteilbegründung, dessen Ableitung sich im Grundsatz von Treu und Glauben im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) wiederfindet. Nach der Definition dieses unbestimmten Rechtsbegriffes ist es eine unzulässige Rechtsausübung, wenn innerhalb eine Schuldverhältnisses oder einer anders gearteten rechtlichen Sonderverbindung der Berechtigte selbst eine tatsächliche Situation geschaffen hat, auf deren Bestand der andere Beteiligte vertrauen durfte und auch vertraut hat.

Diejenigen unter uns, die bereits das zweifelhafte Vergnügen einer Gerichts-verhandlung hinter sich haben, wissen was sich hinter einem Urteil eines OLG verbirgt. Richtig – hier war bereits irgendein Gericht vorher mit dem Fall betraut. In unserem Fall war es das Landgericht (LG) Darmstadt am 16.01.2014 und danach ging der „Kläger“ in Berufung.

Kläger war in diesem Fall (wie IHR aus den Presseberichten wisst, handelte es sich um eine 4-köpfige Gruppe von Motorradfahrern), der Fahrer an Position 2. Nr. 1 kollidiert in einem Kurvenverlauf mit einem entgegenkommenden PKW. Und das war es im besagten Fall schon mit den Klarheiten. Denn unser Kläger, also Fahrer Nr. 2, behauptet sein Fahrzeug bis zum Stillstand abgebremst zu haben UND dies ohne Sturz oder Kollision. Vielmehr habe nun der Fahrer Nr. 3 (im aktuellen Fall der Beklagte) die Schuld, da er (wegen zu geringen Sicherheitsabstandes) seine Maschine nicht mehr ausreichend abbremsen konnte und dann in das Fahrzeugheck von Nr. 2 krachte. Dadurch wäre mithin der Sturz von Nr. 2 verursacht worden und die daraus resultierenden Folgeschäden.

Soweit so gut oder vielmehr so schlecht. Da hat jetzt jemand einen (unverschuldeten) Schaden [wenn WIR die Auffassung von Nr. 2 teilen], den er beglichen haben möchte und zieht vor Gericht und da haben wir in Deutschland den Grundsatz: Im Zweifelsfall für den Angeklagten UND genau der zieht jetzt.

Denn das LG konnte nach der Beweiserhebung und dem Sachverständigen-gutachten nicht ausreichend sicher feststellen, dass der Beklagte (also Nr. 3) mit seinem Motorrad gegen das Heck des Motorrads des Klägers gestoßen sei und dieses zu Fall gebracht habe. Es sei nicht auszuschließen, dass die Beschädigungen am Heck der Maschine von Nr. 2 und an der Front des Motorrades von Nr. 3 durch Kollisionen während der Rutschphase, insbesondere mit den Fahrbahnbegrenzungen, eingetreten seien.

Genau gegen diese Bewertung des LG Darmstadt ging jetzt unser Fahrer Nr. 2 in Revision und hoffte auf ein anderslautendes Urteil des OLG Frankfurt.

Pustekuchen!

Auch der Frankfurter Senat des OLG teilte die Auffassung des LG Darmstadt, insbesondere unter dem Aspekt, dass die „Reihenfolge“ der Gruppe je nach Verkehrssituation und anderen Umständen auch gewechselt hatte. Des Weiteren wird formuliert über das durchaus im Straßenverkehr vertraute Bild von Motorradfahrern in der Gruppe, bei der alle den erforderlichen Sicherheits-abstand nicht einhalten.

Somit geht das OLG Frankfurt in seiner weiteren Urteilsbegründung davon aus, dass alle Beteiligten in der Gruppe einvernehmlich ein besonderes Risiko eingegangen sind, um das entsprechende Gruppenfahrgefühl zu erreichen. Jedem der Gruppe hätte die gleiche Situation passieren können wie dem Kläger. Dass der Fahrer an Position 4 unfall- und sturzfrei hindurchfahren konnte, mochte daran liegen, dass er eine geringfügig längere Reaktionszeit hatte als die vor ihm fahrenden Motorradfahrer. Sämtliche Teilnehmer der Gruppe nahmen mithin billigend in Kauf, dass entweder sie selbst oder der hinter ihnen fahrende Fahrer bei einer Unfallsituation oder sonstigen Störungen nicht ausreichend bremsen konnte und es mithin zu Schädigungen der anderen Gruppenteilnehmer kommen konnte. Dieses bewusst fahrlässige Handeln schließe die Haftung einzelner Gruppenmitglieder untereinander damit zwingend aus.

Bingo!

Ja und jetzt – was bedeutet das Ganze jetzt für uns im Motorradalltag? Das entscheidende Problem ist, das Urteile eines OLG oftmals präjudizierende Wirkung haben. Soll heißen: Jedes andere Gericht, welches einen ähnlich gelagerten (oder weitestgehend ähnlichen) Sachverhalt zu verhandeln hat, wird jetzt zunächst das o. a. Urteil aus dem Hut zaubern und sich darauf berufen. UND dann werden WIR höchstrichterlich zu hören kriegen: Sie hatten untereinander keinen ausreichenden Sicherheitsabstand und die Reihenfolge innerhalb ihrer Gruppe war ständig wechselnd und nicht festgelegt!

Für MEIN persönliches Dafürhalten bleibe ich einfach weiter bei meinen Ausführungen in dem Artikel „Soziale Kompetenz“ und dann bin ich – egal in welcher Gruppe – auf der sicheren Seite → wenn sich ALLE daran halten!

2 fast 4 you!

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Die Rennsportszene im Motorradbereich verfolge ich ja, wie Ihr wisst, bereits seit einigen Jahren. Irgendwie haben mir es die Kerle und auch die wenigen Mädels in der Szene angetan, also aufrichtige Bewunderung allenthalben.

Könnt ihr euch noch an die (aus meiner Sicht) goldenen Zeiten der Superbike-WM erinnern? Habt ihr SIE noch auf dem Schirm die Herren Fogarty, Phillis, Russell, Slight, Falappa und wie sie alle hießen? Das war so Anfang bis Mitte der 90er des zurückliegenden Jahrtausends. Als sich die Helden der Halbliterklasse in der Motorrad-WM mit Zweitaktmonstern herumschlugen, die in etwa so zu fahren waren wie sich ein wilder Mustang im Rodeo reiten ließ. Nur etwas für ganz hartgesottene Burschen mit einer lebensverachtenden Grundeinstellung oder zumindest der Maxime, dass ein gebrochener Knochen keinerlei Grund für Wehklagen darstellt. Der „gelbe Schein“ war nur dann eine Option, wenn die Mechaniker den Fahrer nicht mehr auf seine Maschine heben konnten. Und so fuhren sie dann auch die Schwantz, Mamola, Lawson, Rainey und Doohan. Am Ende ihrer Karriere dann meist mit derart viel Metall im Körper, dass selbst die Detektoren an den Flughäfen vom Dauerpiepton hinter die Luft kamen.

Genau in dieser Zeit ist ES das erste Mal passiert! Die eigentlichen seriennahen Maschinen aus der Superbikeszene kamen an die Referenzzeiten der Könige des Motorradsports der 500er Klasse heran. Immer näher robbten SIE sich an die Rundenzeiten der Halblitermaschinen. Warum?

Weil diese Monster ohne jegliche heutige Fahrhilfen wie Traktionskontrollen etc. nur noch für ganz wenige, nahezu übermenschliche Fahrer beherrschbar waren. In Anbetracht der Verletzungen dieser Stars gewinnt der Begriff „beherrschbar“ aber einen bitteren Beigeschmack.

WARUM dieser Rückblick? Weil es wieder geschehen ist! Ganz aktuell bei den nachsaisonalen Testfahrten in Jerez.

Hier trafen Fahrer der Moto GP Klasse auf ihre Pendants aus der Superbike. Und was ist passiert?

Der amtierende Weltmeister und Titelverteidiger der SBK-WM Johnny Rea hämmerte in Jerez, bei nicht einmal optimalen Witterungsbedingungen, mit seiner Kawasaki eine neue Rekordrunde auf den Asphalt. Bei 1:38,721 min blieb die Uhr stehen. Schneller als der Doctor mit seiner Moto GP Yamaha im Frühjahr bei seiner Polezeit in Spanien.

Natürlich ist die Superbike-Kawasaki von Jonathan Rea nicht vergleichbar mit einem Serienprodukt der ZX 10. Aber dennoch nahe dran in dieser Silhouettenrennklasse. Okay die Superstockklasse wäre noch näher dran aber dennoch – Wir sprechen hier von einer Maschine, die einer Serienbasis entspringt und auf der anderen Seite von reinrassigen Prototypen. Vollgestopft mit allem was Technik und Ingenieurskunst hergibt – und das ist einiges.

Sind wir wieder angekommen an dem Punkt, den wir bereits ganz leicht in den besagten 90ern touchiert hatten? Ist jetzt die Wende bei den Motorradrennen, zumindest bei den Rundenzeiten zu vermelden. Das wir alle selbst im Motorradrennsport feststellen müssen, dass schiere Leistung allein nicht schneller macht, sondern FAHRBARKEIT!

Ich bin gespannt was sich IRTA und FIM einfallen lassen. Wie lange werden sie diese Entwicklung beobachten ohne einzugreifen? Oder rufen am Ende die Stars der Superbikeszene den Helden der Moto GP zu 2 fast 4 you!